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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dr.Myers: Sandostatin



RuStra
07.02.2007, 21:11
Ich poste diesen Vorschlag von Dr.Myers im Teil-Forum "Androgenentzugstherapien", weil der Einsatz von Medikamenten gegen Wachstumshormone in Verbindung mit Dexamethasone seiner Meinung nach ein Mittel zur Erhaltung der Hormonsensibiliät ist.

grüsse,
Rudolf

ps.: die von Snuffy Myers angesprochene Athener Studie ist im Volltext verfügbar, ich packe sie, wie andere passende Sachen auch, auf:
http://www.promann-hamburg.de/Sandostatin.htm

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S. 99
Chapter 8
Second Line Hormonal Therapy
Sandostatin

Sandostatin unterdrückt die Wachstumshormon-Produktion und ist deshalb nützlich für die Behandlung von Menschen mit Akromegalie, [Wikipedia: Die Akromegalie ist eine endokrinologische Erkrankung, die durch eine Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin (STH) hervorgerufen wird. Von einer Million Einwohnern haben drei oder vier eine Akromegalie.], einer Krankheit, die durch zuviel Wachstumshormonen bei Erwachsenen und Gigantismus, einer Krankheit, die durch zuviel Wachstumsfaktoren in der Kindheit verursacht wird. Weltweit sind verschiedene Anti-Wachstumshormon-Medikamente auf dem Markt, aber in den USA ist nur Sandostatin [von Novartis] verfügbar. In diesem Abschnitt behandele ich die Medikamente dieser Gruppe als austauschbar, denn ich glaube, das sind sie.

Wachstumshorme spielen ein eine potentielle Rolle in der Entwicklung von Hormonresistenz. Wachstumshormone setzen ein anderes Hormon frei, den Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor (IGF1 = insulin like growth factor 1). Wie viele von Ihnen schon wissen, spielt IGF1 eine wichtige Rolle in der Prostatakrebs-Biologie. Erstens sorgt es für das Überleben des Prostatakrebses durch die Aktivierung eines Proteins, das Akt heisst. Akt ist wichtig, weil es viele Veränderungen der Krebszelle bewirkt, die sie viel resistenter machen gegen Hormon-, Chemo- oder Strahlentherapie. IGF1 aktiviert zweitens Stoffwechselwege, die dem Androgenrezeptor ermöglichen, mit niedrigen Leveln Testosteron umzugehen, wie wir sie bei Männern finden, die chirurgisch oder chemisch kastriert sind.
So ergibt sich tatsächlich eine Möglichkeit, dass einfach durch Unterdrückung des Wachstumshormons Hormonresistenz umgedreht werden kann.

Dies ist keine neue Idee und sie ist im Gespräch seit den frühen 90ern. Aber es ist schwierig, die richtige Methode herauszufinden, was man mit dieser Information anfangen soll und wie ein angemessenes Design für entsprechende klinische Studien, um dieses Konzept zu testen, auszusehen hat. Meinem Eindruck nach haben die Forscher der urologischen Abteilung der Universität von Athen die überzeugendste Arbeit auf diesem Gebiet gemacht. In einer Reihe von Papieren zeigten sie, das Sandostatin-ähnliche Medikamente, wenn sie mit dem Steroid Dexamethasone kombiniert werden, hormonrestenten Männern die Hormon-Sensibiltät wiederherstellen schienen. Das führte zu einer randomisierten kontrollierten Studie, die Chemotherapie mit Sandostatin-ählichen Medikamenten + Dexamethason verglich und herausfand, dass Sandostatin-Kombinationen genauso effektiv wie Chemotherapie sind, bezogen auf die Ansprechrate, die Ansprechdauer und letztendliches Überleben. Natürlich ist Sandostatin viel weniger toxisch als Chemotherapie: Die einzige Nebenwirkung während des ersten Behandlungsmonats ist Diarrhoe [Durchfall] und eine geringe Fatigue.

Bis heute habe ich nur begrenzte Erfahrungen mit dem Protokoll der Athener Universität, aber deren Ergebnisse sind ermutigend genug, um mich zu überzeugen, dass dies ein wichtiger weiterer Pfeil in unserem Köcher ist [an important addition to our golf bag = Dr.Myer beginnt das Buch mit dem Bild, dass man den Golf-Ball da spielen muss, wo er liegt].

JürgenS
07.02.2007, 22:07
Hallo Rudolf,

In dem Video "Treating Androgen Independent Prostate Cancer without Chemotherapy" präsentiert Dr. Mark Scholz eine Studie mit Sandostatin:

Ethinylestradiol + Sandostatin
Sciorra 2004
- 20 Männer, alle mit Knochenmetastasen
- Durchschnittlicher PSA 100
- 19 Männer hatten einen > 50 PSA-Abfall
- 6 Männer hatten eine Progression nach median 8 Monaten
- 14 Männer zeigen nach 16 Monaten keine Progression

Das alles ist nur vorläufig. Eine Studie mit Sandostatin allein zeigte keine nenneswerte Aktivität, nur einen kurzen Rückgang beim PSA, aber kombiniert mit Östradiol scheint es bessere Ergebnisse zu erzielen.

Klingt doch eigentlich vielversprechend, oder ?

Schönen Abend

Jürgen

RuStra
08.02.2007, 08:53
Hallo Rudolf,

In dem Video "Treating Androgen Independent Prostate Cancer without Chemotherapy" präsentiert Dr. Mark Scholz eine Studie mit Sandostatin:


danke für den Tipp, Jürgen !!
das ist im Video bei Minute 19:37



Ethinylestradiol + Sandostatin
Sciorra 2004


der heisst bloss Sciarra, nicht Sciorra - erst im PubMed nicht gefunden, aber dann 2 Papiere / Abstracts, s.u.

Grüsse,
Rudolf



- 20 Männer, alle mit Knochenmetastasen
- Durchschnittlicher PSA 100
- 19 Männer hatten einen > 50 PSA-Abfall
- 6 Männer hatten eine Progression nach median 8 Monaten
- 14 Männer zeigen nach 16 Monaten keine Progression

Das alles ist nur vorläufig. Eine Studie mit Sandostatin allein zeigte keine nenneswerte Aktivität, nur einen kurzen Rückgang beim PSA, aber kombiniert mit Östradiol scheint es bessere Ergebnisse zu erzielen.





J Urol. 2004 Nov;172(5 Pt 1):1775-83

Somatostatin analogues and estrogens in the treatment
of androgen ablation refractory prostate adenocarcinoma.

• Sciarra A, Bosman C, Monti G, Gentile V, Gomez AM, Ciccariello M,
• Pastore A, Salvatori G, Fattore F, Di Silverio F.

Department of Urology, University La Sapienza, Rome, Italy. sciarrajr@hotmail.com

PURPOSE: Prostate cancer progression to androgen ablation refractory stage D3 corresponds to cancer cell escape from androgen withdrawal induced apoptosis. Of note, salvage chemotherapy can extend the median survival of approximately 10 months in patients with stage D3. Therefore, novel therapeutic strategies that target the molecular basis of androgen resistance are required.

MATERIALS AND METHODS: The MEDLINE and Current Content databases were used to find studies of the use of estrogens and somatostatin analogues for D3 prostate adenocarcinoma. We also analyzed the rationale and clinical results of our combination therapy using lanreotide and ethinylestradiol.

RESULTS: Negative experiences have been reported with somatostatin analogues as monotherapy. On the other hand, the median progression-free survival reported in our experience using lanreotide acetate plus ethinylestradiol clearly surpassed the 10-month survival historically described in stage D3 cases.

CONCLUSIONS: The use of somatostatin analogues in combination therapy for D3 prostate cancer sustains the novel concept in cancer treatment in which therapies may target not only cancer cells, but also the microenvironment in combination, which can confer protection from apoptosis.

PMID: 15540720 [PubMed - indexed for MEDLINE]


J Urol. 2003 Nov;170(5):1812-6.

Combination therapy of ethinylestradiol and somatostatin analogue reintroduces objective clinical responses and decreases chromogranin a in patients with androgen ablation refractory prostate cancer.

• Di Silverio F, Sciarra A.

Department of Urology U. Bracci, University La Sapienza, V. Nomentana 233, 00161 Rome, Italy.

PURPOSE: We evaluated whether a combination therapy of ethinylestradiol and somatostatin analogue can reintroduce objective clinical responses in patients with metastatic androgen ablation refractory prostate cancer (PC).

MATERIALS AND METHODS: Ten patients with stage D3 disease and bone metastases who had progression despite initial responses to combined androgen blockade and in whom antiandrogen withdrawal subsequently failed discontinued combined androgen blockade and received 1 mg ethinylestradiol orally daily and 73.9 mg lanreotide acetate intramuscularly every 4 weeks. Serum prostate specific antigen (PSA), chromogranin A (CgA), Eastern Cooperative Oncology Group performance status and bone pain scores were assessed at regular intervals. Median followup was 18 months (range 10 to 24).

RESULTS: Nine of the 10 cases (90%, 95% CI 55.5 to 99.8) had an objective clinical response, defined as a greater than 50% PSA decrease (median 87.1%, range 50.2% to 94.4%). PSA normalization (less than 4 ng/ml) was achieved in 3 cases. All patients reported significant and durable improvement in bone pain (median duration 17.5 months) and performance status (median duration 18 months) without major treatment related side effects. Two patients with disease progression died secondary to PC at 16 and 10 months, respectively. All other patients were without progression. We observed a statistically significant decrease in serum CgA during administration and at the response to therapy (median 38.4%, range 28.6% to 64.9%, (p <0.0001). Interestingly CgA was not increased at relapse.

CONCLUSIONS: This combination therapy seems to reintroduce an objective clinical response and symptomatic improvement in androgen ablation refractory PC cases.

PMID: 14532782 [PubMed - indexed for MEDLINE]

HansiB
08.02.2007, 14:00
Hallo miteinander,

vielen Dank für die neuen Informationen ebvtl. als zukünftiger Ersatz einer Chemo. Für mich ist doch immer was dabei.

Als kleines Schlauerle, habe ich meinen IGF 1 (Somatomedin C) messen lassen leider im oberen Referenzbereich bei 333,6 ng/ml (kostet 23,00 €). Hallo Winfried, da haben wir wieder den Sinn solcher Messungen, wir sprachen schon darüber. Wenn ich den PK weiter "aushungere" und die Metastasen ruhig halte, kommt vielleicht auch was brauchbares für mich, anstatt der giftigen Chemo, s. Strum S. B 21.

shgmeldorf,Werner Roesler
08.02.2007, 16:07
Hallo Rudolf,
manchmal liegen vernünftige Wege sehr offenbar, man sieht sie nur nicht.
Das ist Klasse so, wie Du das hier gemacht hast, bleib`hier bitte unbedingt am Ball!

Gruß Werner R.

WinfriedW
08.02.2007, 16:17
... Wenn ich den PK weiter "aushungere" ...Wie? Hast du das Essen jetzt ganz aufgegeben? Wenn das man gut geht ...

WW

HansiB
08.02.2007, 18:00
Hallo WW

gemeint ist natürlich, nicht füttern mit giftigen Medikamenten. Was sagst du zum Thema, sind doch nicht schlecht die Aussichten. Oder willst du dich erneut einfrieren lassen. Das öftere auftauen soll fürs Fleisch nicht so gut sein.