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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hodenbruch und Prostatakrebs...



Horeia
08.12.2006, 20:02
Hallo zusammen!!!!!

Versuche mich mal kurz zu fassen.

Beim Opa meines Mannes wurde ein Hodenbruch festgestellt. Der Darm war außerdem in den Hoden gerutscht und er konnte nicht mehr urinieren. Hat dann einen Katheder bekommen. Zusätzlich wurde Prostatakrebs festgestellt.
Nun ist er ins KH, gestern wurde er operiert. Beide Hoden wurden abgenommen und der Darm konnte glücklicherweise wieder "zurückverlegt" werden.
Katheder hat er immer noch, würde im Januar nochmal operiert werden. Da würde irgendwas in der Prostata abgeschält werden und die Vorhaut erweitert werden.
Den Krebs bräuchte man nicht operieren, es wäre nicht so wichtig, damit könne er Steinalt werden !!!???

Sorry, hatte schon ne Menge Krebsfälle in der Family, jedoch noch keinen Prostatakrebs. Kenne mich damit überhaupt nicht aus.
Nur hört sich das für mich alles ein wenig komisch an und wenn man googelt sehen die Prognosen auch nicht sonderlich gut aus.

Wer kann mir Infos geben ?
Was wird denn in der Prostata "geschält" und warum die Vorhaut geweitet ?? Danach soll er angeblich den Katheder nicht mehr brauchen!!??
Warum macht man nicht alles sofort und wartet so lange ???
Ist Prostatakrebs doch nicht gefährlich ???http://www.ht-mb.de/forum/images/smilies/confused.gif http://www.ht-mb.de/forum/images/smilies/confused.gif http://www.ht-mb.de/forum/images/smilies/confused.gif

Sorry, bin vollkommen verwirrt....

Liebe Grüße und ein dickes DANKE!!!!!!!!
Horeia
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WinfriedW
08.12.2006, 21:07
Der Opa deines Mannes, wie alt ist der?

Man hat ihm beide Hoden abgenommen und ihn somit kastriert. Warum ist das geschehen? Warum auch immer, weshalb, damit sinkt sein Testosteron auf Kastrationsniveau. Dieser Umstand kann den Krebs aufhalten.

Die Prostata wird durch den Tumor oder auch gutartig vergrößert sein, so dass sie auf die Harnröhre drückt und ein normales Wasserlassen nicht mehr möglich ist. Die Operationsmethode der Wahl ist die TURP (transurethrale - von der Harnröhreher ausgeführte - Prostataresektion). Warum die Vorhaut erweitert wird, erschließt sich mir nicht.


Ist Prostatakrebs doch nicht gefährlich ???http://www.ht-mb.de/forum/images/smilies/confused.gif http://www.ht-mb.de/forum/images/smilies/confused.gif http://www.ht-mb.de/forum/images/smilies/confused.gif
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Kommt drauf an! Mann kann daran sterben.

WW

jürgvw
08.12.2006, 21:25
Hallo Horeie

Um Deine Fragen beantworten zu können sollten wir etwas mehr wissen. Bei Prostatakrebs (PK) sind Faktoren wie PSA-Wert, Gleason-Werte, wenn möglich auch Zahlen zur Entwicklung der PSA-Werte, Alter des Patienten, wenn möglich auch Einzelheiten aus den pathologischen Berichten von Bedeutung, wenn es darum geht, Therapiemöglichkeiten abzuschätzen. Die Ärzte sind verpflichtet, dem Opa Deines Mannes (oder einem von ihm bezeichneten Bevollmächtigten) alle zur Verfügung stehenden Unterlagen in Kopie herauszugeben.

Immerhin steht fest, dass die Entfernung der Hoden schon eine erste Therapie des PK darstellt. Ob sie zu ergänzen sei, dazu müsste man eben mehr wissen zu den Punkten, die ich oben erwähnt habe.

Dass eine zweite Operation erst im Januar erfolgen soll, das dürfte wohl deshalb so vorgesehen sein, weil die Folgen der ersten Operation bis dahin schon einigermassen abgeklungen sein dürften. Wahrscheinlich können Dir andere Forumsteilnehmer noch genauere Auskünfte hinsichtlich der geplanten weiteren Eingriffe geben; ich stelle mir vor, dass sie eine Erleichterung beim Wasserlassen herbeiführen sollten, möchte aber keineswegs garantieren, dass meine Vorstellung richtig ist.

Schlieslich: Schau Dir im KISP (www.prostatakrebse.de (http://www.prostatakrebse.de)) den Text "ERSTER RAT" an; dort findest Du schon viele Antworten auf Fragen, die sich bei PK stellen.

Dem Opa Deines Mannes wünscht alles Gute

Jürg

Horeia
09.12.2006, 15:43
Hallo Ihr beiden!!
Erstmal vielen Dank für Eure Antworten.

Der Opa ist 77. Wegen des Hodenbruchs sollte zuerst nur ein Hoden entfernt werden. Als jedoch die Diagnose PK kam hat man ihm beide vorsorglich abgenommen.
Der Prof erklärte es meiner Schwiegermum so, daß bei PK besser gleich beide Hoden abgenommen werden sollten, da wenn der PK streut es ziemlich schnell in den Hoden streuen würde. Und somit würde man die "Angrifffläche" am besten sofort entfernen damit dahin erst gar nichts streuen kann.
Und PK würde sonst nirgends hin streuen ????????? Stimmt das ???

Werte habe ich leider nicht. Bekomme immer nur von Schwiedermama gesagt was die Ärzte berichtet haben.
Nur leider ist meine Schwiegermum mit sowas immer leicht überfordert und blickt selbst nicht so ganz durch und weiß irgendwie auch nicht alles!!

Mich hatte halt nur gewundert das es hieß es sei nicht so wichtig den Krebs zu operieren, er könne damit Steinalt werden ??? Keine Chemo nix....

Liebe Grüße Und danke!!!!!!
Horeia

WinfriedW
09.12.2006, 18:05
... Der Prof erklärte es meiner Schwiegermum so, daß bei PK besser gleich beide Hoden abgenommen werden sollten, da wenn der PK streut es ziemlich schnell in den Hoden streuen würde. Und somit würde man die "Angrifffläche" am besten sofort entfernen damit dahin erst gar nichts streuen kann.
Und PK würde sonst nirgends hin streuen ????????? Stimmt das ??
So ein Quatsch!

PK streut ähnlich wie beim Brustkrebs der Frauen in erster Linie in die Knochen und Lymphgefäße. Grundsätzlich kann aber auch jedes andere Organ (Leber, Lunge etc.) befallen werden! Dass PK in die Hoden streut, habe ich noch nicht gehört.

PK wächst ähnlich wie der Brustkrebs bei Frauen in den allermeisten Fällen hormonabhängig. Es macht daher Sinn, das männliche Sexualhormon (Testosteron) abzusenken (bei den Frauen mit BK senkt man das weibliche Sexualhormon - Östrogen - ab). Testosteron wird in erster Linie in den Hoden gebildet. Deshalb kann es durch Kastration gelingen, den Krebs für einige, evtl. auch längere Zeit aufzuhalten. Es gibt alternativ dazu medikamentöse Möglichkeiten, um das Testosteron abzusenken. Klar ist allerdings auch, dass der Testosteronmangel auf längere Sicht sehr unschöne Nebenwirkungen hat.

Opa ist jetzt 77 Jahre alt. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass wir Männer ohnehin nur eine statistische Lebenserwartung von ca. 76 Jahren haben. Wenn also Opa nun noch spekulativ 5 Jahre mit seinem Krebs lebt, dann ist er vergleichsweise steinalt. Vermutlich macht in diesem Alter eine radikale OP tatsächlich keinen Sinn, weil so eine OP ein schwerer Eingriff mit erheblichen Folgen ist. Opa wäre sicher wenig erfreut, wenn er nach OP inkontinet entlassen würde.

Die Prognose hängt sicher von den Werten ab. Aber vielleicht sollte man sich auch nicht allzu lange mit der Prognose aufhalten. Mann kann sich damit verrückt machen. Die Alternative dazu heißt: leben!

Chemo kommt erst zum Einsatz, wenn der Testosteronentzug nicht mehr greift und es dennoch zum Krankheitsprogress kommt.

Noch etwas zu deiner Beruhigung: Es ist eher normal, dass 77jährige Männer PK haben. Die meisten sterben daran tatsächlich nicht. Dennoch ist PK diejenige Tumorerkrankung mit der höchsten Mortalität bei Männern, vor Lungen- oder Darmkrebs. Es trifft allerdings vorwiegend uns jüngere Patienten mit den aggressiven Tumoren - auch nicht schön zu wissen!

Winfried

Horeia
09.12.2006, 20:03
Hallo Winfried!!

Erstmal vielen lieben Dank für Deine Antwort!!

So in etwa hab ich mir das auch schon gedacht. Wie gesagt, hatte in der Family schon einiges an Krebs, leider bisher alles tödlich. Nur PK kam noch nicht vor.
Aber ich konnte mir auch nicht vorstellen daß dieser nicht auch, wie alle anderen auch in andere Organe streuen kann.
Das PK wenn nur in den Hoden streut hat der Doc oder Prof meiner Schwiegermum gesagt. Oder sie hat man wieder alles falsch verstanden!!??

Jetzt kann man wahrscheinlich nur noch hoffen, daß die "letzten" Jahre soweit nichts mehr schief geht und er ohen Beschwerden leben kann und nichts irgendwo anders hin streut.....

Nochmals vielen lieben Dank!!!
Und Dir wünsche ich natürlich alles, alles Gute.......!!!!!!!!!!!!!!!!!

Liebe Grüße
Horeia

jürgvw
09.12.2006, 21:51
Hallo Horeia

Bestimmt hat Deine Schwiegermama den Professor falsch verstanden. Sicher liessen es die Ärzte nicht bei der Entfernung eines Hodens bewenden, weil sie mit der Ausdehnung der Operation auf beide Hoden gleich die Hauptquelle einer weiteren Ausdehnung des Krebses ausschalten konnten.

Damit ist aber nicht geklärt, ob der PK schon gestreut habe. Ergänzend zu der Meinungsäusserung, die Du von Winfried bekommen hast, würde ich vorschlagen, dass Du Dir eine Vollmacht beschaffst und von den Ärzten schriftlich Kopien der zweifellos vorhandenen pathologischen Berichte anforderst.

Liegen die vor, dann verfügst Du zuhanden Deines Opas über die nötigen Informationen für die Planung des weiteren Vorgehens. Es ist sehr wohl möglich, dass die Lage es gestattet, vorläufig einmal nichts zu unternehmen ausser im Bedarfsfall einer guten Kontrolle der Tumormarker.

Eine Operation, nun, da würde ich mich, hätte ich das Alter Deines Opas, sehr fragen, ob ich nach den zwei Operationen gleich noch eine dritte folgen lassen möchte, um so mehr als mir das Risiko der Inkontinenz gar nicht behagen würde. Ob eine andere Therapie sinnvoll sein könnte, darüber zu schreiben wäre beim gegenwärtigen Wissensstand reine Spekulation; sie zum vornherein auszuschliessen, das würde ich allerdings nicht gut finden.

Liebe Grüsse

Jürg