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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Prostatakrebs doch sofort behandeln



Jürgen M.
27.05.2006, 00:05
Hallo liebe Mitstreiter,

eine aktuelle Info:

Baierbrunn (ots) - Eine neue US-Studie legt nahe, den
Prostatakrebs doch sofort nach der Diagnose zu behandeln, berichtet
das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau". Viele Urologen schlagen
älteren Männern bisher vor, den Tumor zunächst nur zu beobachten und
nicht therapeutisch einzugreifen. Für die neue Studie wurden mehr als
48.600 Männer mit Prostatakrebs im Frühstadium beobachtet. Wurde der
Krebs bestrahlt oder operiert, lebten die Patienten im Durchschnitt
noch 13 Jahre nach der Diagnose, wurde der Verlauf nur beobachtet,
waren es zehn Jahre. Professor Christian Stief, Urologe am Klinikum
München-Großhadern, rät die Entscheidung von der allgemeinen
Lebenserwartung abhängig zu machen: "Wird bei einem Mann
Prostatakrebs diagnostiziert und beträgt seine Lebenserwartung noch
mindestens zehn Jahre, sollte eine Behandlung erwogen werden."

Gruss Jürgen M.

Carola-Elke
27.05.2006, 00:31
Hallo Jürgen,

ein aufgeklärter Patient wird sich aber fragen:"Wie kann die Behandlung noch aussehen?".
Ob es einem > 70 Jährigem zuzumuten ist, sich einer RPE zu unterziehen und das Risiko einer Inkontinenz auf sich zu nehmen, die in diesem Alter schwerer noch in den Griff zu bekommen ist, muss mit dieser Empfehlung zur sofortigen Behandlung nicht gleichzeitig gemeint sein.

Wurde über die diskutierten und beobachteten Therapien in der Studie Näheres offenbart? ADT kam gar nicht darin vor?
Eine pauschale Empfehlung zur Übertherapie in jedem Fall, und die gerade in sehr hohem Alter, kann kaum damit gemeint sein.

Alles Gute und viele Grüsse,

Carola-Elke

Oskar CH
27.05.2006, 08:25
Hallo Jürgen

Könntest Du uns bitte noch mitteilen, in welcher Ausgabe der Apotheken Umschau dieser Bericht veröffentlicht wurde und wer die Autoren dieser Studie waren.

Besten Dank und Gruss

Oskar

ruggero1
27.05.2006, 11:19
Lieber OskarCH,
du findest den Bericht unter folgendem Link: www.wissenschaft.de/wissen/news/262334.html (http://www.wissenschaft.de/wissen/news/262334.html)
An anderer Stelle wurde allerdings auch Kritik an der Studie geübt, da sie sich nur auf Krankenakten stützt und prinzipiell meist nur Leute behandelt worden wären, bei denen es sich "lohnte", also aussichtslose Fälle nicht; anders ausgedrückt: Leute mit PCa, die noch eine längere Lebenserwartung hatten, wurden behandelt, andere, bei denen statistisch sowieso keine so lange Lebensdauer mehr zu erwarten war, nicht.
ruggero1

Carola-Elke
27.05.2006, 23:36
Hallo Carola-Elke,

vermutlich nicht. In dem bdw-Artikel wird auch auf eine kleinere skandinavische (soll heißen: schwedische) Studie hingewiesen, deren Abstract hier http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/352/19/1977 nachzulesen ist. In den Nordischen Ländern spielen hormonelle Therapien in der Praxis kaum eine Rolle; ich unterhielt mich bei dem kürzlichen Urologenkongress in Frankfurt/M. mit den AstaZeneca-Leuten darüber. In den Nordischen Ländern wird mit Casodex kaum Umsatz gemacht, was nicht nur an den relativ niedrigen Bevölkerungszahlen liegt. Über die Behandlungsstrategien in früheren Jahren dort kann in den KISP-"Texten", Nr. 33 (Iversen) nachgelesen werden. Man war der Meinung, dass gegen den Krebs doch nichts zu machen ist und schaute zu, wie die Männer an ihm starben.
Im alten Forum hatte ich vor einigen Monaten darüber geschrieben, dass in Schweden die Sterblichkeit an Prostatakrebs doppelt so hoch ist wie in Deutschland, allerdings ist in Skandinavien auch die Inzidenz höher.

Ralf

Hallo Ralf,

danke, ich habe die Studie gelesen. Ich wusste nicht, dass du sogar Dänisch sprichst ;)

Casodex wurde hier ja auch einige Zeit vom Markt genommen,
http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0406_a.php3 - da könnt ihr Männer aber dankbar sein, dass es inzwischen praktisch wieder in der 150-er Dosierung zum Einsatz kommt, sonst sähen unsere Zahlen ähnlich denen der Dänen vielleicht genauso schlecht aus?!

Grüsse,

Carola-Elke

Urologe
28.05.2006, 11:28
Hallo Jürgen,

ein aufgeklärter Patient wird sich aber fragen:"Wie kann die Behandlung noch aussehen?".
Ob es einem > 70 Jährigem zuzumuten ist, sich einer RPE zu unterziehen und das Risiko einer Inkontinenz auf sich zu nehmen, die in diesem Alter schwerer noch in den Griff zu bekommen ist, muss mit dieser Empfehlung zur sofortigen Behandlung nicht gleichzeitig gemeint sein.

Wurde über die diskutierten und beobachteten Therapien in der Studie Näheres offenbart? ADT kam gar nicht darin vor?
Eine pauschale Empfehlung zur Übertherapie in jedem Fall, und die gerade in sehr hohem Alter, kann kaum damit gemeint sein.

Alles Gute und viele Grüsse,

Carola-Elke

Hallo,

Prof. Stief kann es sich leisten, mit der OP-Empfehlung grosszügiger umzugehen. Er operiert eine RP in durchschnittlich 50 Minuten (nervesparing) und in Rückenmarksbetäubung (Spinalanaesthesie). Der Blutverlust ist sehr gering und die Kontinenzrate nahezu optimal (mit eigenen Augen gesehen).
Hier gerät die OP zu einem relativ geringen Risiko und daher sein Credo.

Gruss
fs

RalfDm
28.05.2006, 12:49
Ich wusste nicht, dass du sogar Dänisch sprichst


Hallo Carola-Elke,

tu ich auch nicht, aber ich kann's gut lesen (und verstehen). Die dänische Aussprache hat mit der Schreibung absolut nichts zu tun, darum kann ich es nicht sprechen und gesprochenes Dänisch auch nur schwer verstehen. Das gehört aber eigentlich in die Plauderecke.

Gruß,

Ralf

Jürgen M.
28.05.2006, 13:39
Da kann man den Leuten gratulieren, die von solch einer Behandlung profitieren. Ich zähle auch zu den "erst durch die Krankheit aufgerüttelten Patienten" die im Nachhinein klüger geworden sind. Mit meinem jetzigen Wissensstand hätte ich wahrscheinlich auch einige Entscheidungen anders getroffen - am liebsten in Abstimmung mit dem Arzt meines Vertrauens, den ich auch erst jetzt kennengelernt habe. Wobei ich aber auch zu dem Sprichwort neige "Wer weiss für was es gut war?" Es stellt sich halt alles immer erst später heraus.
Schöne Grüsse
Jürgen