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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was kann der Pathologe vorhersagen und wie sicher ist seine Diagnose?



WinfriedW
09.06.2006, 23:08
Mich überraschte letztes Jahr mein Urologe mit aPSA=239,3ng/ml. In der Folge wurden mir Gleason 8 und Knochenmetastasen bescheinigt. Bei diesen Befunden ist eine Frage sicher beantwortet: Es handelt sich um einen aggressiven Tumor in fortgeschrittenem Stadium.

Ich habe danach eine bundesweite Tingeltour durch verschiedene Kliniken gemacht und mit einer ganzen Reihe Urologen und Professoren gesprochen. Keiner hatte Zweifel an den Befunden oder hätte mir geraten, ein pathologisches Zweitgutachten anfertigen zu lassen.

Prof. Heidenreich hat mich wissen lassen, die Frage, ob sich der Gleasen Score in meinem Falle um einen Punkt in die eine oder andere Richtung bewegt, sei für seine Therapieempfehlung ohne Bedeutung. Das mag dann etwas anders gelagert sein, wenn sich jemand mit niedrigem Gleasen Score überlegt, ob er sich einer Therapie unterziehen oder WW betreiben will. Der möchte sich vielleicht den Gleasen Score bestätigen lassen, um mehr Sicherheit zu erlangen. Darüber hinaus riet mir Heidenreich, das möglicherweise privat zu bezahlende Geld für Bonkhoffs Gutachten zu sparen, weil der zwar sicher interessante Dinge herausfindet, diese aber letztendlich keinerlei therapeutische Konsequenz haben. Meine persönliche Meinung dazu ist, man formuliere zunächst die Frage, bevor man Antworten zu Sachverhalten bekommt, zu denen man im Nachhinein die Fragestellung nicht findet.

dieterdo (http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?u=22) wählte mit zweifelhaftem Erfolg HDR-Brachy plus EBRT als primäre Therapie. Bonkhoff hätte ihm vielleicht (?) Strahlenresistenz bescheinigt und zur RPE geraten. Das wäre vielleicht ein guter Rat gewesen. Hätte dieterdo (http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?u=22) sich Rat bei Heidenreich geholt, dann hätte ihm dieser nach meiner Überzeugung ganz unabhängig von Bonkhoff zur RPE geraten, weil Heidenreich die Auffassung vertritt, RPE ist bei aggressiven Tumoren auf jeden Fall die 1. Wahl. Dann wäre dieterdo (http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?u=22) heute vielleicht in der gleichen Situation wie ich, dass er über adjuvante Radatio entscheiden müsste.

Nur vielleicht hätte ihm Bonkhoff auch ein hormonunabhängiges Karzinom bescheinigt. Dennoch würde man ihm in der jetzigen Situation eine Hormonblockade antun, weil es dazu schlicht keine Alternative gibt. Blöd, wenn es nicht funktioniert.

Bei Chemo sehe ich es ähnlich. Wenn PSA unaufhaltsam steigt, wird man dir Taxotere empfehlen. Außerdem sagt Bonkhoff, Chemo-Empfindlichkeit könne er nur an vitalen Zellen testen. Wie kommen die vitalen Zellen zu Bonkhoff? Wenn wir jetzt eine Palette unterschiedlicher Zytostatika hätten, dann könnten wir vielleicht den Pathologen fragen, welches das für den individuellen Patienten wirksamste ist. Tatsächlich gibt es zu Taxotere keine wirkliche Alternative.

dieterdo (http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?u=22) versucht es jetzt mit Hovan. Mich würde mal interessieren, ob er Hovan bekommt, weil der Pathologe eine Wirksamkeit vorhergesagt hat. Oder war es vielmehr so, dass man es nun aus der Not geboren mit Hovan versucht, nachdem ADT3 nicht im gewünschten Maße griff?

In meinem Falle funktioniert Hormonblockade erst mal. Das wissen wir ganz ohne Bonkhoff durch PSA-Kontrolle. Die spannende Frage ist, wie lange wird es funktionieren. Hat Bonkhoff darauf eine Antwort? Was würde mir die Antwort bringen?

Einige Urologen (Leibowitz, Eichhorn) experimentieren mit Carboplatin bei PK. Einige Patienten profitieren davon. Die große Mehrheit hat nur die erheblichen Nebenwirkungen. Mich treibt die Frage um, ob ein Pathologe vorhersagen kann, welcher Patient mit hoher Wahrscheinlichkeit von Carboplatin profitiert und welcher nicht.

Beispiel Tumorvakzine: Kann der Pathologe vorhersagen, welcher Patient davon profitiert? Ich weiß es nicht. Andererseits schreibt Urologe fs: (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=1187)„Zwar spricht nur etwa ein Drittel wirklich an auf die Impfung, aber einen echten SCHADEN habe ich bisher nicht gesehen“. Wenn’s so ist, dann kann man’s beim Preis von 1000 € vielleicht auch einfach ausprobieren - oder?

HansiB (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=219) berichtete über das zytologische Gutachten, dass er bei Prof. Dr. Böcking anfertigen ließ. Ich habe mal gefragt, welchen Einfluss dieses Gutachten auf seine Therapie hat und keine wirklich überzeugende Antwort erhalten. Ich frage mich außerdem, ob sich die biologischen Eigenschaften des Tumors unter Therapie nicht verändern. Macht es überhaupt Sinn ein zytologische Gutachten von einer Biopsie anfertigen zu lassen, die 2 Jahre zurück liegt? Hat das noch Aussagekraft?

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch diese Diskussion:
http://www.onmeda.de/foren/forum-prostatakrebs.html?s=r&fid=31&id=2619&thread=2609


Gruß Winfried

RuStra
10.06.2006, 10:07
hallo Winfried,

lass Dich doch nicht von irgendwelchen historisch gewachsenen, aber wissenschaftlich nicht haltbaren Schlachtordnungen einfangen, sondern denk selbst:auch wenn beide Gedanken von Heidenreich intelligent und für sich genommen gut und richtig sind, heisst das für die Frage eines Zweitgutachtens nicht gleichzeitig, dass er Recht hat.

Gedanke 1 über die Irrelevanz eines etwas anderen Gleason Scores durch ein Zweitgutachten mag stimmen (natürlich musste man bei Dir das volle Programm sofort starten), aber bei einem Zweitgutachten kann es durchaus noch mehr Infos geben, die durchaus relevant sein können.

Gedanke 2 (Patho-Infos ändern an der Therapie nichts, sind rausgeschmissenes Geld.) ist nur dann richtig, wenn die Therapie feststeht. Das mag im Kopf von Prof.Heidenreich der Fall sein, die Frage ist, obs bei Dir auch so ist. Bei mir wäre es nicht der Fall. Es gibt weitere mögliche therapeutische Ansätze, und Du suchst ja selbst auch ständig danach, die Heidenreich zunächst mal nicht in petto hat und wo man in Erwägung dieser Möglichkeiten zu Fragestellungen kommen kann, die dann u.a. von Bonkhoff oder ähnlichen die individuelle (Krebs-)Biologie untersuchenden Ärzten beantwortet werden könnten.
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Beiden Gedanken liegt eine Gegenüberstellung vor, die unzureichend ist, wenn es um die Frage geht, könnte ein Zweitgutachten Sinn machen.
Gedanke 1: Bonkhoff sagt statt 4+4 eben 4+5 – das ändert auch nichts. Aber vielleicht würde Bonkhoff nicht nur 4+5 sagen, sondern auch, dass endokrine Anteile vorhanden sind, das würde die Frage nach der Therapie endokrin entarteter PK-Zellen aufwerfen. Chemo, wie gehabt, oder gibt’s da mehr?
Gedanke 2: Wenn die Therapie ohnehin feststeht, wozu weitere Infos? Und auch hier reicht es, den Horizont ein wenig zu erweitern und schon ist diese Frage abgeschmackt: Was ist, wenn die Therapie noch ergänzt werden kann?<o =""></o>


Insofern ist Dein Gedanke 3 -
„Meine persönliche Meinung dazu ist, man formuliere zunächst die Frage, bevor man Antworten zu Sachverhalten bekommt, zu denen man im Nachhinein die Fragestellung nicht findet.“ <o =""></o>
zwar nützlich, aber in dieser Gegenüberstellung auch wieder einseitig: Auch Antworten, zu denen man die konkrete Frage im Moment gar nicht kennt, können hilfreich sein. Hauptsache, man behält sie im Hinterkopf und kann sie zumindest einem grösseren Bereich zuordnen. Beispiel Immunsystem: Wenn Du selbst die Frage der Nützlichkeit von Tumorvakzinen recherchierst, so könnte Dir ein von irgendjemand gemachter Tipp, dass dieses oder jenes ebenfalls eine nützliche Immunstimulanz bewirkt zum Zwecke der Tumorbekämpfung (ob nun über Super-Aktivierung von NK-Zellen, über Unterdrückung des PGE2-Signals auf die Stammzellen und dadurch die schiere Erhöhung der NK-Zell-Produktion usw.), weiterhelfen, wenn Du diesen Tipp in den Bereich „Immunstärkung beim Kampf gg. meinen PK“ packst und anfängst die Fragen herauszufinden, die zu dieser gegebenen Antwort passen.<o =""></o>
<o ="">

</o> Allgemeiner ausgedrückt: Es ist stinklangweilig, Fragestellungen zu verfolgen, die aus einer falschen Gegenüberstellung resultieren. Niemand bestreitet den Wert genauerer Informationen über die Biologie unseres Krebses, auch unsere Urologen zunehmend weniger (s. die Debatte über die AUA-Diskussion). Ob dieser Wert aus dem akademischen Nirwana in die hautnahe Therapie-Praxis an meinem eigenen Körper umgesetzt wird, liegt an dem Komplexitätsgrad, mit dem der jeweils alle Infos integrierende Arzt / Betroffene vorgeht. Dieser ist begrenzt, aber nicht nur auf Seite des Patienten. Das zu übersehen und vorzutäuschen, alles sei klar, ist unwissenschaftlich und für unseren PK-Kampf kontraproduktiv. <o =""></o>
<o =""></o>
Grüsse,<o =""></o>
Rudolf
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<!--[endif]--><o =""></o>

Bernhard A.
10.06.2006, 16:54
Hollo Winfried !

Hier ein Zitat aus Deinem obigen Schreiben:



(http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?u=22)
d (http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?u=22)ieterdo wählte mit zweifelhaftem Erfolg HDR-Brachy plus EBRT als primäre Therapie. (http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?u=22)
(http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?u=22)
Ist alles was Du ins Forum schreibst so oberflächig recherchiert ?
Mit solchen Informationen kannst Du keinem Ratsuchenden hier im Forum helfen !!!

Er hatte äußere Bestrahlung und Seeds.(Spicker wie Er es nannte)
Das ist ein gewaltiger Unterschied. Hier liegt ein großer Behandlungsfehler vor.

Er hätte DHB, Äußere Bestrahlung und HDR-Brachy haben müssen !!!!


Ich bin davon überzeugt, daß Er dann heute weniger Probleme hätte.

Gruß
Bernhard A.

Carola-Elke
10.06.2006, 19:19
Einige Urologen (Leibowitz, Eichhorn) experimentieren mit Carboplatin bei PK. Einige Patienten profitieren davon. Die große Mehrheit hat nur die erheblichen Nebenwirkungen.
Mich treibt die Frage um, ob ein Pathologe vorhersagen kann, welcher Patient mit hoher Wahrscheinlichkeit von Carboplatin profitiert und welcher nicht.

Gruß Winfried

Hallo Winfried,

auf diese Frage kann man eine Antwort aus dem path. Gutachten des verstorbenen Wil de Jongh von Prof. Bonkhoff finden:
http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/Wil%20de%20Jongh_%20Gutachten.pdf

Hierin heißt es u.a.:

" 2) NE-Differenzierung mit kleinzelliger Histologie (Wils Fall)

Diese seltene Sache entwickelt sich gewöhnlich nach mehreren Jahren Androgenentzug aus normalem Prostatakrebs und ist durch eine sehr aggressive Erkrankung ohne begleitenden Anstieg des Serum-PSAs charakterisiert.

Obwohl ich mehrere Fälle gesehen habe, habe ich wenig wissenschaftliche Erfahrung mit diesen seltenen Tumoren.
Ein Prostatakrebs mit einer kleinzelligen Histologie ist mit Bestimmtheit androgenunempfindlich.
Seine hohe Zellteilungsaktivität macht ihn zum Ziel einer Chemotherapie auf der Basis von Cisplatin.
Leider ist die Prognose schlecht.
Wil de Jonghs Geschichte unterstreicht die Bedeutung von neuroendokrinen Serumsmarkern bei der Verlaufskontrolle von Prostatakrebspatienten, die sich unter Androgenentzug befinden.
Das Verfolgen der Chr-A- und NSE-Spiegel im Serum könnte dazu beitragen, Frühstadien dieser möglicherweise aggressiven Erkrankung zu erkennen."

Falls du den Fall aus 2004 noch nicht kennen solltest, kannst du hier noch etwas mehr über Wils überraschenden Tod finden, der viele seiner damaligen Mitstreiter und Freunde tief bewegt hat.

http://www.promann-hamburg.de/Wil/DocStrumDocBonkhoff.doc

Wie wir seit dem Erfahrungsaustausch von Experten im Rahmen der AUA 2006 wissen, scheint sich auf theoretischem Gebiet einiges Neues zu entwickeln.
Wie meistens in der Forschung üblich, hinkt die darauf zugeschnittene Therapie hinterher.
Daran kann auch unser theoretisches Wissen derzeit wenig ändern.
Positive Ansätze sind weltweit erkennbar.
Pathologen haben zur Entschlüsselung mancher Rätsel, die mit der ungehemmten, unkontrollierten Zellteilung zu tun haben, bisher sehr viel beigetragen.

Kennst du diese Info? http://www.prostatakrebs-selbsthilfe.net/Chemotherapie.pdf
Darin steht, der Arzt sollte die Chemosensibilität vor einer Behandlung austesten -
Die große Frage, die uns bewegt, lautet aber nach wie vor:
Wie wäre das zu realisieren?

Zur Frage, warum nun in der Behandlungspraxis ausgerechnet "Docetaxel" den "Platinkomplexen" vorgezogen wird, kann ich nichts sagen - eine Meinung aus ärztlicher Sicht wäre interessant zu hören.
U.U. ist das schwerwiegendere Nebenwirkungsprofil von "Cisplatin" und vom etwas milderen "Carboplatin" daran schuld, warum es bei der PK-Therapie keine bis wenig Verwendung findet? Carboplatin, die mildere Form des Cisplatin, verhindert den Wachstums- und Teilungsprozess des Tumors und leider auch gleichzeitig den von gesunden Zellen, was zu starken Nebenwirkungen führt.
Für Docetaxel wird aber ein ähnliches Prinzip beschrieben.

Verschiedene Zytostatika-Profilbeschreibungen:
http://www.kraftgegenkrebs.de/gldisplay.jhtml?key=5-FU

Infos zu "Carboplatin" und "Cisplatin":
http://www.brustkrebs-info.de/patienten-info/index.php?datei=patienten-info/brustkrebs-therapie/chemo-platinkomplexe.htm

Vinorelbin ("Navelbine") ist in einigen Ländern zur Behandlung des metastasierenden PK zugelassen - hat jemand hierüber nähere Informationen - außer diesen? : http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/Chemotherapie.PDF
http://de.wikipedia.org/wiki/Vinorelbin

Studienprotokoll-Beispiel:
http://www.auo-online.de/pdf/P_AP3703_2.PDF

Der Trend geht dahin, das fortgeschrittene Prostatakarzinom nicht nur mit Chemotherapie alleine zu behandeln.

Molekulare Therapieansätze:
Beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom spricht z.B. Prof. Heidenreich -
hier nachzulesen http://www.kup.at/kup/pdf/5551.pdf -
"von einem neueren erfolgsversprechenden Therapiekonzept, das zusammen mit einer Chemotherpie den Einsatz von monoklonaler Antikörper (MAB) sowie von Signaltransduktionsinhibitoren (STI) eine interessante Therapieoption darstellt.
Die Ergebnisse der ersten Studien mit einem PSA-Ansprechen zwischen 0–18 % sind bisher enttäuschend. Einen Grund dafür kann jedoch der unselektionierte Einsatz der Substanzen ohne vorherige Expressionsanalyse der Rezeptoren darstellen.
Wie auch beim Mamma- und Bronchial-Ca erscheint es sinnvoll, die Expression der Rezeptoren sowie das Vorhandensein bestimmter Rezeptor- Mutationen vor Einleitung der Therapie zu untersuchen.
Hierdurch ließe sich ein individueller, tumorspezifischer Therapieansatz für jeden Patienten unter der Vorstellung erstellen, die Aussicht auf ein Ansprechendes Tumors zu erhöhen.

Derartige Therapieansätze werden an unserer Institution initiiert, indem Biopsien aus Metastasen oder der in situ verbliebenen Prostata immunhistochemisch und molekular auf die Expression von c-Kit, PDGFR, EGFR, VEGF und Her-2/neu analysiert werden.

Abhängig vom Expressionsmuster wird eine niedrig-dosierte Docetaxel-Therapie in Kombination mit einem STI eingeleitet."


Festhalten sollte man:


- Zum Zeitpunkt der Diagnose kann man das persönliche Risikoprofil ungefähr vorherbestimmen lassen - diese Möglichkeit trägt zur Entscheidungsfindung über eine sinnvolle Therapie zumindest bei - absolute Sicherheit kannst du im Leben nicht erwarten, du kannst das Risiko aber relativieren.
- Zusätzlich erscheint es aus den bisherigen Beobachtungen heraus empfehlenswert, während einer langfristigen ADT eine sich oftmals entwickelnde Androgenresistenz einzukalkulieren, und durch zusätzliche diagnostische Abklärungen mithilfe verscheidener Marker, die in der Zwischenzeit wiederholt stattfinden sollten, den richtigen Zeitpunkt zum Reagieren frühzeitiger zu erkennen - neben der Beobachtung der PSA-Velosity oder der PSADT.


Viele Grüsse,

Carola-Elke

Jörg (O)
11.06.2006, 13:54
Hallo Carola-Elke,

kürzlich habe ich von der Markteinführung des
"Extreme Drug Resistance (EDR)-Tests" erfahren.
Unter
www.therapyselect.de (http://www.therapyselect.de)

kann man die entsprechenden Informationen erhalten.

Mehr weiss ich darüber auch nicht.

Gruß Jörg (O)

HansiB
11.06.2006, 17:00
...HansiB (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=219) berichtete über das zytologische Gutachten, dass er bei Prof. Dr. Böcking anfertigen ließ. Ich habe mal gefragt, welchen Einfluss dieses Gutachten auf seine Therapie hat und keine wirklich überzeugende Antwort erhalten. Ich frage mich außerdem, ob sich die biologischen Eigenschaften des Tumors unter Therapie nicht verändern. Macht es überhaupt Sinn ein zytologische Gutachten von einer Biopsie anfertigen zu lassen, die 2 Jahre zurück liegt? Hat das noch Aussagekraft?

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch diese Diskussion:
http://www.onmeda.de/foren/forum-prostatakrebs.html?s=r&fid=31&id=2619&thread=2609
... Hallo Winfried,

ich finde es nicht gut, dass Du nur Deine Sicht bringst, ohne die Informationen des Befragten. Ich hatte ja beantwortet, was mir das Gutachten, meines Erachtens nach, gebracht hat, siehe auch http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?t=94&page=2&highlight=zytologisches+gutachten
oder http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?t=152&page=2
Wenn ich demnächst mit einer neuen Feinnadelbiopsie ein neues Gutachten erstellen lasse, werde ich sehen, was sich geändert hat.

WinfriedW
11.06.2006, 21:51
Hollo Winfried !

Hier ein Zitat aus Deinem obigen Schreiben:


Ist alles was Du ins Forum schreibst so oberflächig recherchiert ?
Mit solchen Informationen kannst Du keinem Ratsuchenden hier im Forum helfen !!!

Er hatte äußere Bestrahlung und Seeds.(Spicker wie Er es nannte)
Das ist ein gewaltiger Unterschied. Hier liegt ein großer Behandlungsfehler vor.

Er hätte DHB, Äußere Bestrahlung und HDR-Brachy haben müssen !!!!


Ich bin davon überzeugt, daß Er dann heute weniger Probleme hätte.

Gruß
Bernhard A.


Sorry, so steht's in seiner PK-Historie: EBRT + 2 HDR-Brachy

WW

WinfriedW
11.06.2006, 22:15
...
Chemo, wie gehabt, oder gibt’s da mehr?
...

Was könnte das deiner Meinung nach sein?



...
Was ist, wenn die Therapie noch ergänzt werden kann?
...<O =""></O>

Ergänzt, womit?



...
Niemand bestreitet den Wert genauerer Informationen über die Biologie unseres Krebses, auch unsere Urologen zunehmend weniger (s. die Debatte über die AUA-Diskussion).
...

Das habe ich schon zur Kenntnis genommen. Aus der AUA-Diskussion habe ich vor allen Dingen herausgehört, das man auf diesem Gebiet forschen, forschen und noch mal forschen muss. Die Frage ist also: was ist heute wirklich gesicherte Erkenntnis und was ist eher im Spekulativen?

Ich habe im anderen Thread die Frage schon einmal aufgeworfen und keine Antwort erhalten. Gibt es bzgl. den Empfehlungen und Vorhersagen von Bonkhoff oder andern Pathologen Studien, die die Treffsicherheit belegen?

WW<O =""></O>

Carola-Elke
11.06.2006, 22:56
Ich habe im anderen Thread die Frage schon einmal aufgeworfen und keine Antwort erhalten. Gibt es bzgl. den Empfehlungen und Vorhersagen von Bonkhoff oder andern Pathologen Studien, die die Treffsicherheit belegen?

WW<O =""></O>

Auf diese originelle Frage erwartest du hoffentlich keine ernstzunehmende Antwort - gerade aus deiner Situation heraus sollte sich dir die seriöse Frage stellen:

"Welche erfolgreichen Studien existieren bisher über die "experimentelle" Therapie, der ich mich bisher unterziehe. Welche stichhaltigen Daten haben mir meine Urologen oder Onkologen zu ihrem Konzept anzubieten?"

Ich nehme an, die Ausbeute dürfte mager sein.
Sorry Winfried, aber das ist schon eine Verhöhnung der Pathologen und eine Glorifizierung deiner Urologen, die dir genau das verkaufen, was du am liebsten hörst.
Auf dieser Basis kannst du keine vernünftige Diskussion führen. Dazu bietet sich deinerseits keine ausreichend zur Verfügung stehende Datenlage an, anhand derer du dein Vorgehen anderen Mitstreitern reinen Gewissens weiterempfehlen könntest.

Grüsse,

Carola-Elke

WinfriedW
11.06.2006, 22:57

Diese seltene Sache entwickelt sich gewöhnlich nach mehreren Jahren Androgenentzug aus normalem Prostatakrebs und ist durch eine sehr aggressive Erkrankung ohne begleitenden Anstieg des Serum-PSAs charakterisiert. Obwohl ich mehrere Fälle gesehen habe, habe ich wenig wissenschaftliche Erfahrung mit diesen seltenen Tumoren.

Ein Prostatakrebs mit einer kleinzelligen Histologie ist mit Bestimmtheit androgenunempfindlich.
Seine hohe Zellteilungsaktivität macht ihn zum Ziel einer Chemotherapie auf der Basis von Cisplatin.

Leider ist die Prognose schlecht.


Diese Erkenntnisse hatte Bonkhoff allerdings nach dem Ableben von Wil de Jongh, vermutlich anhand von Präparaten, die bei der Autopsie angefallen sind. Bonkhoff bestätigt damit auch indirekt, dass sich die biologischen Eigenschaften des Karzinoms im Verlauf der Therapie verändern. Bonkhoffs Befunde meiner Biopsien wären heute, nach antiandrogener Therape und nach Chemo vermutlich wertlos, oder?

Kann ich nach RPE und Bestrahlung davon ausgehen, dass die verbliebenen Metastasen die gleichen biologischen Eigenschaften haben, wie der entnommene Muttertumor?

Ich habe den von dir zitierten Artikel von Heidenreich noch nicht gelesen. Ich werde es morgen nachholen. Allerdings stellt sich auch hier wieder die Frage: Was ist im Bereich der Forschung angesiedelt und was ist bereits klinischer Alltag?

Beim Thema Carboplatin, würde mich z.B. interessieren, ob dieterdo dieses mit seinem neuen Therapieberater diskutiert hat und was ggf. der Tenor Diskussion war.

WW

WinfriedW
11.06.2006, 23:06
...
Dazu bietet sich deinerseits keine ausreichend zur Verfügung stehende Datenlage an, anhand derer du dein Vorgehen anderen Mitstreitern reinen Gewissens weiterempfehlen könntest.
...


Oh, Carola-Elke, ich habe nirgends wo und niemandem mein Vorgehen weiterempfohlen! Auf diese Feststellung lege ich großen Wert!

Andererseits ist es natürlich schon so, dass ich sehr auf die Studienlage achte. Es gibt Studien zu Taxotere, zu Zometa, zu adjuvanter Radatio. Heidenreich bezieht sich auf reprospektive Betrachtungen. Was ich überhaupt gar nicht tue ist, dass ich mich Therapien ohne Wirkungsnachweis unterziehe.

Gibt's zu Bonkhoffs Empfehlungen einen unabhängigen Wirkungsnachweis? Ich frage das ganz ernsthaft!

WW

Carola-Elke
11.06.2006, 23:18
Bonkhoff bestätigt damit auch indirekt, dass sich die biologischen Eigenschaften des Karzinoms im Verlauf der Therapie verändern. Bonkhoffs Befunde meiner Biopsien wären heute, nach antiandrogener Therape und nach Chemo vermutlich wertlos, oder?


Dass sich die biologischen Eigenschaften verändern, wird heute kaum noch jemand bestreiten. Diese Theorien existieren seit Jahren.
Ein Faktor dürfte die Androgenresistenz der Rezeptoren sein, die allerdings bei manchen sehr hohen Ausgangsgleasons auch schon von Anfang an zu finden sind - eine Biopsie daraufhin untersuchen zu lassen, dürfte kein Fehler sein, wenn eine Androgentherapieentscheidung davon abhängt.

Hierzu noch einmal dieses: http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?t=207

"e) Schließlich postulierte Isaacs (1999) eine mögliche fünfte Theorie, bei der eine Subpopulation androgenunabhängiger Zellen bereits vor der Therapie vorhanden sein soll.
Das Prostataepithel entwickelt sich aus einer Stammzellpopulation, die sich permanent unter dem Einfluss von Wachstumsfaktoren, unabhängig von Androgenen teilt und aus der sich die Basalzellen bilden (Bonkhoff und Remberger, 1996).
Durch eine Antiandrogentherapie würden also alle androgenabhängigen Zellen entfernt, nur die Stammzellen bleiben übrig und würden weiter proliferieren.""<!-- / message --><!-- edit note -->

Dieses Phänomen bestätigt sich während der ADT-Langzeitbehandlung leider immer wieder. Ohne diese Zell-Veränderungen hätten manche Betroffene hier im Forum bedeutend weniger Sorgen.



Kann ich nach RPE und Bestrahlung davon ausgehen, dass die verbliebenen Metastasen die gleichen biologischen Eigenschaften haben, wie der entnommene Muttertumor?


Das wüsste ich ebenfalls gerne genauer - auf diese Frage finde ich keine eindeutige Antwort.
Ich tendiere eher dazu dies zu verneinen, wenn ich von manchen einschlägigen Beobachtungen ausgehe.
Ich könnte mir vorstellen, dass von Natur aus z.B. eine Metastase, die im Gewebe der Leber, der Lunge oder dem Gehirn heranwächst, über eigene zusätzliche molekularbiologische Eigenschaften verfügt als die Knochenmetastase eines Brustkrebstumors, z.B..
Der Ort, wo sich die Metastase ansiedelt, spielt auch eine Rolle dabei, welche molekular-genetischen Eigenschaften sich durchsetzen, um das Gewebe zum entarteten Wachstum anzuregen.

Grüsse,

Carola-Elke

dieterdo
11.06.2006, 23:18
Hallo,

um die Missverständnisse bei der Terminologie zu beseitigen, hier die Beschreibung meiner Strahlentherapie:


Die externe Strahlentherapie kombiniert mit HDR-Brachytherapie
Diese kombinierte Behandlung (SHBT) wurde 1986 im Universitätsklinikum Kiel in die klinische Routine eingeführt. Das Therapieprinzip wurde gemeinsam und fachübergreifend von Strahlentherapeuten und Urologen entwickelt und wird seit 16 Jahren weltweit immer häufiger angewendet.
Die Therapie beginnt mit externer Strahlentherapie (ST), deren Grundlage für die Planung eine Computertomographie (CT) des Beckens ist. Dabei – sowie während der Behandlung - wird die interne Beweglichkeit der Prostata mit Hilfe eines für die Zeit der Bestrahlung im Enddarm eingeführten Ballons vermindert. Die Planung erfolgt dreidimensional unter Einbeziehung der Prostata, der Samenblasen und der Lymphknoten im kleinen Becken. Die ST des Beckens wird in täglichen Teilmengen von 2 Gy bis zu einer Gesamtmenge von 50 Gy (also 25 Teilen) an jedem Arbeitstag durchgeführt. Im Bereich der Prostata, entsprechend der individuellen Verteilung der HDR-Brachy-Therapie (HBT), wird mit Hilfe von Kompensatoren (=individuelle Abschirmung) mit einer Dosis von 40 Gy bestrahlt. Die Bestrahlung der Lymphabflusswege ist wichtig, da sie nach einer amerikanischen Studie einen Überlebensvorteil von 12% im Vergleich zur alleinigen Prostata-Bestrahlung bringt.

Die HBT wird nach 20 Gy und nach 40 Gy ST-Dosis auf der Grundlage einer transrektalen Ultraschalluntersuchung (TRUS) der Prostata geplant. Dabei wird die gesamte Drüse in lückenlosen 5mm Schichten abgebildet. Eine computerunterstützte 3D (=dreidimensionale) Bestrahlungsplanung wird vorgenommen. Hierbei werden die Anzahl und die Lage der einzupflanzenden Hohl-Nadeln in der Prostata bestimmt. Ferner werden die Halte-Positionen und die jeweilige Verweildauer der zu benutzenden, computergesteuert schrittbewegten Iridium-192-Quelle berechnet. Somit ist im Zielgebiet ebenfalls eine sehr genaue dreidimensionale Strahlen-Mengenverteilung möglich. Die HBT wird in zwei 15 Gy Teil-Mengen, integriert in der ST-Serie mit TRUS-Unterstützung und TRUS-Kontrolle durchgeführt. Zielgebiet der 15 Gy Teilmenge ist die sog. periphere Zone am Rand der Prostata, wo sich etwa 75% aller Tumore befinden. Bei TRUS sichtbaren tumorbefallenen Gebieten sind diese stets in das Zielgebiet der HBT eingeschlossen. Die Einpflanzung der Hohl-Nadeln erfolgt in Steinschnittlage transperineal (d.h. durch den Damm). Die Spickung durch den Damm wird in der Mehrheit der großen Zentren (Aachen, Berlin, Detroit, Göteborg, Kiel, Northwood Middlesex, Seattle, Wien) durchgeführt und hat sich sehr bewährt.
Die verabreichte Gesamtdosis (ST + HBT) beträgt rechnerisch 70 Gy. Die biologische Wirksamkeit dieser Strahlungsmenge ist jedoch im Vergleich zu einer alleinigen Strahlentherapie von außen durch die Haut aufgrund unterschiedlicher Wirksamkeiten der unterschiedlichen Bestrahlungsarten deutlich höher, bei mindestens 120-130 Gy, anzusetzen. Dabei spielt die hohe Menge pro Zeiteinheit der HBT eine wesentliche Rolle. Die Gesamtbehandlungszeit beträgt etwa 6 Wochen.
Die erfassten Langzeitdaten weisen darauf hin, dass die kombinierte externe Strahlen-Therapie mit der HDR-Brachy-Therapie exzellente Ergebnisse sowohl beim Niedrigrisiko- besonders aber beim Hochrisiko-Prostatakrebs liefert. Erhebliche Spätnebenwirkungen sind sehr selten und treten in 2 bis 4 % aller Anwendungsfälle auf.



Sorry, aber es ging nicht als Link.


Viele Grüße aus Siegen
dieter

Carola-Elke
11.06.2006, 23:36
Oh, Carola-Elke, ich habe nirgends wo und niemandem mein Vorgehen weiterempfohlen! Auf diese Feststellung lege ich großen Wert!

Andererseits ist es natürlich schon so, dass ich sehr auf die Studienlage achte. Es gibt Studien zu Taxotere, zu Zometa, zu adjuvanter Radatio. Heidenreich bezieht sich auf reprospektive Betrachtungen. Was ich überhaupt gar nicht tue ist, dass ich mich Therapien ohne Wirkungsnachweis unterziehe.

WW

Lieber Winfried,

dann bin ich ja beruhigt.

Du weißt, dass ich dir den bestmöglichen Erfolg nur wünsche! Auch ohne Studienlage zu der insgesamt zu betrachtenden Aneinanderreihung deiner durch einzelne Studien zu einzelnen Therapien gewählten Gesamtstrategie!

Grüsse,

Carola-Elke

Carola-Elke
12.06.2006, 00:02
Hallo Jörg,

das ist ein sehr interessanter Link - vielleicht könntest du im Laufe der Zeit doch einige praktische Erfahrungswerte zusammentragen, wenn du von anderen Mitstreitern darüber etwas hörst.

Viele Grüsse,

Carola-Elke

Urologe
12.06.2006, 08:36
Hallo WW,

Platinhaltige Chemotherapie (egal ob Satraplatin, Carboplatin, Cisplatin) würde man bevorzugt dann machen, wenn in der Histologie neuroendokrine Anteile nachgewiesen werden. Bei anderen Tumorentitäten erscheint Platin nicht so wirksam zu sein.

Gruss
fs

P.S: Der Beitrag ist ohne mein Zutun im falschem Thread gelandet

WinfriedW
12.06.2006, 11:34
Platinhaltige Chemotherapie (egal ob Satraplatin, Carboplatin, Cisplatin) würde man bevorzugt dann machen, wenn in der Histologie neuroendokrine Anteile nachgewiesen werden. Bei anderen Tumorentitäten erscheint Platin nicht so wirksam zu sein.

Dann muss ich gleich weiter fragen:

Die Frage Carboplatin ( od. Satraplatin, Cisplatin) treibt mich schon länger um, und zwar insbesondere augrund der Hinweise aus diesem Forum. Bei den mich beratenden Ärzten ist das kein Thema.

Es war für mich schon schwierig, Taxotere durchzusetzen, weil die verbreitete Meinung ist, man solle solche „experimentellen“ Therapien, wenn überhaupt, nur Rahmen von Studien durchführen. Carboplatin wäre noch experimenteller als Taxotere.

Bei Taxotere hatte Heidenreich mal 4-6 Zyklen vorgeschlagen. Ich habe jetzt 3 Zyklen bekommen. Meine Ärzte wollen z. Zt. mit Blick auf mein niedriges PSA keine weitern Zyklen geben. Mein PSA war vor 7 Wo. bei 0,06 ng/ml und vor 3 Wo. bei 0,09 ng/ml, allerdings verschiedene Labors. Diese Woche wird’s einen neuen Wert geben, allerdings während laufender Radatio.

Unabhängig vom jetzt sehr niedrigen PSA bin ich davon überzeugt, dass ich irgendwann in möglicherweise nicht zu ferner Zukunft mein Waterloo erleben werde und es einigen Mitstreitern in diesem Forum schwer fallen dürfte ihre Freude darüber zu verbergen. Das wird dann vermutlich der späteste denkbare Zeitpunkt sein, zu dem ich mich hier zurückziehe.

Meine Frage ist nun: Macht es bei diesem niedrigen PSA Sinn über Carboplatin oder andere platinhaltige Chemotherapie nachzudenken? Oder ist der potentielle Schaden größer als der mögliche Nutzen? Wenn ja, wie könnte eine Therapiekontrolle aussehen? Gleiches gilt prinzipiell auch für Taxotere. Wenn man jetzt Taxotere machen würde, wie ließe sich beurteilen, ob die Therapie noch irgendeinen Effekt hat. Sehr viel weiter kann PSA nicht fallen. Jedenfalls käme man irgendwie in die Rauschbreite der Messverfahren.

WW

Urologe
12.06.2006, 13:45
Hallo Herr Wacker,

hier gehen die Meinungen doch sehr auseinander. Ich persönlich würde mir bei Ihrem Ausgangsbefund durchaus überlegen, die Chemotherapie fortzusetzen, bis eine "Null-PSA" mit einem PSA-Test der dritten Generation erreicht ist.

Ich glaube (Wissen gibt es darüber noch nicht wirklich), dass Sie damit die längstmögliche rezidivfreie Zeit "herausholen" könnten. Haben Sie eine neuroendokrine Differenzierung? sonst sollte Tax. reichen. Die Kombi macht auch ganz erheblich mehr Nebenwirkungen (Blutbild/Übelkeit etc)

Gruss
fs

Bernhard A.
12.06.2006, 21:46
Hallo Winfried !
<?XML:NAMESPACE PREFIX = O /><O:p></O:p>
Bezug : Bericht von dieterdo über seine Bestrahlung.(HDR-Brachy)<O:p></O:p>
<O:p></O:p>
Habe mich im alten Forum mit einer Schweizerin, Andrea oder so ähnlich, per E-Mai unterhalten. Ihr Mann hatte auch „Spickungen“ bekommen. In Ihrem Fall waren es auf jeden Fall Seeds. Habe nicht geahnt, dass der Ausdruck „Spickungen“ auch für HDR-Brachy benutzt wird.<O:p></O:p>
<O:p></O:p>


Zitat von dieterdo<O:p></O:p>
Hallo…...
hab eine Strahlentherapie mit (man nennt das hier Spickung) im Marienhospital in Siegen gemacht, PSA 18,4 GS 5+4. Nach 25 Bestrahlungen und 2 Spickungen von Mai bis Juli 2005.<O:p></O:p>
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Mein Zitat<O:p></O:p>
Ist alles was Du ins Forum schreibst so oberflächig recherchiert ?
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Somit entschuldige ich mich bei Dir für meine vorschnelle Reaktion.
<O:p></O:p>
Gruß
Bernhard A.

WinfriedW
12.06.2006, 22:06
...
Somit entschuldige ich mich bei Dir für meine vorschnelle Reaktion.
...
<O:p


Bitteschön, wg. solcher Kleinigkeiten fühle ich mich weder gekränkt noch auf den Schlips getreten - Irren ist menschlich.

WW

WinfriedW
12.06.2006, 22:25
...
Haben Sie eine neuroendokrine Differenzierung?
...


Bisher wurde mir keine neuroendokrine Differenzierung bescheinigt, zumindest kann ich das aus den mir vorliegenden pathologischen Befunden nicht herauslesen.

Stanzbiopsie vom Juli 2005: Prostatastanzen mit ausgedehnten Infiltraten eines schlecht differenzierten, teils kribriform, kleinherdig auch diffus wachsenden Adenokarzinoms (Gleason Score 4+4=8)

Nach 8 Monaten DHB, Zometa u. 3 Zyklen Taxotere: Prostateektomiepräp. mit ausgedehnten Infiltraten eines schlecht differenzierten Prostatakarzinoms (Gleason Score 4+4=8) in beiden Prostatalappen, teils klibriform, teils diffus wachsend, vielfach auch mit klarem Zytoplasma der Tumorzellen. Zeichen der Lymphangiosis carcinomatosa mit perineuraler Karzinominfiltration. Keine Hämangiosis carcinomatosa. Übrige Prostata mit nodulärer Prostatahyperplasie und mäßiger chronischer, unspizifischer Prostatitis. Samenblasen bds. karzinominfiltriert. Schnittränder re. und li. Ductus deferens tumorfrei.

Klar ist, dass sich das Gewebe unter der Therapie verändert. Kann der Pathologe nach 8 Monaten DHB u. 3 Zyklen Taxotere das Präparat noch sicher beurteilen?

Wie gesagt, nach meinem Verständnis kann ich aus diesen Befunden keine neuroendokrine Differenzierung herauslesen. Ist diese Frage damit einigermaßen sicher beantwortet?

Tumoren mit neuroendokriner Differenzierung entwickeln sich u. U. unter antiandrogener Therapie. Wenn man sie nicht von vorneherein hat, dann kann man sie vielleicht noch bekommen?

Mit Blick auf Carboplatin (od. Satraplatin, Cisplatin) wäre die Frage neuroendokrine Differenzierung, ja od. nein, vielleicht eine, die man dem, oder einem anderen Pathologen noch stellen sollte?

Angenommen, ich würde eine DNA-Zytometrie erstellen lassen, würde damit diese Frage sicher beantwortet werden?

Gruß WW

Carola-Elke
13.06.2006, 00:22
Hallo fs,

mich irritierten in diesem Zusammenhang die Therapieoptionen, die Prof. Bonkhoff auf seiner Seite für den neuroendokrinen Zelltyp aufzählt.
http://www.prostapath.org/deutsch/d-ef-NeDifferenzierung.html (http://www.prostapath.org/deutsch/d-ef-NeDifferenzierung.html)#

Neuroendokrine Differenzierung

Therapeutische Optionen


Intermittierende Androgenblockade
Somatostatin - Analoga
Blockierung des VEGF-R
(Bevacizumab, Avastin ®)Muss es denn gleich eine Chemotherapie mit Platinen bedeuten, wenn die Histologie für eine Neuroend. Entartung spricht?

Viele Grüsse,

Carola-Elke

Urologe
13.06.2006, 01:59
Hallo,

@WW

Die DNA-Zytometrie kann KEINE Aussage über neuroendokrine Differenzierung machen, das schafft nur die Immunhistochemie mit CGA-Markierung.

Ihre Histologie wurde nicht auf NE-Zellen untersucht - kribiforme Anteile haben aber potentiell die Veranlagung zu NE zu werden.

Ohne entsprechende Histo erkennt man die zunehmende NE-Differenzierung am Anstieg der CGA, (NSE, CEA)


@Carola-Elke

die von Prof. Bonkhoff vorgeschlagenen theoretischen Therapieansätze sind prinzipiell richtig, aber alle praktisch erst Gegenstand von Forschung und Studien - keine zugelassenen Protokolle.

Der Therapieansatz von NE-Zellen mit Platin beruht auf Erfahrungen mit anderen NE-Tumoren, besonders des kleinzelligen Bronchialkarzinomes oder des GEP NE (gastrointestinaler TU - hier wird auch z.B: Somatostatin eingesetzt). Beste Wirksamkeit im Versuch bei diesen Tumoren zeigen Doxorubicin, Irinotecan und Cisplatin besser als Carboplatin.

Wirkliche Studien zur Behandlung des NE-PCA sind mir nicht bekannt.

Gruss
fs

WinfriedW
13.06.2006, 08:26
..., das schafft nur die Immunhistochemie mit CGA-Markierung.
...


Aha, wieder etwas gelernt. Was müsste man zu diesem Behufe bei wem veranlassen?

Danke, fs

Gruß Winfried

Urologe
13.06.2006, 08:31
Hallo WW,

man braucht Gewebe (z.B. von Ihrer RPE). Und dann zu dem von Ihnen nicht so ganz geschätzten Herrn Bonkhoff mit der Fragestellung senden lassen.

Gruss
fs

WinfriedW
13.06.2006, 08:45
... von Ihnen nicht so ganz geschätzten Herrn Bonkhoff ....
fs
Dem würde ich jetzt so widersprechen wollen. Ich sage nur, man muss erst mal die Frage formulieren bevor man Antworten bekommt zu Sachverhalten, zu denen man im Nachhinein die Fragestellung nicht findet.

Die hier zu klärende Frage war doch, könnte ich von Carboplatin (Doxorubicin, Irinotecan, Cisplatin) profitieren oder eher nicht. Wenn Bonkhoff darauf eine Antwort weiß, dann ist das doch ein Wort.

Danke WW

WinfriedW
13.06.2006, 11:04
Zu Satraplatin und Carboplatin habe ich schon mal den Dr. Kahmann vom Onmeda-Forum befragt. Wirklich berauschend war die Antwort nicht:

http://www.onmeda.de/foren/forum-prostatakrebs.html?s=r&fid=31&id=2834&thread=2833

Hallo Winfried,
es gab in der Tat zwei Poser-Präsentationen über satraplatin. Eine sog. Phase 1 Studie, die Aufschluss geben soll über den Effekt und die Sicherheit eines Medikamentes wurde aufgezeigt. weiterhin gibt es wohl eine grosse Phase 3 Studie Placebokontrolliert, über diese wurde jedoch hier nicht berichtet, da es noch keine Ergebnisse gibt. Die Phase 1 Studie berichtete über lediglich 17 Patienten, die satraplatin gut tolerierten, lediglich 7 dieser Patienten hatten eine PCA, die anderen hatten z.B. Brust-Ca (insgesamt waren 8 Frauen in der Studie). Von den 7 Patienten mit PCA hatte 1 einen leichten PSA Rückgang und ein Patient hatte ein sog. stable disease. Die weiteren 5 hatten leider PSA Anstiege und zeigten kein Ansprechen auf die Gabe von Satraplantin. Es bleiben somit weitere Studien ab zu warten, ob sich ein besserer Erfolg noch einstellt. Eine weitere Studie zeigte an Zellkulturen einen synergistischen Effekt von satraplatin mit Taxanen. Hier siind jedoch noch klinische Studien abzuwarten. Es gab auch eine Untersuchung zu Carboplatin in der 27 Patienten bei Progress nach Hormontherapie Carboplatin bekamen. 8 Patienten zeigten ein Ansprechen des PSA wertes über einen Zeitraum von durchschnittlich 3 Monaten. Die Patienten tolerierten die Gabe von Carboplatin gut. Es konnte ein Überlebensvorteil von 8 Monaten gezeigt werden für die 8 Patienten, die auf die Therapie ansprachen.

Die Studienlage in Deutschland ist sehr schlecht, da sich anders als in den USA nur sehr wenige Patienten in Studien randomisieren lassen wollen. Hier möchten die Patienten keine "Versuchskaninchen" sein wohingegen die Patienten in den USA die Möglichkeit sehen modernste Medikamente ausprobieren zu können. Über die Aktuelle Studienlage in Deutschland bez. PCA kann am Besten die AUO die Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie Auskunft geben. Ich werde versuchen, die Tel. zu finden und sie dann hier einstellen.


Bei der von ihm erwähnten Untersuchung handelt es sich um Patienten bei Progress nach Hormontherapie. Da komme ich erst noch hin. 8 von 27 Patienten zeigten ein Ansprechen des PSA-Wertes über einen Zeitraum von durchschnittlich 3 Monaten. Für diese 8 konnte ein Überlebensvorteil von 8 Monaten gezeigt werden.

Vor diesem Hintergrund stellt sich schon die Frage, ob es in meiner jetzigen Situation Sinn macht, ernsthaft über Carboplatin oder andere platinhaltige Chemotherapie nachzudenken. Andererseits, wenn man’s macht, dann vermutlich lieber früher als später, also nicht erst bei Progress. Stellt sich die Frage, ob man eher zu den 8 oder zu den restlichen 19 zählt. Darauf hat vielleicht Bonkhoff eine Antwort. Ganz sicher bin ich mir da leider auch noch nicht.

WW

WinfriedW
13.06.2006, 23:17
Ich war heute, weil dieser Urlaub hat, nicht bei meinem Urologen sondern bei seinem Praxispartner und zwar eigentlich wg. Zometa. Bei dieser Gelegenheit habe ich ihn auf neuroendokrine Differenzierung angesprochen. Er meint, eine primäre neuroendokrine Differenzierung sei extrem selten und wenn dem in meinem Falle so wäre, dann hätte das „unser Pathologe“ gefunden und berichtet. Das kann ich nun glauben oder auch nicht. Wenn dem so wäre, dann hielte er eine platinhaltige Chemotherapie für indiziert. Zumindest in diesem Punkt besteht Konsens. Jedenfalls endete das Gespräch nicht mit einer Überweisung an Bonkhoff.

DNA-Zytometrie habe ich angesprochen. Eine sehr große Meinung hatte er dazu nicht.

Dazu ist anzumerken, dass nicht immer Meinungsgleichheit zwischen meinem Urologen und seinem Praxispartner herrscht. Das wäre zu einfach.

Weitere Zyklen Taxotere ist eines meiner Lieblingsthemen beim Urologen. Da haben wir ein spezielles Problem: Mein Urologe macht selbst keine Chemotherapie. Ich habe bisher in der Region keinen Onkologen gefunden, der dafür aufgeschlossen wäre. Das war auch der Tenor unseres heutigen Gesprächs: Bevor die Onkologen zur Chemotherapie greifen, machen sie lieber noch eine Bestrahlung und eine Nachbestrahlung etc.. Das ist auch meine persönliche Erfahrung beim Onkologen: „Da machen wir erst mal gar nichts.“ Dies war letztendlich auch der Grund, weshalb meine Chemotherapie im Krankenhaus stattfand.

Ich bin kein Arzt und kann es letztendlich nicht beurteilen. Andererseits bin ich anders gestrickt als etwa HansiB, der sich um die aggressive Therapie herumdrückt. Würde mir heute ein Arzt weitere Chemotherapie empfehlen, dann wäre ich sofort dabei, insbesondere weil es mir z. Zt. so gut geht (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=1354). In sofern wäre ich in dieser Frage gefühlsmäßig eher beim Urologen fs (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=1301). Wenn’s im Haus brennt, dann lösche ich doch solange der Brand klein ist - oder? Irgendwie habe ich jetzt schon wieder das Gefühl, ich müsse mir dringend eine weitere Meinung einholen. Wo oder wer könnte das sein?

WW