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Diekoala
29.11.2017, 08:14
Hallo zusammen,

ich habe meinen Mann geraten nicht zu googln, deshalb schreibe ich Euch!
Der PSA Wert ist seit Jahren schon erhöht.
Eine Biopsie vor einem halben Jahr, ergab leider keinen Befund!
Vor 2 Wochen war der PSA Wert bei 5.9 und endlich war der Urologe mit
einem MRT einverstanden.

Hier der MRT Befund:
die prostata mißt 7,2x 5,2x 5,8cm über 100ml. periphere zone rechtsbeton schmal ausgewalzt.
transitionalzone und zentrale zone grobknotig. In der transitionalzone linksseitig an der basis zum übergang zum anterioren stroma unter einbeziehung der kapsel in t2w hypointenses areal mit maximalen durchmesser transverdal von ca. 2.5x 1,5cm unter unscharfen umrandung, allenfalls geringe diffudionsrestriktion, kein wegweisender befund in den kontrastmittelgestützten aufnahmen.
Daneben am apex rechts kapselständig an der grenzfläche von anteriorer periphere zone, anterioren stroma und transitionalzone areale kleiner als 1,5cm in der t2w und scharf berandet hypointens, etwas diffusionsgespört, in den kontrastmittelgestützen aufnahmen kein wegweisender befund.
Harnblase mit geringer füllung. keine lymphadenopathie im kleinen becken, keine freie flüssigkeit. Knöcherner befund unauffällig.

Beurteilung: BHP abklärungsbedürftiges areal am apex, pirads 4, sowie an der basis, pirads 3.

Was haltet Ihr von den Befund?
Haben wir Grund uns große Sorgen zu machen?
Mein Mann hat gestern beim Urologen nicht weiter nach gefragt, er war perplex, und ich war nicht dabei.

Mein Mann hatte vor 20 Jahren Hodenkrebs, gilt aber als geheilt.

In 3 Wochen ist das Vorgespräch zu Fusionsbiopsie.

Ich habe hier schon einiges gelesen, und von PSA Werte von 1000 gelesen.
Da haben wir scheinbar noch Glück gehabt?

Danke für eure Hilfe!
Diekoala

Hvielemi
29.11.2017, 09:07
Liebe Koalabärin

Dein Mann ist auf dem richtigen Weg:

Nach der negativen Biopsie bei dennoch steigendem PSA-Wert
hat man per MRT-Bild gesucht, woran der Anstieg liegen könnte.
Dabei hat man Zonen geringen und grösseren Verdachts auf
Krebs gefunden (PIRADS 3 und 4 auf einer Skala bis 5).
Es ist also kein eindeutiger Befund, aber doch ein Verdacht, der
nun weiter abgeklärt wird.
In der Fusionsbiopsie werden die verdächtigen Zonen aus dem
MRT ins Ultraschallbild eingeblendet, dass der Urologe gezielt
die verdächtigen Bereiche mit Hohlnadeln beproben kann, statt
wie bei der ersten Biopsie einfach nach Schema zu stechen.
Die entnommenen Proben aus den Verdachtszonen werden dann
vom Pathologen untersucht.
Das Ergebnis ist dann ein Gleason-Score auf einer Skala von
1 bis 10, wobei Werte ab 6 als Krebs betrachtet werden.

Was das PSA angeht:
Dein Mann hat eine gutartig vergrösserte Prostata (BPH), wie es wir
älteren Herren nun mal mehr oder weniger haben. Das bringt ebenso
einen Anteil PSA, wie eine allfällige Entzündung oder auch Krebs.
Die 1000ng/ml PSA und noch viel mehr werden von Patienten
erreicht, die massenweise Knochenmetastasen haben.
Das ist bei deinem Mann nicht der Fall.
Sein PSA-Verlauf scheint nach deiner Beschreibung eher flach
zu verlaufen, was darauf schliessen lässt, dass, falls überhaupt
Krebs vorliegen sollte, dieser von geringer Aggressivität wäre.

Aus dem PSA-Verlauf mit genauen Werten und Kalenderdaten
kann man so einiges herauslesen zur Prognose.
Du kannst im Profil eine Tabelle dazu einstellen, wobei es hilfreich
wäre, die PSA-Verddoppelungszeiten (VZ)** gleich hinzuschreiben.
Einfacher geht das auf myprostate.eu wo man nur die Werte
eintragen muss. Es werden dann automatisch Tabellen und
Grafiken generiert, die über die Entwicklung Aufschluss geben.
(Guck Anhang [1] als Beispiel, wobei mein Verlauf euch nicht
schrecken sollte. Das sah schon im Frühstadium ganz anders aus)

Sonst bleibt jetzt nichts anderes als die Fusions-Biopsie abwarten.
Die Zeit drängt nicht.
Vermeidet Bangen und Hoffen, und geniesst die dunklen
Tage bis zur Sonnwende mit den Wohldüften dieser Zeit.
Eine Woche Skilaufen oder Wärme auf den Kanaren tut auch gut.

Carpe diem!
Konrad


PS: Als Lektüre empfehle ich neben Rilke oder einem
schwedischen Krimi das "Basiswissen", das über den
gelben Link ganz oben auf dieser Seite zu erreichen ist.
Da steht alles drin, was ein Aspirant auf unsere Krankheit
wissen sollte, um die Ärzte und Befunde zu verstehen.


**Rechner und Erläuterungen zur PSA-VZ:
http://www.labor-limbach.de/PSA-Verdopplungszeit.355.0.html

MartinWK
29.11.2017, 09:42
PSA 5,9 ist in der Grauzone 4-10 und weit unter 50 (dann wäre PCa ziemlich sicher). Seid ihr in der gesetzlichen? Dann muss der Urologe nach Leitlinie handeln: erst ungezielte Biopsie, wenn negativ, darf ein MRT gemacht werden (und evt. die 2. Biopsie). Andersherum wäre schneller und sicherer.
Bei einer Prostata von 100ml ist dieser PSA-Wert eher niedrig. Andererseits wird bei der Größe eine ungezielte Biopsie weniger aussagekräftig.
Also zurück auf Null und jetzt nach mpMRT die Fusionsbiopsie: das ist schon mal der optimale Weg. PIRADS 4 ist ziemlich verdächtig, von daher gibt es keine Alternativen zur Biopsie.

Wieso war dein Mann perplex? Hatte der Radiologe nicht bereits den Befund mit ihm besprochen? Mit dem Urologen spricht man dann über den nächsten diagnostischen Schritt (die Biopsie). Was ist denn ein "Vorgespräch zu Fusionsbiopsie"? ich würde sofort einen Termin für die Biopsie vereinbaren, damit ihr euch weniger lang Sorgen macht. Die findet in der Klinik statt; wenn zusätzlich transperineal (durch den Damm, besser, weil weniger Infektionen) dann mit Vollnarkose. Da gibt es ein paar Tage vorher eine Untersuchung - MRSA, PSA, Blutwerte.

goodhope
29.11.2017, 10:57
Ich bin gesetzlich versichert, aber bei mir wurde direkt ein mpMRT und anschließend eine Fusionsbiopsie gemacht. Wie der Arzt das vor der Kasse vertreten hat, weiß ich nicht. Vielleicht wegen des hohen PSA-Werts und der ansonsten völlig unauffälligen Befunde. Ich bin selber noch neu im Forum, habe aber mitbekommen, dass fast jede Krankengesichte ein Unikat ist. Wenn ihr eurem Arzt vertraut, macht was er sagt. Und, ganz besonders, was Konrad sagt und macht euch eine schöne Zeit - wir hatten zwischen der Biopsie und der RPE einen wunderschönen Urlaub. Davon zehre ich noch jetzt.

Michi1
29.11.2017, 11:13
Ist das nicht normal. Bei mir wurde auch nach einer Biobsie eine Untersuchung mit Kontrastmittel in der Röhre (ich weiß nicht einmal wie die hieß) und eine Szintigraphie gemacht. Bin auch nur gesetzlich versichert.
Auch kann ich mich noch Erinnern das das alles zusammen mehr wie 8 Std. gedauert hat.

Diekoala
29.11.2017, 13:10
Hallo,

und danke für Eure Antworten!

Konrad, deine Infos sind sehr hilfreich! Ich werde mich in das Thema noch mehr reinlesen. Ich bin zwar Krankenschwester von Beruf, habe aber nie in der Urologe gearbeitet. Das was du geschrieben beruhigt schon.

Wir haben beide halt schon einiges an Erkrankungen sammeln müssen,
deshalb sind wir ein gutes Team.
Eigentlich dachten wir, wir hätten mal etwas Ruhe......
Aber eigentlich ist immer bei uns was los, ich bin an Rheuma und MS erkrankt.
Bei meinen Mann sieht es Gesundheitlich nicht viel besser aus.

Ja Martin wir sind Gesetzlich versichert. Ich habe immer nach einen frühzeitigen MRT gefragt, aber der Urologe wollte nach der Biopsie abwarten.

Leider hat der Radiologe kein Wort nach dem MRT mit meinem Mann gesprochen.
Das ist hier, wir wohnen in der Nähe von Hannover, auch nicht üblich.
Also wurde er erst gestern von Urologen aufgeklärt, und bekam die Überweisungen zur Fusionsbiopsie in die Hand gedrückt.

Und das Vorgespräch will die Klinik! Wir haben keine Option darauf, das die Biopsie ohne Gespräch gemacht wird.
Die Biopsie wird im Siloah Krankenhaus/Hannover gemacht.
Danke für den Tip mit der zusätzlich transperineal Behandlung.
Ich werde zum Vorgespräch mit gehen.

Goodhope, da hast du aber Glück gehabt, das du sofort zum Mrt konntest.

Ich danke euch für die Informationen!
Mal sehen wie und wann es jetzt weiter geht....

Liebe Grüße Koala