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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das erste Jahr ...



vampire
05.01.2007, 22:48
ist geschafft. Knapp ein Jahr ist es jetzt her (16.Jan.06) wo mir der A....auf Grundeis ging. Nach der Diagnose brach erst einmal eine Welt für mich zusammen. Ich... und Krebs...kann nicht sein.. bin doch erst 47 Lenzen. Nach regem Lesen in verschiedenen Foren wurde es eigentlich immer schlimmer da man immer nur negatives und nie positives zu Lesen bekam. Nach ein paar Tagen nach der Diagnose habe ich mich aber wieder eineigermaßen beruhigt und bin sachlich an die Sache herangetreten. Ich habe mich dann für die Prostatektomie entschieden und bin heute froh dafür. Die Nacht vor der OP war nochmal echt schlimm, weil ich mir total die Gedanken machte...was wird der Chirug vorfinden?...Lymphknoten befallen?..dann werde ich wieder zugemacht und eine andere Therapie ist notwendig (eine die mir nicht so gefallen würde..da nicht mehr kurativ)...wird es ein "R1-Befund" geben und ...und... und.... Ich hatte in dieser Nacht Rotz und Wasser geheult.
Nach der OP, als ich aufwachte, sah ich meinen Chirugen und fragte ihn gleich scherzhaft, wie lange ich noch zu leben hatte. Er lachte nur und sagte " kein Lymphknoten befallen, R0 .. Rest kommt mit dem Histologischen Gutachten. Leute...von da an war ich fast wieder der Alte. Wenn mich jemand nach meiner Diagnose fragt sage ich nur...ich HATTE ein PCa ... Ich fühle mich pudelwohl bis auf die Tage vor meiner "3 monatigen Untersuchung". Da mache ich mir halt immer Gedanken um den PSA-Befund. Ich lasse mir deswegen 3 Tage vor dem Arzttermin Blut entnehmen, damit ich die Werte bis zur Untersuchung schon weiß.

Warum ich dies alles schreibe? Na ja, ich finde das man halt auch mal was erfreuliches (Im Sinne von...vielleicht habe ich es ja geschafft) schreiben sollte. Klar ist mir auch, dass nach einem Jahr noch lange nicht wieder alles gut ist, aber ich denke possitiv und für mich ist es vorbei und lebe mein Leben fast wieder normal und möchte auf diese Weise anderen, die vielleicht wie ich damals wie wild in jedem Forum lesen, etwas Mut geben.

Martin
06.01.2007, 07:55
Schön, diese positiven Zeilen zu lesen, die sicherlich
dem einen oder anderen ein gutes Beispiel sind und
Mut machen können,
Martin

vaukaa
06.01.2007, 16:19
Hallo zusammen,
manchmal erstarre ich vor Erfurcht vor dem gesammelten medizinschen Wissen der Forumsteilnehmer (ich gestehe, meistens bin ich einer der Mitleser) Ich fürchte, wenn ich was zu meinen Problemchen schreibe, ist es zum Gähnen banal. Im Gegensatz zu Winfried (bspweise) geht es mir nach meiner RPE glänzend und ich hoffe, das wird auch so bleiben. Heute habe ich nach der ersten PSA Bestimmung 0,00 (3 Monaten nach OP) und bin kontinent, wenn auch nicht potent. (Ziemlich schlabbrig noch das Ganze, trotz Viagra...) Aber das war ja auch keine Mandelentzündung...
Ich wünsche denen, die weitaus mehr Probleme haben, alles, alles Gute, viel Kraft und Mut und dass alles so wird, wie sich der Einzelne das vorstellt.

Herzliche Grüße
Volker

Jürgen M.
07.01.2007, 10:44
Hallo Volker,

Servus aus LANDSHUT

Zu Deiner Geschichte kann man nur gratulieren. Du hattest vermutlich einen der besten Operateure auf diesem Gebiet und eine nicht allzu aggressive Erkrankung. Ich hatte damals bei meiner OP in einen Bettnachbarn mit ähnlichen Vorbedingungen. Der ging ebenfalls mit PSA 0,00 aus der OP raus und hat es wohl auch geschafft. Bei mir und vielen anderen Betroffenen, die sich hier im Forum äußern geht es um HOCHRISIKO bei JÜNGEREN Betroffenen. Da schaut es dann meistens anders aus und wir haben zu kämpfen, da die Therapien und sonstigen Anstrengungen wie Alternativ-Methoden oder auch Nahrungsergänzung nicht so effektiv greifen als bei weniger aggressiven Werten. Das Spektrum bei Prostatakrebs-Erkrankungen ist eben sehr weit gefächert, was ich vorher auch nicht wußte. Ich sehe das deutlich in unserer Selbsthilfegruppe, wo viele, meist schon ältere Betroffene "über dem Berg" sind und die Probleme eines jüngeren Hochrisikopatienten gar nicht richtig verstehen (wollen).
Ich schlage vor, für HOCHRISIKO-Patienten eine eigene Kategorie einzurichten. Bei PCRI in Amerika gibt es dazu einen eigenen Menüpunkt:
HIGH RISK PC mit gebündelten Informationen zu diesem wichtigen Themenbereich, vor allem, wenn die Krankheit fortschreitet.

Schöne Grüße
Jürgen M.

Michael
07.01.2007, 12:58
Ich hatte damals bei meiner OP in einen Bettnachbarn mit ähnlichen Vorbedingungen. Der ging ebenfalls mit PSA 0,00 aus der OP raus und hat es wohl auch geschafft. Jürgen M.

Auch ich habe die Klinik mit PSA=0,00 verlassen, habe es aber leider nicht geschafft. Aber es muß nicht jedem so ergehen.
Gruß
Michael

mike1160
17.01.2007, 17:36
Hallo vampire,

meine bisherige Krankengeschichte (oder sollte man nicht positiver Gesundungsgeschichte schreiben?) entspricht fast deiner: 46 J. bei OP, T3aNoMoRo (GS 8), allerdings bds. nichtnervschonend operiert. Körperlich und psychisch geht es mir (nach kleineren Tiefen, die aber jede für sich auch wichtig waren) gut. Ich freue mich an dem, was ich habe und was ich tun kann.

Ich glaube auch, dass der Tenor hier im Forum stärker die Probleme, die Zweifel und die Schrecknisse eines fortschreitenden Befundes in den Vordergrund stellt - aber die davon Betroffenen haben zweifelsohne auch mehr Fragen und benötigen komplexere Antworten.

Trotzdem sind Beiträge wie deiner sehr wichtig: Ohne Hoffnung und ohne positives Arbeiten gegen den (aber auch mit dem) Krebs geht es definitiv nicht!

Mike

wassermann
17.01.2007, 19:16
hallo, Ihr beiden!
Glückwunsch zum bisherigen Verlauf. Auch mir geht es soweit bestens bisher.
Ich arbeite seit der 7. Woche nach der OP wieder voll. Nun habe ich gehört bzw. gelesen, dass man mit T3 zu 80% erwerbsunfähig sein soll/kann. Ist denn die Krankheit meldepflichtig dem Arbeitgeber gegenüber?
Habt Ihr davon Ahnung bzw. Erfahrung damit? Habt ihr euch einen Schwerbehindertenausweis geholt? Ich schrecke davor zurück. Fühle mich nicht "behindert" und glaube, es tut der Psyche nicht gut.
Wie halten es andere?

Alles Gute

wassermann

Horst a
17.01.2007, 20:57
Hallo Wassermann,
es kann sein, dass es der Psyche abträglich ist, aber der Schwerbehindertenausweis ist auch eine Sicherheit für Dich. Wenn Du noch arbeitest, hast Du einen viel besseren Kündigungsschutz. Wenn es Dir schlechter gehen sollte und Du in Rente gehen musst, ist es leichterfür Dich.Du bekommst mehr Urlaub und immer einen Sitzplatz in der Bahn. Ausserdem hat man bei einigen Veranstaltungen Ermässigung beim Eintritt.Es ist also nicht alles schlecht.
Überleg es Dir.
Horst a

Michael
18.01.2007, 00:33
Fühle mich nicht "behindert" und glaube, es tut der Psyche nicht gut.
Wie halten es andere?
wassermann

Ich habe einen Schwerbehindertenausweis mit einem GdB (Grad der Behinderung) von 90 % und finde es sehr gut. Abgesehen von vielen Vergünstigungen gibt es auch noch einen Pauschbetrag für Schwerbehinderte ab 50 % bei der Einkommenssteuererklärung.
Es erleichtert ein wenig den Rest zumindest meines schon sehr stark qualitätsreduzierten Lebens.
Aber ich finde es toll, wenn Du die Vorteile nicht brauchst, man muß schließlich nicht alle Prvilegien nutzen, die einem angeboten werden, wenn man es subjektiv nicht vertreten kann.
Schönen Gruß
Michael

mike1160
18.01.2007, 06:44
Hallo Wassermann,

ein GdB von 80 alleine für das Prostatakarzinom ist korrekt, wenn das Stadium T3 vorliegt. Ich habe mir den Ausweis ausstellen lassen:

1. Fünf Tage mehr Urlaub - die nutze ich für Entspannungs-, Sport- und Wellnesszeiten mit meiner Frau.
2. Besonderer Kündigungsschutz (z.B. Kündigung wegen Erkrankung) - man(n) weiß nie, was kommt!
3. Steuerliche Erleichterungen: U.a. trifft einen dann die gekürzte Entfernungspauschale nicht, weil ab GdB 80 auch weiterhin jeder zurückgelegte (!!) Kilometer angegeben werden kann.
4. Ich arbeite bei einer Körperschaft, hier haben Stellenbewerber mit Behinderung "bei gleicher Eignung" eher bessere als schlechtere Chancen.
5. Und: Ich gebe den Ausweis mit größtem Vergnügen wieder zurück, wenn ich nach 5 Jahren ohne Rezidiv sein sollte .. ;-) !

Schönen TAg noch

Mike

wassermann
18.01.2007, 14:55
Danke für eure Hinweise. Werde mir das doch auch überlegen.

Nochmal nachgefragt: Ist man verpflichtet, die "Behinderung" beim Arbeitgeber anzugeben, wenn man keinen Schwerbeschädigtenausweis hat? Wer weiß das?
Ich stelle die FRage auch in die eigentlich zuständige Abteilung!

Alles Gute
Wssermann

WinfriedW
18.01.2007, 15:12
@Wassermann

Nein, du brauchst mit und ohne Schwerbeschädigtenausweis den Arbeitgeber nicht über deinen Gesundheitszustand zu informieren.

Wenn jedoch dein Arbeitgeber nicht informiert ist, kannst du auch nicht die mit der Schwerbehinderung verbundenen Vergünstigungen (Urlaub, Kündigungsschutz) in Anspruch nehmen.

WW

wassermann
18.01.2007, 15:28
@winfriedw

Danke, das wollte ich wissen. DAss es ohne Meldung keine Ansprüche gibt, ist selbstverständlich.

Alles Gute

BurgerH
19.01.2007, 09:06
Hallo Wassermann,

der Grad der Schwerbehinderung auf dem Schwerbehindertenausweis hat direkt nichts mit der Erwerbsunfähigkeit zu tun.

Die Erwerbsunfähigkeit wird in einem eigenen Verfahren auf Antrag hin von den Rentenversicherungsträgern ermittelt oder bestimmt.

Gruß

Hansjörg Burger
SHG Prostatakrebs Rhein-Neckar

Michael
19.01.2007, 09:49
Hallo Wassermann,

der Grad der Schwerbehinderung auf dem Schwerbehindertenausweis hat direkt nichts mit der Erwerbsunfähigkeit zu tun.


stimmt genau!

Heribert
19.01.2007, 12:27
Hallo BurgerH


der Grad der Schwerbehinderung auf dem Schwerbehindertenausweis hat direkt nichts mit der Erwerbsunfähigkeit zu tun.

Die Aussage ist zunächst einmal so korrekt. Nach meinem dafürhalten müssen jedoch zwei Umstände bedacht werden.

Hat die Schwerbehinderung Auswirkungen auf die Tätigkeit oder werden durch die körperliche Schwäche Mitbeschäftigte oder er selbst gesundheitlich gefährdet?
Hat der Betrieb wegen seiner Größe die Verpflichtung Schwerbehinderte zu beschäftigen und muss er wegen der "Nichtbeschäftigung" Abgaben entrichten?In beiden Fällen besteht nach meiner Auffassung die Pflicht des behinderten Arbeitnehmers zur Offenbarung. Im ersten Fall sogar, wenn kein entsprechender Ausweis vorliegt.

Gruß Heribert

Eren1950
28.01.2007, 14:29
Lieber Wassermann,

Aus eigener Erfahrung kann ich so einen Behindertenausweis nur empfehlen. Ich habe mit 50% selbst einen und war mir sehr hilfreich bei einer Auseinandersetzung mit meinem Arbeitgeber!
3 Tage zusätzlicher Urlaub im Jahr ist auch nicht zu unterschätzen...

LG
Eren