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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : PSA 8.9 und positives MRI, wie geht es weiter?



Darkdiver
28.11.2017, 08:17
Guten Morgen zusammen,

ich bin 52 Jahre alt komme aus Zürich und war letzte Woche im Krankenhaus da mein PSA erhöht war. Ich wurde vom Urologen untersucht und zur MRI gesendet. das Ergebnis der MRI habe ich mal unten beschrieben. Das weitere vorgehen ist nun 5.12 Besprechung mit dem Anästhesisten und am 8.12 die Biopsie. Sie wird wohl durch den Damm gemacht und nicht rektal. am 22.12 ist dann Besprechung mit dem Arzt über die weitere Vorgehensweise.

Meine frage an euch, könnt ihr mir schon einmal helfen das Ergebnis aus dem MRI besser zu verstehen?


Kurze Zusammenfassung von meiner Multiparamtrischen MRI der Prostata.



PAS Wert = 8.9ng/ml
In der T1 Sequenz keine postbioptischen Veränderung
Prostatamasse 4.7x5.9x5.6cm und Volumen 80.75ml
PSA Dichte = 0.11ng/ml


In der peripheren Zone (PZ) midglandulär bis aprikal posterirr rechts eine 8x15mm messende in T2 hypointense Läsion mit korrespondierender Diffusionsrestriktion und mit hyperintensem Signal in hohen b-Wert Bild verglichen mit der umgrenzenden PZ. Die Läsion zeigt ein flaues wasch-in verglichen mit der umgebenden PZ.

In der peripheren Zone (PZ) midglandulär posterior links einen ca. 21mm messende in T2 hypointense Läsion mit flauer Diffusionsrestriktion und ohne umschriebenes hyperintenses Signal im hohen b-Wert Diese Läsion zeigt kein wash-in mit der umgebenden PZ

Kapselüberschreitung: Kapselbulging rechts posterior apical sowie teils nicht mehr abgrenzbare hyperintense Kapsel. Erhaltene Fettlamelle zum Rektum



Samenblasen: Keine Infiltration der Samenblasen.
Lokoregiondäre Lymphknoten: Keine Pathologische vergrösserten Lymphknoten.
Ossäre Läsionen: keine metastasensupekte ossäre Läsionen bei insgesamt eher einhomogener Knochenmineralisation


Beurteilung:

Karzinomverdächtige Läsionen rechtsseitig bei Apex bis Midglandulär (PIRADS v2: 5/5)
Inseminierte Läsion linksseitig midglandulär (PIRADS v2: 3/5)
Kapselüberschreitendes Wachstum rechts
Keine Infiltration der Samenblasen bds.
Keine LK- oder Knochenmetastasen


Ich danke euch für eure Unterstützung und Hilfe

Viele Grüsse
Eric

Georg_
28.11.2017, 09:05
Hallo Eric,

ich kann verstehen, dass Du Dir Gedanken machst. Aber es bleibt Dir letztlich nur das Ergebnis der Biopsie abzuwarten. Nach der Beschreibung würde ich davon ausgehen, dass man dies mit einer Operation gut therapieren kann.

Georg

MartinWK
28.11.2017, 11:11
Entscheidend ist der PIRADS-Wert: PIRADS 5 in der einen Läsion ist schon sehr verdächtig. In der Besprechung kann das der Radiologe interpretieren (bei mir: "sowas kann auch eine Granumatulose sein, ist aber kaum zu erwarten, sehe ich 2-3 mal im Jahr, sonst ist es PCa"). Auf der linken Seite ist der Befund unsicher.
Die Ergebnisse des MRT sind heutzutage schon ziemlich zutreffend. Auch wenn man selbst auf den Bildern kaum was sieht: (a) der Radiologe hat Erfahrung und viele Vergleichsbilder gesehen (b) es werden verschiedene Sequenzen gemacht, auch zeitlich, dabei wird der Fluß des Kontrastmittels verfolgt ("wash in").
Biopsie durch den Damm unter Vollnarkose: du bekommst offenbar eine perineale Fusionsbiopsie, gezielt aufgrund der MRT Daten. Das ist das Optimum mit verringertem Infektionsrisiko. Vermutlich werden die Läsionen gezielt und der Rest der Prostata systematisch gestochen. Bei der Größe der Prostata sollte man mindestens 20 Stanzen erwarten (bei mir 24 bei Volumen ca. 45ml).
Wie Georg schon andeutete: Der Gleasonwert der Biopsie bringt Klarheit (PCa/kein PCa), weiterhin bestimmt er den Grad der Entdifferenzierung, die Stanzzylinder deuten eventuell Kapselüberschreitung an, Perineuralscheideninvasion wird geprüft. Zusammen mit den Erkenntnissen aus dem MRT bekommt man dann einen Eindruck von der Größe und Gefährlichkeit.

Hvielemi
28.11.2017, 12:33
Lieber Eric

Du hast bisher so etwa das Beste bekommen, was man sich als Neubetroffener
wünschen kann, und auch die Biopsie durch den Damm ist sehr gut, weil die
das Infektionsrisiko gegenüber der sonst üblichen transfäkalen Biopsie massiv senkt.
Darf ich deshalb fragen, ob Du am Hirslanden oder einem anderen Privatspital
bist, oder am USZ oder einem der Stadtspitäler?

Zum MRT:


Beurteilung:


Karzinomverdächtige Läsionen rechtsseitig bei Apex bis Midglandulär (PIRADS v2: 5/5)
Inseminierte Läsion linksseitig midglandulär (PIRADS v2: 3/5)
Kapselüberschreitendes Wachstum rechts
Keine Infiltration der Samenblasen bds.
Keine LK- oder Knochenmetastasen


Kommentare in gleicher Reihenfolge:

• Rechtsseitig bestehen von der untersten Zone bis zur Mitte der Drüse
mehrere hoch krebsverdächtige "Verletzungen" (Läsionen).
• Links-mittig eine weitere, weniger verdächtige Stelle.
• Rechts wurde die Kapsel, also die Organbegrenzung der Prostata,
durchbrochen, was eher ungünstig ist.
• Im Bild sieht man keinen Befall der Samenblasen, was wiederum
günstig ist (Bei einer Operation werden die aber jedenfalls mit entfernt).
• Sehr gut ist, dass man keine Metastasen festgestellt hat. Das gilt für
beide möglichen Ausbreitungswege: Durch die Lymphbahnen in die
Lymphknoten und über das Blut in die Knochen.

Die Biopsie scheint mir nun eher eine Formsache zu sein, denn mit
dem MRT lässt sich nur ein Krebsverdacht formulieren (PIRADS 1 bis 5,
wobei Du leider die höchste Stufe aufweist), während die Biopsie
samt Pathologie des Krebsverdacht wohl beweisen wird.

Wie das auf dem MRT aussieht, wirst Du wohl deine Prostata verlieren,
aber Du hast eine gute Chance, dass damit der Krebs vollständig
beseitigt wird.


Carpe diem!
Konrad

Darkdiver
28.11.2017, 12:54
hallo Konrad,

ich bin in Zürich am USZ dort wird auch die Biopsie gemacht am 8.12 und am 22.12 ist das Gespräch mit dem Dr. Ich habe den Ratgeber hier gelesen die ganzen 160 Seite, ein tolles Stück Arbeit und ich wollte eigentlich mit 52 noch keine OP oder zumindest nicht jetzt. Ich hoffe irgendwie das ich noch ein wenig darum herum kommen kann mit aktiver Überwachung. Die Genesungsphase zieht sich doch bei vielen sehr lange hin auch beim Da-Vinci System. Und in meinem Job wären die Beeinträchtigungen entsprechend hoch wie natürlich auch Privat. Aber warten wir die Biopsie Ergebnisse noch ab. Ist ja noch ein Monat hin. Wird ein schönes Xmas Fest dieses Jahr.

Was ich vergessen hatte zu sagen November 2011 hatte ich Schilddrüsen Krebs welcher aber durch eine OP behandelt wurde. Noch zum Glück gekapselt gewesen alles. Aber nach der OP hatte ich einen Schlaganfall der mich ein Jahr REHA gekostet hatte. Das ist jetzt der zweite Krebs in 5 Jahren. Irgendwie ist die Kraft halt weg wieder zu kämpfen. Will jetzt nicht depressiv klingen, bin ich bei weitem nicht aber der Akku ist gerade nicht auf 100% Power. Bin vor 3 Jahren hier nach Zürich gezogen, Freundeskreis ist zum Teil noch in Frankfurt und Familie ist ebenso nicht vorhanden. Na ja andere haben das auch geschafft also wieso nicht ich auch noch einmal :)

Georg_
28.11.2017, 13:13
Hallo Eric,

durch die Kapselüberschreitung wirst Du wohl keine aktive Überwachung machen können. Ich vermute dies ist ein Gleason größer/gleich 7. Die Behandlung wird wohl Anfang nächsten Jahres anstehen.

Man sollte bei einer Krebserkrankung besser von Familie und Freunden unterstützt werden. Detlef schrieb, seine geschiedene Frau hätte ihn sehr unterstützt.

Georg

MartinWK
28.11.2017, 13:37
Prostatakrebs ist nicht ungewöhnlich. Man darf da nicht zu sehr am eigenen Körper zweifeln.
Nicht hängen lassen! Ich erinnere eine alleinstehende Tante, die einige Krankheiten und auch einige Krebse hatte, im Krankenhaus mit 80 noch eine Patientenzeitung gemacht hat und kurz vor 90 verstorben ist.

Darkdiver
28.11.2017, 14:04
Danke euch schon einmal jetzt für das Feedback. Hilft schon sehr mit gleichgesinnten darüber zu sprechen bzw. zu schreiben.
Viele Grüsse
Eric

Darkdiver
11.12.2017, 18:49
Der PSA in der Klinik gemessen ist jetzt bei 12, vorher, knapp einem Monat 8.9. Denke ein Teil liegt daran, dass es ein anderes Labor war. Die Biopsie wurde Freitag gemacht. 50 Biopsien also Sättigungsbiospie. Katheter danach und ich kann sagen so einen will ich nie wieder. Jetzt muss ich auf die Ergebnisse der Pathologen warten.

Hvielemi
11.12.2017, 19:13
Der PSA in der Klinik gemessen ist jetzt bei 12, vorher, knapp einem Monat 8.9.

Lieber Eric

Ob das andere Labor mehr gemessen habe oder weniger, wissen wir nicht.
Dein PSA-Anstieg übersteigt die mögliche Abweichung zwischen Laboren.
Wenn Du es genauer wissen möchtest, vergleiche die PSA-Verdoppelungszeit**
mit früheren Messperioden, so vorhanden.

Mit den von dir angegebenen Werten beträgt die PSA-Verdoppelungszeit (VZ)
etwa zwei Monate. Das ist reichlich schnell aber eben auch noch unsicher,
weil aus verschiedenen Laboren und noch nicht durch eine dritte Messung
bestätigt.
Bitte in einem Monat nocheinmal messen. Nach der halben VZ sollte der
Wert bei gleichbleibendem Wachstum bei etwa dem 1.4-fachen liegen,
mit Prostata noch drin, eher etwas tiefer.


Carpe diem!
Konrad


PS: Es beginnt unübersichtlich zu werden.
Kannst Du bitte deine Daten im Profil oder auf myprostate.eu zusammenfassen?
Danke.


**Mehr info und Berechnung der PSA-VZ:
http://www.labor-limbach.de/PSA-Verdopplungszeit.355.0.html

highlander
11.12.2017, 22:03
Also bei 50 Stanzen wird die trefferquote falls da was ist bei 99,9% liegen

Darkdiver
18.12.2017, 16:11
Da ich ja darauf hingewiesen wurde, nun die Ergänzung des Befundes. Freitag rief mich der Arzt vom Spital an weil ich jeden Tag nach den Ergebnissen gefragt hatte und er meinte nur bei mir wurden diverse Ergebnisse bei der Biopsie gefunden von Gleason Score 4+3 bis zu 4+4. Also ne glatte 8. Die weiteren Details bekomme ich noch. Habe jetzt mal ein wenig gegoogelt zum Thema Gleason Score und speziell nach der 8. Schon erschreckend. Bin sicher jetzt kommt die Suche nach Metastasen als nächstes dran. Morgen nimmt er meinen Fall schon in TumorBoard und Freitag besprechen wir dann alles weitere.
Aus einem entspannten selbst beim PSA Wert wurde nach der Biopsie ein angespanntes ich und jetzt stehe ich langsam unter Strom.

PSA in der Klinik war jetzt nicht mehr 8.9 wie ein Monat zuvor sondern 12
Biopsie Gleason Score = 8

Irgendwie nicht gut alles habe ich so das Gefühl.

Viele Grüsse Eric

Georg_
18.12.2017, 18:45
Eric,

rein theoretisch bräuchtest Du nicht unter Strom zu stehen, denn ändern lässt sich im Moment gar nichts. Der Arzt möchte sicher mit einer guten Therapieempfehlung aus dem Tumorboard kommen. Es ist viel besser, er schaltet ein Tumorboard ein als allein zu entscheiden.

Bei einem Gleason 8 sollte man schon nach Metastasen suchen, das wird in Deutschland meist mit einem Knochenszintigramm gemacht. Das findet aber nur vergleichsweise wenige der vorhandenen Metastasen. Es könnten aber schon mit dem MRT/MRI welche gefunden worden sein, wenn sie in der Nähe der Prostata liegen.

Mehr kann man erst nach dem Termin am Freitag sagen.

Georg

Hvielemi
18.12.2017, 22:25
Lieber Eric,
es ist zwar gut, aber auch normal, dass am USZ wie in jedem
Kantons- oder Unispital alle Fälle mit grösseren Veränderungen
oder Untersuchungen im Tumorboard besprochen werden.
Ich wäre nicht überrascht, wenn man ein PSMA-PET-CT oder -MRT
zur Ausbreitungsdiagnostik einsetzen würde, stammt doch das
PET-Verfahren ursprünglich vom USZ.

Carpe diem!
Knrad

Darkdiver
05.01.2018, 06:52
So ein kleines Update. am 11.1.18 habe ich den ersten Besprechnungstermin mit dem Radiologen um eine Bestrahlung zu besprechen. Natürlich geht es mir hier um die Schonung der Nerven ob dies möglich ist bei dieser Therapie. Die OP kommt aktuell für mich nicht in Frage da keine Nervenschonende OP möglich ist. Ich hoffe die Bestrahlung kann "Sanfter" damit umgehen. Ebenso die anstehende Inkontinenz wäre ein Grund gegen die OP. Für mich wäre das in extrem großer Einschnitt in der Lebensqualität.
Am 22.1.18 dann der Termin für das PSMA PET/CT. Hier gehen natürlich einmal mehr die Nerven durch. Aktuell hat das USZ zu wenig Kapazitäten für die Gallium Produktion. Ich frage mich wie wie hoch die Chance ist bei mir. Ich meine 52 Jahre, ein T2C mit Gleason 8. Was denkt ihr wie hoch sind die Chance nach der Erfahrungen hier im Forum das etwas gefunden werden wird? Und zu guter letzt eine Frage wieso wird bei PC so wenig Chemo gemacht? Ist diese nicht erfolgsverbrechend? Klar hast du temporär die entsprechenden Nebenwirkung aber wenigstens bleiben dir die Potenz und Kontinenz erhalten?

Danke euch für euer Feedback.

Viele Grüsse
Eric

Hvielemi
05.01.2018, 10:35
Lieber Eric

Nun bitte keine Unruhe wegen des PSMA-PET.
Du hast ja deinen Termin, und es wird ohnehin von der ersten Besprechung
mit dem Radioonkologen über das Planungs-CT bis zum Beginn der Bestrahlung
läner dauern, sodass ggf. die Erkenntnisse aus dem PET noch in eine
Strahlentherapie einfliessen könnte.

Ein Werweissen über deine Chancen ist jetzt überhaupt nicht angebracht,
denn bereits in zwei Wochen hast Du mit dem PET die bestmögliche
Ausbreitungsdiagnostik. Irgendwelche Prozentzahlen helfen Dir jetzt nicht,
und dass in deiner Situation allerlei möglich ist, weisst Du selbst.

Zur Chemotherapie:
Die ist bei Prostatakrebs wohl niemals heilend, sondern dient der
Verlängerung der Überlebenszeit und, in fortgeschrittenen Fällen,
der Schmerzbekämpfung. In jüngerer Zeit wird sie in gewissen Fällen
auch "früh" eingesetzt, also zusammen mit der Hormontherapie.
Aber auch dafür ist es viel zu früh für Dich.


Carpe diem!
Konrad


Hinweis zu den PSMA-PET-Wartezeiten:
Die knappe Ga68-Produktionskapazität des USZ merken wir am KSSG auch.
Das USZ sendet deshalb nur zwei Portionen wöchentlich nach St. Gallen,
weswegen hier die Wartezeiten noch länger sind als die etwa drei Wochen in Zürich.
PET-Kapazitäten gäbe es ja an beiden Standorten mehr als genügend ...

Aber man kann die Ga68-Produktion nicht in kleinen Schritten anpassen, weil so ein
Ge68/Ga68-Generator eine fixe Kapazität hat. Das ist eine extrem simple Apparatur,
die kontinuierlich aus dem langsam zerfallenden Germanium68 das rasch zerfallende
Gallium68 erbrütet. Das 68Ga-PSMA-PET wird am USZ erst seit anderthalb Jahren
gemacht. Die wurden wohl von der Nachfrage überrascht. Den nächsten Generator
kaufen die hoffentlich nicht nur eine, sondern zwei Nummern grösser, sodass die
Ausbreitungsdiagnostik in der Schweiz künftig vermehrt per PSMA-PET erfolgen kann.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gallium-68-Generator

skipper
05.01.2018, 13:23
Hallo Eric,
für die PC-OP gibt es ein Prognosentool : https://www.mskcc.org/nomograms/prostate/pre_op
Auch wenn du z.Zt. eine OP nicht in Erwägung ziehst kannst du damit Wahrscheinlichkeiten ( Statistik) ermitteln.
Gruß Skipper

Darkdiver
05.01.2018, 18:55
Danke für den Link. Rein Statistisch sieht das gut aus. Aber eben die Lebensqualität bzw. deren Verlust.

Viele Grüsse
Eric

Darkdiver
05.01.2018, 18:56
Im Februar bekommen sie im USZ zwei neue Generatoren, wenigstens wird es ab dann etwas entspannter.

skipper
06.01.2018, 11:41
Hallo Eric,
provokant gefragt: geht dir Lebensqualität vor Heilung ?
Du wirst keine Behandlungsform finden , bei der es keine Nebenwirkungen, Risiken oder Spätfolgen gibt.
Vereinfacht gesagt hast du bei einer OP die Collateralschäden sofort ,falls sie denn eintreten, bei einer Bestrahlung folgen sie meist nach einigen Jahren.

Besorg dir das Buch: Ein Ratgeber zum Protatakrebs von Dr.med. Stephen B.Strum , nicht mehr ganz aktuell , aber von einem echten Spezialisten geschrieben.
Wünsche dir eine für dich gute Entscheidung mit möglichst wenig Nebenwirkungen !!
Gruß Skipper

highlander
06.01.2018, 12:45
welche Schäden folgen nach Bestrahlung nach Jahren?

Michi1
06.01.2018, 13:07
Was sollen da noch nach Jahren für Schäden erfolgen ?

Georg_
06.01.2018, 13:11
geht dir Lebensqualität vor Heilung ?

Man versucht ja nur zu heilen, ob es gelingt, kann man nur mit statistischen Prozentzahlen auf Grund alter Daten sagen. Wie oft kommt der Tumor doch "zurück"? Wenn mit dem PSMA PET/CT festgestellt wird, dass der Tumor gestreut hat, kann man ihn nicht beseitigen sondern nur sehr lange mit ihm leben. Soll man da nicht auch an seine Lebensqualität denken?

Aber da hat wirklich jeder eine andere Einstellung. Ich versuche eine Therapie mit möglichst wenig Nebenwirkungen zu wählen.

Georg

uwes2403
06.01.2018, 13:15
@ Michi - hast Du vor Deiner Bestrahlung keinen Aufklärungsbogen bekommen und - noch wichtiger - gelesen ? Da stehen alle - potenziellen - NW der Bestrahlung drin.

Auch hier gilt wieder: alles kann, nichts muß eintreten...wie das mit den Wahrscheinlichkeiten so ist...

Grüße

Uwe

Harald_1933
06.01.2018, 13:30
Man versucht ja nur zu heilen, ob es gelingt, kann man nur mit statistischen Prozentzahlen auf Grund alter Daten sagen. Wie oft kommt der Tumor doch "zurück"? Wenn mit dem PSMA PET/CT festgestellt wird, dass der Tumor gestreut hat, kann man ihn nicht beseitigen sondern nur sehr lange mit ihm leben. Soll man da nicht auch an seine Lebensqualität denken?

Aber da hat wirklich jeder eine andere Einstellung. Ich versuche eine Therapie mit möglichst wenig Nebenwirkungen zu wählen.

Georg

Hallo Georg,

genau deswegen habe ich mich ja auch bestrahlen lassen, und das war vor über 10 Jahren. Keine aktuellen Nebenwirkungen, und die anfängliche leiche Proktitis ( im ersten Jahr nach Radiatio) gehört ebenfalls der Vergangenheit an.

Gruß Harald

Michi1
07.01.2018, 06:07
Uwe, sicher hab ich den Bogen gelesen aber ich habe nichts gefunden was nach Jahren noch auftreten kann. Entweder sofort und das kann dann auch bleiben. Aber nach Jahren neu ?

uwes2403
07.01.2018, 09:18
Michi, Zweitkarzinome (selten) und/oder Inkontinenz und Impotenz beispielsweise können sich erst nach Jahren einstellen....(Betonung liegt auf können)

Michi1
07.01.2018, 09:37
Sind aber dann bestimmt keine Auswirkungen mehr auf die Bestrahlung. Krebs kann immer wieder zurückkommen.
Das ist dann trotz Bestrahlung aber nicht wegen Bestrahlung.

uwes2403
07.01.2018, 09:49
Wenn Du meinst.....(ich dachte, Du hättest den Bogen gelesen ?)

Gehört aber nicht in diesen Thread, daher ist für mich hier Schluß.

Darkdiver
07.01.2018, 11:14
ich frage mich halt wie sie bei der perkutanen Bestrahlung es schaffen die Nerven zu schonen. Hat jemand der Bestrahlung hatte Probleme mit der Potenz? Inkontinenz ist ja eher dann so eine Druck Inkontinenz wenn ich das richtig verstanden haben. Aber wie sah es bei euch mit der Potenz aus. und habt ihr Bestrahlung mit ADT gemacht oder ohne?

danke für euer Feedback
Eric

RalfDm
07.01.2018, 11:41
Hallo Eric,

das Kriterium für Nerverhalt ja/nein ist nicht die Therapie, sondern ob der Krebs die Prostatakapsel in der Region infiltriert hat, die dem Nervenbündel gegenüberliegt. Der Abstand zwischen beiden beträgt etwa 5 mm. Die Präzision, mit der die Strahlen appliziert werden können, wird bei Photonen- wie bei Protonenbestrahlung mit 0,5 mm angegeben, vorausgesetzt, die Prostata hällt so lange still. Wenn das Kriterium für den Nerverhalt nicht erfüllt ist, geht bei beiden Therapien Heilung vor Potenzerhalt.

Ralf

Michi1
07.01.2018, 11:49
Ich habe damals Leben vor Potenz vorgezogen. Mit 67 kann man auch damit Leben. Zum Arzt der mir das gesagt habe wurde geantwortet, ich kann das mit gutem Essen ausgleichen. Ich glaube ich hab im Leben bis jetzt nichts versäumt und kann es noch lange Erleben. Es gibt schlimmeres.

Darkdiver
07.01.2018, 13:31
Tja Michi, das würde ich vielleicht auch so sehen mit 67 aber ich bin aktuell 52 und sehe das als ein großen Einschnitt in meinem Leben. Natürlich geht Heilung vor Spaß aber sicher nicht vor Lebensqualität. Und das Problem bei unserem Krebs ist ja keiner kann wirklich sagen wie es weiter geht wenn du nichts tust oder? Also jetzt behandeln, hoffentlich nicht rezidiv sein, auf ein großes Stück Lebensqualität verzichten lange leben, oder rezidiv sein und weiter weniger Lebensqualität haben und weiter kämpfen oder nichts tun und lange leben und an etwas anderem sterben. So ein krebs braucht ja noch so seine Zeit bis er dich hinrichtet. Ich hatte schon einen Herzinfarkt ( Rückwand Infarkt ) danach Schilddrüsenkrebs und einen Schlaganfall im Thalamus. Die Ärzte meinten es wären meine Gene da ich sonst sehr gesund bin. Also die Chance das irgendetwas mich in den nächsten Jahren hinrafft ist nicht ganz unwahrscheinlich. Nicht das ihr jetzt denkt ich wäre todesmutig aber ich bin Realist und versuche für mich nur den besten Weg zu finden. Das ich 80 werde halte ich für unwahrscheinlich. 70 ja vielleicht, 60 sicherlich. Ich will einfach nicht einfach so einer Statistik glauben ohne zu wissen wie sie zu meinem Fall passt. Versteht ihr? Ich meine kommen wir wieder auf die Studie zurück der Obduktionen von gestorbenen Männer, viele davon hatte PC und sicher auch in einem fortgeschrittenen Stadium und dennoch sind sie an etwas anderem gestorben. Ich will vermeiden, dann ich jetzt einer exzessiven Therapie folge mit allen Nebenwirkungen, mein Leben die nächste Jahre massiv eingeschränkt ist und ich dann dennoch die Biege mache. Klar keiner das sagen wann und wo. Aber ich will für mich einfach die besten Optionen für mein Leben. Ich bin 52, nicht verheiratet, keine Beziehung, keine Kinder. Ich weiss es ist nicht einfach zu erklären und oder zu verstehen. Sex war und ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, für meine Psyche wie für meine Seele. Das ist etwas besonderes, etwas inniges und tiefes. Sex gibt mir ein Gefühl des hier und jetzt und ich geniesse es immer wieder. Ja natürlich und etwas Männliches oder sehr ihr das anders?
Viele Grüsse
Eric

Harald_1933
07.01.2018, 15:24
ich frage mich halt wie sie bei der perkutanen Bestrahlung es schaffen die Nerven zu schonen. Hat jemand der Bestrahlung hatte Probleme mit der Potenz? Inkontinenz ist ja eher dann so eine Druck Inkontinenz wenn ich das richtig verstanden haben. Aber wie sah es bei euch mit der Potenz aus. und habt ihr Bestrahlung mit ADT gemacht oder ohne?

danke für euer Feedback
Eric

Hallo Eric,

mit 74 Jahren habe ich mich per IGRT, also bildgeführter IMRT bestrahlen lassen. Nervenstränge wurden nirgends beschädigt. Und Inkontinenz und Impotenz war auch nicht zu beklagen. Dass die Potenz ab einem gewissen Alter nicht spontan und häufig abgerufen werden kann, ist naturgemäß zu verstehen. Wichtig erscheint mir die Libido, also das Verlangen und das noch einen Orgasmus erleben zu können, auf welchem Weg auch immer.

Wichtig bei der IGRT, und das ist im Forum schon oft beschrieben worden, ist, dass man während der Radiatio möglichst still liegt und mit leicht gefüllter Blase durchhält, um den Darm zu schonen, der morgens entleert werden sollte.

Aus meiner Sicht also keine Bedenken zu einer Bestrahlung bei Dir. Während und nach der Bestrahlung habe ich bis heute keine Medikamente mehr eingenommen, die PSA und Testosteron hätten beinflussen sollen. Im Juli werde ich 85 Jahre alt und genieße das Leben auf mannigfaltige Art, und meine 15 Jahre jüngere Frau begletet mich dabei, außer bei ungewöhnlichen Reisen, die weniger der Gesundheit dienen, sondern meiner immer noch vorhandenen Abenteuerlust oder besser meinem noch ungestillten Unternehmungsdrang.

Alles Gute für Dich, es wird schon werden.

Gruß Harald

Hvielemi
07.01.2018, 16:06
Lieber Eric,
Du hattest innert eines Monats einen PSA-Anstieg von 9 auf 12ng/ml.
Das entspricht einer Psa-Verdoppelungszeit von nur zweieinhalb Monaten,
was allerdings mit Vorbehalt gelesen werden sollte, bevor eine dritte
Messung vorliegt. Also spätestens wenn Du sowieso gestochen wirst
für das PSMA-PET, Blut entnehmen lassen zur PSA-Bestimmung.
Dann hast Du alles zusammen, was Du für einen fundierten Therapie-
entscheid brauchst:
Pathologie, Ausbreitungsdiagnostik und die Wachstumsdynamik.

Wenn sich das PSA-Wachstum wirklich so verhält, sollten Überlegungen
zur erektilen Funktion ganz weit nach hinten geschoben werden.
Die Therapie hat dann Priorität, egal wir jung Du bist.

Bedenke bitte auch, dass eine halbherzige Therapie der direkte Weg
zu einer Androgendeprivation sein kann.
Dann würde ohnehin tote Hose Hose herrschen.

Carpe diem!
Konrad

skipper
08.01.2018, 10:36
Hallo Eric,
kann deine Bedenken gut verstehen , da ich bei Diagnose 49 Jahre alt war. Meine mich zu erinnern , das der Nutzer Juni 1970 ähnlich argumentierte wie du jetzt.
Aber bedenke: Dein Krebs ist ziemlich aggressiv: Gleason 4+4 und die PSA -Verdopplungszeit sehr schnell ( nachmessen wichtig-wie Konrad schon schrieb).
Aussitzen wirst du das nicht können und die Wahrscheinlichkeit das dich bei dem Versuch des Aussitzen sehr unschöne Dinge ereilen ist sehr groß.( z.Bsp.Einwachsen des Tumors in Blase,Enddarm, Streuung, d.h. Metastasierung , Harnverhalt. Und dann wird Notfallmäßig entschieden - den Vorteil das Heft des Handelns in der Hand zu haben gibst du damit teilweise auf.
Das dient nicht dazu dir Angst zu machen , leider kommt es bei Gleason 4+4 zu solch unschönen Entwicklungen . Ob und wann diese Entwicklungen eintreten kann dir niemand sagen
( Wahrscheinlichkeiten).
Nach deiner nächsten PSA Messung wird dir Konrad sicherlich gerne die Verdopplungszeit berechnen. Ein genaues Staging wäre vor Therapieentscheidung mit Sicherheit sinnvoll.
Gruß Skipper

RalfDm
08.01.2018, 11:32
Aussitzen wirst du das nicht können und die Wahrscheinlichkeit das dich bei dem Versuch des Aussitzen sehr unschöne Dinge ereilen ist sehr groß
Um es drastischer auszudrücken: Es ist noch keinem gelungen, mittels einer Erektion den Sargdeckel wieder zu öffnen.

Ralf

Stefan1
08.01.2018, 12:16
Moins,

mit 30 - 40 habe ich gesagt, wenn ich nicht mehr kann ! will ich nicht mehr leben . . .

jetzt kurz vor meinem 70 Geburtstag, nach Bestrahlung und immer noch andauernder Hormontherapie passiert mit meinem " Schniedelwutz " nix mehr, leider leider, aber meine Frau und ich wir haben ein sehr aktives Sexualleben gehabt, nun gut ist es jetzt eben vorbei . . . mit PSA 77 und GS 8 - 9 bin ich froh daß ich mich heute wohlfühle und mit 70 geht es auch ohne einen Orgasmuß, aber nach den Frauen drehe ich mich auch heute noch um und träume auch noch :D :D :D
also das Leben geht auch so weiter und nicht einmal schlecht !

Georg_
08.01.2018, 12:28
Dazu möchte ich auf das Basiswissen, Kapitel 8.1.9 hinweisen:

"Auch ohne Erektion ist ein Orgasmus möglich!
Die dafür zuständigen Nerven, die Stimulationen des Penis zum Gehirn leiten, verlaufen nicht durch das neurovaskuläre Bündel wie die Erektionsnerven, sondern auf anderem Weg von der Penisspitze zum Gehirn und werden von der Prostatektomie nicht beeinträchtigt."

Während einer Hormontherapie ist allerdings die Libido unterdrückt.