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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zuckerkrank durch Bluthochdruck-Medikamente



Harro
29.04.2007, 13:04
Hallo DHBler und auch die Anderen,

auch ich hatte während der DHB Probleme mit Bluthochdruck und habe Medikamente möglichst verschmäht. Hierzu lese ich heute in der "Rheinpfalz": Bluthochdruck-Patienten droht eine Zuckerkrankheit nicht nur bei Übergewicht und Fettleibigkeit, sondern auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente. In Verdacht stehen ältere Arzneimittel aus der Gruppe der Betablocker und der Diuretika. Betablocker senken den Blutdruck, indem sie den Herzschlag verlangsamen und abschwächen. Diuretika fördern die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Nieren. Beide Mittel haben aber auch Auswirkung auf die Muskeldurchblutung, was eine "diabetesauslösende" Nebenwirkung erklären könnte. Blutdrucksenker aus der Gruppe Der ACE-Hemmer oder der so genannten Angiotensin- Antagonisten hätten dagegen günstige Effekte auf den Blutzucker und könnten helfen, eine Diabetes zu vermeiden. Diese Medikamente seien jedoch teurer, weshalb für Kankenkassen und Ärzte ein Anreiz zur Verordnung der älteren Medikamente bestehe. Wenn allerdings alle 20 Millionen Hochdruckpatienten in Deutschland statt mit einem unbedenklichen ACE-Hemmer mit einem Diuretikum behandelt würden, könne dies nach Berechnungen langfristig ein Mehr von knapp 700.000 Diabetikern bedeuten.

Schöne Aussichten sind das. Ich habe schon vor 3 Jahren sowohl Beta-Blocker als auch Diuretika auf eigene Faust abgesetzt und lebe immer noch trotz Blutdruck immer zwischen 155 zu 70 schwankend - auch mal 130 zu 60 - . Das hängt bestimmt von so vielen Faktoren ab, daß ich mir meist darüber nicht mehr den Kopf zerbrechen möchte. Das Diuretika-Medikament war auch verantwortlich dafür, daß ich nachts häufiger raus mußte, und seit dem Absetzen schlafe ich wieder oft durch. Jeder ist seines Wohlbefindens am besten eigener Schmied.

"Liebe auf den ersten Blick ist ungefähr so zuverlässig wie Diagnose auf den ersten Händedruck" (George Bernard Shaw)

Gruß Hutschi

HansiB
29.04.2007, 19:38
Hallo Hutschi,
durch Chemo kann es auch zu Zuckerkrankheit, zumindest kurzfristig kommen. Mich kann Zucker- Bluthochdruckkrankheit ("wie ein junges Huhn") nicht sehr aufregen. Aber die 700 000 neuen Zuckerkranken werden den Aktienkurs von Novo-Nordisk AS, den Medikamentenhersteller für Zuckerkranke, eine meiner Lieblingsaktien, weiterhin puschen.

Gruß Hans

Zellophan100
30.04.2007, 10:57
Hallo,
unter der Web-Adresse
http://www.iqwig.de
finden sich einige Infos zu den hier angesprochenen Fragen. Den interessanten Teil habe ich als Anhang kopiert, siehe unten.

Zuvor noch meine persönliche Meinung zum Thema: Ich würde eher einen geringfügigen Anstieg des durchschnittlichen Blutzuckerspiegels tolerieren als dauerhaft mit einem zu hohen Blutdruck leben wollen, denn ich glaube, dass der hohe Blutdruck in viel stärkerem Maße lebensverkürzend wirkt. Im übrigen muss man sehen, ob man Wege findet, den Blutzuckerspiegel oder auch den Blutdruck ohne Medikamente zu senken. Ein ganz bewährtes Mittel scheint hier Spazierengehen zu sein (vier Stunden pro Woche) oder andere körperliche Aktivitäten, vgl.
http://www.sport.med.tum.de/data/Laufen_bis_der_Blutdruck_sinkt.pdf
Gruß
Stefan

Quelle für das Folgende ist:
http://www.iqwig.de/download/Hintergrundinfo_A05_09_Vorbericht_Antihypertensive %20Wirkstoffgruppen%20als%20Therapie%20der%20erste n%20Wahl.pdf
(...)
Wir wirken sich Blutdruckmedikamente auf den Blutzucker aus?
Einen häufigen Diskussionspunkt stellt die so genannte diabetogene Potenz bestimmter Antihypertensiva dar. Damit ist gemeint, dass einige Wirkstoffe wie zum Beispiel Diuretika und Betablocker den Blutzuckerspiegel im Blut erhöhen. Der IQWiG-Vorbericht bestätigt diesen bekannten Effekt. Unter der Behandlung mit Diuretika kommt es bei mehr Personen zu einem Blutzuckeranstieg als unter der Behandlung mit ACE-Hemmern oder Kalziumantagonisten. Das kann dann zur Diagnose eines Diabetes führen, wenn der Blutzucker ohnehin gerade an der Schwelle zur Diagnosestellung liegt. Diese Schwelle ist in Deutschland auf 120 Milligramm pro Deziliter (nüchtern) festgelegt. Der durch Blutdruckmedikamente bedingte Blutzuckeranstieg liegt im Vergleich dazu bei wenigen Milligramm pro Deziliter.
Ein Beispiel, wie sich das auf die Häufigkeit von Diagnosen auswirkt, ist die "ALLHAT"-Studie, an der etwa 33.000 Patienten im Durchschnitt knapp 5 Jahre lang teilgenommen haben. Im Laufe der Zeit kam es bei 12 von 100 Patienten, die das Diuretikum Chlorthalidon genommen haben, zu einer neuen Diabetesdiagnose.
Unter den Patienten, die den ACE-Hemmer Lisinopril genommen haben, waren es 8 von 100. Und von 100 Patienten, die den Kalziumantagonisten Amlodipin genommen haben, waren es 10. Diese Zahlen zeigen, dass der Unterschied über fünf Jahre also 2 bis 4 von 100 Patienten betrifft.

Kann man einen Anstieg der Blutzuckerwerte verhindern?
Diese Blutzucker steigernde Wirkung ist übrigens seit mehr als 50 Jahren bekannt. Sie wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass bestimmte Diuretika zu einer vermehrten Ausscheidung von Kalium führen und die Bauchspeicheldrüse auf die niedrigere Kaliumkonzentration reagiert, indem sie etwas weniger Insulin freisetzt. Fast ebenso lange weiß man, dass dieser Effekt durch eine Verringerung der Medikamentendosis, durch die Einnahme von Kaliumtabletten oder durch die zusätzliche Einnahme kaliumsparender Diuretika (z. B. mit den Wirkstoffen Amilorid oder Triamteren) verhindert oder zumindest verringert werden kann.

Bedeutet der Anstieg der Blutzuckerwerte durch Einnahme eines Diuretikums ein Risiko?
Während sich die Experten international einig sind, dass dieser leichte Blutzuckeranstieg existiert, gibt es große Meinungsunterschiede, welche gesundheitliche Bedeutung er hat. Einige Experten halten das diabetogene Potenzial für ein wichtiges Argument gegen Diuretika und Betablocker und für neuere Medikamente wie ACE-Hemmer und Angiontensin-II-Antagonisten (Sartane). Sie glauben, dass Patienten, die lange Diuretika einnehmen, nach 10 oder 15 Jahren durch die Spätfolgen von Diabetes gefährdet sein könnten. Allerdings gibt es für diese Gefährdung keine wissenschaftlichen Belege, obwohl zum Beispiel Diuretika bereits seit den 1960er Jahren verwendet werden. Mittlerweile gibt es eher Hinweise, dass diese Sorge unbegründet ist. Einer stammt aus einer nachträglichen Auswertung der ALLHAT-Studie. Hier haben die Forscher unter anderem gezielt die Patienten untersucht, bei denen während einer Therapie mit Diuretika ein Diabetes (Typ-2) diagnostiziert wurde. Die Forscher haben dann ausgewertet, ob es bei diesen Personen zu einer Zunahme schwerwiegender Ereignisse wie zum Beispiel Schlaganfälle, Herzschwäche, Nierenversagen oder Tod kam. Das Ergebnis war, dass es keine Zunahme gab, sondern die Patienten weiter von den Mitteln profitierten. Eine Diabetes-Diagnose hatte bei den Patienten, die Diuretika eingenommen haben, keine nachteiligen Folgen.
Eine weitere Studie bestätigt dies auch über eine Behandlungsdauer von 14 Jahren. Auch in dieser so genannten SHEP-Studie, die Mitte der 1980er Jahre begonnen wurde, gab es Patienten, bei denen es während der Behandlung mit dem Diuretikum Chlorthalidon zu einer Diabetes-Diagnose kam. Doch selbst innerhalb von eineinhalb Jahrzehnten führte das nicht zu einer Zunahme von Komplikationen wie Schlaganfällen oder Herzschäden. Nach dem Stand des Wissens sprechen die vorhandenen Studien gegen theoretische Überlegungen, dass ein geringfügiger Anstieg des Blutzuckers und darauf basierende zusätzlichen Diabetes-Diagnosen gesundheitliche Nachteile haben, die den Nutzen der Diuretika langfristig wieder zunichte machen.