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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die andere Meinung



Harro
16.04.2007, 18:07
Text gelöscht

Reinardo
18.04.2007, 07:46
Hallo Hutschi. Ich sehe, Du bist off-line. Da habe ich eine Gnadenfrist, in Ruhe niederzuschreiben, was ich zu Deinen Ausführungen denke.
Ich glaube, Du klagst den Mond an. Du hältst die Menschen für formbar, appellierst an Tugenden, die die Mehrzahl derselben nicht hat. Einen besseren Menschen zu machen, haben versucht: die Kirchen, die Kommunisten in Russland, Kambotscha, China, DDR, die Faschisten in Italien, Spanien und Deutschland. Und was ist herausgekommen? Der selbe alte habgierige, gewalttätige, dumme, egoistische Mensch, den es schon vor Jesus Christus gab. Den Glauben an eine bessere Welt habe ich längst aufgegeben, gehe nicht zur Kirche, gehöre keiner Partei an und gehe auch nicht wählen. Wen soll ich da wählen aus dieser Kollektion von Karrieristen, Opportunisten, Wortverdrehern, Wendehälsen und machtversessenen Egozentrikern und Lebemännern?
Mein Credo ist: Versuchen, gut durchs Leben zu kommen.
Einer meiner Lieblings-Hochschulprofessoren, der Ökonomie-Professor Schmölders, der wie ich schlimme Zeiten des letzten Krieges überlebt hat, hat vor seinem Tode noch ein letztes Buch geschrieben: "Gut durchgekommen". Mehr will ich auch nicht.
Voltaire lässt seinen CANDIDE , der in einem bewegten Leben die Schrecken der Inquisition überstanden hatte, auf die Rede des Pangloss von der Welt als der besten aller Welten nur noch mit folgenden Worten die Geschichte enden: ". . mais il faut cultiver notre jardin."
Gruss, Reinardo

Harro
18.04.2007, 12:09
Mehr will ich auch nicht

Ja, Reinardo, da mag man schon manchmal resignieren, wenn man so oft, wie ich jetzt anstatt mit dem Auto täglich mit Bus und Straßenbahn zur Klinik fahre, um die Umwelt und meine Nerven wegen Parkplatzsuche zu schonen, nun die frustierten Menschen täglich hautnah erlebt. Da ist man schon froh, wenn man mal in ein nettes Gesicht schauen kann oder ein glückliches Kinderlächeln erlebt. Wie hatte Peter Bacher unlängst in der WAMS geschrieben "Gesichter kurz abscannen" nicht mehr verinnerlichen in der Hektik. Aber der Pangloss hatte doch auch dem Voltaire immer die andere, schönere Seite mit einem schönen Schloß und Luxus, das Paradies auf Erden, eben den Garten Eden vorgegaukelt. Da ist dann letztlich das Kultivieren eines einem gehörenden, kleinen Gartens die glücklicher machende Erfüllung.

"Sich selbst zu lieben, ist der Anfang einer lebenslangen Leidenschaft" (Oscar Wilde)

Gruß Hutschi

Wolfgang aus Berlin
18.04.2007, 14:57
Hallo Ihr Beiden! Noch etwas Lesestoff gefällig?

Gruß, Wolfgang


SPIEGEL ONLINE - 26. März 2007, 16:04
URL: http://www.spiegel.de/wirtschaf<wbr>t/0,1518,473946,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,473946,00.html)
SOZIALSTAAT

Institut hält Grundeinkommen für finanzierbar

Der Gründer der Drogeriemarkt-Kette DM, Götz Werner, rührt bereits seit Jahren die Werbetrommel für ein Grundeinkommen. Jetzt bekommt er Unterstützung von Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. Dessen Chef Thomas Straubhaar will so den Sozialstaat revolutionieren.
Berlin - Das heute von Straubhaar in Berlin vorgestellte Konzept geht davon aus, jedem Bürger "von der Wiege bis zur Bahre" steuerfrei ein monatliches Grundeinkommen von 400 Euro auszuzahlen. Eine zusätzliche Pauschale von 200 Euro soll an Kranken- und Pflegeversicherung abgeführt werden.
Der HWWA-Chef plädierte engagiert für einen solchen radikalen Systemwechsel. Die Neuorientierung sei nötig, weil eine "leichte Korrektur" der deutschen Sozialsysteme nicht mehr genüge. Mit dem Konzept vom Grundeinkommen dagegen sei eine "nachhaltige Sicherung des deutschen Sozialstaats" möglich.
Sozialabgaben auf die Löhne fallen bei dem Modell komplett weg, dagegen wird jegliches Einkommen über dem Grundeinkommen mit einem einheitlichen Steuersatz von 49 Prozent belastet. Dieser Wert liegt laut Institut deutlich unter der aktuellen Steuer- und Abgabenquote von 55 bis 60 Prozent des so genannten Arbeitgeberbruttos. In einer Variante wurde ein Grundeinkommen von 800 Euro durchgerechnet: Auch dieses wäre bei einem Einheitssteuersatz von 61 Prozent ohne neue Staatsschulden finanzierbar.
Straubhaar betonte, es handele sich um ein "bedingungsloses Grundeinkommen", das "ohne Gegenleistung" bezahlt werde und das jeder durch Erwerbsarbeit aufstocken könne und solle. Das Konzept komme als "Umverteilungsmodell" mit einem Minimum an Bürokratie aus, entlaste den Faktor Arbeit und sei damit auch "ökonomisch effizient". Am Arbeitsmarkt lasse es - vor allem im Niedriglohnbereich - einen Stellenzuwachs "im Millionenbereich" erwarten.
Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) hatte zuvor ein ähnliches Modell in Form eines solidarischen Bürgergeldes in Höhe von 800 Euro vorgeschlagen.


SPIEGEL ONLINE - 30. November 2005, 12:22
URL: http://www.spiegel.de/wirtschaf<wbr>t/0,1518,386396,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,386396,00.html)
DM-CHEF WERNER ZUM GRUNDEINKOMMEN

"Wir würden gewaltig reicher werden"

Mit großformatigen Anzeigen wirbt der Gründer der Drogeriemarktkette dm, Götz Werner, für ein garantiertes Grundeinkommen. Das Geld dafür soll eine Steuerreform einbringen, gegen die die Pläne von Paul Kirchhof zaghaft erscheinen. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklären er und der Steuerexperte Benediktus Hardorp, wie das Ganze funktionieren soll.
SPIEGEL ONLINE: Herr Werner, Herr Hardorp, Sie fordern ein Bürgergeld, das jedem zustehen soll, egal ob er arbeitet oder nicht, ob er arm ist oder reich. Wie soll das funktionieren?

http://www.spiegel.de/img/0,1020,547614,00.jpg Dm-Gründer Werner: "Den Menschen Faulheit zu unterstellen ist unfair, und es wird auch der Wirklichkeit nicht gerecht"


Götz Werner: Nach unserem Modell hätte jeder einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betrag in Höhe von durchschnittlich 1200 Euro pro Monat. Der Unterschied zur heute geübten Praxis würde darin bestehen, dass der Betreffende nicht erst Bedingungen erfüllen muss, um Geld vom Staat zu erhalten. SPIEGEL ONLINE: Sie wollen also auch denjenigen Geld geben, die es eigentlich gar nicht nötig hätten?
Werner: Jeder könnte darüber verfügen, ohne als Bittsteller dazustehen. Auf der Basis einer solchermaßen gesicherten Existenz hätte er den Freiraum, den er braucht, um seine Fähigkeiten in die Gemeinschaft einzubringen.
SPIEGEL ONLINE: Heute haben diejenigen, die ihren Lebensunterhalt nicht allein bestreiten können, auch ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Unterstützung. Sie weiten den Kreis der Empfänger nur drastisch aus.
Werner: Heute muss jeder nachweisen, dass er nicht in der Lage ist, sich selbst zu versorgen. Ein Beleg für sein Unvermögen sozusagen. Das macht die Menschen zu Almosenempfängern, und das belastet ungeheuer. Die einen kapseln sich ab, werden phlegmatisch, die anderen suchen sich ihre Bestätigung möglicherweise durch Imponiergehabe oder im Extremfall sogar in Gewalt, wie das in den vergangenen Wochen in Frankreich zu beobachten war.
Benediktus Hardorp: Aber nicht nur für die Bedürftigen würde sich viel ändern: Niemand würde mehr arbeiten, um seine Existenz zu sichern, sondern weil er in der Arbeit seine Erfüllung findet. Er hätte die Freiheit, sich den Platz in der Gemeinschaft zu suchen, wo er den sinnvollsten Beitrag leisten kann. Wenn zum Beispiel Bergarbeiter heute auf die Straße gehen, weil unter Tage Arbeitsplätze abgebaut werden, die laut, anstrengend und gefährlich sind, dann nicht, weil sie dort so gerne arbeiten, sondern weil sie um ihr Einkommen fürchten.
SPIEGEL ONLINE: Wer aber macht so unattraktive Arbeit wie diese Bergarbeiter, wenn sie nicht mehr darauf angewiesen sind?
Werner: Dafür gibt es prinzipiell vier Möglichkeiten. Man macht es selbst, man zahlt entsprechend gute Löhne. Man automatisiert. Oder es geschieht, wie heute schon bei der Spargel- und Erdbeerernte.
SPIEGEL ONLINE: Derweil ruhen sich die Deutschen in der sozialen Hängematte aus.
Werner: Den Menschen Faulheit zu unterstellen ist unfair, und es wird auch der Wirklichkeit nicht gerecht. Die Allermeisten wollen arbeiten, das zeigt mir meine Erfahrung als Unternehmer - das gilt für die Filialleiter ebenso wie für die Lagerarbeiter oder die Menschen an der Kasse. Denn Arbeit vermittelt den Menschen das Gefühl und Bewusstsein, gebraucht zu werden, anerkannt zu sein im sozialen Netzwerk.
SPIEGEL ONLINE: Entspricht diese Sichtweise nicht eher der Wunschvorstellung von einer schönen neuen Welt?
Werner: Sie wird noch viel schöner, wenn man sich die gesellschaftlichen Veränderungen vor Augen führt, die das Grundeinkommen zur Folge hätte. Studenten könnten sich ihr Studienfach nach ihren Interessen und Talenten aussuchen und nicht im Hinblick auf die späteren Karrierechancen. Und stellen Sie sich den gemeinnützigen Bereich vor: Mit einem Grundeinkommen könnten es sich die Menschen endlich leisten, dort zu arbeiten und anderen zu helfen.

Götz Werner
Götz Werner hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Nach einer Lehre als Drogerist arbeitete er fünf Jahre lang in einem Karlsruher Drogerieunternehmen. Schnell jedoch entwickelte er eigene Ideen für einen Discounter nach dem Vorbild von Aldi. Weil sein Chef diese nicht teilen wollte, eröffnete er 1973 seinen ersten eigenen Laden. Heute besitzt er 1642 Drogeriemärkte und beschäftigt 23.000 Menschen. Sein Konzern setzt inzwischen drei Milliarden Euro pro Jahr um, und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen - seit Jahren steigt der Umsatz Jahr für Jahr zweistellig. Werner unterrichtet nebenbei als Professor an der Universität Karlsruhe das Fach "Unternehmertum".
Benediktus Hardorp
Benediktus Hardorp war zunächst als Wirtschaftsprüfer für dm tätig. Während eines Kongresses zur Steuerpolitik den er und Werner besuchten, stellten beide fest, dass sie, was Grundlohn und Steuersystem betrifft, ihre Überzeugungen teilten. Seitdem treiben beide das Thema mit großer Energie voran. Auch sonst stimmt die Chemie zwischen Hardorp und Werner. Beide sind Anthroposophen. Beide engagieren sich mit großem Einsatz auf sozialem Gebiet.
Dm
Dm gilt als echtes Vorzeigeunternehmen. Die Drogeriekette erwirtschaftet mit rund einem Prozent eine im Branchenvergleich sehr ansehnliche Rendite und zählt gleichzeitig - ganz im Gegensatz zu seinen Konkurrenten - zu den Lieblingsarbeitgebern der Gewerkschaften. Das hat offenkundig viel mit der Person Götz Werners und seinem ungewöhnlichen Führungsstil zu tun. Der bekennende Anthroposoph gewährt seinen Mitarbeitern Freiheiten wie sonst kaum ein Firmenpatriarch. So dürfen die Beschäftigten über Sortiment, Dienstpläne und Gehälter mitentscheiden; sie wählen ihre Vorgesetzten zum Teil selbst . Ihre Löhne werden in der Firmenzentrale in Karlsruhe nicht als "Personalkosten" verbucht, sondern als "Leistungsbeitrag".
Das Konzept
In seinen Grundzügen sieht das Konzept ein gesetzlich festgelegtes Grundeinkommen für jeden Bundesbürger vor. Finanziert werden soll der Betrag, indem die bisherigen direkten und indirekten Sozialausgaben in Höhe von gegenwärtig 720 Milliarden Euro umgeleitet werden. Bei geschätzten 82 Millionen Empfängern käme für jeden rein rechnerisch ein Betrag von 731 Euro pro Monat zusammen. Der Vorschlag Werners und Hardorps geht aber noch weiter: Alle direkten Steuern für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen entfallen. Der Staat soll sich stattdessen durch höhere Verbrauchssteuern wie die Mehrwertsteuer finanzieren und sämtliche bisherigen Subventionen streichen. "Jeder Kostenfaktor eines Produktes oder einer Dienstleistung fließt heute in den Kaufpreis ein. Und da die Kosten durch Grundeinkommen und Steuerbefreiung sinken, würde auch der Preis fallen und einen Spielraum für Steuererhöhungen auf Produkte und Dienstleistungen schaffen", sagt Werner.


Hardorp: Hinzu kommt, dass Arbeitgeber nicht mehr mit ihren Angestellten umspringen könnten, wie es ihnen beliebt. Die wären nämlich frei in ihrer Entscheidung zu kündigen, weil sie damit nicht ihre Existenz aufs Spiel setzen würden. Die zusätzliche Freiheit würde sich speziell auch in den unteren Lohngruppen bemerkbar machen, denn diese befinden sich unter den bestehenden Umständen in einer doppelten Zwickmühle. Sie werden demotiviert durch schwierige Arbeitsbedingungen und stehen gleichzeitig häufig noch schlechter da, wenn sie arbeiten, als wenn sie sich auf die Sozialsysteme verlassen.
SPIEGEL ONLINE: Sie wollen aber nicht nur viel Geld für ein Grundeinkommen ausgeben, sondern auch auf Steuereinnahmen verzichten.
Hardorp: Richtig. Null Steuern für alle Einkommen.
SPIEGEL ONLINE: Alle?
Werner: Lohnsteuer, Einkommensteuer, Kapitalertragsteuer, Vermögensteuer - alles fällt weg.
SPIEGEL ONLINE: Und wer soll das bezahlen?
Werner: Ein Großteil der Summe bezahlt die Gesellschaft ohnehin schon für Sozialleistungen und Subventionen - rund 720 Milliarden Euro, die dann wegfallen würden. Nehmen Sie allein den Grundfreibetrag, den jeder in seiner Einkommensteuererklärung geltend machen kann. Aber Sie haben Recht, am Ende bleibt eine Differenz, die die Bürger bezahlen müssen. Wie groß diese ist, hängt natürlich davon ab, wie hoch das Grundeinkommen ist, über das sich die Gesellschaft verständigt. Wir denken, dass es über das ganze Leben verteilt im Durchschnitt 1200 Euro pro Monat betragen könnte, in der Jugend und im Alter weniger und zwischen 30 und 45 mehr.
SPIEGEL ONLINE: Überschlägig gerechnet würde ein Grundeinkommen von durchschnittlich 1200 Euro für jeden Bundesbürger mehr als 1400 Milliarden Euro kosten. Wie wollen Sie die Deckungslücke füllen?
Werner: Wie gesagt, über die Höhe des Gundeinkommens müsste sich die Gesellschaft verständigen. Zunächst würde es wohl geringer ausfallen. Aber am Ende wird der Produktivitätsfortschritt in der Gesellschaft so gewaltig sein, dass genügend Geld zur Verfügung stehen wird. Im Übrigen sprechen wir nicht von null Steuern. Eine einzige würde noch anfallen: die Konsumsteuer.
SPIEGEL ONLINE: Ein solcher Steuersatz müsste absurd hoch sein. Was Sie den Bürgern also in die rechte Tasche stecken, ziehen Sie ihnen aus der linken wieder heraus.
Werner: Die Logik, dass man das Geld erst verdienen muss, bevor man es ausgibt, kann ich auch nicht außer Kraft setzen. Übrigens sind auch heutzutage alle Steuern, tatsächlich alle Steuern, am Ende im Preis für die Ware oder Dienstleistung enthalten. Sie werden also auch vom Endverbraucher bezahlt. Würde man alle Staatseinkünfte über eine einzige Steuer einnehmen, so würde damit auch endlich klar, wie groß der Staatsanteil wirklich ist - er ließe sich ganz einfach an der Höhe der Mehrwertsteuer ablesen.
SPIEGEL ONLINE: Aber bei einer so hohen Verbrauchsteuer bleibt kaum noch etwas übrig von dem Grundeinkommen?
Werner: Zu Anfang würde es ungefähr in dem Bereich liegen, den heute ein Hartz-IV-Empfänger insgesamt zur Verfügung hat.
SPIEGEL ONLINE: Ein nicht gerade berauschendes Ergebnis angesichts der Tatsache, dass Sie das gesamte System umstürzen.
Werner: Die Vorteile sind so groß, dass sich der Umsturz lohnt. Zum einen fällt die Steuer nicht mehr innerhalb des Wertschöpfungsprozesses an, also an der Stelle, wo die Menschen Leistung erbringen. Stattdessen bezahlt sie derjenige, der das Produkt am Ende der Wertschöpfungskette haben will. Leistung würde sich also wieder lohnen. Weil Arbeit billiger würde, könnten eine ganze Reihe neuer Jobs entstehen. Und natürlich hätten diejenigen, die bisher schwarz gearbeitet haben, plötzlich reguläre Jobs. Die Exportwirtschaft würde im Ausland noch wettbewerbsfähiger werden. Kapitalflucht ins Ausland wäre kein Thema mehr, weil sich damit keine Steuerzahlungen mehr vermeiden ließen. Das Geld bliebe im Lande und stünde für Investitionen zur Verfügung. Wir würden um ein gewaltiges Ausmaß reicher werden als heute.
Hardorp: Natürlich würde auch der Drang, Geld lieber in Investitionsruinen zu versenken, als es dem Fiskus zu überlassen, verschwinden, denn wo keine Steuerbelastung anfällt, fehlt auch das Bestreben, sie zu reduzieren. Fehlsteuerungen würden vermieden. Den Vorteil, den die Vereinfachung der ganzen Steuer- und Verteilungsbürokratie mit sich bringt, wage ich gar nicht abzuschätzen.
SPIEGEL ONLINE: Die Verbrauchsteuern bezahlen Arme gleichermaßen wie Reiche. Wo bleibt der Grundsatz, dass die Starken einen höheren Anteil an der Finanzierung des Staates übernehmen sollen?
Werner: Zum einen konsumieren sie natürlich mehr und bezahlen auf diese Weise mehr Steuern. Das Geld, das sie nicht ausgeben, kommt über Investitionen wieder der Gesellschaft zugute. Aber ich gebe zu: Eine überproportionale Belastung, wie wir sie im derzeitigen System kennen, ist das nicht. Sie würde aber auch nichts bringen, denn sie wird am Ende ja doch weiterverkalkuliert und landet in den Preisen.
SPIEGEL ONLINE: Und wie viele zusätzliche Arbeitsplätze würde Ihr Modell bringen?
Werner: Falscher Ansatz. In dieser Welt gäbe es keine Arbeitslosen mehr, denn alle die arbeiten wollen, könnten das tun - und ich bin sicher jeder würde seinen Weg finden.
Das Gespräch führte Michael Kröger



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<hr noshade="noshade" size="1">Götz Werner: Der Waldorf- Discounter
http://www.manager- magazin.de/koepfe/unternehmerar<wbr>chiv/0,2828,284159,00.html (http://www.manager-magazin.de/koepfe/unternehmerarchiv/0,2828,284159,00.html)
http://www.spiegel.de/static/sys/v6/minipfeil_4C4C4C_6x11.gif Mehr Infos zum Grundeinkommen
http://www.unternimm- die- zukunft.de/ (http://www.unternimm-die-zukunft.de/)

Helmut.2
18.04.2007, 19:36
Hallo Wolfgang,

dieser Mann hat meine volle Sympathie, keiner müßt sich schämen vom Sozialamt und sonstigen Bitte, Bitte Ämter Unterstützung zu bekommen!

Alle Welt würden uns beneiden um einen solch grossen Schritt in die "soziale Marktwirtschaft" denn die wird heutzutage so klein geschrieben, daß man sie mit der Lupe suchen und lesen muß! Und ich bekäme eine Zulage zur Rente, das wäre fein.

Lieben Gruß nach Berlin, Helmut

Schorschel
18.04.2007, 20:19
Einer meiner Lieblings-Hochschulprofessoren, der Ökonomie-Professor Schmölders...

Hallo Reinardo,

bei Papa Schmölders habe ich 1965 in Köln im BWL-Examen meine VWL-Prüfung gehabt. Ein sehr beeindruckender, warmherziger Mensch!!

Ansonsten stimme ich Deinem Pessimismus ganz überwiegend zu, einfach auch weil sehr vielen Menschen schlicht und einfach die Leistungsbereitschaft abhanden gekommen ist. Ob Hartz IV, Grundeinkommen oder wie das Kind auch immer heißen mag: Viel zu viele würden den Betrag einsacken, um anschließend die Hand aufzuhalten, weil sie meinen, dass ihnen doch eigentlich viel mehr zusteht (und das möglichst ohne anstrengende Eigenleistung).

Ich komme eigentlich eher aus der linken Ecke, habe aber im Laufe meines Berufs- und Unternehmerlebens viel an Illusionen über den homo sapiens verloren.

Herzliche Grüße

Schorschel

GottfriedS
18.04.2007, 22:21
Tätig sein ist wichtiger als Geld verdienen. Einsatz ergibt auch dann einen Sinn, wenn sich sein Wert nicht in Euro bemessen läßt.
Jaja, das sollten sich mal die Beamten und Spitzenverdiener in Politik und Wirtschaft hinter die Ohren schreiben... Für was braucht ein Topmanager eigentlich mehrere Millionen "Lohn", wenn ihm doch seine Arbeit so Spass macht? Besonders wenn seine Haupt-"Leistung" in Massenentlassungen und in der Externalisierung der Kosten (auf die Allgemeinheit) besteht...



"An bösen Worten, die man herunterschluckt, hat sich noch niemand den Magen verdorben" (Winston Churchill)
Von Psychosomatik verstand Churchill halt nix... :rolleyes:

Gruss,
Gottfried