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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Steigender PSA-Wert



obelix
31.10.2017, 22:36
Hallo,

wie sicherlich viele hier habe ich mich registriert weil mich aktuell das Thema „Prostata“ stark beschäftigt. Mag sein, dass ich ‚zu früh‘ und ich hoffe ‚überflüssig‘ hier schreibe, aber leider ist bei mir das Kopfkino sehr aktiv und wenn ich ehrlich bin habe ich ‚Angst‘ davor meine Prostata zu ‚verlieren‘. Vor allem vor den häufig daraus folgenden Konsequenzen (Inkontinent, Impotenz).

Allen viele Grüße und alles Gute!



Ich bin 65 Jahre, körperlich und sportlich relativ fit, und habe bereits länger mit schwankenden PSA-Werten zu tun. Vorsorgeuntersuchungen, auch beim Urologen, mache ich regelmäßig.

Hier dir mir vorliegenden PSA-Werte, die nicht alle von einem Labor stammen:


<tbody>
Datum
PSA
freies PSA
Quotient


09.02.2015
2,15
0,25



16.02.2015
3,6




07.07.2015
2,4




28.06.2016
3,53
0,28
0,08


11.01.2017
3,37




09.08.2017
4,27
0,34
0,08


18.09.2017
Prostata / Harnweg - Entzündung - nach 6 Tagen wieder OK.


10.10.2017
4,76



</tbody>


Nach der letzten PSA-Bestimmung bin ich vom Hausarzt wieder direkt zu meinem Urologen, bei dem ich ursprünglich erst wieder im Dezember vorstellig werden sollte. Dieser schlug relativ schnell eine Biopsie, ggf. sogar 20fach (?) vor. Dann ließ er sich auf meinen Vorschlag eine weitere PSA-Messung abzuwarten ein und schlug dafür Ende Oktober vor.
Meine Prostata ist schon immer leicht – altersgerecht - vergrößert, Tastbefund „normal“, Ultraschall bis auf „Griesel, die ggf. von alten Entzündungen stammen (?), unauffällig. Die weiteren (Blut-) Werte sind in Ordnung. Keine Beschwerden beim Wasserlassen.

Mir ist klar, dass ich hier keine verbindlichen ärztlichen Aussagen oder (Fern-)Diagnosen erwarten kann, aber ggf. ‚Erfahrungen‘. (?)

Falls möglich – wie wird hier die Entwicklung meiner PSA-Werte beurteilt? Sollte ich kurzfristig eine Biobsie machen lassen? 20fach erscheint mir sehr viel? Mehrfach habe ich von acht- bzw. zwölffach gelesen.

Zusätzlich überlege ich den nächsten PSA-Test weiter zu verschieben.

Vielen Dank für Hinweise und Verständnis.

Jens

MartinWK
01.11.2017, 08:54
Verdoppelungszeit unter 3 Jahren, Quotient 0,08, mit 65 haben mindestes 20% aller Männer ein klinisch signifikantes PCa (Gleason 3+3 aufwärts): ich würde das schon weiter verfolgen. Eine Schwankung um 1,2 in 2015 ist keine Entwarnung, sowas hatte ich auch. Tastbefund und US und Blutwerte und keine Beschwerden sind ebenso keine Entwarnung; allenfalls zusammen mit dem niedrigen PSA ein Indikator, dass wenn ein PCa vorliegt, dieses nicht unbedingt sofort behandlungsbedürftig ist oder schonende Behandlung möglich ist.
Der Standardurologe rät zur Biopsie, das sagt die Leitlinie und das bezahlt die GKV. Eine 12-fache systematische Biopsie pikst in alle Sektoren reihum und trifft häufig daneben (sprich: negativer Befund heißt Rebiopsie nach dem nächsten höheren PSA-Wert bzw. in einem Jahr). Eine 20-fache ist naturgemäß besser. Eine Gezielte ist noch besser, zusammen mit einer Systematischen in den anderen Arealen. Dazu macht man zunächst ein multiparametrisches MRT bei einem auf Prostata spezialisierten Radiologen. Der errechnet den PIRADS-Wert, danach kann ein PCa einigermaßen sicher ausgeschlossen werden oder es folgt die Biopsie. Da nur eine positive Biopsie Gewißheit gibt, kommt man letztlich nicht drumherum.

silver dollar
01.11.2017, 09:00
Moin,
für den 18.9. steht da zu wenig. Prostatakarzinom Diagnose umfasst PSA Größe und mögliche Entzündung. Größe scheint bekannt und keine Einflussdeterminante, Entzündung auszuschließen vor weiteren Schritten unabdingbar. Danach kommt Fusionsbiopsie mpMRT gestützt ja/nein, oder Regelbiopsie 12 Stanzen ja/nein oder 20fach wie vorgeschlagen. Dass Fusionsbiopsie keine Standardkassenleistung ist wäre auch zu berücksichtigen.

Georg_
01.11.2017, 09:04
Meine private Versicherung hatte sich geweigert mehr als 10 Stanzen zu bezahlen.

obelix
01.11.2017, 09:15
Danke für eure Einschätzungen und Informationen.

Total vergessen habe ich zu erwähnen, dass ich einen Heizschrittmacher habe - den ich wirklich total vergessen habe. Mein Herz an sich ist in Ordnung, Sport etc. überhaupt kein Problem oder Schwierigkeiten; Belastungs- und Dauer-EKG sind gut. Anlass für den HSM waren AV-Blocks2. Dadurch dürfte eine 'MRT-Untersuchung' ausfallen.(?)

Zum 18.09.: Der Tastbefund des Urologen ergab keine Auffälligkeiten. Die Entzündungswerte im Blut normalisierten sich wieder und auch das Wasserlassen, für ca. drei Tage schmerzhaft, war wieder einwandfrei.


Natürlich habe auch im Netz einiges Nachgelesen und bin u. a. auf Berichte gestoßen, dass das Stanzen nicht überall anerkannt ist. Dann gleich 20fach!? Wird/Kann dabei nicht zuviel beschädigt werden?

Mir ist klar, dass ich zumindest um eine erneute PSA-Bestimmung nicht herum komme. Dabei hoffe ich immer noch, dass dieser Wert sich wieder etwas normalisiert oder stabilisiert. Vor den möglichen Folgen einer Prostataentfernung habe ich große Befürchtungen.

Als Privatversicherter hatte ich bisher keinerlei Probleme mit Erstattungen meiner Krankenkasse. Notfalls würde ich, sofern diese empfehlenswert ist, eine Behandlung als Selbstzahler abwickeln.

MartinWK
01.11.2017, 09:33
Kommt auf den Herzschrittmacher an: http://www.isarherzzentrum.de/herzschrittmachermrt
Alternativ geht auch ein PSMA PET/CT: https://www.leben-mit-gist.de/medizinisches-wissen/diagnostik/positronenemissionstomographie-pet-bei-gist

Biopsie: größtes Risiko ist immer die Infektion, besonders bei transrektaler Biopsie. Die Beschädigung ist minimal. PCa-Zellen werden eventuell in den Blutkreislauf gelangen (sogenannte CTCs), was die weiter verursachen, ist nicht klar. In der Einwilligungserklärung stand bei mir, dass die zirkulierenden Krebszellen ein unbekanntes Risiko darstellen.

Meine Privatversicherung hat das MRT und die folgende transperineale Fusionsbiopsie anstandslos bezahlt.

RalfDm
01.11.2017, 09:46
Hallo Obelix,

der HSM könnte ein Ausschlusskriterium für eine MRT sein – Radiologen fragen! Eine Alternative zur mpMRT-Diagnostik und Biopsie unter MRT ist das C-TRUS/ANNA-Verfahren, das mit Ultraschall arbeitet, siehe hier (https://www.prostatakrebs-bps.de/medizinisches/diagnostik/117-prostata-biopsie-mit-c-trus-anna). Die Trefferquote ist der einer mpMRT vergleichbar, und die Untersuchung kostet nur etwa halb so viel (~470,- €). Eine Suchfunktion zu Praxen, die an dem Verfahren teilnehmen, findest Du hier (http://www.anna-ctrus.de/aerztefinder).
Zur 20-Stanzen-Biopsie ist zu bedenken, dass jeder Stich mehr das Risiko einer Infektion bis hin zu einer Sepsis erhöht. Lies dazu im "Ersten Rat (http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/Erster%20Rat.pdf)" das Kapitel 5.6 zur Biopsie und zum Antibiogramm!

Ralf

MartinWK
01.11.2017, 10:47
Die Trefferquote ist der einer mpMRT vergleichbar, ...
Da würden mich die Belege interessierene. Auf der Website von ANNA habe ich da nichts gefunden.
Zu MRT und PET/CT gibt es ja inzwischen viele Studien, z.B. thnov07p0228.pdf (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5196899/pdf/thnov07p0228.pdf)

obelix
01.11.2017, 11:09
Danke für die weiteren Informationen und Hinweise!

'ANNA' hört sich für mich als Laien interessant an und wird hier in der Nähe angeboten. Auch wenn ich grundsätzlich keine Angst vor OPs oder Eingriffen haben, sondern in meinem konkreten Fall vor den 'endgültigen Folgen', wären mir so wenig Stanzen wie möglich angenehmer.



Zu meinem Herzschrittmacher:
Im Ausweis steht "SureScan" und so weit ich mich erinnere hat mir der damalige Operateur gesagt dass damit auch MRT / CT (?) möglich wären.(?)

Eine 'MRT-Klinik', die auf meine erste Mail sehr freundlich antwortete habe ich dann (erst) in meiner zweiten Mail geschrieben, dass ich einen HSM habe und den Ausweis mitgeschickt (hatte den HSM - wieder mal - vergessen). Daraufhin kam nur sehr kurz die Rückantwort "MRT nicht möglich". Ich habe gerade einen zweite Anfrage bei einer anderen Klinik laufen und werde hier über die Antwort berichten. Meinen Kardiologen kann ich aktuell nicht erreichen; würde diesen aber auf jeden Fall mit einbinden.




Zu MRT und PET/CT gibt es ja inzwischen viele Studien, z.B. thnov07p0228.pdf (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5196899/pdf/thnov07p0228.pdf) leider bin ich nicht in der Lage dieses 'zu verstehen'. Gibt es eine Kurzaussage?

MartinWK
01.11.2017, 12:20
"Comparison of 68Ga-HBED-CC PSMA-PET/CT and multiparametric MRI for gross tumour volume detection in patients with primary prostate cancer based on slice by slice comparison with histopathology"
Vergleich von PET/CT mit mpMRT bezüglich Tumorvolumen bei Patienten mit Erstbefund, basierend auf histopathologischem Vergleich der Schnitte

Es wurden zwar nur 7 Patienten betrachtet, aber 340 Schnitte separat einzeln mit der Bildgebung verglichen.
"Conclusion: In a slice by slice analysis with histopathology, 68Ga-HBED-CC-PSMA PET/CT and mpMRI showed high sensitivity and specificity in detection of primary PCa. A combination of both methods performed even better in terms of sensitivity (GTV-union) and specificity (GTV-intersection). A moderate to good spatial overlap with GTV-histo was observed for PSMA PET/CT and mpMRI alone which was significantly improved by GTV-union. Further studies are warranted to analyse the impact of these preliminary findings for diagnostic (multimodal guided TRUS biopsy) and therapeutic (focal therapy) strategies in primary PCa."
Sinngemäß: Die Stellen, die befallen waren, wurden durch MRT oder PET/CT ausreichend bis gut identifiziert und beide Verfahren zusammen lieferten noch erheblich bessere Ergebnisse.
Weiter Infos und Verweise zu MRT und PET/CT findet man auch in der S3-Leitlinie: 043-022OLl_S3_Prostatakarzinom_2016-12.pdf
(http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLl_S3_Prostatakarzinom_2016-12.pdf)

obelix
03.11.2017, 18:30
Blutabnahme gestern - PSA = 4,51, also leicht gefallen.

Mein Hausarzt, nicht ein 'Stanzfreund' ist für "weiter beobachten" und den nächsten Wert Ende Januar zu ermitteln.

Hier noch einmal die Gesamtübersicht:

<tbody>
Datum
PSA
freies PSA
Quotient


09.02.2015
2,15
0,25



16.02.2015
3,6




07.07.2015
2,4




28.06.2016
3,53
0,28
0,08


11.01.2017
3,37




09.08.2017
4,27
0,34
0,08


18.09.2017
Prostata / Harnweg - Entzündung


10.10.2017
4,76




02.11.2017
4,51



</tbody>


Nochmals Danke für die vielen Hinweise und Tipps!

obelix
12.09.2018, 14:24
Hallo,

so, nach längerer Zeit melde ich mich wieder zurück. Heute war ich zu einer weiteren Untersuchung beim Urologen. Ultraschall, Tastbefund - keine Auffälligkeiten.

Im März dieses Jahres wurde eine Biopsie in der Martini-Klinik durchgeführt.

Von 13 Stanzen war eine positiv mit Gleason 3+3 in kleinster Ausprägung von 0,2mm, Prostavolumen 22ccm. Mir wurde bereits bei der Biobsie eine "kleine Prostata" bescheinigt. Ein vorher durchgeführtes MRT, das aufgrund des vorhandenen Herzschrittmachers dort nur mit 1,5 Tesla möglich war, zeigte diffuse Veränderungen der peripheren Zone beidseits, am besten passend zu einer Prostatitis, allenfalls ein kleiner PI RADS 4 Herd der Mitte links peripher. Kein Hinweis für eine iliakale Lymphadenopathie.

Abgesprochen wurde eine aktive Überwachung mit einer PSA-Messung alle drei Monate.

Hier die mir vorliegenden aktuellen PSA-Daten:

02.11.2017 - 4,5 (abweichendes Labor)
28.11.2017 - 4,0
21.02.2018 - 4,8
März 2018 - Biobspie
11.06.2018 - 4,1
06.09.2018 - 4,8


Mein Urologe sagte heute dass ich mir so langsam Gedanken über eine Therapie machen sollte und hat mich damit etwas auf dem falschen Fuß erwischt. Am Sichersten wäre es in meinem Alter die Prostata zu entfernen. Je früher desto besser, auch was evtl. Nachwirkungen wie z. B. Inkontinenz betrifft. Sollte die nächste PSA-Messung, im Dezember 2018, keine großen Veränderungen ergeben, soll vor einer OP auf jeden Fall eine zweite Biobsie durchgeführt werden. Aber, nach seinen Worten, komme ich nicht um eine Therapie, sprich OP, herum. Es wäre eine Frage der Zeit.

Beschwerden beim Wasserlassen habe ich keine, die Potenz könnte besser sein. Sonst fühle ich mich körperlich sehr fit, was auch die Belastungs-EKG bei meinem Kardiologen zeigen. Mein Herz an sich ist gut, Ursache für den Herzschrittmacher waren AV-Blockierungen II. Grades. Sport, sprich Tennis, betreibe ich regelmäßig.

Ehrlich gesagt hatte ich gehofft um eine OP möglichst lange herumzukommen, vielleicht sogar darauf verzichten zu können. Diesen Zahn hat mir mein Urologe heute - auf jeden Fall sehr stark versucht - zu ziehen.


Etwas viel Text, aber es würden mich einige Einschätzungen hier im Forum interessieren.

MartinWK
12.09.2018, 15:09
Das geht in Richtung Übertherapie.

Georg_
12.09.2018, 15:12
Mach doch auch einen Termin in der Martini-Klinik um eine zweite Meinung einzuholen. Wenn Operation, dann doch besser in der Martini-Klinik und nicht beim Urologen in der Nähe.

Georg

obelix
12.09.2018, 15:20
danke euch zwei für die ersten Äußerungen.


Mach doch auch einen Termin in der Martini-Klinik um eine zweite Meinung einzuholen. Wenn Operation, dann doch besser in der Martini-Klinik und nicht beim Urologen in der Nähe.
Georg
die - vermutlich - folgende Biopsie Anfang 2019 soll auf jeden Fall in der Martini-Klinik gemacht werden, dies sieht auch mein Urologe so.

Auf die Da Vinci-Methode, die in HH (auch) praktiziert wird, angesprochen, hielt er diese nicht unbedingt für erforderlich. Ihm würde das 'Tasten' der üblichen Methode fehlen.
Auch die Da-Vinci-Methode würde einen erfahrenen Chirugen erfordern, der ca. 100 OPs nach diesem Muster durchgeführt haben sollte. Die offene, übliche Methode wäre leichter und schneller zu erlernen.(?)

Alles ohne Gewähr, aber so habe ich das verstanden.


Mein jetziger Urologe hat viele Jahre Prostata-OPs in einer Klinik durchgeführt und ist seit einiger Zeit als Nachfolger des Alt-Urologen in der Praxis.

Georg_
12.09.2018, 15:46
Je mehr Operationen ein Urologe im Jahr macht, desto bessere Operationsergebnisse hinsichtlich Kontinenz und Potenz hat er. Daher müssen zertifizierte Prostatakrebszentren etwa 100 Operationen pro Jahr machen um die Zertifizierung zu behalten. Patienten kommen aus ganz Deutschland um in der Martini-Klinik operiert zu werden da sie so einen guten Ruf hat. Ich würde dem freundlichen Urologen zuliebe nichts riskieren.

Georg

obelix
12.09.2018, 17:15
JIch würde dem freundlichen Urologen zuliebe nichts riskieren.
Hallo Georg,
das werde ich sicher nicht. Bei einer OP wird die Martini-Klinik mein erster Ansprechpartner sein.

... meine Gedanken schweben mehr darum - wenn möglich - eine OP bzw. Therapie - hoffentlich vermeiden zu können. Nicht wegen der OP selbst, sondern wegen der evtl. Folgen.

Klar ist, falls es sein muss, beiße ich in diesen Apfel rein. Heute fühlte ich mich von diesen relativ klaren und für mich neuen Aussagen, dass eine OP max. eine Frage der Zeit ist, etwas überrumpelt.

Georg_
12.09.2018, 17:36
Hallo obelix,

ich zitiere mal aus dem Basiswissen, Kapitel 6.7. Das Basiswissen ist ja für alle Lebenslagen eines Prostatapatienten ein guter Ratgeber:

Wenn Ihr Arzt Ihnen weismachen will, dass Sie auf einer Skala von 1 bis 10 mit Ihrem Krebs schon bei 6 lägen und dass darum höchste Eile geboten sei („zufällig habe ich in dem Krankenhaus (in dem der betreffende Herr Belegarzt ist), am Dienstag noch ein Bett frei...“), dann sollten bei Ihnen die Alarmglocken schrillen – der Mann will Sie wahrscheinlich zu etwas überreden, wovon er mehr profitiert als Sie.

Zufällig hast Du ja Gleason 6.

Georg

obelix
14.12.2018, 15:21
Update:

PSA-Wert ist wieder leicht runter auf 4,1; pendelt demnach zwischen 4,1 und 4,8.

Aber:
Erstmalig hat der Urologe bei der Tastuntersuchung eine verdächtige Stelle festgestellt. Ein Vergleich mit den Daten der Biobsie ergab, dass es sich um die Seite/Stelle handelte an der die positive Probe entnommen wurde.

Der gleiche Urologe (in der Praxis sind zwei tätig) hatte letztmalig im September 2017 den Tastbefund erstellt, damals alles i. O..


Der nächste Schritt soll wie geplant eine Kontrollbiopsie im März sein.Der Urologe betont auch diesmal, dass ich mich auf eine erforderliche Therapie einzustellen soll. In meinem Alter wäre eine OP die aus seiner Sicht beste Lösung. "Je früher desto besser!"

obelix
13.03.2019, 10:13
Zwischeninformation:

Gestern wurde die Kontrollbiopsie durchgeführt. Das letzte MRT ist ein Jahr alt und es wurde auf ein neues verzichtet. Im PC alles vorhanden.

Diesmal wurden 15 Stanzen genommen (Erstbiopsie = 13), 7 rechts (6) und 8 links (7). Drei der linken Stanzen wurden aus dem lt. MRT "auffälligen Bereich", in dem bei der letzten Biopsie eine positive (Gleason 6) gefunden wurde, entnommen.

Die Ärztin der Martini-Klinik hat den Tastbefund meines Urologen "suspekte Stelle" nicht bestätigt, was mich doch etwas verwundert hat. Größe meiner Prostata 30 (mm?), wäre soweit in Ordnung. Verkalkte Stellen, wurden bei mir bereits vor Jahren festgestellt, sind vorhanden.


Die Biopsie an sich habe ich gut überstanden und unangenehme Nachwirkungen oder Schmerzen habe ich bis jetzt nicht. Trotz Begleitung bin ich selbst mit dem Pkw nach Hause gefahren. Pinkeln funktioniert einwandfrei, erstmalig heute Morgen war etwas Blut im Urin, sehr wenig und sofort wieder klar. Auch in der nach der Biopsie eingelegten Vorlage war nur ein ganz minimaler "Streifen" zu erkennen, wäre diese Einlage nicht weiß vermutlich gar nicht. Als Antibiotika habe ich Cotrim forte 960mg erhalten, welches ich noch weitere vier Tage 2x täglich einnehmen soll. Sport aber nächster Woche wieder.


Jetzt heißt es abwarten bis das Ergebnis in einigen Tagen vorliegt.

obelix
08.04.2019, 19:28
Telefonisch wurde mir das Biobsie-Ergebnis 6 Tage später von der Martini-Klinik mitgeteilt. Auch heute kann ich sagen, dass ich die Biobsie an sich sehr gut vertragen und überstanden habe.


Jetzt habe ich den schriftlichen Befund erhalten!

Die für mich unverständlichen Aussagen habe ich rot gekennzeichnet. Besten Dank für zusätzliche Informationen dazu.

Befund/Ergebnis der Kontrollbiopsie:


Untersuchung: Kognitive Biopsie


Diagnosen: Prostatakarzinom Gleason 3+3 in 2 von 15 Stanzen Apex rechts (< 1mm). Erstdiagnose des Prostatakarzinoms 03/2018 Gleason 3+3, 0,2 mm, 1 von 13 Stanzen Apex links.


Beurteilung: Die Biopsien zeigten malignes Prostatakarzinomgewebe in 2 der 15 Entnahmeorte, 06 Apex re 3+3, 07 Apex re 3+3


Prostatavolumen 30 ccm


Das MRT der Prostata (03/2018) zeigt ein tumorsuspektes Areal im Bereich des Apex links (PI-RADS 4) sowie flächige difuse Veränderungen beidseits.


Die entnommenen Stanzen zeigten kleinste Herde eines Prostatakarzinoms von jeweils 0,2 mm und 0,5 mm im Bereich des Apex rechts (Biopsie 03/2018: 1 von 13 Apex links Gleason 3+3, 0,2mm).




Bei einer Prostatagröße von 30 cmm und 15 entnommenen Stanzen ist von einer sehr guten Aussagekraft der Biopsie auszugehen. Somit ist die Weiterführung der aktiven Überwachung in erster Linie zu empfehlen. Bei weiterhin stabilem PSA-Verlauf empfehlen wir eine nächste Biospie in ca. 3 Jahren.




Befundbericht/Labor:
06 Apex rechts: Adenokarzinom (Gleason 3+3 = 6), Tumorausdehnung 0,2mm (1,0%)
07 Apex rechts: Adenokarzinom (Gleason 3+3 = 6), Tumorausdehnung 0,5mm (2,1%)


Tumorbefall in 2 von 15 Entnahmen, Gleason 3+3 = 6. Tumorausdehnung insgesamt 0,7 mm (1,6% der betroffenen Stanzzylinder. Kein perineurales und/oder extraprostatisches Tumorwachstum.


Fazit:
Für mich in erster Linie beruhigend und auch wenn mein Urologe dies anders sieht, möchte ich die aktive Überwachung weiter fortsetzen.

Mein Urologe rät mir zu einer baldigen OP in der Martini Klinik, diese oder eine andere Therapie (z. B. Bestrahlung) wären für mich auf Sicht unumgänglich und je früher desto besser wären die Erfolge bzw. hätte ich mit geringeren Nebenwirkungen (Kontinenz, Impotenz) zu rechnen. Meine Aussichten auf einer komplette Heilung wären jetzt noch sehr gut.


Wie geschrieben habe ich mich vorerst für eine Fortsetzung der Aktiven Überwachung entschieden und möchte die PSA-Entwicklung abwarten. Zudem soll ich in eine Studie aufgenommen werden. Darüber habe ich bisher keine weitere Informationen aus der Martini-Klinik erhalten.


Frage:
Ist eine Zweitmeinung, Begutachtung der Entnahmen, empfehlenswert?


Weitere Einschätzungen und/oder Empfehlungen? Vielen Dank!

Georg_
08.04.2019, 19:41
Es gibt unter dem gelben Link oben "Begriffe und Abkürzungen", da findest Du Unterstützung.
malign = bösartig
Adenokarzinom = Krebs
perineural = in die Nerven innerhalb der Prostata eingedrungen
extraprostatisch = außerhalb der Prostata

Ja, Du kannst aktive Überwachung machen, obwohl strenggenommen nur bei einer positiven Stanze und Du hast zwei. Der Urologe hat Dich der Martini-Klinik "zugewiesen" und möchte, dass es dort weitergeht.

Georg

obelix
08.04.2019, 19:59
Hallo Georg,

der/mein örtlicher Urologe hat mich nicht der Martini-Klinik zugewiesen, sondern ich bin dort "aus eigenem Antrieb" gelandet. Aber evtl. erforderliche weitere Therapien, insbesondere eine OP, würde ich in der Martini-Klinik durchführen lassen. Das weiß und akzeptiert bzw. befürwortet er.


Die Ärztin in der Martini-Klinik habe ich auf die Anzahl der positiven Stanzen angesprochen, insgesamt, aus beiden Biobsien sind es drei. Sie sagt, dass die positiven Stanzen aus unterschiedlichen Biobsien nicht addiert werden und die positiven auch immer in Relation zu der Gesamtzahl zu sehen wären. 2 von 15 wären für eine Aktive Überwachung in Ordnung.

buschreiter
09.04.2019, 05:29
Aktive Überwachung ist hier durchaus möglich, wie ja auch die Ärzte der Martiniklinik schreiben. Hat der Urologe denn seit der Diagnose auch immer auf eine Op gedrängt? Das würde doch zeigen, dass er dem PSA-Wert nicht vertraut! Warum jetzt operieren, wenn man(n) das bislang aus gutem Grund vermieden hat? Ich persönlich würde allerdings wahrscheinlich an meinen Nerven scheitern...leider war ich aber nie in der Position, diese Entscheidung treffen zu müssen.

Viele Grüße
Achim

obelix
09.04.2019, 08:43
Ich persönlich würde allerdings wahrscheinlich an meinen Nerven scheitern..
Übung- und etwas Gewohnheitssache. Die zwischenzeitlichen PSA-Bestimmungen, bis das Ergebnis vorliegt, kosten mich auch einige Nerven.
Insbesondere die Ärztin aus der Martini-Klinik versteht es (mir) Vertrauen und Mut zu geben. "Eine Therapie, egal welcher Art, wäre zurzeit eine Übertherapie."
Bei meinem Urologen aber auch bei anderen Ärzten erleb(t)e ich dies häufig anders (nicht nur auf Prostatakrebs bezogen). Diese zeichnen gerne zuerst das schlimmste Szenario. Mehrfach war dies in der Vergangenheit daneben, u. a. bei der Geburt unseres Ältesten oder vor wenigen Jahren unserer ersten Enkelin.

Vor einer OP habe ich überhaupt keine Angst, nur vor den evtl. (?) folgenden Nebenwirkungen. Mein größter Wunsch ist es um eine OP - mein lebenlang - herumzukommen ohne andere Auswirkungen ertragen zu müssen. Ob es klappt? Sicher bin ich mir keinesfalls.

Ohne dieses Wissen um ein Prostatakarzinom in mir, würde es mir bestens gehen, ich fühle mich körperlich total fit und genieße mein Leben.

Den richtigen Zeitpunkt für ein evtl. doch erforderliches Handeln möchte ich dennoch nicht verpassen.

tritus59
09.04.2019, 08:51
Kann Deine Entscheidung zur aktiven Überwachung (AS) klar unterstützen. Auch mit 2 positiven Stanzen bist Du gemäss Leitlinie immer noch ein idealer Kandidat für die AS.
Dass jetzt schon in 2 Biopsien innerhalb von einem Jahr (total 28 Stanzen) kein Gleason 4 Anteil gefunden wurde, erhöht nochmals die Chance, dass die AS das ganze restliche Leben hält.

Viele Grüsse
Tritus

MartinWK
09.04.2019, 09:30
Nein, ein idealer Kandidat ist Jens nicht. Die Leitlinie verlangt T2a (nur eine Seite befallen). Die 1. Biopsie fand etwas im Apex rechts, die 2. im Apex links. Es kann natürlich sein, dass eine Nadel bei 2cm Länge zwar in die eine Seite gestochen wird, aber in der anderen endet. Wenn dann nur 0,2mm betroffen sind, stellt sich die Frage, an welchem Ende. Ich vermute, dass das nicht dokumentiert ist (denn es wäre nur für AS oder fokale Therapie sinnvoll, in der Regel wird aber immer total operiert). Auch besteht bei der Kleinheit Hoffnung, dass die Nadel den ganzen Herd herausbiopsiert hat.
Gerade die Kleinheit und die Tatsache, dass 3 verstreute Herde gefunden wurden, sprechen eher für T2c. Die Ärztin der Martiniklinik wendet die Leitlinie nur schematisch an.

Die Leitlinie sagt aber auch, dass international die Kriterien für AS (gleich "insignifikantes" PCa) sehr uneinheitlich sind wegen mangelnder Vorhersagekraft. Man kann daher individuell abweichen. Es gibt sogar die Ansicht, dass Gleason 3+3 nicht als PCa zu betrachten ist. Dazu muss man aber sehr sicher sein, dass kein 4er-Anteil vorhanden ist. Das wäre hier gegeben. Komorbidität (Herzschrittmacher) spricht auch für AS.
Eine weitere engmaschige Überwachung ist ohnehin vorgesehen. Statt weiteren Rebiopsien würde ich nach ein oder zwei Jahren mpMRT durchführen lassen und dann zusammen mit dem PSA-Wert entscheiden. Es ist irrelevant, ob weitere Biospien kleine oder kleinste Gleason-3-Stellen finden - ein eventueller Gleason-4 muss gezielt gefunden werden.

Reinhold2
09.04.2019, 10:09
Hallo Georg,

der/mein örtlicher Urologe hat mich nicht der Martini-Klinik zugewiesen, sondern ich bin dort "aus eigenem Antrieb" gelandet. Aber evtl. erforderliche weitere Therapien, insbesondere eine OP, würde ich in der Martini-Klinik durchführen lassen. Das weiß und akzeptiert bzw. befürwortet er.


Die Ärztin in der Martini-Klinik habe ich auf die Anzahl der positiven Stanzen angesprochen, insgesamt, aus beiden Biobsien sind es drei. Sie sagt, dass die positiven Stanzen aus unterschiedlichen Biobsien nicht addiert werden und die positiven auch immer in Relation zu der Gesamtzahl zu sehen wären. 2 von 15 wären für eine Aktive Überwachung in Ordnung.

Mann, Mann, Mann das Wort heisst: Biopsie!

tritus59
09.04.2019, 10:36
Nein, ein idealer Kandidat ist Jens nicht. Die Leitlinie verlangt T2a (nur eine Seite befallen). Die 1. Biopsie fand etwas im Apex rechts, die 2. im Apex links.Das kann und wird wohl auch unterschiedlich interpretiert werden können. Genausowenig wie man die Anzahl Stanzen bei beiden Biopsien zusammenzählt für die Eignung einer AS wird auch nicht eine Stanze links (1. Biopsie) und eine Stanze rechts (2.Biopsie) zu einem T2c.

Auch ist es für mich nicht ganz klar ob ein PCa mittels Biopsie gefunden nicht so oder so erst mal per Definition ein T1c ist. Zumindest bei einigen in myprostate.eu sind viele Biospie Ergebnisse mit T1c klassifiziert obwohl befallene Stanzen links und rechts gefunden wurden.


Es ist irrelevant, ob weitere Biospien kleine oder kleinste Gleason-3-Stellen finden - ein eventueller Gleason-4 muss gezielt gefunden werden.Für die weitere Entscheiden über Weiterführung der AS ist das richtig. Rein wahrscheinlichkeitsrechnerisch betrachtet sind kein Gleason-4 in 28 Stanzen besser einzuschätzen als kein Gleason-4 in nur 12 Stanzen.[/QUOTE]

MartinWK
09.04.2019, 11:11
Tritus, ich zitiere mal einen Auszug aus TNM:
T1 Klinisch nicht erkennbarer Tumor: Weder tast- noch sichtbar
T1a: Prostatakarzinom in <5% des untersuchten Präparats (z.B. Resektionsspäne nach TURP)
T1b: Prostatakarzinom in >5% des untersuchten Präparats
T1c: Prostatakarzinom in Stanzbiopsie bei nicht-tastbarem Tumor
T2 Auf die Prostata beschränkt, Prostatakapsel intakt
T2a: Befall von <50% eines Seitenlappens
T2b: Befall von >50% eines Seitenlappens
T2c: Befall beider Seitenlappen
PIRADS 4 und gezielte Biopsien schließen T1 aus.
Siehe auch cccf_kkr_kodierhilfe_prostatakrebs.pdf (https://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/09_zentren/cccf/pdf/cccf_kkr_kodierhilfe_prostatakrebs.pdf)
Dort steht: T2c (statt T1c) nur wenn PCa in beiden Lappen tastbar. Natürlich darf dann kein positives MRT oder PET/CT vorliegen.

tritus59
09.04.2019, 11:32
PIRADS 4 und gezielte Biopsien schließen T1 aus.
Siehe auch cccf_kkr_kodierhilfe_prostatakrebs.pdf (https://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/09_zentren/cccf/pdf/cccf_kkr_kodierhilfe_prostatakrebs.pdf)
Dort steht: T2c (statt T1c) nur wenn PCa in beiden Lappen tastbar. Natürlich darf dann kein positives MRT oder PET/CT vorliegen.
Ja Martin, ich habe mich auf die genau gleichen Definitionen bezogen, und für mich bleibt es ein T1c.

Ein Tumor, der durch Nadelbiopsie in einem oder beiden Lappen gefunden wird, aber weder tastbar noch in bildgebenden Verfahren sichtbar ist, wird als T1c klassifiziert.

PIRADS-4 ist kein sichtbarer Tumor in einem bildgebenden Verfahren
und
T2c ist nur dann zu verwenden, wenn der Tumor auch in beiden Lappen tastbar ist.

Nachtrag:
Es werden bei Nadelbiopsien oder MRT auch nicht die Klassifikationen cT2a oder cT2b vergeben können, m.M auch nicht bei
50% oder mehr PIRADS-5 Arealen und vielleicht positive Nadelbiopsien, da die 50% Befall nur bei Beurteilung der ganzen Prostata (auf dem Tisch des Pathologen) festgestellt werden können.

obelix
09.04.2019, 12:49
b
Mann, Mann, Mann das Wort heisst: Biopsie!
natürlich heißt es Biopsie und war bis zu meinem aktuellen Beitrag von mir auch immer so geschrieben worden (siehe vorhergehende Seiten). Irgendjemand hat auf meiner Tastatur die Buchstaben getauscht. Ist behoben. ;-)



Danke an euch für die weiterführenden Informationen!

adam 60
09.04.2019, 13:30
Hallo,


Irgendjemand hat auf meiner Tastatur die Buchstaben getauscht.

das ist bei mir auch so,ich glaub der hat einen Schlüssel für das Büro .....
oder es ist ein Gremlin vieleicht ?

MartinWK
09.04.2019, 14:05
PIRADS-4 ist kein sichtbarer Tumor in einem bildgebenden Verfahren
Was ist denn dann ein sichtbarer Tumor?
Vor der Biopsie weiß niemand, ob das Bild auch einen Tumor oder etwas anderes zeigt. Daher wird vorher auch kein TNM vergeben. Die Logik geht also so:
Auffälligkeit im Bild, und positive Biopsie in beiden Lappen in auffälligen Bereichen --> T2c
Auffälligkeit im Bild, und positive Biopsie in beiden Lappen mit Übereinstimmung zur Bildgebung nur in einem Lappen und kein beidseitiger Tastbefund --> T1c oder T2c nach Gusto
Keine Auffälligkeit im oder Übereinstimmung mit Bild oder kein Bild, aber positive Biopsie in beiden Lappen:
beidseitiger Tastbefund --> T2c
einseitiger Tastbefund --> T2a oder T2b
sonst --> T1c
Zugegeben, als gewachsenes Systenm bildet TNM die Situation nicht immer gut ab.


Es werden bei Nadelbiopsien oder MRT auch nicht die Klassifikationen cT2a oder cT2b vergeben können, m.M auch nicht bei 50% oder mehr PIRADS-5 Arealen und vielleicht positive Nadelbiopsien, da die 50% Befall nur bei Beurteilung der ganzen Prostata (auf dem Tisch des Pathologen) festgestellt werden können.
Eine Vergabe nur nach MRT ist (bisher) ausgeschlossen, dafür gibt es PI-RADS.
Natürlich werden cT2a und cT2b vergeben aufgrund der Ausdehnung in der Bildgebung, siehe auch
https://www.cancer.org/cancer/prostate-cancer/detection-diagnosis-staging/staging.html
Das Ziel ist ja nicht irgendeine "saubere" Einordnung für statistische Zwecke, sondern die treffende Beschreibung der Ausdehnung. Nach der RPE wird ein "p" statt einem "c" vorangestellt und damit ist die Aussage als verläßlicher gekennzeichnet. Bei einer Nachprüfung mit aufwendigeren Methoden (z.B. für Studien) ergibt sich dann nochmal ein anderes Bild.

MartinWK
09.04.2019, 14:08
...oder es ist ein Gremlin vieleicht ?
Dass manche ein sperriges Möbelstück in ihrem Penis haben (Katheder), finde ich nicht schlimm, solange der Sinn eindeutig ist. Rechtschreibung soll für Klarheit sorgen, solange die besteht, darf man auch mal falsch schreiben.

tritus59
09.04.2019, 18:42
Was ist denn dann ein sichtbarer Tumor?
Das wüsste ich auch gerne, besonders wenn man sich auf bildgebende Computermethoden und sich nicht auf das eigene Auge verlassen kann.

Ich denke, wir sind uns einig, dass die aktuelle TNM Klassifikation die bildgebenden Verfahren und besonders das mpMRT (noch) nicht gebührend berücksichtigt.
Historisch war es der TRUS, welcher zwar eine schlechte Sensitivität hat, dafür bei der Spezifität bei weitem der mpMRT überlegen ist (wenn man jetzt nur eine PIRADS-4 Läsion nimmt).

So oder so hat diese klinische Ausbreitungsdiagnostik im Bereich T1,T2 keine grosse Bedeutung mehr. Die cT1 ist ja mehr einfach eine Angabe, welcher Weg schliesslich zur Biopsie geführt hat. Beim pathologischen Status gibt es eh kein pT1 und die pT2 a,b,c sind mangels klinischer Konsequenzen jetzt neuerdings auf pT2 eingeschrumpft worden (AJCC TNM Staging system).

Für die AS Kriterien hat man sich eh schon losgelöst vom TNM Stadium und hat eigene Kriterien definiert (Gleason-Score, Anzahl positive Stanzen mit <50% Tumor, PSA Wert, PSA Anstiegsgeschwindigkeit) und hat gar kein bildgebendes Verfahren vorgesehen für die Anfangsentscheidung.

Die für mich jetzt doch noch einzige bestehende Unklarheit mit praktischen Konsequenzen für ev. AS Anwärter betrifft den Fall
T1c mit 2 positiven Stanzen, eine links und eine rechts beide mit max. 50% Befall ohne Bildgebung und beide mit Gleason (3+3).

Da habe ich wirklich Mühe, das da eine AS da nicht mehr perfekt drinliegen sollte, auch gemäss S3 Leitlinie. Sind die zwei Stanzen in der T1c Situation wirklich auf der gleichen Seite gefordert? Habe dies nirgends gefunden.

Erste Antwort von Lowroad grad schon vorweg: Die Tatsache, dass Du etwas nicht findest, ist kein Beweis, das es nicht existiert.
Antwort: Kommt darauf an, wie lange und wo man überall gesucht hat. In einer endlichen Menge kommt man schliesslich zu einem Ende.

Entschuldige Jens, dass ich da Deinen Thread etwas missbrauche für diese eher formale Betrachtung.

Tritus

obelix
09.04.2019, 18:46
Entschuldige Jens, dass ich da Deinen Thread etwas missbrauche für diese eher formale Betrachtung.
alles in Ordnung; ich lese interessiert mich auch wenn es mir schwer fällt alles umfänglich zu verstehen.




Fast vergessen habe ich (m)eine Kernfrage:

Ist eine Zweitmeinung, Begutachtung der Entnahmen, empfehlenswert?

MartinWK
09.04.2019, 19:22
Tritus, ein "sichtbarer Tumor" entsteht aus einem Schatten in der Bildgebung, wenn die Biopsie in dem Bereich positiv ist. Ganz egal, wie hoch Sensitivität oder Spezifität des Verfahrens sind. In dem Fall befördert der Schatten genau wie ein Tastbefund den T1c zu einem T2c. Ich hoffe, da sind wir uns nun einig.

Zur Spezifität der mpMRT kannst du dir eine Studie aussuchen:
hohe Spezifität https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0302283814011221
niedrige... https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673616324011
Aussage Radiologie Nr. 1: PI-RADS 5 in fast allen Spalten bedeutet fast immer PCa
Aussage Radiologie Nr. 2: wir sehen häufiger etwas, was bei der Biopsie sich nicht erhärtet
Ich denke, eine aufwendige mpMRT mit vielen Serien, Rektalspule und erfahren begutachtet wird dem TRUS in allen Bereichen mindestens gleichwertig sein.

Leider hat dieser Weg der Klassifikation immer noch große Bedeutung bei den leitliniengerechten Pfaden
positive Biopsie -- low/medium risk -- Therapie RPE
und
negative Biopsie -- PSA verfolgen -- eventuell mpMRT -- Rebiopsie -- usw.

Es gibt nunmal Studien, die sagen, daß einseitiges PCa bessere Prognose hat als zweiseitiges (sozusagen lokale "Streuung"). Natürlich kann die Biopsie etwas in der anderen Seite übersehen haben, aber wenn dort die Bildgebung auch nichts sieht, sondern nur in der positiven Seite, ist das der Prognose folgend T2 statt T1.

tritus59
09.04.2019, 20:03
Ganz egal, wie hoch Sensitivität oder Spezifität des Verfahrens sind. In dem Fall befördert der Schatten genau wie ein Tastbefund den T1c zu einem T2c. Ich hoffe, da sind wir uns nun einig
Martin, wir sind uns fast einig.
Also ich würde von diesem Schatten (oder bildlich gesprochen, der Computerfinger der einem reingesteckt wird), der angeblich einen Tumor anzeigen soll, schon eine gewisse Mindestspezifität verlangen wollen. Wo diese liegen soll, kann man diskutieren. Auch ein PIRADS-2 oder ein PIRADS-3 sind Schatten, reichen diese auch für das Upgrade von T1c auf T2c ?

Dann der zweite Punkt bezüglich AS mit diesen zwei positiven Stanzen links und rechts.
Da mag ich jetzt heute auch nicht mehr auf die Suche gehen. Wenn Du grad eine Studie zur Hand hättest, welche eine Prognoseverschlechterung bei der AS zeigen, je nachdem ob nur auf einer oder auf beiden Seiten, das wäre genau das wonach ich lange vergeblich gesucht habe.

MartinWK
10.04.2019, 10:47
"Ist eine Zweitmeinung, Begutachtung der Entnahmen, empfehlenswert?"
Ich kann mir nicht vorstellen, das ein Pathologe bei einer routinemäßigen Nachprüfung innerhalb der sehr kleinen PCa-Stellen noch einen Gleason-4-Anteil findet. Es gibt noch andere Verfahren, die die Gefährlichkeit des PCa auch abschätzen können:
- DNA-Zytometrie (Evidenz unklar, siehe "Erster Rat")
- PTEN-Suppressor-Gen-Veränderungen (ob besser als Prognose aufgrund Gleason ist unklar) https://www.nature.com/articles/nrurol.2018.9
- PSMA-Negativität (bei niedrigem Gleason deutet wenig PSMA-Expression auf besseren Verlauf).
Dann gibt es noch Pin1, RKIP, und, und, und. Ganz neu sind die Mikro-RNAa: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0184094
Für die zuerst genannten 3 Untersuchungen gibt es bekannte Labore, für die übrigen müßte man suchen. Als Abbruchkriterium für AS könnte man sie vielleicht in ein Gesamtbild einfügen. Solange der PSA sich kaum verändert und ein mpMRT nichts Neues zeigt werden sie keine Bedeutung haben.

Georg_
10.04.2019, 10:55
"Ist eine Zweitmeinung, Begutachtung der Entnahmen, empfehlenswert?"

Wenn dies ein Pathologe von der Martini-Klinik gewesen ist, halte ich eine Zweitmeinung für unnötig.

obelix
10.04.2019, 10:57
Wenn dies ein Pathologe von der Martini-Klinik gewesen ist, halte ich eine Zweitmeinung für unnötig.
ja, war es.

Danke dir und Martin!

Michi1
10.04.2019, 11:00
Aber warum soll die Martiniklinik die sein die immer recht haben. Bei jedem anderen URO wird hier im Forum eine Zweitmeinung empfohlen. Ich persönlich meine das wenn ich Vertrauen in einen Arzt habe ich keine Zweitmeinung benötige.

Hartmut S
10.04.2019, 11:16
Aber warum soll die Martiniklinik die sein die immer recht haben. Bei jedem anderen URO wird hier im Forum eine Zweitmeinung empfohlen. Ich persönlich meine das wenn ich Vertrauen in einen Arzt habe ich keine Zweitmeinung benötige.
Lieber Michi,

ich habe auch Vertrauen zu meinem Arzt. Dennoch hatte ich mir damals in der Martiklinik eine 2. Meinung geholt.
Ich finde es trotz Vertrauens sehr wichtig!

Die M-Klinik wollte mir damals für 3 Monate /plus Bica geben, weil sie meinten, der Tumor wäre zu nahe an meinem süßen Hintern.
Mein Urologe war anderer Meinung, und operierte alles sauber weg. (Soweit es bei einem Glasson 7b möglich ist/war.)

Nun könnte man meinen, eine 2 Meinung bräuchte keiner.
Das wäre aber meiner Meinung nach falsch.


"Ist eine Zweitmeinung, Begutachtung der Entnahmen, empfehlenswert?"
Wenn dies ein Pathologe von der Martini-Klinik gewesen ist, halte ich eine Zweitmeinung für unnötig.
Ja lieber Georg, auch falsch.
(weiter oben steht drin, warum). :)

Gruss
hartmut

Georg_
10.04.2019, 11:28
Hartmut,

hier geht es um eine Zweitmeinung für die Beurteilung der Biopsiebefunde. Da die Martini-Klinik sehr viele Prostataoperationen macht, gehe ich davon aus, dass hier die Pathologie entsprechende Erfahrung besitzt. Anders bei kleineren Krankenhäusern, wo Prostatakrebs ein kleiner Anteil der Untersuchungen der Pathologie sind.

Ansonsten wollte ich mich nicht generell gegen eine Zweitmeinung aussprechen.

Ich selbst hatte einen 3+4 und die Zweitmeinung machte daraus 4+4. Jetzt bräuchte ich noch eine Schiedsrichtermeinung.

Georg

MartinWK
10.04.2019, 12:21
Wenn dies ein Pathologe von der Martini-Klinik gewesen ist, halte ich eine Zweitmeinung für unnötig.
Keiner ist ohne Fehler. Ich habe einen Befund vom UKE vorliegen, in dem die WHO-Klassifikation fehlt (laut S1-Leitlinie erforderlich).
Im Übrigen gibt es keine Pathologie in der Martiniklinik. Die lassen das beim UKE (Uniklinik HH-Eppendorf) machen.

obelix
10.04.2019, 13:29
Keiner ist ohne Fehler.
Stimmt, dennoch sehe ich für mich keine Veranlassung (mehr) mir aktuell eine Zweitmeinung einzuholen. Vorerst warte ich die folgenden PSA-Bestimmungen ab.

Heute hatte ich ein Telefongespräch mit der Studienambulanz der Martini-Klinik. Auf die schriftlichen Unterlagen warte ich, diese sollen in den nächsten Tagen eintreffen (Aufnahme in PIRADS-Studie). Auch hier habe ich die Frage gestellt ob eine Zweitbegutachtung sinnvoll erscheint. "In meinem aktuellen Zustand eher zu vernachlässigen, steht mir aber frei, auch später."

Ein weiterer Hinweis war, dass die Entwicklung was die Einschätzung eines Karzinoms betrifft immer weiter voranschreitet und vermutlich in wenigen Jahren noch genauere Prognosen gestellt werden können.


Keiner ist ohne Fehler.

Danke für alle Hinweise, Meinungen und Informationen!

Hartmut S
10.04.2019, 16:01
PSA um die 4,sowieso.
Keine Veranlassung für eine Zweitmeinung?

Na ja,
Keine Ahnung.
. . . . alles Gute für Dich!


Da die Martini-Klinik sehr viele Prostataoperationen macht, gehe ich davon aus, dass hier die Pathologie entsprechende Erfahrung besitzt.

Widerspruch: Haben die nicht! - Ansonsten wäre ich ja nicht bei meinem Operateur gelandet.
Die Pathologie kenne ich dort nicht. Da finde ich auch nichts aus der Klinik.

Gruss
hartmut

obelix
10.04.2019, 16:35
Aufnahme in PIRADS-Studie
PRIAS-Studie

Hartmut S
10.04.2019, 20:03
Georg (https://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?10783-Georg_)
hier geht es um eine Zweitmeinung für die Beurteilung der Biopsiebefunde.
Ja genau, darum geht es.
Falls die Stanzen nicht versiegelt sind, könnte man die ja mal woanders begutachten lassen (2. Meinung). :)

Gruss
hartmut

buschreiter
11.04.2019, 08:32
Falls die Stanzen nicht versiegelt sind, könnte man die ja mal woanders begutachten lassen (2. Meinung)
Die Gewebepräparate befinden sich in Paraffinblöcken, die ohne Weiteres quer durch die Republik geschickt werden können. Ich habe meine damals über den Urologen zu Prof. Bonkhoff schicken lassen, da der Pathologe der Klinik keinen Gleasonscore benannt hatte. Lag wohl an der Einnahme von Bica vor der OP. Der Bericht von Prof B. war ziemlich ausführlich...

obelix
11.04.2019, 08:54
..., die ohne Weiteres quer durch die Republik geschickt werden können.
wurde mir telefonisch so bestätigt, siehe auch meinen Beitrag #47.

Aktuell sehe ich keine Veranlassung dazu (Zweitmeinung); ich möchte jetzt bis zur nächsten PSA-Bestimmung etwas Ruhe einkehren lassen.