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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erhöhter PSA Wert, gleich Biopsie?



Harry68
16.01.2019, 09:39
Werte Herren,

ich möchte mich heute hier auch vorstellen und Euch um Rat bitten.

Mein Name ist Harald, ich werde dieses Jahr 50.

Rückblickend habe ich schon seit Jahren Probleme beim Wasser lassen.

Immer schon war es für mich nicht einfach zu pinkeln wenn jemand neben mir stand oder ich einfach gesagt keine Ruhe dabei hatte.

Nun kam vor ca. 2 Jahren hinzu, dass ich nachts immer einmal aufstehen musste. All das sorgte bei mir noch nicht für Beunruhigung, was sich allerdings dann im September 2018 änderte, als ich im Urlaub nachts plötzlich 4-5 mal raus musste. Wieder zu Hause beruhigte sich das zwar, aber dafür bemerkte ich, dass wenn ich nachts Wasser lassen wollte, dies bis zu 10 Minuten dauern konnte.
Die Probleme nahmen nun auch tagsüber immer weiter zu und beeinträchtigten zunehmend meine Lebensqualität.

Ich ließ mir einen Termin beim Urologen geben und hatte dort dann im November meine Untersuchung.
Ergebnis, meine Prostata ist ca. 60 ml groß, ansonsten aber unauffällig. Es wurde auch Blut genommen um den PSA Wert zu ermitteln.
Dieser war dann bei 5,5 was mich natürlich extrem aufgeschreckt und verunsichert hatte. Da ich zu dieser Untersuchung wegen einer zurückliegenden Vasektomie auch eine Spermaprobe abgegeben hatte und ich nun las dass dies den PSA Wert beeinflusst haben könnte, ließ ich mein Blut eine Woche später erneut testen, dieses Mal war der PSA Wert bei 5,06.

Der Arzt riet mir zu einem weiteren Test, 6 Wochen später wurde erneut Blut abgenommen. Dieses Mal legte ich auch gleich Wert darauf, dass der Wert des freien PSA auch ermittelt wird.
Eine erneute Untersuchung (dieses Mal auch rektaler Ultraschall) bestätigten die 60 ml Größe, ansonsten war alles unauffällig, außer dass dieses Sch….ding einfach viel zu groß wäre.

Ich wartete zitternd auf die neuen Blutwerte, die ich noch am gleichen Abend telefonisch erhielt.
Der PSA Wert hatte sich geringfügig auf 5,15 erhöht (der Arzt sprach von einem eigentlich unveränderten Wert), der Quotient des freien Eiweiß wäre bei 37%.
Der Arzt glaubt zwar nicht, dass da was ist, riet trotzdem zu einer Biopsie (wird in deren Praxis durchgeführt), um möglichst sicher zu gehen.

Ich hatte nun 3 Werte zur Beurteilung:

PSA Wert: 22. November 5,5 mit 60 Minuten vorher erfolgter Spermaprobe, 26. November 5,06 und nun am 10. Januar 5,15
Prostatadichte: ca. 0,085
PSA Quotient: 37%

Tags darauf konsultierte ich meinen Hausarzt, dem die Werte bereits vorlagen und wollte seinen Rat.
Er sagte mir, als Arzt der alles Mögliche unternommen haben möchte, würde er auch zur Biopsie raten, wenn er aber ich wäre, würde er alle 3 Monate weiter das PSA beobachten und vorerst abwarten.
Er habe einige Patienten mit erhöhtem PSA Wert um 5 und da würde seit Jahren trotzdem alles unverändert und somit gut geblieben sein.

Nun würden mich zu meiner Sicherheit auch noch Eure Meinungen interessieren.
Würdet Ihr aus meiner Situation heraus schon eine Biopsie durchführen lassen?

Zu meinem Probelm mit dem Wasser lassen soviel.
Seit Oktober nehme ich Granufink, was nach mehreren Wochen auch zu einer Verbesserung geführt hatte.
Seit letzten Freitag habe ich nun Alfuzosin verschrieben bekommen, welches ich sehr gut vertrage und mir auch richtig gut hilft. Muss zwar bisher nachts weiterhin 1-2 mal raus, aber bin sehr schnell fertig und wieder im Bett.
Tagsüber, bei max. Wirkung des Medikamentes habe ich wieder mein altes Leben und kann auch wieder mehr trinken ohne dann im Anschluss leiden zu müssen.

Beste Grüsse und danke für Eure Ratschläge.

Harald

Tomilein
16.01.2019, 10:04
Hallo Harald,

deine Prostata hat durchaus ein Volumen welches die PSA Werte erklären könnten. Die Probleme mit dem Harndrang nachts würden dazu passen. Das Problem mit dem Wasser lassen tagsüber könnte aber auch psychischer Natur sein. Das nennt sich dann Paruresis.

Persönlich würde ich in dieser Situation erst mal den weiteren Trend des PSA Wertes abwarten und in kürzeren (6 Wochen) Abständen messen. Wäre ein linearer Anstieg erkennbar könnte man an ein Karzinom denken.

Die Biopsie sollte dann erst am Ende der Diagnosekette, quasi als ultima ratio, stehen. Der Trend geht zu einem vorgeschalteten mpMRT der eine klare Auskunft über den Zustand der Prostata geben kann. Die Einstufung erfolgt in 5 PI-RAD Klassifikationen. Mindesten ab PI-RAD 4 sollte dann eine Biopsie erfolgen.

Die Biopsie sollte dann bestensfalls zielgerichet, unter Fusion des mpMRT und Ultraschall erfolgen. Dies gewährleistet den besten Biopsieerfolg.

Weiter sollte eine Biopsie in der Arztpraxis unter optimalsten Voraussetzungen ablaufen. Dazu gehört heute ein Antibiogramm, da es zunehmend zu Komplikationen wegen resistenter Erreger kommt.

Ansonsten schaue einfach hier im Forum auch ins Basiswissen. Dort findest du viele Informationen.

Thomas

Harry68
16.01.2019, 10:33
Hallo Thomas,

dank schon mal für Deine Antwort.

Speziell Deine Ergänzungen zu dem Thema Parursis sind sehr interessant, kannte ich weder diesen Begriff, geschweige denn dass dies eine "Krankheit" sein könnte. Wieder was gelernt.
Die im Web dazu zu findenden Symtome treffen auf mich zu, ohne die genannten Ursachen hierfür bei mir vorzufinden.

Harald

LudwigS
16.01.2019, 10:46
PSA Wert: 22. November 5,5 mit 60 Minuten vorher erfolgter Spermaprobe, 26. November 5,06 und nun am 10. Januar 5,15
Prostatadichte: ca. 0,085
PSA Quotient: 37%


Der PSA-Quotient 37% (freies PSA/GesamtPSA), wenn er halbwegs stimmt, liegt weit im Bereich der BPH (gutartige Vergrösserung).
Sicher sein kann man sich zwar nie, aber beruhigen würde mich dieser Wert schon.

Gruß Ludwig

Tomilein
16.01.2019, 10:47
Gerne,

Paruresis findet seine Wurzeln meistens in der frühkindlichen Entwicklung. Bei mir konnte meine Mutter ausfindig gemacht werden, die wegen eines hygiene Wahns mir verboten hatte auf fremde Toiletten zu gehen. Bin das Ganze mit viel Überwindung und Konfrontationstraining später los geworden.

Noch ein Wort zur Biopsie. Eine herkömmlichen Biopsie mir 12 Stanzen ist bei deiner Prostatagrösse eine Suche der Nadel im Heuhaufen. Auch ein negatives Ergebnis hätte keine Aussagekraft und würde vor allem keine Sicherheit bringen. Diese hättest du nur wenn das Ergebnis positiv wäre.

Alles Gute!

Thomas

Harry68
16.01.2019, 11:02
Hallo Ludwig,

ich habe am Telefon nur den Quotient von 37% erfahren und diesen auch nochmal sicherheitshalber nachgefragt.
Gehe schon davon aus, dass mir der Arzt den richtigen Wert gesagt hat. Er hatte dabei auch bestätigt, dass dieser sehr hoch und dies positiv sei.

Gruß Harald

MartinWK
16.01.2019, 11:26
Man rechnet mit erhöhtem PSA von 0,3 pro ml vergrößerte Prostata. Eine normal (große) Prostata hat 30ml, bei 60ml wäre dann PSA bis 10 "akzeptabel". Es kann aber auch nur 0,1 pro ml sein und ein Tumor von 0,3ml Größe
(pro ml Tumor rechnet man PSA +3,0). Oder ein PSA negativer Turmor. Aktuell ist jedenfalls kein Therapiebedarf; erst wenn nach einigen weiteren PSA-Messungen die Verdoppelungszeit unter 4 Jahre geht.
Anstelle der abwartenden PSA-Beobachtung kann man auch gleich ein mpMRT machen (wenn Privatpatient oder als Selbstzahler).

Worauf der Urologe offenbar nicht hingewiesen hat: 2-3 Tage vor PSA-Messung kein Sex, keine Ejakulation, kein Radfahren.

Harry68
16.01.2019, 12:32
Worauf der Urologe offenbar nicht hingewiesen hat: 2-3 Tage vor PSA-Messung kein Sex, keine Ejakulation, kein Radfahren.

Hallo Martin,

der Urologe wußte nicht, weshalb ich bei ihm einen Termin gemacht hatte und somit ein PSA Wert gemessen werden soll, geschwige denn, dass ich eine Spermaprobe mitbringe.

Gruss Harald

RalfDm
16.01.2019, 16:33
Hallo Harald,

hat einer der Ärzte schon mal das Wort "Prostatitis" (= Prostataentzündung) fallen lassen? Das könnte auch eine Erklärung für

als ich im Urlaub nachts plötzlich 4-5 mal raus musste
sein. Eine Prostatitis wird mit einem Antibiotikum behandelt.
Das angesprochene "Basiswissen" findest Du übrigens hier (http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/Erster%20Rat.pdf). Lies dort mal auf Seite 17, linke Spalte, zum PSA-Wert in Abhängigkeit vom Prostatavolumen, auf Seite 24ff zur Biopsie und zum Antibiogramm und auf Seite 26, linke Spalte zu Ciprofloxacin, das ist das üblicherweise verwendete Antibiotikum.

Ralf

Harry68
18.01.2019, 08:18
Ich sprach den Arzt auf diese Möglichkeit an, was er aber schell abgewiegelt hatte.
Ich möchte auch ohne Not ungern ein Antibiotikum nehmen, da ich das sehr schlecht vertrage und beim letzten Einsatz vor 3 Jahren eine schwere Hüftgelenksentzündung bekam, die auch Spätfolgen in selbigem hinterlies. Ich habe mir heute mal eine Packung Prosturol Zäpfchen gekauft, die versuche ich mal. Vielleicht tut sich ja was, wenn nicht, dann ist ja nichts kaputt.

Grüße, Harald

Carl70
19.01.2019, 18:46
Ich sprach den Arzt auf diese Möglichkeit an, was er aber schell abgewiegelt hatte.
Ich möchte auch ohne Not ungern ein Antibiotikum nehmen, da ich das sehr schlecht vertrage und beim letzten Einsatz vor 3 Jahren eine schwere Hüftgelenksentzündung bekam, die auch Spätfolgen in selbigem hinterlies. Ich habe mir heute mal eine Packung Prosturol Zäpfchen gekauft, die versuche ich mal. Vielleicht tut sich ja was, wenn nicht, dann ist ja nichts kaputt.

Grüße, Harald

Hallo Harry,

nach meinem Dafürhalten (ich bin Laie!) bestehen bei Dir drei Möglichkeiten:

1. Eine gutartige Prostatavergrößerung ohne Tumor (bzw. mit klinisch insignifikantem Tumor) (wahrscheinlichste Variante),
2. Prostatavergrößerung in Kombination mit Prostatitis (weniger Wahrscheinlich),
3. Klinisch signifikanter (behandlungsbedürftiger) Tumor (am wenigsten wahrscheinlich).

Gegen den Tumor spricht die große Prostata, die den erhöhten PSA-Wert erklären kann, ebenso die Symptome, die auf eine Prostatitis hinweisen können.

Dennoch: Ob ein Tumor da ist oder nicht, musst Du abklären lassen. Wenn ich Du wäre, würde ich nicht lange warten. Die Möglichkeiten, die Du hast, sind Biopsie und/oder mpMRT. Für ein paar Wochen Antibiotika vorher hast Du Zeit. Dies würde ich an Deiner Stelle - trotz Deiner Bedenken - ernsthaft erwägen, denn ein Antibiotikum umsonst ist sicher nicht toll, aber immer noch besser als das mpMRT-Kontrastmittel und/oder die Nebenwirkungen einer Biopsie.

Was würde ich an Deiner Stelle machen? Wenn Du noch nie MRT-Kontrastmittel erhalten hast, würde ich ein mpMRT machen. Wenn Du schon einmal Kontrastmittel hattest, dann würde ich erst eine Antibiotika-Therapie machen und eine Biopsie, wenn der PSA-Wert nicht sinkt.

Da ist aber viel Geschmackssache. Nur Abwarten wäre aus meiner Sicht aber die falsche Lösung. Ich habe bei sowas aber auch keine guten Nerven, wie andere, die ich kenne, die schon seit Jahren mit hohem PSA leben.

Herzliche Grüße und gute Besserung, Carl.

P.S. Als pflanzliches Mittel gegen Prostatitis möchte ich noch Pollstimol in den Ring werfen.

Harry68
21.01.2019, 13:02
Hallo Carl,

danke für Deine Hinweise.
Pollstimol ist leider seit längerer Zeit nicht mehr zu kaufen. Hast Du da weiter helfende Infos?

Beste Grüße Harald

Harry68
01.03.2019, 08:43
Guten Tag zusammen,

ich möchte mich hoffendlich abschliessend noch einmal zu Worte melden.

Ich hatte gestern meine nächste Blutentnahme nach 6 Wochen. Dabeistellte sich überraschend heraus, dass der Wert auf 4,25 gefallen ist.
Nun spricht auch der Arzt nur noch davon es weiter zubeobachten und nun alle 3 Monate das PSA zu prüfen.
Ich vermute, dass die Posturol Zäpfchen tatsächlich eineEntzündung bekämpft haben. Ich werde weiterhin diese nun einnehmen undweiterhin das PSA im Auge behalten.

Ich hoffe das Thema Krebs ist für mich zumindestmittelfristig erst mal erledigt. Gott seis gedankt.

Ich wünsche den Forumsteilnehmern, die nicht das Glück hatten,weiterhin viel Kraft und Erfolg bei Eurem Krankheitsverlauf. Ich weiß nunzumindest ansatzweise wie belastend sowas ist und was in einem vorgeht.


Alles Gute und beste Grüße, Harald

Moormann
09.03.2019, 17:05
berichte aber bitte weiter.

sunpark
10.03.2019, 06:52
Nur auf den PSA Wert würde Ich mich nicht mehr verlassen.
Hierzu kann Ich nur auf meine Geschichte verweisen.Mein PSA wert schwankt seit 9 Monaten hin und her.
Im Sept 18 auf 35 dann runter im dez bis auf 7..
dann im Jan 19 ,1 tag vor Biopsie war er auf 18.
Und nun ,sehr überaschend, am 7 März wurde 4,11 gemessen.
Innerhalb von 5 Wochen ist der Wert von 18 auf 4 gefallen.
Mpmrt hat Pirads 3 und 4 ergeben
Fusionsbiopsie hat Gleason score 7a ergeben
Nochmals ,nur aufgrund eines fallenden PSA Wertes hätte Ich mich auf der sicherer Seite gefühlt.
wünsche dir alles Gute bei deinen Entscheidungen
gruss Pit

Harry68
19.03.2019, 15:06
Komme gerade aus der Uniklinik. Ich habe mich wegen einer Embolisation vorgestellt.
Der gehandelne Arzt sah sich meine PSA Werte an. Seiner Meinung nach auf Grundlage der Prostatagröße eher normal.
Mit Glück bekomme ich die kommenden 2-3 Wochen schon ein Embolisation. In deren Rahmen wird vor dem Eingriff ein MRT gemacht. Somit auch bezüglich Krebs ein weiterer möglicher Ausschluss.

Wenn es jemanden interssiert, kann ich ja hier nochmal von dem hoffentlich efolgreichen Eingriff berichten.

Euch erst mal weiterhin alles Gute!!

Harry68
09.07.2019, 07:39
Guten Tag zusammen,

möchte kurz von den zurückliegenden Monaten berichten, fürdie die es interessiert.
Anfang April erfolgte die Embolisation meiner Prostata. ImRahmen der Voruntersuchung wurde die Größe meiner Prostata mit 90ml gemessen.
Es gab Komplikationen mit dem Katheter, der Eingriff mussteeinige Tage verschoben werden und ich nach dem Eingriff 2 Wochen einen Kathetertragen.
Nach dessen Entnahme war urinieren deutlich einfachermöglich. Leider verschlechterte sich dies aber Woche für Woche.
Nach 3 Monaten war es wieder so wie vor dem Eingriff.
Allerdings kam ich dem vermutlichen Grund auf die Spur.
Ich hatte nach dem Eingriff weiterhin meine Prostata Medikamenteeingenommen, da ein kurzzeitiges Absetzen zu einer spürbaren Verschlechterungführte.
Diese Medikamente verbessern aber, wie ich vor 2 Wochen erfahren konnte, die Durchblutungder Prostata, so dass ich den Effekt der Embolisation mit den Medikamenten zumTeil wieder aufgehoben hatte. Ich setzte daraufhin diese ab, hatte dann auch 2schwere Tage zu überstehen, anschließend aber wurde es Tag für Tag besser. Esschwankt zwar ein wenig, grundsätzlich geht es mir im Moment aber ohneTabletten besser als noch vor 3 Wochen mit.
Im Zuge der Untersuchung von vor 2 Wochen hatte ich mein PSAauch wieder messen lassen, der aktuelle Werte war 3,79.
Ich hoffe nun, dass der Eingriff noch von Erfolg sein wirdund mein leidiges Problem bald der Vergangenheit angehört.

Euch weiterhin alles Gute!!!