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shgmeldorf,Werner Roesler
22.10.2007, 11:27
Zum Thema: Neue Krebsbekämpfungsstrategien beim
Prostatakarzinom
Übersicht:
1. Einleitung
2. Prostatakarzinom und Immunsystem
3. Zur Behandlung des Prostatakarzinoms
4. Zwei Immuntherapien beim Prostatakarzinom
4.1. Immuntherapie mit dendritischen Zellen
4.1.1. Was sind dendritische Zellen
4.1.2. Behandlungsablauf
4.2. Immuntherapie mit onkolytischen Viren
4.2.1. Was sind onkolytische Viren
4.2.2. Das “ Newcastle Disease Virus”
4.2.3. Behandlungsablauf
5. Allgemeiner Ausblick

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Kurzreferat erstellt durch:
Selbsthilfegruppe Dithmarschen - Meldorf
Westerlandstr.3 - 25704 Epenwöhrden (Meldorf)
Tel.: 04832 - 5 0 3 9
E-Mail: shgmeldorf@online.de (shgmeldorf@online.de)

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Einleitung:
Der Prostatakrebspatient hat (wie alle Krebspatienten) ein Recht auf Selbstbestimmung, wenn es um seine Therapie geht.
Fortschrittliche und kompetente Mediziner haben erkannt, dass eine richtige und erfolgreiche Krebstherapie nur in Gleichberechtigung aller Beteiligten erfolgen kann.
Der Prostatakrebspatient ist in der Hauptrolle, sonst niemand.
Wir Patienten müssen darauf achten, dass wir respektiert werden, und wir müssen darum kämpfen, dass unsere Grundrechte erhalten bleiben und unsere Autonomie nicht beschnitten wird.
Das gilt auch für die Entscheidung einer Therapieausrichtung!
Durch die sog. Leitlinien, durch Positiv- und Negativlisten, durch Arzneimittel- und Heilmittelrichtlinien werden uns Patienten (und aber auch den Ärzten) durch die Lobby-Politiker und gesetzlichen Krankenkassen viele Abläufe vorgeschrieben, so auch welche Therapie wir machen dürfen und welche nicht.
Die Grundlagen für diese Gängelungen sind oft weder medizinisch, noch wissenschaftlich und noch nicht einmal wirtschaftlich begründbar.
2.Prostatakarzinom und Immunsystem
Die P r o s t a t a ist eine ca. walnussgroße Drüse, die direkt unterhalb der Blase und vor dem Rektum (Mastdarm) am Boden des Beckens liegt.
Die Prostata umschließt einen Teil der Harnröhre (Urethra). Sie beeinflusst die Qualität und Quantität von Ejakulation und Orgasmen und hat somit eine wichtige Auswirkung auf die Sexualität des Mannes. Eine lokale und systemische Therapie der Prostata beeinträchtigt über die veränderte Sexualität auch die Gesamtpersönlichkeit des Mannes.
Ein Prostatakarzinom entwickelt sich relativ langsam.
Wird ein Karzinom in der Größe von 1 cm3 Zentimeter erkannt, so hat es bereits über eine Milliarde Zellen.

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Das I m m u n s y s t e m hat nicht nur die Aufgabe, uns vor Erkrankungen zu schützen, sondern es soll unsere körperliche Identität und Integrität bewahren.
Die Individualität eines Menschen ist in steter Wechselwirkung durch das Geistig-Seelische und das Physisch - Materielle geprägt.
Auf die Einzelheiten und die Gesamtheit des Immunsystems soll hier nicht eingegangen werden, um nicht den Rahmen dieses Referats zu sprengen.

3. Zur Behandlung des Prostatakarzinoms
Wie behandelt die sog.” Schulmedizin” zur Zeit in Deutschland das Prostatakarzinom?
Mit “Stahl” (Chirurgie), “Strahl” (Bestrahlung) und “Chemie” (Chemotherapie). So werden die Hauptelemente der konventionellen Krebstherapie im Fachjargon genannt.
Allen diesen Komponenten ist gemein, dass sie gegen das Immunsystem primär wirken.
Schon durch einen operativen Eingriff wird das Immunsystem über längere Zeit geschwächt.
Die anderen Therapievarianten schwächen das Immunsystem noch extensiver und intensiver. So zeigen Untersuchungen, dass im Rahmen dieser Therapien die natürlichen Killerzellen (NK) über Wochen und Monate in viel zu geringer Zahl produziert werden.
Wird dann nicht schnell eine Stabilisierung des Immunsystems erreicht, hat der Krebs sehr gute Möglichkeiten, sich wieder umso heftiger im Organismus auszubreiten.
Laufende Studien rücken nun neue Waffen gegen den Krebs ins Blickfeld. Vor allem bei Tumoren, wie dem fortgeschrittenen Prostatakrebs, wo diese bisherigen schulmedizinischen Ansätze versagen oder nur begrenzt wirksam sind.
Diese neuen Waffen sind vielfältig.
Zu ihnen zählt das breite Spektrum der Immuntherapien.

4. Zwei Immuntherapien beim Prostatakarzinom
International und auch national werden neue Immuntherapien

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schon sehr erfolgreich bei verschiedenen Krebserkrankungen eingesetzt werden. So hat es hier in Deutschland auch schon erhebliche Fortschritte im Bereich der Zulassungsverfahren gegeben. Beim fortgeschrittenen Prostatakrebs kommen schon verschiedene Antikörper zum Einsatz. Leider noch zu zögerlich und zu wenig. Sehr viel weniger als bei anderen Krebserkrankungen.
Das gilt auch für andere Formen der Immuntherapien.
Zwei Immuntherapien sollen hier vorgestellt werden:
Die Immuntherapien mit dendritischen Zellen und mit onkolytischen Viren.


4.1. Immuntherapie mit dendritischen Zellen
In den USA stehen Therapien mit dendritischen Zellen kurz vor der Zulassung durch die Zulassungsbehörde. Um nur den Stellenwert dieser Therapieform klar zu machen, in der wichtigsten Medizin- Datenbank www.pubmed.gov (http://www.pubmed.gov/) findet eine Suche nach Stichworten “dendritische Zellen” und “Krebs” 5630 Studien, allein 762 Untersuchungen bis Oktober 2006!
Um nur zwei große weltweite vor der Zulassung stehende Therapieanwendungen zu nennen: “Provenge” und “GVAX”.

4.1.1. Was sind dendritische Zellen
Der Dendriten (“Bäumchen”) sehen unter dem Mikroskop betrachtet wie kleine Bäumchen oder Minikraken aus.
Vielleicht können diese Zellen unzählige Leben retten, denn sie sollen von den Medizinern zur universellen Waffe gegen den Krebs aufgerüstet werden.
Krebszellen haben Strategien entwickelt, um unser ziemlich geniales Immunsystem zu unterlaufen. So bewirken die Tumorzellen, dass sie

sich zum einen gut verstecken und tarnen können, indem sie sich an bestehende Strukturen angleichen. So findet bei der Metastasen-
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bildung im Knochen ein “Osteomimikry-Effekt” genannter Prozess statt. Weiterhin sondern Tumore auch Substanzen ab, die bewirken, dass die Abwehrmechanismen des Organismus herunter gefahren werden. Der Prostatakrebs wächst außerdem so langsam, dass die Immunabwehr zwar die Tumorzellen partiell erkennt, sich aber an sie gewöhnt.
Die dendritischen Zellen stehen am Anfang jeder Immunantwort und bestimmen, wie der Körper auf Krankheiten reagiert. Sie befinden sich vorwiegend im Mund- und Rachenraum, in der Haut und in den Lymphknoten, patrouillieren aber auch in den Blut- und Lymphbahnen durch den ganzen Körper. Bemerken sie einen Krankheitserreger oder eine Tumorzelle, so stürzen sie sich auf diese und zerstören sie. In Bruchstücken werden die erkannten Antigene dann auf der äußeren Membran in den Lymphknoten, den Schulen des Immunsystems, den T - Zellen präsentiert.
Die T - Zellen tragen einen Rezeptor, mit dem sie sich an die dendritischen Zellen heften. Der Kontakt findet genau an den Stellen statt, wo die Kennmoleküle der Tumorzellen (oder Krankheitserreger) vorgezeigt werden. Die bisher “naiven” T - Zellen werden zu ganz speziellen Killer-Zellen, die die Tumorzellen gnadenlos jagen und vernichten.

4.1.2. Prinzip der therapeutischen Vakzinierung und Behandlungsablauf
Einige Kliniken und Institute arbeiten mit autologen, d.h. körpereigenen Tumorzellen. Andere stellen die Impfstoffe aus allogenen Tumorzellstrukturen, d.h. (menschlichen) etablierten Zelllinien her.
Der Vorgang sieht folgendermaßen aus:
Entweder wird ca. 120 -200 ml Blut abgenommen, oder es
wird eine Leukapherese einmalig durchgeführt. Bei der
zweiten Maßnahme besteht der Vorteil, dass die gewonnenen Zellen für mehrere Behandlungen durch ein spezielles Kühlverfahren “aufbewahrt” werden


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können. Dann werden aus den selektierten Monozyten in der Zellkultur dendritische Zellen generiert. Der Vorgang dauert ca. eine Woche.

Die dann erfolgende Impfung wird zunächst als Basisimmunisierung viermal im Abstand von jeweilig vier Wochen durchgeführt.
Falls kein individuelles Tumormaterial zur Verfügung steht, also kein “Priming” erfolgen kann, werden die gezüchteten Dendriten mit einer oder mehreren speziellen Tumorzelllinien “konditioniert” und können so ebenfalls eine starke Immunantwort erreichen. Zusätzlich wird Interferon Gamma injiziert.
Es werden in der Literatur keine gravierenden Nebenwir-
kungen beschrieben.
Die Kosten müssen beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom juristisch erstritten werden, wenn man in Deutschland gesetzlich krankenversichert ist.
Die privaten Krankenversicherungen übernehmen diese in der Regel.
Sie betragen zur Zeit ca. 18.000 Euro.
Mehrere Universitätskliniken führen Studien mit dendritischer Zelltherapie zur Zeit in Deutschland ohne weitere Kosten für die Teilnehmenden durch.

4.2. Immuntherapie mit onkolytischen Viren
“Die Verwendung von onkolytischen Viren in der Antikrebstherapie ist ein Ansatz, bei dem die Chancen auf einen hohen therapeutischen Index sehr gut sind und bei dem vielleicht das heilige Forschen und Streben nach einer Antikrebstherapie verwirklicht werden kann…” (Dr. Stephen B. Strum).

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Es wurden bereits eine Reihe von onkolytischen Viren für die Antikrebstherapie identifiziert.


Der therapeutische Index (vorteilhafte gegen nachteilige Wirkungen) für die aktivsten chemotherapeutischen Wirkstoffe liegt zwischen 1 : 5 und 6 : 1. Beim Virus mit dem Namen CG7060 beträgt der therapeutische Index zwischen 20 : 1 und 3000 : 1 ! 20 -3000 steht für die Wirkung gegen den Krebs und 1 steht für die nichtgewollte und nachteilige Wirkung!
Hier in Deutschland wird an verschiedenen Universitäten, so zum Beispiel in Heidelberg am Deutsches Krebsforschungs-
Zentrum mit onkolytischen Viren geforscht und gearbeitet.
Auch einige therapeutische Kliniken und Institute therapieren schon hier in Deutschland mit onkolytischen Viren.

4.2.1. Was sind onkolytische Viren
Viren sind uns eigentlich als Feinde, als oft gefährliche und lebensbedrohende Krankheitserreger bekannt.
Aber nicht alle Viren stellen für uns Menschen eine Gefahr dar. Ärzte und Wissenschaftler benutzen inzwischen ungefährliche Viren als Kooperationspartner in der Gen- und Krebstherapie.
Diese Viren werden als onkolytische (krebsauflösende, krebsbekämpfende) Viren bezeichnet.



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Liegt ein zellulärer Gendefekt (wie bei vielen Krebzellen)
vor, so sind diese Viren in der Lage, solche Tumorzellen zu befallen und zu zerstören.

Der gewollte therapeutische Vorgang sieht folgendermaßen aus: Die präparierten und infizierten Viren befallen die identifizierten Tumorzellen. Dann nisten sie sich in den
Krebszellen ein und vermehren sich rasant. Unter dieser Virenlast werden die Krebszellen zerstört, und die austretenden Viren befallen weitere Krebszellen. Eine therapeutische Kettenreaktion nimmt ihren Lauf.


4.2.2. Das “Newcastle Disease Virus”

Das NDV (Newcastle Disease Virus) stellt einen der aussichtsreichsten Kandidaten unter den onkolytischen Viren dar. NDV gehört zur Familie der Paramyxovieren. NDV (ein Vogelvirus) ist absolut apathogen und für den Menschen ungefährlich und vermehrt sich nur in menschlichen Tumorzellen sehr effizient.
In den bisherigen Untersuchungen mit NDV wurden deutliche Tumorrückbildungen beobachtet. Die z.B. am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg seit vielen Jahren verwendete Tumorzellvakzine wird als ATV-NDV bezeichnet. Dieser Begriff steht für autologe durch NDV modifizierte Tumorvakzine. In verschiedenen Studien an mehr als 200 Patienten zeigten 28,5 % der mit ATV-NDV immuntherapierten Patienten eine Verbesserung im Langzeitüberleben im Vergleich zu Patienten ohne Virustherapie.


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Im IOZK ( Immunologischen Onkologischen Zentrum Köln
wird NDV auf menschlichen Tumorzelllinien vermehrt und durch den Einsatz einer neu entwickelten Reinigungsmethode in hochgereinigter Form gewonnen.


4.2.3. Behandlungsablauf
Am IOZK wird für die Virotherapie der lytische Stamm
NDV/MTH-68 HuTuZe verwendet. Hier wurden Anwendungen an mehr als 300 Patienten zugrunde gelegt.
Zur Durchführung der Virotherapie am IOZK wird das gereinigte NDV ausschließlich intratumoral verabreicht.
Flankiert wird die Verabreichung mit der Vorbehandlung des Tumors mittels Hyperthermie um die Tumorgängigkeit zu erhöhen. Außerdem werden anschließend intratumoral
dendritische Zellen verabreicht.
Das Institut für Tumortherapie in Duderstadt kombiniert ebenfalls NDV mit anschließender dendritischer Zelltherapie, jedoch nicht intratumoral.
Bis auf leichtes und gewolltes Fieber sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Die Kosten werden wieder von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Auch hier muß der juristische Weg diesbezüglich gegangen werden.
Die privaten Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten.
Die Höhe der Kosten sind je nach Anwendungsregime unterschiedlich hoch. Nicht intratumoral liegen sie bei ca. 260,-- EURO pro Impfung.




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5. Allgemeiner Ausblick


Es gibt bereits eine Vielzahl an sehr viel versprechenden Impftherapien, auch beim Prostatakarzinom.
Eine Heilung vom fortgeschrittenen und metastasierenden Prostatakarzinom kann zur Zeit noch von keiner Therapie versprochen werden, jedoch weisen die neuen Immuntherapievarianten den revolutionären Weg in eine neue Epoche der Krebstherapie.
Wenn wir berücksichtigen, dass die Nebenwirkungen bei den schulmedizinischen Methoden oft sehr erheblich und bei den beschriebenen Impftherapien sehr unerheblich sind, bei einem signifikant besseren therapeutischen Index, muß doch hinterfragt werden, warum diese neuen Therapieformen so wenig Akzeptanz in unserem Gesundheitssystem finden. Zumal sich die neuen Therapien
auch mit schulmedizinischen Anwendungen gut verbinden lassen.

Werner H. Roesler

(Magdeburg, d. 09.06.2007)