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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein Vater,70 Jahre alt,Prostatakrebs mit Knochenmetastase,bitte um Rat!



Dagmar S.
25.07.2007, 12:44
Hallo

Ich bin neu in diesem Forum.
Mein Vater ist 70 Jahre alt, an Prostatakrebs erkrankt.

Zuerst die Vorgeschichte:

Vor ca. 1 1/2 Jahren PSA Wert 8, der Arzt tastete Vergrößerung sowie auffällige Verhärtungen (davon weiß ich aber erst jetzt).
Mein Vater sollte zur Biopsie, wurde dann aber krank, und kümmerte sich nicht mehr darum! :-(
Vor einiger Zeit bekam er Schmerzen im Bereich des Brustbeins, er war deshalb beim Arzt, dieser sagte :" Entzündung", und verschrieb ihm Tabletten die nicht halfen.
Vor einigen Monaten wurde dann der PSA Wert nochmal kontrolliert, da mein Vater Probleme beim Wasserlassen bekam.
PSA Wert 16!
Daraufhin endlich die Biopsie vor 2 Monaten
Ergebnis:
7 der 8 Stanzen positiv
Also der nächste Schritt zur Skelettszintigrafie.
Dort wurde dann die Sternummetastase festgestellt!
Vorgestern war ich dann mit beim Urologen und habe jetzt die Kopien der Befunde:

3 Stanzen überwiegend kribriform,
der Rest teils hellzellig, teils mäßiggradig , teils mittelgradig differenzierte Form.
Zusammengefaßt handelt es sich um ein groß volumiges, mäßig bis wenig differenziertes Adenokarzinom der Prostata.

M-8140/3, C61, WHO Grad 3, Gleason 4+3=7, Helpap 2b

Mindestens zu erwartendes Staging T2c

Gemischtzellige ossäre Metastase im distalen Sternum mit Sklerosierung, aber auch lytischen Komponenten im distalen Drittel des Sternums von
5 x 1,4 x 3,7 cm mit kleiner ossärer Auslöschung im kostosternalen Gelenk rechtsseitig 6/7

Das immunhistochemische Antigenprofil bestätigt das Vorliegen eines mikroglandulären, teils kribriform und teils hellzellig differenzierten Adenokarzinoms der Prostata mit bereits schlechter Differenzierung (4+3)

In beiden Proben kein kapselüberschreitendes Wachstumsmuster


Auf meine Frage ob denn auch Lymphknoten befallen seien, meinte der Urologe, das würde eh keine Rolle spielen, und das Kind sei nun in den Brunnen gefallen.
Mein Vater nimmt seit 2 Monaten nun 3 mal tgl.Cyproteronacetat dura 50 mg , vorgesern bekam er dann die Spritze mit Eligard.
Sonst wird nichts gemacht.
In 3 Monaten dann PSA Kontrolle, weiter nichts.
Ich sagte meinem Vater, er soll sich eine 2. Meinung einholen, aber er möchte das wahrscheinlich nicht, weil er nicht weiss, was er tun soll, wenn ih m etwas anderes angeraten wird!

Bitte, kann mir hier jemand helfen? Er hat jetzt seit Diagnose 6 Kilo abgenommen, und immer noch Schmerzen im Brustbein.
Weiß jemand wie die Prognose in einem solchen Fall aussieht?

Ich würde mich über jede Antwort freuen
Vielen Dank

Dagmar<!-- / message --><!-- edit note -->

wowinke
25.07.2007, 13:20
Hallo Dagmar,
so wie dies aussieht liegt eine systemische Erkrankung vor die mit Hormontherapie behandelt werden kann. Dies Therpie kann das Wachstum
der Karzinomzellen wirksam auch über Jahre unterdrücken.



Alles Alles Gute
Wolfgang

Hans-W.
25.07.2007, 13:25
Liebe Dagmar,
Auf deine Frage "Lymphknoten befallen?" - Der Krebs streut über die Lymphbahnen aber auch direkt durch das Blut. Da im Sternum (Brustbein) eine Knochenmatastase ist, hat er bereits gestreut und in diesem Falle redet man von einer systemischen Erkrankung. Aber auch in diesem Fall ist das Kind aber noch lange nicht im Brunnen, wenn er damit meint, der Fall sei hoffnugnslos, wenn auch nicht mehr heilbar. Die anti-hormon-Behandlung mit Cyproteronacetat 50mg 3x täglich plus eine Eligard 3-monats-Spritze ist schon relativ gut für den Anfang und kann den Krebs in der Prostata, der Brustbeinmatastase und sogar in den Lymphknoten beim Wachstum stoppen und/oder kleiner werden lassen. Es gibt Verfahren wie PET-CT (keine Kassenleistung) um relativ genau (besser als Skelett Scintigram) festzustellen wo ev. noch Knochenmetastasen sitzen. Einzelne Metastasen können bestrahlt werden. Bei einem Gleason 4+3 (7) ist der Krebs mittelmäßig aggressiv und es kann sein, dass dein Vater mit der Hormontherapie, die er bekommt lange gut klar kommt. Das hängt davon ab wie lange der Krebs auf die Hormontherapie anspricht. Gegen Schmerzen kann man was machen und die Probleme mit dem Wasserlassen werden wahrscheinlich von alleine abklingen sobald die Prostata durch die (anti) Hormonbehandlung schrumpft. Ansonten gibt es auch Mittel um hier zu helfen. Lese bitte http://www.prostatakrebse.de/ um dich schlau zu machen. Die Frage zur Prognose - jeder Fall ist anders und ein Gleason 7 hat eine mittelschlechte Prognose. Ich hatte z.B. Gleason 9 vor ca. 2,5 Jahren, also eine schlechtere Ausgangsposition als dein Vater jetzt, aber keine erkennbaren Metastasen. Was ist nun schlechter? Wer weiß. Auf jeden Fall habt ihr Zeit, die Sache näher zu untersuchen, auch bei einem Onkologen bitte. Warum nimmt dein Vater ab? Wegen Schmerzen? Ich weiß von rapider Gewichtsabnahme nur im Endstadium und da scheint dein Vater lange noch nicht zu sein. Es werden sich mit großer Sicherheit noch einige bei dir melden. Lasse dich bitte nicht verrückt machen, denn wir sind alle keine Ärzte und versuchen nur unser Wissen weiter zu geben. Manche wissen mehr als andere, manche weniger, aber wissen es nicht.
Alles Gute für dich und deinen Vater,
Hans-W.

Hans (GL)
25.07.2007, 13:46
Hallo Dagmar,

mit Prognosen soll man vorsichtig sein.
Wichtig ist die Beobachtung der Entwicklung des PSA unter Hormonblockade. Wenn der PSA steht, oder sich genügend langsam entwickelt, kann man wäre dies ein gutes Zeichen. Oft wird auch die Dreifache Hormonblockade empfohlen.

Bei Knochenmetastasen gibt man üblicherweise einen Knochenschutz, Zometa.

Ob man zur Schmerzlinderung im Brustbeinbereich betrahlen kann, mag der Radiologe entscheiden.

Deinem Vater alles Gute

Hans

Tinka
25.07.2007, 14:57
Hallo liebe Dagmar,

ich hoffe, dass Du niemanden findest, der dir (zeitliche) Prognosen sagt, denn so etwas ist in höchstem Maße unseriös.

Hans W. hat schon gut beschrieben, und ich möchte mich noch dem Rat mit Zometa als Therapie gegen die Knochenmetastasen anschließen und Deinem Vater und dem Rest der Familie außerdem alles Gute wünschen.

Die Tatsache, dass er sich keine zweite Meinung anhören möchte, kann ich gut nachvollziehen. Wir dachten zuerst auch so. Allerdings waren sich hier Urologe und Onkologe einig mit der Wahl der Therapie und ich denke, bei Deinem Vater wird es zum größten Teil auch so sein.

LG
Andrea

Dagmar S.
25.07.2007, 15:12
Hallo

Vielen Dank für eure Antworten!
Ich muss sagen, es macht mir wirklich Mut, zu lesen, dass die Therapie wohl die Richtige ist.

Auf Zometa habe ich den Urologen angesprochen, aber er war eher abgeneigt!?
Ich hoffe, dass es auch bei meinem Vater sehr lange dauert, bis die Hormonresistenz eintritt!

Liebe Grüße
Dagmar

Tinka
25.07.2007, 15:13
Auf Zometa habe ich den Urologen angesprochen, aber er war eher abgeneigt!?

Mit welcher Begründung?

Dagmar S.
25.07.2007, 15:20
Hallo Tinka

Das weiß ich auch nicht so recht, ich glaube er meinte, wegen der möglichen Nebenwirkungen? Mein Vater hat auch noch eine Darmkrankheit(colitis ulcerosa), vielleicht hat er deshalb Bedenken??
Er meinte, wenn man 10 Ärzte fragt, bekommt man 10 verschiedene Antworten.

Liebe Grüße
Dagmar

jürgvw
25.07.2007, 17:06
Liebe Dagmar

Zometa ist zur Behandlung bei Knochenmetastasen ein MUSS! Sollte es Gründe geben, die bei Deinem Vater die Anwendung dieses Medikaments als gefährlich erscheinen lassen, so muss der Urologe sie genau benennen können. Auf jeden Fall ist die Behauptung, von mehreren Ärzten habe jeder eine andere Meinung, unhaltbar. Jeder Urologe oder Onkologe, dessen Wissen auf der Höhe der Zeit ist, unternimmt etwas gegen Knochenmetastasen und verschreibt Zometa oder allenfalls das ältere Aredia, das aber weniger wirkungsvoll ist.

Deinem Vater wünscht alles Gute

Jürg

PS: Es empfiehlt sich, vor der Anwendung von Zometa vorher die Zähne kontrollieren und nötigenfalls in Ordnung bringen zu lassen, um der (allerdings geringen) Gefahr einer Osteonekrose auszuweichen.