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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Strahlenproktitis, Z.n Prostatalogenbestrahlung, Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO)



Uli49D
22.04.2019, 12:42
Im folgenden eine Darstellung aus meiner Sicht.
2015 ProstataOP und Prostatalogenbestrahlung IMRT Ingesamt 70 Gy (!). Nach relativ beschwerdefreiem Intervall dann Mitte 2018 Feststellung einer Strahlenproktitis.
In diesem Forum las ich damals von der Hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) als Heilungsmöglichkeit. Leider erwies sich die dahingehende (wenn auch durchaus sachliche) Verhandlung mit der Krankenkasse bislang nur als Zeitverlust mit unbestimmten Ergebnis.
Nach halbjährigem Abwarten/Beobachtung keine Besserung des Krankheitsbildes! (Noch dazu mit langfristig eher düsteren Aussichten). Daher habe ich mich für den Start der HBO (Selbstzahler) entschlossen.
Positiv: Die HBO ist eine "nichtinvasive Therapie".
Erfreulich: Bereits nach drei Wochen "HBO" Zustand subjektiv (!) eindeutig positiv (Wegfall von Blutauflagerungen am Stuhl, Wegfall von zeitweise auffälligen Bauchschmerzen im Unterbauch).
Inwieweit eine Konsilidierung/Remission erreichbar ist, wird sich zeigen.
Der Behandlungsplan (insgesamt 40 "Tauchgänge" in der Druckkammer) orientiert sich an den Richtlinien der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) und den Empfehlungen der Undersea und Hyperbaric Medical Society (UHMS): 2,4 bar Maximaldruck, Gesamtzeit 125 min, Gesamtsauerstoffzeit (Maske) bei Maximaldruck 90 min. Dies als Hintergrundinformation. Weiteres dann demnächst.
Mit freundlichem Gruß
Uli

Lothar M
23.04.2019, 07:33
Hallo Uli,

auch ich schlag mich schon während und nach meiner IMRT im Sommer letzten Jahres mit Rektumblutungen herum.
Den Durchfall während der RT bekam ich mit Flohsamenschalen in den Griff.
Vor 2 Monaten hatte ich beim Gastroenterologen einen Hämorrideneingriff, wobei keine Strahlenproktitis festgestellt wurde.
Zur Zeit nehme ich Zäpfchen bzw. Salben: DoloProsterine und Mucokehl.
In der Apotheke sagte man mir, dass es ein verschreibungspflichtiges Zäpfchen mit Cortison gibt.

Welche Salben oder Zäpfchen hast Du genommen?
Wo wird die HBO angeboten und wie hoch sind die Kosten?

Ich wünsche Dir vollen Erfolg mit Deiner Behandlung.

Viele Grüße

Lothar

Lothar M
24.04.2019, 09:04
Zu den Kosten (130 € je Anwendung) und der Erstattungssituation habe ich folgende Informationen der Uniklinik Düsseldorf gefunden:

https://www.uniklinik-duesseldorf.de/patienten-besucher/klinikeninstitutezentren/hyperbare-sauerstofftherapie-hbo/kosten-und-kostendeckung-der-hbo



Hier sind Informationen des VDD zur Behandlung von Bestrahlungsspätfolgen:

https://www.vdd-hbo.de/bestrahlungsspaetfolgen/

Gruß

Lothar

Guenter77
26.04.2019, 13:02
Anlässlich einer Darmspiegelung wurde bei mir die Strahlenproktitis bestätigt. Der Arzt bot mir zur Behandlung dieser Proktitis (ca. 10 cm Ausbreitung) eine Koagulationstherapie mittels einer APC-Sonde vor. Nun meine Frage:
Hat jemand von Euch schon diese Behandlung bei einer Strahlenproktitis gehabt und wenn ja, welche Erfahrung habt Ihr mit dieser Behandlung gemacht ?

Isbjørn
26.04.2019, 20:09
Hallo, Günter,
Mein fortgeschrittenes PCa (4+5) wurde 2007 mit 73,8 Gy 3D-konformal bestrahlt. Samenblasen und Sicherheitssaum eingeschlossen. Ein Jahr nach der Therapie trat eine Makrohämaturie in der Blase auf, im Bereich der mitbestrahlten Samenblasen. Nach einer Blasenspiegelung, die den Schaden optisch sichtbar machte, entschied sich mein Urologe, der auch chirurgisch tätig ist, für eine Koagulation der entsprechenden Passagen. Unmittelbar danach stand die Blutung . . . bis heute. Die koagulierten Bereiche sind natürlich nicht mehr so dehnungsfähig wie normal, so dass die Blase insgesamt (gefühlt) etwas weniger Inhalt verträgt als vorher. Aber damit kann ich sehr gut leben. In wieweit dieses Verfahren auch im Bereich des bestrahlten Darms erfolgreich sein kann, müsste eigentlich dein Arzt wissen.

Beste Wünsche aus Berlin
Knut

Uli49D
27.04.2019, 17:18
Ergänzung zur HBO
In meinem Betrag zu HBO-Therapie wollte ich diese als insbesondere als "nichtivasive Behandlungsalternative" nach Strahlentherapie hervorheben.
Dazu vgl. dazu im Ärzteblatt 2016 https://www.aerzteblatt.de/archiv/175643/Strahlen-und-Hormontherapie-des-Prostatakarzinoms
..." für schwere Nebenwirkungen steht mit der hyperbaren Sauerstofftherapie eine in einer randomisierten Studie geprüfte Therapieoption zur Verfügung..."
In diesem Zusammenhang sollte man sich den persöhnlichen Betrahlungsplan der Prostatalogenbestrahlung und die darin benannten medianen Werte für die benachbarten Organe ansehen. Sieht in meinem Fall bei 70 Gy im Kernbereich drumrum nicht gerade rosig aus. Falls also wie in meinem Fall im ungünstigsten Bereich des Darms eine akute Proktitis begonnen hat wären die benachbarten (z.B. Darm)Bereiche quasi die nächsten.... Da das Behandlungskonzept der HBO auf eine Wiederherstellung aller von der Bestrahlung geschädigten Blutkapillaren ziehlt ist das in jedem Falle ein guter Investition für die Zukunft.
Das war dann auch mein Entschluß zum sofortigen Beginn der HBO Therapie als Selbstzahler.
Mit freundlichem Gruß
Uli

Benedigt
12.05.2019, 12:21
Hallo Lothar,
ich bin auch Betroffener ,nach meiner Bestrahlung 2011, 73gy habe ich seit ca.3 Jahren peranale Blutungen dadurch Hb Abfall der nur durch ständige
Bluttransfusionen (ca.2Stck./Monat) .Der Hb wird bei mir zwischen 10-11 gehalten(ich habe zu allem Elend noch COPD GOLD 4)
Deine Frage bez.Cortison: Ich habe ca.3 Wochen Budenofalk uno 9mg genommen.(1-0-0)Der Wirkstoff ist BUDENSNIT.
Nach Rücksprache mit meiner Apotheke werde ich ab Mo.d 13.05.Zäpchen mit 3 mg Budenosit versuchen,die Zäpchen werden in der hergestellt.
Der Wirkstoff ist nicht mehr als Zäpfchen verfügbar.
Der Hintergrund dieser Aktion : Cortison möglichst niedrig zu halten.
Zur Zeit nehme ich Engmaschig Budenofalk 3 mg 3-0-0
Ich nehme engmaschig Stuhlproben für Hemoccult-Test,das Ergebnis werde ich am Freitag d.17.05.2019 haben.
Gruß
Benedigt aus Ludwigshafen

flüstermann
12.05.2019, 13:31
Mich hat es 1,5 Jahre nach Bestrahlungsende auch erwischt, mittels APC (Argon-Plasma-Coagulation) behandelt (2 Sitzungen mit a 12 und 6 "Schweißstellen"), aber seither Ruhe.
Auch eine später erfolgte Koloskie zeigte keine weiteren Schäden.

Zur Vorbeugung nehme ich Movicol u. a. auch wegen meiner Bauchfell-Dialyse um den Stuhlgeng weich zu halten.


lg

Lothar M
12.05.2019, 19:52
Hallo Benedigt,
Dich hat’s ja schwer erwischt.
Wie war Dein Befund beim Gastroenterologen?
Bei mir wurden keine Bestrahlungsschäden diagnostiziert, jedoch eine Hämorride entfernt.
4 Wochen später deutliche Spuren von roten Blut im Stuhl.
Da ich schon zwei Darm-OPs hinter mir habe (Darmfissur, Hämorrhoiden) kannte ich das postoperative Blutungsproblem.
Peinliche Sauberkeit (kein Klopapier, keine Seife) kalte Analwaschungen, Mullkompresse, Wundsalbe (Panthenol, Zinksalbe, Hametum)
Es wird allmählich besser. Vielleicht nehme ich später noch eine Cortisonsalbe gegen die Wundentzündung.
Ich werde weiter berichten.

Liebe Grüße und Heilung

Lothar

Lothar M
13.05.2019, 10:31
Hallo,
nachstehender Link enthält Informationen zur Wundpflege und -behandlung im Analbereich.

https://www.vivantes.de/fileadmin/Klinika/HUK/Koloproktologie/Vivantes_HUK_Koloproktologie_anale_Operationen.pdf

Viele Grüße

Lothar

Benedigt
14.05.2019, 08:20
Hallo Lothar,
zur Info.bez. Gastro :Ich wurde seit Anfang der peranalen Blutungen im UKMannheim 6 X APC koaguliert +2 X mit 6%iger Formalinlösung
1 X Versuch das Ulcus im Enddarmbereich mit Schlinge zu behandeln.
Das deprimierende Ergebnis :Weiter peranale Blutungen!!!
Zur Zeit versuche ich Budenofalk (Wirkst.: BUDESONID)3X 3mg 3-0-0.
Auswertung Haemoccult-test am 13.05. vom HA ---in ca.30% der Stuhlproben(Proben engmaschig seit 01.05.-13.05.)
Werde noch einen Versuch mit Budesonit als Zäpfchen 3mg Wirkstoff machen.
Ich erwarte eigentlich keine Korrektur,aber die Hoffnung usw._____
Morgen am 15.05.habe ich bei meinem Lugenarzt eine Termin,ich werde erfragen ob für mich(24 h Sauerstoffpflichtig)eine HBO Behandlung möglich ist?
Meine Onkologin ist mit dem Thema Strahlenproktitis überfordert,sie begnügt sich damit den HB zwischen 10-11 mg /l zu halten.
Viele Grüße aus Ludwigshafen
Benedigt

PS : Um den Mi.sinnvoll zu gestalten bekomme am Vormittag eine Blutkonserve ,und der Tag ist gerettet!!!
in Frage kommt.

Uli49D
18.05.2019, 19:35
Hallo

hier für Interessenten eine Info zu Risiken und Nebenwirkungen der HBO
https://hbo-aachen.de/hbo-therapie/nebenwirkungen/

Aus eigener Erfahrung:
Das Atemsystem plus Kreislauf sollte belastbar sein (wenn man ein bisschen Sport macht, ist das eigentlich gegeben)
Problem: Schon ein leichter Infekt ("Husten") - erst recht mit daraus resultierender Ohrentzündung, Stirnhöhlenentzündung usw. usw. ist eine absolute Gegenanzeige.
Wenn dann alles wieder o.k. ist - plus Sicherheitszeit - (Abklärung vorab beim Facharzt, z.B. HNO), kann man die ausstehenden Behandlungen lt. Behandlungsplan problemlos weiterführen.
Das endgültige o.k. liegt natürlich beim Mediziner des Druckkammerbetreibers.
Mit freundlichem Gruss
Ulli

Uli49D
16.06.2019, 22:02
Hallo,
Ergänzung inbezug auf Proktitis vs. HBO

- Inbezug auf strahleninduzierte Proktitis und Behandlungsmöglichkeit durch HBO möchte ich auf diese Arbeit aufmerksam machen

„Behandlung radiogener Spätfolgen durch HBO ( Hyperbare Oxygenierung ). Eine Beobachtungsstudie bei 80 Patienten“
https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-2659/659.pdf

- Zur eigenen Einordnung als PK- Patient (vor der Entscheidung für Bestrahlung oder eben danach) ist es interessant, in der Arbeit „Spätfolgen nach Radiologischer Behandlung“ nachzulesen. U.a. ist auch eine Übersicht über das im Fachbereich gebräuchliche „Staging“ nachzulesen)

„Aktuarische intestinale und urologische Grad II/III-Spättoxizität nach definitiver, konformaler Bestrahlung von Patienten mit Prostatakarzinom“
https://mediatum.ub.tum.de/doc/673885/673885.pdf

Mit freundlichem Gruß
Uli

Uli49D
24.07.2019, 20:06
Hallo an alle Interessierten
hier eine aktuelle Info einen Monat nach abgeschlossenen HBO- Behandlung d.h. 40 Sitzungen per HBO-Druckkammer- (zunächst erstmal als "Selbstzahler").
Das Befinden ist gut- auffällige Schmerzen im Bauchbereich sind verschwunden(!).
Blut am Stuhl aktuell äußerst selten(bzw. optisch nicht auffällig).
Nach Information der behandelnden HBO- Ärzte ist eine Kontrolle d.h. Nachsorge in einer Proktologischen Praxis erst nach mehr als 6 Wochen nach Abschluß der HBO sinnvoll.
Summa summarum subjektiv: Bin derzeit sehr zufrieden...
Unabhängig davon bleibt die weitere PCA-Routinekontrolle beim Urologen bestehen (Staging war pTb3, Gleason 9).
Mit freundlichem Gruß
Uli