PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : DGU - Berlin



Harro
28.09.2007, 16:36
Text gelöscht

Reinardo
28.09.2007, 22:55
Hallo:-


"Morgen haben Patienten und Interessierte die Möglichkeit, im Rahmen der Fach-Tagung kostenlos und ohne Voranmeldung eine öffentliche Informationsveranstaltung zu besuchen.

"Prostatakrebs - Was gibt es Neues" lautet der Titel des Patientenforums am Donnerstag, den 27.September 2007, 19.30 bis 21.30 Uhr in Saal 6 des Internationalen Congress Centrums Berlin."

Dieses von Hutschi hier freundlicherweise angekündigte Patientenforum habe ich besucht und will hier kurz meine Eindrücke mitteilen.
Das Hauptgeschehen hat wahrscheinlich an den vorangegangenen Tagen stattgefunden, und ich hatte den Eindruck, dass die Kurzvorträge der Professoren Hammerer (Früherkennung), Graefen (Diagnose), Wiegel (Strahlentherapie), Miller (Operation) und Gschwend (Medikamentöse Therapien) Pflichtübungen waren, um auch Patienten und deren Vertretung in das Geschehen mit einzubeziehen.
Es wurde sehr schnell referiert, die Schaubilder wechselten in so kurzen Abständen, dass man sie sich n icht kopieren konnte.
Vielleicht liefert der BPS anhand zur Verfügung gestellter Redeskripten noch einen ausführlicheren Bericht.

Früherkennung:
Hauptrisikofaktor für Erkrankungen ist das Alter. Manner unter 40 Jahren = 1:20.000
40-60 Jahre = 1:28
60-80 Jahre = 1:7
5-10% der Erkrankungen werden ausgelöst durch genetische Faktoren.
Auch bei PSA-Werten < 4 kann ein Karzinom vorliegen, Wahrscheinlichkeit ca. 2,3%
Man müsse wegkommen von der Überbewertung eines einzelnen PSA-Wertes. Den Verlauf (=Velocity, Verdoppelungszeit) , Untergruppen des PSA und andere Faktoren (z.B. genetische) einbeziehen.
Von molekularen Möglichkeiten (Urintest) nicht überzeugt, sehr teuer und Anbieter = Vertreiber, liefern auch nur Wahrscheinlichkeiten.
PSA ist das Beste, was wir haben. Zuverlässige Aussagen erreichbar durch Kontrolle der Verläufe von 2 Jahren.
Mittelwert der Verdoppelungszeit des Prostatakrebses = 2 Jahre

Diagnose:
Urinmarker derzeit noch enormer Kostenaufwand, kann nichts empfehlen.
Auch bildgebende Verfahren (MRI/MRS) erlauben keine sichere (Krebs-)Diagnose. Das Beste ist die ultraschallgesteuerte Biopsie suspekter Areale.
Er sprach über die Sono-Elastographie = kontrastmittelverstärkter Ultraschall. Nannte Prof. Loch/Flensburg.
PET-CT bei Rezidiv erst ab PSA> 2,5. Frage nach dem Warum und mit welcher Konsequenz

Strahlentherapie:
Standardbestrahlung 72 Gy. 1O Gy mehr vermindern bei 30% der Patienten den Wiederanstieg des PSA, führen aber zu vermehrten Sofort- und Spätfolgen bei Darm und Blase.
Mit Schaubildern erläutert, dass adjuvante Hormontherapie den Erfolg steigert. Standard sollte sein: 3 Monate vorher und 3 Jahre danach.
Bei Seeds entleerter Darm wichtig.
Es kommt zu Diskussion mit Professor Miller über Neuentwicklungen in der Bestrahlungstherapie: IMRT und Protonenbesatrahlung. Die Experten meinen, dass die IMRT möglicherweise befallene Randgebiete der Prostata nicht abdeckt, und von der Protonentherapie gibt es keine Evidenz eines langfristigen Benefits, kostet jedoch eine Menge Geld.

Operation:
Hier erlebt man Professor Miller in seinem Spezialgebiet, und er referiert mit Leidenschaft und Brillanz. Er bedauert den Weggang von der evidenz-basierten Therapie hin zur Marketing-Therapie .Anhand eines Schaubildes erklärt er, dass alle Formen der Operation (laparosk./Roboter) gleich gute Ergebnisse bzgl Nervschonung bringen und dass es PRIMÄR auf die Fertigkeit des Operateurs ankomme.
Die psychische Verfassung des Patienten ist wichtig für den Heilungsprozess.
Von C.Ligensa ins Gespräch gebrachte Problem der "Übertherapie". Antwort Miller: "Wir riskieren eine Übertherapie, um ein Risiko zu reduzieren". Über unzureichende Beratung wird diskutiert. Prof. Miller: Liegt an der Entgeltsituation. Die Patientenvertretung müsse halt mehr politischen Druck ausüben und Beratungserfordernisse in die Köpfe der Urologen einbringen.

Medikamentöse Therapien:
Erläutert wird eine Studie aus dem Hause Prof. Miller, welche darlegt, dass die intermittierende Hormontherapie weder beim Gesamtüberleben noch bezgl. der Zeit des Fortschreitens der Erkrankung einen Vorteil bringt, lediglich ein geringer Vorteil bzgl. Nebenwirkungen (Hitzewallungen) und allgemeinem Wohlbefinden.
Gesprochen über Satraplatin und Prednisone. Studienergebnisse zeigen verbesserte Schmerzsituation und mittleres Überleben von 19,2 Monaten im Vergleich ca. 3 Monate mehr zur Monotherapie. Ein grosses Problem bei der Verträglichkeit ist das Erbrechen. Substanz jedoch nicht zugelassen.

Das sind meine - sicherlich unvollkommenen - Notizen. Wer zu einzelnen Punkten mehr wissen will, kann beim BPS (C.Ligensa) sich informieren. Es waren auch Leiter und andere Mitglieder der SHG Berlin anwesend, die möglicherweise meine Notizen korrigieren oder ergänzen können.

Das Forum stand unter dem Motto: Prostatakrebs - Was gibt es Neues?
Mein Eindruck war eher, dass alles beim Alten bleibt. Wo es Fortschritte gibt, sind es Mimi-Fortschritte, insbes. in den Techniken der Therapie . Schön, dass die Bedeutung der PSA-Anstiegsgeschwindigkeit erkannt und das Kontrollierte Abwarten beim Niedrig-Risiko-Krebs als Verhaltensweise akzeptiert ist, obwohl allerorten noch gewarnt wird. Ein Durchbruch oder gar Paradigmenwechsel ist das aber noch nicht.

Auf dem (langen) Heimweg habe ich mir dannnoch das im Saal verteilte BPS-Magazin durchgelesen.
An diesem Abend hat es in Berlin sehr geregnet.

Gruss und Gute Nacht. Reinardo

Hans-Joachim
28.09.2007, 23:27
Hallo Reinardo,

danke für Deinen Bericht und schlaf gut!

Tschüss, Joachimj

Anonymous1
29.09.2007, 10:18
Guten Morgen Reinardo,

danke für Deinen Bericht und die Arbeit, die dahintersteckt.

Gruß Dieter

Harro
29.09.2007, 11:34
Nachschlag

Hallo, Reinhard, Anerkennung für Deine erstaunlich umfassende Berichterstattung hast Du schon von kompetenter Seite erfahren. Ich hänge mich noch dran und wünsche Dir noch Muße genug, um auch bei Deinem Aufenthalt in Spanien in einem launigen Cafe mit PC-Bestückung das Forumsgeschehen zu verfolgen.

"Der Kerl, der die Arbeit erfunden hat, der muss nüscht zu tun jehabt haben"
(Berliner Redensart)

Gruß Hutschi

Reinardo
29.09.2007, 21:20
Hallo Hutschi. Deine Sprüche sind ja unerschöpflich. Die Ereignisse in Burma kommentierend kann ich anbieten: "Gegen Demokraten helfen nur Soldaten" (gelesen in Ernst Jünger, Pariser Tagebuch). Das will ich nun aber nicht weiter erörtern, sonst kriege ich es wieder mit Wassermann zu tun.
Morgen früh um 7.00 bin ich schon über den Wolken. An der Costa Höchstemperatur 25.00 Grad, Mindesttemperatur 17.00 Grad, und Sonne total. Wer denkt da noch an Prostatakrebs.
Gruss, Reinardo

wassermann
29.09.2007, 21:24
Hallo Reinardo,
genau! Ich reibe mir schon die Hände. Ernst Jünger wär genau das Richtige, obwohl mir der Spruch schon gefällt. Also mir würde es Spaß machen...
Schöne Zeit in Spanien! Da hast du sicher Besseres zu tun.
Gruß
Wassermann

Harro
30.09.2007, 21:35
Burma

Hallo, Reinhard, das Thema Burma beschäftigt mich schon seit Tagen, und ich bin enttäuscht, daß nicht nur der UN-Sicherheitsrat in dieser Sache versagt hat, sondern daß auch China sich so kläglich aus der Affäre gezogen hat. Hierzu nur noch:

http://www.welt.de/wams_print/article1223501/Nach_Birma_geht_es_mit_den_UN_nicht_mehr_so_weiter .html

Ich wollt es würde Nacht und ein Wunder geschieht für diese armen Teufel.

"Der Charakter ist das Schicksal des Menschen" (Heraklit)

Gruß Hutschi

Harro
15.11.2007, 09:22
Nachschlag

Hallo, Forumsfreunde, habe noch einen zusammenfassenden Link gefunden:

http://www.krebsgesellschaft.de/arzt_dgu_2007,89715.html

Es lassen sich auch Videos zu den einzelen Themen herunterladen.

"Du bekommst niemals eine zweite Chance für den ersten Eindruck"
(Unbekannt)

Gruß Hutschi

otto hugo
15.11.2007, 10:32
Hallo Hutschi, entschuldige bitte, dass ich Dich so salopp anspreche. Der angegebene Link ist sicher sehr interessant, aber leider kann ein normal Sterblicher nicht einloggen, um an die Videos heranzukommen. Oder weisst Du einen Schleichweg? Gruss otto hugo

Urologe
15.11.2007, 10:52
Hallo Hutschi, entschuldige bitte, dass ich Dich so salopp anspreche. Der angegebene Link ist sicher sehr interessant, aber leider kann ein normal Sterblicher nicht einloggen, um an die Videos heranzukommen. Oder weisst Du einen Schleichweg? Gruss otto hugo

http://www.krebsgesellschaft.de/portal/stream/dgu2007/miller2_DSL.asx

http://www.krebsgesellschaft.de/portal/stream/dgu2007/wirth_DSL.asx

Helmut.2
15.11.2007, 13:48
Grüße Sie, Dr. FS,

herzlichen Dank für die zur Verfügung gestellten Links!

Gruß, Helmut

Harro
15.11.2007, 23:29
Code für Beiträge

Hallo, Otto-Hugo, leider habe ich nicht berücksichtigt, daß man bei bestimmten nur für Ärzte bestimmten Beiträgen nicht ohne Code hereinkommt. Ich bitte um Verständnis für mein Fehlverhalten. Zukünftig werde ich das vorher überprüfen. Der nachfolgende Link soll ein Test sein:

http://www.krebsgesellschaft.de/arzt_dgu_2007_wirth_int_weiche,89769.html

Ich hoffe, Du hast jetzt mehr Erfolg, obwohl unser guter Fs mir ja schon zuvorgekommen ist.

"Es ist immer besser, hohe Grundsätze zu haben, die man befolgt, als noch höhere, die man außer Acht läßt"
(Albert Schweitzer)

Gruß Hutschi

otto hugo
16.11.2007, 09:14
Danke lieber Hutschi dass Du Dich bemüht hast, mir zu helfen. Dein neuerlicher Link brachte mich auch nicht weiter, aber dank fs habe ich jetzt Zugang zu den Videos.
Nochmals vielen Dank otto hugo

Harro
16.11.2007, 09:36
Wieder neue Erfahrung gesammelt

Hallo, otto hugo, hab Dank für Deinen Hinweis, daß Du erneut vor der verschlossenen Tür standst. Tatsächlich kam ich natürlich mit dem Link nach dem Probelauf in der Forums-Vorschau direkt zu den Videos und Tagungsvorträgen. Aber das geschah nur, weil ich ja noch eingeloggt war. Später ist das dann wohl wieder automatisch von der Software der Krebsgesellschaft gelöscht worden.

"Wage zu irren und zu träumen. Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel"
(Friedrich von Schiller)

Gruß Hutschi