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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Buridan'sche Phänomen



Reinardo
05.09.2007, 10:50
Hallo:-

Die Sendung gestern Abend, Visite im NDR mit Professor Huland, hat mich wieder an das Buridan'sche Phänomen erinnert und an dessen Gefahren.

In jüngeren Jahren habe ich Schafe gezüchtet und Hühner gehalten und dabei immer Beobachtungen und mir Gedanken gemacht über Parallelen im Verhalten von Menschen und Tieren.
Wenn z.B. der Leithammel, aufgeschreckt durch ein Ereignis, in den Zaun läuft, laufen die anderen Schafe der Herde auch in den Zaun. So ist es auch bei den Menschen. Wenn z.B. die Führer den Krieg erklären und Krieg führen, dann glauben die Menschen alles und ziehen auch in den Krieg. Bei den Hühnern habe ich durch Beobachtung festgestellt, dass Hennen klüger sind als Hähne. Während die Hennen längst den Ausgang aus dem Stall gefunden haben, läuft der Hahn noch immer ratlos drinnen am Zaun hin und her. Einmal bin ich von einem Hahn angefallen und verletzt worden. Auch durch Hiebe mit Zweigen und gutes Zureden konnte ich ihn nicht davon abhalten, mich immer aufs neue zu attackieren. Meine Hennen haben das nie versucht. - Ob es bei den Menschen ebenso ist, kann ich nicht beantworten. Bei der Therapie von Brustkrebs sind die Frauen jedenfalls gescheiter als die Männer beim Prostatakrebs. Anders herum als bei den Hühnern wäre ja auch verboten.

Schliesslich bin ich beim Lesen alter Schriften auf Johannes Buridan gestossen, einem französischen Gelehrten, der im frühen Mittelalter zwischen 1300 und 1358 gelebt hat und bekannt wurde dadurch, dass er seine Thesen am Beispiel von Eseln zu erläutern pflegte. Seine These: Wenn man einen Esel in genau die Mitte von zwei gleich grossen und gleich weit von ihm entfernten Heuhaufen stellte, würde er verhungern, weil er sich für keinen der beiden Heuhaufen, die gleich starke entgegengesetzte Anziehungskraft auf ihn ausübten, entscheiden könnte.
Dieses Phänomen, das sog. Buridan'sche Phänomen ist richtig, und jedem Leser im Forum, der Esel hält, steht es frei, das zu überprüfen.
Wieder auf den Menschen bezogen bedeutet das Buridan'sche Phänomen, dass es auch beim Menschen anzutreffen ist, und zwar gar nicht so selten. Wir kennen z.B. den Fall der Frau, die sich nicht entscheiden kann zwischen zwei gleich attraktiven Männern und dann ledig und kinderlos bleibt und zur alternden Jungfer wird. Ein Mensch würde allerdings kraft seiner Vernunft nicht verhungern, sondern herauszuspringen versuchen aus der Entscheidungsfalle und einen dritten Weg wählen.
So war der Vortrag Professor Hulands gestern Abend so gekonnt und in gleicher Weise kurativ wertend für Operation und Bestrahlung dargeboten, dass er Betroffenen kaum Spielraum für Entscheidungen lies, daher möglicherweise kontraproduktiv wirkte.
Ich frage mich, wie viele Entscheidungen für HIFU, WW, Leibowitz, usw. d.h. für einen dritten Weg nicht das Ergebnis rationaler Überlegungen sondern nur Folge des Buridan'schen Phänomens sind, weil sie sich zwischen kurativen Therapien nicht entscheiden konnten.
Ein Fall zum Nachdenken.
Gruss und einen schönen Tag, Reinardo

Anonymous1
05.09.2007, 11:01
Wenn z.B. die Führer den Krieg erklären und Krieg führen, dann glauben die Menschen alles und ziehen auch in den Krieg.

Reinardo'scher Nonsens

Die meisten Menschen, die in den Krieg ziehen, tun es nicht weil sie glauben was der Führer erklärt, sondern weil sie müssen. Sonst Kopf ab.

Nur Fanatiker und seit frühester Jugend zum Fehlglauben erzogene glauben einem Kriegsführer. Siehe die "Glaubenskrieger" unseres Jahrtausends.

Gruß Dieter