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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vorsorge - Das vermeintlich Gute gegen das vermeintlich Böse



Tomilein
23.02.2018, 12:43
Hallo, mein Name ist Thomas, 53 Jahre und lese seit einiger Zeit in diesem Forum regelmäßig mit. Aufgrund meiner familiären Vorgeschichte, Vater, dessen 2 Brüder sowie einer meiner Cousins, alle nach dem 60. Lebensjahr an Prostatakrebs erkrankt, war ich 2010 mit 45 Jahren das erste Mal bei dem Urologen vorstellig der bisher alle männlichen Familienmitglieder betreute.
Dort wurden die üblichen Untersuchungen (Abtasten, Ultraschall usw.) gemacht und auch der PSA Wert ermittelt. Dieser lag bei der Erstuntersuchung bei 1,38ng/ml bei einer Prostatagröße von 24ccm.
Über die Jahre ist dann der PSA Wert kontinuierlich gestiegen und lag Anfang 2015 bei 2,2ng/ml. Abtasten und Ultraschall jeweils ohne Befund, die Prostatagröße wurde mit 30ccm im Ultraschall bestimmt. Daraufhin wurde das PSA halbjährlich kontrolliert und hatte schwankende aber steigende Werte. Der PSA Wert im Januar war dabei immer niedriger als im Sommer. Es haben sich dann folgende Werte ergeben:
Januar 2015, 2,2ng/ml, Juli 2015, 2,0ng/ml
Januar 2016, 2,6ng/ml, Juli 2016, 2,4ng/ml
Januar 2017, 3,0ng/ml
Abtasten und Ultraschall waren bis dato immer ohne Befund, die Prostatagröße lag im Januar 2017 bei 34ccm.
Aufgrund der familiären Vorgeschichte wurde vom Urologen eine Biopsie vorgeschlagen die im Februar 2017 durchgeführt wurde. Zur Vorbereitung hatte ich ein Antibiotikum verordnet bekommen, das ich am Abend sowie am Morgen vor der Biopsie einnehmen sollte. Nach der Einnahme am Abend wurde mir sehr übel und ich hatte mich mehrmals übergeben müssen. Ich fragte daraufhin telefonisch vor der Biopsie in der Praxis nach und bekam von der Sprechstundenhilfe die Antwort es wäre ja noch eine zweite Tablette einzunehmen, das wäre kein Problem. Ich nahm dann die zweite Tablette ein und ging zum Biopsie Termin. Auch der Urologe hatte keine Bedenken und nahm 12 Proben. Die Entnahme war sehr schmerzhaft und unangenehm. Nach der Biopsie war mir wieder sehr übel und ich bekam einen heftigen Brechdurchfall sowie Fieber. Da das Ganze an einem Freitag stattfand war mittags mein Urologe nicht mehr telefonisch erreichbar. Meine Frau brachte mich zu unserem Hausarzt, der an einen Magen/Darm Virus glaubte. Noch in der Praxis bekam ich einen Kreislaufkollaps, der durch meinen Hausarzt mit einer Infusion behandelt wurde. Daraufhin besserte sich die Kreislaufsituation und ich verbrachte das Wochenende mit Fieber und höllischen Schmerzen im Bereich der Prostata daheim. Montags telefonierte ich mit meinem Urologen, der mir Empfahl das Antibiotikum weiter zu nehmen. Da das Fieber herunter ging sah er keinerlei Veranlassung einer persönlichen Vorstellung. Ich nahm dann das Antibiotikum zu Ende, hatte aber weiterhin massive Magen/Darm Probleme, die nach Absetzen des Antibiotikums sich besserten. Auch die Prostataschmerzen besserten sich, zwar zögerlich, waren dann aber verschwunden.
Die Biopsie war negativ und brachte keinen Verdacht auf einen Krebs.
Im Juli 2017 wurde dann wieder PSA gemessen, der mit 3,8ng/ml seinen bis dato höchsten Wert erreichte. Auch war mein Urologe der Meinung er hätte eine Verhärtung ertastet und schickte mich zu einem mpMRT. Das mpMRT zeigte Veränderungen die auf entzündliche Prozesse Hinweise gaben sowie Spuren der vergangenen Biopsie (lt. Radiologe). Die Einteilung wurde mit PIRAD 2 angegeben. Die Prostatagröße wurde mit 38ccm ermittelt. Der Radiologe empfahl bei weiter steigenden PSA Werten eine Wiederholung des MRT in 12 Monaten bzw. eine anschließende Fusionsbiospie.
Im September 2017 wurde dann ein PSA Wert von 4,4ng/ml gemessen. Mein Urologe bestand dann auf eine weitere Biopsie, die er selbst durchführen wollte. Mein Hinweis auf eine etwaige Fusionsbiospie wurde heruntergespielt mit den Worten er wisse jetzt wo er die Proben ansetzten müsste, eine Fusionsbiopsie wäre unverhältnismäßig teuer.
Der Termin wurde daraufhin vereinbart, auch bekam ich wieder das Antibiotikum verschrieben, das ich am Abend vor dem Termin wieder einnahm. Zirka eine Stunde nach Einnahme wurde mir wieder übel und ich spürte ein Kribbeln in Händen und Füßen.
Nach der Biopsie bekam ich wieder hohes Fieber, Schmerzen und auch das Kribbeln wurde sehr stark. Dazu kam am Tag nach der Biopsie ein sehr stark juckender Ausschlag an Armen und Beinen. Da mal wieder Wochenende war fuhr mich meine Frau zum ärztlichen Bereitschaftsdienst der mich ohne zu zögern wegen eines allergischen Schocks bzw. einer allergischen Reaktion in die Klinik einwies.
In der Klinik stellte sich dann eine massive allergische Reaktion aufgrund der Antibiotikumeinnahme heraus. Ebenfalls wurde eine massive Prostatitis diagnostiziert. Der Grund hierfür war ein resistenter Darmkeim der in die Prostata eingedrungen und gegen den das verordnete Antibiotikum machtlos war. Die Prostatitis konnte zu diesem Zeitpunkt nicht behandelt werden.
Die Biopsie war weiterhin negativ. Es ergaben sich lediglich Zeichen einer Entzündung.
Heute muss ich wegen der Antibiotikum Allergie hochdosiertes Kortison und weitere Medikamente nehmen. Ich war vor der Prozedur sehr sportlich, schlank, aktiv und erfolgreich im Beruf. Heute wiege ich 25kg mehr, kann keine 500 Meter laufen und habe neurologische Defizite in den Händen und Beinen. An Arbeiten ist zurzeit nicht zu denken. Mit viel Hoffnung kann das Kortison im Laufe des Jahres reduziert werden.
Den Urologen habe ich gewechselt. Der Neue hatte für das Vorgehen nur Kopfschütteln übrig und meinte ein Antibiogramm wäre heute Standard vor jeder Biopsie. Der PSA Wert liegt derzeit bei 6,8ng/ml. Das kann eine Folge der unbehandelten Prostatitis sein. Ende dieses Jahres soll ein weiteres mpMRT erfolgen. Die Prostatitis soll nach Abklingen der neurologischen Symptome behandelt werden. Allerdings soll dazu wieder ein Antibiotikum zum Einsatz kommen. Der Urologe sprach dabei von einem „Off-Label-Use“ eines Medikaments (habe ich nicht ganz verstanden, muss ich noch mal hinterfragen)? Derzeit habe ich die Beschwerden die durch die Prostataentzündung verursacht werden durch pflanzliche Medikamente wie Brennesseltee, Sabalextract usw. einigermaßen im Griff. Psychisch bin ich allerdings am Boden, leide an Depressionen und bin bereit eher an einem evtl. Prostatakrebs versterben zu wollen als irgendwann eine weitere Biopsie auf mich zu nehmen. Mein Vertrauen in die Ärzteschaft ist dahin.
Die resistenten E-Coli habe ich mir vermutlich durch eine unbeabsichtigte Schmierinfektion in einer Kläranlage eingefangen, da ich dort öfters beruflich zu tun habe.

Hat jemand aus dem Forum ähnliche Erfahrungen erlebt und hat eine Idee oder einen Rat wie ich jetzt weiter machen sollte? Welche Möglichkeit gibt es die Prostataentzündung ohne Chemie los zu werden? Welchen Einfluss hat die Resistenz (E-Coli) auf etwaige Therapieoptionen bei einem evtl. Krebs?
Thomas

Hvielemi
23.02.2018, 14:19
... bin bereit eher an einem evtl. Prostatakrebs versterben zu wollen als irgendwann eine weitere Biopsie auf mich zu nehmen.

Lieber Thomas,
Eine weitere Biopsie durch den Darm sollte Dir bei deiner üblen Vorgeschichte
nicht mehr zugemutet werden. Aber man kann mit einigem Mehraufwand auch
durch den Damm biopsieren, was das Infektionsrisiko durch Darmbakterien
ausschliesst. Das wird dann sinnvollerweise nach einem MRT gemacht, dessen
Befund mit dem Ultraschallbild zur Probenentnahme fusioniert wird.
Sowas geht nicht beim Urologen in der Dorfpraxis, sondern an einer Uniklinik
und unter Narkose.

Carpe diem!
Konrad

Harald_1933
23.02.2018, 14:35
Hallo Thomas,

der erste Urologe hat Dir ein Antibiotikum verschrieben, ohne vorher die Verträglichkeit abzuklären, was man z. B. mit einem Antibiogramm hätte feststellen lassen können. Es gibt viele Menschen, die gegen bestimmte Antibiotika allergisch reagieren.

Vorab, nachdem Du selbst sehr ausführlich berichtet hast, einiges zum Nachlesen auch in Sachen Prostatitis, die es in zweierlei Varianten gibt:

http://flexikon.doccheck.com/de/Antibiogramm

http://www.urologie-stadtzentrum.de/beckenschmerzsyndrom/

(http://www.urologie-stadtzentrum.de/beckenschmerzsyndrom/)https://www.urology-guide.com/erkrankungen/entzuendungen/prostataentzuendung/

Ich wünsche Dir, dass es nun gelingt, einen kompetenten Mediziner ausfindig zu machen, der dich zunächst beruhigt und Dich von den geschilderten Problemen versucht zu befreien.

P.S.: Bitte auch das: http://www.gesundheitsberater-berlin.de/krankheiten/bakterielle-darmerkrankungen
durchlesen

Gruß Harald

Heribert
23.02.2018, 16:45
Lieber Harald


der erste Urologe hat Dir ein Antibiotikum verschrieben, ohne vorher die Verträglichkeit abzuklären, was man z. B. mit einem Antibiogramm hätte feststellen lassen können. Es gibt viele Menschen, die gegen bestimmte Antibiotika allergisch reagieren.

Ein Antibiogramm hätte an der allergischen Reaktion auf das verabreichte Antibiotikum nichts geändert. Solche Reaktionen müssen nicht einmal mit dem antibiotischen Wirkstoff zusammen hängen, weil durchaus die Möglichkeit besteht, dass man auf eine der Begleitsubstanzen (Trägerstoffe, Konservierungsstoffe etc.) allergisch reagiert.

Herzliche Grüße
Heribert

Tom1965
23.02.2018, 16:46
Hallo Thomas,

in dem Zusammenhang ist mir gleich ein Bericht von Stern-TV über Antibiotika eingefallen. Scheint bei dir auch der Fall zu sein.

https://www.stern.de/tv/risiken-und-nebenwirkungen--warum-sie-bei-diesen-antibiotika-aufmerksam-werden-sollten-7851868.html

Gruß Tom

Tomilein
23.02.2018, 17:56
Vielen Dank für die Links,

insbesondere der Stern Beitrag zeigt ich bin anscheinend nicht alleine mit diesem Problem.

Bei dem resistenten Erreger handelt es sich um E-Coli ST 131, falls das jemanden was sagt. Das Cipro ist dagegen machtlos. Die Allergie darauf wieder eine andere Geschichte und hat mit der Resistenz nichts zu tun.

Laut meinem neuen Urologen dürfte das Problem des unwirksamen Antibiotikums heute keine Rolle mehr spielen, wenn vorher ein Rektalabstrich durchgeführt wird. Dies wäre mittlerweile auch urologischer Konsens. In meinem Fall hätte dann eine Biopsie über den Darm erst gar nicht stattfinden dürfen. Umso ärgerlicher, da ich mit der Vorsorge eigentlich Gutes im Schilde hatte und dadurch fast zm Pflegefall wurde. Laut meinem Urologen ist das Cipro im Allgemeinen sehr gut verträglich, allerdings werden unerwünschte Nebenwirkungen, wenn auch harmloser Natur, immer öfter beobachtet. Auch allergische Reaktionen gegen Antibiotika seien im Trend. Mit was das zusammenhängt?

Für mich steht die weitere Genesung von den neurologen Defiziten derzeit im Vordergrund. Es kann durchaus sein, dass hier Dauerschäden bleiben. Mal sehen, die Hoffnung stirbt zum Schluss.

Die zweite Bausstelle wird dann die Prostata sein. Ich hoffe die Entzündung irgendwie wieder los zu werden. Falls jemand gute Ideen hat, sind diese willkommen. Mein Urologe hat sich zu diesem Thema bisher ausweichend geäußert. Dies hängt, falls ich es richtig verstanden habe, auch mit meiner derzeitgen Medikation zusammen. Ganz in den Hintergrund ist jetzt die Vorsorge gerückt. Über einen Krebs mache ich mir derzeit keine Gedanken mehr, falls dann doch sich was entwickelt, Schicksal.

Thomas

MartinWK
23.02.2018, 20:10
Vor meiner (transperinealen) Biopsie habe ich mit Cipro auseinandergesetzt (denn mir wurde es als Prophylaxe von der Klinik vorgeschrieben, inzwischen ist das wohl bei transperineal nicht mehr üblich). Ich hatte damals schon große Zweifel und habe es trotzdem genommen, dann noch einmal 14 Tage nach der Behandlung (IRE). Die Nebenwirkung war zum Glück nur extreme Schlaflosigkeit und Unruhe.
Die bekannten häufigen Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall, Hautausschläge. Seltener sind neurologische Ausfälle. "Netdoktor" sagt:

"Eine Behandlung mit Ciprofloxacin kann in unterschiedlicher Häufigkeit zu unerwünschten Nebeneffekten führen. Zu den meistbeobachteten zählen Übelkeit, Durchfall (https://www.netdoktor.de/symptome/durchfall/) sowie Hautausschläge.
Auch kann sich die Struktur von Sehnen und Sehnenansätzen durch die Anwendung von Ciprofloxacin verändern. Dadurch können Schmerzen, Schwellungen und Risse vor allem im Bereich der Achillessehne (https://www.netdoktor.de/anatomie/achillessehne/) auftreten. Bei Personen über 60 Jahren steigt das Risiko einer Beeinträchtigung der Sehnen durch Ciprofloxacin an.
Die Einnahme von Ciprofloxacin kann außerdem zu Störungen des Zentralnervensystems führen. Darunter zählen zum Beispiel Empfindungsstörungen, Schwindel (https://www.netdoktor.de/symptome/schwindel/), Müdigkeit (https://www.netdoktor.de/symptome/muedigkeit/) und Halluzinationen (https://www.netdoktor.de/symptome/halluzinationen/). Diese Beeinträchtigungen treten aber eher selten auf."

Und dann gibt es die Extreme, die es bis in die Tagesschau geschafft haben: https://www.tagesschau.de/inland/tt-ciprofloxacin-101.html

Das gilt nicht nur für Cipro, sondern für alle Fluorchinolone, die gerne und auch gut wirkend bei Urogenitalinfektionen verschrieben werden.

Thomas, der vorherige Urologe hätte niemals bei der 2. Biopsie wieder Cipro verschreiben dürfen. Wenn du Zeit und Kraft hast wäre zu erwägen, den Kunstfehler einzuklagen (Schadenersatz).

Dass der neue Urologe sagt, allergische Reaktionen seien "im Trend", weist die Verantwortung dafür höheren Mächten oder den dummen, von den Medien beinflussten Patienten zu. Diese Einstellung finde ich nicht richtig. In meinen Augen brauchst du wirkliche Spezialisten für Antibiotikanebenwirkungen, auf jeden Fall einen darauf spezialisierten Neurologen.

Die Prostata steht hintenan. Experimente mit "off label" Anwendungen (das heißt, dass ein Medikament außerhalb des durch Zulassung und Studien abgesicherten Anwendungsfeldes eingesetzt wird) sollten gut überlegt und durch Zweitmeinung abgesichert werden.
Ein bei Prostatitis und E. coli angewendetes Anitbiotikum ist Fosfomycin: https://www.hindawi.com/journals/cjidmm/2018/1404813/abs/
Meropenem und Piperacillin/Tazobactam kommen vielleicht auch in Frage. Der E Coli Stamm 131 hat Untervarianten, die ggfs. genetisch genauer bestimmt werden müssten.
Hier ist ein Hinweis auf die Wirksamkeit von Mannosides: https://academic.oup.com/jid/advance-article/doi/10.1093/infdis/jiy031/4868466
Die Bekämpfung eines multiresistenten Keims bedarf ebenfalls eines Teams von Spezialisten, Hausärzte und Urologen sind da sehr gefordert.

Tomilein
23.02.2018, 22:23
Hallo Martin,

vielen Dank für Deine Ausfühungen.


der vorherige Urologe hätte niemals bei der 2. Biopsie wieder Cipro verschreiben dürfen. Wenn du Zeit und Kraft hast wäre zu erwägen, den Kunstfehler einzuklagen (Schadenersatz)
Daran habe ich auch schon gedacht, den Gedanken dann doch schnell wieder verworfen. Klagt man gegen einen Arzt der kurz vor seinem Ruhestand steht und erfolgreich bereits 4 Familienangehörige therapiert hat? Vielleicht war er einfach nur Betriebsblind oder in Routine verfallen? Bisher hatte er immer den richtigen Instinkt und hat meinen Vater, Cousin und meine Onkel auf den richtigen Weg gebracht. Jeder erfreut sich heute bester Gesundheit, mein Vater erreicht mittlerweile das 82. Lebensjahr.

Vielleicht war auch ich Blind, habe blindes Vertrauen in einen Mann gesetzt der nie falsch lag. Ich habe auch erst hinterher den Zettel in der Medikamentpackung gelesen. Hätte ich mich von Anfang an mehr mit dem Thema auseinandergesetzt wäre evtl. einiges anders gelaufen. Eine Krebserkrankung hätte mich nicht überrascht oder beunruhigt, daher bin ich auch mit gutem Gefühl und Vertrauen zur Vorsorge gegangen. Im Gegenteil war schon geistig klar welche Therpie ich anstreben würde im Falle einer Erkrankung. Zwei erfolgreiche OPs und zwei Bestrahlungstherapien in der Familie haben die Schrecken dieser Krankheit genommen, da alle im Frühstadium erkannt wurden.

Wenn ich es heute besser machen könnte würde ich von Anfang an einen anderen Urologen aufsuchen, einer der die Familienhistorie (da ja bekannt) nicht mit Routine angeht, keine Biopsie mehr ohne Antibiogramm vornehmen lassen, nicht blind vertrauen und auf meine Meinung bestehen. Im Nachhinein weis man es immer besser.

Derzeit vertraue ich ausschließlich meinem Physiotherapeuten. Er hat mir mit Menschenverstand, Ausdauer, Zuhören und Können aus meiner tiefsten Krise geholfen. Wenn die Fortschritte so weiter gehen sind die neurologischen Ausfälle und Gefühlsstörungen bald erträglich. Evtl. kann ich im Spätjahr dann auch mal wieder an Sport oder Fitnessstudio denken. Viel hilft mir auch meine Frau und meine Tochter. Sie geben mir Ziele und das Durchhaltevermögen. Das Prostataproblem gehe ich danach an, ich kümmere mich jetzt sehr intensiv darum (daher auch die Anmeldung hier). Wie ich selbst mit dem Thema Vorsorge zukünftig umgehe wird sich zeigen.

Auch wenn das bei mir so schief gelaufen ist, kann ich trotzdem nur jedem Mann zur Vorsorge raten. Diese unter den neusten Aspekten der Medizin durchgeführt kann Leid ersparen. Männer traut euch und geht informiert, selbstbestimmt aber auch kritisch zum Arzt und lasst euch checken!

Thomas

MartinWK
24.02.2018, 10:32
Ich bin auch kein Prozeßhansl und suche den Fehler immer erst bei mir selbst. Und ein erfahrener Arzt mit gutem Instinkt ist viel wert. Ich habe ja die Beipackzettel gelesen und sogar recherchiert und dann das Zeugs doch genommen, weil ich das Risiko niedrig eingeschätzt habe, die mögliche Infektion höher. Ging dann ja auch gut. Vor 10 Jahren hätte ich jedes Antibiotikum bedenkenlos geschluckt "ach, vertrag' ich schon, nie Problem gehabt,...". Andere Pillen habe ich immer sehr kritisch angesehen und möglichst nix geschluckt. Ich bin offenbar mit dem Wundermittel "Antibiotikum" aufgewachsen, so daß ich es als selbstverständlich und harmlos hingenommen habe.

Harald_1933
25.02.2018, 15:57
Wissenschaftler entdecken neues hochwirksames Antibiotikum


Infektionen fordern weltweit jährlich hunderttausende Todesopfer. Auch in westlichen Ländern mit guter medizinischer Versorgung sind immer mehr Antibiotika immer weniger schlagkräftig. Das liegt daran, dass die Zahl multiresistenter Keime gestiegen ist, gegen die kaum noch ein Antibiotikum wirkt. US-Wissenschaftler haben in Bodenproben eine Stoffgruppe gefunden, die hochwirksam gegen multiresistente Erreger ist.

- hier (http://www.t-online.de/gesundheit/heilmittel-medikamente/id_83224244/wissenschaftler-entdecken-neues-hochwirksames-antibiotikum.html) - bitte weiterlesen

Gruß Harald

MartinWK
25.02.2018, 19:42
Die Malacidine werden nur gegen gram-positive Bakterien wirken, E. Coli ist gram-negativ.

Harald_1933
26.02.2018, 05:35
Moin Martin,

den Quelltext: https://www.nature.com/articles/s41564-018-0110-1 hatte ich nicht angeklickt. Vielen Dank, dass damit geklärt ist, dass es nur gegen multidrug-resistant Gram-positive pathogens wirkt.

Gruß Harald

MartinWK
26.02.2018, 08:09
Lieber Harald, ich wollte nicht besserwisserisch sein, aber im Thread geht es ja um die Situation von Thomas, der nun mal E. Coli hat. Gruß von Martin

Harald_1933
26.02.2018, 08:46
Lieber Harald, ich wollte nicht besserwisserisch sein, aber im Thread geht es ja um die Situation von Thomas, der nun mal E. Coli hat. Gruß von Martin

Lieber Martin,

das hatte ich auch nicht so gesehen. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn Du nicht nachgehakt hättest, wäre das nicht so exakt bekannt geworden.

"Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment"
(Buddha)

Gruß Harald

Tomilein
06.03.2018, 11:11
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten.

Leider sind aber meine eigentlichen Fragen noch weitgehend unbeantwortet, daher starte ich noch einmal einen Versuch.

Gibt es Erfahrungen in der Behandlung einer Prostataentzündung (multiresistenter E.Coli) bei bekannter Antibiotikaallergie?

Welche Auswirkungen hat ein multiresistenter E.Coli Erreger auf eine evtl. Krebstherapie?

Hat jemand ähnliche Erfahrungen zu Nebenwirkungen (insbesondere neurologische Ausfälle an Händen und Füßen) von Ciprofloxacin gemacht?

Thomas

RalfDm
06.03.2018, 14:01
Hallo Thomas,


Gibt es Erfahrungen in der Behandlung einer Prostataentzündung (multiresistenter E.Coli) bei bekannter Antibiotikaallergie?

Welche Auswirkungen hat ein multiresistenter E.Coli Erreger auf eine evtl. Krebstherapie?

Hat jemand ähnliche Erfahrungen zu Nebenwirkungen (insbesondere neurologische Ausfälle an Händen und Füßen) von Ciprofloxacin gemacht?
Zu 1: Ich habe damit keine Erfahrung.

Zu 2: Keine, die mir bekannt wären oder die ich mir vorstellen könnte.

Zu 3: Zu den Nebenwirkungen von Ciprofloxacin gab es im März 2017 einen Beitrag in der NDR-"Visite", den Du hier (https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Antibiotika-mit-gefaehrlichen-Nebenwirkungen,antibiotika534.html) findest.

Ralf

Harald_1933
06.03.2018, 14:19
Hallo Thomas,

Erfahrungen mit diesem speziellen Sequenztyp 131 habe auch ich nicht.

Auszug aus nachfolgendem Link:


Es handelt sich hierbei nach Angaben der Universität um einen multiresistenten E. coli-Stamm vom Sequenztyp 131 (ST131), der weltweit für Millionen von Infektionen verantwortlich ist, vor allem Sepsis und Blasenentzündungen, und der ein relativ seltenes ESBL-Gen trägt, nämlich blaCTX-M-27.

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/946070/antibiotikaresistenzen-multiresistenter-e-coli-stamm-vormarsch.html

Also weiterhin Ungewissheit und noch keine Hilfe in Aussicht. Sehr betrüblich.

Gruß Harald

Urologe
06.03.2018, 14:51
Am Besten behilft man sich in dieser Situation mit pflanzlichen Präparaten:

- D-Mannose 3 x 1 Gr. pro Tag
- Forskolin 2 x 1 Kps
- Urovaxom 1 x 1 für 3 Monate

MartinWK
06.03.2018, 17:19
Gibt es Erfahrungen in der Behandlung einer Prostataentzündung (multiresistenter E.Coli) bei bekannter Antibiotikaallergie?
Welche Auswirkungen hat ein multiresistenter E.Coli Erreger auf eine evtl. Krebstherapie?

Eine "Erfahrung" hatte ich genannt: "Ein bei Prostatitis und E. coli angewendetes Anitbiotikum ist Fosfomycin: https://www.hindawi.com/journals/cji...8/1404813/abs/ (https://www.hindawi.com/journals/cjidmm/2018/1404813/abs/)"
Es gibt doch nicht nur die Antibiotikaallergie. Die Allergie immer spezifisch gegen bestimmte Wirkstoffe. Man muss nicht gleich auf pflanzliche Mittel ausweichen.

Ich habe noch nie gehört, dass man aus onkologischen Gründen zuerst die Bakterien bekämpft und dann den Krebs. Also sollte ein Bakterium, sei es auch multiresistent, die Therapie nicht beeinflussen. Nach RT wird es vielleicht auch noch strahlenresistent...

Tomilein
06.03.2018, 23:06
Ich denke da eher an eine evtl. OP. Ich kann mir vorstellen, dass dies doch ein K.O. Kriterium sein könnte. Immerhin ist die Gefahr einer generellen Sepsis im Raum und zusätzlich das Problem der antibiotischen Prophylaxe vor und nach der OP.

Gut, ich muss das auf mich zukommen lassen. Noch ist ja nichts gesichert und nur ein Verdacht im Raum. Ich werde Anfang nächsten Jahres noch einmal ein mpMRT machen lassen und auf dessen Beurteilung warten. Falls sich der Verdacht erhärtet wird es wohl dann eine perineale Fusionsbiopsie in einer Klinik nach sich ziehen.

Eigentlich Angst macht mir die Besiedlung mit den multiresistenten E-Coli. So richtig will sich dazu auch kein Arzt äußern, mangelt es anscheinend an Erfahrung oder Routine. Eine lapidare Aussage meines Hausarztes ging in die Richtung, die werde ich nicht mehr los, mit denen müßte ich mich arrangieren. Die Probleme die jetzt durch das Antibiotikum auftraten, machen das Ganze nicht leichter. Fühle mich als hätte mich die Pest befallen und jeder nimmt erst mal Abstand.

Ganz allmählich bekomme ich wieder Gefühle in Hände, Beine und Füße. Hoffe das ist noch ausbaufähig.

Thomas

Tomilein
16.03.2018, 12:11
Hallo,

kurz ein Update. Der PSA Wert hat sich aktuell wieder auf 4,8 ng/ml reduziert. Zumindestens eine Hoffnung, die Entzündung mit körpereigenen Kräften bekämpft zu haben.

Auch wird derzeit das Kortison schleichend abgesetzt. Mittlerweile haben sich auf Veranlassung meines Hausarztes der Neurologe, Urologe, Allergologe und Hausarzt interdisziplinär verständigt (was nicht selbstverständlich ist). Die weitere Koordination wird jetzt mein Hausarzt übernehmen. Nach Absetzen des Kortisons wird eine Kur zur Körperentgiftung (Selbstzahler) angestrebt. Diese Kur soll sich im Bezug auf die bestehende Antibiotikaallergie positiv auswirken, auch soll ich meine überflüssigen Kilos verlieren und wieder fit gemacht werden.

Danach wird das Thema Prostata wieder aufgegriffen und Januar 2018 ein weiteres mpMRT mit evtl. Fusionsbiopsie folgen. Der PSA Wert wird alle 6 Wochen kontrolliert.

Noch eine Informationam am Rande. Ein Kollege hat sich nach einem Informationsaustausch ebenfalls auf resistente E-Coli testen lassen und bei ihm konnte genau der Stamm isoliert werden wie bei mir. Interessant ist dies, da nur er zusammen mit mir in einer Kläranlage gearbeitet hatte. Jetzt kommt ein ganz anderer Faktor ins Spiel, die Anerkennung durch die zuständige Berufsgenossenschaft als beerufsbedingte Erkrankung. Nächste Woche habe ich einen Termin bei einem Fachanwalt..

Gruß und schönes Wochenende

Thomas