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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Doch keine ADT3 ???



Klaus (A)
22.10.2007, 09:47
Hallo Freunde,

aufgrund meines PSA Anstieges in den letzten Monaten und aufgrund der verschiedenen PET/CT/MRT Untersuchungen in Ulm letzte Woche werde ich in den nächsten Tagen wohl mit einer HB beginnen müssen
(12 1/2 Jahre nach RPE).

Ich hatte mich schon länger dazu durchgerungen:
"Wenn HB dann Versuch einer intermittierenden ADT3".

Jetzt war ich heute Morgen bei meinem hiesigen Onkologen, der
auf ausdrücklichen Wunsch schon bei etlichen Patienten DHB/ADT3 gemacht hat. Aufgrund seiner Erfahrungen damit rät er mir dringend, erst einmal eine einfache (ggf. intermittierende) HB mit LHRH Analogon. Zwei seiner DHB Patienten waren nämlich in Lebensgefahr wegen Leberversagens (und der Herr Doktor ist u.a. ausgewiesener Leberspezialist). Er meinte u.a., dass diese Leberprobleme ohne grosse "Vorwarnungszeiten" sehr plötzlich auftreten können; daher besteht dieses Risiko auch, wenn man die Leberwerte regelmässig überprüft. Auch ist dieses Risiko altersabhängig, da die Organe (wie die Leber) mit zunehmendem Alter nicht mehr so belastbar sind. Leibowitz und Strum hätten die Altersstruktur ihrer Patienten nie in ihren Ergebnisaussagen berücksichtigt (die er sowieso nicht für repräsentativ hält). Da ich in den nächsten Monaten öfters verreisen will, wären solche plötzlich auftretenden Probleme natürlich gefährlich.

Mein Arzt würde auf meinen ausdrücklichen Wunsch und auf mein eigenes Risiko eine ADT3 machen; er rät davon ab; einfache HB (ggf. intermittierend), falls die nicht gut funktioniert kann man immer noch auf ADT2 oder ADT2 umschwenken.
Dies wurde mir übrigens auch von Prof. Heidenreich/Köln empfohlen.

Sollte auch noch erwähnen, dass mein (skeptischer) hiesiger Onkologe vom BPS als lokaler "DHB-Arzt" empfohlen wird!!

Jetzt bin ich natürlich äusserst verunsichert! Muss mich in wenigen Tagen entscheiden........aber wie???

Grüsse --Klaus--

RuStra
22.10.2007, 10:24
...

Ich hatte mich schon länger dazu durchgerungen:
"Wenn HB dann Versuch einer intermittierenden ADT3".

...

Mein Arzt würde auf meinen ausdrücklichen Wunsch und auf mein eigenes Risiko eine ADT3 machen; er rät davon ab; einfache HB (ggf. intermittierend), falls die nicht gut funktioniert kann man immer noch auf ADT2 oder ADT2 umschwenken.
Dies wurde mir übrigens auch von Prof. Heidenreich/Köln empfohlen.
...

Jetzt bin ich natürlich äusserst verunsichert! Muss mich in wenigen Tagen entscheiden........aber wie???



hallo Klaus,

diesen Entscheidungszwang würde ich nicht akzeptieren. 12 Jahre ging alles gut und jetzt müssen wenige Tage über die weitere Therapie entscheiden? Ich fürchte, nicht nur Dein Onko, auch Du selbst hast Dein Entscheidungs-Szenario äusserst unterkomplex gestrickt. Zeit genug hattest Du - und wenn Dein setting war "Wenn HB, dann IHB ADT2", dann mach das doch! Der Lebergefährdung kann man mit häufigerem Messen sicher eher auf die Spur kommen, auch wenn Leberprobleme schnell kommen können - wie oft hat Dein Onko üblicherweise gemessen, bei seinen DHB-Patienten. Und dass Du verreisen willst, kann kein Argument gegen eine sorgfältige Therapie-Auswahl und -Begleitung sein.
Nur um Dir einen weiteren Zweig im Entscheidungsbaum zuzuwerfen: Da Du noch keine HB gemacht hast, dürftest Du noch ziemlich viele Östrogen-beta-Rezeptoren haben - machst Du HB, egal welche, gehen die zurück. Also rauf auf die beta-Rezeptoren u. einen Wachstums-Hemm-Versuch machen! Hattest Du diese Möglichkeit, die schon länger aus den Papieren von Bonkhoff herauszulesen ist, nicht drin in Deinem Ablaufplan für den "Tag X" ?

Good luck,
Rudolf

Harro
22.10.2007, 14:54
Ruhig Blut

Hallo, Klaus, den Faden von Rudolf solltest Du aufgreifen. Ich würde es zunächst mit einer einfachen Hormonblockade angehen lassen, und zwar mit 3 x 50 mg Casodex täglich oder, wenn zur Verfügung 1 x 150 mg. Der aktuelle Testosteronwert ist nicht bekannt? Auf LHRH-Analoga würde ich zunächst verzichten, um den Testo-Wert beizubehalten. Das ist aber meine ganz persönliche Meinung. Gegebenenfalls könnte man nach einer Anlaufphase noch Avodart hinzunehmen. Ich bin ziemlich sicher, daß Du auch so Erfolg haben wirst. Viel Glück.

"Ein guter Nachbar ist besser als ein Bruder in der Fremde" (Volksmund)

Gruß Hutschi

Klaus (A)
22.10.2007, 16:55
Hallo Rudolf,

danke für Deine Hinweise!


........ jetzt müssen wenige Tage über die weitere Therapie entscheiden? Ich fürchte, nicht nur Dein Onko, auch Du selbst hast Dein Entscheidungs-Szenario äusserst unterkomplex gestrickt.....
und wenn Dein setting war "Wenn HB, dann IHB ADT2", dann mach das doch! Da ich auf jeden Fall die ersten beiden Wochen nur Casodex alleine nehmen werde (Vermeidung des "Flares") habe ich ja noch 2-3 Wochen Zeit zum Nachdenken.
Was mich wirklich so überrascht hat war, dass ein sehr offener, anerkannter Onkologe, der die DHB/ADT3 schon öfter angewendet hat und der vom BPS bez. DHB Durchführung empfohlen wird, dass so ein Arzt aufgrund gemachter Erfahrungen mir abrät!!

Neugierige Frage:
Was ist denn "unterkomplex" ???



Nur um Dir einen weiteren Zweig im Entscheidungsbaum zuzuwerfen: Da Du noch keine HB gemacht hast, dürftest Du noch ziemlich viele Östrogen-beta-Rezeptoren haben - machst Du HB, egal welche, gehen die zurück. Also rauf auf die beta-Rezeptoren u. einen Wachstums-Hemm-Versuch machen! Hattest Du diese Möglichkeit, die schon länger aus den Papieren von Bonkhoff herauszulesen ist, nicht drin in Deinem Ablaufplan für den "Tag X" ?Habe die Bonkhoff Papiere schon gelesen. Nur schreibt er immer am Schluss seiner interessanten Ausführungen:
"Klinische Studien müssen die Effizienz einer solchen Therapie prüfen."
Das ist also noch Zukunftsmusik!
Im übrigen schlucke ich schon seit Jahren Granatapfel Elexier und damit jede Menge Phytoestrogene!

Danke Dir -- Grüsse
Klaus

Klaus (A)
22.10.2007, 17:00
Ruhig Blut

Hallo, Klaus, den Faden von Rudolf solltest Du aufgreifen. Ich würde es zunächst mit einer einfachen Hormonblockade angehen lassen, und zwar mit 3 x 50 mg Casodex täglich oder, wenn zur Verfügung 1 x 150 mg. Der aktuelle Testosteronwert ist nicht bekannt? Auf LHRH-Analoga würde ich zunächst verzichten, um den Testo-Wert beizubehalten. Das ist aber meine ganz persönliche Meinung. Gegebenenfalls könnte man nach einer Anlaufphase noch Avodart hinzunehmen. Ich bin ziemlich sicher, daß Du auch so Erfolg haben wirst. Viel Glück.

Hallo Hutschi,

mein Testo schwankt zwischen 3.5 und 5.5 ng/ml hin und her.

Habe den Eindruck, dass eine Casodex Mono-Theraphie bei Vorhandensein von einzelner Knochen- und Lymphknotenmetastase nicht ausreichend sein würde.

Gruss --Klaus--

Harro
22.10.2007, 21:46
Kein Zeitdruck

Hallo, Klaus, da Du ohnehin zunächst mit Casodex wegen des Flare-Up, falls Du doch ein LHRH-Analoga einsetzen solltest, beginnen willst, könntest Du es ja auch bis zum Ende Deines Urlaubs nehmen und dann sofort PSA messen lassen. Den Testosteronwert würde ich mir nicht gleich durch das Implantat zerstören lassen. Laß es doch erst mal in Ruhe angehen. Bitte, bedenke auch, daß Du schon fast 13 Jahre
mit Deinem PCa ganz gut ausgekommen bist. Der wird jetzt nicht gleich so heftig ausschlagen, daß Du etwas falsch machen kannst. Rezeptoren sind ja sicher genug vorhanden, wie Rudolf schon andeutete, denn Du hast ja nie eine Hormonblockade gemacht. Das Avodart könnte Dir dann zusätzlich bei den vermuteten Metastasen Hilfestellung geben.
Das von Rudolf eingesetzte Wort unterkomplex ist kaum wörtlich zu übersetzen. Man könnte es schlicht als nicht vollständig oder sogar nicht komplett oder noch besser als halbherzig deuten. Unter www.Google.de (http://www.Google.de) findest Du etliche Erläuterungen.
Falls der liebe Rudolf meine Erklärung hierzu liest, wird er, wenn es denn so ganz falsch ist, das sicher korrigieren. Gute Erholung im Urlaub und garnicht um PCa kümmern, solange Du Ferientage genießt.

"Wen Gott reich macht, den kann kein Mensch arm machen"
(Volksmund)

Gruß Hutschi

Friedhelm
05.11.2007, 21:31
hallo Klaus,

Da Du noch keine HB gemacht hast, dürftest Du noch ziemlich viele Östrogen-beta-Rezeptoren haben - machst Du HB, egal welche, gehen die zurück. Also rauf auf die beta-Rezeptoren u. einen Wachstums-Hemm-Versuch machen!

Good luck,
Rudolf

Hallo Rudolf,

kannst Du mal bitte erklären, was es mit den Östrogen-beta-Rezeptoren auf sich hat? Haben die was mit den Testosteron Rezeptoren zu tun?

Danke, Gruß

Friedhelm

RuStra
05.11.2007, 22:05
Hallo Rudolf,

kannst Du mal bitte erklären, was es mit den Östrogen-beta-Rezeptoren auf sich hat? Haben die was mit den Testosteron Rezeptoren zu tun?

Danke, Gruß

Friedhelm

Bitte, Friedhelm, lies mal hier (http://www.promann-hamburg.de/Bonkhoff.htm).
Bonkhoff erläutert die Rolle der Östrogen-beta-Rezeptoren. Vor allem der Artikel aus 2003. Aber auch Hinweis auf den neuesten Präventions-Artikel.

Tschüss, schon wieder,
ich bin leider -auch wenns schon so spät ist-
in Eile,
Rudolf

Klaus (A)
10.11.2007, 16:32
Hallo Freunde,

um den Thread abzuschliessen:

Ich habe mit ADT3 (nach Strum) begonnen; nehme seit 14 Tagen Casodex 50mg und Avodart; vor 3 Tagen wurde die erste Monatsspritze Eantone gesetzt.
Hoffe natürlich, dass ich die Kriterien erreichen werde, um in 12-14 Monaten unterbrechen zu können.

Werde mir übernächste Woche noch die Brust bestrahlen lassen; die Bestrahlung soll 15 Gray betragen (3 Sitzungen a 5 Gy).
Die Bestrahlung wird mit Elektronenstrahlen durchgeführt, die nur eine geringe Eindringtiefe (etwa 1cm) haben; damit sollten eigentlich die Bedenken, die hier im Forum an verschiedenen Stellen geäussert wurden nicht mehr bestehen (z.B. der Hinweis: "Wil rannte kurz vor der Bestrahlung davon, als er hörte, dass die Eindringtiefe 10cm betragen würde und damit auch sein Herz bestrahlt werden würde").

Drückt mir die Daumen....

Grüsse --Klaus--

Harro
10.11.2007, 17:22
Entscheidung macht frei

Hallo, Klaus, Du hast Dich entschieden! Wir drücken Dir die leider nur zwei Daumen; und ich bin sicher, daß Du nach 13 Monaten Pause einlegen können wirst.

"Herr, gib mir Geduld, aber sofort" (Wolfgang Clement)

Gruß Hutschi

HansiB
11.11.2007, 18:38
Hallo Klaus,

ich wurde mit gutem Erfolg nur 1 x bestrahlt und hatte auch als Unfreund von Bestrahlung kein Problem. Uns metastasierten bleibt nichts übrig, als immer wieder ein Scinigramm zu machen. Da kommt es auch nicht mehr darauf an.

Gruß Hans

Reinardo
12.11.2007, 17:30
Hallo:-
Mit Ausnahme von Casodex 50 ng aehnelt das aber sehr dem Leibowitz-Protokoll. Wenn ich mich der heftigen Kontroversen vor Jahren erinnere, bei denen aber doch die Bereitschaft zu gegenseitiger Vergebung da war, freue ich mich nun doch, dass aus dem einstigen Gegner der Leibowitz-Therapie ein bedingter Sympathisant geworden ist.
Werde heute Abend im Strum nochmal nachlesen, was er zur ADT3 geschrieben hat. Hutschis besten Wuenschen schliesse ich mich natuerlich an.
Gruss, Reinardo

Reinardo
29.11.2007, 18:26
Hallo:-
Ohne direkten Bezug zur Situation von Klaus(A) moechte ich in Erinnerung rufen, was Stephen B. Strum zur Hormontherapie schreibt:

"Waeren wir Spezialisten fuer Infektionskrankheiten und wuerden wir Antibiotika verschreiben, so koennten wir ein optimales Ergebnis nur erwarten bei Vorhandensein von fuer die Antibiotika empfaenglichen Bakterien, nicht jedoch bei einer Entzuendung infolge sowohl von Bakterien und einer Pilzvergiftung (fungi). Wenn nun einige Maenner bei ihrer Diagnose oder im Verlauf ihrer E·rkrankung eine Mischpopulation von androgenabhaengigen und nicht androgenabhaengigen Krebszellen haben, dann koennen wir bei einer so selektiven Therapie wie der herkoemmlichen ADT nicht erwarten, dass generell wirksam ist.
In der Tat, die Mehrzahl der Patienten, bei denen ADT in der Vergangenheit verordnet wurde, waren Erkrankte im fortgeschrittenen Stadium mit Knochen- und Lympfknotenmetastasen. Diese sind jedoch die am wenigsten hierfuer geeigneten Patienten, da ihr Krebs mit groesster Wahrscheinlichkeit eine bedeutende Komponente andogen-unabhaengiger Zellen aufweist.
Trotz dieses offensichtlichen Fehlers in der Behandlungsstrategie wird Hormonentzugstherapie noch heute bei Tausenden solcher Patienten verordnet und Ergebnisse von Studien sind fehlerhaft, weil dieser wichtige Punkt nicht angemessen beruecksichtigt wurde".

Freihaendig uebersetzt von Seite 144 der englischen Ausgabe. Die autorisierte und gepruefte Uebersetzung findet sich in der beim BPS erschienenen deutschen Ausgabe, auf welche auf der Frontseite der BPS-Website verwiesen ist.

Auf Seite 158 finden sich Ausfuehrungen zur fruehzeitigen Chemotherapie:

"Viele Patienten im fortgeschrittenen Stadium ihrer Erkrankung muessen entscheiden, wann sie mit Chemotherapie beginnen sollen. Einige Aerzte finden es richtig, den Krebs mit Chemotherapie zu bekaempfen, wenn der Koerper stark und der Krebs noch schwach ist anstatt zu warten bis der Koerper schon schwach und der Krebs stark geworden ist. Diese Entscheidungen muessen zwischen Arzt und Patienten von Fall zu Fall getroffen werden. Wenn wir lernen wollen, wie man Chemotherapie am besten gegen Prostatakrebs einsetzen sollte, sollten wir uns an den Erfahrungen beim Brustkrebs der Frauen orientieren. Prostatakrebs und Brustkrebs sind verschwisterte Krankheiten mit erstaunlicher Aehnlichkeit in ihrer endokrinen Reaktion und den zur Anwendung kommenden Chemotherapeutika. Bei Brustkrebs wurden bedeutsame Ergebnisse erzielt bzgl. Lebensverlaengerung durch die fruehzeitige Anwendung der Chemotherapie."

Hinweisen moechte ich auch auf Strums Ausfuehrungen zur DNA-Ploidie auf Seite 58 der englischen Ausgabe.

Auf Seite 148 erklaert Strum die Therapie von Bob Leibowitz.

Es ist gut, dieses Buch zu besitzen.

Gruss, Reinardo

Klaus (A)
30.11.2007, 14:34
Hallo Reinardo,

glaube mir ich kenne das Strum Buch sehr, sehr gut!

Ich glaube schon, dass Du Deine Anmerkungen auf meine Situation beziehst.

Du zitierst Strum richtig:


......In der Tat, die Mehrzahl der Patienten, bei denen ADT in der Vergangenheit verordnet wurde, waren Erkrankte im fortgeschrittenen Stadium mit Knochen- und Lympfknotenmetastasen. Diese sind jedoch die am wenigsten hierfuer geeigneten Patienten, da ihr Krebs mit groesster Wahrscheinlichkeit eine bedeutende Komponente andogen-unabhaengiger Zellen aufweist......Ich stimme dieser Strum-Erkenntnis zu; nur glaube ich (und hoffe sehr), dass meine gegenwärtige Lage einer solchen Situation nicht ganz entspricht. Ich habe eine kleine Knochenmetastase und Verdacht auf eine kleine Lymphknotenmetastase nach so vielen Jahren und bei immer noch relativ geringem PSA von 3.7 (vor ADT3).
Wenn mein PK aggressiv wäre, müsste ich eigentlich schon lange das Zeitliche gesegnet haben.

Aber in 2-3 Monaten werde ich die Situation ja besser einschätzen können, wenn ich mir dann Testosteron- und PSA Werte anschauen werde. Da werde ich wissen, was Sache ist und kann dann ggf immer noch mit Low Dosis Chemotheraphy nachlegen.
Logischerweise sollte ich aber erst einmal herausfinden, ob bei mir überhaupt schon einen signifikanter Anteil hormon-unabhängiger PK Zellen vorhanden ist.

Grüsse -- Klaus --

Reinardo
02.12.2007, 17:48
Hallo Klaus(A). Nein, diesmal irrst Du Dich. Deiner Einschaetzung stimme ich voll zu, wollte aber keinen neuen Thread oeffnen. Angesichts des langsamen Anstiegs hast Du guten Grund zu der Annahme, dass der Gleason noch der gleiche wie anfangs ist und die Hormontherapie ausreicht, ein neues biologisches Gleichgewicht herzustellen. Und dann gibt es ja noch die Option der punktuellen Bestrahlung, sobald man das befallene AreaL findet.
Leider meine ich, dass die von mir zitierten Stellen im Strum-Buch wenig bekannt sind, nie zitiert werden und in der praktischen Urologie keine Beachtung finden. Vielleicht liest im Strum-Primer auch mal einer vom Wissenschaftlichen Beirat.
Gruss und alles Gute, Reinardo

Hans-Joachim
03.12.2007, 11:33
Hallo Klaus,



Logischerweise sollte ich aber erst einmal herausfinden, ob bei mir überhaupt schon einen signifikanter Anteil hormon-unabhängiger PK Zellen vorhanden ist.

Ausser mir würden sicher zahlreiche Betroffene gerne wissen, wie hoch der Anteil an hormon-unabhängigen Zellen bei ihrem PK ist. Wie findest du das heraus? Lass es uns bitte wissen.

Gruß Joachim

Klaus (A)
03.12.2007, 11:52
Hallo Klaus,
Ausser mir würden sicher zahlreiche Betroffene gerne wissen, wie hoch der Anteil an hormon-unabhängigen Zellen bei ihrem PK ist. Wie findest du das heraus? Lass es uns bitte wissen.

Gruß Joachim


Hallo Joachim,

nach meinem Verständnis sind folgende Variationen/Erklärungen möglich:

1. Testosteron geht nicht tief genug herunter (<0.2 ng/ml); PSA fällt nicht weit genug ab (<0.05):
Dann besteht keine Klarheit bez. der Frage "hormonabhängig/hormonunabhängig"; nächste Massnahme wäre, ein neuer Versuch, das Testo runterzubringen z.B. wechseln des LHRH Analogons.

2. Testosteron geht tief genug herunter; PSA fällt auf<0.05.
Das sähe gut aus! Wenn ich diese Situation für 12 Monate halten kann, dann ist meine Schlussfolgerung , das meine PK Zellen z.Z. (überwiegend) hormonabhängig sind und ich dann nach 12 Monaten eine (hoffentlich lange) Pause machen könnte (intermittierend).

3. Das Testo geht tief genug herunter, das PSA fällt leider nicht genügend ab; das wäre sehr schlecht, denn dann wären ein bedeutender Teil meiner PK Zellen hormonunabhängig.
Dann sollte ich mir wohl drastischere Massnahmen überlegen.

Drücke mir die Daumen, dass Nummer 2 eintreten wird; ich gehe mal davon aus, dass ich das nach meinem Teneriffa Urlaub Ende Januar wissen werde.

Grüsse -- Klaus --

Hans-Joachim
05.12.2007, 13:34
Hallo Klaus,

vielen Dank für Deine Antwort. Jetzt verstehe ich Dein Argument. Du nimmst den PSA/Testosteronverlauf als qualitativen ( nicht quantitativen ) Ausdruck der Androgenabhängigkeit/unabhängigkeit. ( vermutlich nach Dr. Strum )

Ich wünsche Dir von Herzen, daß Fall 2 bei Dir zutrifft. frohe Weihnachten und einen schönen Urlaub.

Gruß Joachim

Klaus (A)
20.12.2007, 15:57
Hallo Freunde,

komme gerade vom Onkologen und freue mich sehr über den erfolgreichen ersten ADT3-Milestone !

Meine (kurze) ADT3 Karriere und deren Daten:

20/10/07: PSA = 3.7 ng/ml; Testo = 4 ng/ml; DHT = 20 ng/dl;

ab 25/10/07: tägl. 50 mg Casodex und 0.5 mg Avodart;

04/11/07: erste Enantone Spritze;

21/11/07: PSA = 0.96; Testo = 2.41; DHT = 5.0;

03/12/07: zweite Enatone Spritze;

20/12/07: PSA = 0.05; Testo = 0.38; DHT = 2.1;

Seit 3 Monaten erhalte ich alle 4 Wochen eine Bondronat Infusion (vorher Zometa).

Meine Blutwerte sind alle bestens.

Nun bin ich doch froh, dass ich mich zur ADT3 entschlossen habe. Der PSA Abfall ist erfreulich steil gewesen, für mich ein erstes Zeichen, dass trotz der kleinen Knochemetastase und der Lymphknotenmetastase die PK Zellen überwiegend noch hormonabhängig sind.
Die anfänglichen Nebenwirkungen der ADT sind vollkommen verschwunden...fühle mich prima.

Jetzt hoffe ich, dass mein Testo noch etwas weiter abfällt und der PSA Wert die nächsten 12 Monate so niedrig bleibt.
Dann würde ich Ende nächsten Jahres die ADT3 beenden und auf lange (intermittierende) Pause hoffen.

Ich bin deshalb so froh über den steilen PSA Abfall, da ich insgeheim befürchtet hatte, dass ich nach all meinen (fast 13 Jahre langen) lokalen Behandlungsversuchen vielleicht zu lange mit einer systemischen HB gewartet hatte.

Ich dachte, dass ich Euch einmal einen Zwischenbericht gebe; dass der so kurz vor Weihnachten so erfreulich ausfällt, ist natürlich umso schöner.

Schöne Feiertage und alles, alles Gute für Euch alle!!!

Grüsse -- Klaus --

Harro
20.12.2007, 16:19
Herzliche Gratulation

Mensch, Klaus, das ist ja toll. Ich freue mich für Dich und wünsche Dir, daß alles so abläuft, wie Du es Dir erhoffst.

"Reich ist, wer zufrieden ist" (Aus Frankreich)

Gruß Hutschi

Reinardo
22.12.2007, 13:10
Hallo Klaus.
Zu Deiner Entwicklung auch von mir Glueckwunsch.
Die Ergebnisse interessieren mich sehr, da ich mich in letzter Zeit recht intensiv mit den Folgen der Hormontherapie auf DNA und Krankheitsverlauf auseinandergesetzt habe.
Die theoretische Erklaerung fuer Deinen PSA-Verlauf findet sich im Beitrag ""Klinische Bedeutung der DNA-Durchfluss-Zytometrie beim Prostatakarzinom", veröffentlicht in der GEK Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 41. Im Abschnitt "DNA-Ploidie des Primärtumors und Metastasen" berichtet Tribukait von Befunden von Patienten mit neu diagnostizierten, unbehandelten Tumoren: "Die Daten zeigen, dass bereits bei diploiden Tumoren (Anm. auf Dich zutreffend) Skelettmetastasen in 10% vorliegen, die bei tetraploiden Tumoren auf etwa 20% steigen und schliesslich in 50% von Patienten mit nahe-diploiden und hypertetraploiden Tumoren zu finden sind. . . sind es vor allem aneuploide Tumoren, die zu einer Generalisierung und zum Tumor bedingten Tod führen. Es ist deshalb zu erwarten, dass Metastasen weitgehend aneuploid sind. Das scheinen DNA-Ploidie-Messungen von im Zusammenhang mit Autopsien untersuchten Metastasen zu bestaetigen: Skelettmetastasen, Organmetastasen und Lympfknotenmetastasen . . waren zu 97%, 94% und 88% aneuploid."
Zellmaterial, das von Skelettmetastasen im Zusammenhang mit chirurgischer Intervention von hormon-unbehandelten Patienten untersucht wurde, zeigte jedoch in wesentlich geringerem Ausmass Aneuploidie.
Diese Diskrepanz findet seine Erklaerung darin, dass alle Patienten mit post mortem untersuchten Metastasen hormonbehandelt worden waren. Bei den wenigen unbehandelt gebliebenen Patienten zeigten sich hingegen gehäuft diploide Skelettmetastasen.
"Die zugrunde liegende Hypothese ist" schreibt Tribukait, " dass diploide Metastasen durch Androgenentzug die Basis fuer das Wachstum verlieren und zugrunde gehen, waehrend aneuploide Metastasen entweder primär androgen-unabhaengig sind oder ueber Mechanismen verfügen, Androgen-Unabhängigkeit zu entwickeln und somit den Androgenentzug zu überleben".
Da Du vorher noch nicht hormonbehandelt warst, hast Du aus theoretischer Sicht der Dinge also eine gute Langzeitprognose. Gefährlich wird es, wenn nach zu erwartender langjähriger Therapiepause der PSA-Wert wieder ansteigen wuerde, weil dann angenommen werden kann, dass die neu heranwachsende Tumor-Zellpopulation sich aus gefährlicheren, ueberwiegend hormonresistenten Teilen zusammensetzt.
Gruss und frohe Festtage wuenscht
Reinardo