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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Totale Hormonblockade (DHB)



Harro
03.10.2007, 15:15
Text gelöscht

Reinardo
07.10.2007, 18:37
Hallo Hutschi (und Gruss aus dem sonnigen Spanien)

Es freut mich, dass Du Dich noch so sehr fuer die DHB einsetzt und einen der Thementische besetzt hast.

Dass ueber die von Bob Leibowitz entwickelte DHB weniger diskutiert wird, liegt wohl daran, dass viel Verleumderisches ueber die Therapie geschrieben wurde und renommierte Urologen zwar Elemente der Therapie uebernommen haben, aber es nicht wagen, Bob Lebowitz als ihre Quelle zu benennen. Sie liefen sonst Gefahr, sich aus dem wissenschaftlichen Diskurs auszuschliessen.

Weiter zurueck in diesem Unterforum beschreibt FrankS seinen Krankheitsverlauf nach DHB: Trotz eines bestaetigtem Gleason von 3+4 hatte er nach Beendigung der DHB im November 2002 einen PSA-Hoechsstand von 1,10 und jetzt im August wurde PSA 0,596 gemessen. Eine Erfolgsgeschichte.

Im kuerzlich nur an priveligierte SHG-Leiter versandten Rundbrief des Dr. F.E.-, wovon ich mir auf dem literarischen Schwarzmarkt eine Kopie beschafft habe, schreibt er auf Seite 15: "Ich sehe immer wieder Patienten, die sich aus welchen Gruenden auch immer - obwohl die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose offensichtlich lokal begtrenzt war, zur Durchfuehrung eines Leibowitz Schemas entschlossen haben. Erstaunlich viele dieser Patienten haben auch bis 4 oder 5 Jahre nach Abschluss der Therapie keine Beschwerden und keinen signifikannten PSA-Anstieg. Es gibt wirklich Patienten, die das von Leibowitz beschriebene PSA Plateau ausbilden, wobei man natuerlich nicht weiss, was sich in der Prostata oder besser in der Prostatakarzinomzelle abspielt."
Dr.F.E., der im Rundbrief auf Seite 2 Dr. Stephen B. Strum seinen Freund und Lehrer nennt und sich im Einklang sieht auch mit Dr. Scholz, Dr. Tucker und Dr. Meyers, schliesst Leibowitz aus, wenn er schreibt: "Lediglich Dr.Bob Leibowitz nimmt eine Sonderstellung ein." Das ist schade, geht auch nicht konform mit dem Urteil von Stephen B. Strum, der im Kapitel 148 seines Buches "A Primer on Prostrate Cancer" den Therapieansatz von Bob Leibowitz angemessen wuerdigt.
Auch zur Ploidie-Bestimmung, zur Feinnadel-Aspirationsbiopsie und zu den Thesen Tribukaits uebernimmt Dr.F.E. kritiklos die Ansichten Professor Bonkhoffs.
Auch das ist schade, erklaert sich aber wohl aus der ganzen Situation und den Befindlichkeiten in der deutschen Urologie.

Was nun meinen eigenen Krankheitsverlauf anbelangt, so habe ich nach Diagnose PSA = 8.9 und unbestaetigtem Gleason 2+3 im Jahre 2001 den Prostatakrebs bis jetzt nur als einen Papiertiger erlebt. Das verdanke ich der Therapie von Bob Leibowitz, auf welche ich durch Veroeffentlichungen von Christian Ligensa gerade noch rechtzeitig aufmerksam wurde. Das war fuer mich eine Sternstunde.
Jetzt, auch noch rechtzeitig, bevor ich an die falschen Aerzte geraten waere , bin ich auf die Veroeffentlichungen B. Tribukaits und das Diagnosepotential von FNAB und DNA-Bestimmung gestossen und in der Lage, nach PSA-Anstieg den weiteren Krankheitsverlauf und Therapie-Erfolg zu kontrollieren, zusaetzlich zum PSA-Verlauf, welcher immer nur ein Orientierungswert sein kann. Hierueber werde ich im Unterforum "Diagnose und Therapie" weiter berichten.

Gruss und einen schoenen Abend. Nach einem heissen Tag hier an der Costa schmeckt der Rotwein besonders gut.

Reinardo

HansiB
07.10.2007, 20:51
Hallo Harald,

das Desinteresse an der HB in eurer SHG ist mir unverständlich. Bei uns ist HB nach wie vor gefragt. Wie bekannt, mache ich seit bald 3 Jahren eine HB mit wechselnden Medikamenten, eine HB HansiB sozusagen (ich habe keinen Arzt der mich berät). Einen nicht messbaren PSA-Nadir, war nicht zu erwarten, bei der flächendeckenden PK-Ausbreitung. Aber PSA 0,6 ist ja bei der noch vorhandenen Krebslast auch in den vielen befallenen LK und Knochen nicht schlecht. Demnächst, wenn Keto bei mir nicht recht funktioniert, werde ich nach Antiandrogenabstinenz, eine erneuten Casodex-Versuch wagen. Beim ersten mal, kam der bekannte Umkehrefekt, nach 8 Monaten.
Wenn man bedenkt, was andere Betroffene an Th. hinter sich haben, kann die HB so schlecht nicht sein. Wobei zu bedenken ist, daß bei vielen Freunden, nach nicht funktionierender OP, Bestrahlung, Chemo, auch fast immer eine HB gemacht wurde und noch gemacht wird. Viele OPler kommen und berichten über ansteigenden PSA und machen eine HB, was bleibt ihnen viel übrig.

Gruß Hans

Harro
08.10.2007, 08:55
Hormonblockaden

Hallo, lieber Reinhard, hab Dank, daß Du trotz des heißen spanischen Wetters noch genug Muße gefunden hast, um mal wieder einen Blick aufs Forumsgeschehen zu lenken.


Es freut mich, dass Du Dich noch so sehr fuer die DHB einsetzt und einen der Thementische besetzt hast.

In meinem Bericht habe ich erwähnt:


Ich hatte meine Bereitschaft für den Tisch DHB schriftlich erklärt, weil ich meine, inzwischen genügend Objektivität in die Waagschale werfen zukönnen.

Das soll schlicht zum Ausdruck bringen, daß ich mittlerweile einfach etwas kritischer der DHB, also der Dreifachen Intermittierenden Hormonblockade nach dem Leibowitz-Protokoll, gegenüberstehe. Das hat nicht zuletzt auch mein eigenener vermeintlicher Mißerfolg ausgelöst, sondern auch einige bemerkenswerte, überzeugende Argumente von honorigen Professoren wie z.B. Prof. Böcking:


"Dr. Leibowitz kennt nicht die Mechanismen, unter denen es zu einem Anstieg oder Abfall von PSA kommt - dieses ist ein Sekretionsprodukt der normalen und der malignen Prostatadrüsenzelle -

Auch diese Ausführungen von Prof. Böcking regen zum Nachdenken an:


Die Beobachtung von Dr. Leibowitz, dass er bei allen seiner Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom den PSA-Wert auf 0.1 mg/ml senken konnte, ist nicht als dauerhafter Therapieerfolg zu werten, da er mit dieser Therapie vor allem die hochdifferenzierten, diploiden, PSA-sezernierenden Tumorzellen eliminiert, zugunsten der weniger differenzierten, aber höher malignen Prostatakarzinomzellen, die dann im Rezidiv das Leben der Patienten gefährden. PSA-Senkung ist nicht gleichbedeutend mit Therapieerfolg!

Lieber Reinhard, wenn ich nun heute mit ein wenig mehr Distanz zu allem, was mit Hormontherapie zu tun hat, herangehe, dann bedeutet das im Umkehrschluß natürlich nicht, daß ich mich zukünftig einer Hormonblockade verweigern werde. Ganz im Gegenteil, denn ich habe mir das ausdrücklich für ein mögliches Rezidiv nach meiner IMRT aufbewahrt. Nur werde ich dann ausschließlich Casodex einsetzen, weil ich damit bislang die besten Erfahrungen gemacht habe.
Es ist müßig, hier unter den Experten, wozu Du doch in weitestem Sinne gehörst, Eulen nach Athenzu tragen, denn mittlerweile nehmen doch die Imponderabilien im Zusammenhang mit unserem PCa inflatorische Ausmaße an. Ständig gibt es Berichte über plötzlich anders lautende wissenschaftliche Erkenntnisse zu früheren Dogmen, denen keiner zu widersprechen wagte und die sich doch plötzlich fast in Luft aufzulösen scheinen, während auch das einige Wochen später schon wieder widerrufen wird.
Es ist für mich immerhin einigermaßen beruhigend zu lesen:


Nach enzymatischer Zellvereinzelung der Tumoranteile in den Stanzen Ab, Ac und Ad, Eichung mit 30 Fibrolasten und Messung von 419 Tumorzellen, zeigt sich eine größte peridiploide Stammlinie bei 2,11c mit einen Verdoppelungsgipfel im Bereich von 4c und eine erhöhte Proliferationsfraktion von 10 %.

Also für mich Typ A nach Tribukait (1993) mit überwiegend peridiploidem DNA-Verteilungsmuster. Und, lieber Reinhard, an irgendetwas muß man sich doch festmachen können.
Zunächst gehe ich einmal davon aus, daß mir die nach DHB erhaltene IMRT nun eine Weile Konstanz einbringt. Dann wird man weiter sehen.

"Die Pferde der Hoffnung galoppieren, die Esel der Erfahrung gehen"
(Russisches Sprichwort)

Gruß Hutschi

Harro
08.10.2007, 09:38
Kein Desinteresse an Hormonblockaden

Hallo Hans, fein, daß Du wegen Urlaubsabwesenheit von Winfried Dich hier zu Wort meldest. Ich hatte eigentlich eher damit gerechnet, daß sich SHG-Leiter diesem Thema widmen würden, weil doch sicher auch in anderen Selbsthilfegruppen für PCA das Zusammenführen der einzelnen Betroffenen nach noch zu treffenden Therapieentscheidungen vorgenommen wird. Eine gewisse Selektion erfolgt naturgemäß am Thementisch für Neubetroffene. Als ich vor heute fast genau 6 Jahren das erste Mal meinen Fuß in die unteren Klinikräume des Diakonissen-Krankenhauses, genau gesagt die Klinik-Cafeteria, die ab 19.00 Uhr uns allein zur Verfügung stand, setzte, lagen dort die Behandlungsvorschläge eines UWE PETERS aus, die man für einen Obolus erwerben konnte. Das Thema DHB hatte mich dort am meisten fasziniert.
Solche kompakten, selbst geschriebenen und dann fotokopierten umfangreichen und fast erschöpfenden Berichte, gibt es heute nicht mehr. Auch die fast 100 Blätter der Christian Übersetzung habe ich nicht nur für mich sondern auch für Bekannte im eigenen Bekanntenkreis käuflich erworben. Heute ist das alles professionell übers Internet in die gute Wohnstube zu holen.
Lieber Hans, es gab bei uns 2 Thementische für HB, nämlich einen für die 1-fache HB + komplette HB = Antiandrogen mit LHRH-Analoga und den von mir betreuten Tisch DHB. Auch der Tisch mit den einfachen und oder 2-fachen-Hormonblockaden war nicht viel stärker besetzt. Hier befanden sich ohnehin meist die Betroffenen, die sich wegen eines Rezidivs für die eine oder andere Methode entschieden hatten oder es noch wollten.


Hallo Harald,

das Desinteresse an der HB in eurer SHG ist mir unverständlich. Bei uns ist HB nach wie vor gefragt. Wie bekannt, mache ich seit bald 3 Jahren eine HB mit wechselnden Medikamenten, eine HB HansiB sozusagen (ich habe keinen Arzt der mich berät). Einen nicht messbaren PSA-Nadir, war nicht zu erwarten, bei der flächendeckenden PK-Ausbreitung

Es ist also keinesfalls so, daß es in unserer SHG-Rhein-Neckar ein Desinteresse an Hormonblockaden gibt. Nur die DHB, die ja kurioserweise als dreifache Hormonblockade durchaus anerkannt und nachvollzogen wird,
hat an Popularität verloren. Ich kenne einen betroffenen Mitwanderer, der durch besten Urologenprofessor im hiesigen Raum operiert wurde und dem man nach wieder ansteigendem PSA 2 Jahre nach OP nun schon 5 Jahre ununterbrochen Casodex 150 mg verordnet, während ein inzwischen verstorbener Freund 4 Jahre lang ununterbrochen lediglich alle 3 Monate das Implantat bekam. Als er verstarb, war der ganze Körper mit Metastasen durchzogen.
Lieber Hans, schön, daß Du den gesunden Optimismus zur Schau trägst, der auch mir anhaftet. Wir werden jedenfalls im März 2008 ein extra Glas auf Dein und das Wohl unserer FNAB-Gruppe natürlich incl. der behandelnden Mediziner leeren.

"Was man nicht zu verlieren fürchtet, hat man zu besitzen nie geglaubt und nie gewünscht"
(Gotthold Eprhaim Lesssing)

Gruß Hutschi

knut.krueger
08.10.2007, 15:13
Hallo Hansi,

Es geht bei der DHB um die eine spezielle Variante, nämlich ihren Einsatz als Ersttherapie in Konkurrenz zu anderen kurativen Therapien. Hier ist der Glanz etwas verblasst wie Hutschi festgestellt hat. Dies hat nichts mit Deinem Fall zu tun oder bei anderen mit fortgeschrittenem, systemischem PK. Da hat HB oder DHB ihre große Berechtigung.

Gruß Knut.

HansiB
08.10.2007, 17:07
Hallo Freunde,

ich wollte nur darauf hinweisen, daß auch bei mir die "reine" DHB mit den von dem URO gewählten Medikamenten nicht durchzuhalten war. Wegen dem erneut steigenden PSA musste das LHRH und Antiandrogen abgesetzt und gewechselt werden. Casodex 150 mg war bei mir kontraproduktiv, als ich mit der Erhöhung begann. Die Krebszellen hatten "umgedreht".

Gruß Hans

MichaelF
12.10.2007, 10:36
Hallo Zusammen,
ich habe in Abstimmung und Zusammenarbeit mit Dr. Eichhorn für mich den in meinem Profil dargestellten Therapie-Weg gefunden und bisher damit sehr zufrieden. Wichtig war natürlich die Info von BPS, dem Forum und vielen Betroffenen mit denen ich immer in Kontakt stand und die mir mit wichtigen Ratschlägen zur Seite standen.
Mein Weg lief über die KISP-Seiten, einer ausführlichen Diagnose-Zeit (meiner Ansicht nach immer noch das Wichtigste!!) und dann der Therapie-Diskussion mit Dr. Eichhorn, die aufgrund der schlechten Einstiegs-Daten von Eichhorns Seite immer sehr auf Risikominimierung hin geführt wurde. Es war jedoch dann meine Entscheidung den Vorschlägen Dr. Eichhorns zu folgen und aufgrund des Gleason 4+4 und dem USPIO-Ergebniss die DHB durch Chemo und EBRT zu ergänzen und damit die Risiken zu minimieren - meiner Meinung nach deckt sich das sehr gut mit der Leibowitz-These sofort mit allen Verfügbaren Mitteln dem Übel zu begegnen.
Zugegeben das war kein Zuckerschlecken mit all den Nebenwirkungen - aber es war zu bewältigen (natürlich auch mit einer tollen Frau, die mich immer begleitet hat und auch kritisch hinterfragte). Weiterhin habe ich mir auch Psychologische und Physiotherapeutische Hilfestellungen (ohne diie geht es meiner Meinung nach nicht) geben lassen.
Es ist sicherlich noch zu früh um zu sagen es war ein voller Erfolg, aber ich habe ein sehr gutes Gefühl.
Ich habe bis auf den Knochenschutz (Zometa, Roclatrol, Selen und mehreren Vitaminen/Mineralien (auch w/Rheuma)) derzeit alles abgesetzt und beobachte mtl. mehrer Krebsmarker im Verlauf.
Die onkologische und urologische Kontrolle erfolgt in 3-Monats-Abständen.

Für Rückfragen stehe ich natürlich auch gerne telefonisch zur Verfügung - tagsüber unter 01782174686 und abends ab ca. 19Uhr unter 089/674414 (Michael Fritzmann).

Gruß aus München und weiterhin guten Verlauf für alle
MichaelF