PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Antikörpertherapie



shgmeldorf,Werner Roesler
14.09.2007, 13:49
Möglicher Einsatz von Antikörpern beim fortgeschrittenen, metastasierenden Prostatakarzinom

Der Einsatz von Zytostatika (wie z.B. Docetaxel u.a.) unterliegt einigen wesentlichen Einschränkungen, dazu zählen die sog. unerwünschten Wirkungen sowie die Resistenzproblematik.
Der Einsatz bleibt beim Prostatakarzinom in der Palliation stecken, damit ist die Prognose für Männer mit einem fortgeschrittenen und metastasierenden Prostatakrebs weiterhin sehr ernst.

Hier zeigen nun Behandlungsansätze. wie Impftherapien, Tyrosinkinase-Inhibitoren und auch der Einsatz von Antikörpern weitere sehr hoffnungsvolle Therapiemöglichkeiten auf, die das verfügbare Potential an anti-tumorös wirkenden Substanzen und Maßnahmen schon jetzt erweitern können.

Bei vielen anderen Tumorerkrankungen werden Antikörper bereits (oft in Kombinationen mit anderen Therapeutika) erfolgreich eingesetzt und führen so schon aktuell zu erheblichen Verbesserungen und Lebensverlängerungen bei den Patienten.

Eine Verlängerung des Lebens macht aber nur dann Sinn, wenn diese mit einer vernünftigen Lebensqualität verbunden ist.

Zur Antikörpertherapie

Tumoren (so auch das Prostatakarzinom) können nur bis zu einer Größe von wenigen Millimetern per Diffusion den Gasaustausch durchführen. Alles, was mit dem Tumorwachstum über diese Größen hinausgeht, bedarf der Versorgung mit einem Kapillarbett. Diese Prozesse werden über die Tumorzellen direkt (autokrin) oder über ortsansässige Zellen (Endothel- oder Fibroblastenzellen) durch die Sezernierung pro-angiogener Wachstumsfaktoren (parakrin) durchgeführt.
Beim Prostatakarzinom stellen der VEGF (vaskulär endothelial growth factor) , der EGFR (epidermal growth factor) sowie der humane epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptor Typ 2 - HER-2/neu wichtige Zielstrukturen für den Einsatz von Antikörpern dar.

Beim Prostatakarzinom sind drei monoklonale Antikörper unter Bezugnahme auf die Zielstrukturen u.a. schon aktuell einsetzbar.

1."Avastin" (Bevacizumab) ist ein sehr bekannter und für die Behandlung des Prostatakarzinoms noch nicht zugelassener Antikörper. Beim Prostatakarzinom, als ein Angiogenese-abhängiger Tumor, ergibt sich aber somit vernünftigerweise der Einsatz eines anti-VEGF-Antikörpers.
Bevacizumab ist ein rekombinanter, humanisierter, monoklonaler
Antikörper, 95 % humaner Anteil, der Rest ist murin (von der Maus).
B. bindet und neutralisiert VEGF. Es wird über verschiedene VEGF - Rezeptoren (so die Wichtigsten VEGF -R 1 und VEGF-R 2) die Signalweiterführung, die zu einer Gefäßneubildung führt, effektiv unterbunden.
Wenn also eine Überexprimierung von VEGF beim PCa nachgewiesen ist, somit auch eine schlechte Prognose vorliegt, kann B. den Tumor von seinen Versorgungsstrukturen stark abkoppeln.
Zusätzlich zum anti-angiogenetischen Effekt kann B. die Diffusion einer weiteren Chemotherapie erhöhen, da B. auch einen weiteren Effekt auf die Gefäßstruktur ausübt und eine Normalisierung des pathologisch erhöhten interstitiellen Druckes im Tumorgewebe erzeugt.
Anfang 2005 ist in Deutschland die Kombination von B. mit einer Chemotherapie aus Bolus 5-FU, Folinsäure (IFL) und Irinotecan zugelassen, aber momentan nur beim Kolorektalen Karzinom.
Nach dieser Antikörper-Anwendung kann noch eine sog. Zweitlinien - Chemotherapie mit Oxaliplatin (die Weiterentwicklung von Cisplatin und Carboplatin) durchgeführt werden.

Nebenwirkungen:

Bislang wurden keine allergischen Reaktionen von klinischer Relevanz beschrieben.
Erhöhter, aber kontrollierbarer Blutdruck wurde bei 22,5 % ( Grad 3-Hypertonie bei 11 %) festgestellt. Der Blutdruck sollte regelmäßig überwacht werden.
Die Proteinausscheidung müßte mit Urin-Teststreifen regelmäßig überprüft werden.
Selten (bei 1,5 %) können schwerwiegende gastrointestinale Perforationen auftreten.
Wundheilungsstörungen sollten aber generell sehr beachtet werden!
Die Halbwertszeit liegt bei ca 20 Tagen, schwankt aber von Patient zu Patient.

2. "Erbitux"(Cetuximab) ist ein chimärer, monoklonaler IgG1 Antikörper, die konstante Effektorregion ist humanen Anteils, die variable ist murin.
Cetuximab wirkt auf den EGF - Rezeptor ein. Bei verschiedenen Karzinomen ist eine Expression dieses EGF - Rezeptors mit einer schlechten Prognose verbunden.
C. hemmt kompetitiv die Bindung der endogenen Liganden EGF und TGF - Alpha an den Rezeptor.
Der EGFR ist für das Wachstum und die Metastasierung des Tumors von wichtiger Bedeutung. So werden die Entdifferenzierung des Tumors, die Produktion von pro-angiogenetischen Zytokinen (u.a. VEGF) über Signalwege inhibiert. C. bindet an die Karzinomzelle (EGFR) und führt so zur Apoptose-Einleitung, außerdem wird eine starke Zytotoxizität erreicht.

EGFR wird durch einen immunhistochemischen Test im Tumormaterial nachgewiesen. Ein Tumor gilt als EGFR-positiv, sobald eine einzige gefärbte Zelle nachweisbar ist! Aber aufgrund klinischer Erfahrung können auch Patienten mit einem negativen immunhistochemischen EGFR-Test auf Cetuximab ansprechen.

Cetuximab ist seit 2004 in Deutschland in Kombination mit "Irinotecan" zur Behandlung bei Patienten mit metastasierenden kolorektalen Karzinomen, die den EGFR exprimieren, zugelassen.

Nebenwirkungen:

Die Nebenwirkungen von Cetuximab sind ein akneähnlicher Hautausschlag bei ca. 80 %, der aber nur bei ca. 10 % eine Grad 3 oder 4 Hautreaktion zeigt. Aber Patienten die einen Hautausschlag bekommen, sprechen signifikant häufiger auf diese Therapie an!
Mit entsprechenden topischen Anwendungen von Salicylsäure- oder Antibiotika-basierten Cremes können die Symptome gelindert werden. Nach Beendigung der Behandlung bilden sich die Hauterscheinungen in der Regel komplett zurück
Weiterhin Juckreiz, Hauttrockenheit und mögliche Nagelveränderungen (Paronychien).
Ansonsten bei ca. 5 % nach der Erstinfusion grippeähnliche Symptome.
Die Nebenwirkungen bilden sich nach Beendigung zurück.

3."Herceptin" (Trastuzumab) ist ein rekombinanter monoklonaler, humanisierter Antikörper, der sich gegen das Transmembranprotein HER 2/neu richtet.

Beim Prostatakarzinom kann bei einigen Männern eine Überexpression festgestellt werden (recht oft kommt diese Konstellation beim Mammakarzinom vor).
Die Überexpressionm von HER 2/neu weist auf einen aggressiven und rascher metastasierenden Krebs hin, verbunden mit einer schlechteren Prognose.
Bei der HER 2/neu Überexpression wird auch über eine schneller eintretende Unwirksamkeit der Hormonentzugstherapie und eine besondere relative Chemotherapieresistenz diskutiert.
Beim Nachweis einer HER 2 Überexpression kann T. beim Prostatakarzinom eingesetzt werden.
Die standardisierte Untersuchung findet immunhistologisch (IHC) mit einer Graduierung von 0 bis 3 + statt. Die FISH - Technik (Fluoresznz in situ Hybridisierung) ermöglicht den Nachweis auf der DNA-Ebene. Diese Methode ist aufwändiger, aber hat wegen der Stabilität der DNA der Vorteil, sowohl aus dem Blut sowie vitalem Tumorgewebe oder aus paraffineingebettenten Proben anwendbar zu sein.
Trastuzumab ist seit 1998 beim Mamma-Karzinom zugelassen.

Nebenwirkungen:

Trastuzumab gilt als nebenwirkungsarm. Grippeähnliche Symptome werden bei bis zu 40 % im Rahmen der Erstinfusion beobachtet. Weiterhin seltene Nebenwirkungen wie Übelkeit, Diarrhoe, Schmerzen im Tumorbereich, Dyspnoe, Exanthem. Bei den folgenden Infusionen nimmt die Verträglichkeit deutlich zu.
Da HER 2 und seine Liganden in Herzmuskeln exprimiert sind, können Herzprobleme auftreten. Jedoch treten diese meist in der Kombination mit anderen Therapeutika, wie z.B. Anthrazyklinen auf. Bei ca. 4,7 % habe man so eine kardiale Dysfunktion festgestellt, die sich im Rahmen einer Kardiomyopathie, eines Herzversagens und/oder einer Einschränkung der Auswurfreaktion äußert.

Gruß Werner R.


Literatur:1. Stephen B. Strum (2002) Ein Ratgeber zum Prostatakrebs; 2.Pschyrembel;3.Buselmaier (2003) Biologie für Mediziner;4.Jacobi ( 2003)Praxis der Männergesundheit; 5.Heidenreich (2006) Palliative Therapiestrategien beim Prostatakarzinom; 6.Weißbach (2005) Diagnose:Prostatakrebs; 7.Estler (2000) Pharmakologie und Toxikologie; 8.Oberholzer (2001) Pathologie verstehen; 9.Engert-Dreger-Haferlach (2007) Antikörpertherapie in der Hämatologie und Onkologie;

shgmeldorf,Werner Roesler
15.09.2007, 08:45
Möglicher Einsatz von Antikörpern beim fortgeschrittenen und metastasierenden Prostatakarzinom

Hallo Forum,

bei der Anwendung von Cetuximab habe ich die Frage des Nachweises von EGFR im Tumormaterial sowie den Bereich Nebenwirkungen ergänzt. Möglicherweise kann EGFR auch bei Tumorzellen aus dem Blut festgestellt werden. Hier werde ich noch recherchieren.

Gruß Werner R.

RuStra
04.05.2008, 13:31
Möglicher Einsatz von Antikörpern beim fortgeschrittenen und metastasierenden Prostatakarzinom

Hallo Forum,

bei der Anwendung von Cetuximab habe ich die Frage des Nachweises von EGFR im Tumormaterial sowie den Bereich Nebenwirkungen ergänzt. Möglicherweise kann EGFR auch bei Tumorzellen aus dem Blut festgestellt werden. Hier werde ich noch recherchieren.

Gruß Werner R.

Vielen Dank, Werner, für diese Antikörper-Vorlage,
ich habe sie hier (http://www.promann-hamburg.de/Texte/Immun/Antik%F6rper.pdf)übernommen und denke, aus diesem Beitrag, aber auch aus dem schon im KISP-Forumsextrakt gespeichertem sollten wir ne neue eigene Seite "Antikörper" schnitzen - weil zentralisiert findets mans leichter.
Es gibt zu Avastin (http://www.prostatakrebse.de/informationen/html/medi_avastin.html) und zu Herceptin (http://www.prostatakrebse.de/informationen/html/medi_herceptin.html)Forums-Extrakte von Ralf, von Erbitux nicht.

Merke:
==> Immuntherapien ==> Antikörper

Hat jemand eine andere, besser Einordnung vorzuschlagen?

Vielleicht:
==> Angiogenese-Hemmer ==> Antikörper

Aber auch die (Blut- wie Lymph-)Angiogenese hängen mit dem Immunsystem insofern zusammen, als die "nicht heilende Wunde" Krebs als Tumor eben diejenigen Reparatur-Mechanismen der zweiten Stufe der Entzündungs-Reaktion (eben der Wiederaufbau von Gewebe und versorgenden bzw. entwässernden Gefässen) in Anspruch nimmt, die wir von der Beschreibung von Sears (http://www.promann-hamburg.de/Texte/Sears2005-Kp13-Inflammation.pdf) kennen.

grüsse,
Rudolf

RuStra
04.07.2008, 09:24
Es gibt zu Avastin (http://www.prostatakrebse.de/informationen/html/medi_avastin.html) und zu Herceptin (http://www.prostatakrebse.de/informationen/html/medi_herceptin.html)Forums-Extrakte von Ralf, von Erbitux nicht.



ja mei, da gibts auch einen neuen Text von Leibowitz, "Taxotere plus Avastin", hier (http://www.compassionateoncology.org/pdfs/taxotere-avastin-041408.pdf), schon von April, wieso hat den noch keiner gesehen ?

hier regnets,
grüsse aus hh,
Rudolf

LiselG
04.07.2008, 21:44
kann mir bitte jemand mitteilen, wo man mit dieser Therapie behandelt
werden kann? Studien dazu gibt es ja doch keine od. weiß jemand eine?
Wäre sehr dankbar wenn ich darüber etwas erfahren könnte.
Liebe Grüße
LiselG

shgmeldorf,Werner Roesler
05.07.2008, 19:23
Hallo Rudolf,

Dr.Bob Leibowitz arbeitet schon seit Jahren mit "Avastin" erfolgreich beim Prostatakrebs. Hier eine seiner Stellungnahmen zu diesem monoklonalen Antikörper:

"... Avastin, der von allen verfügbaren Medikamenten auch die stärkste antiangiogene Wirkung hat.
Bei Avastin wurde bereits nachgewiesen, dass die Lebensdauer von Patienten mit Metastasen des
Darm-, Brust- und Lungenkrebses verlängert wird. In diesen Studien wurde Ergebnisse von
Chemotherapie allein mit derselben Chemotherapie plus Avastin verglichen. Bei Patienten mit
metastatischem Prostatakrebs schien Avastin plus Taxotere die Ansprechrate, verglichen mit
zum Vergleich herangezogenen früheren Behandlungsergebnissen mit Taxotere allein, zu
verbessern. Zur Zeit werden randomisierte Studien bei Patienten mit Metastasen durchgeführt,
die chemotherapeutische Behandlungen mit und ohne Avastin vergleichen. Bitte bedenken Sie,
dass es nur sehr wenige Antikrebsmedikamente gibt, die eine positive Auswirkung auf die
Überlebenszeit bei drei verschiedenen Krebsarten, wie Darm-, Brust- und Lungenkrebs erzielen.
Avastin erzielte bei allen dreien dieser Krebsarten statistisch signifikante Verlängerungen der
Überlebenszeit. Ich glaube, dass die Behandlung mit Chemotherapie plus Avastin im Vergleich
zu derselben Chemotherapie allein sich bald auch bei Patienten mit metastatischem Prostatakrebs
als die Lebensdauer verlängernd herausstellen wird."

Dr. Bob Leibowitz
Titel:
"Kennt irgendjemand die effektivste Art, eine Hormonblockade (HB)
anzuwenden? Eine permanente, eine intermittierende oder…?"
Januar 2006

Bob Leibowitz, M.D.
Compassionate Oncology & Hematology
2080 Century Park East, Suite 1005 · Los Angeles, California 90067 · Phone 310-229-3555 · Fax 310-229-3554
http://www.compassionateoncology.org

(Übrigens können - wenn die Homepage angeklickt wird - sämtliche Publikationen von Dr. Leibowitz eingesehen werden.)

Gruß Werner R.


Nachtrag:

Hallo LiselG,

leider ist hier in Deutschland die Zulassung von Avastin beim Prostatakarzinom noch nicht absehbar.
Beim Kolorektalen Karzinom wird dieser monoklonale Antikörper z.B. hier in Deutschland schon sehr erfolgreich eingesetzt. Avastin wird in der Regel mit anderen Wirkstoffen kombiniert, so beispielsweise nun auch mit "0xaliplatin".

(Oxaliplatin ist die Weiterentwicklung von "Cisplatin" und "Carboplatin".)

Hinsichtlich des Einsatzes von Avastin beim fortgeschrittenen und metastasierenden Prostatakrebs stellt wohl momentan hier in Deutschland die KOSTENFRAGE das Hauptproblem dar.

Gruß Werner R.

HansiB
06.07.2008, 09:44
Hallo lieber Werner,

Dass die Lebensdauer verlängert wird (wie lange, mit welchen Nebenwirkungen?) - , - schien Avastin plus Taxotere die Ansprechrate verglichen mit Tax. alleine (warum wird nicht mal OHNE Chemo verglichen) - statistisch signivikante Verlängerungen der Überlebenszeit (wieviel Monate, mit welchen Nebenwirkungen, ab wann nur noch Aufenthalt im Krankenhaus?)

Ich habe gerade einen Freund, hochterapiert, im 2. Chemozyklus abgebrochen, seit Wochen im Krankenhaus (ich war noch nie zur Th. in einem), der anscheinend nicht mehr aus dem Krankenhaus rauskommt.

- mit metastatischem Prostatakrebs (haben wir auch), als die Lebensdauer verlängernd herausstellen wird. Was fange ich damit an?

Ich kenne die Art, eine HB anzuwenden, funktioniert nur leider nicht bei mir und vielen Anderen schwerbetroffenen, nur die wissen es noch nicht. Keine DNA Kontrollmöglichkeit wird gemacht, oder ist nicht mehr möglich!

Ich hoffe bei dir ist eine Verbesserung der Situation eingetreten und es geht dir gut, Gruß Konrad

shgmeldorf,Werner Roesler
06.07.2008, 10:31
Hallo Konrad,

Du kennst doch meine Meinung. Zuerst sollte bei einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom das Immunsystem stabilisiert und mobilisiert werden.

Das ist die Grundlage einer jeglichen Anti-Krebs-Therapie.

Nur, bei einer Krebserkrankung, wie dem fortgeschrittenen und metastasierenden PCa, gibt es nicht so viele Allgemeinplätze, wo der Arzt und der Patient sich auf einen Therapieablauf verlassen kann.

Im Gegenteil, jeder Prostatakrebs ist wie jeder Mensch individuell zu sehen und demzufolge zu therapieren.

Hier muß die Diagnostik besser funktionieren, um gerade die individuellen Therapiemöglichkeiten zu eruieren.

Das mit der vernünftigen und optimalen Diagnostik funktioniert eben kaum.

Leider !

Daher müssen wir im Dialog mit den Ärzten und Wissenschaftlern, die ernsthaft an einer Verbesserung dieser unmöglichen Situation interessiert sind, zusammenarbeiten.

Immer noch wird die Therapie des fortgeschrittenen PCa als simple Folgetherapie verstanden. D.h. zuerst eine Androgenentzugstherapie, dann die Variablen dieser Entzugstherapie, dann weitere Hormonmanipulationen mit Östrogenen, ja und dann eine primitive Docetaxel-Monotherapie.

Diese funktioniert nur bei ca. 30 - 50 % der Männer vernünftig.

Immer wird der Mann - früher oder später - hormonrefraktär, je nach individueller Tumorkonstellation.

Uns soll es nun darum gehen, Konrad, welche allgemeinen Diagnostik- und Therapiekonzepte können wir neben den einzelnen und besonderen für die schwerbetroffenen Männer bekommen.

Darum geht es !

Wenn z.B. "Fischöl" und andere orthomolekulare und phytotherapeutische Substanzen das machen, gut, aber ich befürchte, diese reichen bei einer so komplexen Krebserkrankung nur in wenigen Fällen (wenn überhaupt) aus.

Daher brauchen wir neue Medikamente, wie z.B. den monoklonalen Antikörper "Avastin" !

Denn dieser Antikörper funktioniert bei verschiedenen Krebserkrankungen sehr gut. Er dürfte auch beim fortgeschrittenen PCa eine Bereicherung der Therapiemöglichkeiten darstellen.

Konrad, nochmal, darum geht es.

Wir hatten übrigens in Magdeburg eine schöne Zeit mit den anderen betroffenen Männern und natürlich auch den Frauen, die dabei waren, ich denke gern daran zurück. Die Getränke, Dein Wein und mein Weizenbier, waren gut!

Alles Gute für Dich, Konrad !


Gruß Werner R.

Schorschel
06.07.2008, 12:54
...Daher brauchen wir neue Medikamente, wie z.B. den monoklonalen Antikörper "Avastin" !

Denn dieser Antikörper funktioniert bei verschiedenen Krebserkrankungen sehr gut. Er dürfte auch beim fortgeschrittenen PCa eine Bereicherung der Therapiemöglichkeiten darstellen...




Hallo Werner,

es wäre m.E. schon eine glückliche Ausnahme, wenn dieser monoklonale Antikörper auch bei PK funktionieren würde, denn es ist ja gerade das Wesen dieser Wirkstoffe, dass sie i.d.R. eine sehr enge Anwendungsbreite (oft nur für eine einzige Krankheit) haben. Vielleicht ist es eine Hoffnung, dass Avastin u.a. für die Therapie von Brustkrebs entwickelt wurde, der ja Parallelen zum PK aufweist, wie man hier immer wieder liest (inwieweit das wirklich stimmt, weiß ich mangels Wissens nicht).

<TABLE class=prettytable width="100%"><TBODY><TR><TD vAlign=top>Bei wikipedia findet man unter

http://de.wikipedia.org/wiki/Monoklonale_Antik%C3%B6rper (http://de.wikipedia.org/wiki/Monoklonale_Antik%C3%B6rper)

Interessantes zum Thema der monoklonalen Antikörper.

In der dortige Tabelle zeigt sich auch die traurige Tatsache, dass für den PK als eine der bei weitem häufigsten Krebsarten bislang lediglich ein einziger Wirkstoff in der Entwicklung ist, nämlich Pertuzumab (Omnitarg).

Gruß

Schorschel

</TD><TD vAlign=top><SUP></SUP></TD></TR></TBODY></TABLE>

HansiB
07.07.2008, 11:29
Hallo Werner,

es waren schöne Tage und Abende, auch mit der "Sünde" etwas viel Rotwein. Ich hoffe wir erkeben noch viele solcher Treffen, so gut drauf.

Ich kenne deine Meinung, es ist aber gut wie du das auch den Neuen sagst, die Reihenfolge der Möglichkeiten, du kennst meine Skepsis, bei "schädigenden" Medikationen für mich.

Wie du weisst, bin ich wie immer zufrieden, besonders mit dem relativ konstanten PSA in höherem Bereich, ohne sonstige Probleme.

Vielen Dank für die Wünsche, Konrad

shgmeldorf,Werner Roesler
07.07.2008, 18:35
Hallo Werner,

es waren schöne Tage und Abende, auch mit der "Sünde" etwas viel Rotwein. Ich hoffe wir erleben noch viele solcher Treffen, so gut drauf.

Ich kenne deine Meinung, es ist aber gut wie du das auch den Neuen sagst, die Reihenfolge der Möglichkeiten, du kennst meine Skepsis, bei "schädigenden" Medikationen für mich.

Wie du weisst, bin ich wie immer zufrieden, besonders mit dem relativ konstanten PSA in höherem Bereich, ohne sonstige Probleme.

Vielen Dank für die Wünsche, Konrad

Hallo Konrad,

die therapeutische Reihenfolge sieht beim fortgeschrittenen und metastasierenden PCa vor und nach der ADT in der Tat so aus, zuerst die Stärkung des Immunsystems mit sanft wirkenden Wirkstoffen. Möglichst den Tumor in eine therapeutisches Gleichgewicht bringen, möglichst mit Immuntherapien.

Sollte der Tumor zunehmend Probleme entfalten und weitere therapeutische Interventionen notwendig machen, dann keine hochdosierten Chemotherapie-Einsätze. Denn ist erstmal das gesamte metabolische System aus den Fugen, kann der Krebs gut davon profitieren und expandieren.

Ich bin fest davon überzeugt, dass niemals eine Monotherapie, wie z.B. der recht hochdosierte Einsatz von Docetaxel (75 mg/m2), den schwerbetroffenen Männern so einen nachhaltigen Benefit bringen kann, wie ein intelligentes multimodales Konzept, welches aus verschiedenen Wirkkomponenten besteht. Die da heißen: Körperliche Betätigung, natürliche Wirkstoffe (Fischöl etc.), Hormontherapeutika, immuntherapeutische Elemente (Impftherapien etc.), antiangiogenetische Stoffe (Tyrosinkinase-Hemmer, Antikörper etc.).

Und erst dann speziell hinein kombinierte Zytostatika und andere Wirkstoffe.

(Der schwerkranke Prostatakrebs-Patient braucht seine nur beschränkt vorhandenen Organreserven. Sind diese erstmal durch starke Wirkstoffeinsätze aufgebraucht, dann hat der Patient kaum noch Chancen eine Zweit- und Drittlinien-Therapie machen zu können. Mit einem katastrophalen Blutbild kann z.B. auch keine weitere Chemotherapie durchgeführt werden. Der Patient muß behutsam behandelt werden !)

Nur die Kombination wird den Erfolg in der Therapie des fortgeschrittenen und metastasierenden Prostatakarzinoms bringen!

Konrad, ich hoffe ebenso wie Du, dass wir noch viele so schöne Abende erleben können.

Gruß Werner R.

HansiB
07.07.2008, 19:22
Hallo Werner,

wir werden es schon schaffen. Ich habe gerade so ein furchtbares Blutbild auf dem Tisch, nicht von mir, versteht sich. Leukos einiges unter 3 = Chemoabbruch, CRP unter Therapie 89,6, war schon höher. Bei mir wie bekannt immer < 1 ohne jegliche Medikamente.

Wozu brauche ich, wir sprachen darüber, entzündungshemmende Medikamente, wie in der Reichlestudie gegeben wird? Da scheint, nach nicht funktionierter HB bei mir, die körperliche Abwehr zu funktionieren.

Gruß Konrad

shgmeldorf,Werner Roesler
07.07.2008, 19:38
Hallo Werner,

es wäre m.E. schon eine glückliche Ausnahme, wenn dieser monoklonale Antikörper auch bei PK funktionieren würde, denn es ist ja gerade das Wesen dieser Wirkstoffe, dass sie i.d.R. eine sehr enge Anwendungsbreite (oft nur für eine einzige Krankheit) haben. Vielleicht ist es eine Hoffnung, dass Avastin u.a. für die Therapie von Brustkrebs entwickelt wurde, der ja Parallelen zum PK aufweist, wie man hier immer wieder liest (inwieweit das wirklich stimmt, weiß ich mangels Wissens nicht).

<table class="prettytable" width="100%"><tbody><tr><td valign="top">Bei wikipedia findet man unter

http://de.wikipedia.org/wiki/Monoklonale_Antik%C3%B6rper (http://de.wikipedia.org/wiki/Monoklonale_Antik%C3%B6rper)

Interessantes zum Thema der monoklonalen Antikörper.

In der dortige Tabelle zeigt sich auch die traurige Tatsache, dass für den PK als eine der bei weitem häufigsten Krebsarten bislang lediglich ein einziger Wirkstoff in der Entwicklung ist, nämlich Pertuzumab (Omnitarg).

Gruß

Schorschel

</td><td valign="top"><sup></sup>
</td></tr></tbody></table>

Hallo Schorschel,

der monoklonale Antikörper "Avastin" Bevacizumab stellt aus folgendem Grunde für die Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms eine vielversprechende Substanz dar:

Die Tumorangiogenese ist ein universelles Prinzip der Tumorentwicklung. Der VEGF (vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor), ein Zytokin, ist der wichtigste Faktor bei der Tumorangiogenese (Tumorgefäßneubildung).

Da der VEGF eine Schlüsselrolle bei der Tumorangiogenese darstellt, kann der Antikörper einen direkten anti-angiogenetischen Effekt erzielen, indem er an die beiden wichtigsten VEGF-Rezeptoren (VEGF - R1 und VEGF - R2) bindet und die weitere Signalübermittlung, die zu einer Gefäßneubildung führt, massiv unterbricht.

(Der Tumor baut sich ab einer bestimmten Größe ein expandierendes Kapillarnetz auf, von dem unter den dann pathophysiologischen Bedingungen über eine entstehende Hypoxie (Herabsetzung des Sauerstoffgehaltes im umliegenden Gewebe) eine tumorinitiierte Kaskade von proangiogenetischen Vorgängen ausgeht, die dann zur massiven Neubildung von größeren Gefäßen zur Tumorernährung und folglich zu dessen Wachstum führt.)

Aber es gibt noch einen zweiten positiven Anwendungs-Effekt von Avastin:
Eine evtl. kombinierte Chemotherapie erzielt eine größere Wirksamkeit durch eine erhöhte Diffusionsmöglichkeit des Wirkstoffes in den Tumor, denn der Antikörper "normalisiert" den pathologisch erhöhten interstitiellen Druck im Tumorgewebe.

Deshalb, Schorschel, stellt dieser Antikörper auch für das fortgeschrittene Prostatakarzinom eine mögliche wichtige Therapie-Option dar, zur Kombination mit anderen Therapeutika.

Natürlich hast Du richtig beschrieben und kritisiert, warum bei einer so häufigen Tumorerkrankung (wie dem Prostatakarzinom) so wenig getan und entwickelt und zugelassen worden ist.

Bei anderen Tumorerkrankungen geht es oft ruckzuck mit der Zulassung von neuen Medikamenten und Wirkstoffen, nur beim Prostatakarzinom tuen sich die Urologen und Onkologen bei der Formulierung der benötigten Therapeutika so schwer.

Warum ?


Gruß Werner R.


Nachtrag:

Der Antikörper Pertuzumab (2C4) zeigte bisher in ersten Phase I und II - Studien beim hormonrefraktären Prostatakarzinom kein Ansprechen. Nun wird aber dieser Antikörper in Kombination mit Chemotherapeutika weiterhin auch beim Pca untersucht.

RuStra
07.07.2008, 20:18
Immer noch wird die Therapie des fortgeschrittenen PCa als simple Folgetherapie verstanden. D.h. zuerst eine Androgenentzugstherapie, dann die Variablen dieser Entzugstherapie, dann weitere Hormonmanipulationen mit Östrogenen, ja und dann eine primitive Docetaxel-Monotherapie.

Diese funktioniert nur bei ca. 30 - 50 % der Männer vernünftig.

Immer wird der Mann - früher oder später - hormonrefraktär, je nach individueller Tumorkonstellation.



Weshalb Leibowitz seit eh und je vor zu langer HB warnt - weshalb Snuffy Myers sein Hauptaugenmerk darauf legt, die Androgen-Resistenz erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Aber die Haupt-Behandler sind Urologen. Und die unsinnigste und auch unwisssenschaftlichste Therapie-Taktik der Uros ist das sukzessive Probieren+Abwarten-was-passiert. Am schlimmsten in der Mono-HB-Variante und anschliessender Mono-Chemo [mit folgendem Mono-Exitus].
Sobald der PK aber mehr als ein Anfangs- oder lokaler Krebs ist, ist eine Gesamt-Antwort vonnöten. Androgenresistenz fällt nicht vom Himmel, sie wird gemacht, und zwar vom die Zusammenhänge nicht wirklich wissenschaftlich darlegen könnenden Uro.

Es gibt mittlerweile derartig viele neuere Papiere, die das klassische Bild der HB und der Androgenresistenz in Frage stellen, dass es ein Skandal ist, dass hier in diesem PK-Forum, speziell in diesem Teil-Forum, nicht die Hölle los ist. Unsere noch vor Jahren super-aktiven HB- und DHB-Vorkämpfer sind wohl in die wohlverdiente Klasse der Forums-Altvorderen gewechselt, good luck! Aber wir müssen einfach die grösser gewordene Komplexität des Wissens über die Androgen- und auch Östrogen-Regulierung des PK diskutieren, weil sie schlicht und einfach neue Möglichkeiten der Behandlung eröffnet.

Rudolf

shgmeldorf,Werner Roesler
07.07.2008, 21:59
Weshalb Leibowitz seit eh und je vor zu langer HB warnt - weshalb Snuffy Myers sein Hauptaugenmerk darauf legt, die Androgen-Resistenz erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Aber die Haupt-Behandler sind Urologen. Und die unsinnigste und auch unwisssenschaftlichste Therapie-Taktik der Uros ist das sukzessive Probieren+Abwarten-was-passiert. Am schlimmsten in der Mono-HB-Variante und anschliessender Mono-Chemo [mit folgendem Mono-Exitus].

Es gibt mittlerweile derartig viele neuere Papiere, die das klassische Bild der HB und der Androgenresistenz in Frage stellen, dass es ein Skandal ist, dass hier in diesem PK-Forum, speziell in diesem Teil-Forum, nicht die Hölle los ist.

Rudolf

Recht hat Du, Rudolf. Das hormonrefraktäre Prostatakarzinom wird gemacht.

Die Widersprüchlichkeit bei der Durchführung der ADT ist eklatant.

Wann soll mit der ADT beim fortgeschrittenen PCa intermittiert oder aufgehört werden, um diese Resistenzmechanismen erst garnicht aufkommen zu lassen.

Sollte bei einem hormonrefraktären PCa die ADT weitergeführt werden?

Hier sollten wir einen neuen Thread aufmachen.

Gruß Werner R.

RuStra
07.07.2008, 22:44
Sollte bei einem hormonrefraktären PCa die ADT weitergeführt werden?



Ja, bei dieser Frage besteht Unsicherheit.

Aber nun kommt noch hinzu, dass bei der Klärung der Unsicherneit noch ein paar Dinge mehr beachtet werden müssen als früher. Aber vielleicht führt das ja zu einer besseren Klärung als früher.

Mal so aus der hohlen Hand:

1. Was heisst ADT? Hier reden wir zunächst über die Unterdrückung der endokrinen Androgen-Produktion. Wenn die LHRH-Nummer schon so lange gemacht wurde, dass die Testo-Produktion in den Hoden ohnehin nicht mehr läuft, kann man die Spritze auch weglassen. Wenn aber nicht, dann sollte die Spritze weitergegeben werden.

2. Nach Mostaghel 2008/06 gehts, weil die hormonrefraktär genannten Tumore sich ihre Androgene selber machen, auch um die Unterdrückung der intrakrinen Androgen-Produktion. Hier warten wir einerseits auf Abiraterone, andererseits sieht man an dem Beispiel Granatapfel, s. den Beitrag von HWL (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=28677#post28677), dass die Synthese von Testo aus Cholesterin durchaus auch jetzt schon mit Naturmitteln unterdrückt werden kann.

3. Wenn ich weiterhin bei dem Einsatz von Anti-Androgenen noch keinen Hinweis auf mutierte Androgen-Rezeptoren habe, sodass Flutamid oder Casodex selbst zum Futter werden, könnte die Gabe von Anti-Androgenen auch weiterhin Sinn machen, weil es ja den Rezeptoren in der Zelle egal sein kann, woher die Androgene kommen. Habe ich also kein Antiandrogen-Entzugs-Syndrom, könnte selbst bei steigendem PSA die Weitergabe Sinn machen.

4. Da das DHT und nicht das Testosteron das Wachstums-Androgen ist, solange wir in der Logik der Androgen-Blockade weiter denken, die durchgehende DHT-Blockung oberstes Gebot.

Mostoghel schreibt hierzu was Interessantes:
"These findings are consistent with our measurements of f9-fold decrease and f2.5-fold increase in SRD5A2 and SRD5A1 expression, respectively,
in the tumor metastases"
auf deutsch: wir haben gemessen, dass in tumor-metastasen die 5-alpha-reduktase vom typ 2 um den faktor 9 abgesenkt und die der typ 1 um den faktor 2,5 erhöht ist.

also ist proscar, das ja den typ 1 hemmt, nicht aus der mode. vielleicht ist aber die kombination von beiden am besten.

5. über ADT bei HUPK nachzudenken, ist wichtig, aber nicht ausreichend. Auch die Östrogene mit ihren Rezeptoren wollen bedacht werden. Wenn z.B. der ER-alpha schon gemessen wurde oder anzunehmen ist, dass er ausgeprägt ist in den fortgeschrittenenen Tumoren, dann heisst es, Anti-Östrogene einzusetzen und den ER-beta zu stimulieren, wobei wir hierbei Naturstoffe einsetzen können.

Aber das ist nur ganz systemimmanent überlegt - inwieweit die gesamte Situation damit richtig erfasst ist, steht auf einem anderen Blatt. Das sollten wir, da hast du recht, mal in einem neuen thread debattieren.

good night,
Rudolf

shgmeldorf,Werner Roesler
08.07.2008, 08:22
Hallo Schorschel,

inzwischen ist "Avastin" beim Mammakarzinom europaweit zugelassen.
Und, erfreulicherweise, gibt es bereits Untersuchungen (Studien), die sich auch mit der Zulassung beim Prostatakarzinom befassen.

Gruß Werner R.

shgmeldorf,Werner Roesler
11.07.2008, 11:41
Zulassung von "Avastin"

Aus der "Ärztezeitung" folgende Meldung vom 01.08.07:

"Derzeit läuft ein klinisches Entwicklungsprogramm, in dem die Therapie bei 15 verschiedenen Tumoren geprüft wird, etwa auch bei Lungen-, Nierenzell-, Pankreas-, Prostata- und Ovarialkarzinom sowie bei Melanom und beim Multiplem Myelom. Geplant sind mehr als 130 Studien, teilweise laufen sie bereits. Mehr als 40 000 Patienten weltweit sollen daran teilnehmen. Die Kosten pro Patient liegen zwischen 90 000 und 110 000 Schweizer Franken."

Da die Meldung schon fast eine Jahr alt ist, dürften wir bei den neuen S 3 - Leitlinien-Verhandlungen für das fortgeschrittene Prostatakarzinom in diesem Jahr berechtigterweise nach der Zulassungssituation fragen !

Gruß Werner R.

Schorschel
11.07.2008, 13:42
Zulassung von "Avastin"

...etwa auch bei Lungen-, Nierenzell-, Pankreas-, Prostata- und Ovarialkarzinom sowie bei Melanom und beim Multiplem Myelom...



Hoffen wir das Beste, lieber Werner!!!

Gruß

Schorschel

HansiB
11.07.2008, 17:46
Hallo Freunde,

was könnte ich mir dafür Naturheilkunde und NEM kaufen.

Gruß Konrad

RuStra
10.08.2008, 10:07
In der aktuellen Ausgabe von "Spektrum der Wissenschaft" gibts einen Artikel "Gebändigte Blutgefässe", in dem es vor allem um den VEGF und seine Hemmung, z.B. durch Avastin, geht.

Hier, (http://www.spektrum.de/artikel/960473) was frei zugänglich ist.
Den gesamten Artikel habe ich für einen Euro gekauft - also habe ich ihn und es gilt, was immer gilt, wenn es was zu teilen gibt ...

In dem Artikel taucht auch der bekannte Dr.Folkman auf, ebenso Dr.Dvorak von Harvard, der den VEGF entdeckt hatte und von dem das Bild vom Krebs als nicht heilender Wunde stammt (auch Reichle bezieht sich in seinem Artikel (http://www.springerlink.com/content/t72548035x4816l1/fulltext.pdf) auf Dvorak).

Soweit meine Frühstücks-Lektüre,
Grüsse aus dem drömeligen HH,
Rudolf

+++++++++++++++++++++++

Medizin

Gebändigte Blutgefäße

Rakesh K. Jain

Paradox: Medikamente, die eigentlich einem Tumor die Blutzufuhr kappen sollen, normalisieren stattdessen zunächst seine chaotischen Gefäße – und öffnen damit ein Zeitfenster für seine Zerstörung.

Tumorbiologie scheint nicht gerade die Domäne für einen Verfahrenstechniker der Chemie zu sein. Als Doktorand aber bekam ich 1974 Gelegenheit, bösartige Geschwulste aus einer höchst ungewöhnlichen Perspektive zu untersuchen. Ich arbeitete damals am National Cancer Institute in Bethesda (Maryland) im Labor von Pietro M. Gullino. Dieser hatte ein neuartiges Versuchsmodell zum Studium der Tumorbiologie entwickelt: Dazu wurde ein entnommener Rattentumor über nur ein einzelnes Gefäßpaar aus Arterie und Vene mit dem Kreislaufsystem einer anderen Ratte verbunden.

Mir als Verfahrenstechniker – mit meinem erworbenen Hintergrundwissen etwa zu Flüssigkeits- und Molekültransport – bot sich hier eine Chance: einmal direkt am Krebsherd zu messen, wie viel von einem Medikament, das man dem Tier injizierte, mit dem Blut zu- und wieder abgeführt wird. Erstaunlicherweise gelangte der Großteil der verabreichten Substanz gar nicht in die Tumormasse. Schlimmer noch...

Hans (GL)
11.08.2008, 21:05
Hallo,

danke für den Hinweis.

Unten habe ich ein Exzerpt zusammengefasst:

Viele Grüße
Hans


Kurz-Exzerpt zu:

Gebändigte Blutgefäße
Spektrum der Wissenschaft August 2008
Link: http://www.spektrum.de/artikel/960473

In Tumoren herrschen meist chaotische Formen der Blutversorgung vor. Die Blutgefäße verlaufen unregelmäßig, haben unterschiedlichste Durchmesser und ungewöhnliche Druckverhältnisse.

Der untersuchte Angiogenese - Hemmer Bevacizumab mit Blokade gegen VEGF soll die Blutversorgungsgefäße unterbinden. Alleine eingesetzt ergab sich kein Überlebensvorteil.

Es wurde festgestellt, dass zuerst die Blutversorgungssysteme verbessert wurden. In Kombination mit Zytostatika gelangen diese somit besser an die Tumorzellen und führen zur Apoptose. Später sterben Blutgefäße ab und der Tumor schrumpft weiter. Nach einiger Zeit jedoch können die Krebszellen jedoch auf andere Wachstumsfaktoren ausweichen und es kann wieder eine Einsprossung von Blutgefäßen stattfinden.