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Bernd70
03.07.2017, 12:34
Hallo,


vor 2 Monaten hatte ich (Bernd: Alter 47 Jahre) tagelang Schmerzen am linken Rippenbogen. Bin daraufhin zum Hausarzt marschiert um das abklären zu lassen. Er tippte auf eine Blockade der Brustwirbel und hat mich erst einmal eingerenkt. Die Schmerzen waren dann auch am nächsten Tag verschwunden.


Um organische Ursachen auszuschließen hat er mir dann noch Blut abgenommen. Beim nächsten Termin teilte er mir mit, dass mein PSA-Wert mit 8,2 etwas hoch sei. Ich hatte diesen Wert vorher noch nie bestimmen lassen und konnte somit diese Zahl nicht richtig einordnen. Um eine Prostatitis auszuschließen, hat er mir dann für die folgenden 4 Wochen ein Antibiotikum verschrieben. Nach vier Wochen wurde der PSA-Wert nochmal bestimmt. Leider hatte sich der Wert unter Antibiotikagabe auf 10 (QPSA 7%) erhöht.

Es folgte die Überweisung zum Urologen. Zwischenzeitlich hatten sich meine Probleme beim Wasser lassen weiter verschlechtert. Der Harnstrahl war schon längere Zeit dürftig.
Der Urologe erstastete bei der Untersuchung eine verhärtete Stelle. Beim Ultraschall konnte er die Größe auf 8 mm bestimmen. Da der PSA-Wert sich unter Antibiotikagabe nicht verringert hat, verschrieb der Urologe mir für die nächsten vier Wochen einen Alpha-Blocker (Pinkeln seitdem ohne Probleme). Anschließend sollte dann nochmal Blut abgenommen werden (das war heute), um dann am folgendem Mittwoch das Ergebnis zu besprechen. Wenn der Wert nicht sinkt, will er eine Biopsie durchführen.


Die letzten 4 Wochen habe ich ausgiebig genutzt, um mich über das Thema PK zu informieren. Ich habe auch sehr viel Zeit hier im PK-Forum und auf myprostatate.eu verbracht. Nun bin ich vollkommen von der Rolle und kann kaum noch schlafen. Mittlerweile weiß ich, dass ein Quotient freies PSA / Gesamt-PSA von 7% die Wahrscheinlichkeit einer PK-Diagnose deutlich erhöht.
Da ich zum Zeitpunkt der ersten Untersuchung schon nicht mehr ohne Symptome war (Probleme beim Urinieren, immer wieder Schmerzen Bereich LWS und BWS, PSA sehr hoch), habe ich natürlich große Angst, dass ein möglicher PK schon Metastasen gestreut haben könnte.


Was ist für den Fall einer Biospie zu beachten? Was sollte ich den Urologen vorher fragen?


Beste Grüße
Bernd

silver dollar
03.07.2017, 13:05
Moin Bernd,
bischen schwierig mit so wenig Daten
a)der PSA setzt sich zusammen aus Größe der Prostata die emittiert immer PSA
b)Entzündung das hast Du durch Antibiotika ausgeschlossen
c)mögliches Karzinom
Da Du zur Größe nichts sagst und nur den Grund des Alpha Blockers nennst schwierig zu sagen wieviel des PSA aus einer möglicherweise vergrößerten Prostata kommt
d)Verhärtung deutet auf Karzinom hin es gab aber schon Fälle von Einlagerungen die ähnlich tastbar gewesen sind
Ich würde die Biopsie unter Antibiotika machen lassen, bei Deinem Alter aber eine mpMRT vorausschicken und eine Fusionsbiopsie machen lassen, hören die Urologen nicht so gerne
aber ich würde das anstreben.
Normal ist eine 12fach Biopsie, Entnahme von 12 Gewebeproben mittels Biopsienadeln, in etwa wie auf einer Uhr von 0 bis 12. Wahrscheinlichkeit nicht zu treffen gegeben. Eine mpMRT zeigt bildgebend ob da was kritisches zu sehen ist, wird in PI RADS Scores ausgedrückt und wenn da Areale 4 oder 5 (PI RADS zählt 1 bis 5 keine 1= wahrscheinlich Karzinom 5 = wahrscheinlich aggressives Karzinom). Das mpMRT Bild kann mit dem Ultraschallbild des Urologen fusioniert (übereinander gelegt) werden damit neben den Routinestanzen = 12 zusätzlich auch suspekte Areale aus dem mpMRT erreicht werden.
Da keine weiteren Werte da sind nur der Ordnung halber
abhängig von dem Biopsieresultät und nur wenn es Krebs ist kommen Therapieoptionen in Frage, daher solltest Du bei einem Lebensalter von 47 Jahren schon wissen wollen was Realität ist. Wenn Du das Biopsieresultat - sprich den Bericht des Pathologen, der die Gewebeproben untersucht in Händen hast melde Dich, alles daraus ist dann erklärbar.
Erst mal Ruhe bewahren, den Urologen wegen Biopsie unter Antibiotika ansprechen, das sehen die manchmal zu locker und wegen Biopsie siehe vorgenannte Zeilen.

Bernd70
03.07.2017, 13:20
Hallo Guenther,

erstmal vielen Dank für die prompte Antwort. Die genaue Größe der Prostata kann ich dir nicht sagen. Der Urologe sagte aber, die Größe sei für mein Alter normal (also im Sinne von nicht vergrößert).

Beste Grüße
Bernd

MartinWK
03.07.2017, 18:39
PSA in 4 Wochen von 8,2 auf 10: das ist untypisch für ein PCa. PSA 10 und bereits schmerzende Metastasen: eher selten.
Warst du vor den Messungen jeweils 3-5 Tage enthaltsam? Kein Rad gefahren?
Ansonsten kann die Steigerung auch anzeigen, dass das Antibiotikum nicht angeschlagen hat ("falsches" Bakterium, daher ein anderes Mittel erforderlich) oder eine "atypische" Entzündung vorliegt. Der Alphablocker bekämpft nur Symptome (siehe http://www.urologielehrbuch.de/alpha_blocker.html), sollte also das Urinieren erleichtern bis zur nächsten PSA-Messung.

Bei keiner vergrößerten Prostata und PSA im Bereich von 10 auch bei der neuesten Messung würde ich zunächst ein mpMRT machen lassen (wie auch von Guenther vorgeschlagen), und zwar bei einer auf Prostata spezialisierten Radiologie. Die gesetzliche Kasse bezahlt das normalerweise erst nach negativer Biopsie, so daß dann bei positivem mpMRT-Befund eine zweite Biopsie erforderlich wird, wenn man der ersten nicht vertraut, was man nicht sollte, da häufig "daneben" gestochen wird.
Nach einem mpMRT mit niedrigem Pi-RADS-Wert kannst du dir überlegen, ob du eine Fusionsbiopsie anschließt oder es nochmal mit einer Antibiotikatherapie versuchst. Es gab hier im Forum einen Fall, bei dem es sehr lange gedauert hat, bis das PSA (und damit die Entzündung) herunterging:
https://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?5939-45-JAHRE-nach-Vasektomie-pl%F6tzlich-hoher-PSA-16-7
Zu den Optionen siehe auch
https://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?10048-Grund-zur-Besorgnis

Bernd70
03.07.2017, 21:19
Hallo Martin,

besten Dank für deine nette Rückmeldung. Radfahren und Sex (durch den Stress ist da im Moment nix möglich) vor der Blutabnahme kann ich ausschließen.
Ich werden den Urologen aber nochmal auf eine mögliche Unwirksamkeit des Antibiotikums ansprechen. Ich habe mir zwischenzeitlich verschiedene Kliniken im Netz
angeschaut die mpMRT und Stanzbiopsie anbieten. Dabei habe ich die AltaKlinik gefunden. Dort könnte ich sehr schnell einen Termin bekommen, was mir in meiner
jetzigen Situation sehr recht ist.

Beste Grüße
Bernd

RalfDm
03.07.2017, 23:09
Hallo Bernd,

Dabei habe ich die AltaKlinik gefunden. Dort könnte ich sehr schnell einen Termin bekommen, was mir in meiner
jetzigen Situation sehr recht ist.
Der Alta-Klinik auch. Erkundige dich mal nach deren Preisen!

Ralf

MartinWK
04.07.2017, 08:31
Eile mit Weile. Die Ungewißheit nervt, ich weiß.
Die Biopsie kann auch transperineal erfolgen (durch den Damm), das bieten viele an. Für einen gesunden 47-Jährigen ist das Infektionsrisiko überschaubar.
Ich nehme an, du bist Selbstzahler. Kommst du aus der Region "Gütersloh"? Da MRT und Biopsie ambulant ablaufen, kannst du auch weiter entfernte Stellen ansteuern. Vorlaufzeit für MRT normalerweise wenige Tage (Privatpatienten...), für Biopsie waren es bei mir 4 Wochen bei allen dreien, die ich angefragt hatte. Abgerechnet wurde dort jeweils nach GOÄ, das mpMRT kostet überall etwa das Gleiche.

Bernd70
04.07.2017, 09:12
Ich wohne nahe Bonn. Die Fahrt nach Gütersloh beträgt für mich knapp 2 Stunden, also keine wirklich große Entfernung. Termine hieß es, seien für mrt + Biopsie innerhalb von 5 bis 7 Werktagen verfügbar.

silver dollar
04.07.2017, 13:12
Moin Bernd,
frage vorher bitte nach den Kosten von mnpMRT und Biopsie in der ALTA bevor Du Dich entscheidest.

Bernd70
04.07.2017, 19:44
Ich habe heute den Wert der letzten PSA-Messung erfragt. PSA liegt demnach bei 7,99.

Daraus ergibt sich folgende Entwicklung:

02.05.17 8,2 erste mal vom Hausarzt
02.06.17 10,2 Wert bei Hausarzt nach 4 Wochen Antibiotika
03.07.17 7,99 nach 4 Wochen Tamsulosin

Habe keinen Schimmer wie ich diesen Wert einordnen soll. Am Donnerstag habe ich einen Termin
beim Urologen zwecks Besprechung des weiteren Vorgehens. Kosten mpMRT habe ich zwischenzeitlich,
diese liegen preislich im Mittelfeld verglichen mit anderen Anbietern, also ok für mich.

Beste Grüße
Bernd

Hvielemi
04.07.2017, 20:10
Lieber Bernd,
ich bin froh, nicht aus den beiden vorangehenden Messwerten meine üblichen
Unkenrufe abgeleitet zu haben.
Ein einzelner Messwert sagt sehr wenig aus, eine einzelne Messperiode
schon etwas mehr. Bestätigt sich der daraus abgeleitete Trend bei der
dritten Messung nicht, steht man wieder auf Feld 1.

Mit einem Tastbefund und Schmerzen unklarer Herkunft wird dein Urologe
wohl zu einer Biopsie raten. Das mMRT wird diesen Vorschlag stützen, oder
eben nicht.
Diese Ungewissheit nagt.
Lass also keine unnötige Zeit verrinnen.

Carpe diem!
Konrad

Arne80
05.07.2017, 09:40
Hallo Bernd,


Habe keinen Schimmer wie ich diesen Wert einordnen soll.

Es ist schon einmal gut, dass kein weitere Anstieg stattgefunden hat, was aufgrund des kleinen Zeitfensters m.E. aber auch überraschend gewesen wäre.
Dein PSA hat sich nach erfolgter Antibiotika-Therapie auf einem Wert um die 8 ng/ml eingependelt, was zweifelsohne zu hoch ist und in Kombination mit dem positivem Tastbefund und dem geringen PSA-Quotienten
eine kurzfristige Abklärung erfordert. Eine PSA-Tendenz aus wenigen Monaten zu erzielen, halte ich auch persönlich aufgrund der Schwankungen bei vorhandener Prostata für sehr schwierig, wichtig ist meiner Meinung nach hier ein längeres Zeitfenster (um lokale Schwankungen zu "filtern", in Deinem Fall ist Warten aber m.E. keine Option) oder auch der vorhandene Absolutwert nach antibiotischer Therapie.

Mich würde interessieren, ob man bei positivem Tastbefund überhaupt eine mpMRT-Bildgebung braucht? Immerhin weiß der biopsierende Arzt ja auch so, wo die Verhärtung ist und kann relativ genau zielen?
Wenn es doch so sein soll, kann ich Dir auch die Martini-Klinik in HH (ist von Bonn natürlich ein wenig weiter weg) sehr empfehlen, ist auf dem Gelände der UKE und bietet neben mrMRT natürlich auch Biopsien an. Ein Bettnachbar hatte morgens seine Biopsie unter Narkose und ist nach dem Mittagessen auf eigenen Wunsch wieder gegangen.

https://www.martini-klinik.de/diagnostik/bildgebende-untersuchungen/magnetresonanztomographie/mp-mrt/

Wenn bei einer Biopsie tatsächlich ein Karzinomnachweis erbracht werden sollte, stünden Dir aber in Abhängigkeit von der Histologie vermutlich jede Menge Türen offen, über die aber auch erst dann zu sprechen wäre.
Ich weiß, es sagt sich leicht, aber: Kopf hoch, es kann alles gut werden!

Viele Grüße
Arne

Hvielemi
05.07.2017, 10:17
Naja, lieber Arne,
die Martiniklinik ist durchaus eine erstklassige Adresse, aber
der Doyen der deutschen Prostatakundigen, Prof. Axel Heidenreich,
sitzt nun mal in der unmittelbaren Nachbarschaft von Bernd, in Köln:
http://www.leading-medicine-guide.ch/Experte-Urologie-Koeln-Prof-Heidenreich


Die Notwendigkeit der MRT bei positivem Tastbefund stellst Du zurecht in Frage.
Diese Untersuchung würde nach einer (positiven) Biopsie aber ohnehin gemacht,
warum also nicht den allfälligen Erkenntnisgewinn bereits zur Biopsie nutzen?

Konrad

Bernd70
05.07.2017, 16:52
Hallo Konrad, Hallo Arne,

tut erst mal gut in dieser Situation Tipps zu bekommen, bin dafür sehr dankbar. Was die Einordnung der Messungen angeht, teile ich uneingeschränkt deinen Beitrag von gestern, Konrad.
Bin eigentlich so schlau wie Anfang Mai. Am Montag habe ich einen Termin fürs MRT und Dienstag dann Biopsie, Termine habe ich schon mal sehr schnell bekommen.
Von der Martini-Klinik habe ich bisher auch viel Gutes gelesen. Das in Köln auch eine Prostatakoryphäe sitzt, wusste ich nicht. Wieso in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Werde mir das sofort anschauen.

Beste Grüße
Bernd

Hvielemi
05.07.2017, 19:17
Aber nicht deswegen die Termine aufgeben!
Den Heidenreich kannst Du dir aufsparen für eine Zweitmeinung, falls erforderlich.

Konrad


PS:
Nu hab ich mir mit zweimal editieren so viel Mühe gegeben, den Goethe richtig
zu zitierrn, und Du machst es wieder kaputt ... ;-((

Bernd70
05.07.2017, 20:13
Termine für Bielefeld werde ich nicht aufgeben, bin ja froh diese so kurzfristig bekommen zu haben. Erstes Update folgt dann spätestens Montag.
Bernd

PS: Heidenreich bleibt trotzdem ein guter Tipp

Timbolimbo
05.07.2017, 20:31
Guten Abend,

ich sage nur Protonentherapie im RPTC München. Bei Fragen gern per PN.

Alles Gute

Hvielemi
05.07.2017, 20:49
Aber Halloo!
Vor einer Therapiewahl braucht es erst mal eine ordentliche Diagnostik.
Die ist kurzfristig angeleiert.
Wir wissen ja noch nicht mal, ob Bernd überhaupt Krebs habe, und
wenn, von welchem Grading und Staging.

Am RPTC macht man gewiss sehr gute Therapien, die Technologie stammt
schliesslich vom PSI.
Aber die kennen ihre Grenzen und Möglichkeiten sehr genau!

Konrad

Timbolimbo
06.07.2017, 07:41
Guten Morgen,

vor dem Start werden Sicherheitshinweise bezüglich Notausgänge und mehr gegeben. Da ist auch noch nicht sicher, das die Maschine abstürzt.
Aber mal im Ernst: Meist ist nach der Biopsie auch gleich vor der OP. Wenn man erstmal in der Achterbahn drin sitzt, ist es Zuspätgekommene für andere Fahrgeschäfte.

Lieber vor dem Schaden ......

Bernd70
17.07.2017, 17:07
Hallo ,

habe gerade telefonisch die Nachricht erhalten , dass der Biopsiebefund leider positiv ist. Das einzige was ich mir auf die Schnelle merken konnte war ein Gleason-Socre 7.
Den gesamten Befund erhalte ich morgen noch per mail. Weitere Infos folgen dann. Muss das jetzt erst mal sacken lassen.

Gruß
Bernd

farcenty
17.07.2017, 18:55
Hallo Bernd,

das tut mir sehr leid, jeder hier in diesem Forum kennt diesen Moment.

Lass es sacken und wähle in Ruhe und nach Abwägung aller Vor und Nachteile die für dich beste Therapie. Bedenke dabei aber bitte, dass egal wieviele Arztmeinungen du bekommst, eine objektive Beratung eher die Ausnahme ist. So war zumindest meine Erfahrung. In jeder Klinik wirst du erfahren, was diese Klinik für dich tun kann, das muss nicht immer das für dich beste sein - sondern möglicherweise das für die Klinik beste. Informiere dich selbst über das gesamt Spektrum der Behandlungsoptionen für deinen Fall und eigne dir über das Netz, das Forum hier, Erfahrungen anderer Betroffener mit verschiedenen Therapien an.

Mir haben vor allem das lesen der Erfahrungsberichte auf myprostate.eu und dieses Forum hier bei der Entscheidungsfindung geholfen.

Gruß nach Bad Honnef, das ich als BN-TD Autofahrer sehr gut kenne ;-)

Andreas

Snoopy1958
17.07.2017, 19:53
Hallo Bernd,
shit, shit, sht...
Mit 47 bist Du in jedem Fall noch zu jung', um zuzuwarten. Beim meinem Mann (er war bei der Diagnose 56), war das die erste Bemerkung von Prof. Dr. Miller, Leiter der Urologe in Berlin (Charité).
Zwischen Biopsie (01.12.2014) und OP am 06.02.2015 lagen nur wenige Wochen. Ich denke, die einzige Frage für Dich bleibt, wann und wo Du Dich operiere lässt.
Der Moment, als das Ergebnis nach der Biopsie feststand, war der schlimmste. Verharre nicht in diesem Schock, sondern suche nach Lösungen. Ich hoffe und wünsche Dir sehr, dass Du jemanden an Deiner Seite hast, der/ die einfach für Dich jetzt da ist.
Viele Grüße
Christine

Bernd70
17.07.2017, 20:11
Hallo Christine, Hallo Andreas,

danke für euren netten Rückmeldungen. Bevor ich über etwaige Behandlungsoptionen nachdenke, werde ich erst einmal schnell ein PET/CT machen lassen.

Beste Grüße
Bernd

Bernd70
18.07.2017, 08:14
Hallo,

habe gerade den Befund von der Klinik bekommen. Dieser lautet wie folgt:

Im rechten Lappen Ihrer Prostata:

Im proximalen Drittel in der peripheren Zone eine Carzinomvorstufe, eine sogenannte high-grade PIN.
Im mittleren Drittel in der peripheren Zone ein Adenocarzinom mit einem Gleason-Score 6 (3+3) mit einer maximalen Tumorausdehnung in Punktionsrichtung von 2,3 mm.
Im distalen Drittel in der peripheren Zone ein Adenocarzinom mit einem Gleason-Score 7 (4 [90%] +3) mit einer maximalen Tumorausdehnung in Punktionsrichtung von 10,6 mm.
Im linken Lappen Ihrer Prostata:

Im proximalen Drittel in der peripheren Zone eine Carzinomvorstufe, eine sogenannte high-grade PIN.
Im mittleren Drittel der peripheren Zone ein Adenocarzinom mit einem Gleason-Score 7 (3+4 [30%]) mit einer maximalen Tumorausdehnung in Punktionsrichtung von 9,8 mm.
Im distalen Drittel der peripheren Zone ein Adenocarzinom mit einem Gleason-Score 7 (3+4 [40%]) mit einer maximalen Tumorausdehnung in Punktionsrichtung von 8,0 mm.

Beste Grüße
Bernd

Urologe
18.07.2017, 09:31
Hallo,

habe gerade den Befund von der Klinik bekommen. Dieser lautet wie folgt:

Im rechten Lappen Ihrer Prostata:

Im proximalen Drittel in der peripheren Zone eine Carzinomvorstufe, eine sogenannte high-grade PIN.
Im mittleren Drittel in der peripheren Zone ein Adenocarzinom mit einem Gleason-Score 6 (3+3) mit einer maximalen Tumorausdehnung in Punktionsrichtung von 2,3 mm.
Im distalen Drittel in der peripheren Zone ein Adenocarzinom mit einem Gleason-Score 7 (4 [90%] +3) mit einer maximalen Tumorausdehnung in Punktionsrichtung von 10,6 mm.
Im linken Lappen Ihrer Prostata:

Im proximalen Drittel in der peripheren Zone eine Carzinomvorstufe, eine sogenannte high-grade PIN.
Im mittleren Drittel der peripheren Zone ein Adenocarzinom mit einem Gleason-Score 7 (3+4 [30%]) mit einer maximalen Tumorausdehnung in Punktionsrichtung von 9,8 mm.
Im distalen Drittel der peripheren Zone ein Adenocarzinom mit einem Gleason-Score 7 (3+4 [40%]) mit einer maximalen Tumorausdehnung in Punktionsrichtung von 8,0 mm.

Beste Grüße
Bernd

Berücksichtigt man Ihr junges Alter und der Tumorausdehnung in BEIDE Prostatalappen, VIER positiven Stanzen und einem geschätzten Gleason 4 Tumoranteil von 50%
sollten Sie auf jeden Fall die Operation wählen! Alles Andere ist maximal DRITTE Wahle in dieser Konstellation, leider! Strahlentherapie, egal welcher Art, ist hier nicht leitlinienkonform
(aber auch ausserhalb dieser nicht optimal)

spertel
18.07.2017, 10:00
Moin Bernd.......

Ich halte ein PET-CT zum jetzigen Zeitpunkt für nicht notwendig, da es mutmaßlich keine verwertbaren Erkenntnisse liefern dürfte, die die therapeutische Konsequenz, nämlich die von FS empfohlene OP, ändern sollte.

Du solltest Dich ausschließlich mit der Suche nach einem geeigneten Operateur beschäftigen, der die Op zeitnah mit mindestens einer standardisierten Lymphadenektomie (besser eine extendierte, je nach persönlicher Konstitution) durchführt.

Die Diagnose ist eindeutig, Deine Lebenserwartung liegt noch bei ca. 30 Jahren; nun ist Handeln angesagt und nichts anderes......

Alles Gute

Timbolimbo
18.07.2017, 13:57
Berücksichtigt man Ihr junges Alter ....sollten Sie auf jeden Fall die Protonentherapie wählen.
Diese Therapie ist vielleicht nicht leitlinienkonform erhält aber ( in jeder Beziehung) die komplette Lebensqualität.
Die Operation als letztes Mittel kann man dann immer noch wählen.

Meine Kommentare sind verbindlich und spiegeln meine persönlichen Erfahrungen wider.

Glückskind
18.07.2017, 14:20
Hallo Bernd,
shit, shit, sht...
Mit 47 bist Du in jedem Fall noch zu jung', um zuzuwarten. Beim meinem Mann (er war bei der Diagnose 56), war das die erste Bemerkung von Prof. Dr. Miller, Leiter der Urologe in Berlin (Charité).


Anmerkung:
Mit 73 ist man in der Charité auch zu jung, um abzuwarten.

Auf Nachfrage:

Abwarten wird, eventuell, empfohlen bei nur einer Stanze positiv, 3+3 und ab Mitte, Ende 70 !

flüstermann
18.07.2017, 14:44
ohne nun zündeln zu wollen:
- es lebe die (deutsche) Leitlinie und die Erde ist eine Scheibe (und in Anlehnung daran: man sollte auch mal über den Tellerrand gucken, was es sonst noch so gibt, auch außerhalb von D!)

Meine, vom Urologen dritte Wahl benannt, hat mich beschwerdefrei und nebenwirkungsarm (und nicht nur mir, wie hier auch einige andere bestätigen - für mein Empfinden ohne NW) durch eine nervige Zeit gebracht!

Und sofort wieder, wenns nötig werden sollte (wobei ich überzeugt bin, wegen PC wird dies nicht mehr notwendig!) bei evtl. Metastasen und/oder anderen Krebsarten.

Mit 23 Operationen in anderen Bereichen bin ich sicherlich kein Op-gegner, eher einer der sagt was muss das muss, aber bei Krebs kenn ich nur noch eine Alternative: die Protonen Therapie (OK, bei Leukämie und auch Hautkrebs funktioniert dies nicht)!

Und diese Erfahrung gebe ich gerne weiter.

lg

Dieter1968
18.07.2017, 15:12
also ich lese das so, dass der Urologe das auf DIESE Konstellation bezieht aber nicht die Strahlentherapie generell als DRITTE Wahl, aber gut, ich bin da doch nur Laie und kein Experte wie Timbolimbo zB

rolando
18.07.2017, 15:23
Die Operation als letztes Mittel kann man dann immer noch wählen.

Leider ist die Reihenfolge Bestrahlung gefolgt von OP nicht ganz so einfach und mit höheren Komplikationsraten und Nebenwirkungen verbunden. Teilweise werden OP's im Bereich von vorbestrahltem Gewebe auch abgelehnt bzw. sind nicht durchführbar. Nach meinem Kenntnisstand gilt das auch für die Protonentherapie.

Nur der Vollständigkeit halber sollte dies dem "verbindlichen Kommentar " von Timbolimbo hinzugefügt werden.

Zudem ist es wieder mal erstaunlich mit welcher Vehemenz und mit welchem Absolutheitsanspruch hier eine Behandlungsempfehlung in Richtung Protonentherapie ausgesprochen wird.

Und Harald (flüstermann) steht auch gleich auf der Matte und beamt den deutschen Kenntnisstand der Leitlinien zurück ins Mittelalter!!:)

Wie soll man da sachlich diskutieren?

Ich sehe es genauso wie Dieter, die Aussage von Urologe fs zur 3.Wahl bzgl. Bestrahlung ist fallbezogen/konstellationsbezogen gemeint und erhebt nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Roland

Timbolimbo
18.07.2017, 18:09
Die Vehemenz kann ich gern erklären: wir haben alle die gleiche Krankheit ( gehabt ).
Die meisten haben dann die Empfehlung RPE bekommen. Mit dem Risiko Impotenz und oder Inkontinenz. Die Erfahrungsberichte auf myprostate.eu informieren dort über die oft traurige Realität danach.
Und dann gibt es eine Behandlungsmethode, wo es diese Risiken praktisch nicht gibt!
Das größte Risiko der Protonentherapie ist, das man die Behandlung selbst bezahlen muss und dann auf den Kosten sitzenbleibt. Ich würde mir jeden Tag Vorwürfe ohne Ende machen, wenn ich mich zur OP hätte überreden lassen.
Den Erfolg über Jahrzehnte kann man ebenfalls im gleichen Forum nachlesen.
Somit denke ich , dass in einigen Jahren die Behandlung per RPE noch genauso häufig durchgeführt wird, wie Amputationen der Gliedmaßen bei Verletzungen.

rolando
18.07.2017, 19:06
Timbolimbo,
deine Sichtweise empfinde ich als äußerst eindimensional.
Das PCa hat viele Gesichter und Varianten. Diese lassen sich auch in Zukunft nicht mehrheitlich mit einer Protonenbestrahlung kurieren.
Ich möchte an dieser Stelle nicht zum x-ten Mal in eine Grundsatzdiskussion bzgl. der vermeintlichen Vorzüge einer Protonentherapie eintreten - nur soviel: das größte Risiko bei der Protonenbestrahlung ist sicherlich nicht, dass man auf den Behandlungskosten sitzenbleibt. Da gibt es genügend andere Dinge, die je nach Konstellation deutlich gewagter sind. Aber über Vor- und Nachteile wurde im Forum ja schon erschöpfend diskutiert.

Roland

flüstermann
18.07.2017, 19:35
ach Timbolimbo,

vor mir gab es schon Verfechter der Protonen und du bist einer nach mir (wenn man die Behandlungszeiträume betrachtet) aber auch nicht der Letzte der nicht Gehör findet.

Mir persönlich tun immer all die leid, welche den falschen Weg wählen und ich erschrecke mich immer, wie Ärzte -und das ist meine verdammte eigene Meinung- es eigentlich wissen müssten, was besser ist.

Aber mir machte hier vor Ort der Oberarzt und Abteilungsleiter der Chirugie im KH, zuständig für die RPE, klar, das die Protonen mehr Schaden anrichten als Röntgenstrahlen und der Strahlenarzt saß daneben und nickte mit dem Kopf (und mir attestierte er im Arztbrief: beratungsresistenter Patient der über alle Nachteile der Protonenbehandlung eindeutig aufgeklärt wurde!).

Selbst die Uniklinik in Erlangen machte die Protonenbehandlung als nicht ausgereifte Behandlung nieder - seltsam, deren HERO Stahler ist erst 1 oder 2 Jahr alt, wo ist da die ausgereifte Behandlung, zumal RPTC seit 2009 und Loma Linda seit 1990 behandeln - mit Erfolgen, aber ohne deutsche Studie und somit nicht Leitlinien konform.

Und dann beame ich den Leitlinienstand ins Mittelalter (ist doch eher umgekehrt, wenn neue andere Behandlungsmethoden nicht anerkannt werden ist der Leitlinienstand Mittelalter!).

Sei es drum, werde hier dennoch für die Protonen sein als Behandlungsform mit bester Effektivität und Nebenwirkungsarm.

Ob dies dann jemand in Betracht zieht, sollte wohl jedem selbst überlassen werden, ein medizinischer Rat ist dies genauso wenig wie die Empfehlung RPE in der Martini machen zu lassen.

Meine Behandlung als auch die von timbolimbo als auch diversen anderen Vorgängern der Protonen Therapie sind durchweg als geglückt zu bezeichnen (und falls wieder Biker61 zitiert wird: dessen Darmprobleme hatten nichts mit der Bestrahlung zu tun, wie sich im Nachhinein raustellte - kann man nachlesen bei diesem!).

Meine Probleme habe/hatte ich hauptsächlich durch die begleitende Hormonbehandlung, welche ich -wahrscheinlich- nicht mehr lassen machen würde. Glücklicherweise normalisiert sich da auch wieder alles, wenn auch nur langsam.

lg

Glückskind
18.07.2017, 19:48
Lieber Roland,

da dass hier ein Forum sein soll, wo sich Betroffene über die verschiedensten Behandlungsmethoden informieren können, so habe ich zumindest die Eingangsfrage verstanden, wäre es hilfreich, wenn Du uns über die größten Risiken der Protonentherapie aufklären könntest.

P.S. Schönes Lebensmotto

rolando
18.07.2017, 22:02
Lieber Harald,

nochmals zum Mitschreiben!!
Ich habe keine grundsätzlichen Einwände gegen eine Protonentherapie - wer das Geld hat, kann bei entspechender Indikationsstellung anstatt IMRT auf Protonen umsteigen. Ein Nachweis über eine bessere Wirksamkeit der Protonen- gegenüber der Photonenbestrahlung beim PCa steht allerdings noch aus. Was mich stört, ist diese ständige und immer wiederkehrende Aussage Protonentherapie sei in jedem Fall die beste Behandlungsoption und alle die sich für etwas Anderes entscheiden sind auf dem falschen Weg. Ich glaube das habe ich dir bereits an anderer Stelle versucht klarzumachen. Ist aber scheinbar nicht angekommen.

Gruß
Roland

buschreiter
19.07.2017, 05:45
Ganz ehrlich...mich machen diese Posts gerade sehr wütend und stellen die Sinnhaftigkeit dieses Forums leider in Frage. Die teilweise sehr eindimensionale Sicht iS Behandlungsmethode ist für jemanden, der gerade die Diagnose Prostatakrebs erhalten hat, nicht gerade hilfreich!
Das Vorschlagen einer Option ist ja völlig in Ordnung und auch sinnig, aber alle anderen Möglichkeiten, die seit Jahrzehnten bewährt sind, als falsch und unsinnig hinzustellen, ist mE Quatsch! Ich persönlich hätte mich bei Diagnosestellung mit Ü60 vielleicht auch anders entschieden, so ist die Wahl bei Diagnosestellung mit 41 Jahren eben auf ein bewährtes Verfahren (RPE) gefallen, da die Studienlage dicht ist, die Op-Methode auch nicht auf dem Stand von 1970 stehen geblieben ist und ich eben noch, so Gott will, eine recht hohe Lebenserwartung habe. Die Option der Salvage-Bestrahlung, die ich leider in Anspruch nehmen musste, wollte ich mir offen lassen. Von dem umgekehrten Weg, erst Strahl dann Stahl, wurde mir aus mir nachvollziehbaren Gründen abgeraten.
Bislang fahre ich nicht ganz so schlecht mit der getroffenen Entscheidung...

Gruß Achim

Franzlxaver
19.07.2017, 07:09
@Bernd: Da es eigentlich dein Thread ist und du um Rat gefragt hast für deine spezielle Situation, mag ich mir erlauben, darauf zu antworten. Ohne zigtausende Erfahrungsberichte gelesen zu haben und ohne Verfechter von diesem oder jenem zu sein. Aber eben auch in etwa deinem Alter diagnostiziert (ich war sogar noch zwei Jahre jünger). Für mich wichtig war immer, irgendwann eine Entscheidung getroffen zu haben und danach dazu zu stehen. Ich würde sonst daran kaputt gehen, wenn ich mich jeden Tag fragen würde, was passiert wäre, wenn ich statt DaVinci Protonen gewählt hätte oder statt Lympknotenentnahme beim Rezidiv dann Bestrahlung.
Das Forum hier verschafft dir einen guten Überblick, was es gibt und was (vermeintlich) geht. Mir hat es sehr geholfen, neben meinem Urologen auch noch ne Zweit- und z.T. sogar ne Drittmeinung einzuholen. Wie zu erwarten bei so nem komplexen Thema kamen bei drei Experten vier Meinungen zum Vorschein. Es gibt keinen Königsweg, der dir hundertprozentige Heilung garantiert. Aber die Chancen, dass du nicht nur 70 geboren bist sondern auch 70 wirst, stehen wahrlich nicht schlecht. Zumal sich die Erkenntnisse immer weiter entwickeln.
Nimm dir die Zeit, dich beraten zu lassen. Nimm dir die Zeit, dies zu verarbeiten. Triff dann aber auch eine Entscheidung und steh dazu.
Viel Erfolg dabei

Mikael
19.07.2017, 08:19
Dieses Seligsprechen der Protonentherapie und das gleichzeitige Verteufeln ALLER anderen Therapieoptionen hat schon was sektöses (und das stammt nicht vom Wort Sekt ab).

rolando
19.07.2017, 08:29
Liebes Glückskind,

dem folgenden Zitat aus einen anderen Thread entnehme ich, dass du wohl auch zu der Gruppe von verklärten bedingungslosen Befürwortern der Protonentherapie zählst.

Zitat Glückskind:"Bei der Protonentherapie werden die Lymphablusswege mitbestahlt. So wie bei jeder anderen Bestahlung auch, die nach der obligatorischen OP erfolgt, um gaaanz sicher zu gehen. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass man(n) vorher nicht impotent bzw.inkontinent ist. (Ironie aus, sorry)"
Nun zu deiner Frage nach den Risiken/Nachteilen einer Protonentherapie.
Bei einem bestimmten Biopsiebefund (hoher Anteil an Gleason 4 oder auch Gleason 5 Anteile, Tumorausbreitung in beiden Prostatalappen) dazu noch junges Alter (d.h. noch eine hohe Lebenserwartung und damit verbunden die Zielsetzung einer möglichst langen Remission oder sogar Heilung) besteht der Nachteil einer Bestrahlung darin, dass man keine weiteren histologischen Daten wie bei einer RPE erhält. Die vorausgegangene Biopsie ist nur eine Stichprobe, eine profunde patho-histologische Bewertung kann nur über eine Beurteilung des entnommenen Präparates vorgenommen werden (Gleason, duktale Anteile, kribriforme Strukturen, Kapselüberschreitung, Samenblasenbeteiligung, Lympgefäßeinbrüche, Lymphknotenbefall,...). Daraus ergibt sich unter Umständen ein anderes therapeutisches Vorgehen als bei einer "blinden" Bestrahlung, bei der man diese Erkenntnisse allesamt nicht hat. Weiterhin kann nach einer RPE, falls erforderlich, eine adjuvante Bestrahlung noch nachgeschoben werden. Erst Bestrahlung, dann RPE oder das Entfernen von dem was in der Prostataloge noch übrig ist, geht i.d.R. nicht bzw. ist kompliziert. Eine Kombination aus RPE/Bestrahlung/ADT scheint bei einem bestimmten Risikoprofil die längste Rezidivfreiheit zu erzielen.

Insofern besteht bei Strahlentherapie im Sinne einer Primärbehandlung, egal ob Protonen od. Photonen, bei bestimmten Konstellationen das Risiko einer unzureichenden Therapie und die Gefahr von nur verzögert zum Einsatz kommender weiterer Therapieschritte.

Ich denke, dass dies auch ein Teil der Überlegungen war, die Urologe fs dazu bewogen haben bei der Sachlage von Bernds PCa eine primäre Strahlenbehandlung als nicht optimal zu bezeichnen.

Gruß
Roland

Mikael
19.07.2017, 08:42
Danke Roland,

ein wohltuend faktenbasiertes Posting, welches das Problem differenziert betrachtet, bar jeder Marktschreierei.

Grüße,
Mikael

Michi1
19.07.2017, 08:53
Wenn ich so zurückschauen muss ich sagen wenn man die Nebenwirkungen ausser Acht läßt, ich glaub die gibt es bei jeder Behandlung, war die Op der Prostata das kleinere Übel. Nach 7 Tagen war alles vorbei während ich 35 Mal zur Bestrahlung ins KH musste. Das war dann schon langwieriger.

Georg_
19.07.2017, 09:28
Ich kann gut nachvollziehen, dass man nach einer erfolgreichen Protonenbestrahlung voll des Lobes ist. Allerdings können Nebenwirkungen durchaus erst nach einem Jahr auftreten, dies ist bei einer Bestrahlung relativ häufig der Fall. Die Nebenwirkungen dämpfen dann die Begeisterung wieder.

Bei Harald, Timbolino und Glückskind ist die Protonenbestrahlung noch kein Jahr her. Ich halte es daher für verfrüht dies als die einzig richtige Therapie darzustellen. Ein Rezidiv, d.h. ein PSA Anstieg, kann auch bei einer Protonenbestrahlung nicht ausgeschlossen werden. Ich hoffe aber, dies tritt bei keinem auf.

Der Internetauftritt einer Klinik ist nicht die ganze Wahrheit, sondern soll vor allem neue Patienten gewinnen.

Georg

Timbolimbo
19.07.2017, 17:12
Soll heißen: nach der Protonentherapie geht es einem zuerst gut und danach könnte es einem dann ggf. schlechter gehen.
Nach der RPE geht es einem zuerst schlecht und danach könnte es einem dann gegebenenfalls besser gehen.
Die daraus resultieren Frage lautet: Was ist besser?

buschreiter
19.07.2017, 22:36
Soll heißen: nach der Protonentherapie geht es einem zuerst gut und danach könnte es einem dann ggf. schlechter gehen.
Nach der RPE geht es einem zuerst schlecht und danach könnte es einem dann gegebenenfalls besser gehen.
Die daraus resultieren Frage lautet: Was ist besser?
Das ist für mich ein bißchen zu kurz gesprungen. Die Frage ist doch: Womit geht es einem auf lange Sicht mutmaßlich besser...jeder hat seine Gründe für seine Entscheidung, jeder Körper reagiert anders. Dass es einem nach der RPE zunächst zwingend schlecht geht, ist übrigens genausowenig richtig, wie andersherum.
Wichtig für die eigene Entscheidung ist, die Optionen zu kennen, abzuschätzen wie man selbst mit den möglichen Folgen vermutlich klar kommt und dann möglichst die passenden Ärzte zu finden, die gut arbeiten. Egal ob Stahl oder Strahl!

Arne80
19.07.2017, 23:32
Lieber Bernd,

wie man sieht, wird es hier keinen Konsens bei Therapievorschlägen geben und das kann es auch nicht, da jeder hier nur eine Primärtherapie am besten kennt, nämlich seine eigene. Die Diskussion um Nebenwirkungen etc. hängt immer auch von der individuellen Situation, Tumorlage und -größe ab, da kann man keine pauschalen Aussagen treffen.
Ich hatte nach meiner freiwilligen RPE (s. Profil) im Nachgang kaum bis gar keine Nebenwirkungen (außer natürlich Verlust der Fruchtbarkeit) und würde es immer wieder machen, da es mir ca. 4 Monate danach ausgzeichnet geht.
Aber was bedeutet das für Dich? Gar nichts, da Deine Ausgangslage ja auch wieder eine andere ist. Du hast einen Gleason-Score 7b (4+3) nach Biopsie, positiven Tastbefund (also auch mögliche Randlage eines Tumorherdes?) etc. Hier können und dürfen nur Experten einen Rat geben, die findest Du in spezialisierten Kliniken.

Persönlich folge ich zu 100% der Meinung von Roland und "Urologe fs", insbesondere was die Beurteilung des Präparats angeht, Du kannst nur nach einer OP wissen, was wirklich in Deinem Organ vorhanden ist und notfalls die Therapie anpassen. Zu Nebenwirkungen können Dich die Ärzte besser aufklären, seriöse Kliniken pflegen Statistiken zu Inkontinenz, Potenz und vor allem (und das ist das Wichtigste!) zur biochemischen Rezidivfreiheit nach 5 oder 10 Jahren.

Ich empfehle immer aus eigener Erfahrung die Martini-Klinik (gibt natürlich auch andere Top-Kliniken, die kenne ich jetzt wiederum aber nicht), zumindest eine kurzfristiges Beratungsgespräch kann man sich da geben und sich über OP/Bestrahlung beraten lassen. Wenn ich Namen nennen darf, würde ich mich dort an Prof. Haese wenden, er ist der Top-Experte dort für RPE und macht hier teilweise 2-3 OP's am TAG (!). Er kann Dir alles zu "offen" oder "da-Vinci" erzählen und klärt Dich auch seriös über Risiken und Nachteile des Eingriffs auf (insbesondere ob Nervschonung bei Dir möglich wäre).
Wie gesagt, auch nur meine individuelle "Tunnel"-Sichtweise als Betroffener, einen besseren Rat kann ich aber nicht geben.

Jede Therapie hat Nebenwirkungen, keiner kann aber sicher sagen, welche davon bei einem selbst auftreten werden. Entscheidend ist das Können und die Erfahrung des Arztes.

Ich wünsche Dir alles Gute und die besten Ärzte, egal welcher Fachrichtung, als Ratgeber!
Arne

Timbolimbo
20.07.2017, 21:49
Diesem Wunsch ( und dem Gesamtposting ) möchte ich mich uneingeschränkt anschließen.

rolando
20.07.2017, 23:23
Hallo Arne,


Zitat Arne80: "wie man sieht, wird es hier keinen Konsens bei Therapievorschlägen geben und das kann es auch nicht, da jeder hier nur eine Primärtherapie am besten kennt, nämlich seine eigene".

Natürlich kennt jeder seine eigene Therapie am besten. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen diese auch anderen Ratsuchenden zu empfehlen. Wichtig scheint mir zu sein beim PCa nicht alles in einen Topf zu werfen, sondern zu differenzieren. Es gibt bei diesem Krankheitsbild zahlreiche Varianten und Stadien und nach diesen sollten sich die Empfehlungen für eine Primärtherapie ausrichten.

Bei der großen Gruppe der "Haustierkrebse" beim PCa ist alles was über eine Active Surveillance oder ein Watchful Waiting hinausgeht eigentlich eine Übertherapie und mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Wer mit diesem Krebs im Körper nicht klar kommt, kann dennoch zurecht zahlreiche andere Therapieoptionen ziehen.

Dann gibt es eine Gruppe von Betroffenen mit intermediärem Risiko, bei denen man nicht wirklich beurteilen kann, wo die Reise hingeht. Ihnen stehen bei rechtzeitiger Intervention einige gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten offen. Gerade bei dieser Risikogruppe, bei der man von einer hohen Wahrscheinlich der Heilung ausgehen kann, egal ob man nun Stahl oder Strahl wählt, spielen mögliche Nebenwirkungen einer Behandlung - insbesondere die Themen Potenzverlust und Inkontinenz - eine wichtige Rolle. Diese sollten bei einer Wahl aus gleichwertigen Therapien auch entspechend Berücksichtigung finden.

Bei den "Raubtierkrebsen", also in einer Hochrisiko-Situation, in der man - je nach Stadium - nicht mehr unbedingt von Heilbarkeit ausgehen kann, tritt dann die Fragestellung nach der Therapie bzw. Therapiekombination mit der Chance auf eine möglichst lange Remission in den Vordergrund.

Leider trifft man hier immer wieder auf Ratgebende und Betroffene, die diese jeweilige High-Risk-Ausgangslage verkennen und Therapieoptionen vorschlagen/wählen (einschließlich der Verzögerung einer Therapie), die diesbezüglich inadäquat oder mindestens nicht optimal sind. Meistens spielen dabei Überlegungen zur Vermeidung einer Impotenz eine nicht unerhebliche Rolle. In diesem Zusammenhang sollte den Betroffenen auf jeden Fall klargemacht werden, dass es hier zwei Wahlmöglichkeiten gibt. Eine längere rezidivfreie Zeit (vielleicht noch Heilung) mit dem höheren Risiko einer erektilen Dysfunktion und evtl. auch mit Problemen hinsichtlich der Blasenfunktion - es muss ja nicht immer gleich eine ausgeprägte Inkontinenz sein - oder auf der anderen Seite eine wahrscheinlich kürzere Remission mit einer kleineren kurativen Chance, aber mit einem vielleicht geringeren Nebenwirkungsprofil. In Kenntnis dieser Fakten kann dann jeder selbst entscheiden, welchen Weg er gehen will.

Ich persönlich habe mich für die erstgenannte Variante entschieden und bereue es bislang nicht, trotz aller Begleiterscheinungen. Gerade die Angst vor dem Verlust ihrer Potenz führt bei einem Teil der Männer zur unangemessenen Therapiewahl oder zum verzögerten Therapiebeginn mit der Folge eines rascheren Fortschreitens der Erkrankung. Der unbedingte Wille einen Potenzverlust zu vermeiden, kann letztendlich zu einer Einbuße einer durchaus noch langen und als sehr lebenswert einzuordnenden Lebenszeit führen.

Dem Stammtischspruch "Lieber tot als impotent" kann ich jedenfalls nichts abgewinnen. In den Köpfen vieler Männer nimmt -wahrscheinlich triebgesteuert - die Potenz eine vorrangige Rolle ein. Ich stelle die These auf, dass die weitaus größte Mehrheit der Partnerinnen ihre Männer nicht in erster Linie über deren Potenz definiert und im Falle von PCa-Betroffenen schon gar nicht.
Ein Leben mit dem Defizit einer Impotenz, zumal im "fortgeschrittenen jugendlichen Alter", bei dem sich auch ohne therapeutische Interventionen wegen nachlassender Potenz und Libidomangel langsam ein geringeres Interesse an der schönsten Nebensache der Welt einstellt, ist immer noch sehr lebenswert - es verschieben sich halt die Schwerpunkte ein wenig. Aus diesem Grund glaube ich, sollten Überlegungen zu Nebenwirkungen auf die männliche Sexualfunktion bei Entscheidungen und Vorschlägen für eine Pimärtherapie zumindest bei High-Risk Stadien weit hinten anstehen.

Um nach meinen Ausschweifungen wieder die Kurve zu Bernd und der vorgeschlagenen Protonentherapie zu kriegen, sehe ich bei dieser Empfehlung eben die Tendenz eine mögliche Heilungschance/lange Remission zu Gunsten der Vermeidung von Nebenwirkungen zu verspielen. Mag sein, dass die Protonenbestrahlung nebenwirkungsärmer ist als eine RPE, auf alle Fälle hat sie auch - wie bereits besprochen - Risiken/Nachteile. Außerdem führt lange nicht jede RPE zu Impotenz und Inkontinenz, das sollte auch mal gesagt werden. Wo es zu besagten Nebenwirkungen kommt, konnte meist wegen eines fortgeschrittenen Stadiums nicht mehr nervschonend operiert werden und/oder mussten Gewebestrukturen außerhalb der Prostata nahe der Blasenschließmuskulatur reseziert werden.

An Bernd:
Dies ist der Versuch eines Betroffenen sich etwas differenzierter mit der Sache auseinander zu setzen und nicht einfach nur einen Therapievorschlag zu machen. Mein Wunsch an dich ist, dass du zusammen mit einem Arzt deines Vertrauens den Behandlungsweg findest, hinter dem du stehen kannst und der, wie es Arne bereits gesagt hat, von kompetenten Ärzten begleitet wird, dann können sicherlich nicht auszuschließende Nebenwirkungen auch so klein wie möglich gehalten werden.

Gruß - sowohl an Arne als auch an Bernd
Roland

Bernd70
27.07.2017, 14:31
Hallo, hier ein Update. Vorab nochmal vielen Dank an alle für die vielen Infos und aufmunternden Worte .Komme gerade vom PET/CT. Befund: Signale nur aus der Prostata, nichts in Lymphen oder Knochen ! Habe heute einen Termin für ein Vorgespräch in der MartiniKlinik bei Frau Prof. Tillik bekommen. Hab mich zwischenzeitlich für eine RPE entschieden. Hier im Forum wie auch in meinem direkten Umfeld hat man mir überwiegend zu einer RPE geraten. Weiss jemand wieviel Zeit in der Regel zwischen Vorgespräch und OP vergeht? Beste Grüße Bernd

nomade
27.07.2017, 15:13
Bei mir waren es drei Wochen vom Vorgespräch mit meinem Urologen bzw. eine gute Woche vor OP mit dem Arzt in der Klinik.

Ich denke, Du tust das Richtige nach dem erfreulichen PET/CT Befund. Ich war wenige Tage nach der Reha schon wieder dicht. Die Potenz lässt nach 7 Monaten noch auf sich warten, aber ganz tot ist er auch nicht, da kann noch was kommen.

Übrigens: Tendenziell hast Du bei RPE mit großer Wahrscheinlichkeit erst einmal Erektionsprobleme, aber bei erfolgreichem Nerverhalt kann sie auch nach längerer Zeit wiederkommen. Bei Bestrahlung ist es oft umgekehrt: Erst einmal ist die Potenz noch da, geht aber oft durch die Spätwirkungen verloren (und ist dann auch dauerhaft hin).

@ Roland
Du schriebst: "… mussten Gewebestrukturen außerhalb der Prostata nahe der Blasenschließmuskulatur reseziert werden." Nicht ganz richtig, die geht immer dabei drauf. Was Du später mit etwas Training zum Dichthalten benutzt, ist der untere Schließmuskel, und der geht bei noch nicht kapselüberschreitendem Karzinom und gutem Operateur nicht kaputt.

Und nun alles Gute für Dich!

Franzlxaver
27.07.2017, 15:35
Wartezeit ist unterschiedlich. Würde mal 1-3 Wochen Vorlauf ansetzen. Hängt ja auch ein wenig von deinen Wünschen ab. Ob Chefarzt oder Oberarzt. Ob daVinci oder offen. Ob Urlaubszeit oder nicht.
Auf jeden Fall gut, dass du für dich ne Entscheidung getroffen hast. Alles Gute

rolando
27.07.2017, 16:16
@ Roland
Du schriebst: "… mussten Gewebestrukturen außerhalb der Prostata nahe der Blasenschließmuskulatur reseziert werden." Nicht ganz richtig, die geht immer dabei drauf. Was Du später mit etwas Training zum Dichthalten benutzt, ist der untere Schließmuskel, und der geht bei noch nicht kapselüberschreitendem Karzinom und gutem Operateur nicht kaputt.

Ich habe von einem fortgeschrittenen Stadium gesprochen - das ist kapselüberschreitend. Dass die obere oder innere Schließmuskulatur bei einer RPE immer entfernt wird, habe ich als bekannt vorausgesetzt. Wenn in Zusammenhang mit einer RPE über Schließmuskulatur und Inkontinenz diskutiert wird, ist immer der äußere Schließmuskel gemeint. Auch einem guten Operateur sind dabei Grenzen gesetzt, falls das Karzinom diesen Schließmuskel infiltriert.

Roland

nomade
28.07.2017, 03:14
Völlig richtig, Roland. Aber der ist eben nicht nahe der Blase, sondern auf der anderen Seite der Prostata. Mir ist das – nicht zuletzt durch dieses Forum – völlig klar.

Aber bei einem 'Neuling' sollte man nicht zu viel voraussetzen und vermeiden, unnötig Angst zu machen.

rolando
28.07.2017, 09:15
Völlig richtig, Roland. Aber der ist eben nicht nahe der Blase, sondern auf der anderen Seite der Prostata. Mir ist das – nicht zuletzt durch dieses Forum – völlig klar.

Aber bei einem 'Neuling' sollte man nicht zu viel voraussetzen und vermeiden, unnötig Angst zu machen.

Von "nahe der Blase" war nie die Rede, ich habe "von nahe der Blasenschließmuskulatur" gesprochen und lediglich nicht zwischen der externen und internen Muskulatur differenziert, weil die innere Schließmuskulatur nach einer RPE nicht mehr relevant ist.
"Unnötig Angst machen" war auch nicht angesagt, ganz im Gegenteil, in vorstehendem Satz schrieb ich: "Außerdem führt lange nicht jede RPE zu Impotenz und Inkontinenz, das sollte auch mal gesagt werden". Im Anschluss daran folgte dann die Erklärung in welchen Fällen ein erhöhtes Risiko für die angesprochenen Nebenwirkungen besteht.

Roland