PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Enantone



bruno-fischer
01.05.2006, 10:27
Hallo
Ich bekomme seit 2 Jahren Enantone gespritzt und habe 40 Bestrahlungen durch den Linearbeschleuniger hinter mir. Ich möchte wissen, wie lange Enantone noch wirksam und notwendig ist.
Hat jemand Erfahrung?

RalfDm
01.05.2006, 21:00
Hallo Bruno,

ab zwei Jahren Androgenentzug (vornehmer: Androgendeprivationstherapie, ADT) kann zweierlei passieren:

1. Osteoporose
2. Mutation der Krebszellen hin zur Androgenunabhängigkeit

Aus diesen Gründen gibt es die Meinung (die natürlich längst nicht von allen Urologen geteilt wird), dass ein Androgenentzug nicht länger als zwei Jahre durchgeführt werden sollte.

Du bist gleichzeitig bestrahlt worden. Glaubt der behandelnde Arzt nicht an eine Heilung durch die Bestrahlung (warum macht er sie dann??), oder warum sonst die duale Behandlung?
Therapieratschläge dürfen wir nicht geben, aber wäre ich in der Situation, würde ich die ADT aussetzen und natürlich engmaschig (d. h. alle drei bis höchstens sechs Monate) das PSA kontrollieren. Sollte das PSA wieder steigen, hätte ich natürlich irgendwann neu zu überlegen, wie es weitergehen soll. Möglicherweise wäre eine intermittierende ADT (IADT) mit möglichst langen Pausen zwischen den Zyklen die Antwort, oder ein Versuch mit einer ADT3 (LHRH-Analogon + Casodex + 5-alpha-Reduktase-Hemmer), aber auch die wieder zeitlich begrenzt.

Ralf

Urologe
02.05.2006, 10:24
Hallo,

auch ich würde eine Therapiepause empfehlen und dann erst einmal dreimonatlich PSA und Testosteron bestimmen lassen.

Eine Einnahme von Proscar oder Avodart kann den weiteren Verlauf dann noch positiv beeinflussen (längere Zeit bis zum möglichen Wiederanstieg der PSA und höhere Testosteronspiegel - gut für den Mann).

Gruss
fs

RalfDm
02.05.2006, 21:48
Ich sehe, dass da noch ein wichtiger dritter Punkt fehlt, den ich der Vollständigkeit halber unbedingt nachtragen möchte, so dass es heißen muss:

"ab zwei Jahren Androgenentzug (vornehmer: Androgendeprivationstherapie, ADT) kann dreierlei passieren:

1. Osteoporose
2. Mutation der Krebszellen hin zur Androgenunabhängigkeit
3. Irreversibles "Ausbrennen" der Hoden, so dass sie die Testosteronproduktion nie wieder aufnehmen.

Ralf

Bernhard A.
02.05.2006, 22:41
Hallo Ralf !

In Deinen vorhergehenden Antworten sprichst Du von der Mutation der Krebszellen hin zur ADT-Therapie-Unabhängigkeit.

In meinem Beitrag vom 01.05. 22:37 Uhr im Forum "Diagnostik,The..." habe ich auf den Aufsatz von Dr.F.E. hingewiesen. Hier nun eine Teilkopie daraus:

Grundsätzlich ist die Androgenunabhängigkeit bei Patienten, die mit einer weit fortgeschrittenen Erkrankung diagnostiziert werden (wie Lymphknoten- oder Knochenbefall) wahrscheinlicher. Sie beginnt möglicherweise mit der Penetration der Prostatakapsel. Weil die ADT vorwiegend androgenabhängige Zellen abtötet, weniger jedoch androgensensible Zellen, werden androgenunabhängige Tumorzellpopulationen weiterwachsen, und schließlich als Primärkrankheit hervortreten. Es ist deshalb wahrscheinlicher, dass Patienten ein androgenunabhängiges PK nicht als Folge einer Behandlung wie der ADT entwickeln, sondern schon zum Zeitpunkt des Androgenentzugs ein androgenunabhängiges PK haben.

Ist der letzte Satz eine Hypothese ? Oder ist die Mutation wahrscheinlicher ?

Gruß
Bernhard A.

Günter Feick
04.05.2006, 06:54
Hallo Ralf und Mitleser,

anläßlich Deines Kommentares - nach zwei Jahren Hormonblockade werden die Funktionen ders Hoden auf Dauer und unumkehrbar gestört sein - möchte ich auf die Seite B20 des "Ratgeber zum Prostatakrebs" von Dr. Strum u. Frau Pogliano aufmerksam machen.

Dort ist zu lesen - "Patienten, die eine LHRH-A- Behandlung über eine Zeitdauer von über zwei Jahren erhalten, können unter Umständen Schwierigkeiten haben, die normale Produktion von Testosteron wieder aufzunehmen, auch wenn der LHRH-A abgesetzt wurde. Dies ist auf die pathologischen Abläufe in der Hirnanhangdrüse zurückzuführen und nicht auf eine Atrophie der Hoden aufgrund der LHRH- A-Therapie, usw..."

Ob in diesem Falle eine Stimulation der Hirnanhangdrüse möglich sein würde, entzieht sich meinem Laienverständnis. Wichtig finde ich jedenfalls, die Kausalität für das Nichtfunktonieren der Hoden benennen zu können, nach Hormonblockade per LHRH-A.

Dein Hinweis auf die unterbrechende Hormonblockade und die hiermit mögliche Vermeidung einer dauerhaften Schädigung der Hirnanhangdrüse, ist ganz bestimmt eine Information, die wir Erkrankte mit unseren Ärzten besprechen müssen.

Günter Feick