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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wiederanstieg des PSA nach DHB/Leibowitz



Reinardo
11.08.2007, 08:05
Hallo:-
Wie schon früher mitgeteilt, beschäftigt mich sehr stark der Fall des Wiederanstiegs des PSA (über ein normales Mass hinaus) Jahre nach Beendigung der auf 13 Monate begrenzten Hormontherapie. Ich bin sicher, dass ausser mir noch andere diese unliebsame Erfahrung gemacht haben.
Ich habe nun auf Anraten von Professor Böcking ihm die Blöcke aus meiner Erstbiopsie vom Jahr 2001 zukommen lassen in der Absicht, herauszufinden, ob sich in den vergangenen 6 Jahren eine Verschlechterung der DNA-Ploidie hin zu den agressiveren Formen des PK entwickelt hat. Die Analyse der DNA aus 2001 ergab eine Hauptstammlinie von 2c, eine Verdopplung bei 4c aber auch eine Zelle bei 9c. Im Ergebnis ein peridiploides Muster mit Übergang zu peritetraploid und einer noch recht guten Prognose. Wenn ich das richtig interpretiere, ist das aber ein Ergebnis, wo Professor Böcking Hutschi und Knut eine Strahlentherapie empfohlen hat (was sie ja auch gemacht haben), aber ich habe nun immerhin schon 6 Jahre ohne weitere Therapie ganz gut gelebt.
Die Abgleichung zu meiner jetzigen Situation liess sich leider nicht wie beabsichtigt realisieren. Nach der am 24.5.2007 von Dr.Al-Abadi gemachten FNAB-Rebiopsie wurde zwar ein aktuelles DNA-Histogramm erstellt, es hat sich aber gezeigt, dass die Auswertungen wegen unterschiedlicher Kalibrierungsverfahren und auch Interpretationsweisen nicht ohne weiteres vergleichbar sind. Wolfgang aus Berlin hatte auf diesen Umstand bereits in einem seiner Beiträge hingewiesen. Man sollte deshalb DNA-Analysen zum Zwecke des Therapie-Monitoring immer im gleichen pathologischen Institut machen lassen.
Also habe ich nun das Cytopatologische Institut der Charité gebeten, die FNAB-Blöcke zu Professor Böcking zu schicken zwecks Erstellung eines Histogramms nach dem in Düsseldorf üblichen Verfahren. Zusätzlich ist im März nächsten Jahres als Teil einer Gruppen-Initiative eine weitere Rebiopsie bei Dr.Bliemeister mit anschliessender Auswertung im Institut Böcking geplant. Dann werde ich endgültig wissen, was los ist.

Gestern hatte ich auch wieder ein Telephonat mit Dr.Al-Abadi. Er empfahl mir zwecks Verhinderung weiterer Progression eine Hormonblockade, jedoch keine kontinuierliche oder maximale, sondern nur eine Zeitlang Tabletten oder eine einzige Spritze. Er habe Patienten betreut, die das schon 8 Jahre und länger so machen.
Dieser Rat kann natürlich nur gesehen werden in Bezug auf meine individuelle DNA-Struktur.
Im September habe ich eine erneute PSA-Messung und ein Gespräch mit dem Urologen. Was ich dann machen werde, weiss ich noch nicht. Auf jeden Fall nichts Übereiltes.
Gruss, Reinardo

Harro
11.08.2007, 11:12
Keine übereilten Aktivitäten

Hallo, lieber Reinardo, hab Dank für Deine überaus vorsichtige Einschätzung Deiner bisherigen Strategie, zu der ich Dir natürlich ganz herzlich gratulieren möchte. Gute Nerven hatte ich ja trotz häufiger energischer Proteste meiner Frau von Anfang an, indem ich immerhin fast 2 Jahre "Wait and see" und das bei steigendem PSA von 13.5 ng/ml vor der Stanzbiopsie und 17.5 ng/ml bei Beginn der ersten zaghaften 3-Monate Monotherapie mit Casodex 150 mg praktiziert habe. Prof. Böcking war natürlich bestens über meinen bisherigen PCa-Verlauf informiert und die Bestrahlung hatte ich ja auch schon hinter mir. Er hat im Grunde bei seiner DNA-Beurteilung meiner Stanzen von 2001 lediglich zum Ausdruck gebracht, daß wohl sowohl meine Entscheidung zu Leibowitz als auch die in diesem Jahr absolvierte IMRT als logisch und richtig angesehen werden können. Bislang habe ich auch noch keinen Grund darüber zu grübeln, ob ich etwas anderes hätte machen sollen. Ausgenommen vielleicht meine neue Erkenntnis zum Testosteron, dem bei mir für alle Zeit Vorfahrt und Unantastbarkeit gilt. Am 1. März 2008 werden wir beide sicher wieder einen Schritt weiter in Richtung Wissensvermehrung sein.

"Die Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft ein Geheimnis, und dieser Augenblick ist ein Geschenk" (Vedisch)

Gruß Hutschi

Reinardo
11.08.2007, 13:44
Danke, Hutschi, für Deine Stellungnahme. Ich hatte meinen Beitrag allerdings noch dahingehend ergänzen wollen, dass die Beratung zur Strahlentherapie, die Du und Knut erfahren habt, ja doch im Hinblick auf kurative Absicht erfolgte, wohingegen ich das gar nicht mehr anstrebe sondern nur so lange wie möglich ohne Beschwerden bleiben möchte - bis mein Karma mich ohnehin ereilt. Ich hoffe auch, dass wir die Möglichkeiten und Chancen des Therapie-Monitoring mittels FNAB-Rebiopsie dann im März gut werden beurteilen können.
Gruss und schönes Wochenende Dir und Knut (noch im fernen Kalifornien?)
Reinardo

"Alle Welt fürchtet die Zeit. Die Zeit aber fürchtet die Pyramiden"

Spruch eines alten Ägypters, aus Justus Paleckis, "In zwei Welten".

Harro
11.08.2007, 14:23
Wiedergeburt

Hallo Reinardo, jetzt bin ich aber total perplex. Bis Dich Dein Karma ereilt. Ich bin nicht so ganz sicher, ob Du sofort die Bedeutung des Wortes Karma überrissen hattest, denn z.B. auch in der buddhistischen Lehre gilt das aus der indischen Sprache entnommene Wort Karma für so etwas wie Wiedergeburt. Na, das wäre doch auch mal was; wir treffen uns erst dann wieder in einer hoffentlich besseren Welt, wenn alle bösen Menschen beim Karma nur als z.B. häßliche Kröten wieder geboren werden. Übermut beiseite, Du wolltest als Nichtkirchengänger nur so etwas wie Schicksal andeuten, und dem entgehen wir mit Sicherheit nicht. Also, laßt uns jetzt noch tüchtig leben. Es ist schon später als man denkt.

"Der Meister hatte mit seinen jungen Schülern einen Ausflug gemacht. Zur Rast setzten sie sich an das Ufer eines Flusses, das steil hinab ging. Einer der Schüler fragte: "Sag Herr, wenn ich nun abrutschen würde und in den Fluss fiele, müsste ich dann ertrinken?" "Nein", antwortete der Meister, "du ertrinkst nicht, wenn du in den Fluss fällst - du ertrinkst nur dann, wenn du drin bleibst"
((Nach Anthony de Mello)

Gruß Hutschi