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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Weiße Kittel - Schwarze Schafe - Subsidiaritätsprinzip



Harro
16.03.2007, 11:29
Hallo,

nach Ansicht von Fachleuten wird es für die privat Versicherten erhebliche Beitragssteigerungen geben. Zur Zeit zahle ich monatlich als 73-jähriger 718.92 € und meine etliche Jahre jüngere Frau einen noch etwas höheren Betrag. Da man als Privatpatient die Rechnung vom Arzt oder seiner ärztlichen Abrechungsstelle bekommt, hat man immer die Möglichkeit, zu prüfen, ob die fakturierten Leistungen mit den tatsächlich erbrachten übereinstimmen. Und da beginnt nun meines Erachtens das Dilemma in unserem Gesundheitssystem, denn die gesetzlich Versicherten bekommen fast nie eine Rechnung zu Gesicht, weil die direkt an die Versicherungen gehen, und da sind Tür und Tür offen für einträgliche Unregelmäßigkeiten der Ärzte bzw. deren Interessen-Verbänden oder Zusammenschlüssen.

Auslöser meines Verlangens, den nachfolgenden Ablauf auch Euch zugänglich zu machen, war ein Besuch bei einem Orthopäden, der meine
HWS wegen der häufigen Schwindelattacken überprüfen und evtl. richtig stellen sollte:
2-3 Minuten dauerndes Gespräch zur Erläuterung des Grundes meines Besuches, das dann unter GOÄ 34 (Erörtern einer Lebensveränderung)
mit € 40.23 später auf der Rechnung stand. Das ist wohl so, denn auf jeder Rechnung steht sowieso am Anfang für jeden Besuchstag GOÄ 1 mit € 10.72.
Man bestand auf Röntgenaufnahmen, obwohl ich erst kurz vorher solche habe machen lassen. Er wollte die bei ihm angefertigten Bilder in seinen PC eingeben, obwohl er die später nie mehr angeschaut hat. Also Aufnahmen von HWS, BWS/LWS und Becken für € 166.28. Dann fakturiert GOÄ Nr. 7 mit € 21.46 (Untersuchung Organsystem Haut/Brust/Bauch/Bewegungsorgane und dann Nr. 800 mit € 26.15 (Neurologische Untersuchung). Die Nr. 7 + 800 wurden überhaupt nicht erbracht. Ich habe den Arzt nach dem oben beschriebenen kurzen Gespräch an diesem Tage nicht mehr gesehen.

Aber es kommt noch besser: Am nächsten Tag erschien der gute Mann
mit einer Spritze und stach sehr schmerzhaft 4x in die Nackenmuskeln, um dort eine geringe Menge Flüssigkeit an eben 4 Stellen zu entleeren. Er hob hinter mir stehend stehend kurz den Kopf an den Ohrmuscheln 2 x an. Dann drückte er jeweils 2 Heftzwecken in das linke und rechte Ohrzäpfchen und in beide Daumen. Das sollte Akupunktur sein. Maximaldauer dieser ganzen Prozedur weniger als 5 Minuten. Daraus resultierte dann für diesen Tag folgende Faktura: 269 A (Akupunktur > 20 min.) mit € 65.28, 2599 (Nerv.Blockade im Schädelbasisbereich) mit € 60.31, - 268 (Infiltrationsbehandlung/Heilanästesie mehrere Körperregionen, je Sitzung Triggerpunkte mit € 17.43, - 491 (Infiltrationsanästhesie großer Bezirke- Parazervikalanästhesie mit €16.22 - 3306 (Chiropraktischer Eingriff an der Wirbelsäule) mit € 19.85 und noch Nr. 5 (Untersuchung, symptombezogen) mit € 10.72 und natürlich 1 (Beratung, auch telefonisch) mit € 10.72.
So, und diese ganze Prozedur wiederholte sich 3 Tage später wie oben beschrieben und hätte sich wohl so fortgesetzt, wenn er nicht schon - mit Phantasie ohne Grenzen begabt - seine 1. Rechnung mir überreichte, die
dann mit Kleinmaterial wie in der Autowerkstatt die Endsumme 666.86 € erreichte.
Ich habe diese unverschämte, unseriöse Rechnung, die über ein Abrechnungszentrum kam, empört zurückgewiesen. Die von mir über diesen skandalösen Abrechnungsbetrug, der sicher von der ärztlichen Abrechnungsstelle nach dem Subsidiaritätsprinzip unterstützt wurde, informierte Privatkrankenkasse, erläuterte mir, daß es nicht Aufgabe einer Versicherung sei, die eingereichten Rechnungen auf Richtigkeit zu überprüfen. Das müßte man schon selbst machen.
Jetzt frage ich Euch, wer prüft denn dann tatsächlich die nicht privat abgerechneten Arztbesuche auf solche Ungereimtheiten. Wen wunderts denn dann überhaupt noch, wenn die Kostenlawine kaum noch zu stoppen ist und andererseits die Ärzte lamentieren, daß sie fast am Hungertuch nagen.

"Das beste Heilmittel gegen den Zorn ist der Aufschub"
(Seneca)

Gruß Hutschi

Urologe
16.03.2007, 20:47
Hallo Hutschi,

das muss und sollte man(n) nicht hinnehmen. Korrekte Erbringung und Abrechnung einer Leistung ist Grundvorraussetzung eines seriösen Arzt-Patienten-Verhältnisses. Und ein stillschweigendes Hinnehmen zahlen wir alle - denn die PKV macht es sich einfach: sie erhöht einfach entsprechend die Beiträge aller Versicherten.

Manchmal passieren aber auch unbemerkt Zahlendreher/Vertipper, die auch
beim Gegenlesen nicht auf Anhieb auffallen.

1. Den Arzt anrufen/anschreiben und um Korrektur bitten - versehentliche Fehler sollten problemlos korrigert werden, da offensichtlich.
2. Missverhältniss zwischen Leistung und Rechnung ebenfalls im direkten Gespräch mit dem Arzt klären
3. bei fehlender Einsicht (Abrechnung trotz offensichtlicher nichterbrachter Leistung) ist der Weg, sich an die zuständige ÄRZTEKAMMER zu wenden.

Gruss
fs


34 - mindestens 20 Minuten Gespräch! max. 2x in 6 Monaten
1 - nur 1x pro Behandlungsfall (vier Wochen), oder bei neuer zusätzlicher Problematik

Josef
17.03.2007, 09:11
Hallo Hutschi,
obwohl Privat-Vollkasko versichert, hat diese die eingereichte Rechnung des Urologen (Tumoroperation, Betreuung) bei weitem nicht gezahlt.
Bei der rechnungsstellenden Firma habe ich um Aufklärung ersucht, wurde zuerst vertröstet, dann hieß es: das hat alles seine Richtigkeit.
Die Kosten, welche zusätzlich noch die Pflichtversicherung übernahm, schienen nirgendwo auf, konnte ich nicht eruieren.
Liebe Grüße
Josef, Österreich

kontakt@krebsforum.at

Harro
17.03.2007, 12:28
Hallo Fs,

Ihre prägnanten, das Wesentliche schnell zum Ausdruck bringenden Beiträge werden sicher nicht nur von mir sehr geschätzt. Ich bin sehr erfreut, daß Sie zu meinem obigen Thread Stellung nehmen. Klein kariert war ich noch nie und nehme etwas großzügige Abrechnungen meines Urologen für seine sonographischen Untersuchungen etc. eher schmunzelnd zur Kenntnis, weil ich diesen Arzt fast kameradschaftlich als Menschen schätze und seinen lebhaften Praxisbetrieb.

Was nun den konkreten Fall anbetrifft, so hatte ich schon Anfang Dezember 2006 sofort nach Eingang der Rechnung an die ärztliche Abrechnungsstelle einen sehr ausführlichen Brief mit der genauen Schilderung der Abläufe abgesandt und abschließend darauf hingewiesen, daß ich die Rechnung in dieser Form nicht bezahlen werde. Es war ohnehin ein Vermerk angebracht, daß man sich bei Unstimmigkeiten ausschließlich an eben diese Verrechnungsstelle zu wenden habe, damit der Arzt nicht von seiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit abgehalten wird. Nach dem ich bis Ende Januar 2007 keine Reaktion feststellen konte, habe ich erneut schriftlich um Rechnungskorrektur gebeten. Meine Frau meint nun, daß man wohl diesen Vorgang unter den Tisch fallen lassen möchte, um nicht Meldung an eine höhere Instanz zu riskieren. Hierzu Ihr Hinweis:

3. bei fehlender Einsicht (Abrechnung trotz offensichtlicher nicht erbrachter Leistung) ist der Weg, sich an die zuständige ÄRZTEKAMMER zu wenden.

Herr Dr. Fs, ich habe Verständnis für so manchen wirklich um seine Existenz kämpfenden z. B. Landarzt mit überwiegend Kassenpatienten, wenn der mal bei einem Privatpatienten etwas kräftiger zulangt. Aber das sollte immer noch halbwegs seriös bleiben. In diesem Sinne ein schönes Wochenende.

"Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt" (Dante)

Gruß Hutschi