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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : PSA Anstieg auf fast 200! Was tun in diesem Stadium???



simonbuck
10.07.2007, 13:43
Bei meinem Vater (geb. 16.01.1939) wurde vor vier Jahren Prostata-Krebs diagnostiziert. Er hat sich damals für die Total OP entschieden, obwohl der Krebs bereits gestreut hat. Zwischenzeitlich wurde er wieder zweimal erfolgreich Operiert (Metastasen an der Hüfte), hat eine erfolglose Chemo hinter sich und wurde mit dem ehemaligen Contergan behandelt, was seinen PSA zwar kurzfrsitig sinken liess, Ihm aber sonst nicht gut bekommen ist (Verdauung, Taubheit in den Füßen, Müdigkeit ...) und er die Therapie abgebrochen hat. Zur Zeit setzt er auf Naturheilverfahren: Er trinkt viel Granatapfel-Elixier und nimmt tgl. Prostata Entoxin. Er fühlt sich seit bestimmt einem halben Jahr Top-Fit und hat keine Beschwerden. Er möchte auf keinen Fall mehr eine Chemo antreten, weil die letzte - wie gesagt - schlimme Auswirkungen hatte und letztlich überhaupt nichts gebracht hat. Jetzt steigt sein PSA allerdings wieder dramatisch an und ist aktuell bei 189 (50 Punkte hoch seit 5 Wochen). Wir haben nun Angst um Ihn - und wissen nicht, was man noch alles machen kann. Habt Ihr eine Idee?

Diagnose: 1/03 ED eines Prostata -Ca.
Primärtumorstadium: pT4 pN0 M0 R1 G2b
Gleason 4+3
06/03 ED einer Lymphknotenmetastasierung im Becken
06/05 Erneute Lymphknotenmetastasierung

Bisherige Therapie:
Radikale Prostataektomie
06/03 Retroperitoneale Lymphadenektomie retro- und präcaval sowie Exstirpation einer Beckenlymphknotenmetastase
05/05 Lymphadenektomie im Becken sowie retroperitoneal entlang der großen Gefässe bis zum Abgang der Nierenvene. Nachweis von Lymphknotenmetastasen in insg. 10 entfernten Lymphknoten. Hormonablative Therapie mit GHRH Analogon (Trenantone)
11/05 Asymptomatischer Anstieg PSA-Wert
1/05-02/06 4 Zyklen palliative Docetaxel-Therapie (75 mg/m2 Körperoberfläche, 3-wöchentlich)
04/06 Thalidomid-Monotherapie, 100 mg/die Aktuelles PSA 6,2 ng/ml, Fortgesetzte LHRH-Analoga-Therapie
12/06 Abbruch bei zunehmender Polyneuropathie
Aktuell: Besprecheung des weiteren Vorgehens: Therapiepause bis ein symptomatischer Progress eintritt unter Fortsetzung der LH/RH-Analoga-Therapie
Weitere Diagnosen: Niereninsuffizienz im Stadium der kompensierten Retention, Arterielle Hypertonie

Zusammenfassende Beurteilung: Herr Buck stelle sich in regelmäßigen Abständen zur Verlaufskontrolle unter Thalidomid-Therapie vor. Nach anfänglichem deutlichem Absinken des PSA auf unter 10ng/ml ist in den letzten Kontrollen ein langsamer, noch asymptomatischer Anstieg dokumentiert. Zudem klagte Herr Buck über deutliche Sesibilitätsstörungen in den Zehen beider Füße noch ohne motorische Beeinträchtigung, jedoch deutlich hinderlich bei den tgl. ausgedehnten Spaziergängen. Es erfolgte darauf im Dez. 2006 die Entscheidung zum Therapieabbruch. Bei der jetzt vereinbarten Kontrolle zeigte sich zumindest ein Stillstand der Symptomatik. Zudem berichtete der Patient über eindeutig besseres Befinden, jetzt ohne Medikation, er sei wesentlich wacher und nehme mehr am Leben teil. Es ist nun vereinbart, unter alleiniger LHRH-Analoga-Therapie den weiteren Verlauf abzuwarten und dann bei raschem Ansteigen des PSA oder auftretender Symptomatik eine weitere Therapie, hier möglicherweise mit einem milderen Zytostatikum zu beginnen. Wir bitten um 4 wöchentliche PSA Kontrolle. Aktuelle Werte:
27.03.2007 137
05.06.2007 184
Herzlichen Dank
Simon

shgmeldorf,Werner Roesler
10.07.2007, 14:05
Hallo Simon!

Diesen Beitrag hattest Du schon vor ca. einem Monat in`s Forum gebracht.

Wie sind die neuesten Werte?

Was ist mit EMP (Estramustinphosphat)?

Gruß Werner R.

simonbuck
10.07.2007, 14:08
Hi Werner,

hab´heute die ganzen Befunde ergänzt. Die Werte sind also Top-Aktuell. Hab´ den Beitrag neu reingestellt - über Bearbeiten hätte von den Änderungen keiner etwas mitbekommen.

Grüße
Simon

shgmeldorf,Werner Roesler
10.07.2007, 14:36
Na Simon, jetzt war das aber schnell mit Deiner Antwort.

Das mit dem Abwarten, welches Euch vorgeschlagen worden ist, halte ich für ein wenig merkwürdig. Worauf soll den hier noch gewartet werden?
Es ist doch klar, der PSA - Wert driftet nach oben und die Beschwerden werden sich bald verschlimmern.
Nur ein LHRH - Analogum zu verabreichen (und sonst nichts) ist schon eine erstaunliche Therapievariante bei dieser PSA - Entwicklung.
Simon, es muß nun gehandelt und nicht gewartet werden.

Der Urologe " fs " hat ja schon dieses Östrogenpräparat erwähnt. Sieh Dir das nochmal an. Über Membranpflaster können Östrogene sehr verträglich eingesetzt werden.
Ketoconazol wäre auch noch ein Medikament, welches verwendet werden könnte.
Es könnten hier jetzt noch weitere denkbare Optionen genannt werden.
(Schaut Euch auch einmal den Beitrag von Günter Feick an, über "Glivec" (Imatinib). Evtl. ist Regensburg auch eine gute Adresse.)

Ich empfehle, jetzt schnellstmöglich wenigstens einen weiteren Arzt zu konsultieren (sog. Zweitmeinung), denn die momentan behandelnden Ärzte brauchen offenbar einige therapeutische Anregungen.

Gruß Werner R.

simonbuck
10.07.2007, 16:02
Danke, Werner! Ich wohne zwar in HH, mein Vater lebt aber am Bodensee. Kann mir jemand einen zweiten Arzt im Raum Bodensee empfehlen???

Danke für Eure Hilfe
Simon

shgmeldorf,Werner Roesler
20.07.2007, 23:08
Danke, Werner! Ich wohne zwar in HH, mein Vater lebt aber am Bodensee. Kann mir jemand einen zweiten Arzt im Raum Bodensee empfehlen???

Danke für Eure Hilfe
Simon

Hallo Simon!

Ihr solltet doch am Ball bleiben? Mit einem "zweiten Arzt im Raum Bodensee" ist es nicht getan.
Ihr, Dein Vater und Deine Familie und natürlich Du, solltet nach einer Uniklinik oder einem Prostatakrebsspezialisten ausschauen, so war es gemeint.

Im süddeutschen Raum müßte das doch möglich sein, oder?

Also, Simon, bitte dranbleiben! Denke z.B. an Regensburg, oder Freiburg, Bad Reichenhall, oder...!

Gruß Werner R.

Reinardo
21.07.2007, 08:10
Hallo Simon. In dieser fortgeschrittenen Situation kann ich als Laie keine konkreten Therapievorschläge machen. Beim Durchlesen fällt mir nur auf, dass Docetaxel und Thalidomid in m.E. überhöhter Dosierung gegeben worden zu sein scheinen. Empfohlen von den Experten werden leichte Dosen von 25 - 35 ng verteilt über 3 Wochen, dann 1 Woche Therapiepause usw., was viel besser vom Körper angenommen wird.
Auch die Thalidomid-Dosierung scheint mir zu hoch. Die Tablette hat 50 ng. Da würde ich mit einer halben Tablette tgl. oder alle 2 Tage mit 1 Tablette anfangen.
Das sollen aber nur Anstösse für Gespräche mit den Ärzten sein.
Gruss und alles Gute, Reinardo

WinfriedW
21.07.2007, 10:10
... Beim Durchlesen fällt mir nur auf, dass Docetaxel und Thalidomid in m.E. überhöhter Dosierung gegeben worden zu sein scheinen. Empfohlen von den Experten werden leichte Dosen von 25 - 35 ng verteilt über 3 Wochen, dann 1 Woche Therapiepause usw., was viel besser vom Körper angenommen wird.
Auch die Thalidomid-Dosierung scheint mir zu hoch. Die Tablette hat 50 ng. Da würde ich mit einer halben Tablette tgl. oder alle 2 Tage mit 1 Tablette anfangen. Nein Reinardo, das kann man so nicht stehen lassen. Es ist eindeutig so, dass das dreiwöchige Taxotere-Protokoll das wirksamere in Bezug auf das Gesamtüberleben ist. Deshalb wird einem Patienten in guter Verfassung auch regelmäßig dieses Protokoll angeboten. Das von dir vorgeschlagene Protokoll ist weniger toxisch aber auch weniger wirksam. Es macht natürlich keinen Sinn, einem Patienten die hohe Dosis zu verabreichen und dann die Therapie abzubrechen, weil es der Patient nicht durchhält.

Das dreiwöchige Protokoll hat für Leute, die noch etwas anderes im Leben vor haben, auch eindeutig den Vorteil, dass man weniger Zeit bei den Ärzten verbringt.

Thalidomid ist in Deutschland und Europa nicht zugelassen. Es gibt wenige Studien mit Thalidomid. Die Ergebnisse sind nicht berauschend. In diesen Studien wurden Dosen von 200-1200mg Thalidomid verabreichend. Von 50mg Thalidomid (homöopathische Dosen würde meine Onkologin sagen) kannst du kaum einen therapeutischen Effekt erwarten - vielleicht als Erhaltungsdosis.

Ich habe auch eine Zeit lang Thalidomid eingenommen, bis zu 200mg. Das Ergebnis war nicht berauschend. Z. Zt. nehme ich es nicht mehr.

WW

WinfriedW
21.07.2007, 10:13
... Denke z.B. an Regensburg, oder Freiburg, Bad Reichenhall, oder...!Bad Reichenhall - an welches namhafte Zentrum hattest du gedacht, Werner?

WW

shgmeldorf,Werner Roesler
22.07.2007, 13:03
Bad Reichenhall - an welches namhafte Zentrum hattest du gedacht, Werner?

WW

Hallo Winfried,
ich war schon vor Ort! Es ist dort auch landschaftlich sehr schön!
Alles Gute!
Gruß Werner R.

simonbuck
10.08.2007, 16:01
Hallo Reinardo,

was heisst fortgeschrittenes Stadium? Von welcher Lebenserwartung kann man ausgehen?

Tinka
11.08.2007, 00:02
Ich wünsche Dir, dass Dir niemand Prognosen in dieser Richtung nennt.

Liebe Grüße
Andrea

shgmeldorf,Werner Roesler
11.08.2007, 11:45
Hallo Reinardo,

was heisst fortgeschrittenes Stadium? Von welcher Lebenserwartung kann man ausgehen?

Hallo Simon!

Als fortgeschrittener oder fortschreitender Prostatakrebs wird in der Regel eine Tumorerkrankung bezeichnet, die insbesondere durch eine Streuung ( Metastasierung) bekennzeichnet ist.

Eine exakte Prognose hinsichtlich der möglichen Lebenserwartung kann Dir und Euch kein Arzt der Welt geben.

Es gibt Männer, um die positive Seite der Situation zu betonen, die viele Jahre mit einem fortgeschrittenen Prostatakrebs leben können. Hier spielt die Biologie des Tumors eine große Rolle, aber natürlich auch eine gute ärztliche Behandlung (also eine vernünftige begleitende Diagnostik und Therapie).

Daher ist es sehr wichtig, Deinem Vater dringend zur Einleitung weiterer Therapieschritte zu raten.

Teile uns doch mit, welche weiteren Schritte Ihr Euch überlegt habt, wir hier vom Forum können dann versuchen, Euch weiter den einen oder anderen guten Rat zu geben.

Simon, Du bist auf dem richtigen Weg, wenn Du offensiv diese Fragen hier im Forum ansprichst.

Nur, denkt bitte an die Zeitfalle! Ihr müßt jetzt zügig einen ordentlichen therapeutischen Weg anstreben.

Gruß Werner R.

PS: Übrigens tritt eine Gürtelrose recht häufig im Rahmen von malignen (bösartigen) Tumorerkrankungen auf. Der fortschreitende Tumor fährt große Bereiche des Immunsystems herunter. Je weiter der Tumor sich im Körper ausbreiten kann, umso schwächer wird das Immunsystem. Deshalb sollten immunstärkende Interventionen unbedingt sofort durchgeführt werden. (Tinka hat Dir ja schon wichtige Informationen über die Gürtelrose aufgezeigt.) Ein Arzt, oder eine Ärztin für Naturheilverfahren könnte von Euch auch zusätzlich erwogen werden. Adressen für Süddeutschland könnt Ihr erfragen bei der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr, Heidelberg,
Tel: 06221 - 13802 - 0 information@biokrebs.de.

Tochter75
12.08.2007, 13:15
Hallo Simon,
mein Vater leidet auch unter fortgeschrittenem PK, ich kenne auch die 5-Jahres-Statistiken, aber ich suche lieber nach postiven Beispielen, denn die Statistiken sagen nichts über die Einzelperson. Auf jeden Fall gibt es genügend Beispiele für Menschen, die nach 5 oder sogar 10 Jahren noch leben und keiner weiß, wer zu welcher Gruppe gehört. Außerdem weiß man auch nicht, wieviele tatsächlich an PK gestorben sind. Es gibt eine interessante Untersuchung (leider habe ich den Link nicht parat), laut der bei vielen alten Männern, von denen der Hausarzt wusste, dass ein PK vorliegt, PK als Todesursache auf den Totenschein geschrieben wurde, weil man die Ursache ohne Obduktion nicht so ohne weiteres finden kann und viele Angehörige gar keine Obduktion wünschen. Wenn also jemand mit 75 an PK erkrankt und plötzlich mit 80 verstirbt, kann es ebensogut ein Herzinfarkt sein, aber vielleicht steht PK auf der Liste und damit in der Statistik.

Gruß, Melanie

simonbuck
14.09.2007, 16:29
Liebes Forum,
nachdem die Gesichtsrose fast überwunden war, klagte mein Vater letzte Woche über Nierenschmerzen. In der Klinik in Sigmaringen sagten sie, dass er kurz vor einer Urämie steht und unbedingt operiert werden müsse, ansonsten würde er nicht mehr lange Leben.

Ebenso fanden Sie in seinem Magen einige Tumorzellen. Jetzt kommt er am Montag in´s CT um den Herd zu suchen. Nach der Untersuchung wird er an den Nieren operiert. GGfs. wird im Anschluß erneut eine Chemotherapie durchgeführt.

Die Ärzte sagen, es sei nicht hoffnungslos ... ich schätze das sehr viel dramatischer ein. Kann eine Chemo in diesem Stadium noch sinnvoll sein? Was würdet Ihr ihm raten???

Danke und viele Grüße
Simon

Hans-W.
14.09.2007, 16:47
Lieber Simon,
es wird sich keiner anmaßen, in dieser Situation einen Rat zu geben. Eine Urämie ist synonym mit einer terminalen Niereninsuffizienz, also sehr ernst zu nehmen und deswegen auch die dringende OP weil der gesamte Organismus stark in Leidenschaft gezogen werden kann. Das wird für deinen Vater eine extreme Belastung sein. Warte zuerst mal den Zustand deines Vaters nach der OP ab. Dann wird man weiter sehen. Ich wünsche Euch viel Kraft für die bevorstehende Zeit.
Hans-W.

shgmeldorf,Werner Roesler
14.09.2007, 19:32
Hallo Simon,

Hans-W. hat es bereits ausgedrückt, es handelt sich in der Tat um eine ernste Komplikation, die den ganzen Organismus betreffen kann. Hier ist höchste Eile geboten.
Haben die Ärzte gesagt, was sie operativ machen wollen? Haben sie irgendwas von einer Dialysebehandlung erzählt?

Gruß Werner R.

simonbuck
16.09.2007, 10:55
Hallo Werner,
er kommt morgen früh in´s CT und dann schauen Sie, was Sie machen. Mein Vater sagte, schlimmstenfalls bekommt er einen künstlichen Harnausgang. Von einer Dialyse hat er nichts erwähnt. Morgen weiss ich mehr.
LG
Simon

shgmeldorf,Werner Roesler
16.09.2007, 14:34
Hallo Simon!
OK, melde Dich dann!
Gruß Werner R.