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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tumoranämie - wann was dagegen tun?



Tinka
02.08.2007, 09:29
Liebe Leute im Forum,

mein Mann hat seit einiger Zeit (kann es nicht mehr eingrenzen), daran zu knabbern, dass er schnell müde wird und schon nach einem Spaziergang am liebsten schlafen würde. Seine Blutwerte sind, was das angeht, knapp unter bzw. an der Grenze des Normalen (letzte Werte: Erys 4,49 /pl, Hb 13,1 g/dl, Hkt 0,41 l/l, MCH, MCHC und MCV noch im Normbereich aka normochrome, normozytäre Anämie).

Er ist gerade beim Uro für seine Zometainfusion und wird ihn darauf ansprechen. Trotzdem wollte ich gerne schon mal nach Euren Erfahrungen mit Tumoranämien fragen. Ab wann ist es sinnvoll, Medikamente zu nehmen? Ist Erythropoetin (Epo) das Mittel der Wahl? Wie seid Ihr verfahren?

Danke und viele verregnete Grüße
Andrea


edit: Die Blutwerte sind keine Nüchternwerte, falls das von Belang ist

Anonymous1
02.08.2007, 12:02
Hallo Andrea,

die Deutsche Krebshilfe hat eine Broschüre (51) mit dem Thema "Fatique", diese kann man auch als PDF herunterladen:

http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/051_fatigue.pdf

Gut finde ich auch folgende kleinen nichtmedizinischen Tipps für den Alltag
(Quelle Homepage la Roche)


Die Behandlung der Anämie gehört in die Hände des Arztes. Aber auch Sie selbst können manches tun, um besser mit der Erschöpfung fertig zu werden.

Ruhe
Planen Sie in Ihren Tagesablauf mehrere kurze Ruhe- und Entspannungspausen ein. Zu viel Ruhe und Schlaf hingegen vermindern Ihre Energie. Wenden Sie sich bei Schlafstörungen an Ihren Arzt.

Aktivität
Führen Sie ein Tagebuch, und finden Sie heraus, zu welchen Zeiten Sie belastbarer sind. So können Sie Ihre täglichen Aufgaben besser einteilen. Tun Sie nur, was Sie wirklich tun müssen. Sofern Ihr Arzt es befürwortet, bleiben Sie in Bewegung, z. B. durch regelmäßige, kurze Spaziergänge.

Ernährung
Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten und eine ausgewogene, vollwertige Nahrungszusammenstellung. Vergessen Sie nicht, ausreichend zu trinken. Nehmen Sie gegebenfalls eine Diätberatung in Anspruch.

Kraft sparen
Setzen Sie Prioritäten. Reservieren Sie Ihre Kraft für Dinge, die Ihnen wirklich wichtig sind. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe von der Familie, Bekannten oder Pflegekräften anzunehmen oder danach zu fragen. Machen Sie es sich leichter bei alltäglichen Verrichtungen, indem Sie z. B. möglichst viel im Sitzen tun.

Kraft finden
Gehen Sie Hobbies nach, die weniger anstrengend sind, z. B. Musik hören oder Lesen. Nehmen Sie sich Zeit für Dinge, die Ihnen wirklich Freude machen und Ihnen gut tun. Ziehen Sie sich nicht zurück. Sprechen Sie mit den Sie umgebenden Menschen über Ihr Befinden. Es könnte hilfreich für Sie sein, sich in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Bleiben Sie aktiv, aber gönnen Sie Ihrem Körper auch Ruhe und Erholung. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und sparen Sie Kraft für Dinge, die Ihnen wirklich wichtig sind.

Alle guten Wünsche Deinem Mann und Dir
Dieter

Heribert
02.08.2007, 14:46
Hallo Tinka,

die Blutwerte sind doch noch ganz ordentlich. Mit EPO ist man auch bei Tumorpatienten äußerst vorsichtig. Darüber würde ich "noch" nicht nachdenken.
Habt ihr euch schon mal mit dem behandelnden Arzt über Natriumselenitpräparate unterhalten um das Immunsystem etwas aufzubauen?
Es ist verschreibungspflichtig und bei vernünftiger Begründung auch verordnungsfähig.Liebe Grüße
Heribert

WinfriedW
02.08.2007, 14:57
Die Blutwerte sind keine Nüchternwerte, falls das von Belang ist.Das ist beim Blutbild nicht von Belang. Das Blutbild wird durch Nahrungsmittelaufnahme kurzfristig nicht verändert. Natürlich kann die Nahrungsmittelauswahl längerfristig auch das Blutbild beeinflussen.


Ist Erythropoetin (Epo) das Mittel der Wahl?Nein, auf keinen Fall. 14-18 g/dl Hämoglobin(Hb) bei Männern und 12-16 g/dl bei Frauen ist normal. Mit 13,1 g/dl Hb im Blut ist dein Mann sehr nah am Normalbereich. Diesbezüglich gibt es keinen Handlungsbedarf.

Gegen Erythropoetin (Epo) besteht ein leichter Verdacht, dass es den Tumorprogress fördern könnte. Der Nachweis, dass dem so ist, wurde bei anderen Tumorarten erbracht. Beim Prostatakrebs ist er meines Wissens nicht erbracht, aber vorsichtig ist die Mutter der Porzellankiste. Wenn man den Hb-Wert medikamentös zu weit noch oben treibt, steigt außerdem das Thromboserisiko.

Über Epo würde man bei Hb-Werten < 9 g/dl oder evtl. < 10 g/dl nachdenken und dann würde ich den Wert medikamentös keinesfalls über 12 g/dl anheben. Ich habe mir im März diesen Jahres genau zweimal NeoRecormon 30 000 IE gespritzt und damit mein Hb von 9,4 g/dl auf 11,6 g/dl angehoben. Jetzt ist mein Hb etwa dort, wo dein Mann auch ist und darauf bin ich ganz stolz.

Die niedrigen Blutwerte sind sicher auch nicht der Grund für seine Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Dein Mann hat einen sehr weit fortgeschrittenen Tumor. Das mag eine Rolle spielen. Allerdings müsste es dann unter Therapie, solange sie greift, besser werden. Ich vermute aber, es liegt am Testosteronmangel. Manche Männer im fortgeschritteneren Alter substituieren Testosteron, weil der Mann sich mit mehr Testosteron besser fühlt als mit weniger. Auch die Radprofis spritzen sich illegalerweise Testosteron, weil der Mann damit einfach schneller Rad fährt und insgesamt leistungsfähiger (und aggressiver) ist. Dein Mann betreibt das Gegenteil, nämlich Antidoping. Deshalb ist er auch so handzahm :D. Der Testosteronmangel hat Auswirkungen auf die Psyche: Antriebsarmut, Libidoverlust, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Depressionen ...


... und viele verregnete GrüßeHier regnet's nicht :),

Gruß Winfried

Tinka
02.08.2007, 20:15
Deshalb ist er auch so handzahm :D.

Ach, ist er das? ;) ;) ;)

Danke, lieber Winfried und danke auch, lieber Dieter. Die Broschüre ist toll und dort las ich in der Zwischenzeit auch, dass die Fatigue nicht zwingend von den Blutwerten kommt, sondern vielmehr vom Testosteronentzug. Deine ausführliche Antwort, Winfried, war sehr hilfreich!

Heribert, Michael nimmt Cefasel 300 µg p.d.

Wenn ich noch mal drüber nachdenke, komme ich immer mehr zu dem Schluß, dass so eine "Bremse" gar nicht unbedingt das schlechteste ist. Schließlich hat Michael keine Erkältung, sondern ein metastasierendes Karzinom. Ein wenig Schonung und bewußtes Umgehen mit den Auswirkungen von Krankheit und Therapie kann doch eigentlich nur gut sein, hm? Solange es in einem für ihn erträglichen Rahmen bleibt natürlich.

Liebe Grüße, nun endlich ohne Regen
Andrea

Heribert
03.08.2007, 10:38
Hallo Andrea


Heribert, Michael nimmt Cefasel 300 µg p.d.

Ja, entschuldige, war mir unter dem Handelsnamen nicht bekannt
Gruß Heribert

HansiB
03.08.2007, 11:09
Hallo Andrea,

Schonung für uns junge PKler halte ich für nicht richtig. Ich werde von Jahr zu Jahr etwas müder, aber nur vor der Glotze. Mein Wanderpensum, Mo. Di. je 3 Stunden und dann noch ca. 20 km / Woche + sonstige Fußmärsche. Wir dürfen uns nicht hägen lassen. Ist auch gut und notwendig für meine und die zukünftige Osteoporose deines Mannes.
Mein HB hat sich verbessert, jetzt auf 15,3 ohne Medikation. Er wird sich auch bei deinem Mann im Laufe der Jahre normalisieren. Meine Neutrophile sind zu hoch, Lymphos zu niedrig (durch Keto vermute ich). Leukos und Trombos haben sich im Normalbereich erhöht Euch viel Erfolg, Hans