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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Übertherapie



Weibsbild
26.10.2017, 09:42
Hallo zusammen... ich habe eben zum wievielten Mal etwas von Übertherapie gelesen und möchte gerne wissen, was genau und im Einzelnen es damit auf sich hat. Es hört sich nämlich immer bisserl warndend an. Kann man etwas damit anrichten? Ich habe hier oder woanders mal gelesen, dass ein agressiver Krebs eine agressive Vorgehensweise benötigt. Das ist jetzt auf die Diagnose meines Mannes bezogen. Und wie erkenne ich, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe? Kann man das überhaupt?

LG
Christine

LowRoad
26.10.2017, 10:00
Christine,
wenn Du das mit der Übertherapie gelesen hast, dann wohl auch, dass die Medizin einen Wahrscheinlichkeitswissenschaft ist, und man sich am Ende doch selbst entscheiden muss. Niemand wird gegen seinen Willen therapiert. Warum suchen eigentlich alle jemanden, der einem die Verantwortung abnimmt? Wenn ich ein Auto betreibe, dann weiß ich doch auch, dass ich damit und darin zu Tode kommen kann. Ich akzeptiere das Risiko, da mir die Vorteile das letztendlich Wert ist. Ich will da auch überhaupt nicht bevormundet werden. Bei medizinischen Fragestellungen schrei ich förmlich nach Bevormundung – kopfschüttel!

Hartmut S
26.10.2017, 10:30
Wenn ich ein Auto betreibe, dann weiß ich doch auch, dass ich damit und darin zu Tode kommen kann. Ich akzeptiere das Risiko, da mir die Vorteile das letztendlich Wert ist. Ich will da auch überhaupt nicht bevormundet werden. Bei medizinischen Fragestellungen schrei ich förmlich nach Bevormundung – kopfschüttel!
Vielleicht weil ich vor dem Autofahren eine Ausbildung bekomme, die mir bei einer Erkrankung fehlt?

Gruss
hartmut

Weibsbild
26.10.2017, 10:56
Hallo LowRoad... warum schüttelst du mit dem Kopf? Verstehe jetzt deine Antwort nicht. Ich hab das als ganz einfache doofe Frage gemeint, völlig ohne Wertung. Ich hatte für mich den Eindruck, dass ich das Wort vielleicht falsch interpretiere und da mehr dahinter steckt?! Und ich habe nur um eine Antwort auf meine Frage gebeten.

LG
Christine

Muggelino
26.10.2017, 11:08
Hallo zusammen... ich habe eben zum wievielten Mal etwas von Übertherapie gelesen und möchte gerne wissen, was genau und im Einzelnen es damit auf sich hat. Es hört sich nämlich immer bisserl warndend an. Kann man etwas damit anrichten?

Hallo Christine,
Übertherapie ist, wenn du Fusspilz hast und dir deswegen das Bein amputieren lässt. Ja, davor wird gewarnt :-).


Und wie erkenne ich, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe? Kann man das überhaupt?

Du erkennst es daran, dass es dir insgesamt schlechter geht als zuvor. Zwar ist der Fusspilz weg, aber du kannst nicht mehr gut laufen.

Übrigens: Untertherapie wäre, den Fuss nur zu waschen, ohne den Fusspilz weiter zu behandeln... Auch nicht ideal.

LG
Detlef

LowRoad
26.10.2017, 11:10
Vielleicht weil ich vor dem Autofahren eine Ausbildung bekomme

Und in den paar Stunden wurdest Du über das Todesrisiko beim Autofahren aufgeklärt? Hm, kann mich nicht erinnern!?

Vielleicht aber dann doch des Pudels Kern, denn manche Patienten verweigern offensiv eigenen Erkenntnisgewinn, wenn es um medizinische Themen geht. Dann rufen sie lieber laut nach dem großen Führer, der vorbehaltlos umjubelt wird, wenn's funktioniert hat, oder in die Hölle geschickt wird, wenn nicht.

carloso
26.10.2017, 11:14
Als Übertherapie verstehe ich zum Beispiel, wenn man bei einem Gleason Score 6 eine RPE und dazu noch vielleicht Bestrahlung was normal gar nicht nötig ist bzw. mehr Therapie anwendet mit vielen Nebenwirkungen dann.
Ja mit der Angst kann man Geschäfte machen und ich denke das viele RPE gemacht haben was gar nicht nötig gewesen wäre.
Kann ja sein das ich das auch falsch interpretiere werde nun hoffentlich jetzt belehrt mit der Übertherapie.

Gruß Karl

silver dollar
26.10.2017, 11:22
Moin,

Hallo LowRoad... warum schüttelst du mit dem Kopf? Verstehe jetzt deine Antwort nicht. Ich hab das als ganz einfache doofe Frage gemeint, völlig ohne Wertung. Ich hatte für mich den Eindruck, dass ich das Wort vielleicht falsch interpretiere und da mehr dahinter steckt?! Und ich habe nur um eine Antwort auf meine Frage gebeten.

LG
Christine
aktuell ist darunter zu verstehen, dass Prostatakarzinome bei immer besseren Diagnosemöglichkeiten gesehen werden die früher nicht entdeckt oder nur unentdeckt blieben, sondern die an sich auch keiner Therapie bedürfen.
Übertherapie bedeutet, dass hier (warum auch immer Einfluss Urologe / Einfluss Strahlentherapeut / Angst -begründet - unbegründet Patient ) zu früh invasiv therapiert wird mit allen Nebenwirkungen anstatt abzuwarten nicht zu tun oder das erst mal im Detail zu hinterfragen, Zweitmeinung einzuholen etc. Im direkten Vergleich mit US und Australien werden bei uns viel zu viele 6 und 7a Gleason sofort therapiert statt wie dort mal
AS zu verordnen.

Weibsbild
26.10.2017, 11:36
Besten Dank... dann hab ich es doch richtig verstanden :-) Ich schätze, meine Frage hat mit der aktuellen Belastung zu tun. Wie bereits an anderer Stelle geschrieben, leidet man Mann recht stark unter Nebenwirkungen. Da ich an seiner Therapieentscheidung nicht unbeteiligt bin... habe ich die Befürchtung gehabt, Schuld an unnötiger Quälerei zu sein. Aber da Denken sollte man den Pferden überlassen, ich weiß. Ist halt momentan eine psychisch anstrengende Zeit.

LG
Christine

Georg_
26.10.2017, 12:18
Christine,

bei einem Gleason 9 ist die Gefahr einer Übertherapie gering, da muss man schon recht energisch gegen den Tumor vorgehen.

Wenn ein Patient von Tumor hört ist er meist sehr bestürzt und hofft, durch eine schnelle, weitreichende Therapie den Krebs irgendwie wieder beseitigen zu können. Wie Günther schildert ist dies auch bei Gleason 6 und 7a so, der Patient ist dann genauso betroffen wie ein Patient mit Gleason 9 obwohl er dies gelassen angehen könnte. Aber er kennt sich noch zu wenig mit der Krankheit aus. Dies führt dann zu Übertherapie.

Bei mir waren nach der Biopsie schon Lymphknotenmetastasen festgestellt worden. Da war klar, den Tumor bekomme ich nicht mehr ganz aus dem Körper raus und muss mit ihm möglichst lange leben. Was, denke ich, auch der Fall sein wird. Daher habe ich es mit den Therapien nicht ganz so eilig und versuche darauf zu achten Nebenwirkungen so weit es geht zu vermeiden.

Georg

Hartmut S
27.10.2017, 13:55
Und in den paar Stunden wurdest Du über das Todesrisiko beim Autofahren aufgeklärt? Hm, kann mich nicht erinnern!?

Vielleicht aber dann doch des Pudels Kern, denn manche Patienten verweigern offensiv eigenen Erkenntnisgewinn, wenn es um medizinische Themen geht. Dann rufen sie lieber laut nach dem großen Führer, der vorbehaltlos umjubelt wird, wenn's funktioniert hat, oder in die Hölle geschickt wird, wenn nicht.
Moin Andi,

du hast mich nicht richtig verstanden!

Es ging darum, dass ich für das Autofahren, oder für die Fliegerei eine Ausbildung erhalte.
Für meine Krankheit nicht!

Ich habe nicht Medizin studiert, und nehme daher auch gerne einmal die Meinung meines Arztes an.
Oder anders ausgedrückt, ich lass mir gerne einmal von einem "Profi" etwas sagen.

Es ging hierum:
ich will da auch überhaupt nicht bevormundet werden. Bei medizinischen Fragestellungen schrei ich förmlich nach Bevormundung – kopfschüttel!
Deine Antwort gegenüber Christine fand ich nicht sehr produktiv.
Sie hat echt Probleme mit Ihrem Mann.

Gruss
hartmut

LowRoad
27.10.2017, 14:28
Hartmut,
ich habe für ganz viele Sachen, die ich ständig mache, keine Ausbildung erhalten, für die es durchaus erstgemeinte Ausbildungen gibt.

Natürlich nehme ich auch gerne mal die Meinung meiner Ärzte an und lass sie ihren Job machen, für den sie spezialisiert sind und entsprechende Erfahrung haben. Manchmal eben auch nicht, oder ich kann den Arzt von meiner Meinung überzeugen. Herrscht dabei ein Klima von gegenseitigem Vertrauen dann ergänzt sich das ganz ordentlich. Das geht aber natürlich nur mit ein wenig Ahnung. Aus- und Weiterbildung, egal auf welchem Niveau, ist meiner Meinung nach eine Holschuld. Da wird niemand kommen und Dich zu nötigen. Zu Beginn meiner PCA Karriere war mir klar, dass ich darüber noch zu wenig weiß, also mich weiterbilden sollte. So halte ich es jetzt seit etwa 9 Jahren.

Ich glaube aber nicht, dass man ein Medizinstudium benötigt um zu wissen was beispielsweise 'Übertherapie' bedeutet. Die Antwort auf Christine war nicht produktiv gemeint, sondern sollte dazu anregen über den eigenen anzustrebenden prostatakrebsspezifischen Wissenstand zu diskutieren – hat geklappt!

Weibsbild
27.10.2017, 17:15
Ich glaube aber nicht, dass man ein Medizinstudium benötigt um zu wissen was beispielsweise 'Übertherapie' bedeutet. Die Antwort auf Christine war nicht produktiv gemeint, sondern sollte dazu anregen über den eigenen anzustrebenden prostatakrebsspezifischen Wissenstand zu diskutieren – hat geklappt!

Finde es traurig und schade mir auf eine Frage, eine erzieherische Maßnahme zu erteilen. Vielleicht war die Frage zu sogar so infantil, dass man sie nicht einfach überlesen konnte. Ich bemühe mich seit April, mich in das Thema PCA einzuarbeiten, aber viele Dinge erschließen sich mir trotzdem nicht. Ich lese hier viel, aber manches verstehe ich trotzdem nicht. Ich bin schon zurechtgewiesen worden, als ich den Namen eines Medikamentes falsch geschrieben habe.

Mann mann mann... was ist denn bloß los hier?

Christine

kopro
27.10.2017, 17:32
Hallo Christine,
mit dem Zurechtweisen bist Du nicht allein, ist mir auch schon passiert, hatte nur ein Komma im Eifer falsch gesetzt.Mach Dir nichts raus, "Oberlehrer" gibt
es immer.

Schönes Wochenende Konrad

FlorianM
28.10.2017, 09:32
Hallo Christine!


Finde es traurig und schade mir auf eine Frage, eine erzieherische Maßnahme zu erteilen.
[...] Ich bin schon zurechtgewiesen worden, als ich den Namen eines Medikamentes falsch geschrieben habe.

Mann mann mann... was ist denn bloß los hier?


Ich möchte dir zustimmen, dass der Vorgang schade ist. Ich muss allerdings zugeben, dass ich selbst auch schon ähnliche Verhaltensweisen an den Tag gelegt habe. Damals ging es um für mich nur schwer verständliche Wortaneinanderreihungen.

Es gibt für so ein Verhalten bei Einzelpersonen (nicht dem gesamten Forum!) natürlich unterschiedliche Erklärungsansätze:
* Man ist selbst nicht mehr so geduldig, weil man selbst gerade eine schlechte Zeit durch macht.
* Man kann sich nicht in den Anderen hineinversetzten, bzw. macht sich keine Gedanken, welche Reaktion das eigene Geschriebene auslösen wird
* Man ist ein Besserwisser und möchte den anderen belehren, und fühlt sich gut dass man etwas besser kann als andere.
* Man ist abgestumpft und realisiert nicht mehr, wie krass eigentlich die gesamte Thematik ist.

Es mag noch andere Gründe geben, warum einzelne Mitglieder zeitweise oder öfters unsensibel antworten.
Ich möchte das Verhalten weder rechtfertigen noch mich davon ausschließen.

Ich möchte aber sagen, dass ich die Menschen dahinter nicht für bösartig halte.
Und ich möchte sagen, dass sich die meisten Forumsmitglieder anders verhalten und sich um die Nöte der Fragenden Gedanken machen.

Liebe Grüße
Florian

Michi1
28.10.2017, 09:39
Florian, da kann ich dir nur zustimmen. Mit dieser blöden Krankheit mit der man nicht weiß wies weitergeht wird man halt auch ein wenig dünnhäutig. Jeden Tag kann es sein das man anders resgiert.

Hvielemi
28.10.2017, 11:28
Liebe Christine
Ich geh mal zurück auf Feld 1:


ich habe eben zum wievielten Mal etwas von Übertherapie gelesen und möchte gerne wissen,
was genau und im Einzelnen es damit auf sich hat.
Es hört sich nämlich immer bisserl warndend an.
Kann man etwas damit anrichten?

Im Profil deines Mannes hab ich dies gefunden:


Auch hier bekamen wir den Rat, wie auch von der Beratungshotline,
Bestrahlung kombiniert mit Hormontherapie.
Übrigens sieht der behandelnde Urologe das anders, er warnte überschwenglich vor
den Nebenwirkungen der Bestrahlung.

Der erwähnte Urologe scheint die Bestrahlung als 'Übertherapie' zu sehen,
also eine Therapie, die weniger bringe, als sie schade.
Oft ist es aber so, dass man erst hinterher erkennen würde, ob z.B. diese
Bestrahlung eine Übertherapie gewesen wäre, nämlich dann, wenn man
sie weggelassen hätte und das PSA trotzdem nicht stiege.
Steigt das PSA aber, wäre es wohl besser gewesen, zu bestrahlen, es läge
also ein Fall von Untertherapie vor.

Bei metastasiertem Prostatakrebs allerdings scheint es schwierig, sich eine
Übertherapie vorzustellen, denn da gilt es, alle Register zu ziehen, um diese
üblen Knollen am Wachsen zu hindern.

Anders könnte das bei GS6-Betroffenen mit sehr langsamem PSA-Anstieg sein:
Bei solchen Patienten, insbesondere bei Älteren, kann Abwarten zum
gleichen Ergebnis führen, wie eine Bestrahlung, OP oder andere Therapie:
Der Patient stürbe an irgend was Anderem.
Die Therapie wäre unnötig gewesen, also eine Übertherapie.
Das wäre sehr ärgerlich, wenn der Patient dadurch jahrelang mit Neben-
wirkungen zu kämpfen gehabt hätte.
Fände man aber nach Jahren der aktiven Überwachung doch noch
Metastasen, wäre der Verzicht auf die Primärtherapie wohl eine
Untertherapie gewesen.

Die Frage nach Über- oder Untertherapie kann öfter mal gar nicht
beantwortet werden, weil man ja bei gegebenem Vorgehen nicht weiss,
wie es im anderem Fall rausgekommen wäre.


Carpe diem!
Konrad

Timbolimbo
28.10.2017, 14:06
Wir Protonentherapierten kennen das gut, das Zurechtgewiesen werden.
Zum Thema Übertherapie kann ich leider keine eigenen Erfahrungen beitragen. Deshalb enthalte ich mich bei diesem Thema.

Alles Gute.

Weibsbild
28.10.2017, 14:34
Ich danke euch allen für eure mitfühlenden Antworten. Bin zur Zeit vielleicht auch ein bisschen dünnhäutig :-)

Nix für ungut...

Christine

Georg_
28.10.2017, 14:48
Der Beitrag von LowRoad ist für mich im Zusammenhang mit der Ausgangsfrage schwer verständlich, da er nicht auf Übertherapie eingeht. Ich habe den Eindruck, die Ausgangsfrage hatte ein Stichwort geliefert um ein Plädoyer für eigene Entscheidungen des Patienten zu halten. Die meisten Patienten gehen dagegen zum Arzt und machen was dieser sagt. Dies trifft aber weniger für die Teilnehmer an diesem Forum zu.

Wie ich dem von Christine eingestellten Profil entnehme versuchen sie und ihr Mann in Abstimmung mit verschiedenen Ärzten ein eigenes Therapiekonzept zu verfolgen. Eine Zurechtweisung erkenne ich nicht.

Georg

Harald_1933
28.10.2017, 15:20
Eine Zurechtweisung erkenne ich nicht.

Hallo Georg,

wenn man sich die Fragestellung noch einmal vornimmt:


Hallo zusammen... ich habe eben zum wievielten Mal etwas von Übertherapie gelesen und möchte gerne wissen, was genau und im Einzelnen es damit auf sich hat. Es hört sich nämlich immer bisserl warndend an. Kann man etwas damit anrichten? Ich habe hier oder woanders mal gelesen, dass ein agressiver Krebs eine agressive Vorgehensweise benötigt. Das ist jetzt auf die Diagnose meines Mannes bezogen. Und wie erkenne ich, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe? Kann man das überhaupt?

LG
Christine

erkennt man doch, dass es sich im Grunde genommen um mehrere Fragen handelt, deren Formulierung schon den Kern beinhalten, eigentlich gar keine schlüssige Antwort bzw. Antworten geben zu können. Andi hat das sofort erkannt und indirekt eine produktive Meinung zum Ausdruck gebracht. Das noch angefügte kopfschüttel entspricht seinem Naturell oder eher auch seinem Temperament. Ich empfinde das zumindest auch nicht als unhöflich oder gar provozierend.

Beste Grüße zum Sonntag to everybody

Georg_
28.10.2017, 15:40
Harald,

jetzt verstehe ich noch weniger, ich kann einfach nicht zwischen den Zeilen lesen. Christine fragte wann man von Übertherapie spricht und ob man irgendwie feststellen kann ob man sich für die richtige Therapie entschieden hat. LowRoad schreibt, der Patient solle möglichst eine eigene Entscheidung über seine Therapie treffen und dies nicht einfach seinem Arzt überlassen. Und diesen dann für falsche Entscheidungen verantwortlich machen.

Also ich verstehe nicht wie die Beiträge überhaupt zusammen passen. Das ergibt sich offenbar irgendwie zwischen den Zeilen. Muss man mir aber nicht erklären.

Georg

rolando
28.10.2017, 18:27
Hallo Georg,

Andi wollte Christines Frage gar nicht beantworten. Er hat Diese nur zum Anlass genommmen, um provokativ die oft fehlende Eigenverantwortlichkeit der Betroffenen im Umgang mit ihrer Erkrankung zu kritisieren - ebenso deren mangelnde Bereitschaft/fehlende Bemühung die Zusammenhänge ihrer Krankheit verstehen zu wollen.

Und ja, er hat Christine zurechtgewiesen, indem er ihr mit seinen Aussagen implizit unterstellt, sich bei ihrer Frage wie sich eine Übertherapie gestalte, nicht genügend im Sinne von Eigenverantwortung und Aneignung von Kenntnissen über das PCa bemüht zu haben.

Ich denke, Konrad hat in diesem Thread die richtige sach- und fallbezogene Antwort (https://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?10250-%DCbertherapie&p=102678#post102678) auf Christines Anfrage zur Übertherapie geliefert.
.
Roland

Harald_1933
28.10.2017, 18:46
Das ergibt sich offenbar irgendwie zwischen den Zeilen. Muss man mir aber nicht erklären.

@Georg

wenn man es Dir nicht verklickern muss, hast Du es indirekt doch verstanden, warum ich für Andis Verhalten versucht habe, einen Grund zu verdeutlichen.

Unser allseits geschätzter Konrad hat sich in seiner für ihn typischen aussagefähigen Art der Fragestellung angenommen und das war/ist wohl das Nonplusultra, was als Antwort in Anbetracht der PKH des Mannes der Threadinhaberin wirklich Substanz hat. Ansonsten bleibt nur festzustellen, dass es um unseren Prostatakrebs herum zu viele Imponderabilien zu berücksichtigen gäbe, so dass wir letztendlich auf eine allgemeine gültige Formel, ob etwas richtig oder falsch oder noch was nie kommen werden.

Harald

eca_ch
29.10.2017, 08:44
Mal ein praktisches Beispiel für die Thematik, das aber nichts mit Prostatakrebs zu tun hat. Ich finde aber daran wir sehr schön deutlich, welche Entscheidungen man gelegentlich treffen muss und welche Konsequenzen diese haben können und dass man sie trotzdem treffen muss:

In meiner dritten und letzten Schwangerschaft war ich im Wesentlichen mit Wehen beschäftigt. Ab der 25 Woche beschränkte sich mein Aktionsradius auf das Sofa (und Klavier). Die beiden grossen (2 und 4) konnte ich nicht mehr beaufsichtigen und meine Welt war ziemlich kein geworden. Als ich dann um die 38 Woche herum regelmässige Kontraktionen hatte, fuhren wir ins Spital. Das Kind sass immerhin in Steisslage und beim dritten weiss man nie. Im Spital beruhigte sich die Situation dann aber wieder und ich konnte wählen, - einen Kaiserschnitt im nächsten freien Slot durchzuführen oder nach Hause zu gehen und zu warten, bis wieder Wehen eintreten.

Ich bin nicht nach Hause gefahren, sondern habe den Kaiserschnitt gewählt, da ich Angst hatte, dass die Geburt plötzlich doch fortschreiten könne und ich dann mit einem Kind in Steisslage und einem nicht ausreichendem Beckendurchmesser (KH lehnte Geburt in Steisslage aus diesem Grund ab) in einer unglücklichen Situation wäre. Also schnitten sie mich auf. Mein Sohn, eben doch noch nicht ganz reif, hatte dann ein Atemnotsyndrom und steckte sich mit einer Lungenentzündung an. Da sass ich dann, mit dem Schnitt und ohne Kind (Merke: Trenne nie Mutter und Neugeborenes) und musste die Konsequenzen meiner Entscheidung tragen.

Ich hätte warten können, heimfahren. Vielleicht wäre eine Woche Ruhe gewesen und der Kaiserschnitt hätte eine Woche später keine solchen Konsequenzen gehabt. Ich hätte aber auch zu Hause wieder Wehen bekommen und meinen Sohn bei der Geburt verletzen können. Das "was wäre wenn" Spielchen spielt sich leicht und wissen tut man es nicht. Am Ende musste ich mich damit abfinden, dass ich meine Entscheidung unter Einbezug aller Fakten nach bestem Wissen und Gewissen getroffen habe. Manchmal kann man nur VERSUCHEN das Richtige zu tun.

rolando
29.10.2017, 11:01
In unserer Gesellschaft herrscht größtenteils die Meinung vor, alle Lebenssituationen absichern zu können. Das funktioniert bei Sachwerten relativ gut. Wenn es um Personenschaden geht, wird die Sache schon komplizierter. Gerade im medizinischen Bereich, wo es um die Gesundheit der Menschen geht, ist es leider nicht möglich auf ein zu 100% wirksames Absicherungssystem zurückzugreifen. Man muß sich hier auf das Wissen und die Erfahrung von Anderen verlassen, seinen eigenen Kenntnisstand mit einbeziehen, sein Bauchgefühl bemühen, die Studienlage berücksichtigen, Wahrscheinlichkeiten ermessen,...,.
Am Ende trifft man dann seine Entscheidung auf eigenes Risiko, egal ob viele Faktoren in die Entscheidungsfindung mit einfließen oder nicht. Wer sich nur auf die Einschätzung eines Arztes verlässt, macht das genauso in eigener Verantwortlichkeit, wie jemand der noch zahlreiche andere Überlegungen in seine Wahl mit einfließen lässt. Das Risiko ist letztendlich nicht auf andere Personen/Institutionen delegierbar.

Rückblickend ist man häufig schlauer und hadert gelegentlich mit seinen vormals getroffenen Entscheidungen. Zielführend ist ein solch nach hinten gerichtetes Denken nicht, weil es selten die anstehenden Probleme löst. Wenn nicht ein ärztlicher Behandlungsfehler vorliegt, sollte man den "schwarzen Peter" nicht immer gleich den anderen handelnden Personen zuschieben, sondern sich seiner Eigenverantwortlichkeit bewusst sein. Den Umstand seine Selbstbestimmung nicht wirklich wahrgenommen zu haben, muß ein Jeder für sich selbst prüfen und am Ende sollte man Frieden mit sich schließen, seine Lebenssituation annehmen und nach vorn blicken - alles Andere wäre äußerst hinderlich und deprimierend.

Roland

Harald_1933
29.10.2017, 11:17
Eine bemerkenswerte Beruhigungspille. Zur Anwendung empfohlen!

"Es gibt eine Sprache, die nicht spricht und doch alles sagt"
(Johann Nepomuk Nestroy)

Harald

Michi1
29.10.2017, 11:55
Ich lass Ärze für mich entscheiden und bin bis jetzt gut gefahren und hab damit keine Probleme. Ich kann mich um anderes kümmern das mir leoner abnehmen kann.

Stefan1
29.10.2017, 17:51
Ich lass Ärze für mich entscheiden und bin bis jetzt gut gefahren und hab damit keine Probleme.

. . . ob das immer das gesündeste ist ?

Michi1
30.10.2017, 05:32
Stefan, was ist schon gesund wenn man einen Arzt braucht ? Dazu möchte ich Bemerken das es mir zur Zeit glänzend geht,

LowRoad
30.10.2017, 08:57
... zum Anlass genommmen, um provokativ die oft fehlende Eigenverantwortlichkeit der Betroffenen im Umgang mit ihrer Erkrankung zu kritisieren - ebenso deren mangelnde Bereitschaft/fehlende Bemühung die Zusammenhänge ihrer Krankheit verstehen zu wollen.

Und ja, er hat Christine zurechtgewiesen...

Roland,
sicher war mein Bestreben dahingehend gerichtet die oft fehlende Eigenverantwortung im Zusammenhang mit eher homöopathischen Anstrengungen beim Wissenszuwachs bezüglich PCA zu thematisieren. Natürlich liegt darin eine indirekte Kritik auch an Christines Vorgehen sich beispielsweise den Begriff Übertherapie nicht erstmal selbst zu erschließen. Und NEIN, das ist keine Zurechtweisung. Wir sind hier in einem Diskussionsforum, wo wir hoffentlich noch lange kontrovers über den richtigen Weg streiten und nicht auf einem Sonntagsspaziergang mit Konsenszwang

BTW: in Ralfs Begriffe und Abkürzungslexikon (http://prostatakrebse.de/informationen/pdf/abkuerzungen.pdf) wird Übertherapie als Übersetzung des Englischen Begriffs 'Over-Therapy' (muss eigentlich 'Overtreatment' heißen – OK, 5€ in die Oberlehrerkasse) wie folgt erklärt:
"Eine Therapie, die aggressiver und für den Patienten stärker beeinträchtigend ist als notwendig."

Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbertherapie)geht da deutlich strenger mit seinen Lesern um:
"Es gibt jedoch auch patientenseitige Faktoren, die die massive Zunahme von Übertherapien in den letzten Jahren befördert haben:

steigende Behandlungserwartungen der Bevölkerung
eine zunehmende Ungeduld der Bevölkerung bei Krankheitssymptomen mit steigenden Patientenzahlen in den Notaufnahmen der Kliniken
Vollkaskomentalität bei Krankenversicherungspflicht mit Sachleistungsprinzip.“

Da wäre hier wohl ein Sturm der Entrüstung losgebrochen.

Um mich jetzt auch mal als Hobbypsychologe zu versuchen, würde ich gerne noch einen 5. Punkt in Florians Liste ergänzen, über die ich mich herzhaft gefreut habe:

* Man durchlebt oder hatte schwere Zeiten und ist deshalb besonders dünnhäutig was Kritik angeht.

Bei Christine hatte ich diesen Eindruck aber bisher nicht, denn Sie kann durchaus robust formulieren.

Bekanntlich ist es mir eine Herzensangelegenheit die Mitbetroffenen zu mehr Lerneifer und Eigenverantwortung anzuregen. Kein neues Thema also. Das haben wir früher auch schon deutlicher formuliert (https://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?7420-Metastasierung-1-0&p=70742#post70742). Mensch Rudolf – DU FEHLST!

Reinhold2
30.10.2017, 09:06
@ all

Imho wird es langsam Zeit diesen Thread zu sperren. Es ist genug gedeutet, interpretiert und erläutert worden, was der oder die gemeint, gedacht oder sagen wollte.


OT

Jetzt beschäftigt sich sogar die BILD mit der Arzt-Hörigkeit:

http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/brustkrebsportal/sabrina-51783996.bild.html

Gruß
R.

Weibsbild
30.10.2017, 09:09
Alles gut :-) Ich sage was ich denke und frage nach, wenn mir was nicht gefällt oder ich etwas nicht verstehe. Und in der Tat kann ich mit robusten Formulierungen umgehen. Was Übertherapie grundsätzlich bedeutet, war mir natürlich klar. Ich wollte es jedoch im Zusammenhang mit PCA wissen... da habe ich nichts gefunden, was mir bei meinen Überlegungen weiter geholfen hätte. Aber "über" war vielleicht die Frage... Überreaktion, Übersensibel, Überstürzt.

Übrigens war das mit der Zurechtweisung auch nicht auf die Antwort von Andi gemünzt. Das war seinerzeit mein "Freund" Harald_1933, der mich wegen eines Tippfehlers zurechgewiesen hat.

Wünsche allen einen guten Wochenstart.

LowRoad
30.10.2017, 09:12
Das sollte doch jetzt für ein versöhnliches Ende taugen!

Alles Gute und geht Leben!

Hartmut S
30.10.2017, 11:28
Das sollte doch jetzt für ein versöhnliches Ende taugen!
Alles Gute und geht Leben!
Ja, lieber Andi!
Darf ich trotzdem eine kleine Anmerkung für Eva hier reinbringen?

Liebe Eva,

es ist ein trauriges, erschreckendes Beispiel, welches du geschrieben hast.

Es fühlt sich nur so an, dass wir selbstbestimmt handeln.
Später wissen wir dann mehr, und die Tatsachen holen uns ein.

Liebe Grüße auch von Brigitte,
die selbst ein Kind verloren hat.

hartmut