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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Plötzlich ging es um Hormone



otto hugo
07.09.2007, 18:14
Hallo liebe Mitbenutzer des Forums,
meine PKG habe ich bereits erstellt und nun möchte ich Euch den Verlauf dieser, meiner Geschichte darstellen:
Im November 2006 wurde ich bei meinem Urologen wegen einer Miktionsstörung vorstellig. Bei der Untersuchung stellte der Arzt einen PSA-Wert von 30,0 ng/ml fest. Der Befund der darauf folgenden Biopsie ergab, dass sich ein Prostatakrebs bei mir eingenistet hatte.
Befund: GS7 (3+4) pT1c GIIB G3
Mein Urologe riet mir zu einer Hormontherapie. Er erklärte mir, dass in meinem Alter eine Operation nicht möglich sei. Ich erklärte mich einverstanden.
Am 04.12.06 erhielt ich die erste 3 Monatsspritze Zoladex und dazu noch ein Andocur-Depot.
Den weiteren Medikamenten-Einsatz bitte ich meiner PKG zu entnehmen.
Am 19.12.06 wurde ein Knochen-Szintigramm erstellt, das Auffälligkeiten am Becken ergab. Der Befund einer anschliessenden CT ergab:
"Mehrere dichte Skleroseherde im Bereich des Beckenskeletts. In erster Linie besteht der Verdacht auf eine Manifestation bei PC."
Im weiteren Verlauf der Behandlung wechselte ich am 23.05.07 wegen unzureichenden Informationen des bisherigen zu einem anderen Urologen.
Dieser verschrieb mir zusätzlich zu meinen bisherigen Medikamenten noch Casodex 50mg/Tag und alle vier Wochen eine Zometa-Infusion (die letzte am 06.09.07)
Der letzte PSA-Test ergab am 14.08.07 0,03 ng/ml
Beim letzten Termin fragte ich den Urologen, ob man nach 4x Zometa dieses Medikament nicht wegen der doch sehr unangenehmen Nebenwirkungen absetzen und nach einigen Monaten zur Kontrolle ein erneutes Szinti machen könnte. Er aber meinte, das wäre noch zu früh.
Wie ich schon feststellen konnte, sind unter Euch sehr fachkundige Mitbetroffene, ich vermute, dass auch Ärzte darunter sind.
Ich bitte Euch nun um Einschätzung meines Krankheitsverlaufes und nehme gutgemeinte Ratschläge gerne entgegen.

Geniesse den Sommer in dem wachen Wissen, dass er vergeht.

Mit freundlichen Grüssen und guten Wünschen an Euch alle otto hugo

Anonymous1
07.09.2007, 18:55
Beim letzten Termin fragte ich den Urologen, ob man nach 4x Zometa dieses Medikament nicht wegen der doch sehr unangenehmen Nebenwirkungen absetzen und nach einigen Monaten zur Kontrolle ein erneutes Szinti machen könnte. Er aber meinte, das wäre noch zu früh.
Wie ich schon feststellen konnte, sind unter Euch sehr fachkundige Mitbetroffene, ich vermute, dass auch Ärzte darunter sind.

Hallo Otto Hugo,

Kurze Rückfrage: Welche unangenehmen Nebenwirkungen?

Gruß Dieter

otto hugo
07.09.2007, 19:18
Hi Dieter, Du fragst nach den unangenehmen Nebenwirkungen. Ich meine damit die allgemeine Schwäche, grippeähnliche Zustände und die Schmerzen an Gelenken und Muskeln. Ich weiss natürlich, dass Profakt und casodex da mitbeteiligt sind, aber ich hätte halt gerne weniger Medikamente. Als mein Urologe mir zusätzlich das Zometa verschrieb, verschrieb er mir gleichzeitig Novalgin zur Schmerzbekämpfung, wovon ich täglich 3x25 Tropfen einnehmen soll. Ich nehme aber nur davon ein, wenn die Schmerze lästg werden. Ich hätte aber von Dir noch gerne Deine Meinung gelesen, wie Du über meine allgemeine urologische Versorgung denkst. Gruss otto hugo

jürgvw
07.09.2007, 19:58
Hallo Otto Hugo

Die Nebenwirkungen von Zometa, wie Du sie darstelltst, sind mir aus eigener Erfahrung bekannt. Ich verspürte sie ebenfalls, aber nur bei der ersten Infusion. Meine letzte hatte ich am Dienstag, und sie beeinträchtigte mich überhaupt nicht.

Die Herstellerfirma empfiehlt, Zometa innert mindestens 15 Minuten zu verabreichen. Gestützt auf die Erfahrungen anderer Forenmitglieder sorgte ich dafür, dass die Infusiionen mindestens 45 Minuten bis eine Stunde dauern und zusammen mit 500 mL NaCl verabreicht werden. So komme ich um die Nebenwirkungen herum.

Seit mehr als einem Jahr bekomme ich Zometa monatlich, und es käme mir nicht in den Sinn, auf dieses Medikament verzichten zu wollen, da es gegen Knochenmetastasen wohl zur Zeit die beste Option ist.

Alles Gute wünscht Dir

Jürg

Anonymous1
07.09.2007, 20:08
Hallo Otto Hugo,

um Deine Frage vorwegzunehmen:

Ich hätte aber von Dir noch gerne Deine Meinung gelesen, wie Du über meine allgemeine urologische Versorgung denkst.Ich halte Deine momentane medikamentöse Versorgung für gut und angemessen. Du sprichst auch gut und angemessen an, wie man aus dem PSA-Verlauf sehen kann:

http://img205.imageshack.us/img205/1593/ottohugost8.jpg

Vermutlich ist das jetzt der Nadir, den Du schon noch eine Weile halten sollst. Da kannst Du ja in dieser Zeit mit dem Doktor über eine Intermittierung nachdenken.

Den Wert von Zomenta kannst Du nicht hoch genug einschätzen. Beim Mitlesen in diesem Forum habe ich mitbekommen, dass man gegen die Nebenwirkungen einiges machen kann.

Gruß Dieter

otto hugo
07.09.2007, 20:24
Hallo Dieter, vielen Dank für Deine Einschätzung und besonders für das Diagramm. Das macht mir Hoffnung. otto hugo

otto hugo
07.09.2007, 20:35
Hallo Jürg, vielen Dank für Deine Ratschläge. Mit der Dauer der Infusion habe ich auch schon meine Erfahrungen gemacht. Meine 2. Infu (100ml) sauste in 5 Minuten in meinen Körper und es bereitete mir 2 Tage grosse Schmerzen. Die 3. machte mein Hausarzt mit 250ml und 30 Min. Das war in Ordnung. Vor der letzten Infu sprach ich vorher noch mit meinem Urologen und er versprach, in Zukunft darauf zu achten, das die Infus ordentlich einlaufen. Nochmals danke für Deinen Beitrag. Ich werde auch verlangen, die Infu mit mindestens 250ml Kochsalzlösung zu machen. otto hugo

Reinardo
07.09.2007, 22:20
Hallo Otto Hugo. Ich kann da auch nichts Falsches sehen an Deiner Therapie, möchte nur den Hinweis beisteuern, dass Du Dich über die Gefahren einer zu langen Hormontherapie informieren solltest. Nach 9 Monaten würde ich ernsthaft mit dem Urologen eine Therapiepause erwägen, die möglichst lange anhalten sollte.
Es gibt einige sog. antiangiogene Mittel, die das Wiederwachsen des Krebses, messbar im Wiederanstieg der PSA-Werte, bremsen können.
Besondere Aufmerksamkeit ist der Entwicklung der Metastasen zu widmen, ob sie im Verlaufe der Therapie zurückgehen. Wenn nicht, warum nicht?
Gruss und alles Gute, Reinardo

otto hugo
08.09.2007, 08:46
Hallo Otto Hugo. Ich kann da auch nichts Falsches sehen an Deiner Therapie, möchte nur den Hinweis beisteuern, dass Du Dich über die Gefahren einer zu langen Hormontherapie informieren solltest. Nach 9 Monaten würde ich ernsthaft mit dem Urologen eine Therapiepause erwägen, die möglichst lange anhalten sollte.
Es gibt einige sog. antiangiogene Mittel, die das Wiederwachsen des Krebses, messbar im Wiederanstieg der PSA-Werte, bremsen können.
Besondere Aufmerksamkeit ist der Entwicklung der Metastasen zu widmen, ob sie im Verlaufe der Therapie zurückgehen. Wenn nicht, warum nicht?
Gruss und alles Gute, Reinardo
Hallo Reinardo, vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich habe schon einmal mit meinem Urologen über eine Intermittierung der Hormontherapie gesprochen. Er meinte jedoch, es wäre noch zu früh, man müsste noch einige PSA-Werte abwarten. Du hast erwähnt, ich sollte mich über die Gefahr einer länger anhaltenden Hormontherapie informieren. Kannst Du mir da einen Hinweis geben?
Gruss otto hugo

Reinardo
08.09.2007, 18:13
Hallo otto hugo,
die Gefahren, die aus der Hormontherapie erwachsen, kannst Du Dir am besten aus der Broschüre "Prostatakrebs Diagnose und Prognose", herausgegeben von der Gmünder Ersatzkasse, erlesen. Die Broschüre ist auch im Internet als PDF-Datei herunterladbar unter www.gek.de (http://www.gek.de) Bereich - Service Broschüren - Therapie Broschüren. In der Quintessenz handelt es sich um das Phänomen, dass schon während und vermehrt noch nach der Vernichtung der auf Hormontherapie sensiblen Krebszellen eine agressivere, hormonresistente Zellpopulation heranwächst, die schwerer unter Kontrolle zu halten ist.
Ich habe das an mir selbst bestätigt gefunden. Deshalb mein Hinweis, bzgl. der Dauer der Hormonbehandlung vorsichtig zu sein.
Gruss und alles Gute, Reinardo

otto hugo
08.09.2007, 19:41
Hallo Reinardo, vielen Dank für Deinen Hinweis.Gruss otto hugo

Michael A.
08.09.2007, 22:20
Hallo Otto Hugo,

wenn Du eine Intermitierende Hormonbehandlung planst, solltes Du überlegen noch Proscar oder Advodart als 3 Medikament zur Hormonbehandlung hinzu zu nehmen.
Dr. Strum ein amerikanischer Oncologe, der sich schon 20 Jahre mit PK befasst, schreibt folgendes:

Wir haben Proscar seit 1990 als Teil der ADT verwendet - in einer Dosis von 2 x 5 mg am Tag. Bis heute gibt es keine randomisierten Studien, die eine 2-Medikamenten-Therapie (ADT2) mit einer 3-Medikamenten-Therapie (ADT3) vergleichen. Wir haben vorläufige Ergebnisse veröffentlicht - Studien die eine ADT2 bei intermittierender androgen Deprivation (IAE) verwenden. Wenn bei diesen Patienten das LHRH-A und das Antiandrogen abgesetzt wird, führen wir die Proscar-Erhaltungstherapie weiter. Patienten die auf diese Art und Weise behandelt wurden, hatten bei der intermittierenden Androgendeprivation zusätzliche 13 Monate Pause im Vergleich zu denjenigen, die ADT2 erhielten ohne Proscar-Erhaltungstherapie (Scholz et al., J. Urol. 1999).

Nachlesen kannst Du das hier:
http://www.prostatakrebs-bps.de/index.php?option=com_content&task=view&id=157&Itemid=104

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen in der Regel diese Medikamente nicht.
Bei Proscar Wirkstoff Finasterid ist der Patentschutz abgelaufen, man bekommt jetzt 100Tb. für ca. 80.-€ Das kannst Du evtl selbst zahlen.

Ich wünsche Dir alle Gute. Gruß Michael A.

otto hugo
09.09.2007, 08:54
Hallo lieber Michael, vielen Dank für Deinen Beitrag. Das ist für mich natürlich alles zunächst Neuland, ich werde mich aber mit dieser Art von Therapie befassen und besser informieren und mit meinem Urologen besprechen. Ich habe ja noch ein wenig Zeit, denn wie ich schon geschrieben habe, will mein Urologe zunächst die weitere Entwicklung meiner PSA abwarten. Wie ich in Deiner PKG lesen konnte, hast Du damit schon gute Erfahrungen gemacht.
Also nochmals vielen Dank und schöne Grüsse nach Griesheim otto hugo