Wie schreibe ich meine PK-Historie?
Die Prostatakrebshistorie
Für eine gute Kommunikation über eine Krankheitssituation sind ausführliche, mindestens aber ausreichende Daten dringend erforderlich. Auch ist es nicht empfehlenswert die Daten in einem langen Text zu verstecken. Wir brauchen einen schnellen und trotzdem genauen Übersicht der Prostatakrebs Geschichte oder eine Prostatakrebs-Historie, abgekürzt, eine PKH.
Wir bleiben hier bei einer minimalen Form.
Dazu müssen wir die wesentlichen Abkürzungen kennen, von denen aber viele auch ohne nachlesen zu müssen noch einen Sinn ergeben sollen. Sonst verstehen neudiagnostizierte Patienten das System nicht:
1. Abkürzungen
PK = Prostatakrebs
PKHistorie = PK-Historie (Englisch PCD = PC-Digest)
Biop = Biopsie – Gewebeentnahme , oft auch Bx
Diag = Diagnose, oft auch Dx
Therap = Therapie, oft auch Tx
PSA = Prostata-spezifisches Antigen in ng/ml
bPSA = Basis-PSA, d.h. der letzte PSA-Wert vor der Biopsie; manchmal auch
aPSA = Anfangs-PSA
T = Testosteron in ng/ml (In USA: ng/dl, 400 ng/dl = 4 ng/ml, manchmal auch mit nmol/l )
Normaler Bereich 3 - 10 ng/ml, häufigst 4 - 7 ng/ml
Kastrationsniveau: < 0,2 ng/ml
Das < Zeichen bedeutet "weniger als"
DHT = Dihydrotestosteron, bildet sich aus T mittels eines speziellen Enzyms.
Sowohl T als auch DHT fördern das Wachstum des Prostatakrebses,
wobei DHT viel potenter als T ist.
THERAPIE (BEHANDLUNG)
RP = Radikale Prostatektomie (Entfernung der Prostata)
BT = Brachytherapie
EBRT = Externe Bestrahlungstherapie
IMBRT = Intensitätsmodulierte Bestrahlungstherapie
Diese Abkürzungen werden oft verwechselt mit der Brachytherapie, auch BT
Wir benutzen: Brachy T oder SI - Seed-Implantation
AA = Antiandrogen (z. B. Casodex oder Flutamid)
(Androgene sind männliche Hormone, meist Testosteron)
AB = Androgen-Blockade (Blockade der Androgenproduktion)
AB1 = AB mit 1 Medikament
AB2 = AB mit 2 Medikamenten
AB3 = AB mit 3 Medikamenten
ADT = Androgen Deprivations-Therapie, dasselbe wie AB (Deprivation = Entzug). So gibt es auch ADT1, ADT2 und ADT3
DHB = Das Leibowitz-Protokoll der Dreifachen Hormonblockade,
AB3(L + C150 mg + P) während 13 Monate als Ersttherapie.
Im konkreten Fall sollte man auch die Art der Medikamente hinzuschreiben, z. B.
AB3 (Zoladex oder Trenantone + Casodex 50 mg + Proscar)
AB2 (Zoladex oder Enantone + Casodex 150 mg)
AB2 (Casodex + Proscar)
AB1 (Casodex) oder schlicht "nur Casodex"
AB1 (Trenantone oder Enantone oder Zoladex)
DIESER TEIL NUR FÜR VETERANEN:
IAB = Intermittierende Androgenblockade (oder auch IADT)
Die IAB besteht aus Zyklen, jeder Zyklus besteht aus einer AB- (ADT-) Periode, gefolgt von einer Pause.
Eine AB3 im 2. Zyklus wird mit 2AB3 angegeben (als Beispiel)
2. Die Prostatakrebshistorie anhand eines Beispiels.
Punkt 1
NAME oder ein Schutzname und das GEBURTSJAHR
Anton Zimmermann oder auch ein Schutznamen, wie Antonius
Beispiel:
1. Anton Zimmermann (1942)
Punkt 2.
MONAT/JAHR der ersten PK DIAGNOSE - Diagn. 5/99 und der PSA-Wert vor der Diagnose - bPSA (Beginn PSA oder Basis PSA) Beides getrennt durch ein Semikolon.
Beispiel:
1. Anton Zimmermann (1942)
2.. Diagn. 05/99; bPSA 7,3
Punkt 3
PROSTATAVOLUMEN (ProstVol.)
Inhalt angegeben in ccm (Kubikzentimeter),
Anmerkung:
Normale Werte sind 18 ccm bis 25 ccm. Viel höhere Werte deuten auf eine vergrößerte Prostata (Hyperplasie) hin, das hat nichts mit Krebs zu tun. Die Prost.Vol.-Bestimmung ist mittels TRUS (TransRektaler UltraSchall) möglich, eine Technik, womit auch ein Bild der Prostata gemacht werden kann und wobei manchmal auch ein Tumor festgestellt werden kann.
Beispiel:
1. Anton Zimmermann (1942)
2. Diagn: 05/99; bPSA 7,3;
3. ProstVol. 22
Punkt 4
KLINISCHES STADIUM (engl. Clinical Stage) nach dem TNM-Schema,
T = Tumor, N = Nodule = Lymphknoten, M = Metastase(n)
Anmerkung:
Jeder dieser drei Buchstaben bekommt eine Ziffer, z. B. T3N1M0 oder T2bN0M0; Falls nicht bestimmt oder nicht bestimmbar, wird ein x statt einer Ziffer hingeschrieben. Die T-Ziffer sagt etwas über die Ausdehnung des Prostatatumors. N, Nodule bedeutet Knoten, Lymphknoten.
N0 bedeutet keine
feststellbaren Metastasen in den Lymphknoten.
N+, N1 oder N2 bedeutet Metastase in den Lymphknoten (befallen), die Ziffer gibt das Ausmaß an. Falls das Ausmaß nicht gut bestimmbar, wird N+ geschrieben.
M1, M2 bedeuten: Es gibt PK-Tumoren im Körper, z. B. in den Knochen.
M0 bedeutet: keine
feststellbaren PK-Tumoren im Körper
Der Urologe kann meist sagen, was Ihr TNM-Stadium ist, das steht auch in Ihrer ärztlichen Beurteilung.
Manchmal wird ein "p" als Vorbuchstabe verwendet um damit zu kennzeichnen, dass ein Pathologe den Wert bestimmt hat, z. B. in pT3bpN1Mx.
Beispiel:
1. Anton Zimmermann (1942)
2. Diagn: 05/99; bPSA 7,3;
3. Prost.Vol. 22;
4. T3,N+,M0
Punkt 5
GLEASON SCORE oder GLEASON-SUMME (GS) (ein Maß für die Aggressivität des PK).
Anmerkung:
Dieser wird vom Pathologen bestimmt. Dazu macht der Urologe eine Gewebeentnahme, meist Stanzbiopsie. Die Proben werden vom Pathologen in Wachsblöcke eingebettet, davon dünne Schnitte genommen und diese unter einem Mikroskop ausgewertet. Die Wachsblöcke sind Eigentum des Patienten und werden sehr lange bewahrt. In Deutschland ist die Aufbewahrungsfrist fünf Jahre. Die Blöcke können ggf. zu einem anderen Pathologen geschickt werden für eine "Zweite Meinung" ("second opinion").
Der Pathologe schreibt einen Bericht an den Urologen und er meldet u.a. den Gleason Score oder den Grad. Zum Beispiel GS(3+5) oder GIII.
Dr. Donald Gleason hat den Prostatakrebs in fünf Stufen der "Entdifferenzierung" eingeteilt, 1, 2, 3, 4 und 5. Der Krebs "entdifferenziert" die Zellen, und wenn er das sehr stark tut, ist er sehr aggressiv, wenn er das ganz wenig tut, ist er wenig aggressiv (hochdifferenziert). Die Stufe 1 ist hochdifferenziert, fast gesund, die Stufe 5 ist als Zelle sehr stark verändert, das Gewebe zeigt große Unordnung, sehr aggressiv.
Der GS besteht aus zwei Ziffern. Die erste Ziffer identifiziert das, was der Pathologe am meisten in dem befallenen Gewebe erkennt, also das häufigste Tumorgewebe. Die zweite Ziffer gilt für das zweithäufigste Tumorgewebe. Beide Zahlen werden dann zusammengezählt und ergeben den Gleason Score. Deswegen ist zum Beispiel GS(5+3) schlechter als GS(3+5), obwohl beide die Summe 8 liefern. Das Grading nach dem deutschen Pathologisch-urologischen Arbeitskreis, z.B. GI, GII oder GIII (manchmal schreibt man G1, G2, G3) ist eine andere Art, die Aggressivität festzustellen. Sie kann manchmal noch durch a und b nach Helpap unterteilt sein. Das Grading kann mit der Summe der beiden Zahlen des GS wie folgt verglichen werden:
GI stimmt in etwa überein mit GS 2 bis 4
GII stimmt in etwa überein mit GS 5 bis 7
GIII stimmt in etwa überein mit GS 8 bis 10
Es gibt in Deutschland eine weitere Differenzierung nach Helpap:
GIa, GIb, GIIa, GIIb, GIIIa, GIIIb
Beispiel:
1. Anton Zimmermann (1942)
2. Diagn: 05/99; bPSA 7,3;
3. Prost.Vol. 22;
4. T3N+M0;
5. GS(3+5)8
Punkt 6
Therapie mit Datum
Hiernach folgen Angaben über die Behandlung, die Therapie (Therap). Jeder Beginn und jede Änderung müssen mit einem Datum versehen sein. Falls andere Therapieformen, z. B. Cryotherapie, HIFU o.ä. gewählt wurde, dann bitte ohne weitere vereinbarten Kürzel angeben.
Punkt 7
PSA-Verlauf mit Datum. Dabei sollte das Datum nach den obigen Vereinbarungen möglichst vor der Therapieangabe stehen. Die Angaben über den Verlauf der PSA-Werte sind meist nur interessant nach Beginn einer Therapie.
Beispiel:
1. Anton Zimmermann (1942)
2. Diagn: 05/99; bPSA 7,3;
3. Prost.Vol. 22;
4. T3N+M0;
5. GS(3+5)8
6. Therap.: 06/99 RP
7. PSA-Verlauf
07/99 - 0,02
10/99 - 0,02
01/00 - 0,05
04/00 - 0,09
07/00 - 0,20
Punkt 8
In die Liste der PSA-Werte sollten dann ebenfalls mit Datum alle Therapiemaßnahmen und auch alle Medikament einschließlich der alternativen Methoden oder Nahrungsergänzungsmittel oder Ernährungsumstellungen dazwischen geschoben werden, so dass man erkennen kann, wann welche Maßnahmen getroffen wurden und welche Auswirkungen sie auf den Prostatakrebs hatten:
Beispiel:
1. Anton Zimmermann (1942)
2. Diagn: 05/99; bPSA 7,3;
3. Prost.Vol. 22;
4. T3N+M0;
5. GS(3+5)8
6. Therap.: 06/99 RP
7. PSA-Verlauf
07/99 - 0,02
10/99 - 0,02
01/00 - 0,05
04/00 - 0,09
07/00 - 0,20
07/00 Externe Bestrahlung
08/00 - 0,18
11/00 - 0,15
02/01 – 0,21
03/01 – Beginn der ADT3 mit Zoladex, Casodex 150 mg, Proscar
03/01 – Selen, Vitamine etc. Zusatzernährung
05/01 – 0,18
08/01 – 0,07
11/01 – < 0,04
02/02 – <0,04
Damit ist auf einen Blick schon viel Klarheit geschaffen zur Diagnose. Natürlich kann mehr Information in beschreibender Form gegeben werden. Zum Beispiel: "Bin Diabetiker" oder "PK und/oder BK (Brustkrebs) kommen in der Familie vor".
Diese acht Punkte sollten immer angegeben werden, wenn dies möglich ist.