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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 2018 ASCO Meeting Abstracts



Georg_
23.06.2018, 13:15
Auf der ASCO 2018 wurde eine Studie von Dr. Yerramilli vorgestellt, die untersucht hat, mit welchen Komplikationen Prostatakrebspatienten im Endstadium zu rechnen haben.

Es wurden die Daten einer Patientengruppe ausgewertet, davon waren 490 mit niedrigem/mittleren Risiko, 617 mit hohem Risiko und 1005 mit Metastasen und befallenen Lymphknoten schon bei der Diagnose der Erkrankung. (Das müssen dann schon recht große Metastasen gewesen sein, damals gab es noch kein PSMA PET/CT.)

Die Untersuchung ergab folgende Ergebnisse:


<tbody>
Risikohöhe:
Niedrig/mittel
Hoch
Metastasen


Knochenmetastasen in %
7.2
28.1
40.9


Auftreten nach Diagnose in Jahren (Mittel)
4,2
2,9
1,3


Knochenbrüche in %
1.4
6.2
16.3


Auftreten nach Diagnose in Jahren (Mittel)
6,6
4,7
1,4


Rückenmarkskompression in %
2.1
5.2
18.8


Auftreten nach Diagnose in Jahren (Mittel)
4,5
2,9
1,3


Harnröhrenverengung
2.5
10.6
15.5


Auftreten nach Diagnose in Jahren (Mittel)
2,7
3,6
1,6


Nierenversagen durch Harnröhrenverengung
0.6
6.5
10.3


Auftreten nach Diagnose in Jahren (Mittel)
4,3
3,5
1,3








Eintritt der Kastrationsresistenz in Jahren
4,5
2,9
1,2

</tbody>

Patienten, bei den Kastrationsresistenz eingetreten war, hatten eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit Knochenmetastasen und Harnröhrenverengung zu bekommen. Die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen war um 64% höher und die von Rückenmarkskompressionen um 56% höher.

Quellen:
ASCO Abstract
(https://meetinglibrary.asco.org/record/162531/abstract)
Artikel in Renal and Urology News
(https://www.renalandurologynews.com/prostate-cancer/cancer-related-complications-in-prostate-cancer-patients-at-the-end-of-life/article/774739/)
Ich denke, man sollte als Patient um diese Probleme wissen und nicht nur die gerade aktuelle Therapie im Auge haben. Wenn man um diese Risiken weiß, kann man in einigen Fällen bereits bei ersten Anzeichen versuchen diese Beschwerden zu bekämpfen.

Was diese Studie nicht zeigt, sind Organmetastasen. Also der Befall vor allem von Leber und Lunge, die im Endstadium häufig auftreten.

Man kann davon ausgehen, dass diese Patienten den "Standard of Care" erhalten haben. Neue Therapien wie z.B. die Radioligandentherapie sollten den Krankheitsverlauf positiver gestalten können. Insgesamt hätte ich den Krankheitsverlauf positiver erwartet als in dieser Studie ermittelt.

Georg

tritus59
26.06.2018, 19:40
Diese Zahlen (besonders für das Auftreten nach Diagnose in Jahren) sind tatsächlich ungewohnt schlecht. Ich glaube, dass liegt aber vor allem an der Selektion der Patienten:




"we examined a cohort of 2603 men who died within 10 years of diagnosis"


Wie Georg schrieb, ging es in dieser Studie darum, mit welchen Komplikationen Prostatakrebspatienten im Endstadium zu rechnen haben. Zum Glück leben heutzutage aber die meisten Patienten mehr oder weniger gut auch nach über 10 Jahren. Diese "2603 men who dies within 10 years of diagnosis" sind darum nur ein kleiner Teil, welche nur die aggressivsten Krebse abdecken.

@Georg: Da hast Du mir erst mal auch einen kleinen Schrecken eingejagt. Aber vielleicht hab ich das auch erst ganz falsch verstanden.

Tritus

Georg_
27.06.2018, 11:45
Tritus,

nach wieviel Jahren diese Beschwerden gemäß dieser Studie auftreten, hatte ich selbst nicht erwähnt. Studien zeigen meist kurze Überlebenszeiten, sonst kämen sie ja nie zu einem Ergebnis. Die Statistiken sagen dagegen oft, die Prostatakrebskranken leben zu etwa 90% noch in 15-20 Jahren. Wie das zusammenpasst habe ich auch noch nicht ergründet.

Mit ging es nur darum zu zeigen, mit welchen Beschwerden man rechnen muss, wenn man in ein Endstadium geraten sollte. Und wenn man weiß, was droht, kann man teilweise auch etwas dagegen machen. Tarrasch sagt, vor jedem Zug muss man erst überlegen: was droht?

Interessant finde ich die Angaben zum Eintrittszeitpunkt der Kastrationsresistenz und wie diese von der Risikoeinteilung abhängt. Die 1,2 Jahre bei hohem Risiko sind schon kurz.

Georg

SeppS58
27.06.2018, 12:06
Schöne Studie!

Aber wenn es dann Realität wird, hilft keine mehr. Meine Knochenmetastasen tun weh, aber die Nebenwirkungen der Xofigo Therapie legen mich flach!
Ist für jeden anders. Ob Pest oder Colera, glücklicherweise kommen nur wenige ins "Endstadium".

Angst habe ich vor Metastasen im Hirn und davor, wenn mir die Metastasen das Rückenmark abdrücken. Ist eine reale Gefahr für mich.

Angst vor der Angst ist aber auch tötlich und da hilft auch keine Studie.

Es kommt, wie's kommt!

Hvielemi
27.06.2018, 16:46
Es kommt, wie's kommt!

Nein, tut es nicht.
In deinem Zustand ist es hilfreich, selbst zu entscheiden, welche Therapie du willst.
Chemo wirkt nur wenig und nebenwirkt viel? - Aufhören!
Du leidest unter Xofigo zusätzliche Schmerzen und frierst? - Aufhören!

Aber nicht ohne zuvor die PSMA-Radiorezeptorliganden-Therapie geprüft zu haben,
und zwar in Heidelberg, wo die auch in Varianten angeboten wird, die es überall
sonst nicht gibt (Uniklinik Heidlberg, NUK4, Dr Flexig)

Bald anrufen!
Konrad

LowRoad
29.06.2018, 12:20
Zwar nicht vom AUA, sondern vom SNMMI, ich will aber keinen neuen Thread aufmachen:


Eine Reihe von dramatischen Vorher-Nachher-Bildern von acht Männern mit weit fortgeschrittenem metastasierendem Prostatakrebs, die mit modernster Technologie behandelt wurden, wurde von der Society of Nuclear Medicine and Molecular Imaging (SNMMI) mit dem Preis für beste Bild des Jahres 2018 ausgezeichnet.

https://img.medscapestatic.com/thumbnail_library/ht_180626_psma_pet_theranostic_prostate_cancer_670 x402.jpg

Die Ehrung ging an eine Gruppe von Prostatakrebsforschern unter der Leitung von Prof. Michael Hofman, im Peter MacCallum Cancer Center in Melbourne, Australien.

Das Bild des Jahres wurde aus mehr als 2200 bildorientierten Abstracts ausgewählt, die während der jüngsten SNMMI-Jahrestagung in Philadelphia, Pennsylvania, eingereicht und von Rezensenten und der Führung der Gesellschaft bewertet wurden.

Es zeigt eine Zusammenstellung der PET Bilder von acht Patienten, die ein außergewöhnliches Ansprechen auf die Behandlung zeigten. Diese stammten aus der prospektiven Phase 2-Studie des australischen Zentrums mit 30 Patienten mit metastasierendem Prostatakrebs, die kastrationsresistent geworden waren und daher nicht mehr auf eine Standard-Hormontherapie ansprachen.

Für die Studie verwendeten die Forscher eine Gallium-68-Prostata-spezifische Membran-Antigen-11 (PSMA11) Positronen-Emissions-Tomographie (Ga68-PSMA-PET) zur Bildgebung bei Männern, die konventionelle Therapien, wie die Testosteronentzugstherapie (ADT) einschließlich Arbirateron und Chemotherapie erhalten hatten, aber Progression zeigten.

Für ihre Studie wählten sie Männer mit hoher PSMA-Expression aus.

Die Patienten erhielten 4 Zyklen (alle 6 Wochen) Lutetium-177 PSMA617 (LuPSMA), einem radiomarkierten Molekül, das mit hoher Affinität an PSMA bindet und eine therapeutische Strahlendosis an die entsprechenden Krebszellen abgibt.

Im Rahmen der Phase-2-Studie wurde das Ausmaß der Tumorausbreitung zu Beginn und 3 Monate nach der Behandlung mit PSMA-PET dargestellt.

Die Bilder zeigen den Rückgang der Metastasierung nach der Behandlung. Die Forscher stellten fest, dass dies zu allen Zeitpunkten zu signifikanten Verbesserungen der Schmerzwerte führte. Das mediane PSA-progressionsfreie Überleben betrug 7,6 Monate, und das mediane Gesamtüberleben betrug 13,5 Monate.

"Diese überzeugenden Ergebnisse weisen auf die Notwendigkeit von randomisierten Studien zum Vergleich von LuPSMA mit bestehenden Standards hin", schreibt das australische Team in ihrem Meeting-Abstract (http://jnm.snmjournals.org/content/59/supplement_1/531.abstract?sid=d65e7bcd-e662-4702-8f22-1739ea248323).

Hofman glaubt, dass die Nuklearmedizin andere Fachgebiete als wichtiger Beitrag zur Versorgung dieser Patienten begleiten könnte.

"Diese Bilder erzählen eine Geschichte von außergewöhnlicher Wirksamkeit, die bei Patienten beobachtet wurden, bei denen Standardtherapien versagten, verbunden mit bemerkenswerten Verbesserungen der Lebensqualität der Patienten. Mit weiterer Forschung erwarten wir, dass sich die Nuklearmedizin als Spezialist und Behandlungsstandard etabliert", sagte er in einer Erklärung.

Umar Mahmood, Ph.D., Vorsitzender des Wissenschaftlichen Programmkomitees des SNMMI, kommentierte: "Diese Phase-2 prospektive Studie von Michael Hofman und Kollegen zeigt deutlich den Nutzen für Männer mit kastrationsresistentem Prostatakrebs, die mit einem Beta-Strahler gegen PSMA behandelt werden, wenn sich ihre Metastasen PSMA positiv darstellen. Es ist erfreulich, den Nutzen des Ansatzes zu sehen, der in dieser Studie sowohl in Bezug auf die Verbesserung der Krankheitslast als auch in Bezug auf die Schmerzschwere rigoros und objektiv gezeigt wurde. "


Prof. Johann de Bono, MD, des Royal Marsden Hospital und des Institute of Cancer Research in London, Großbritannien, äußerte sich gegenüber Medscape Medical News derart, dass die ersten Studienergebnisse "sehr ermutigend" seien.

De Bono beobachtete auch, dass die Patientenselektion die Ergebnisse der Behandlung optimiert hätten, die die Verwendung eines Radioimmunkonjugats beinhaltet. "Sie wählten Patienten mit hoher PSMA-Expression oder Anti-PSMA-Antikörperaufnahme mit diagnostischen Vorbehandlungsscans aus, und sie rekrutierten keine Patienten, bei denen PSMA- und Cholin-PET Aufnahmen nicht übereinstimmten", sagte er.


Eigene Anmerkungen:
Es ist natürlich hoch erfreulich ein so mächtiges Werkzeug zur Behandlung von metastasiertem Prostatakrebs zur Verfügung zu haben. Auch sind diese Daten und Bilder beeindruckend, aber leider ist die Wirkung nur von kurzer Dauer: "das mediane Gesamtüberleben betrug 13,5 Monate".

Die im Kontroll-PET gemachten Bilder nach der Behandlung zeigen dann eine sehr geringe PSMA Aufnahme, was aber nicht als "Verschwinden" von Metastasen missverstanden werden darf – sonst wäre ein weitaus längeres Überleben sicher. Die Metastasen sind nicht weg, sie sind nur betäubt – aber immerhin!

Weiterhin ist auffällig, dass selbst bei sehr weitreichender Metastasierung die beschriebenen PSA Werte vor der Lu177-PSMA Therapie relativ niedrig sind. Hier zeigt sich ganz offensichtlich eine genetische Mutation hin zu PSA negativen, eher neuroendokrin erscheinenden Tumoren. Eine Kombination mit gezielten Medikamenten dagegen könnte eventuell Synergien zeigen.

Viel Forschungsbedarf!


Und noch eine Anmerkung von mir: Bitte persönliche Krankheitsgeschíchten anderswo posten!

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[1]: (https://www.medscape.com/viewarticle/898631) MEDSCPAE Nick Mulcahy; Image of the Year' Captures Dramatic Cancer Responses

uwes2403
29.06.2018, 14:13
Weiterhin ist auffällig, dass selbst bei sehr weitreichender Metastasierung die beschriebenen PSA Werte vor der Lu177-PSMA Therapie relativ niedrig sind. Hier zeigt sich ganz offensichtlich eine genetische Mutation hin zu PSA negativen, eher neuroendokrin erscheinenden Tumoren.

Vielleicht besonders auffällig, wenn man Bild 2 und 7 vergleicht und den PSA Wert und die Anzahl bzw. Ausdehung der sichtbaren Metatstasen gegenüberstellt.

buschreiter
30.06.2018, 07:37
Ich frage mich, was gegen eine frühzeitige Anwendung dieser Therapieform, eventuell in Kombi mit einer AHB, spricht? Wäre hier nicht vielleicht die Chance einer Heilung gegeben?

Gruß Achim

Hvielemi
30.06.2018, 07:44
Die Patienten erhielten 4 Zyklen (alle 6 Wochen) Lutetium-177 PSMA617 (LuPSMA), einem radiomarkierten Molekül, das mit hoher Affinität an PSMA bindet und eine therapeutische Strahlendosis an die entsprechenden Krebszellen abgibt.


Eigene Anmerkungen:
Es ist natürlich hoch erfreulich ein so mächtiges Werkzeug zur Behandlung von metastasiertem Prostatakrebs zur Verfügung zu haben. Auch sind diese Daten und Bilder beeindruckend, aber leider ist die Wirkung nur von kurzer Dauer: "das mediane Gesamtüberleben betrug 13,5 Monate".

Die im Kontroll-PET gemachten Bilder nach der Behandlung zeigen dann eine sehr geringe PSMA Aufnahme, was aber nicht als "Verschwinden" von Metastasen missverstanden werden darf – sonst wäre ein weitaus längeres Überleben sicher. Die Metastasen sind nicht weg, sie sind nur betäubt – aber immerhin


Solche Bilder ist man hier im Forum gewohnt, nur halt ohne Nachbehandlung mit rotem Tippex.
Aber ich soll ja nicht darauf hinweisen ...

Was diese Leute mit den australischen Männern getan haben, zeugt von einem tiefen
Unverständnis der Wirkungsweise von PSMA-Lu177:
Einmal von der Therapie bestrahlte Metastasen werden innert etwa 12 Wochen abladiert
(nicht nur betäubt!). Dann sind noch kleine Resten vorhanden, die auf den nächsten
Therapiezyklus kaum mehr ansprechen mangels genügender Speicherfähigkeit:
Was man im PSMA-PET (fast) nicht sieht, speichert auch das Therapeutikum (fast) nicht.
Nun gehen diese Ignoranten aber hin und quälen die Männer weitere 3 mal in kurzen
Zeitabständen mit der durchaus nicht nebenwirkungsfreien Therapie, die dann mangels
therapierbarer Substanz weitestgehend sinnlos verpufft.

Die fortschreitende Zerstörung von Tränen- und Speicheldrüsen durch diese Übertherapie
kann man aus den Bildern hübsch ablesen:
In den 'Nachher'-Bildern leuchten die Drüsen bei fast allen Patienten deutlich schwächer,
als 'vorher'.

Ein schäbiges Überleben von grad mal einem Jahr ist die Quittung. Dabei könnte man die
Therapiezeit von 4 x 6 = 24 Wochen individuell ausdehnen auf ca. 4 x 16 = 64 Wochen,
indem man jeweils abwartete, bis wieder therapierbare Tumormasse nachgewachsen ist.
Je nach PSA-Verdoppelungszeit könnten damit pro Zyklus Wochen und Monate dazugewonnen
werden. Aber man schert lieber alle Patienten über einen Kamm, wie hierzulande mit dem
Zweimonate-Schema übrigens auch.

Und nun kann ich es mir halt doch nicht verkneifen, das eigene Bild aus Anhang [5] einzustellen,
bei dem man sich das rote Tippex bitte vorstellen möge:

http://up.picr.de/28621794wi.jpeg

Ja, die Metastasen wachsen nach, wie sie das nach jeder palliativen Therapie eben tun.
Schaut man aber genau hin, sieht man auf dem rechten 'Nach-Nacher'-Bild andere
Knollen als auf den 'Vorher'-Bild. Z.B. die reiche Sammlung rund ums linke Schlüsselbein
ist nicht wieder aufgetreten:

Nix "betäubt", sondern abladiert!

Schönes WE!
Konrad

Hvielemi
30.06.2018, 08:01
Ich frage mich, was gegen eine frühzeitige Anwendung dieser Therapieform, eventuell in Kombi mit einer AHB, spricht? Wäre hier nicht vielleicht die Chance einer Heilung gegeben?


Nichts spricht dagegen.
Im Gegenteil, die typischerweise in früheren Stadien längere PSA-Verdoppelungszeit würde
bei geeignetem Management der Zyklen zu enorm verlängerten Wirkungsdauern führen.

Aber:
Heilen wird PSMA-Lu177 nie, denn Micrometastasen unterlaufen die Therapie mangels
genügendem Volumen. Zuviel der Betastrahlung geht ins Gesunde verloren. Da kommt
der extrem kurzstrahlige Alfastrahler Ac225 ins Spiel: Damit können auch Micrometastasen
abladiert werden, aber wie mein Beispiel zeigt, eben auch (noch) nicht vollständig.
Die Entwicklung der PRLT steht erst am Anfang, aber was ich bereits 2012 nach meinem
ersten Besuch in der Nuklearmedizin zu Heidelberg formuliert hatte, rückt näher:

"Spritze rein und gut ist"

So in einem oder zwei Jahrzehnten vielleicht?
Konrad