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Michael
19.02.2007, 23:14
19.02.2007
Männer mit Prostatakarzinom nach mehreren Jahren Behandlung optimistischer als zum Diagnosezeitpunkt
Laut den Ergebnissen einer weltweiten Umfrage (1) sehen Männer, die wegen Prostatakarzinom behandelt werden, mit der Zeit ihrem Leiden optimistischer entgegen, was ein Ausdruck ihrer positiven Erfahrung hinsichtlich ihrer Behandlung ist, und ihr großes Vertrauen in den behandelnden Facharzt widerspiegelt. Im Allgemeinen vertraute die Mehrzahl der untersuchten Männer ihrem behandelnden Facharzt mehr als anderen Fachkräften im Gesundheitswesen, ihren Familienangehörigen und Personen aus anderen Berufsgruppen wie zum Beispiel Lehrern oder Politikern(1).
Über ein Drittel der befragten Männer berichteten, dass sie ihrem behandelnden Facharzt 'vollständig' vertrauten und mehr als die Hälfte bestätigte eine Zunahme des Vertrauens im Vergleich zum Zeitpunkt der Diagnosestellung (1). Dieses hohe Mass an Vertrauen spiegelte sich ebenso in Behandlungsempfehlungen wider, obwohl einer von fünf befragten Männern den
Wunsch äusserte, bei den Behandlungsentscheidungen mehr involviert zu werden(1), und nahezu einer von dreien empfand, nicht alle ihm zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen zu kennen (1). Weiterhin zeigten die Studienergebnisse, dass der Wunsch der Patienten nach Informationen über die Erkrankung und Behandlungsoptionen nach der Diagnosestellung anstieg. Die Hälfte der untersuchten Männer wünschte sich zusätzlich zu den Gesprächen mit ihrem behandelnden Facharzt, dass sie mit einem anderen an Prostatakrebs erkrankten Patienten sprechen könnten, der dieselben Behandlungen erhalten habe (1). Das Internet war weder die populärste, noch meist vertraute Informationsquelle für Patienten, wobei es allerdings eine beliebtere Informationsquelle bei den Patienten war, die an der Umfrage von den USA aus teilnahmen(1).

In einem Kommentar zur Studie sagte Dr. Heather Payne, Berater in der klinischen Onkologie, University College Hospital, London, Grossbritannien: "Diese Ergebnisse sind wirklich ermutigend, sie spiegeln die positive Erfahrung hinsichtlich der Behandlung der Patienten und die wichtige Bedeutung der Ärzte wider, die partnerschaftlich mit den Patienten und deren Familienangehörigen zusammen daran arbeiten, die bestmöglichsten Resultate zu erzielen, insbesondere weil viele Männer mit effektiv behandeltem Prostatakarzinom viele Jahre überleben können, wobei sie oftmals die Krankheit überdauern. Während viele Patienten offensichtlich eine starke und vertrauensvolle Beziehung zu ihrem behandelnden Facharzt haben, empfand einer von drei Männern dennoch, dass er nicht alle ihm zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen kenne. Da sich Prostatakarzinompatienten auf ihren behandelnden Arzt bei entscheidenden Informationen verlassen, ist es
wichtig, dass Ärzte ihre Patienten während des gesamten Behandlungsverlaufs informiert halten."

Die Umfrage ergab auch, dass fast zwei Drittel der Befragten sich im Vergleich zum Zeitpunk der Diagnosestellung jetzt optimistischer hinsichtlich der Prognose fühlten und zuversichtlich im Hinblick auf ihren Behandlungserfolg waren (1). Alle Teilnehmer der Umfrage - 382 Männer mit lokal fortgeschrittenem oder Metastasen bildendem Prostatakarzinom aus sechs Ländern der Welt - hatten fortgesetzte Hormontherapie über mindestens ein Jahr erhalten. Kontrolle ihrer Krebserkrankung und deren Überdauern, sowie der solang wie mögliche Erhalt eines aktiven Lebensstils waren die drei wichtigsten Faktoren, die die untersuchten Männer von ihrer Hormonbehandlung erwarteten. Diese drei genannten Faktoren wurden für wichtiger als Nebenwirkungen der Behandlung und Symptomerleichterung erachtet(jedes davon wurde nur von 3% der Männer ausgewählt)(1). Die am häufigsten angewandte Therapie der befragten Männer war die Hormonbehandlung mit Goserelin, welche dieses Jahr das 20-jährige Bestehen seit der ersten Markteinführung in Grossbritannien im Jahre 1987 feierte.

"Der Einzug von Behandlungen, wie zum Beispiel Goserelin vor 20 Jahren, revolutionierte die Prostatakrebstherapie durch eine wirkliche Alternative zur operativen Kastration der Männer mit fortgeschrittener Erkrankung. Heute wird ZOLADEX (Goserelin)oft auch mit kurativer Absicht zusammen mit Radiotherapie oder Operation bei Männern mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom eingesetzt - mit nachweisbarem Überlebensvorteil. Ich glaube, dass diese Therapie weiterhin eine Hauptrolle in der Behandlung des Prostatakarzinoms spielen wird. Der große Vorteil der Hormonbehandlungen besteht darin, dass wir heute nach vielen Jahren der Behandlung sehen, dass bei einigen Patienten die vorhergesagte Überlebenszeit identisch ist mit der von
Menschen derselben Altersgruppe, die nie an Prostatakrebs erkrankten. Dies ist eine beachtenswerte Leistung", kommentierte Dr. Payne.

Prostatakrebs betrifft vornehmlich Männer über 50 Jahre(2) und ist der am häufigsten diagnostizierte Krebs bei Männern in vielen westlichen Ländern, wobei alle drei Minuten bei einem Mann die Diagnose gestellt wird, und alle sechs Minuten ein Mann daran verstirbt(3). Das Ziel der Behandlung ist die Beherrschung der Krankheit bei Reduzierung der Nebenwirkungen auf ein Minimum. So soll es Männern ermöglicht werden, ihren Prostatakrebs zu überdauern und solange wie möglich ein aktives Leben beizubehalten.


Literatur

(1) Prostate cancer patient attitude survey. Durchgeführt September
2006.AstraZeneca-Ergebnisse in den Akten.
(2) Kirby RS et al. Prostate cancer and sexual function. Prostate cancer
and prostatic diseases 1998:1:179-184.
(3) www-dep.iarc.fr/globocan/globocan.html Cancer Incidence, Mortality
and Prevalence worldwide. Version 1.0 IARC CancerBase No. 5 Lyon, IARCpress,
2001.
(4) AstraZeneca. Daten in den Akten.

http://www.journalonko.de/newsview.php?id=1819

Reinardo
20.02.2007, 14:34
Hallo Michael. Es ist schön, wenn Dich das aufmuntert und beruhigt. Aber auch in Sachen Prostatakrebs gibt es die Sonntagsredner mit den Allgemeinplätzen, Oberflächlichkeiten und dem professionellen Optimismus. Darin sind die Amerikaner ganz gross, und die englische Sprache eignet sich ja auch besonders für diesen small and sweet talk. Bei den Umfragen wundert es mich immer, dass man mich noch nie gefragt hat und auch keinen, den ich kenne. Da ist es dann ganz schön arrogant, wenn die Verkünder solcher "Umfrageergebnisse" (meistens Journalisten) sich anmassen, auch im Namen aller derjenigen zu sprechen, die sie nicht befragt haben. Wenn einer, der sich mit fortgeschrittenem Prostatakrebs bei der Diagnose dem Tode nahe fühlt, dann nach 6 bis 9 Monaten unter Hormontherapie seinen PSA-Wert sinken sieht und sich besser fühlt, dann ist das ganz normal, sagt aber nichts aus über die Qualität der Behandlung, über seine wahre Prognose und verdient es auch nicht, zu einem flächendeckenden Vertrauensbeweis für Urologen hochinterpretiert zu werden. Besonders die Hormontherapie verführt die Ärzte dazu, nicht mehr nachdenken zu müssen. Der Patient wird ruhig gestellt.
Und dann gibt es da auch die Gruppe einfach gestrickter Leute, die glauben, durch Frömmelei, was die ihnen verordnete Therapie anbelangt, eine Art Heilsrettung zu erfahren.
Dabei ist gerade Ungläubigkeit, Misstrauen und Kritik angesagt. Nur so können Schwerstbetroffene ihr Schicksal beeinflussen. Wer sich da nach den heute geltenden Richtlinien verarzten lässt, der geht vorzeitig einen fatalen Weg. Das "grosse Vertrauen in die ihn behandelnden Fachärzte" hilft ihm dann gar nicht mehr.
Die Behandlung von Hochrisiko-Erkrankten ist noch immer so ungenügend, dass man sich durch solche "Umfrageergebnisse" nicht das Urteil vernebeln lassen darf.
Gruss, Reinardo

HansiB
20.02.2007, 15:11
Hallo miteinander,

auch ich glaube, dass der Optimissmus keine kleine Rolle spielt. Der Grund sind bei mir mit Sicherheit nicht meine Ärzte. Der eine lächelt zwar immer und ist freundlich, fast wie ich, wenn ich auf Zometa warte. Den Andren sehe ich 1-2 mal im Jahr.
Bei mir war der Optimisnus da, nachden die Metastasenschmerzen weg waren, ohne bis dato einen Uro gesehen zu haben. Noch optimistischer war ich, nachdem der PSA innerhalb von ein paar Wochen auf 279,6 gefallen war und keine OP möglich war. Diese Therapieempfehlungen hanen sich ja geändert. Noch optimistischer bin ich, wenn ich sehe, was Mitbetroffene schon hinter sich bringen mussten und mit welchen Therapien.

Gruss Hans

Michael
20.02.2007, 15:19
Und dann gibt es da auch die Gruppe einfach gestrickter Leute, die glauben, durch Frömmelei, was die ihnen verordnete Therapie anbelangt, eine Art Heilsrettung zu erfahren.

Dabei ist gerade Ungläubigkeit, Misstrauen und Kritik angesagt. Nur so können Schwerstbetroffene ihr Schicksal beeinflussen. Wer sich da nach den heute geltenden Richtlinien verarzten lässt, der geht vorzeitig einen fatalen Weg. Das "grosse Vertrauen in die ihn behandelnden Fachärzte" hilft ihm dann gar nicht mehr.
Gruss, Reinardo

Hallo Reinardo,
ich finde es "toll", wie Du die Leute nach ihrem Optimismus einteilst.
Oder habe ich Dich mißverstanden, wenn ich mich zu den einfach gestrickten Leuten zähle.

Ungläubigkeit, Misstrauen und Kritik bringen aber viele auch nicht sehr viel weiter, vor allem nicht wenn sie noch nicht so alt sind, um einfach abzuwarten, was sich da in ihrem Inneren abspielt. Gerade manche Malignitätsgrade lassen vielen jüngeren Betroffenen nicht allzuviele Möglichkeiten.
Gruß
Michael

Reinardo
23.02.2007, 18:09
Hallo Michael. Als einer, der hier im Forum mitliest und schreibt, gehörst Du nicht zu den "einfach gestrickten Leuten", die ich meine. Aber wír sind ja nur ein winziger Teil aller Betroffenen. Alle die keinen Computer haben, nicht gerne lesen, nicht selber denken können oder die hier der deutschen Sprache nicht hinreichend mächtig sind: das sind mit vielleicht 97% doch die vielen anderen. Infolge ihrer Erfahrungen mit Ärzten bei anderen Krankheiten, wo ihnen ja auch geholfen wurde, sind sie disponiert, ihrem Urologen ein unerschütterliches Urvertrauen entgegenzubringen. Denen kannst Du goldene Argumente gegen die ihnen zugedachte Therapie liefern: A man convinced against his will is of the same opinion still (von Shakespeare).
Gruss, Reinardo