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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Strategie bei Rezidiv



GerhardL
09.05.2007, 18:17
Im Jahre 2000 (Alter 54) mußte ich die Entscheidung bezüglich der aus meiner persönlichen Sicht bestmöglichen PC Therapie treffen. Der PSA Wert war zwischenzeitlich bedrohlich nahe an 20 herangekommen und eine Biopsie bestätigte den Verdacht. Damals entschied ich mich für eine kombinierte Strahlentherapie (interstitielle Brachytherapie) mit zwei Nadelungen und einer anschließenden 5 wöchigen externen Betrahlung. Dies ermöglichte mir meine selbstständige Tätigkeit parallel zur Therapie fortzusetzen ohne meine Existenzgrundlage zu verlieren. Die Behandlung erfolgte an der Uni Klinik Freiburg und Verlauf sowie Ergebnis waren sehr zufriedenstellend. Der PSA Wert sank rasch bis auf 0,5 im Jahre 2004. Leider hat sich der Trend ab diesem Zeitpunkt umgekehrt und ich stehe nach kontinuierlichen Anstieg in Folge heute bei 1,5. Der Urologe und auch die Radiologen der Nachsorge sprechen offen von der hohen Wahrscheinlichkeit eines lokalen Rezidives. Eine Cholin PET Untersuchung ist aber wegen des momentan noch geringen Wertes nicht aussagekräftig. Mein Urologe hat mir mitgeteilt, dass nach der Bestrahlung eine OP nicht mehr in Frage kommt. Vielmehr empfiehlt er mir bei weiterem Anstieg entweder eine Hormonbehandlung oder eine HIFU. Hat jemand vergleichbare Erfahrungen und kann mir helfen meine Wissensbasis zu vergrößern? Vielen Dank in Voraus für jede gut gemeinte Unterstützung.
GerhardL

Bernhard A.
09.05.2007, 19:10
Hallo Gerhard !
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Habe im Jahr 2005 mit fast den gleichen Motiven (siehe mein öffentl.Profil – da siehst Du auch wo ich behandelt worden bin) scheinbar die gleiche Behandlung, im gleichen Alter, gemacht.
Hast Du Seeds(LDR) oder Afterloading(HDR) bekommen (Nadelung ?)
Hast Du damals auch eine begleitende Hormontherapie bekommen ?
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An einen „Bump“ mag man nach 7 Jahren fast nicht mehr glauben.
Sollte sich bei Dir wirklich ein Lokal-Rezidiv herausstellen hättest Du noch Glück im Unglück gehabt.
Ob es die Möglichkeit einer Nachbestrahlung gibt vermag ich nicht sicher zu sagen. Beim Verlassen meiner Klinik hat man mir solche Andeutungen gemacht. Im Buch von Dr. Strum wird zumindest von der Möglichkeit berichtet, dass nach Seeds noch Afterloading möglich ist.
Vielleicht wäre es sinnvoll für Dich auch mal eine andere Meinung einzuholen.
Riskiere doch mal einen Tag Urlaub, mache einen Termin, und lasse Dich von den Ärzten beraten die mich behandelt haben. Sie gehören zu den Ärzten, die im westdeutschen Bereich, mit, die meiste Erfahrung mit Brachy-Therapien haben.
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Eine zu frühe Hormontherapie hat den Nachteil, dass Du nicht mehr erfährst um welch eine Art Rezidiv es sich handelt.
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Ich hielte es auch für sehr sinnvoll wenn Du in Deiner Situation die wichtigsten Tumormarker überprüfen läßt.(auch wenn es ein paar Euro „Igel“-Zuzahlung kostet) Im unteren Bereich meines Profils findest Du diese Marker mit den dazugehörenden Referenzwerten. Auf diese weise könnte man einen mesastisierenden PK ziemlich sicher ausschließen.
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Gruß
Bernhard A.

Hans-W.
09.05.2007, 19:35
Hallo Gerhard,
Ich bin einen anderen Weg gegangen (Profil anschauen) aber auch ohne OP und mit 2HB bis mein PSA nach 2 Jahren wieder anstieg. Derzeit mache ich eine IMRT Bestrahlung im Klin. Mannheim. Dort sind einige Mitstreiter, die, wie du, die (nach einer OP) ein Rezidiv bekommen haben und jetzt die IMRT Bestrahlung durchziehen. Mir wurde gesagt, daß eine 2te Bestrahlung u. U. möglich ist. Die IMRT ist anders als deine externe Bestrahlung, kann punktgenauer, stärker und trotzdem schonender durchgeführt werden und könnte dir ev. helfen. Es wäre die Sache wert, dort anzurufen. Die Tel. Nr. kann ich dir besorgen, ist aber kein Geheimnis. Dort wurde auch über die Möglichkeit einer sogenannten "salvage OP" gesprochen, also eine OP trotz Strahlentherapie. Wie gesagt, dies ist eine Möglichkeit, die du in Betracht ziehen könntest so lange keine Fernmetastasen festgestellt worden sind.
Alles Gute,
Hans-W.

Patrick
09.05.2007, 20:02
Hallo Bernhard,

Gerhard wird eine HDR-Brachytherapie als Afterloading erhalten haben, da bei
einem SEEDS - Einsatz im Anschluss nicht mehr extern bestrahlt wird, die SEEDS - Strahlung dauert ja bis zu 9 Monaten an.

Hier scheint es sich wirklich und hoffentlich um ein Lokalrezidiv zu handeln.

Da ich auch Afterloading Patient bin hatte ich während und nach meiner Behandlung schon einmal bei meinen Ärzten angeklopft was man tun könnte
wenn die Behandlung nicht das erwartete Ergebnis bringen würde.

Aussage des Strahlentherapeuten:
Es gibt Möglichkeiten der weiteren Bestrahlung.. allerdings ungern wenn sich das Rezidiv im Bereich der bereits mit "voller Dosis" bestrahlten Prostataloge
befindet... ( wo es sich wohl mit 85 % Wahrscheinlichkeit aufhält )

Urologe würde PSA-Entwicklung abwarten wollen und würde Cholin-PET-CT
und ggf. erneute Biopsie ( Feinnadel ) empfehlen.
Als Behandlung Hormontherapie bis dieses nicht mehr möglich da OP zwar möglich aber mit erheblichen Risiken für Potenz aber auch für die Kontinenz verbunden wäre.
Über HIFU hatte ich nicht weiter nachgedacht bzw. sie noch nicht ins Kalkül gezogen.

Drücke dir, Gerhard, die Daumen das du die SAche in den Griff bekommst und zwar mit Erfolg !

GerhardL
10.05.2007, 20:56
Vielen Dank für die qualifizierten Beiträge. Als Neuling im Forum bin ich beeindruckt von der Kompetenz und Vielseitigkeit der Teilnehmer in Sachen PC. Dies habe ich nicht bei allen Medizinern feststellen können mit denen ich im Laufe meiner Erkrankung gesprochen habe. Häufig waren die Meinungen doch sehr schmalspurig und ohne Flexibilität. Vielleicht habe ich auch zu Beginn meiner PC Erfahrungen zu viel von Hacketal gelesen. Eine wirklich hilfreiche Lektüre bei meiner Therapieentscheidung im Jahre 2000 war ein Zeitungsartikel von Andy Grove, dem Mitgründer der Firma Intel (Hersteller von Computerchips). Den Artikel kann man auch heute noch im Netz anschauen:
http://www.phoenix5.org/articles/Fortune96Grove.html
Als Physiker hat er eine sorgfältige Analyse der Therapieoptionen durchgeführt und kam zu einem interessanten Ergebnis. Seine Ergebnisse haben mich damals überzeugt, obwohl Urologen bekanntermaßen lieber operieren. Nach den Ergebnissen des Hirnforschers Prof. Spitzer Ulm soll man bei schwierigen Entscheidungen durchaus auch das "Bauchgefühl" mitsprechen lassen, da damit eben auch das umfangreiche unterbewußte Wissen seinen Eingang in die Entscheidung findet. In diesem Sinne nochmals vielen Dank für die guten Beiträge.