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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Abfrage zum Forschungsbedarf aus Sicht der Menschen mit Behinderung und chronischer K



RA K. Mielke
18.12.2006, 12:11
Liebe Forumsteilnehmer,

uns hat eine Anfrage der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation e. V. (DVfR) erreicht, bezüglich derer wir um Eure Mithilfe bitten.

Hintergrund

Die DVfR ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss von Verbänden und Einrichtungen, die mit der Rehabilitation und Integration von Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen befasst sind. Mitglieder sind Behindertenverbände (u.a. BAG-Selbsthilfe, VdK, SoVD), Sozial­leistungsträger, Leistungsanbieter sowie Berufs- und Fachverbände. Die DVfR organisiert den interdisziplinären Dialog zu aktuellen Themen der Sozial-, Behinderten- und Gesundheitspolitik und fördert somit auch den Interessenausgleich aller beteiligten Gruppen. Das gemeinsame Leitmotiv der DVfR-Mitglieder ist das Engagement für die Verbesserung der Teilhabechancen der Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen. Dabei soll die Perspektive der Betroffenen und Rehabilitanden besonders berücksichtigt werden.

Worum es geht

Der Ausschuss „Interdisziplinäre Forschung in der Rehabilitation“ der DVfR hat sich die Aufgabe gestellt, die Forschungslandschaft in Deutschland unter dem Blickwinkel der Orientierung auf die Bedürfnisse der betroffenen Menschen zu analysieren und bei Bedarf Entwicklungen und neue Forschungsfelder anzustoßen. Trotz des insgesamt hohen Niveaus der Rehabilitationsforschung in Deutschland besteht der Eindruck, dass sich viele Forschungsthemen nur auf Teilbereiche der Gesundheitsversorgung, Rehabilitation, Prävention und Pflege konzentrieren und noch nicht ausreichend auf die Teilhabe der Betroffenen orientiert sind. Zudem scheint es auch „weiße Flächen“ in der Forschung zu geben, die z.B. entstehen, weil die Antragsteller bei Forschungsthemen nur das vorhandene gegliederte Versorgungssystem abbilden und so Schnittstellenbereiche außer Acht lassen oder weil solche Themen nicht im Interesse von Forschungsträgern liegen und es dadurch an Forschungsstrukturen mangelt.


Das Anliegen des DVfR ist es nun, Themen und Bereiche zu identifizieren, auf die zukünftige Forschungsaktivitäten ausgerichtet werden sollen. Um dieses Anliegen zu verdeutlichen, nennen wir beispielhaft einige Gesichtspunkte, wo Entwicklungsbedarf bestehen könnte:

1. Schließung von Lücken in der Forschung zur Diagnostik und zur Prognosestellung

2. Schließung von Lücken bei der Beurteilung der Wirksamkeit von Therapien

3. Schließung von Lücken im Wissen über Nebenwirkungen und Langzeitfolgen von Therapien und Versorgungsformen

4. Erforschung von Gründen für die mangelhafte Umsetzung von als hilfreich erkannten Therapien und Versorgungsformen

5. Stärkere Orientierung auf Teilhabe (einschl. Berufsleben)

6. Berücksichtigung von Kontextfaktoren (Lebensalltag, Umwelt, Assistenz, u.a.)

7. Analyse von Versorgungsketten statt Untersuchung von Einzelmaßnahmen

8. Identifikation von Bereichen, in denen vorhandene und für gut befundene Therapien nicht oder unzureichend in die Praxis umgesetzt werden, Analyse der Widerstände

9. Entwicklung von schnittstellenübergreifenden Modellen (Gesundheitsversorgung, Rehabilitation, Behindertenhilfe, Pflege, Selbsthilfe, Arbeitsleben, Alltagsleben)

10. Entwicklung von Modellen zur Verbesserung der Hilfsmittelversorgung (Qualität des Versorgungsprozesses, Qualifikation aller Beteiligten, u.a.)

11. Verbesserung der Forschungsmethodik, insbes. stärkere Evidenzorientierung

12. Qualitätsvergleich zwischen Einrichtungen/Angeboten, Erforschung von Modellen zur Verbesserung der Informationsverbreitung (z.B. Verbraucherschutz

Das Anliegen

Zur Unterstützung der Aktivitäten des DVfR möchten wir Euch bitten bzw. dazu aufrufen, dem BPS den konkreten Forschungsbedarf (Themen, ggf. mit kurzen Erläuterungen oder auch nur Problemschilderungen) zu benennen, der für Euch von Bedeutung ist bzw. in Zukunft stärker erforscht werden sollte. Wir werden die eingehenden Mitteilungen dann gebündelt an den DVfR weiterleiten.

Die Ergebnisse dieser Umfrage sollen dazu dienen, die oben beschriebene Aufgabe des DVfR zu unterstützen bzw. Partner bei den Verbänden, Forschungsinstitutionen und der Politik für notwendige Neuausrichtungen im Rehaforschungsbereich zu gewinnen und junge Wissenschaftler dafür zu motivieren, sich relevante Forschungsthemen zu suchen. Außerdem kann so dazu beigetragen werden, dass verschiedene Förderinstitutionen (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutsche Rentenversicherung, usw.) ihre Förderschwerpunkte im Sinne der Betroffenen auszurichten. Der Forschungsausschuss des DVfR versteht sich in diesem Zusammenhang als Mittler zwischen denen, die Verantwortung tragen, und denen, die die Folgen tragen müssen.

Bitte alle Einsendungen schriftlich oder per E-Mail (kai.mielke@prostatakrebs-bps.de (kai.mielke@prostatakrebs-bps.de)) oder marlene.kuehlechner@prostatakrebs-bps.de (marlene.kuehlechner@prostatakrebs-bps.de)) an den BPS senden, und zwar bis spätestens Freitag, den 12.01.2007.

Danke für Eure Mithilfe und viele Grüße,

Kai Mielke