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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Amtschimmel im Gesundheitssystem



Urologe
23.08.2007, 08:22
Hallo Forum,

mal wieder eines meiner Erlebnisse mit unserem Gesundheitssystem:

Da ich meine Patienten häufiger auch am Telefon (z.B. wegen Entfernung) betreue habe ich eine Anfrage zur Berechenbarkeit der Zeit an die KV gestellt.

Antwort:

Eine Beratung setzt direkte Anwesenheit vor Ort mit Arzt-Patienten-Kontakt voraus!!!! - andernfalls (also telefonisch) könne definitiv nur die Ziffer 26215 (= 1,50 Euro) abgerechnet werden, egal, wie lange telefoniert wird!

Anders gesagt:

Bei einem kalkulatorischen Arztlohn von 72 Euro steht Ihnen maximal 90 Sekunden pro Telefonat zu!

Nett nicht?

Gruss
fs

HansiB
23.08.2007, 08:39
Hallo Dr. Fs,

ich glaube, daß kein vernünftiger PKler, ein Problem hat, die Gespräche und Beratungen zu bezahlen. Zu der GK-Bezahlung kommen ja noch die Verwaltungskosten dazu.

Gruß Hans

Harro
23.08.2007, 10:00
Beratung, auch fernmündlich

Hallo, sehr geschätzter Dr. Fs, auf unzähligen Rechnungen der letzten 6 Jahre steht auch unzählige Male die Position "Beratung, auch fernmündlich", die mir als Privatpatient generell mit Euro 10.72 fakturiert und auch von der Kasse bezahlt wurden. Einer meiner ersten Urologen brachte es sogar fertig, seinen Mitarbeitern zu untersagen, mir die bei ihm ermittelten PSA-Werte telefonisch zu nennen. Er bestand darauf, daß nur er mir das fernmündlich mitzuteilen habe, obwohl es eine Fax-Mitteilung, wie ich sie nun seit Jahren von meinem Labor direkt bekomme, auch getan hätte. Das Ergebnis etwa 1-jähriger Zusammenarbeit mit diesem Urologen waren allein wegen PSA-Infos mehr als ein Dutzend mal Euro 10.72 für Beratung!!

"Lebenskunst ist die Fähigkeit, mit Menschen auszukommen, die man nicht leiden kann" (Samuel Goldwyn - amerikanischer Filmproduzent)

Gruß Hutschi

shgmeldorf,Werner Roesler
23.08.2007, 10:23
Hallo Dr. Fs,

ich glaube, daß kein vernünftiger PKler, ein Problem hat, die Gespräche und Beratungen zu bezahlen. Zu der GK-Bezahlung kommen ja noch die Verwaltungskosten dazu.

Gruß Hans

Hallo HansiB,

ich überlege immer noch, warum Du so sehr um Verständnis für die Krankenkassen und sonst. Verwaltungen wirbst, welche den Ärzten und uns Patienten ständig immer mehr Schwierigkeiten machen?
Hast Du vielleicht `mal bei so einer Institution gearbeitet, oder fühlst Du Dich auch sonst irgendwie verbunden?

Du bist doch sonst so ein kritischer Kopf?

Jeder einigermaßen mit offenen Augen durch das Land gehende Prostatakrebspatient merkt doch Tag für Tag was es bedeutet, so eine schwere Krankheit bewältigen zu müssen!

Die Patienten müssen oft lange Anfahrtwege zu den Ärzten, Kliniken, Krankenkassen und sonst. Einrichtungen durchstehen! Oft bleibt den Patienten nur das Telefon, um wenigstens einige Auskünfte zur Krankheit bekommen zu können. Viele Ärzte sind aus Zeitmangel überhaupt nicht für die Patienten zu sprechen. Wenn sie dann am Telefon sind, ist die Zeit häufig zu kurz.

Und Du stellst Dich hier hin und sagst ganz einfach, jeder "vernünftige PKler" könne doch die Gespräche und Beratungen einfach so bezahlen!
Wenn Prostatakrebspatienten für Ihre Rechte juristisch kämpfen, dann bist Du so dreist und tönst: Dann klagt man schön!

Bitte Hans, überlege vorher richtig, bevor Du uns hier solche Sachen servierst.

Gruß Werner R.

HansiB
23.08.2007, 19:55
Hallo Papa Werner,

ich habe weder in einem Med. Institut gearbeitet noch habe ich mit Krankenkasse oder Ärzten was am Hut.
Von meinen Ärzten vorort, sonst war ich noch nirgens, reicht mir bisher auch aus, bekomme ich so gut wie keine Therapieveränderungen. Ich habe alle selbst veranlasst, auch darauf habe ich schon oft hingewiesen. Daher hole ich mir Hilfe, bei seriösen HP, mit Erfolg, wie man sehen kann, wenn man will. Ich gehe davon aus, daß meine Ärzte, keine Gesprächskosten abrechnen, es gab auch keine. Meine HP bezahle ich, warum sollte ich so eine besondere ärztliche Hilfe, sollte sie mal erfolgen nicht genau so bezahlen. Du wirst mir das wohl gestatten.
Da die Bezahlung für Gespräche durch die Kassen gleich 0 ist, ist auch nichts zu erwarten. Auch eine um 100 % erhöhte Bezahlung kannst du vergessen.
Auf die Gremien, die sowas veranlassen sollten wir losgehen. Ich hatte noch nie eine Fahrt zu einem entfernten Arzt, oder gar zu meiner Krankenkasse, wozu auch. Mit meinen Ärzten habe ich Streitereien, ich habe oft schon darüber geschimpft, aufgegeben. Ich lasse meine für mich notwendigen Blutwerte zwischendurch, in einem Labor machen, diese ca. 25 km Fahrten, sind die längsten Strecken, auch so geht das, vermutlich auch in jeder anderen Stadt. Die HB-Medikamente, die ich will, bekomme ich verschrieben, alles andere muß ich selber zahlen, sollte ich da Streiten.

Gruß Hans

Urologe
23.08.2007, 20:03
Hallo,

Hansi, es ging mir nicht um das Geld, sondern nur um die Unflexibilität unseres Kassensystemes.

Gruss
fs

shgmeldorf,Werner Roesler
23.08.2007, 23:22
Hallo Hans!

Das Du weitgehend alles finanziell selber trägst, habe ich ja nun registriert.

Du solltest nur nicht Deine Situation auf andere Betroffene unzulässig verallgemeinern.

Viele Männer sterben an Ihrer Krankheit, Hans, und sehr brutal und unmenschlich.

Wenn wir hier im Forum versuchen, für betroffene Männer eine bessere Zukunft in der Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit zu erreichen, dann kannst Du Dich nicht hinstellen und so tun, als wenn wir alle zum HP gehen und damit unsere Krankheit und unsere Probleme kontrollieren könnten.

Gerade habe ich mit der Frau eines unserer Gruppenmitglieder gesprochen. Unser Freund liegt im Sterben, mit Opiaten zugeschüttet, weil er sonst vor Schmerzen schreien würde.

Ich will ja nur, dass Du, bevor Du solche merkwürdigen Aussagen tätigst, vorher darüber nachdenkst.

Unser Gesundheitswesen sowie die gängige Praxis der Kassen im Umgang mit den Ärzten und Patienten muß verändert werden.

So, Hans, geht es eben nicht weiter!

Gruß Werner R.

HansiB
24.08.2007, 14:01
Hallo Dr. fs,

mir geht es um die Beratung und die bekomme ich eben nicht.

Gtuß Hans

WinfriedW
24.08.2007, 16:41
... ,die mir als Privatpatient generell mit Euro 10.72 fakturiert und auch von der Kasse bezahlt wurden. ...Ein massives Problem für uns Kassenpatienten ist, dass die privaten Kassen viel höhere Sätze bezahlen als die gesetzlichen. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass manche Ärzte am liebsten nur noch Privatpatienten behandeln.

WW

Günter Feick
24.08.2007, 17:36
Hallo Winfried,


Ein massives Problem für uns Kassenpatienten ist, dass die privaten Kassen viel höhere Sätze bezahlen als die gesetzlichen. WW

Was ist Deine Erklärung für diese höheren Sätze, bzw. was befähigt die Privaten mehr als die GKV für dieselbe Leistung zu zahlen?

Günter

Konrad
12.09.2007, 12:19
Hallo, Entschuldigung, dass ich mich so einbringe. Eine Erklärung gibt es in unserem Klassensystem; sonst nicht. Es ist nun mal so. Komme ich mit einem Krankenschein einer gesetzlichen Kasse in eine Uniklinik, stehe ich mit einer Nr. erst mal in der Warteschleife. Rufe ich im Büro des Klinikleiters/Chefs an erhalte ich schnell einen Privattermin und bei der Behandlung laufe ich an der Warteschlagen vorbei und bekomme pünklich meinen Professoren Termin. Die Behandlung ist teurer und wird mit höheren Sätzen abgerechnet. Auch hier im Forum wird leider zu den Kosten und den Kostenübernahmen der einzelnen Kassen - mit Namensveröffentlichung ! - zu wenig geschrieben. Den Umgang der Kassen mit den Betroffenen/Kranken sollte mehr mit in den Vordergrund ( eigenes Thema ? ) gestellt werden. Gruß an alle Betroffenen ob Kasse oder privat. Konrad Bei uns gibt es keine Gleichen unter Gleichen

Harro
12.09.2007, 13:22
Auch als Privatpatient nehme ich Wartezeiten in Kauf

Hallo Konrad, es ist sicher in der Realität tatsächlich so, daß man bei vielen - nicht bei allen - Professoren nur als Privatpatient überhaupt einen Termin bekommt. Das bedeutet aber noch längst nicht, daß man als privat Versicherter nun sofort einen Termin beim Chef - sprich Professor et all - bekommt. Es gibt in vielen Kliniken die normalen Ambulanzen für die GKV und die Privat-Ambulanzen, die grundsätzlich nur Privatpatienten vorlassen. Ich wollte z.B. am Montag einen dringenden Termin wegen einer befürchteten Polyneuropathie - dazu später mehr - in der Neurologie ausmachen. Das Privatsekretariat, mit dem ich auch direkt verbunden wurde, fragte als erstes: "Wie sind Sie denn versichert?". Nun denn, trotzdem, ja vor Ende November kann ich Ihnen leider keinen Termin beim Professor mehr geben. Aber ich will versuchen, bei einem seiner Stellvertreter für Sie einen Termin zu bekommen. Ich rufe Sie wieder an oder geben Sie mir Ihre Fax-Nummer. Auch nach mehr als 24 Stunden kein Lebenszeichen von der Klinik. Ich habe dann den mir bekannten Professor der Radio-Onkologie per E-Mail um Hilfe gebeten, und siehe da, nach weniger als einer halben Stunde hatte ich einen Termin bei einem Dr. med. der Klinik, aber erst für nächste Woche Mittwoch. Also ein "Sesam Öffne Dich" ist der Status privat versichert längst nicht mehr. Zur Frage von Günter an Winfried, weiter oben:

Was ist Deine Erklärung für diese höheren Sätze, bzw. was befähigt die Privaten mehr als die GKV für dieselbe Leistung zu zahlen?

Günter

Für mich, lieber Günter gibt es nur die Erklärung, daß der privat Versicherte
monatlich deutlich mehr an die Kasse abführen muß als die GK-Versicherten. Ich zahle z.B. monatlich € 718.92 und meine Frau etwa 760.00 €. Möge jeder selbst vergleichen, was meist für die komplette Familie an die GKV monatlich abgeführt wird. Bitte, korrigiert mich, wenn meine Begründung daneben liegt.
Ansonsten habe ich in meinem Status Ruheständer keine Probleme damit, in einer stark frequentierten Praxis die Patienten ohne Murren vorzulassen, die vor mir da waren. Selbst bei einem mir eingeräumten festen Termin kann es zu erheblichen Wartezeiten kommen, wenn z.B. ein akuter Notfall etc. dazwischen kommt. Als ich noch beruflich im Dauerstress war, konnte es schon vorkommen, daß ich dann mal unleidig wurde und auf die Tube gedrückt habe. PCa verträgt keinen Stress, das habe ich auch schon dazu gelernt. Also immer mal langsam voran. Die Mitmenschen danken es einem.

"Lebe nicht in der Vergangenheit, sonst verpasst du die Gegenwart"

Gruß Hutschi

Konrad
12.09.2007, 14:39
Hallo Hutschi, nehme mal an, dass es bei dir die Klinik in Mannheim oder die Uni Heidelberg war. Ich beziehe mich nur auf Fachärzte und die Uni Heidelberg, da die für mich am besten erreichbar sind. Weiter weg war ich bisher noch zu keiner Behandlung und hoffe, es kann auch so bleiben. Kosten in der Höhe für die Krankenkasse könnte ich mir nicht erlauben, dann bleibt ja nichts mehr zum Leben. Danke für die Antwort. Gruß vom Neckar, Konrad

Josef
21.09.2007, 23:44
Hallo,

und was verrechnen Sie, wenn ein Privatpatient anruft/angerufen wird?

Bei mir vergeht kein Tag, wo ich nicht von leidgeprüften Mitmenschen um tel. Rat gefragt werde, also plötzlich aus der Arbeit herausgerissen werde. Nachdem es hierfür das Wissen um die "Anamnese" bedarf, sind im nu 15 Minuten um.

Soll ich eine Mehrwertnummer nehmen, dachte ich mir schon mal, als gerade mehrere pro Tag anriefen.
Aber was soll`s: Immer schön antworten, sonst gibt eine Beschwerden beim Sachverständigenverband und dann mir eins auf die Rübe.

LG.

Josef

Jaanika
22.09.2007, 02:24
Ich schreibe doch noch mal...

ich habe seit dem Ableben meines Mannes so viele Rechnungen bezaheln müssen (er war Privatpatient) und immer gedacht - so das müsste jetzt endlich die letzte sein (die bisher letzte habe ich gestern bezahlt). Mich hat immer wieder stutzig gemacht, dass auf den meisten drauf stand - Beratung, wenn auch telefonisch. Wir, das heißt ich (mit Rücksprache mit meinem Mann) haben selten, villeicht drei-vier mal angerufen. Auf den Rechnungen steht es aber sooooo oft. Ich hätte darüber ausrasten können, man kann es nun mal schlecht nachverfolgen. Bei den ganzen Rechnungen, die ich seit dem Tod meines Mannes bekommen habe (etwa 10 000 EUR), habe ich den Eindruck gewonnen, dass man noch möglichst viel Geld raus holen möchte. Ich habe es nur ärgerlich emfunden, weil ich es nicht habe nachvollziehen können, letzendlich hat die Krankenkasse fast alles übernommen.

Jetzt weiß ich, was es bedeutet - Beratung, wenn auch telefonisch!

Alles Gute,
Jaanika

Josef
22.09.2007, 09:31
Hallo,

und was verrechnen Sie, wenn ein Privatpatient anruft/angerufen wird?

Bei mir vergeht kein Tag, wo ich nicht von leidgeprüften Mitmenschen um tel. Rat gefragt werde, also plötzlich aus der Arbeit herausgerissen werde. Nachdem es hierfür das Wissen um die "Anamnese" bedarf, sind im nu 15 Minuten um.

Soll ich eine Mehrwertnummer nehmen, dachte ich mir schon mal, als gerade mehrere pro Tag anriefen.
Aber was soll`s: Immer schön antworten, sonst gibt eine Beschwerden beim Sachverständigenverband und dann mir eins auf die Rübe.

LG.

Josef


Gibt es für Prof. unterschiedliche Beratungsverrechnungssätze, während/außerhalb der Ordinationszeit,
also z.B. 100 % Überstundenzuschlag?

Reinardo
22.09.2007, 18:15
Hallo Ihr alle:-
Das ganze System gehörte gekippt.
Ich würde vorschlagen, alle Ärzte rechnen nur private Liqidation an den Patienten ab. Nur Medikamente und Geräteeinsatz sind Kassenleistungen. Das brächte nur Vorteile, keine Nachteile: Die Ärzte bekämen ihre Leistungen angemessen honoriert. Die Kassenbeiträge würden sinken. Die Ärzte hätten mehr Zeit für Beratung und Fortbildung. Die alten Leute liefen nicht wegen jedem Wehwehchen zum Arzt. Unsere Frauen wären gehalten, wie früher und von Gott gewollt, sich wieder mit häuslicher Gesunderhaltung der Familie und Behandlung von Krankheiten mittels Kräuter, Tees, Umschläge, Bäder usw. zu befassen. Bevor man zum Arzt rennt, könnte und sollte auch erst einmal ein kundiger Heilpraktiker befragt werden.
Politisch würde ich die Ulla Schmitt und die von der Leyen in die Wüste schicken. Erstere, weil sie ein schlechtes Gesundheitswesen noch schlechter macht, Letztere, weil sie den Müttern weitere Aufgaben wegnimmt und die Familie dadurch kaputt macht.
Gruss, Reinardo

HorstK
22.09.2007, 19:49
Hallo Ihr alle:-

Bevor man zum Arzt rennt, könnte und sollte auch erst einmal ein kundiger Heilpraktiker befragt werden.

Gruss, Reinardo

Aber aufpassen sollte Mann/Frau schon.

Hier stand/stehts drin:

http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_drucken_jsp/key=rbb_beitrag_6265727.html

Gruß, Horst

Harro
23.09.2007, 16:33
Telefonische oder mündliche Beratung

Hallo, Jaanika, Peter Bacher hat heute in der Welt am Sonntag unter dem

Titel:"Hören Ärzte den Patienten noch zu" geschrieben:

Ich sitze im Wartezimmer. Ich sitze jetzt genau zwanzig Minuten. Ich habe erst in einer Illustrierten geblättert, sie dann aber zur Seite gelegt. Zu nervös. Ich schaue mich in den Gesichtern der Menschen um. Keiner redet ein Wort. Alle warten auf den Arzt, die Untersuchung. die Diagnose. Alle denken insgeheim: Lieber Gott, lass die Diagnose kein Fallbeil sein.
Inzwischen sind sieben weitere Minuten vergangen. Ich hatte mir vorgenommen, exakt nach einer halben Stunde - nicht früher, nicht später - die Dame an dem Empfang daran zu erinnern, dass ich für 14 Uhr bestellt sei, "da geht es bei uns nichtso turbulent wie am Morgen zu", hatte sie versprochen.
Aber ich traue mich nicht. Im Wartezimmer wirst du auf Normalgröße zurückgestutzt.
Und der Schmerz, den ich tief in mir spüre, flüstert mir zu: Mach keinen Fehler, halte aus, ohne die richtige Diagnose gibt es nicht das "Glück der Abwesenheit von Schmerz", das schönste Glück, das ich kenne, je älter ich werde.
Ich bin neu in dieser Praxis, da ist es zwecklos, auf Einhaltung des Termines zu drängen, noch dazu, wenn man freundlich "dazwischen geschoben wurde" - "der Herr Doktor verzichtet schon seit Langem auf die Mittagspause". - "Wieso denn das?", hatte ich am Telefon zurückgefragt. "Haben sie nie etwas von der Gesundheitsreform gehört, die die Ärze krank macht?" Die Schwester war ganz schön frech, und sie wusste es, denn sie lachte bei diesen Worten.
Dann endlich wurde ich aufgerufen. "Bitte, nehmen Sie die rechte Tür." Und siehe da: Der Arzt steht leibhaftig vor mir. Ich war nicht in eine Kabine geschleust worden, um mich freizumachen, was ich zuerst befürchtet hatte: Ein beliebter Trick zur Einschüchterung, so hatte ich gelesen - wer in der Zelle einige Zeit vor Kälte schlotternd wartet, begreift schnell, wer hier das Sagen hat, das Tempo bestimmt.
Ich stehe also vor dem Arzt. "Schießen Sie mal los...." Er will hören, wo bei mir der Schuh drückt - aber eigentlich will er es auch wieder nicht hören, denn nach wenigen Sekunden schon unterbricht er mich.... Das ist ja wie in Amerika, denke ich, wo Forscher nachgewiesen haben, dass sich ein Arzt die Leidensstory eines Patienten im Durchschnitt nur 22 Sekunden anhört, dann würgt er ihn ab, um Zeit zu sparen. Aber auch bei uns in Europa ist es nicht besser: Hier erzählt ein Kranker im Durchschnitt in zwei Minuten, wie es ihm geht, was ihm fehlt, wo er Hilfe erwartet, wie eine Studie der Universität Basel nachgewiesen hat.
Mit anderen Worten: Im Wartezimmer läuft der Minuten- oder gar Stundenanzeiger, im Untersuchungszimmer hingegen der Sekundenzeiger.
Unwillkürlich musste ich bei der Lektüre dieser aktuell ermittelten Zahlen an eine Szene im Deutschen Herzzentrum in Berlin zurückdenken. Dort sah ich im Treppenhaus Professor Roland Hetzer stehen, den Chefarzt, der schon über hundert Herzen transplantiert hat. Einer der ganz Großen seines Fachs. Vor ihm an einer Säule stand eine junge Mutter. Sie hing buchstäblich an den Lippen des berühmten Arztes, das Gespräch dauerte zehn, zwanzig Minuten. Später sagte der Professor Hetzer zu mir: "Entschuldigen Sie, daß ich Sie warten ließ. Aber in einem schwierigen Fall muss man sich als Arzt alle Zeit für ein Gespräch nehmen. In diesem Fall ging es um Komplikationen am Herzen eines frisch operierten Babys, da konnte ich die Frau unmöglich ohne Antwort lassen. Wir Ärzte müssen den Patienten zeigen, dass sie nicht ein Fall in einer Versuchsreihe oder ein Objekt des Geldverdienens sind. Und nach einer kleinen Pause des Nachdenkens fügte Professor Hetzer hinzu: "Ich bin immer wieder überrascht, wie wenige meiner Kollegen das verstehen.
P.S.: Die ironisch gemeinte Bemerkung der Arzthelferin, dass die Gesundheitsreform krank macht, dass sie keinen Sinn für das Gespräch Arzt-Patient entwickelt, sieht man daran, dass die Gesprächsbereitschaft der deutschen Ärzte schlecht bezahlt wird: Genau 10.73 €, auf den 2.3 fachen Satz hochgerechnet, bringt die Beratung eines Privatpatienten. Ähnlich knauserig geben sich die gesetzlichen Kassen, berichtete jetzt "Die Welt".

"Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg"

Gruß Hutschi

Konrad
23.09.2007, 16:55
Lieber Reinardo, habe schon bessere Beiträge von dir hier gelesen. Aber das nun ist der größte Blödsinn. Hier glaubt wirklich jemand, dass ältere Leute aus Jux und Dollerei beim Arzt sitzen. Nein Danke. Gruß vom alten Konrad
Hallo Ihr alle:-
Das ganze System gehörte gekippt.
Ich würde vorschlagen, alle Ärzte rechnen nur private Liqidation an den Patienten ab. Nur Medikamente und Geräteeinsatz sind Kassenleistungen. Das brächte nur Vorteile, keine Nachteile: Die Ärzte bekämen ihre Leistungen angemessen honoriert. Die Kassenbeiträge würden sinken. Die Ärzte hätten mehr Zeit für Beratung und Fortbildung. Die alten Leute liefen nicht wegen jedem Wehwehchen zum Arzt. Unsere Frauen wären gehalten, wie früher und von Gott gewollt, sich wieder mit häuslicher Gesunderhaltung der Familie und Behandlung von Krankheiten mittels Kräuter, Tees, Umschläge, Bäder usw. zu befassen. Bevor man zum Arzt rennt, könnte und sollte auch erst einmal ein kundiger Heilpraktiker befragt werden.
Politisch würde ich die Ulla Schmitt und die von der Leyen in die Wüste schicken. Erstere, weil sie ein schlechtes Gesundheitswesen noch schlechter macht, Letztere, weil sie den Müttern weitere Aufgaben wegnimmt und die Familie dadurch kaputt macht.
Gruss, Reinardo