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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nach 2 1/2 jähriger Hormontherapie Anstieg des PSA



Birgit-L
06.02.2007, 12:29
Guten Tag,
Bei meinem Vater wurde 2004 im Alter von 64 Jahren Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Es wurde bislang mit einer Hormontherapie behandelt. Doch nun kommt es zu einem Wiederanstieg des PSA -Wertes. Es muss also leider davon ausgegangen werden, dass der Tumor hormonresistent geworden ist. Mein Vater steht jetzt vor der großen Entscheidung, wie weiter behandelt werden soll. Entscheidung deshalb, weil er von zwei verschiedenen Ärzten beraten wurde und die Vorschläge unterschiedlich aussehen. Gerne möchte ich nun in diesem Forum Rat einholen.
Zunächst möchte ich noch ein paar Daten zum Behandlungsverlauf meines Vaters mitteilen:
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Ausgangssituation Februar 2004
PSA: 35,7 ng
CT3: rechts→links
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Zunächst OP, wobei die Prostata nicht entfernt wurde, da der Krebs die Kapsel bereits durchbrochen hatte, Lymphdrüsenmetastasen.
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Einleitung einer Hormontherapie (3-Monatsspritze und Casodex 50 mg)
Daraufhin sank der PSA-Wert stetig. Am 6.10.2005 war mit einem PSA von 0,31 der niedrigste Stand erreicht worden.
Am 30.8.2006 hatte der PSA-Wert 1,02 erreicht und stieg nun ganz eindeutig an:
1.12.2006: 2,25
<o></o>
Daraufhin wurde Casodex auf 150 mg erhöht.
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Am 15.1.2007 suchte mein Vater erstmals einen anderen Arzt auf (ein Onkologe, der ihm aus dem Bekanntenkreis empfohlen wurde). Ein dort durchgeführter PSA-Test ergab den Wert 3,02.
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Daraufhin wurde auf Metastasen untersucht:
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Ergebnis: Kein sicherer Hinweis auf Fernmetastasen; keine Knochenmetastasen
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Der Onkologe bezeichnete diese Ausgangssituation für eine andere Behandlung als sehr günstig. Da sich noch keine Metastasen gebildet haben. Er schlägt nun parallel zur Hormonbehandlung Bestrahlungen vor: 40 Bestrahlungen über 2 Monate.
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Als der bisher behandelnde Urologe aus dem Urlaub zurück war, reagierte er irritiert auf die Zweitmeinung des Onkologen. Seiner Meinung nach sollte man erst über andere Behandlungsmöglichkeiten nachdenken, wenn der PSA über 5 ansteigt. Den letzten Anstieg von 2,25 auf 3,02 sieht er nicht als sicheren Beweis für ein Versagen der Dosissteigerung von Casodex an. Er meinte es gäbe manchmal Schwankungen bei Laborwerten und außerdem müsse man den Betrachtungszeitraum erweitern. Sollte mein Vater dann tatsächlich nicht mehr auf die Hormonbehandlung ansprechen, würde er eine Chemo in Betracht ziehen.
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Nun aber konkret zu meinen Fragen:
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sollte die bisherige Hormontherapie versagen, gibt es noch Möglichkeiten zu anderen Hormontherapien? In einem anderen Forum (das leider geschlossen wurde) sprach ein Arzt immer von folgendem Weg: „Als nächstes wird eine sogenannte Hormonmanipulation (Optimierung) durchgeführt. z.B: Dosiserhöhung oder Umstellung. Das ist allgemein üblich.“ Eine Dosiserhöhung wurde bei meinem Vater bereits vorgenommen. Was meint der Arzt mit Umstellung? Auf andere Präparate (wenn ja, bitte teilen Sie mir die genauen Namen mit- der behandelnde Urologe sagt, es gibt keine Alternative zu Casodex)? Wie sieht es mit einer DHB aus?
Kann eine Strahlentherapie bei fortgeschrittenem Prostatakarziom nach Versagen einer Hormontherapie wirklich einer Chemo vorgezogen werden?
Kennt jemand einen kompetenten Urologen im Raum Bonn?
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Über die Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen sehr, sehr dankbar.
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Viele Grüße
Birgit

HansiB
06.02.2007, 16:14
Hallo Birgit,

2,5 Jahre 2HB ist eine lange Zeit, ein PSA von 35,7 ist nicht harmlos, wie ihr wißt systemisch. Von Interesse wäre der GS ich vermute (3+4) oder gar (4+4)8.

Der nicht ausreichende PSA Nadir von 0,31, weist meiner Meinung nach auf befallene LK hin.

Als Grund des stark steigenden PSA, könnte ich mir Casodex und dann noch negativer die 3-fache Menge vorstellen. Bei mir war das so, nach noch kürzerer Zeit, ich habe sofort die Einnahme gestoppt und später auf Flutamid umgestellt. Wie wir wissen, kann Casodex "umdrehen" und negativ wirken. Die Einnahme von Flutamid nach Casodex wird üblicherweise nicht empfohlen sondern stärkere Medikamente gegeben, mit denen ich keine Erfahrung habe.

Auch wenn keine Fernmetastasen sichtbar sind, bedeutet das nicht, dass keine da sind, bzw. später sicht- und spürbar werden können. Daher bringt die Bestahlung der Prostata keinen Nutzen, das ist nur meine bescheidenen Meinung, andere werden anderer Meinung sein.

Viel Erfolg bei der Therapiesuche, manchmal ist weniger auch möglich.

Hans

LudwigS
06.02.2007, 17:17
Hallo Birgit, Hans hat schon einiges anklingen lassen.



Einleitung einer Hormontherapie (3-Monatsspritze und Casodex 50 mg)
Daraufhin sank der PSA-Wert stetig. Am 6.10.2005 war mit einem PSA von 0,31 der niedrigste Stand erreicht worden.

<o></o>
Das war die gelbe Flagge, PSA hätte wenigstens 0,05 erreichen müssen.
Zur Ursacheneingrenzung hätte man hier als erstes Testosteron messen müssen, um sicher zu sein, dass das Kastratniveau erreicht war trotz hohen PSA-Wertes von 0,31.
<o></o>


Am 30.8.2006 hatte der PSA-Wert 1,02 erreicht und stieg nun ganz eindeutig an:
1.12.2006: 2,25
<o></o>
Das war die gelbrote Flagge, wenn das Kastratniveau immer noch eingehalten ist.
<o></o>Bei Kastratniveau deutet das auf beträchtliche Teile von hormonunabhängigen Prostatakrebszellen.



Daraufhin wurde Casodex auf 150 mg erhöht.
<o></o>
Das war das Falsche, es hätte zur Kontrolle ob Krebs sogar hormonrefraktär, ganz abgesetzt werden müssen.
Meist fällt dann für eine Zeit das PSA infolge des Androgenentzugssyndromes.
Zumindest entfällt das "Füttern" des Krebses mit Antiandrogenen.

Ich sage es mal ketzerisch:

Der eine oder andere Urologe täte gut daran, mal hier im Forum bischen was zu lesen - eventuell auch mal ein paar von uns Laien zu konsultieren.

Gruss Ludwig




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jürgvw
06.02.2007, 21:44
Liebe Birgit

Manches ist Dir schon mitgeteilt worden; trotzdem schreibe ich Dir ebenfalls einige Zeilen, weil ich gewisse Erfahrungen gemacht habe, die Deinem Vater dienen könnten.

Eins vorweg: Du vergleichst zwei PSA-Werte, nämlich jenen vom 1. Dezember (1.25) mit dem neusten vom 15. Januar (3.02). Die beiden Werte stammen aber von verschiedenen Labors und können deshalb zum vornherein nicht miteinander verglichen werden. Mit anderen Worten: Gäbe die zweite Messung die korrekte Entwicklung wieder, dann wäre das eine Überraschung. Ich liess, gerade um dem Problem der Messungen durch verschiedene Labors ein wenig auf die Spur kommen, letztes Jahr zwei Messungen, die drei Monate auseinander lagen, je von einem Labor A und einem Labor B machen. Den Werten des Labors A von 20.9 und 0.26 standen jene des Labors B von 30.1 und 0.34 gegenüber! Daher: Nach Möglichkeit PSA-Messungen immer vom gleichen Labor machen lassen. Und um einigermassen gesicherte Schlussfolgerungen über eine Entwicklung zu ziehen, sollten in der Regel drei Messungen einbezogen werden.

Dann: Die Ausgangslage Deines Vaters muss (trotzdem Du den Gleason-Wert (noch) nicht mitgeteilt hast, als nicht besonders günstig beurteilt werden. Insbesondere waren Metastasen von Anfang an ausgewiesen. Falls, was zwar wahrscheinlich, aber doch durch weitere Messungen erst noch zu sichern ist, der Krebs für die bisherige Therapie unempfindlich geworden ist, bieten sich nach meinen persönlichen Erfahrungen und dem, was ich mir an Wissen innert sechs Jahren angeeignet habe, die folgenden Möglichkeiten:


Gelegentlich bringt das Absetzen des Antiandrogens, im Fall Deines Vaters also Casodex, noch einen PSA-Rückgang, doch hält der in der Regel nicht lange an. Ich selber verzichtete deshalb auf einen solchen Versuch. In anderen Fällen kann es etwas bringen, das Medikament zu wechseln, doch ist auch in diesem Fall der Erfolg unsicher.

Als aussichtsreicher beurteile ich gestützt auf meine Erfahrungen einen Versuch, mit hochdosiertem Ketoconazol + Triamcinolon (vgl. dazu KISP, www.prostatakrebse.de (http://www.prostatakrebse.de), TEXTE, Dr. Lam, Hochdosiertes Ketoconazol plus Hydrocortison (HDK+HC), wobei sich inzwischen gezeigt hat, dass Hydrocortison mit Vorteil durch Triamcinolon ersetzt wird), einen anderen Weg der Hormonblockade einzuschlagen. Wie bei allen Therapien kann auch hier keine Garantie für einen Erfolg gegeben werden, doch dürfte sich ein Versuch allemal lohnen.

Schliesslich bietet sich die Chemotherapie mit Taxotere/Prednison (aber auch in anderen Kombinationen, die aber noch nicht offiziell zugelassen sind) an, die in vielen Fällen von erheblichem Nutzen sein kann. Wenn Du willst, kann ich Dir Näheres über meine Erfahrungen schreiben; einen Teil davon findest Du bei KISP, www.prostatakrebse.de (http://www.prostatakrebse.de), TEXTE, Jürg, Chemotherapie.

Bei allen Varianten scheint mir eine sorgfältige und enge Überwachung der Tumormarker wichtig; nur so kann verhindert werden, dass eine Therapie, die nicht greift, über Wochen unnütz fortgeführt statt durch eine andere ersetzt wird.

Mühe habe ich, den Vorschlag des Onkologen für eine Bestrahlung zu verstehen. Aus meiner Sicht ist eine Bestrahlung dann sinnvoll, wenn ein konkretes Ziel anvisiert werden kann, zum Beispiel eine Metastase, welche beim Wachsen wichtige Körperfunktionen gefährdet, eine Knochenmetastase, die starke Schmerzen verursacht. Dagegen erscheint es mir wenig sinnvoll, den Körper einer Bestrahlung ohne konkretes Ziel auszusetzen, wie das im Falle Deines Vaters offensichtlich der Fall wäre.

Prof. Dr. med. J. Sökeland und Dr. med. Hubert E. Weiß schreiben dazu bei http://www.prostata.de/pca_behandlung.html :

„Eine Strahlentherapie hat sich bei Metastasen (Tochtergeschwülsten) in Skelett, Gehirn und Leber mit Ansprechraten von 70% bewährt. Auch die Gabe von radioaktiven Isotopen ist eine Alternative bei diffusen Knochenmetastasen, allerdings mit einer niedrigeren Ansprechrate. Die Indikation für diese Behandlung muss streng gestellt und der subjektive Nutzen streng den zu erwartenden Nebenwirkungen gegenübergestellt werden.“ (Die Site ist gesponsert von Takeda Pharma).

Liebe Grüsse und gute Wünsche für Deinem Vater

Jürg

JürgenS
07.02.2007, 19:29
Daraufhin wurde Casodex auf 150 mg erhöht.

Das war das Falsche, es hätte zur Kontrolle ob Krebs sogar hormonrefraktär, ganz abgesetzt werden müssen.
Meist fällt dann für eine Zeit das PSA infolge des Androgenentzugssyndromes.
Zumindest entfällt das "Füttern" des Krebses mit Antiandrogenen.
.....
Ist der Krebs aber nicht hormonrefraktär, steigt das PSA. Meine letzte PSAVZ unter ADT2 (Trenantone + Casodex 50 mg) war 215 Tage. Nach dem Absetzen von Casodex hat sich das PSA innerhalb von 35 Tagen verdoppelt. Dann, unter Flutamid, hat sich das PSA in 40 Tagen fast halbiert. Selbst wenn das PSA unter Kastrationsniveau dreimal hintereinander steigt, sind oft noch genügend hormonsensible Zellen vorhanden, um Manipulationen vorzunehmen, sei es ein Wechsel der Medikamente, eine Östrogentherapie oder Ketokonazole.

Es ist allerdings wichtig, den richtigen Augenblick nicht zu verpassen. Das PSA sollte nicht zu hoch sein, ebenso die Velocity, und man weiß vorher nie, ob das PSA wieder runtergeht, falls es gestiegen sein sollte. Außerdem dauert es immer eine Weile, bevor man sieht, ob die Umstellung überhaupt greift. Wenn nicht, hat man vielleicht wertvolle Zeit verloren. Aber manchmal muss man im Leben Risiken eingehen.

Ich glaube, dass es sich lohnt, die Hormonblockade auszureizen bevor man auf eine agressive Therapie wie Chemotherapie übergeht. Denn auch bei der Chemo ist nicht garantiert, dass sie überhaupt wirkt, und wenn ja, für wie viele Zyklen, und wie lange man sie durchsteht.

Ketokonazole ist natürlich auch eine Option. Ein Problem scheint allerdings zu sein, dass es zu wenig Ärzte gibt, die diese Therapie beherrschen, da Ketokonazole viele Wechselwirkungen mit anderen Mitteln hat und oft abgebrochen werden muss.

Also liebe Birgit, es gibt noch einige Möglichkeiten. Allerdings ist ein guter Urologe/Onkologe die Voraussetzung. Sonst sollte man den auch wechseln.

Grüsse

Jürgen

Birgit-L
09.02.2007, 13:22
Liebe Forumsteilnehmer,

zunächst möchte ich mich ganz herzlich für Ihre Antworten und zahlreichen Tips und Erklärungen danken. Diese habe ich meinem Vater bereits weitergeleitet- mehr kann ich wohl von meiner Seite nicht machen. Die letzte Entscheidung liegt bei meinem Vater. Doch zumindest haben sich ihm neue Möglichkeiten aufgetan und die bisher von seinen Ärzten vorggeschlagenen kann er nun hinterfragen (bzw. die Ärzte direkt darauf ansprechen) und gegebenfalls tasächlich einen anderen Urologen aufsuchen.
Nochmals vielen Dank und Ihnen alles Gute!
Birgit
PS: Ich werde Sie auf dem Laufenden halten

Reinardo
09.02.2007, 18:31
Hallo Birgit-L. Obgleich man bei schweren Erkrankungen natürlich gerne Trost spricht und Hoffnungen nährt, bin ich der Meinung, dass Dein Vater unzureichend diagnostiziert und gedankenlos behandelt wurde, und von Euren Ärzten nun ohne klares Konzept weiterbehandelt werden soll.
Nach Diagnose: Prostatakrebs - gleich ab zum OP ohne Prüfung, ob die Operation mit Wahrscheinlichkeit zur Heilung führen würde.
Nach Feststellung: Kapseldurchbruch und Metastasen - Operation zurück und Hormontherapie, auch ohne zu prüfen, ob und in welchem Ausmass der Krebs oder zu welchen Anteilen er auf Hormontherapie ansprechbar sein würde.
Jetzt, wo die Hormonresistenz sich abzeichnet, soll nun nochmals durch "Hormonmanipulation" die letzte Reserve herausgeholt und die hormonresistente und hoch agressive Teilmenge des Krebses unbehandelt bleiben. Das wird dahin führen, dass bald (in 6 Monaten? In 9 Monaten?) ausser Chemotherapie nichts mehr geht. Und was dann?
Auch Chemotherapie verlangt beste Ärzte, um sehr lange einen lebenserhaltenden Effekt zu erzielen, und manchmal Kombinationen mit Stoffen, die in Deutschland nicht zugelassen oder nicht bezahlbar sind.

Ich kann Birgit und ihrem Vater nur raten, nicht blauäugig alles mitzumachen, was man ihnen als Folgetherapie jetzt seitens der Ärzte anrät und immer zu fragen: Sind Sie sicher, dass der Krebs ganz oder in wesentlichen Teilen hormonsensibel ist und wie denken Sie über Wachstum und Behandlung des hormonresistenten Krebszellen-Anteils?
Es könnte ein Onkologe eines Tages zum Vater sagen: Ja, wären Sie nur früher zu mir gekommen.
Alles Gute, Reinardo