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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anfängerfrage: Welcher Arzt (Fachrichtung)



haegarhorrib
17.08.2017, 10:06
Hallo zusammen,
ich habe mich schon ein bisschen durch das Forum geschmökert, bin aber noch zu keinem vernünftigen Schluss gekommen.

Mein Vater hat die Prostata geschält bekommen, das eingeschickte Gewebe ist mit einem Gleason Score von 9 (5+4) und der Einschätzung, dass es wahrscheinlich T2b sei zurückgekommen. Der PSA war vor der OP bei 6,5. Weitere Diagnostik gab es bisher nicht.

Sein niedergelassener Urologe will ihm jetzt bloß Hormonspritzen geben und hat ihm eine Überweisung zum Radiologen gegeben.

Der Urologe hat soweit ich das sehen kann nicht mal die Zusatzausbildung für Onkologie.

Nun frage ich mich, wo er wohl am besten hingeht.

Nur zum Radiologen/Nuklearmediziner oder auch noch zum Onkologen oder lieber gleich in ein Prostatakrebszentrum (das wäre gerade noch so fahrbar für ihn)?

In den Broschüren steht ja immer der Radiologe/Nuklearmediziner als fester Bestandteil, von Onkologen ist ja eher selten die Rede.

Was sagt denn Euer Erfahrungsschatz dazu?

Danke
LG
haegarhorrib

Hvielemi
17.08.2017, 12:05
Ahoi 'schrecklicher Hägar'

"Zum Radiologen" ist sicher richtig, wobei da wohl ein MRT des Abdomens
geplant ist, um den Krebs in der Prostata zu beurteilen und um nach
regionalen Metastasen ausschau zu halten, was bei GS9 durchaus
zu erwarten wäre.

Dann erwähnst Du noch den Nuklearmediziner. Der macht Bilder mit
rafioaktiven Stoffen als Tracer, also z.B. das übliche Knochenszintigramm
um nach Metastasen in den Knochen zu suchen, oder die sensitivere
und spezifischere PSMA-PET, die Prostatakrebsherde im ganzen
Körper und allen Organen aufspüren kann (Beispiele [4] und [5]).

Je nach den Bildbefunden fällt dann die Therapie aus und dementsprechend
die Arztwahl. Die Hormontherapie von Prostatakrebs ist Domäne der Urologen,
während der Onkologe hauptsächlich Chemotherapien anbietet, die bei unserer
Krankheit erst nach dem Ausschöpfen der Hormontherapien erwogen wird.
In Frage kommen aber auch Bestrahlungen und Operationen.

Aber GS9-Tumoren sind keine Routinefälle, sodass eine Zweitmeinung
beim Tumorboard eines Prostatazentrums durchaus wünschenswert ist.
Dort beraten Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen die Fälle.
Bei wem hinterher welche weitere Diagnostik und Therapie stattfinden soll,
wird dein Vater erst nach Vorliegen einer Zweitmeinung entscheiden.


Wichtig scheint mir jetzt, eine engmaschige Überwachung des PSA,
um die Wachstumscharakteristik (PSA-Verdoppelungszeit VZ) des
Tumors kennenzulernen.


Carpe diem!
Konrad



PS: Wie alt ist dein Vater?

haegarhorrib
22.08.2017, 08:07
Hallo,
danke für de Antwort.

Er ist 84.
Gruß
haegarhorrib

Hvielemi
22.08.2017, 09:13
84 ist sehr alt für Guck dazu mein Glättli-Diagramm [2] erläutert in [Was ist PSA-Alert?] (Siehe Signatur). hochaggressiven Krebs.
Es handelt sich also leider nicht um einen typischen Alterskrebs,
bei dem man sich zurücklehnt und sagt: Ach was, der tut mir nix mehr.
Ich bin immer noch für Zweitmeinung eines Tumorboards.

Konrad

haegarhorrib
22.08.2017, 10:12
Danke,
zur Zweitmeinung ersuche ich ihn eh zu kriegen. Am liebsten in dem Zentrum, vielleicht gefällt es hm ja so gut, dass er sich da gleich behandeln lassen will.

BTW: Zweitmeinung jetzt, oder erst, wenn Bilder vom Tumor da und ggf auch die Metastasenfrage geklärt ist?
Danke
LG
haegarhorrib

Hvielemi
22.08.2017, 10:28
Zweitmeinung jetzt, oder erst, wenn Bilder vom Tumor da und ggf auch die Metastasenfrage geklärt ist?


Die Bilder respektive die Berichte dazu werden die Damen und Herren des Tumorboards
bestimmt zu schätzen wissen, denn sonst würden die wohl sagen: "Erst mal Bilder bitte".
Auch ein neuer PSA-Wert wäre hilfreich.

Konrad


PS:
In Beitrag #4 hat sich ein falscher Text eingeschlichen.
Es sollte heissen:

"84 ist sehr alt für hochaggressiven Krebs"

Der Einschub mit dem Glättli-Diagramm gehört hier nicht hin,
mangels auswertbarer PSA-Messreihe.

tschuldigung