PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Von wegen: Die jungen Männer trifft es nicht



Tinka
25.07.2007, 10:14
Liebe Forumsteilnehmer,

wenn man sich ohne jegliche eigene Geschichte und nur mal pro Forma über Prostatakrebs informiert, bekommt man überall zu lesen: Das ist eine Krankheit der alten Männer und Männer unter 50 oder eher sogar 60 bis 70 Jahren bekommen das nur ganz ganz selten, die Prozentzahlen sind verschwindend gering.

Ich 'kenne' durch dieses Forum nun allein fünf oder sechs Männer unter 50, die PK haben, und davon - zusammen mit meinem - auch welche mit unfassbar hohen Anfangs-PSA-Werten und zum Teil rapiden Verschlechterungen der gesundheitlichen Situation. Noch erstaunlicher finde ich, dass sie fast alle in NRW zu finden sind. Man könnte fast eine Verschwörungstheorie daraus basteln.

Gibt es wohl irgendwo aktuelle Studien o.ä. nachzulesen, die belegen, dass PK bei jungen Männern eben keine große Seltenheit mehr ist?

Natürlich sind solche Krankheitsgeschichten in einem Forum wie diesem hier gebündelt zu finden, aber ich kann inzwischen echt nicht mehr an den 'Mythos' der Alte-Männer-Krankheit glauben.

Viele Grüße
Andrea

spertel
25.07.2007, 10:42
Hallo Tinka

Als Youngster (Diagnose kurz nach dem 44. Geburtstag) in diesem Forum habe ich mir diese Fragen auch schon häufiger gestellt, auch was meine Langzeitperspektive angeht.

Studien, die darüber eine verlässliche Aussage zulassen würden, habe ich auch nicht gefunden. Lediglich die Aussage, dass je jünger die Patienten bei der Erstdiagnose sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, an dieser Erkrankung zu versterben........sehr beruhigend !!!!

Allerdings glaube ich mittlerweile nicht, dass dieses Forum representativ ist; bei meinem letzten Besuch in der SHG in Berlin anläßlich eines Vortrages von Prof. K.Miller waren ca. 120 (vermutlich betroffene) Männer anwesend; locker 80 % hätten vom Alter her mein Vater sein können.
Ich war mit großem Abstand dort der jüngste Teilnehmer

Die Tatsache, das ein Großteil aus NRW kommt, halte ich eher für Zufall und in der Tatsache begründet, dass dieses Bundesland zu den bevölkerungsreichsten Ländern gehört. An eine Verschwörungstheorie glaube ich hier eher nicht.

Allerdings muß man wohl differenzieren.

Meine Diagnose erhielt ich wie gesagt kurz nach meinem 44. Geburtstag. Ich hatte keinerlei Beschwerden o. ä.; der Tumorbefall war vermutlich sehr gering, es lag auch keine Kapselinfiltration vor, obwohl der Tumor in der Regel kapselnah wächst.
Dies bedeutet, dass ich wahrscheinlich heute oder auch noch vielleicht bis zu meinem 50. Geburtstag keine Beschwerden gehabt hätte.
Durch den PSA-Test werden viele Diagnosen einfach ein paar Jahre vorverlegt. Man muß hier wohl zwischen Zeitpunkt der Erstdiagnose und
Zeitpunkt der ersten krankheitsbedingten Symptome unterscheiden.

Ob ich langfristig von den frühzeitigen Vorsorgemaßnahmen/Op profitieren werde, bleibt abzuwarten.

Viele Grüße aus Berlin

Spertel

Carola-Elke
25.07.2007, 10:56
Hallo Andrea,

ich würde Deine Beobachtung dahingehend erweitern wollen, als dass die Krankheit "KREBS" generell keine ist, die ausschließlich ältere Menschen trifft.

Heute kam in den Nachrichten die Meldung, dass der 54-jährige Schauspieler Ulrich Mühe vergangenen Sonntag an den Folgen seines erst im Februar diagnostizierten (Magen-) Krebses verstorben ist. Eine Nachricht, die mich zutiefst bewegt und die ich kaum glauben kann:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID7170058_,00.html
http://www.welt.de/kultur/article1044357/Ja_ich_habe_Krebs.html

Auch Brustkrebs trifft nicht nur "alte" Frauen. Meine Freundin verstarb an dessen Folgen qualvoll im Alter von erst 42 Jahren, nachdem sie 2 Jahre lang mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln tapfer dagegen ankämpfte.

Überhaupt habe ich oft schon den Eindruck gewonnen, dass Krebs besonders aggressiv und tödlich verläuft, wenn er bei Menschen in der Mitte ihres Lebens auftritt.

Die entscheidende Frage bleibt, welche Auslöser kann man identifizieren und womit kann man vorbeugen? Es reicht nicht aus zu fragen, wie man ihn am besten "früherkennen" kann.

Alles Gute für Euch,

Carola-Elke

Tinka
25.07.2007, 14:43
Liebe Carola-Elke



Heute kam in den Nachrichten die Meldung, dass der 54-jährige Schauspieler Ulrich Mühe vergangenen Sonntag an den Folgen seines erst im Februar diagnostizierten (Magen-) Krebses verstorben ist.

DAS haut mich jetzt allerdings auch um! Ich hatte vor ein paar Wochen die Schlagzeile in der Blöd gesehen und dachte an einen schlechten Witz, weil ich die Meldungen über seine Erkrankung nirgendwo im Netz finden konnte. Wie schade um diesen fantastischen Schauspieler und außerdem sehr attraktiven Mann.

Natürlich hast Du recht damit, dass Krebs an sich keine Alterskrankheit ist, sonst gäbe es wohl kaum Kinder, die im Säuglingsalter Neuroblastome haben oder Leukämie im Kindesalter. Aber es ist doch so, dass man beim PCa eher von einer Alterskrankheit spricht. Oder noch besser: nicht spricht, denn Krebs ist ja im Allgemeinen noch ein ganz großes Tabuthema. Wenn ich irgendwo lese, er ist "nach kurzer schwerer Krankheit verstorben", ist klar, worum es geht und ich finde es fast schade, dass so hinter vorgehaltener Hand über das Thema geredet wird. Das nur nebenbei. Und das erinnert mich außerdem an die Frage, die ich noch habe, nämlich an WAS man beim Krebs letztlich eigentlich stirbt. Aber dafür mache ich wohl noch mal ein Posting auf.

Dass es keine Studien gibt, bzw. dass er keine gefunden hat, wie spertel sagt, das wundert mich nicht.

Liebe Grüße
Andrea

edit: Hinter meine "Verschwörungstheorie" oben gehört eigentlich ein zwinkernder Smilie.

Harro
25.07.2007, 16:54
An was stirbt man bei Krebs

Liebe Andrea, nach Rückkehr von einer Spektroskopie traf ich einen lieben 50-jährigen Nachbarn, dem ich noch einmal stolz meinen bisherigen noch erfolgreichen Kampf gegen mein PCa erläutert habe. Beiläufig erkundigte ich mich nach seiner jüngeren Frau, die ich schon einige Zeit nicht mehr gesehen hatte und erfuhr, daß sie mit ihrem Brustkrebs chancenlos sei. Ich war erschüttert und hörte mir tief betroffen den langen Ablauf der Krankheitsgeschichte an. Man war bei den besten Professoren, z.B. auch bei dem von mir so geschätzten Prof. Wenz vom Uni-Klinikum Mannheim und mußte zur Kenntnis nehmen, daß es keine Hoffnung mehr gibt. Fakt ist: nicht der Mutterkrebs in der Brust ist das Problem, das hatte man schon im Griff, nein die Leber ist total mit Metastasen durchzogen, die z.T. mehr als 7 cm Länge oder Durchmesser aufweisen. Welch ein Drama. So etwas belastet dann auch einen PCa - Betroffenen. Also liebe Tinka, der Möglichkeiten an Krebs zu sterben sind leider Tür und Tor geöffnet. Nur der liebe Gott, an den ich leider nie so recht glauben mochte, weiß es genauer.

"Wenn einer eine Blume liebt, die es nur ein einziges Mal gibt auf allen Millionen und Millionen Sternen, dann genügt es ihm völlig, dass er zu ihnen hinaufschaut, um glücklich zu sein"
(Antoine de Saint-Exupèry)

Gruß Hutschi

Heribert
25.07.2007, 19:16
Hallo Tinka,


während meinerr AHB in Bad Wildungen traf ich einen jungen Mann mit 32 Jahren, der an einem besonders seltenen sich am Blasenrand ausbreitenden, äußerst aggressivem PCa operiert war.
Ebenfalls begegnete uns dort eine Junge 38-jährige Frau mit einer Neo-Blase, die vor knapp 10 Jahren mit 29 an Brustkrebs erkrankt war und glaubte nach der Ablatio der li. Brust jetz endlich Ruhe vor dem Krebs zu haben. Im Frühjahr 2006 ereilte sie dann die Nachricht "Blasenkrebs".

Beide hatten keine familiären Risiken. Also auch hier stimmte weder die Alterseinschätzung beim Mann noch bei der Frau. Selbst im medizinischen Sprachgebrauch bezeichnet man diese Krannkheitsfälle als schicksalhaft, weit weg von jeder Statistik.

Es wird uns nicht weiter bringen, über diese Tatsachen zu grübeln. - Wir alle hoffen auf den Durchbruch in der Medizin, um das Horrorszenario Krebs zu besiegen.
Einen schönen, sommerlichen Abend
Heribert

Helmut.2
25.07.2007, 19:46
Das ist die Realität,

so ist das Leben danach kommt der Tod!

Als ich nach der Bestrahlung meine AHB in Reinharthausen machte, kam ich so ins gespräch mit einem sehr jungen Mann.

Na, was suchen Sie denn in ihrem Alter schon in einer Kurklinik, Er antwortete, Hodenkrebs!

Ich wahr momentan sehr betroffen und fragte nach, darf ich erfahren wie Alt Er währe? 17 kam die Antwort!

Da musste ich mal kräftig schucken und wahr an diesem Tage sehr nachdenklich! Wie schön wahr doch meine Jugenzeit mag sie noch so hart gewesen sein.

Helmut

Berntt
25.07.2007, 20:00
Der Schauspieler Dirk Benedict ist mit 30 Jahren an Prostatakrebs erkrankt ( und ist angeblich nur durch makrobiot. Ernährungsumstellung geheilt und inzwischen 62 Jahre alt)

http://www.die-filmfreaks.de/thread.php?threadid=5368

Gruss Berntt

Hans (GL)
26.07.2007, 17:54
Die entscheidende Frage bleibt, welche Auslöser kann man identifizieren und womit kann man vorbeugen? Es reicht nicht aus zu fragen, wie man ihn am besten "früherkennen" kann.


meinen Kindern will ich mitgeben, weniger Stress, mehr Mineralwasser und die Fähigkeit zur kompletativen Ruhe.

Hans

Tochter
30.07.2007, 14:27
Als ich meinen Vater nach seiner OP in Bad Wildungen besucht habe, war ich auch erschrocken über die vielen jüngeren Menschen, die man dort sah. Es ist traurig, wieviele Menschen jeden Alters von Krebs betroffen sind.

Was ich zum Thema Prostatakrebs auch schon bemerkt habe: Viele wollen gleich beruhigend abwiegeln, wenn ich erzähle, dass mein Vater Prostatakrebs hat. In der Öffentlichkeit scheint der Eindruck zu bestehen, dass Prostatakrebs immer ein "harmloser Alterskrebs" sei. Klar - auch ich habe erst seit der Diagnose meines Vaters erfahren, was zum Beispiel Gleason-Scores sind, aber diese Vorannahmen über Prostatakrebs lassen einen im Einzelfall sehr unverstanden fühlen.

Herzliche Grüße!

Tinka
30.07.2007, 17:55
Hallo Tochter,



Was ich zum Thema Prostatakrebs auch schon bemerkt habe: Viele wollen gleich beruhigend abwiegeln, wenn ich erzähle, dass mein Vater Prostatakrebs hat. In der Öffentlichkeit scheint der Eindruck zu bestehen, dass Prostatakrebs immer ein "harmloser Alterskrebs" sei.

Ja, diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Wenn man dann allerdings das böse dunkle Wort "Metastasen" hinterherschiebt, ist den meisten Leuten dann doch schnell klar, dass es hier nicht um einen Spaziergang geht.

Ich kenne übrigens privat auch einen 17-jährigen mit Hodenkrebs und einen 25-jährigen mit PCa, das nur noch zur "Statistik".

Viele Grüße
Andrea

WinfriedW
31.07.2007, 21:51
Der Schauspieler Dirk Benedict ist mit 30 Jahren an Prostatakrebs erkrankt ( und ist angeblich nur durch makrobiot. Ernährungsumstellung geheilt und inzwischen 62 Jahre alt)Das kann man glauben oder nicht.


Als ich meinen Vater nach seiner OP in Bad Wildungen besucht habe, war ich auch erschrocken über die vielen jüngeren Menschen, die man dort sah. Es ist traurig, wieviele Menschen jeden Alters von Krebs betroffen sind.Wohl wahr! Allerdings sind in Bad Wildungen nicht nur Prostatakrebse sondern urologische Tumoren aller Art.


Ich kenne übrigens privat auch einen 17-jährigen mit Hodenkrebs ...Hodenkrebs ist definitiv eine andere Baustelle. An Hodenkrebs erkranken vorwiegend jüngere Männer unter 40 Jahren. Im Gegensatz zum Prostatakrebs ist Hodenkrebs heute auch in fortgeschritterenen Stadien meist heilbar.


Was ich zum Thema Prostatakrebs auch schon bemerkt habe: Viele wollen gleich beruhigend abwiegeln, wenn ich erzähle, dass mein Vater Prostatakrebs hat. In der Öffentlichkeit scheint der Eindruck zu bestehen, dass Prostatakrebs immer ein "harmloser Alterskrebs" sei. Klar - auch ich habe erst seit der Diagnose meines Vaters erfahren, was zum Beispiel Gleason-Scores sind, aber diese Vorannahmen über Prostatakrebs lassen einen im Einzelfall sehr unverstanden fühlen.Das kann ich bestätigen. Nun ist nicht mein Vater davon betroffen sondern ich selbst und ich gehe damit offen um, auch im Kollegenkreise. Da kommt es schon vor, dass mir ein Kollege erzählen will, wie gut die Prognose bei Prostatakrebs ist - das ausgerechnet mir.

Richtig ist allerdings, dass es Krebsarten gibt, bei denen man schneller tot ist.

WW