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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : PSA-Rückgang + Testosteron-Anstieg



Harro
22.01.2007, 20:07
Hallo, wegen der bevorstehenden Cholin-PET/CT+eMRT hatte mir Prof. Reske geraten, bis zum Tag der Untersuchung mein Dauermedikament Proscar wegzulassen.
Mein PSA-Wert betrug am 14.12.2006 8.86 und Testosteron 5.02.
Ab 15.12.2006 habe ich Proscar abgesetzt.
Wegen des hohen PSA-Wertes wollte ich bis zur möglichen IMRT etwas machen und habe ab 11.1.2007 wieder täglich 1 x Proscar genommen und
zusätzlich 1 x Casodex 50 mg.
Die heutigen Werte sind wie folgt: PSA 5.11 und Testo 8.23
Bei meinem heutigen Gespräch in der Mannheimer Uniklinik wegen IMRT habe ich Herrn Prof. Lohr wegen dieser neuen Werte angesprochen,
und er meinte, ja natürlich können sie noch mal 7 Jahre ohne OP oder Bestrahlung auskommen und dann vorher z. B. von einem Auto überfahren werden. Man steckt da einfach nicht drin. Also erst Bestrahlung mit evtl. Übertherapie und dann bei Rezidiv DHB oder weiter DHB bis es nicht mehr geht und dann Bestrahlung. Also Mannheim wäre bereit, die IMRT zu machen, und zwar ohne Abstriche.

Im Jahre 1998 wurde ein bekannter Unternehmer in eine hiesige Klinik
mit einem PSA von 3000 und einer ziemlich unbrauchbaren Wirbelsäule eingeliefert. Man gab ihm noch 4-6 Wochen bis zum Ableben. Der Mannn war 78. Der Sohn, ein Mediziner ohne Arztpraxis ließ seinen Vater per Krankenwagen abholen und versorgte ihn privat mit unzähligen Aufbaupräparaten. Im Jahre 2003 habe ich häufiger mit diesem Herrn telefoniert und seine Frau wunderte sich immer, warum mir mein PSA zwischen 11.4 + 17.08 solches, wie sie manchmal meinte, doch unnötiges Kopfzerbrechen bereitete. Im Sommer letztes Jahres gab es wohl wieder PSA über 1000 und wir sprachen über Proscar. Dieser Mann kann seit 2005 wieder vorsichtig ohne Krücken laufen und nimmt seit Sommer 2006 täglich 2 x Proscar und Flutamid. Vor Weihnachten empfahl er mir, doch die DHB hinauszuzögern und nur Proscar mit Flutamid zu nehmen, sein PSA seit Anfang Dezember 2006 wäre 7.2.

Nun, ich habe das schon bezogene Flutamid verschenkt und Casodex genommen, weil ich es bisher gut vertragen habe. Vielleicht gibt es beim PK auch noch kleine Wunder. Die IMRT habe ich nun für März ins Auge gefaßt, weil ich vorher noch 2 schon gebuchte Urlaubsreisen antreten möchte.
Heute war ein schöner Tag für mich mit dem obigen Ergebnis.
Gruß Hutschi

HansiB
23.01.2007, 11:54
Hallo Hutschi,

ich nehme an der alte Herr ist weder operiert, noch bestrahlt und hat auch keine Chemo bekommen. Wobei diese PSA Entwicklung sehr suspekt ist und eine konkrete Nachprüfung erforderlich wäre.

Harro
23.01.2007, 16:07
Hallo Hansi, es ist richtig, keine Operation keine Bestrahlung, keine Chemo. Der alte Herr ist selbst Mediziner, Vegetarier und ständiger Bezieher aller möglichen Ärztezeitungen etc.. Für mich ist das Ganze auch ein großes Rätsel. Natürlich war er nie zu Vorsorgeuntersuchungen, weil er als asketischer Mensch und wegen streng gesunder Ernährung in jede Richtung wohl glaubte, nie krank zu werden. Es war für alle Beteiligten, ob Familie oder Mitarbeiter damals kaum faßbar, daß es plötzlich so einen Knall gab. Bei meinen Telefongesprächen mit ihm habe ich auch immer wieder verwundert zum Ausdruck gebracht, daß es für nicht nachvollziehbar ist, nachdem ich nun so viel über PK weiß, eine solche verheerende Ausgangs-
situation zu überleben. Er mag nicht gern auf zusätzliche Fragen angesprochen werden. Er hat aber das von mir auch nach Ende der DHB noch weiter eingenommene Proscar zu seinen vielen Bio- und Naturheilprodukten hinzugenommen. Ich weiß allerdings konkret, daß er sich selbst unaufhörlich mit Heilprakterwissen beschäftigt und wohl dieses Wissen auch in seine Eigenbehandlung einfließen läßt. Er hält sehr viel von Hyperthermie und hat wohl in dieser Richtung auch etwas für sich getan.

Bitte, sei zufrieden mit dem oben Geschilderten, denn das Ganze ist so komplex, und ich möchte ihn nicht weiter drängen, mir mehr zu offenbaren. Nur die PSA-Werte auf gezeichneter Tabelle habe ich vor einigen Jahren mal eingesehen.

Gruß Hutschi

knut.krueger
23.01.2007, 20:41
Hallo Hutschi,

Hast Du auch einen Sohn, der Mediziner ist, und Dich dann per Krankenwagen abholt, wenn Du in Schwierigkeiten bist? Wenn nein, dann würde ich mit der IMRT beginnen.

Gruß Knut.

Harro
24.01.2007, 09:10
Hallo Papa Knut,

natürlich ziehe ich die IMRT nun durch, nachdem Mannheim die Bereitschaft hierzu signalisiert hat. Als Termin habe ich Mitte März vorgesehen und werde noch heute mit Prof. Wenz einen genauen Plan abstimmen. Per direkter E-Mail bin ich allerdings auch noch von Experten darauf aufmerksam gemacht worden, daß durch die Bestrahlung gleich welcher Art die erhebliche Gefahr der Entstehung eines anderen Krebses evtl. in Kauf genommen werden muß. Nierenkrebs und Leukämie werden mir genannt. Ein guter Bekannter hatte nach Brachy + Afterloading das Nierenproblem und mußte per Blaulicht in die Klinik, um in 2 Sitzungen über 10 Liter Urin abpumpen zu lassen, nachdem fast nichts mehr ging. Kreatinin über 5, was sicher auch auf eine begleitende Zometabehandlung zurückgeführt werden kann. Aber nichtsdestotrotz - nevertheless - ich stehe nun dazu, wenn auch mit bangen Erwartungen.

Herzliche Grüße Hutschi

knut.krueger
24.01.2007, 09:57
Hallo Hutschi,

die von Dir geschilderten Fälle sind Extremfälle und kommen sicherlich sehr selten vor. Gerade was Nebenwirkungen betrifft, bis Du mit der IMRT noch einmal in einer besseren Position. Dein Bericht über Mannheim klang auch nicht sehr begeisternd und überzeugend, so dass meine Empfehlung ist, sich doch einmal Nordhausen anzusehen. Vielleicht springt dort der persönliche Funke über, und Du findest die menschliche Wärme, die Dir bei einer Therapie ja wichtig ist. Auf jeden Fall würde dieser Besuch Deinen Erfahrungshorizont erweitern und dann auch in der Entscheidung stärken, ob IMRT die richtige Therapie für Dich ist.

Gruß Knut.

Bernhard A.
24.01.2007, 19:57
Hallo Hutschi !

Ich bekam Äußere Bestrahlung und Afterloading und hatte, bis auf Kleinigkeiten, keine Nebenwirkungen. Und so eine zuvorkommende Atmosphäre wie in der Klinik (in der ich behandelt worden bin) habe ich noch nie wieder gefunden.
Nähere Angaben findest Du in meinem Profil.

Gruß
Bernhard A.

Harro
20.03.2007, 18:18
Neuer PSA-Wert,
Hallo Knut, hallo Bernhard,

inzwischen sind nun fast 2 Monate vergangen, und das PSA (es heißt ja das Antigen) hat sich, wie von mir erhofft tatsächlich über 5.11, dann 1.22 und nun heute morgen auf 0.86 reduziert. Also, die "good guys" hätte ich dann ja wohl alle erwischt. Bleibt nun ab Montag Gelegenheit für die hoffentlich strahlenempfänglichen ploiden Krebszellen, gleich welcher DNA-Verteilung, den Kampf mit den Grays aufzunehmen.
Heute erreichte mich noch ein Bericht von einem Teilnehmer an einer SHG - Runde, bei der von einem Strahlenspezialisten ein Vortrag über IMRT gehalten wurde, wonach es 2 Planungen geben könnte. Einmal als 3 D und einmal als IMRT. Danach würde entschieden, welches Verfahren für den Patienten von Vorteil sei.
Wenn sich die Lage - der ja leider auch im Ruhestand sehr beweglichen Prostata - verändert, würde das Umfeld bei einer IMRT eine höhere Strahlendosis erhalten als bei einer 3 D-konformalen Strahlung. Aber, ansonsten hätte die IMRT unbestritten mehr Vorteile als eben diesen Nachteil. Ich werde Prof. Wenz in Mannheim übermorgen mal darauf ansprechen, weil der ja auch schon mal so eine Andeutung auf Grund neuerer Erkenntnisse gemacht hatte.

"Warum soll die Gegenwart dem ihre Blicke schicken, der immer mit der Zukunft kokettiert?" (Johann Nepomuk Nestroy)

Gruß Hutschi

Reinardo
20.03.2007, 19:50
Hallo Hutschi. Wir hatten ja früher schon mal einen Gedankenaustausch und ich hoffe, mich jetzt nicht zu wiederholen. Als DHB-Therapierter habe ich Dein Profiil soeben nochmal durchgelesen. Ist die Feststellung richtig, dass Du den lt. Protokoll in Aussicht gestellten nicht mehr messbaren PSA-Bereich über mindestens 9 Monate hinweg nicht hattest. Das würde konform gehen mit Deinem Gleason-Wert, der ja auf peritetraploide Krebsanteile schliessen liesse. Bei diesen mittel-agressiven Krebsen wäre eine zusätzliche DNA-Analyse ja doch sinnvoll gewesen, von welcher Möglichkeit Du ebenso wie ich damals wohl keine Kenntnis hattest. Wenn der Agressivitätsgrad geringer gewesen wäre, würde ich Dir heute sagen, dass Du mit Deiner Bestrahlung überreagierst. Aber unter den gegebenen Umständen erscheint auch mir eine Anschlusstherapie richtig.
Du hast Dich für die IMRT entschieden, wie einige andere auch schon. Ich würde für mich eher eine leichte Chemotherapie wählen aus der Überlegung heraus, Folgerisiken zu minimieren. Die sog. bad guys tötest Du damit auch. Eine Chemotherapie würde auch evtl. in bildgebenden Verfahren nicht erfasste Mikrometastasen treffen, Bestrahlung hingegen nicht. Warum hast Du das eigentlich für Dich ausgeschlossen?
Gruss, Reinardo

knut.krueger
21.03.2007, 08:50
Hallo Hutschi,

Entschuldige bitte, dass ich nicht schon gestern zu der Dich so bewegenden Frage Stellung genommen habe, aber ich war beim Nachbarn zur Geburtstagsfeier eingeladen.
Grundsätzlich hoffe ich einmal, dass sich Deine Prostata nicht wie ein junger Geißbock aufführt. Ich meine, dass Du bei Prof. Wenz in guten Händen bist. Ich habe bei meinem Gespräch, einen kompetenten, sachlichen und vertrauensvollen Eindruck von ihm gewonnen. Die Technik ist ebenfalls vertrauensvoll. Zuerst wird mit dem CT für Deine Anatomie ein individuelles Bestrahlungskonzept erstellt. Vor jeder Bestrahlung wird per Ultraschall die Lage Deiner Prostata kontrolliert, und der Bestrahlungsmittelpunkt nach dem US-Bild ausgerichtet. Ob sich dann die Prostata während des etwa zwanzigminütigen Ablaufs noch wesentlich lagemäßig verändern kann, glaube ich nicht, aber ich weis es nicht. Dies kannst Du ja bei Prof. Wenz ansprechen, und man kann dies auch meiner Meinung nach kontrollieren und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen einleiten. Ich gehe davon aus, dass auch Deine Lymphabgänge anfangs mit bestrahlt werden, so dass sowieso der erste Teil der Bestrahlungen breitgefächert abläuft. Bestehe darauf, dass bei den ersten Bestrahlungen nicht nur am Anfang sondern auch am Ende ein US-Referenzbild gemacht wird und damit hat man dann schnell die Information, ob Deine Prostata ein junger Geißbock oder Deinem Alter entsprechend ruhig und behäbig ist. Wahrscheinlicher ist aber, dass Prof. Wenz Dich beruhigen und erläutern wird, dass während der zwanzigminütigen Bestrahlungszeit keine wesentlichen Positionsveränderungen Deiner Prostata stattfinden.
Ich hoffe, Deine Ängste mit obigen Erläuterungen wieder auf Normallevel zurück zu führen.
Herzliche Grüße Knut.

Harro
21.03.2007, 09:02
Hallo Reinardo,

Zitat Reinardo : Ich würde für mich eher eine leichte Chemotherapie wählen aus der Überlegung heraus, Folgerisiken zu minimieren. Die sog. bad guys tötest Du damit auch. Eine Chemotherapie würde auch evtl. in bildgebenden Verfahren nicht erfasste Mikrometastasen treffen, Bestrahlung hingegen nicht. Warum hast Du das eigentlich für Dich ausgeschlossen.

Aus Angst vor dem Skalpell - das will ich nicht verhehlen - und wegen der dann möglichweise auch noch risikobehafteten Schnittränder habe ich damals Prostatektomie nicht gewollt. Auch eine Bestrahlung kam damals für mich noch nicht in Betracht, weil ich für diese Therapie viel zu skeptisch war. Als ich mich dann vor Beginn der DHB schließlich mit der von Prof. Schlegel, für die er fast einen Nobelpreis bekommen hätte, entwickelten sog. intensitätsmodulierten Strahlentherapie näher befaßte und sogar bei der Legende Prof. Wannenmacher, Uniklinik Heidelberg einen
Behandlungsplan erstellt bekam, war es eben dieser heutige Chef Prof. Debus, der mir die mit 38 Sitzungen verbundene Tortur fast madig machte. Den weiteren Fortgang kennst Du, nämlich DHB und dann bis heute fast nichts. Nur Proscar und seit 10.1.2007 täglich 50 mg Casodex.

Und gegen Gift im weitesten Sinne hatte ich schon immer eine fast unerklärliche Abneigung. Darum, lieber Reinardo, mache ich einen großen Bogen um all die mir natürlich mittlerweile geläufigen Möglichkeiten. Aber, es könnte immerhin sein, daß ich um diese Mittelchen irgendwann nicht mehr herum komme. Dann soll es so sein.

Inzwischen habe ich gestärkt durch viele Gespräche mit IMRT- Absolventen meine anfängliche Skepsis überwunden. Und wenn dann eben noch mal ein PSA-Anstieg kommt, dann weiß ich zumindest am Anfang noch, daß es sich bei diesem Bounce nur um die letzten Zuckungen, noch PSA produzierender Krebszellenleichen handelt, bei denen zunächst nur die DNA zerstört wurde.

"Es erfordert oft mehr Mut, seine Ansicht zu ändern, als an ihr festzuhalten" (Friedrich Hebbel)

Gruß Hutschi

Harro
21.03.2007, 10:03
Zitat knut :Grundsätzlich hoffe ich einmal, dass sich Deine Prostata nicht wie ein junger Geißbock aufführt.

Hallo Knut, herrlich Deine beispielhafte Sprache. Der junge Geißbock gefällt mir gut, nur der springt nicht mehr so hoch, wie wir das früher in Wettbewerben als Schüler ausprobiert haben. Tempi passati. Aber summen und brummen ist noch.

"Die Begeisterung ist das tägliche Brot der Jugend. Die Skepsis ist der täglich Wein des Alters. (Pearl S. Buck)

Gruß Hutschi

Harro
22.03.2007, 15:15
Simulation erfolgreich

Hallot Knut,

die Vorsteherdrüse hat sich vorbildlich verhalten, kein Zucken, und ihr Chef war noch kleiner als sonst. Das lag an den niedrigen Temperaturen heute früh. Hinzu kam das Gebläse des CT, ganz schön blau geworden ist er.

Professor Wenz hat mir noch IGRT erläutert, also Imaging d. h. bildgeführte Strahlentherapie. Alle Linearbeschleuniger mit Multileafkollimator verfügen über die Voraussetzungen zur Durchführung der Intensitätsmodulierten Strahlentherapie IMRT, die seit Anfang 2002 bei ihm zu haben ist.

An der Reception der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie fand ich folgenden Spruch eines unbekannten Verfassers:

"Gott gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann - den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden"

Gruß Hutschi

knut.krueger
24.03.2007, 15:42
Hallo Hutschi,

Es freut mich, dass Du das Vorspiel so gelassen überstanden hast.

Gruß Knut.