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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Prostatakrebs im mittleren Alter?



dreispitz
27.08.2018, 14:52
Hallo zusammen,

nachdem mein Vater im letzten November Jahres an PCa verstorben ist und ich für ihn einen entsprechenden Thread eröffnet hatte, kennt mich vielleicht der ein oder andere hier bereits.

Ich bin männlch und 48 Jahre alt. Vom Chefarzt der Uni Heidelberg wurde mir 2015 nahegelegt, die Vorsorgeuntersuchungen zu machen, weil ich wegen meines Vaters Diagnose ein erhöhtes Risiko auf PCa habe. Daraufhin habe ich 2015 (mit 45) auch gleich einen Urologen-Termin gemacht, um die Vorsorge in Angriff zu nehmen. Bis dahin war ich dort nur wegen irgendwelcher Entzündungen bei Nebenhoden und Harnröhre dort vorstellig. Nachdem 2015 alles OK war (PSA um ca. 1 herum), habe ich es bis letzte Woche schleifen lassen, um nun den nächsten Termin wahrzunehmen. Die Untersuchung verlief auch recht unauffällig, Tasten, Ultraschall alles OK. Prostatavolumen bei 19cm³. Alles wie erhofft. Stutzig hat mich allerdings gemacht, dass zuerst untersucht und dann gemessen wird. Ich weiß nicht, ob das 2015 auch so war. Die Meinung hierzu ist doch forenweit eindeutig, oder? Zuerst Blut und dann die Untersuchung, oder?

Leider bekomme ich heute den Anruf, dass der PSA auf 7,4 stehen würde und dass ich nun ein Antibiotikum für 10 Tage einnehmen soll. Die nächste Messung wäre dann heute in 3 Wochen.

Ich könnte so kotzen. Sorry, wenn ich das so unverblümt schreibe. Einige werden wahrscheinlich sagen, dass ich doch noch keine Diagnose habe und nichts gesichert ist, aber nachdem ich noch vor ein paar Wochen gerade erst mit einem Melanomverdacht zu kämpfen hatte, bin ich echt mit den Nerven am Ende, dass bei mir nun die nächste Baustelle auftaucht. Der Melanomverdacht hat sich übrigens "nur" als Vorstufe erwiesen. Glück im Unglück also.

Was meint Ihr? Kann ich außer warten noch irgendetwas sinnvolles tun, bis die nächste Messung vorliegt?

Vielen Dank!
Ulrich

PS
Vielleicht wäre es günstig, wenn man ein eigenes Unterforum für die PCa-Verdächtigen einrichtet. Es ist ja ein großer Unterschied, ob ein Verdacht oder eine Diagnose vorliegt. Aber wem sag ich das?

Tomilein
27.08.2018, 15:14
Hallo Ulrich,

keine Panik, du stehst ganz am Anfang der Diagnostik. Lass jetzt erst mal das Antibiotikum wirken und schau dir den PSA Wert nach einigen Wochen noch mal an. Je nach Tendenz lasse dann in zeitlichem Abstand noch mal messen. Geht der Trend des PSA weiter nach oben, spreche mit deinem Uro über ein mpMRT und entscheide danach wie es weiter gehen soll.

Nach meiner eigenen Erfahrung sind PSA Werte stark schwankend und können auch grundlos erhöht sein. Bei mir wurde wegen erhöhter Werte und bei gleicher Famlienanamnese zwei Biopsien gemacht. Ein Karzinom konnte bisher nie nachgewiesen werden. Also keep cool!

Thomas

PS Mit den heutigen Erkenntnissen hätte ich nie die Biopsien machen lassen. Noch was, die Reihenfolge der Untersuchung lässt nicht auf einen erfahrenen Doc schliessen. Immer erst Nadel dann Finger!

uwes2403
27.08.2018, 15:18
Hallo Ulrich,

aus meiner Achtung - laienhaften Sicht - kannst Du im Moment tatsächlich nur die nächste Messung abwarten. Und ja - erst Blut abnehmen, dann untersuchen....auch Fahrrad fahren und Sex vor der Blutabnahme können das Ergebnis in die Höhe treiben.

Ich wünsche dir Entwarnung in 3 Wochen....

Gruß

Uwe

dreispitz
27.08.2018, 15:26
Hallo Thomas,

danke für das Feedback! Die Panik im Zaum halten, ist sicherlich das größte Problem im Moment. Bei google habe ich das gefunden: https://www.alta-klinik.de/psa-wert/

Wenn man dem Link glauben darf, wäre mpMRT jetzt das optimale Mittel, oder? Leider bin ich GKV-versichert. Wenn es aber sinnvoll ist, würde ich das auch selbst bezahlen.

Bei meinem Vater hat mein Urologe immer auf der Standard-Biopsie bestanden und dann auch von Leitlinien etc. gesprochen. Was ja nicht falsch ist. Aber mein Vater hat das aus verschiedenen Gründen lange Zeit abgelehnt. Insofern weiß ich aber, dass der Urologe bei mir auch wieder das Standard-Programm fahren wird, wenn ich es zulasse. D.h. ich muss mir jetzt schon parallel Gedanken machen, was ich in welchem Fall tun will.

Von der Antibiotikatherapie selbst als Behandlungsversuch bin ich auch nicht sonderlich begeistert. Man weiß nicht, ob es eine Entzündung ist. Man weiß nicht, wenn es eine Entzündung ist, ob es das richtige Antibiotikum ist und nach 3 Wochen bin ich im worst case genauso nass.

Ulrich

Dieter1968
27.08.2018, 15:39
Hallo Ulrich,

ja, erst Blut abnehmen und dann abtasten. Aber es gibt anscheind immer noch Ärzte die Männer unter 50 für zu jung für PCa halten.
Auch mein Vater hat PCa und auch ich hab deswegen relativ früh mit Vorsorge begonnen. Mit 45 hatte ich einen PSA von knapp unter 4 beim Hausarzt, der meinte ich soll keine Panik schieben es würde sich sicher nur um eine Entzündung handeln. Aber keine Überweisung zum Urologen sondern nur in einem halben Jahr wieder neu messen. Auch ich hatte es dann 2 Jahre schleifen lassen und mit 47 hatte ich dann einen PSA von knapp unter 8. Da hab ich mich dann ruckzuck bei einem Urologen eingefunden. Antibiotikum war dann schon gar keine Option mehr sondern gleich Biopsie. Ich hatte dann erst noch auf eigene Kosten ein MRT machen lassen und auf Grund von 2 schlechten Erfahrungen mit niedergelasenen Urologen bin ich dann dirket zu einer Uni-Klinik. Dort wurde ich dann anhand meiner mitegbrachten MRT-CD biopsiert.
Ergebnis PCa in 3 verschiedenen Stellen.
Ich wünsche Dir von Herzen das es "nur" eine Entzündung ist!

Gruß
Dieter

Dieter1968
27.08.2018, 15:48
Also ich halte ein MRT auch auf jeden Fall für sinnvoll, meins hatte damals etwa 400 Euro gekostet. Aber da konnte man dann schon 2 auffällige Stellen erkennen.
Die Rechnung hatte ich dann bei meiner GK eingereicht, leider ohne Erfolg. Ich hätte dann noch dagegen klagen können, aber da stand dann schon die OP im Raum und ich hatte keine Nerven mich mit der Kasse rumzuärgern.

Tomilein
27.08.2018, 15:50
Irgendwie hört sich das so an als hättest du nicht mehr das ganze Vertrauen in deinen Uro. In dem Fall kann ich dir nur, auch aus eigener Erfahrung, einen Wechsel empfehlen. Einen Arzt der die Familiengeschichte nicht kennt und nicht auf Standard setzt, getreu dem Motto, der muss jetzt auch Krebs haben.

Antibiotikum nur auf Verdacht ist eigentlich so eine 0815 Sache, da man durch eine Spermauntersuchung schon mal eine Entzündung eingrenzen kann.

Das mpMRT als Triage vor eine Biopsie zu setzen ist moderne Denke und kommt dem Wunsch entgegen bei der Früherkennung umzudenken. Durch die PIRAD Einstufung erfahrener Radiologen weiss man heute sehr gut was in der Prostata abgeht. Lass dich da nicht unter kriegen und bei der Kasse würde ich es einfach mit der Kostenübernahme probieren. Ansonsten kostet das mpMRT für Selbstzahler heute auch nicht mehr als ein Satz neuer Brensscheiben in einer Fachwerkstatt.

Falls dich interessiert lese mein erstes Posting hier im Forum. Du bist auf jedem Fall schon cleverer als ich ;)

Thomas

PS In Heidelberg gibt es eine erfahrene Privatpraxis die mpMRT durchführt.

dreispitz
27.08.2018, 16:10
Also ich halte ein MRT auch auf jeden Fall für sinnvoll, meins hatte damals etwa 400 Euro gekostet.
Jetzt in meiner Situation oder generell vor einer Biopsie?


Irgendwie hört sich das so an als hättest du nicht mehr das ganze Vertrauen in deinen Uro. In dem Fall kann ich dir nur, auch aus eigener Erfahrung, einen Wechsel empfehlen. Einen Arzt der die Familiengeschichte nicht kennt und nicht auf Standard setzt, getreu dem Motto, der muss jetzt auch Krebs haben.
Meinem Urologe vertraue ich, was die Standard-Untersuchungen angeht, solange keine Biopsie ansteht. Er hat es nicht geschafft, meinen Vater von der Biopsie zu überzeugen. Ich war der Meinung, dass man aus verschiedenen Gründen bei meinem Vater statt der Standard- eine Damm-Biopsie machen soll. Letztendlich wurde das auch gemacht, aber erst in der Uni HD. Vorher hat sich mein Vater verweigert und damit Zeit verloren. Bei der Diagnosestellung 2015 gab es dann leider schon Metastasen. Interessanterweise konnte das unser Urologe nicht wirklich akzeptieren.


PS In Heidelberg gibt es eine erfahrene Privatpraxis die mpMRT durchführt.
Es gibt einige Praxen, die das mittlerweile anbieten:

https://www.radiagnostix.de/radiagnostix-prostata-in-ihrer-naehe/uebersichtskarte/

Dieter1968
27.08.2018, 16:24
Ich halte es generell für sinnvoll und speziell auch in deiner Situation. Zumindest kann man dann gezielt (sofern im MRT erkennbar) auffällige Stellen biopsieren.
Ich hatte meine Biopsie unter Vollnarkose in einer Klinik und musste auch zur Beobachtung die Nacht bleiben.
Bei einem Urologen in der Praxis würde ich das nicht machen lassen.

Tomilein
27.08.2018, 16:25
Mit deiner Meinung liegst du auch nicht ganz verkehrt. Eine perineale Biopsie ist von den Risiken betrachtet die bessere Variante. Wenn vorher schon ein mpMRT gemacht wurde bietet sich eine perineale Fudionsbiopsie an.

Aber so weit bist du ja noch lange nicht. Bei Verdacht auf eine Prostatitis wäre auf jedem Fall ein Antibiogramm des Spermas bzw. eine generelle Untersuchung auf eine Entzündung sinnvoll. Nur wenn der Erreger bekannt ist, kann auch gezielt dagegen angegangen werden. Zudem umschiffst du das Thema Resistenzen, das bei jeder Antibiotikagabe heute in den Raum gestellt werden muss.

Ein Antibiogramm über ein Rektalabstrich musst du auf jedem Fall vor einer transrektalen Biopsie machen lassen. Dein Leben kann davon abhängen.

Thomas

dreispitz
27.08.2018, 16:34
Ich halte es generell für sinnvoll und speziell auch in deiner Situation. Zumindest kann man dann gezielt (sofern im MRT erkennbar) auffällige Stellen biopsieren.
Ich hatte meine Biopsie unter Vollnarkose in einer Klinik und musste auch zur Beobachtung die Nacht bleiben.
Bei einem Urologen in der Praxis würde ich das nicht machen lassen.
OK, ich denke, ich rufe mal bei einer Radiologie-Praxis in der Nähe an.


Zudem umschiffst du das Thema Resistenzen, das bei jeder Antibiotikagabe heute in den Raum gestellt werden muss.
Stand jetzt, soll ich ein Rezept in der Praxs abholen, d.h. es ist kein weiteres Arztgespräch geplant. Der Urologe ist der Meinung, wir machen jetzt die Standardtherapie und schauen in 3 Wochen weiter. Insofern ist das Antibiogramm erst dann möglich.

MartinWK
27.08.2018, 16:35
Dreispitz, ich konnte bei Stichproben nicht sehen, dass die im Link zu findenden Praxen besonders auf Prostata spezialisiert sind. Es gibt Dutzende von einstellbaren Parametern beim MRT. Manche schwören auch auf die Rektalspule (die etwas mehr Aufwand bedeutet).
Ich habe die Biopsie so lange es ging vermieden (sie führt - wie ich inzwischen herausgefunden habe - zur Streuung von Krebszellen). Nach einem "normalen" MRT 2010 (es gab damals kein mpMRT) habe ich 2016 ein mpMRT machen lassen und dann aufgrund PI-RADS 5 eine transperineale Fusionsbiopsie (siehe Profil). Das MRT wurde hier gemacht: https://radiologie-nuklearmedizin-adickesallee.de/spezialgebiete/prostata/

Tomilein
27.08.2018, 16:45
Mmhhh, einfach mal auf Verdacht ein Antibiotikum verordnet, Cipro nehme ich an, ist mal galant mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Eigentlich sollte doch schon klar sein, dass es sich um eine Entzündung handelt. Was spricht gegen eine erneute Vorstellung oder der telefonische Beratung und dem Wunsch nach einen ordentlichen Diagnostik? Bleibt ja auch noch die Möglichkeit einer Zweitmeinung z.B. beim Hausarzt?

Thomas

Muggelino
27.08.2018, 16:48
Hallo Ulrich,

ich weiss nicht, ob der erhöhte PSA-Wert nur durch die falsche Reihenfolge Untersuchung-Blutentnahme zustande gekommen sein kann.
Falls ja (kann hier jemand da was zu sagen?), dann könntest du, um die 3 Wochen Warten zu entschärfen, zu deinem Hausarzt gehen und nochmal auf eigene Kosten (20-30 Euro) einen PSA-Test machen lassen.
Dann hast du in 2-3 Tagen ein Ergebnis, das zwar aufgrund evtl. unterschiedlicher Labore nicht 100%ig vergleichbar ist, aber mehr aussagt als der PSA nach einer Untersuchung.

Detlef

Mikael
27.08.2018, 16:50
Ich habe die Biopsie so lange es ging vermieden (sie führt - wie ich inzwischen herausgefunden habe - zur Streuung von Krebszellen).

Kein seriöser Urologe wird das bestätigen.

Tomilein
27.08.2018, 16:56
Mikael, das wirst du so auch nicht hören. Bei jedem anderen Krebs macht man deswegen einen riesen Aufstand und ausgerechnet bei der Prostata soll das anders sein? Die richtige Antwort lautet eher, man weiss es einfach nicht. Doch dann würden sich Biopsien noch schlechter an den Mann bringen lassen!

Mikael
27.08.2018, 18:09
Die richtige Antwort lautet eher, man weiss es einfach nicht.

Das ist schon eine ganz andere Aussage als "sie führt - wie ich inzwischen herausgefunden habe - zur Streuung von Krebszellen". Diese Aussage suggeriert in ihrer Absolutheit, dass es sich um ein bewiesenes Faktum handelt. Martin mag ja der Meinung sein, dass es bei ihm oder anderen so war. Aber "wie ich inzwischen herausgefunden habe" ist einen nobelpreisverdächtigen Anruf nach Oslo wert.

MartinWK
27.08.2018, 18:28
Kein seriöser Urologe wird das bestätigen.
Das ist bisher tatsächlich ungenügend untersucht worden. Es gibt diese Studie: https://www.nature.com/articles/6691924
Und von denselben Autoren ijms-18-00128.pdf (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5297762/pdf/ijms-18-00128.pdf)
Etwas ausführlicher ist das am Mausmodell für Brustkrebs untersucht worden: ArtikelpubliceradiJMolecularBiomarkersandDiagnosis .pdf (https://www.researchgate.net/profile/Roland_Sennerstam/publication/305719233_Significance_of_Diagnostic_Needle_Biopsy _for_the_Development_of_Inflammation_Tumour_Progre ssion_and_Metastasis/links/579b684e08ae5d5e1e137dd4/Significance-of-Diagnostic-Needle-Biopsy-for-the-Development-of-Inflammation-Tumour-Progression-and-Metastasis.pdf)
Hier wurde sogar ein 60-facher Anstieg der CTCs konstatiert. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Biopsie zu einer lokalen Entzündung führt, welche tumorfördernd ist. Die Autoren plädieren für die Feinnadel-Aspirationsbiopsie. Allerdings hat diese eine geringere Aussagekraft.
Dieser Artikel beschäftigt sich allgemein mit der Streuung durch Biopsie und Operation: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4015162/

Natürlich wird nicht aus jeder CTC eine Metastase. Man geht aber davon aus, dass mehr CTCs pro ml Blut das Risiko der Progression erhöhen. In Studien korrelierte die Anzahl der CTCs mit schlechter Prognose.

Reinhold2
27.08.2018, 18:38
Ich habe die Biopsie so lange es ging vermieden (sie führt - wie ich inzwischen herausgefunden habe - zur Streuung von Krebszellen).

Martin, für diese Erkenntnis gebührt Dir der Medizin-Nobelpreis!

Gruß
Reinhold

MartinWK
27.08.2018, 22:39
Martin, für diese Erkenntnis gebührt Dir der Medizin-Nobelpreis!
Verstehe nicht, was du eigentlich sagen wolltest?

dreispitz
28.08.2018, 12:33
Hallo Martin!


Dreispitz, ich konnte bei Stichproben nicht sehen, dass die im Link zu findenden Praxen besonders auf Prostata spezialisiert sind.
Das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wenn Du hier schaust, dann wird bei jedem Radiologen, der eingebunden ist, ein Befund nach PI-RADS erstellt:

https://www.radiagnostix.de/radiagnostix-prostata-im-detail/leistungen/

Oder gibt es noch genauere Untersuchungen?

Beste Grüße
Ulrich

dreispitz
28.08.2018, 12:36
Mmhhh, einfach mal auf Verdacht ein Antibiotikum verordnet, Cipro nehme ich an, ist mal galant mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Hallo Thomas,

ja es wurde Cipro verschrieben. Der Urologe geht offensichtlich davon aus, dass es eine Entzündung ist. Der Ultraschall und auch das Tasten waren absolut unauffällig. Insofern hatte er keinen weiteren Anhaltspunkt auf PCa zu schließen. Wenn der PSA-Wert fällt, dann wird er weiter beobachten. Wenn nicht, dann gehe ich von der Standardbiopsie als Diagnostik-Vorschlag aus.

Herzliche Grüße
Ulrich

dreispitz
28.08.2018, 12:40
ich weiss nicht, ob der erhöhte PSA-Wert nur durch die falsche Reihenfolge Untersuchung-Blutentnahme zustande gekommen sein kann.
Falls ja (kann hier jemand da was zu sagen?), dann könntest du, um die 3 Wochen Warten zu entschärfen, zu deinem Hausarzt gehen und nochmal auf eigene Kosten (20-30 Euro) einen PSA-Test machen lassen.
Hallo Detlef!

Danke für den Vorschlag, manchmal sieht man den Wald vor Bäumen nicht. Da hätte ich im ersten Moment nicht daran gedacht.

Dennoch bin ich unsicher, ob ich es machen soll. Nur ein richtig niedriger Wert würde etwas beruhigen. Ansonsten hätte es entweder eine geringe Aussage oder im worst case habe ich einen höheren Wert und es kommt Panik auf, weil ich dann die Verdopplungszeit auch noch im Blick habe. (Was aktuell sicherlich keinen Sinn macht).

Ich hasse diese PSA-Messfalle. Das hat mich bei meinem Vater schon gestört. Man ist von den Messwerten emotional so unglaublich abhängig.

Alles Gute!
Ulrich

Tomilein
28.08.2018, 12:58
Von dieser Falle hat uns leider keiner erzählt als das erste Mal die Nadel in unsere Vene gestochen wurde um den PSA Wert zu bestimmen. Ich kann das Auf und Ab der Gefühle gut nachvollziehen. Ich kann dir nur empfehlen selbstbestimmt und selbstbewußt das Thema anzugehen. Verlass dich nicht auf das was dir die Ärzte vorschlagen sonder stelle dich kritisch und hinterfrage. Ein modernes Arzt Patienten Verhältnis sollte heute keine Einbahnstraße sein.

Persönlich habe ich auch einiges falsch gemacht und gehe einiges jetzt anderst an.

Thomas

Tomilein
28.08.2018, 13:11
Übrigens in HD macht das Labor Limbach unabhängige Blutanalysen. Dort kannst du sämtliche PSA Formen, freies, komplexes und gebundenes bestimmen lassen.

Die Werte Interpretation ist im schriftlichen Befund dabei.

Zur Blutabnahme ist ein Termin erforderlich. Kosten pro Test rund 30 Euro.

Thomas

MartinWK
28.08.2018, 17:51
Oder gibt es noch genauere Untersuchungen?
Der aktuelle Standard bei Prostata ist PI-RADS 2. Man sollte annehmen, dass dieser gemeint ist, sicher ist das nicht.
Im Wesentlichen ist PI-RADS ein Bewertungsschema. Gewisse Mindestanforderungen an die Technik werden aber auch gestellt. Es bleibt genug Luft nach oben.
Die Erfahrung des Auswerters spielt im Übrigen nach wie vor eine große Rolle.
Zum PI-RADS 2: PIIS0302283815007836.pdf (https://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(15)00783-6/pdf/synopsis-of-the-pi-rads-v2-guidelines-for-multiparametric-prostate-magnetic-resonance-imaging-and-recommendations-for-use)
Zu PI-RADS allgemein (deutsch): Artikel RöFo 03-13 PiRads.pdf (https://www.radiologieteam-minden.de/file_download/57/Artikel%20R%C3%B6Fo%2003-13%20PiRads.pdf)

Lothar M
29.08.2018, 18:21
Hallo Ulrich,

ich hatte vor 6 1/2 Jahren zur Vorbereitung der zweiten Biopsie bei der Uniklinik Düsseldorf ein mpMRT im Rahmen eines Forschungsprojekts durchführen lassen. Durch das mpMRT wurde zwei verdichtete Stellen ausfindig gemacht, biopsiert und Prostatakrebs entdeckt (PSA-Wert ca. 5).
Hier ein Link:

https://www.uniklinik-duesseldorf.de/unternehmen/institute/institut-fuer-diagnostische-und-interventionelle-radiologie/patienten/einzelne-untersuchungen/mrt-der-prostata/

Im Vorfeld wurde bei der Uniklinik Münster Prof. Dr. Semjonow, eine detailliertere PSA-Auswertung vorgenommen:
Verhältnis: freies, gebundenes PSA mit Varianten (Formelauswertung habe ich derzeit nicht verfügbar).
Die Auswertung ergab damals eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein Protatakarzinom.

Gruss

Lothar

dreispitz
30.08.2018, 10:30
Hallo Lothar,

vielen Dank für den Link. Düsseldorf wäre für mich als Pfälzer nicht gerade um die Ecke, aber wahrscheinlich werden manche "PCa-Touristen", die jede Menge Kilometer auf sich nehmen, um an bestimmten Orten behandelt werden, darüber lachen.

Der Link zeigt mir aber, dass die Uni Düsseldorf das mpMRT sehr professionell aufzieht. Gefühlt ist das nicht überall so. Vor allem von der Buscopan-Gabe (zur Reduzierung der Darmtätigkeit) habe ich an anderen Stellen noch nichts gelesen. Wer weiß, ob Buscopan Standard ist?

Ansonsten erschreckt mich natürlich etwas, dass Du, Lothar, bei einem relativ niedrigen PSA-Wert ein PCa in Dir hattest.

Alles Gute!
Ulrich

dreispitz
30.08.2018, 10:36
Der aktuelle Standard bei Prostata ist PI-RADS 2. Man sollte annehmen, dass dieser gemeint ist, sicher ist das nicht.

Hallo Martin,

vielen Dank für diese Infos. Bislang hatte ich nirgendwo gelesen, dass es zwei Versionen von PI-RADS gibt: V1 und V2.

Du hast recht, man sollte erwarten, dass alle nach V2 arbeiten, aber verlassen sollte man sich nicht darauf nicht. Wobei ich ehrlich gesagt, noch gar nicht verstanden habe, was der Unterschied zwischen V1 und V2 ist.

Hat jemand im Forum diesbezüglich Erfahrungen gemacht?

Bei dem von mir verlinkten https://www.radiagnostix.de/ wird es jedenfalls nicht erwähnt.

Alles Gute!
Ulrich

Lothar M
30.08.2018, 10:40
Hallo Ulrich,
beim mpMRT war der PSA-Wert 5,4.
Zum Verlauf siehe mein Profil.
Alles Gute!
Lothar

Tomilein
30.08.2018, 11:23
Hallo Ulrich,

entleerte Blase und Darm sowie Buscopan zur Einschränkung der Peristaltik des Darmes sollte eigentlich Standard sein bei einem mpMRT.

Thomas

dreispitz
30.08.2018, 12:01
Hallo Thomas,

danke für die Info. Dann braucht man also einen Fahrer zum mpMRT, wenn man mit dem Auto anreisen will.

Hast Du das mpMRT bei der Uni Heidelberg machen lassen?

Viele Grüße
Ulrich

Tomilein
30.08.2018, 12:14
Nein in der Radiologie Heidelberg.

Ein Fahrer/Taxi ist sicherlich sinnvoll. Das Kontrastmittel kann sich da leider auch etwas negativ bemerkbar machen. Aber darüber und dem Ablauf wirst du aufgeklärt. Das Buscopan ist gut verträglich. Evtl. ist hinterher das mit dem Stuhlgang etwas träger.

Thomas

PS Habe dir eine PN geschickt. Hatte übrigens PIRADS 2 ohne weitere Biopsieempfehlung. Lediglich mein Uro war da anderer Meinung.

MartinWK
30.08.2018, 16:30
Buscopan haben beide von mir für mpMRT aufgesuchte Radiologien gegeben. Von einer Einschränkung danach bezüglich Autofahren usw. weiß ich nichts. Es gab keinerlei Hinweise durch die Praxen. Ich bin jedesmal sofort mit dem Auto gefahren, ohne Probleme. Dieser kleinen Studie zufolge
https://www.birpublications.org/doi/abs/10.1259/0007-1285-64-763-584
spielt die bei MRT übliche Dosis keine Rolle. Die Radiologie der Uni Heidelberg schreibt auf ihrer Website, dass man 24h danach nicht Auto fahren soll. Ähnlich wie bei Propofol scheint es dafür weder ausreichende Evidenz noch negative Erfahrungen zu geben, so daß hier wohl nur einige Einrichtungen oder Ärzte jedwedes Haftungsrisiko für sich selbst ausschließen wollen.

Eine Aufklärung, dass sich das Kontrastmittel "negativ bermerkbar machen" kann, habe ich auch nie erhalten. Allerdings hat es unter Umständen Langezeitfolgen: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/02/27/zulassungen-fuer-gadolinium-haltige-arzneimittel-ruhen

Tomilein
30.08.2018, 16:52
Martin, das Gadolinium Kontrastmittel kann einen anaphylaktischen Schock auslösen. Darüber müsstest auch du aufgeklärt worden sein.

Thomas

MartinWK
30.08.2018, 17:17
Das meintest du mit "etwas negativ bemerkbar"? In einem Absatz mit "trägem Stuhlgang"? Finde das etwas verwirrend, lebensbedrohliche Nebenwirkungen mit Befindlichkeitsstörungen zusammen zu werfen.

Allergische Reaktionen kann es auf jede Substanz, die in den Körper eingebracht wird, geben (na gut, Kochsalzlösung u.ä. sicher nicht). Klar bin ich darüber aufgeklärt worden. Beim ersten Mal vor vielen Jahren war mir das egal und ich hatte dann auch keinen Schock. Danach ging ich davon aus, das ich auf das Mittel nicht reagieren werde.

Tomilein
30.08.2018, 17:20
Das mit dem Stuhlgang bezieht sich auf Buscopan und ist natürlich nicht lebensbedrohlich.

War aber eigentlich klar formuliert.

Thomas

dreispitz
30.08.2018, 17:23
Buscopan haben beide von mir für mpMRT aufgesuchte Radiologien gegeben.
Wenn man fragen darf, wo warst Du denn jeweils?


Werden Medikamente oder Kontrastmittel benötigt?
...
Eine Kontraindikation für Buscopan® besteht für Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck („Grüner Star“) oder Herzrhythmusstörungen. Da es zudem die Pupillenreaktion und das Scharfstellen des Auges beeinträchtigt, sollten ambulante Patienten im Voraus eine Abholmöglichkeit einplanen, da sie für etwa 6-8 Stunden nicht am Straßenverkehr teilnehmen dürfen

Quelle: https://www.uniklinik-duesseldorf.de/unternehmen/institute/institut-fuer-diagnostische-und-interventionelle-radiologie/patienten/einzelne-untersuchungen/mrt-der-prostata/

MartinWK
30.08.2018, 22:23
Einmal hier: https://radiologie-nuklearmedizin-adickesallee.de/spezialgebiete/prostata/
Und dann in der Nachsorge hier: https://vitusprostate.com/de/diagnostik/

Vielleicht hat Düsseldorf zur Nachwirkung von Buscopan Studien vorliegen. Ich denke aber, das ist lediglich eine für die Klinik stets sichere Verfahrensweise... und für den Patienten in vielen Fällen unbequem.

dreispitz
18.09.2018, 12:26
Hallo zusammen!

Bei der gestrigen PSA-Messung (17.9.) ist der Wert auf 2,32 gefallen. Hier noch einmal die Chronologie:

- Herbst 2015, PSA: 0,89
- 23.08.2018, PSA: 7,4
- Antibiose mit Cipro für 10 Tage
- 17.09.2018, PSA: 2,32

Der Urologe will nach 3 Monaten (Dezember) die nächste Messung durchführen. Ich stimme dem zu.

Was soll man davon halten?
1. Mein PSA-Wert ist sehr volatil.
2. Es gibt keine generelle Entwarnung. 2,32 ist immer noch hoch im Vergleich zum Herbst 2015.
3. Es könnte trotzdem ein PCa sein.
4. Die Antibiose hat vielleicht geholfen, den PSA-Wert zu minimieren. Es kann aber auch sein, dass die rektalen Untersuchungen (Finger, Schall) diesen hohen Wert ergeben haben und gar keine Entzündung vorlag. Oder es ist eine Kombination.
5. Ich bin in der PSA-Falle. Steigt der Wert bei der nächsten Messung, dann darf ich das nicht unterschätzen ("Beim letzten Mal ist er ja nach Antibiose gefallen"). Andererseits darf ich den Wert auch nicht überschätzen.

Fazit:
Ich bin heute nicht unzufrieden. Mit einem solchem Abfall hatte ich nicht zu träumen gewagt. Trotzdem wird mich das Thema weiterverfolgen und mindestens bei den anstehenden PSA-Messungen Angst bei mir auslösen.

Euch alles Gute!
Ulrich

dreispitz
04.01.2019, 12:10
Hallo zusammen!

Mein PSA-Wert vom 2.1.19 ist bei 1,04. Hurra! Die Angst hat sich in den letzten Stunden doch merklich gesteigert. Uff.

Ich schreibe das hier, weil es ein Beispiel für stark schwankende PSA-Werte ist, so dass man sich von einem hohen Wert nicht gleich verrückt machen sollte. Ernstnehmen ja, verrücktmachen nein.

Das Thema PCa bzw. Vorsorge wird mich dennoch weiterhin begleiten. Ich bleibe dran und muss das auch, weil die erbliche Komponente (Vater, Großvater) doch gegeben ist.

Euch wünsche ich alles Gute für das neue Jahr. Mögen Eure Wünsche in Erfüllung gehen.

Ulrich