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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welche Behandlung wäre sinnvoll???



lienchen
01.06.2007, 21:15
Hallo,

ich schreibe für meinen Vater, der leider vor drei Wochen auch die Diagnose PK bekommen hat. Tja, wie man sich danach auch als Angehörige fühlt, muß ich euch ja nicht erzählen.

Hier sein Profil:
Alter: 67 J. , PK-Diagnose: 05/2006
positiver Tastbefund
positiver TRUS
Testosteron 6,2 ng/ml
PSA 11,5 ng/ml (Blut wurde jedoch nach obigen Untersuchungen abgenommen, was den PSA ja erhöhen kann)
Stanz-Biopsie: Gleason 3+2=5;
Differenzierungsgrad: G2
Vier Stanzen links: carcionomfrei, aber adenomyatöse Prostatahyperplasie
drei Stanzen rechts: in der Hälfte der Stanzen mäßig differenziertes tubuläres Adeno-Carcinom

Der Urologe hat ihm jetzt für zwei Wochen Hormontabletten mitgegeben und gesagt er solle sich schnellstens entscheiden. Sein Rat ist die radikale OP bzw. Bestrahlung.
Habe mich natürlich auch schon schlau gemacht, bin aber einfach von der Fülle der Möglichkeiten erschlagen.
Wir haben einen Termin im Prostatazentrum Gronau zwecks genauerer Beratung.
Könnt ihr mir vielleicht Tipps geben wie wir weiter vorgehen sollten?

Viele Grüße lienchen

PeterP
01.06.2007, 22:13
Hallo lienchen,
es besteht keinerlei Grund zur Panik!
Die Diagnose ist immer erst einmal ein Holzhammer, aber so wie sich die Sache bei Deinem Vater im Moment darstellt, liegt weder ein agressiver Fall eines PCA´s noch ein fortgeschrittenes Stadium vor. Der PSA-Wert kann, wie Du richtig bemerkt hast, je nach Stress durch die Untersuchung verfälscht sein. Eine Zweitmessung kann erst in etwa 8 Wochen erfolgen, wenn die Entzündung durch die Biopsie abgeklungen ist.
Der Rat, Ihr müßtet Euch schnellstens entscheiden ist ein leider üblicher Unsinn, der schon fast mit der Überrumpelungsstrategie von Haustürverkäufern vergleichbar ist.
Nimm Dir die Zeit und lies einmal in aller Ruhe die Beiträge in der BPS-Startseite unter Therapien, erster Rat etc. durch.
Die Operation ist in einem Anfangsstadium bestimmt eine gute Möglichkeit, die Geschichte "hinter sich zu bringen" (aber die Betonung liegt auf "Möglichkeit", denn die liegt bei ungefähr 75 bis 85%), bedeutet aber auch ganz erhebliche Einschnitte in die Lebensqualität. Das wird gerne heruntergespielt, auch direkt betroffene reden sich da gerne heraus.
Also alles in Ruhe überlegen und die verschiedenn Möglichkeiten durchspielen.
Wie sind die PSA-werte in der Vergangenheit gewesen, oder war es die erste PSA-Messung? Wenn eine Historie besteht, stelle sie bitte in das persönliche Profil Deines Vaters.
Viel Erfolg
PeterP

lienchen
01.06.2007, 22:28
Hallo Peter,

danke für die schnelle Antwort.
Ja, es war leider die erste PSA-Messung, mein Vater war 12 Jahre nicht bei der Vorsorgeuntersuchung!!! Tja, Vorwürfe seitens der Familie sind jetzt eh überflüssig und helfen ihm auch nicht wirklich.

Vor 12 Jahren war der Tastbefund stets negativ, die Prostata jedoch vergrößert, PSA gab es ja damals noch nicht.

Ich überlege momentan, ob nicht evtl. noch eine DNA-Bildzytometrie sinnvoll wäre. Nächste Woche steht noch ein Knochen-Szintigramm an.

Gruß lienchen

RalfDm
01.06.2007, 22:31
Hallo lienchen,

anders als bei vielen anderen Krebsarten, bei denen nur eine Art der Behandlung zur Verfügung steht, gibt es beim PK gleich ein ganzes Bündel - ich brauche es nicht aufzuzählen, Du hast Dich anscheinend bereits gut informiert. Nur eins ist nicht dabei, eine "Therapie light", d. h. eine Behandlung ohne nennenswerte Risiken und Nebenwirkungen, aber möglichst wirksam. Allenfalls das "watchful waiting", das eigentlich eine Nicht-Therapie ist, hat keine Nebenwirkungen, dafür einiges an Risiken.
PeterP hat es schon gesagt: Dein Vater soll sich zu keiner Therapie drängen lassen. Erst dann, wenn er sich über alle Optionen gut kundig gemacht hat, soll er sich entscheiden, denn nur er weiß, welche Risiken und welche ggf. bleibenden Nebenwirkungen er bereit ist, in Kauf zu nehmen.
Ich weiß nicht, ob Du bei Deiner Suche auf diesen Text (http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/Erster%20Rat.pdf) gestoßen bist. Ich habe darin versucht, einmal alles zusammenzufassen, was ein Neubetroffener wissen sollte, bevor er sich für eine Therapie entscheidet, und wo er noch an weitere Informationen kommen kann. Etliche Betroffene haben diesen Text schon nützlich gefunden.
Deinem Vater wünsche ich eine glückliche Hand bei seiner Wahl und alles Gute.

Ralf

lienchen
02.06.2007, 13:37
Vielen Dank für eure Hinweise, der oben angeführte Text ist wirklich sehr hilfreich.

Zwei Fragen habe ich noch:

1. Würdet ihr bei Gleason 3+2=5 eine Zweitmeinung einholen. Mich hat gewundert, dass der Score noch recht human war, obwohl der Krebs deutlich tastbar und sichtbar war im Ultraschall?
2. Hat jemand Erfahrung mit PZ Gronau gemacht?

Viele Grüße lienchen

Oskar CH
02.06.2007, 16:23
Hallo lienchen

Studier mal mein Profil. Ich habe ganz ähnliche Werte wie Dein Vater und ich habe mich nachdem ich mich im Internet kundig gemacht habe für "Abwarten und Beobachten" entschlossen. Ich empfehle Dir bzw. Deinem Vater auch die Beiträge zu studieren zu denen ich am Ende meines Profils Links angegeben habe. Der Arzt Deines Vaters wie vermutlich auch einige in diesem Forum werden Dir von meiner Strategie abraten. Ihr müsst euch aber eine eigene Meinung bilden. Zeit dazu habt Ihr mehr als genug. Insbesondere rate ich Dir aber, dass Du Deinen Vater dazu bewegst, die Angelegenheit selber an die Hand zu nehmen.

Alles Gute

Oskar CH

HansiB
02.06.2007, 16:26
Hallo Lienchen,

ich würde eine Zweitmeinung des Pathologen Helpap einholen, die Therapie nicht übereilen und noch mehrere PSA Messungen abwarten. Von Interesse wäre auch die Größe der Prostata. Wenn ich in der Situation wäre, mit dem Wissen was ich habe und ein Paar Jahre älter, würde ich WW machen und mein Immunsystem überprüfen und wenn erforderlich stärken und die Ernährung umstellen.

Gruß Hans

Zellophan100
02.06.2007, 22:58
Hallo Lienchen,
die bis 1999 zurückreichende Prostata-Historie von Oskar CH (nachzulesen in seinem Profil) finde ich sehr interessant.
Ich würde auf jeden Fall (wie er) wissen wollen, welchen Ploidiegrad dieses Prostatakarzinom hat. Das geht, wie du selbst schreibst, über eine DNA-Zytometrie-Untersuchung. Wer diese Untersuchung will, sollte sie sich nicht ausreden lassen. Wenn der Urologe dies blockiert, kann man auch über den Hausarzt die Herausgabe des Untersuchungsmaterials beim Pathologen veranlassen, so dass z.B. an der Uniklinik Düsseldorf die DNA-Zytometrie gemacht werden kann.
Außerdem will ich mich den Vorrednern insofern anschließen, als bei Gleason-Score 3+2=5 (das ist der niedrigste Wert, der bei einer seriös analysierten Stanzbiopsie überhaupt herauskommen kann) bestimmt reichlich Zeit ist, zu überlegen und sich zu informieren.
Ich biete auch an, den Kontakt zu einem weiteren Urologen zu vermitteln, der euch beraten kann und den ich für höchst kompetent gerade in Fällen wie diesem halte (bitte private Nachricht an mich schicken, falls Interesse an dessen Telefonnummer besteht).
Lasst euch nicht verrückt machen. Wie dieser Urologe einmal sehr treffend bei einem Vortrag vor einer PCa-Selbsthilfegruppe sagte: Es gibt zwei Feinde in dieser Situation, erstens den Krebs in der Prostata und zweitens die Angst im eigenen Kopf. Will man gute Entscheidungen treffen, muss man mit beiden "Feinden" intelligent umgehen.
Alles Gute.
Stefan

lienchen
03.06.2007, 17:58
Nochmals Dank für die Unterstützung.


Aufgrund des niedrigen Gleasonscores werden wir auf jeden Fall eine Zweitmeinung einholen. Ich glaube, mein Vater tendiert momentan auch eher zum beobachtenden Warten und gerade dann sollte ja auch abgesichert sein, das der Pathologe vernünftig gearbeitet hat.

Werde die Geschichte meines Vater hier weiterhin aktualisieren, leider versperrt er sich der modernen Technik Internet völlig.

Gruß lienchen