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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ein Thema - einige Fragen



Joachim
17.05.2006, 16:50
Hallo, liebe Forum Mitglieder !
Ich wende mich an Euch um Rat.
Am 22.7.2003 wurde bei mir eine radikale Protatektomie durchgeführt.
Die danach 1/4jährlich durchgeführten PSA-Untersuchungen liegen unter 0,04,
sind also ok.
Leider ist mein Harnstrahl zunehmend schwächer geworden, so dass ab De-
zember 2003 in ca. zweimonatigen Abständen eine Bougierung ( Dehnung )
der Harnröhre mit verschiedenen Röhrenstärken ( 12 - 18 ) erforderlich
wurde.
Eine Endoskopierung zeigte eine Harnröhrenverengung im vorderen Teil der
Harnröhre ( keine Engstelle im Bereich der neuen Harnröhren-, Blasenver-
bindung ) durch Narben. Diese sind durch das Katheter verursacht worden.
Eine am 2.5.2005 von meinem Urologen durchgeführte Schlitzung zeigte le-
diglich für 7 Monate Erfolg. Ab 2.1.06 mußte wieder bougiert werden.
Nun habe ich gehört, dass die Narben in der Harnröhre mit Stücken aus dem
Mundraum geschlossen werden können.
Meine Fragen: Ist das bekannt ? (Wenn nein, wo kann ich mich darüber er-
kundigen ? )
Welche Unannehmlichkeiten muß man in Kauf nehmen ?
Wie sind die Erfolgsaussichten ?
Wer/Welches Krhs./Klinikum führt diese Operationen durch
( Erfahrungen, Häufigkeit ) ?
Mein Urologe meint, dass eine erneute Schlitzung z. Z. nicht ratsam sei.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim

RalfDm
17.05.2006, 17:53
Nun habe ich gehört, dass die Narben in der Harnröhre mit Stücken aus dem Mundraum geschlossen werden können.
Meine Fragen: Ist das bekannt ? (Wenn nein, wo kann ich mich darüber er-
kundigen ? )
Joachim

Hallo Joachim,

Auf der 47. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie (4.-6. Mai 2006 in Frankfurt/Main) gab es einen Vortrag aus dem Bereich der Kinderurologie, der vielleicht in diesem Zusammenhang für Dich interessant sein könnte: "Operative Korrektur der Hypospadie - Heilbronner Erfahrungen". "Hypospadie" ist etwas, womit sich vermutlich niemand von uns herumschlägt. Es bezeichnet eine Entwicklungsfehlbildung, wobei bei einem Knaben die Harnröhre nicht an der Penisspitze mündet, sondern vorher, irgendwo an der Unterseite des Penis (kommt angeblich bei einem von 300 neugeborenen Knaben vor). Die Heilbronner (Urologische Klinik Heilbronn, http://www.urologie-heilbronn.de/) haben eine Technik entwickelt, aus der Innenseite der Unterlippe einen Hautlappen zu entnehmen und daraus eine Art Verlängerung der Harnröhre zu formen. Der Vorteil der Mundschleimhaut ist, dass sie mitwächst, was bei dem beschriebenen Krankheitsbild unschwer als wünschenswert zu bezeichnen ist. Die Heilbronner haben auch Erfahrung mit dem Präparieren des Mundschleimhautlappens, was wichtig ist. Bei Kindern soll die Wunde unglaublich schnell heilen; nach zwei Tagen können Sie schon wieder Kartoffelchips essen (mit Paprika!); bei Erwachsenen dauert es wohl etwas länger.
Die Studie wurde erstellt von Schulze M., Teber D, Klein JT, Subotic S, Seemann O und Rassweiler JJ.
Wende Dich doch an die Heilbronner und schildere Dein Problem. Alles Gute!

Ralf

Urologe
18.05.2006, 11:19
Hallo Joachim,

eine der besten Kliniken für Probleme mit der Harnröhre ist das AK Harburg Frau Prof. Fisch.

Hier werden alle gängigen und experimentellen Verfahren zur Behandlung einer Harnröhrenenge durchgeführt.

Dort scheut man sich nicht einmal davor, bei Anastomosenengen nach radikaler Prostatektomie bei einer erneuten OP eine komplett neue Anastomose zu legen

Gruss
fs

RalfDm
19.05.2006, 10:24
Ein Nachtrag zu dem Thema "Harnröhrenverengung": Das Problem scheint viel häufiger zu sein, als es in den Diskussionen - auch im alten Forum - zum Ausdruck kommt. In den Suchbegriffen, über die von einer Suchmaschine aus zu KISP gekommen wird, steht das Wort "Harnröhrenverengung" in den Top-20 immerhin an zehnter Stelle.

Ralf