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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Inkompetenter Arzt - bitte Hilfe



MarionS
28.02.2007, 17:54
Hallo zusammen, mein Vater wurde vor knapp zwei Wochen mit Prostatakrebs diagnostiziert. Von acht Stanzen waren zwei aus dem linken Seitenlappen positiv. Der Urologe (den ich am liebsten verklagen würde) hat meinen Vater trotz jahrelang erhöhter PSA-Werte und bekannter Vorbelastung in der Familie nie zu einer Biopsie geschickt. Nachdem die Werte und Untersuchungen dann da waren, hat er ihm die nicht etwa erklärt, sondern nur gemeint, ob OP oder Bestrahlung müsse jeder Patient selber wissen und hier wäre die Adresse der Strahlenklinik. Falls die dort länger als drei Monate für einen Behandlungsbeginn brauchen würden, solle mein Vater nochmal vorbeikommen, für Vormaßnahmen - was immer das auch sein soll. Ich hab mich mittlerweile hier und sonst im Netz ein bißchen schlau gemacht (mein Vater ist 72 Jahre, mit dem Internet hat er's nicht mehr so), aber ich wäre natürlich extrem dankbar, wenn einige von Euch vielleicht noch ein paar Hinweise zu der Diagnose geben könnten. Insbesondere die Frage OP oder Bestrahlung steht im Augenblick im Vordergrund. Ob der Krebs gestreut hat, konnte (noch) nicht festgestellt werden. PSA-Wert liegt bei 10, Gleason ist 3+3=6. Auf den Röntgenaufnahmen wurde zwischen der 5. und 6. Rippe eine unklare Strukturdichtung mit inhomogenem Speichermuster gefunden. Auf der seitlichen Aufname wurde eine Spondilose der unteren Brustwirbel-Hälfte mit deutlich Spondylophylenbildungen diagnostiziert. Eine Sklerosierung am 6. Brustwirbelknochen kann laut Attest durch eine Kompaktinsel bedingt sein. Der Brustbereich soll in drei Monaten nochmals kontrolliert werden. Die Prostata ist mittlerweile 6,5 cm größer als sie eigentlich sein sollte. Das Karzinom wurde als mittelgradiges differenziertes glanduläres Karzinom eingestuft. In der Leber wurden mehrere kleine Parenchymhypodensitäten nachgewiesen; die Gallenblase weist eine hyperdense Struktur auf. Es gibt keinen sicheren Hinweis auf abdominale filiae. Das Zwerchfell ist rechts etwas gebuckelt und links glatt konturiert. Nächste Woche ist ein Vorgespräch in der Strahlenklinik. Mein Vater lebt übrigens in Rostock - aus der Region hab ich hier im Forum leider noch niemanden gesehen. Ich wäre wirklich unheimlich dankbar, wenn mir jemand ein bißchen weiterhelfen könnte. Mein Vater ist nur sehr bedingt gewillt sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen und sein erster Urologe hat die Sache nicht besser gmacht. Ich glaube daher nicht, dass ich ihn überzeugen kann, einen zweiten Arzt aufzusuchen. Er verlässt sich jetzt darauf, dass die Strahlenklinik ihn beraten wird. Vielen Dank im Voraus. Ich muss sagen, schon das Lesen im Forum hat mir viel weitergeholfen, da ich meinem Vater viele Dinge besser erklären konnte und es war auch gut zu wissen, dass man nicht so allein ist. MarionS

Hajoke
28.02.2007, 18:33
Hallo MarionS,
nach den bisherigen Werten sieht es gar nicht mal so schlecht aus. Du müßtest nur noch das Tumorstadium, die Größe der Prostata (ccm), die Anzahl der Biopsiestanzen sowie die davon positiven Stanzen und auf welcher Seite, angeben, damit wir Dir evtl. einen Therapievorschlag unterbreiten können.
Mit freundlichen Grüßen
Hajoke

MarionS
28.02.2007, 18:48
Danke für die schnelle erste Antwort. Die genaue Größe der Prostata kann ich nicht angeben. In dem Bericht steht nur, dass sie 6,5 cm größer als "normal" ist - was immer auch normal sein soll. Der (unfassbar unsensible) Urologe meinte nur, bei der Größe wäre bei einer OP nur noch eine Total-OP möglich und das wäre eher unangenehm (O-Ton!). Bei den Biopsien waren wie gesagt zwei von acht Zylindern positiv. Die beiden waren aus dem linken Seitenlappen.

MarionS
28.02.2007, 18:55
Ach ja, eine Einstufung des Tumors, so wie ich sie im Internet gefunden haben T0, T1 ergibt sich nicht aus den Befunden. Es ist nur von mittelgradig differenziert die Rede. Der Durchmesser der zwei gefundenen Herde wird mit 0,5mm und 1mm angegeben.

Hajoke
28.02.2007, 19:24
Hallo MarionS,
eine 6,5 cm größere Prostata kann nicht sein.Vielleicht ist es der Durchmesser. Die Angabe muß in cm3 erfolgen.Laß Dir doch den Verfasser der Biopsie nennen und wende Dich dorthin auch wegen der Angabe des Tumorstadions z.B. T1c oder T2a, T2b, T2c, T3.

Gruß Hajoke

Bernhard A.
28.02.2007, 20:49
Hallo Marion !

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Bestrahlung ist ein sehr weiter Begriff. Es wird unterschieden in nachstehende Bereiche:
<O:p></O:p>
1) Äußere 3D-Bestrahlung
2) Äußere IMRT-Bestrahlung (eine wesentliche Verbesserung zu 1) )
3) Brachytherapien (Innere Bestrahlung)
...a) Seeds (mit bleibenden 6-mon. schwachstrahlenden Teilchen)
...b) Afterloading (hochdosierte Kurzzeitbestrahlung)
<O:p></O:p>
Bis vor 5-8 Jahren gab es nur die1). Heute wird diese Bestrahlung, in guten Kliniken, nur noch als Zusatzbehandlung zur Afterloading und zur RPE, angewendet und hat da auch seine Berechtigung. Als Einzelbehandlung ist 1) zu unsicher und die Dosierung ist in der Regel so hoch, dass sehr hohe Nebenwirkungen auftreten können.
<O:p></O:p>
Als Hauptbehandlung kommen nur 2) ; 3a) ; 3b) in Frage.
<O:p></O:p>
Häufig ordnen die Ärzte, aufgrund des nachgewiesenen besseren Heilungserfolges, eine zusätzliche Kurzzeit-Hormonblockade an.
<O:p></O:p>
Wenn Du mehr zu diesem Thema wissen möchtes , sende mir eine E-Mail mit Deinen Fragen.
.............................
Waren dem Urologen Deines Vaters die familieren Vorbelastungen bekannt ?
.............................<O:p</O:p

Gruß
Bernhard A.
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Patrick
28.02.2007, 20:56
Hallo Marion,

ich kann mich nur auf die von dir hier eingestellten - reinen - Prostatawerte
deines Vaters beziehen. Was die anderen Werte und Aussagen beinhalten weiß ich nicht.. also keine Aussage dazu ob das bereits Metastasen sind oder andere, eigenständige, Krankheitsbilder !?

Wie hier schon geschrieben sind zumindest die von dir genannten Prostatawerte eine nicht ganz schlechte Ausgangslage.. und zwar noch für eine OP oder aber Strahlentherapie oder Hormonbehandlung.

Bzgl. einer OP wäre natürlich aufgrund des Alters deines Vaters zu Fragen
wie er in Form ist und ob er ggf. das Risiko der Nebenwirkungen die doch im Alter zunehmen auf sich nehmen will.

Bzgl. einer Strahlentherapie ist er mit den von dir genannten Werten, aus meiner Sicht, ein idealer Patient für die Brachytherapie. Evtl. kommen Seeds nicht mehr in Frage... PSA 10 ist kritisch und Prostatavolumen ??
Aber HDR-Afterloading ginge wohl auf jeden Fall. - Habe diese Art der Behandlung mitgemacht und sehr gut vertragen und scheinbar - siehe Profil - auch erfolgreich. -
Wäre evtl. ideal wenn du deinen Vater in die Strahlenklinik begleitest !

Sollte es mit dem Termin aber zu lange dauern, so wäre zumindest die Einleitung einer Hormonblockade angebracht.
A um nicht ggf. aus einem Gleason 6 einen 7er werden zu lassen und auch um dadurch ggf. das Prostatavolumen etwas zu verkleinern was für die Bestrahlung von Vorteil wäre.

Nochmals von Seiten der reinen Prostatabehandlung hat dein Vater eine Menge Möglichkeiten und gute Chancen das er noch lange eine vernünftige
Lebensqualität hat.
Ich hoffe das gilt auch für die anderen Dinge die du hier noch erwähnt hast.

Viel Glück für euch !

P.

MarionS
01.03.2007, 18:33
Vielen, vielen Dank erstmal an alle für die schnellen Antworten. Leider kann ich meinen Vater nächste Woche nicht in die Klinik begleiten, da ich in einer anderen Stadt asl er wohne und noch neu in meinem Job bin, so dass ich keinen Urlaub bekomme. Ich hab ihm aber alles erzählt bzw. aufgeschrieben, was ihr mir hier gesagt habt und ihm auch erklärt wonach er fragen soll, Einstufung Tumor, zusätzliche Misteltherapie etc. Ich hoffe der Arzt dort ist etwas fachkundiger und vor allen Dingen auch sozial-kompetenter als der andere Urologe. Das mit der Hormonblockade scheint mit eine gute Idee, denn so wie es aussieht, beträgt die Wartezeit in der Klinik mindestens drei Monate. Werde mal sehen, ob ich nicht wenigstens telefonisch mit dem Arzt Kontakt aufnehmen kann.

Hajoke
01.03.2007, 18:52
Hallo MarionS,
Patrick schrieb:
Bzgl. einer Strahlentherapie ist er mit den von dir genannten Werten, aus meiner Sicht, ein idealer Patient für die Brachytherapie. Evtl. kommen Seeds nicht mehr in Frage... PSA 10 ist kritisch und Prostatavolumen ??
Wenn das Tumorstadium noch bei T2 liegt (Mittelgradig spricht dafür) und das Prostatavolumen unter 50cm3 liegen würde (läßt sich aber auch mit einer Spritze 3 Monate vor der Seedimplantation verkleinern) tendiere ich auch für die sogar ambulante Seedsimplantation, die ich heute als 72 Jähriger vor 3Jahren auch mit PSA 10 und Gleason 3+4 als Monotherapie gut überstanden habe. Wenn Du oder Dein Vater für diese unkomplzierte und nebenwirkungsärmste Therapie interessierst, dann kann ich Dir ein sehr gutes Zentrum nennen, wenn Du mir eine persönliche Nachricht oder eine Mail schickst.
Viel Grüße
Hajoke

Zellophan100
06.03.2007, 13:22
Hallo MarionS,
dein Vater ist zum Zeitpunkt der Diagnose nicht mehr der Jüngste ... und das kann, bei aller nervlichen Belastung in dieser Lage, beim Prostatakrebs von Vorteil sein. Vielleicht ist dieser Tumor einer, der nur ganz langsam wächst? Wenn man das herausfinden könnte, wäre es sicher eine gewisse Beruhigung.

Deshalb hier mein Verweis auf den Beitrag, den ich heute im Forum unter der Adresse http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=8903#post8903 eingestellt habe. Ich glaube, was ich dort geschrieben habe, passt auch auf diesen Fall.

Freundliche Grüße
Stefan