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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fragen zum Vergleich DNA-Bildzytometrie mit Gleason Score



knut.krueger
14.12.2006, 16:19
Hallo liebe Mitstreiter und Urologen Dr. fs und f.e.

ich versuche zurzeit herauszufinden, ob die DHB für mich die richtige Therapiewahl war. Dazu interessiert mich auch, wie die Beurteilung nach Gleason Score und der DNA-Bildzytometrie miteinander korrelieren. Wenn ich die Informationen aus der GEK-Schrift korrekt interpretiere, dann bedeutet

- peridiploide Verteilung entspricht Gleasonsumme von 4 - 5
- peritetraploide Verteilung entspricht Gleasonsumme 6 – 7
- x-ploide Verteilung entspricht Gleasonsumme 8 – 9
- multiploide Verteilung entspricht Gleasonsumme 9 – 10

Dies bitte ich nur als grobe Einteilung zu verstehen, da die Übergänge zwischen den einzelne Beurteilungsstufen natürlich fließend sind.
Wenn meine Einteilung in etwa richtig ist, dann bedeutet dies doch, dass bei diagnostizierter Gleasonsumme 5 eine diploide Verteilung vorliegen muss. Ich erinnere mich noch, dass vor 1 – 2 Monaten ein Mitstreiter eine große Diskussion ausgelöst hatte, als er im Forum veröffentlichte, dass er überglücklich ist, die DHB nicht machen zu müssen, weil Prof. Böcking angerufen hat und ihm sagte, auf keinen Fall die DHB zu machen, da er eine peritetraploide DNA-Verteilung habe. Soweit ich mich noch erinnere, hatte er eine niedrige Gleasonsumme von 5 oder vielleicht sogar 4. Die Schlussfolgerung ist nun für mich, dass in diesem Fall der Gleason Score falsch bestimmt wurde, da, wenn meine obige Einteilung in etwa stimmt, der Gleason Score 6 oder 7 sein müsste. Ich bringe bewusst dies Beispiel, um auf die möglichen Konsequenzen aufmerksam zu machen, wenn die von mir oben aufgezeigte Korrelation zwischen den beiden Methoden sich als korrekt erweisen sollte.
Nun habe ich noch ein zweites Thema, und zwar wird in derselben GEK-Broschüre der allgemeine Hinweis gebracht, dass man aufgrund der DNA-Verteilung auf die richtige Therapieform schließen kann bzw. welche nicht geeignet ist. Bei Frage 21 in der Broschüre heißt es: „Damit dient die DNA-Bildzytometrie sowohl der Bestimmung der Aggressivität des Tumors (= Malignitätsgrading) als auch der Beurteilung seines Ansprechens auf Hormon- und Strahlentherapie (= sogen. Therapie-Monitoring).“
Zur Hormontherapie gibt es dann später Hinweise während diese für die Strahlentherapie fehlen. Deshalb meine Frage, welche Ergebnisse der DNA-Bildzytometrie schränken oder schließen die Strahlentherapie ein bzw. aus und weshalb?
Zusammengefasst habe ich zwei Anliegen, und zwar

1. Korrelieren die Ergebnisse der DNA-Bildzytometrie mit den Ergebnissen nach Gleason Score?

2. Durch welche Ergebnisse aus einer DNA-Bildzytometrie wird die Anwendung der Strahlentherapie ausgeschlossen/eingeschränkt und warum?

Gruß Knut.ffice:office" /><O:p></O:p>

Schorschel
14.12.2006, 19:20
- peridiploide Verteilung entspricht Gleasonsumme von 4 - 5
- peritetraploide Verteilung entspricht Gleasonsumme 6 – 7
- x-ploide Verteilung entspricht Gleasonsumme 8 – 9
- multiploide Verteilung entspricht Gleasonsumme 9 – 10
</O:p

Hallo Knut,

bei mir hat Prof. Böcking in allen drei untersuchten Stanzen eine peridoploide Verteilung diagnostiziert. Mein Gleason ist nach Zweitmeinung Bonkhoff 3+4. Insofern passe ich nicht ganz in die obige Tabelle.

Zum Thema Zytometrie <-> Therapieform kann ich nichts beitragen.

Alles Gute!

Schorschel

LudwigS
14.12.2006, 20:02
Wenn man sich die nachfolgende Tabelle der Mayo-Klinik über die Progression nach 5 Jahren nach RP bei anscheinend organbegrenzter Krankheit in Beziehung zur Ploidie anschaut, sieht man nebenbei, dass es eigentlich alle Formen der Ploidie bei allen Gleasons gibt.

http://www.prostate-cancer.org/education/staging/ploidana.html

Gruss Ludwig

Schorschel
14.12.2006, 20:22
...sieht man nebenbei, dass es eigentlich alle Formen der Ploidie bei allen Gleasons gibt...

Lieber Ludwig,

gerade wollte ich Dir - nachdem ich zwischendurch zur Stärkung ein paar Nudeln gegessen habe - auf die erste Version Deiner Mail antworten, da hast Du das Rätsel in Form einer neuen Mail selbst aufgelöst...

Danke für die aufschlussreiche Tabelle!

Viele Grüße

Schorschel

knut.krueger
14.12.2006, 20:53
Lieber Schorschel und Ludwig,
Danke für Eure schnelle Stellungnahme. Ich habe mir noch einmal die entsprechenden Passagen in der GEK-Schrift angesehen und bin weiter der Meinung, dass sich daraus eine starke Korrelation zwischen beiden Verfahren ablesen läßt. Eure Beiträge zeigen, dass das aber nicht der Fall ist. Der von Ludwig angegebene Link zeigt aber zumindest die große Bedeutungl, über seine DNA-Verteilung Bescheid zu wissen und welcher großer Vorteil mit diploider Verteilung gegeben ist. Dies bestätigt dann auch Schorschel gleich wieder in Praxis, da er mit Gleason 7 aber mit diploider Verteilung mit einer "weichen Therapie" sehr erfolgreich ist. Wenn nicht noch andere gegenteilige Beiträge kommen, heißt dies, dass zur Beurteilung beide Angaben Gleason Score wie DNA-Verteilung wichtig sind.
Gruß Knut.

LudwigS
14.12.2006, 21:05
Es gibt alles, Knut, aber alles eben mit Wahrscheinlichkeiten.

http://www.prostatakrebse.de/informationen/html/dia_ploidie.html

Gruss Ludwig

knut.krueger
14.12.2006, 22:24
Danke Ludwig!
Es ist erstaunlich, was ihr bereits alles 2002 diskutiert habt und was DNA und Gleason Score betrifft viel sachlicher und zielorientierter als heute. Meine heutige Erkenntnis beides zu beachten, ist ein alter Zopf, nur ist dies heute auch ohne Probleme möglich und wird paradoxerweise oft als unnötig angesehen.

Gruß Knut.

LudwigS
15.12.2006, 08:25
.......viel sachlicher und zielorientierter als heute.

Das täuscht, lieber Knut, dank Ralfs Fleiss, der im Forumextrakt fast ausschliesslich das Nützliche und Zielführende aus den Foren gesammelt hat, macht der Forumextrakt diesen sachlichen Eindruck.
Es gab zu allen Zeiten Leute, die schlechte Kinderstube, Charaktermängel und Frust in Ihren Beiträgen nicht verbergen konnten und wollten.

Gruss Ludwig

knut.krueger
15.12.2006, 09:30
Hallo Ludwig,
Du bist natürlich schon ein alter Hase im Forum und hast dadurch auch einige Schattenseiten erlebt. Für manche Mitstreiter ist es einfach schwierig mit der Situation Krebs zu haben, fertig zu werden und lassen dann ihren Frust im Forum freien Lauf, insbesondere wenn andere vermeintlich die bessere Therapie gewählt oder abweichende Ansichten haben oder aus reiner Opposition/Frust u.s.w. Aber auch dies ist wieder eine Hilfe, da die Betroffenen dadurch sich Erleichterung verschaffen.
Ich bin auf jeden Fall immer wieder beeindruckt und für mich ist das Forum schon etwas Besonderes und betrachte dies als Bereicherung in meinem Leben, auch wenn die Umstände des Dazustoßen weniger erfreulich waren/sind.
Nun habe ich noch eine Frage, und zwar wie Du die interessanten Artikel im Archiv findest. Geschieht dies über Eingabe eines Suchwortes in der internen Suchmaschine oder sind noch ein paar andere Dinge zu beachten?
Wie Du schreibst, haben wir das der ordnenden Hand von Ralf und seinem Fleiß zu verdanken. Ralf dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön, und es ist schon toll, was Du und andere im Forum geleistet haben, und ich kann mich nur wiederholen, ich bin immer wieder sehr sehr beeindruckt. Aber ich möchte natürlich auch an diese Schätze herankommen und bitte um Tipps hierzu.

Gruß Knut.

LudwigS
15.12.2006, 10:28
Hallo Knut, wenn du auf die vom verstorbenen Uwe Peters gegründete und betriebene Homepage, die nach dessen Tod hier ans BPS-Forum angeschlossen wurde, gehst, siehst du links im Inhaltsverzeichnis unter anderem "Uwes Themen", "Forumextrakt" und "Texte".

Da kannst du tagelang lesen.

http://www.prostatakrebse.de/

Viel Spass

Gruss Ludwig

RalfDm
15.12.2006, 10:42
Hallo Ludwig,

ich hoffe, Du gestattest eine kleine Korrektur: Die KISP-Präsenz ist nicht der des BPS angeschlossen, sie existieren unabhängig voneinander, wenn es da auch eine gewisse personelle Verknüpfung gibt...
Die tatsächlich existierende Schnittmenge zwischen beiden ist das gemeinsame Forum, das am 1. Mai 2004 aus zwei ursprünglich getrennt existierenden Diskussionsforen (KISP und BPS) hervorging, was Du als alter Hase natürlich weißt, aber bei Neuankömmlingen zum Verständnis der Situation beitragen könnte.
@Knut: Es freut mich, dass Du aus dem Forumextrakt und ggf. den "Texten" Nutzen ziehen kannst, dafür habe ich sie eingerichtet und pflege ich sie.

Ralf

ruggero1
15.12.2006, 11:58
Hallo Knut,

bei mir hat Prof. Böcking in allen drei untersuchten Stanzen eine peridoploide Verteilung diagnostiziert. Mein Gleason ist nach Zweitmeinung Bonkhoff 3+4. Insofern passe ich nicht ganz in die obige Tabelle.

Zum Thema Zytometrie <-> Therapieform kann ich nichts beitragen.

Alles Gute!

Schorschel

Hallo Knut/Schorschel,
auch bei mir besteht eine Differenz zwischen Gleason Score und diploiden Zellkernen: GS 6 (oder 7 -> Zweitgutachten) und fast rein diploide Zellkerne. Mein Urologe drängt auf eine intermittierende Hormonbehandlung, die ich im Moment jedoch hinausschiebe, weil mein PSA-Wert im Moment noch stabil ist (siehe mein PK-Krankengeschichte).
ruggero

Reinardo
16.12.2006, 18:04
Hallo Knut.
Gleason Score und DNA-Verteilung lassen sich nicht so formelhaft mit Gleichheitszeichen in Beziehung setzen, wie Du es vorgeschlagen hast. Das liegt daran, dass die Bestimmung des Gleason eine subjektive Einschaetzung des Pathologen ist (die Reproduzierbarkeit ist mit ca. 36% ausgesprochen schlecht), wohingegen die DNA-Diagnostik ein objektives Geraete-Verfahren darstellt. Ungereimtheiten kommen auch dadurch zustande, dass das Untersuchungsmaterial entweder nicht repraesentativ oder ungleich ist. Der Patient muss also selber mit aufpassen, zumal vielen Urologen die DNA-Zytometrie ohnehin nicht geheuer ist.
Trotz dieser Problematik sollten Gleason und DNA-Bestimmung weitestgehend uebereinstimmen. So schreibt Boecking in seinem Beitrag zum Symposium (2005): "In der Regel besteht eine enge Korrelation zwischen dem Gleason-Score und der DNA-Verteilung von Prostatakarzinomen" und verweist auf Studien von Mora et al (1999), wonach alle untersuchten aneuploiden Karzinome Gleason-Scores 8 - 10 aufwiesen.
Bei Gleason-Scores >6 bringt erst eine DNA-Untersuchung Gewissheit, ob es sich um eine peritetraploide Verteilung mit einem evtl. signifikanten Anteil aneuploider Zellen handelt, da bei dieser Konstellation eine Hormontherapie kritisch hinterfragt werden sollte.
Von einer gewissen Brisanz sind die niedrigen Gleason-Scores bis 6. Hier kann eine DNA-Analyse das Vorliegen homogen peridiploider Zellstruktur bestaetigen. Sofern die gleichfalls messbare Wachstumsgeschwindigkeit (S-Phase, Proliferationsfraktion) unter 5% liegt, handelt es sich um den Fall eines nicht lebensbedrohlichen Karzinoms ("Haustierkrebs"), bei denen eine "Wait-and see"-Strategie die angemessene Therapie sein koennte. Nach Schaetzung von Experten handelt es sich hier um mehr als die Haelfte aller neu diagnostizierten Prostatakrebse. Dass diese Krebse noch immer von der Urologenschaft ohne ausreichende Aufklaerung der Betroffenen con mucho gusto den radikalen Therapien zugefuehrt werden, ist ein bedauerlicher Missstand in unserem Gesundheitssystem. Kanonenfutter fuer die Prostatakrebs-Behandlungsindustrie!
Gruss, Reinardo

LudwigS
16.12.2006, 18:30
Dass diese Krebse noch immer von der Urologenschaft ohne ausreichende Aufklaerung der Betroffenen con mucho gusto den radikalen Therapien zugefuehrt werden, ist ein bedauerlicher Missstand in unserem Gesundheitssystem. Kanonenfutter fuer die Prostatakrebs-Behandlungsindustrie!


Das, lieber Reinardo, macht Leibowitz mit der DHB genauso.

Diploide Krebse bräuchte er nicht behandeln, bei Mischformen schadet er dem Patienten durch Vernichten der harmlosen diploiden, und bei aneuploiden zieht er den Patienten mangels Wirksamkeit unnötigerweise Geld aus der Tasche.

Oder interpretiere ich da die DNA-Zytometrie falsch?

Unter welchen zytometrischen Voraussetzungen sollte man deiner Meinung nach denn eine DHB machen oder sollte man es besser sein lassen?

Gruss Ludwig

knut.krueger
16.12.2006, 22:44
Hallo Reinardo,
Auf Leibowitz bezogen sehe ich es ähnlich wie Ludwig und werde darauf später zurückkommen. Zuerst möchte ich Deine Ausführungen bezüglich Vergleichs Gleason Score zu DNA-Analyse kommentieren. Du schreibst, Böcking sieht eine enge Korrelation zwischen beiden Verfahren, wobei dies dann auf die oberen Gleasonsummen 8 – 10 beschränkt wird. In der oft zitierten GEK-Schrift liest man leider nicht diese Einschränkung und aufgrund von Ludwigs Antworten mit Links hatte ich bereits akzeptiert, dass beide Verfahren zur exakten Beurteilung benötigt werden, wobei gemäß meinem jetzigen Eindruck/Wissensstand die DNA-Analyse der wichtigere Teil ist.
Nun zur DHB. Es wurde schon mehrfach die laufende große Untersuchung in Europa angeführt und darauf hingewiesen, dass gemäß ersten Ergebnissen wohl 30 – 50 % der Betroffenen keine Behandlung bedürfen. Es wird dann immer wieder im Forum auf die unnützen kurativen Behandlungen verwiesen und was man den Betroffenen damit antut. Ich hatte mich immer gefragt, warum niemand auf die gleiche Unnützigkeit der DHB in diesen Fällen hinweist und hatte mir vorgenommen nach Abschluss meiner Recherchen und Entscheidung in eigener Sache auf diese Diskrepanz und daraus noch zu ziehende Rückschlüsse über die DHB hinzuweisen. Nach der DHB habe ich zwar noch die Prostata, aber die Kostenbelastung für das Gesundheitssystem und oft auch für den Betroffenen ist beträchtlich. Weiter ist die Belastung des Körpers/Organismus durch die DHB nicht gering und dürfte die allgemeine Lebenserwartung nicht verbessern.
Nachdem Ludwig nun dies Thema angestoßen hat, will ich mich dazu schon heute äußern und wage nachfolgende Hypothese:<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" /><o:p></o:p>
<o:p> </o:p>
1. Diese 30 – 50 % der rein diploiden Tumore ergeben nach der DHB die Plateaubildung und dienen den Befürwortern als Nachweis der Wirksamkeit der DHB.

2. Bei den Tumoren mit peritetraploider oder in Richtung x-ploider Verteilung kommt es dann nach der DHB zum Rezidiv mit entsprechendem PSA-Anstieg abhängig von der Ausgangsverteilung.

Die beiden letzten mir bekannt gewordenen Fälle von Nikolaus und Hutschi führen nahtlos weiter in Richtung meiner schon früher geäußerten Bedenken über die Wirksamkeit der DHB bei peritetraploider DNA-Verteilung. Aufgrund dieser Datenlage gehe ich davon aus, dass meine Hypothese zur traurigen Wahrheit wird.
Ich werde wohl Anfang Januar nach meinem PET-Cholin-Termin die DHB einstellen, und ein für mich noch wichtiger Aspekt ist, dass Tribukait und Böcking Wissenschaftler sind und diesen Status muss Leibowitz sich erst noch verdienen.
Gruß Knut.<o:p></o:p>

Reinardo
17.12.2006, 20:08
Hallo Knut und Ludwig.
Das sehe ich aber etwas anders. Wenn bei niedrigem Gleason die DNA-Verteilung homogen peridiploid bestaetigt ist, moeglichst auch mit niedriger Proliferationsrate (<5%), dann ist zunaechst Entwarnung angezeigt und eine Strategie des Abwarten und Kontrollierens koennte die Therapie der Wahl sein. Eine unmittelbare Gefahr besteht nicht, da nach den Studien der Zytopathologen die Ueberlebenswahrscheinlichkeit nach 5 Jahren mehr als 95% und nach 10 Jahren noch immer bei 75% liegt, selbst wenn ueberhaupt keine Therapie gemacht wird. Hackethal, dem keines der modernen Diagnoseinstrumente zur Verfuegung standen und auch unsere Moeglichkeiten der Therapie noch nicht kannte, hatte dies schon bemerkt und geraten, bei Prostatakrebs erst bei Beschwerden etwas zu unternehmen. Heutzutage wuerde sein Urteil sicherlich differenzierter ausfallen.
Trotz guter Prognose bei periploider DNA-Verteilung duerfen wir jedoch nicht vergessen, dass es sich trotz allem um Krebs handelt. Dieser kann wachsen und zu boesartigeren Formen mutieren. Die Studienergebnisse der Zytopathologen sind statistische Mittelwerte. Im Einzelfall kann das ganz anders aussehen. So schreibt Tribukait in seinem Symposiumsbeitrag: "Langzeituntersuchungen machen deutlich, dass der Begriff eines klinisch insignifikanten Tumors nur unter Beruecksichtigung einer Zeitangabe sinnvoll ist. Patienten mit lokalisierten diploiden Grad 1 Tumoren haben zwar eine 5-jaehrige Tumor-spezifische Ueberlebenserwartung von mehr als 95%, die jedoch nach 10 Jahren auf 75% abgesunken ist. Wiederholte Biopsien bestaetigen eine zeitlich fortlaufende Dedifferenzierung des Tumors." Er beschreibt in seinem Aufsatz alle die Prognose bestimmenden Faktoren: DNA-Ploidie, S-Phasen Fraktion, Grad und Stadium des Tumors.

Nun frage ich Euch: Wie koennen wir, wenn wir die radikalen eine "Heilung" versprechende Therapien aus den oft diskutierten Gruenden ablehnen, einem moeglichen Progress und einer moeglichen Mutierung des Krebses zu boesartigeren Varianten vorbeugen oder einer solchen Entwicklung entgegentreten, wenn sie im Begriffe ist, einzutreten? Schliesslich heisst unsere Therapieoption Abwarten UND Kontrollieren.
Diese Frage muss jeder fuer sich selbst beantworten. Als ich meine Diagnose erhielt, hat mir niemand gesagt, dass es eine DNA-Analyse gibt. Mit meinem heutigen Wissen haette ich vor der DHB wahrscheinlich erst die Entwicklung weiterer PSA-Werte abgewartet. Ich glaube aber, dass ich mit der Hormontherapie nach Leibowitz, der m.E. besten aller moeglichen Hormontherapien, meinen Krebs erst einmal "in die Steinzeit zurueckgebombt" habe. Sollte er in den mir noch bleibenden Lebensjahren nochmal sich frech nach vorne draengen oder gar expandieren, bekommt er mit einem zweiten Zyklus DHB nochmals einen aufs Haupt. Aber ich hoffe, das er sich mit dem ihm von mir zugestandenen Plateau begnuegen wird.
Gruss, Reinardo

knut.krueger
17.12.2006, 20:43
Lieber Reinardo,

wir greifen Deinen letzten Absatz Deiner gestrigen Stellungnahme auf mit dem Hinweis, dass bei neu diagnostizierten Krebs in mehr als 50 % der Fälle eine kurative Therapie unsinnig ist und fragen, wo in diesen Fällen dann der Sinn der DHB liegen soll!
Unsere nächste Feststellung ist, dass bei den tetraploiden Tumoren die DHB fraglich und bei den aneuploiden unnütz ist.
Wo macht dann die DHB als Therapie überhaupt Sinn? Ich meine bei höheren Gleason Score von 7 oder 8 mit diploider Verteilung, um der Gefahr einer vielleicht möglichen schnellen Entartung zu entgehen.
Damit ist für mich die DHB nur für ein bestimmtes Krankheitsbild sinnvoll anwendbar wie auch so viele andere Therapien.

Gruß Knut.

LudwigS
17.12.2006, 20:51
Trotz guter Prognose bei periploider DNA-Verteilung duerfen wir jedoch nicht vergessen, dass es sich trotz allem um Krebs handelt. Dieser kann wachsen und zu boesartigeren Formen mutieren.

Und genau dass ist die Krux, nämlich dass man nicht weiss wie es selbst bei rein diploiden in den nächsten 10 oder 20 Jahren weitergeht.

Und das ist die Rechtfertigung für alle Therapien, getreu nach der auch von Leibowitz vertretenen Meinung, mit den stärksten verfügbaren Waffen sofort zuzuschlagen und keine Salamitaktik anzuwenden.

Die Diagnose "diploid" kann für sich entspannt zurücklegende Jüngere - und Ältere - zum Eigentor werden.

Und wenn ich heute in der "Washington Post" lese, dass gemäss einer Studie mit 44000 Amerikanern zwischen 65 und 80 die Wahrscheinlichkeit bei Therapie mit OP oder Bestrahlung an PK zu sterben, 30 % geringer ist, dann unterstreicht dies das auch.

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2006/12/12/AR2006121200996.html?nav=most_emailed


Wenn ein Blitz einen Brand im Dachstuhl verursacht, entscheiden sich die wenigsten wegen des zu erwartenden Wasserschadens den Feuerschaden "auszusitzen" - oder wegen der Geringfügigkeit des Feuers nichts zu tun.

Da kriegen die Leute das grosse Laufen bis das letzte Glutnest anscheinend aus ist und machen noch tagelang Brandwache.

Dabei ist es "nur" ein Haus.

Gruss Ludwig

Reinardo
18.12.2006, 12:10
Hallo, nochmals Knut und Ludwig. So ganz verstehe ich Eure Antworten nicht. Im Symposium-Papier (2005) schreibt Prof. Bichler, Tuebingen ueber die Adaequanz des Behandlungsverfahrens (ab S. 171), ausgehend von der Ploidiebestimmung, dass radik.Prostatektomie und Strahlentherapie nur bei lokalem PCa und aneuploider DNA-Struktur adaequate Therapien seien.
Diese Behandlungsweisen stellen nach Ansicht der Zytopathologen bei anderen DNA-Strukturen eine Uebertherapie dar. In diesen Faellen wird eine Strategie des Abwartens und der aktiven Ueberwachung empfohlen. Die Hormontherapie macht nur Sinn bei diploider Struktur, sofern ein signifikanter Progress (Velocity) oder eine beginnende Mutation sich anzeigen. Bei tetraploider Struktur sollte eine Hormontherapie nur gewaehlt werden bei Nichtvorhandensein eines signifikanten Anteils aneuploider Zellen. Bei Aneuploidie macht die Hormontherapie keinen Sinn, wirkt u.U. kontraproduktiv. Das sind die Grundaussagen. Man kann sie annehmen und seine Therapie danach ausrichten, man kann es aber auch lassen.

In der erwaehnten Studie der Washington Post werden wieder einmal alle Varianten von Prostatakrebs in einen Topf geworfen und man kommt zu Ergebnissen, wie man sie im "Cancer Center" gerne sieht. Wenn das Ergebnis gegenteilig gewesen waere, haette es eine Veroeffentlichung wohl nicht gegeben.
Gruss, Reinardo

knut.krueger
18.12.2006, 12:32
Hallo Reinardo,
Dein mittlerer Absatz über die DNA-Strukturen mit möglichen Therapien entspricht voll meinem Verständnis, und ich sehe keine Unterschiede mehr in unserer Meinung über die DNA-Aussage.
Mit dieser nun gefundenen Übereinstimmung grüße ich Dich aus dem wunderschönen Andalusien und werde nun auf der Terrasse beim Mittagessen den sonnigen Tag genießen bevor es dann am Donnerstag zur Familie nach Deutschland geht.
Viele Grüße verbunden mit einem schönen Weihnachtsfest und wie der Spanier sagt "un prosperos ano nuevo".
Knut