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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neues von der Europäischen Zulassungsbehörde EMEA: Entscheidung zu Casodex 150 mg



cligensa
21.06.2007, 23:05
Vor einiger Zeit gab es heftige Diskussionen und Herumraten darüber, weshalb die Casodex 150 mg Tablette in Deutschland und Canada vom Markt genommen wurde, in anderen Ländern aber nicht. Mehrere Ärzte befürchteten in Regreß genommen werden zu können, wenn sie 3 mal 50 mg Tabletten entweder als Monotherapie oder in Kombination mit einem LH-RH-Analogon verschreiben, zumal Behörden nicht ausschließen wollten, Casodex 150 mg könne zu einer höheren Mortalität führen.
Dabei war die 150 mg Tablette erheblich billiger als die 3 mal 50 mg.
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Diese Unsicherheit besteht jetzt nicht mehr, weil die Europäische Zulassungsbehörde für Medikamente, EMEA, für alle Länder Europas empfohlen hat, auch im nationalen Bereich die 150 mg Tablette zuzulassen. Die nationale Behörde hat keine andere Wahl. Ärzte brauchen also nicht mehr zu fürchten, dass Ihnen wegen des Verschreibens von 150 mg Bicalutamid Schaden entstehen könnte.
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Zu diesem Vorgang, der sich auf Casodex 150 als Monotherapie bezieht, ist Folgendes zu berichten:
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Das zuständige Komitee (CHMP = Committee for Medicinal Products for Human Use) der europäischen Zulassungsbehörde EMEA (European Medicines Agency) hat nach Prüfung der Datenlage zur Sicherheit und Wirksamkeit von Casodex 150 mg seine Empfehlung ausgesprochen und in einer Pressemitteilung vom 25. Mai veröffentlicht:
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<!--[if !supportLists]-->·<!--[endif]-->Das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Casodex 150 mg wird für Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom und hohem Progressionsrisiko positiv bewertet!<o></o>
<!--[if !supportLists]-->·<!--[endif]-->Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom sollte Casodex 150 mg nicht angewendet werden.
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Hintergrund der Prüfung war ein Antrag der belgischen Zulassungsbehörde. Diese hatte 2005 entsprechende Bedenken geäußert, denn als 2003 auf Grundlage der 5,4-Jahresdaten des EPC-Programms entschieden wurde, dass Casodex 150 mg bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom nicht mehr eingesetzt werden soll, wurde in Belgien zunächst auf eine Streichung dieser Indikation verzichtet.

Zur Erinnerung: Die 5,4-Jahresdaten des EPC-Programms zeigten bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom im Watchful-Waiting-Studienarm eine höhere Zahl von Todesfällen unter Casodex 150 mg als nach Gabe von Placebo [196 (25.2%) Todesfälle vs. 174 (20.5%) Todesfälle, relatives Risiko = 1.23 mit 95% Vertrauensbereich 1.00 - 1.50]. AstraZeneca hatte alle Todesfälle und alle Unterlagen aus verschiedenen Datenbanken zur Arzneimittelsicherheit gründlich analysiert. Es ergab sich zwar kein Anhaltspunkt für einen direkten Kausalzusammenhang zwischen der beobachteten erhöhten Mortalität und der Behandlung mit Casodex, doch es wurde entschieden, dass das Medikament bei diesen Patienten, die ein niedriges Progres*sionsrisiko auf*weisen, nicht mehr eingesetzt werden soll.
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Grundlage der aktuellen Prüfung waren die 7,4-Jahresdaten des Casodex EPC-Studienprogramms: Diese belegen, dass die Anwendung von Casodex 150 mg entweder als alleinige Therapie oder adjuvant zu radikaler Prostatektomie oder Strahlentherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom und hohem Progressionsrisiko das progressionsfreie Überleben verbessert. Im Falle der adjuvanten Therapie nach einer primären Strahlentherapie bei lokal fortgeschrittener Erkrankung wurde zudem bereits eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens nachgewiesen. Dagegen zeigt die Anwendung bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom keinen Nutzen.
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Trotz dieses positiven Votums auf europäischer Ebene besteht in Deutschland leider immer noch keine Zulassung für die Anwendung von Casodex 150 mg. Das Patent für Bicalutamid läuft aus, der Europäische Markt ist groß. Eine weitere Verbilligung ist zu erwarten. Die Behörden sollten möglichst bald die entsprechenden Konsequenzen ziehen sonst ist wieder mal nur der deutsche Patient der am meisten für das Medikament bezahlen muß.<o></o>
Grüße<o></o>
Christian

Urologe
22.06.2007, 07:50
-->Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom sollte Casodex 150 mg nicht angewendet werden.

Hallo Herr Ligensa,

da liegt genau das Problem. DHB machen meist Pat. mit lokal begrenztem PK
UND
beurteilt wurde nur die MONOTHERAPIE.

Es ist ist also weiterhin problematisch, die 150 mg bei DHB zu verordnen - aus meiner Sicht also keine Änderung des Status quo, denn in der selten verwendeten Casodex Monotherapie hatten wir auch bis jetzt keine Schwierigkeiten mit der Verordnung von 150 mg.

Gruss
fs

cligensa
22.06.2007, 10:53
Hallo Dr. FS,
bei dem Konzept der DHB, dem Leibowitzprotokoll, muß ich immer wieder betonen, dass ich nur Transporteur von Informationen bin und meine eigene Meinung dazu keine Rolle spielen sollte, schließlich bin ich Dipl.-Ing. und nicht Arzt. Das schließt natürlich nicht aus, dass ich eine eigene Meinung habe und sie auch vertreten darf. So will ich mich auch jetzt nur auf die Argumente abstützen, die ich aus den übersetzten Berichten und den persönlichen Gesprächen mit Dr. Leibowitz, dessen Patient ich immer noch bin, her kenne. Unter diesen Gesichtspunkten wäre Folgendes zu erwähnen:
Hinsichtlich der Beeinflussung der Biologie des Krebses durch Hormonblockade gibt es einen prinzipiellen Unterschied zwischen einer Bicalutamid Monotherapie und der maximalen Kombinationatherapie der DHB über eine begrenzte Zeit. Kombinationstherapien in begrenzter Zeit oder intermittierend werden in zunehmendem Maße auf wissenschaftlichen Kongressen im systemischen Bereich meist erheblich günstigere Wirksamkeitsmechanismen zugeordnet als Monotherapien (z.B. HIV, Tumore und Chemo). Die Einschränkungen im Rahmen des EPC-Studienprogrammes beziehen sich also nur auf die Monotherapie Casodex 150mg ohne definierte zeitliche Begrenzung, die bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom nicht angewendet werden sollte.

Dr. Strum, der vor längerer Zeit in einer kleinen Studie die DHB mit 50 mg Casodex durchgeführt hatte, konnte nur bei 75% die zu erwartenden guten Ergebnisse, nämlich (bei Strum) 12 Monate nicht mehr meßbarer PSA-Wert, erzielen. Das deckt sich mit der Auffassung von Dr. L., der den Unterschied zwischen 50 mg und 150 mg Casodex im Zusammenhang sieht mit den individuellen Unterschieden der Rezeptorenanzahl bei indiviuell unterschiedlich ausgelegten Patienten und nur bei 150 mg Casodex eine Wirksamkeit von 98%, bei 50mg Casodex jedoch nur 75% erwartet.

Sie haben natürlich recht, dass es bei der schwachen wissenschaftlichen Datenlage zur DHB immer noch für Ärzte aus grundsätzlichen Überzeugungsgründen heraus problematisch sein kann, die 150 mg Casodex bei lokal begrenztem Prostatakrebs im Rahmend er DHB anzuwenden. Die "Regreßbefürchtung" einiger Ärzte dürfte aber nach der Zulassungsempfehlung an die nationalen Behörden durch die EMEA jetzt vom Tisch sein, da eine Einschränkung der Anwendung nicht bei allen möglichen Indikationen und Therapieprotokollen sondern nur bei der zeitlich nicht begrenzten Monotherapie und lokal begrenztem Prostatakrebs als Empfehlung in dem Zulassungspapier angesprochen wurde.

Mit großem Dank für jede Ihrer Beteiligungen hier im Forum und herzlichem Gruß,
Christian Ligensa

Urologe
22.06.2007, 14:16
Sie haben natürlich recht, dass es bei der schwachen wissenschaftlichen Datenlage zur DHB immer noch für Ärzte aus grundsätzlichen Überzeugungsgründen heraus problematisch sein kann, die 150 mg Casodex bei lokal begrenztem Prostatakrebs im Rahmend er DHB anzuwenden. Die "Regreßbefürchtung" einiger Ärzte dürfte aber nach der Zulassungsempfehlung an die nationalen Behörden durch die EMEA jetzt vom Tisch sein, da eine Einschränkung der Anwendung nicht bei allen möglichen Indikationen und Therapieprotokollen sondern nur bei der zeitlich nicht begrenzten Monotherapie und lokal begrenztem Prostatakrebs als Empfehlung in dem Zulassungspapier angesprochen wurde.


Hallo Herr Ligensa,

ich glaube, wir reden an einander vorbei!

Ich habe NICHTS gegen die DHB gesagt, sondern nur, dass Patienten, die einen lokal begrenzten Tumor haben - also sich bewusst gegen eine kurative Therapie entschieden haben (auch hier NICHT als Kritik gemeint) - weiterhin nicht das Casodex 150 in der DHB bekommen können nach der EMEA-Empfehlung. Bei fortgeschrittenen Fällen sieht das anders aus.

Im Anhang nochmal Auszug aus dem EMEA-Original, die Empfehlung ist glasklar - daran wird sich die GKV - halten. Daher bei diesen Patienten nur 50 mg "auf Kasse" - sonst Regress.

Gruss
fs

What are the recommendations for prescribers?
When prescribing bicalutamide 150 mg tablets, doctors should be aware that:
• These medicines should not be used in patients with localised disease (when the tumour is
small and the cancer affects the prostate only),
• These medicines should only be used in locally advanced disease in patients at high risk of
disease progression. How such patients are identified may vary from country to country,
according to treatment guidelines, and could be based on criteria such as PSA levels (prostatespecific antigen, a marker of prostate disease), Gleason score (based on how the cancer cells look under a microscope, and used to assess how aggressive the cancer cells are), and stage of disease.

cligensa
23.06.2007, 18:11
Danke, lieber FS,
dann war das nur eine Hoffnung von mir, dass es anders sei. Gut, dass wir hier einen Praxis-Input erhalten.
Grüße
Christian