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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Freie Ärzteschaft: arztfreie Wochen und Großdemo in Berlin



Anonymous1
10.12.2007, 22:02
Hallo Forum,

in einem anderen Diskussionsfaden sprachen wir intensiv über den hippokratischen Eid. In diesem hier können wir ebenso leidenschaftlich über das Gesundheitssystem diskutieren.

Massive Ärzteproteste für 2008 angekündigt

Wochenlange, bundesweite Praxisschließungen kündigt der Präsident der «Freien Ärzteschaft» (FÄ), Martin Grauduszus, an. Die FÄ gilt als Motor der Ärzteproteste im Jahr 2006, bei denen mehr als 35.000 Ärzte vor dem Brandenburger Tor demonstrierten.

<table id="img1"> <tbody><tr> <td> http://www.aerztlichepraxis.de/img/art/8_1_1197293061.jpg </td> </tr> <tr> <td>
Ein gewohntes Bild im kommenden Jahr?

</td> </tr> </tbody></table> 10.12.07 - "Es hat sich eine massive Unzufriedenheit gebildet, es kocht im Topf und der Deckel fliegt bald hoch", warnt Grauduszus. Die Ärzte würden derzeit bundesweit systematisch mit massiven Strafzahlungen überzogen, wenn sie nach Ansicht der Kassen zu viele Medikamente verordnet haben: "Dabei sollen auch Ärzte dreistellige Strafen zahlen, die schon heute zu 80 Prozent billige Nachahmermedikamente verschreiben - ihr einziges Vergehen ist, dass sie zu viele schwerkranke Menschen versorgen", mahnt der Hausarzt aus Erkrath.

Gleichzeitig würden die Einkommen immer weiter sinken: "Vielerorts erhält ein Hausarzt für die Komplettversorgung eines Patienten weniger als 15 Euro pro Monat, egal wie krank der Patient ist und wie oft er kommt. Für das Geld muss ein Briefträger nicht mehr zum Dienst antreten, das liegt unter den staatlichen Mindestlöhnen", beschwert sich Grauduszus.

Auftakt der Proteste im nächsten Jahr ist ein "Ärztetag der Basis" im Februar in Hannover. Die letzte Märzwoche hat die FÄ zur "arztfreien Woche" ausgerufen mit bundesweiten Praxisschließungen: "Wenn die Politik dann nicht reagiert, werden es im nächsten Schritt zweiwöchige Schließungen - und dann gern auch drei Wochen ohne Arzt", kündigt Grauduszus an. Für das Frühjahr 2008 wird eine erneute Großdemonstration in Berlin vorbereitet.

Quelle: Ärztliche Nachrichen

Harro
10.12.2007, 22:56
Grundsätzlich hierfür Verständnis

Hallo, Dieter, nach den vielen Beiträgen auch unlängst von Fs kann ich dem Großteil der Ärzteschaft Verständnis entgegenbringen. Mich stört allerdings dabei, daß einige Funktionäre von den sog. Ärztekammern und auch den Abrechnungs-Monopolen von den Einschränkungen, gegen die die Ärzte demonstrieren wollen, überhaupt nicht betroffen sind. Chefärzte, die privat Rechnungen erstellen dürfen, haben mit den schlecht bezahlten einfachen Klinikärzten und den kleine Praxen betreibenden Fachärzten nicht viel gemein. Deshalb gilt meine Sympathie nicht uneingeschränkt dem ganzen Berufsstand bei ihren grundsätzlich berechtigten Änderungsforderungen an unser Gesundheitssystem.

"Es wird immer komplizierter, einfach zu leben"
(Deutsches Sprichwort)

Gruß Hutschi

WinfriedW
11.12.2007, 10:25
Ich blicke da nicht durch. Es wird vermutlich so sein, dass das Arzt- Patientengespräch zu schlecht honoriert wird. Andererseits kenne ich einen frei praktizierenden Onkologen, der einen solchen Zweitwagen (http://www.porsche.com/germany/models/911/911-carrera-4s/gallery/) fährt. Chemos werden offenbar ganz gut honoriert und der Arzt hält sich während der Therapie im Hintergrund.

Der Umstand, dass die Ärzte derzeit mit massiven Regressforderungen wegen Budgetüberschreitungen in der Jahren 2005 und früher konfrontiert sind, halte ich allerdings für ein Unding. Das hat natürlich auch zur Folge, dass der Kassenpatient U. u. ein notwendiges oder hilfreiches Medikament nicht bekommt, weil der Arzt Angst hat um Budget. Da ist der Privatpatient, Hutschi, in einer anderen Situation. Auf der anderen Seite werden in Deutschland tatsächlich zu viele Medikamente eingenommen und zwar hauptsächlich wegen Zivilisations- und Bagatellerkrankungen.

WW

Harro
11.12.2007, 12:24
Profit auch für den Arzt

Hallo, Winfried, der von Dir für mich in die Waagschale geworfene Vorteil, privat versichert zu sein, kommt aber dann auch dem privat abrechnenden Arzt zugute. Trotzdem habe ich gestern bei einer HNO-Ärztin als Privatpatient 90 Minuten Wartezeit in Kauf nehmen müssen, was ich als Ruheständler klaglos hingenommen habe, denn im Wartezimmer saßen fast 30 Patienten, und davon waren 4 sog. Private. Die Ärztin hat immer 4 GKVersicherte und dann einen privat Versicherten dran genommen. Und das finde ich völlig in Ordnung. Zumindest so kann man eine ausgleichende Gerechtigkeit bewerkstelligen.

"Achte auf deine Gedanken: Sie sind der Anfang deiner Taten"
(chinesisches Sprichwort)

Gruß Hutschi

WinfriedW
12.12.2007, 14:18
Hallo, Winfried, der von Dir für mich in die Waagschale geworfene Vorteil, privat versichert zu sein, kommt aber dann auch dem privat abrechnenden Arzt zugute. Trotzdem habe ich gestern bei einer HNO-Ärztin als Privatpatient 90 Minuten Wartezeit in Kauf nehmen müssen, was ich als Ruheständler klaglos hingenommen habe, denn im Wartezimmer saßen fast 30 Patienten, und davon waren 4 sog. Private. Die Ärztin hat immer 4 GKVersicherte und dann einen privat Versicherten dran genommen. Und das finde ich völlig in Ordnung. Zumindest so kann man eine ausgleichende Gerechtigkeit bewerkstelligen.Bei meinem Hausarzt, der keine Termine macht, kenne ich das so: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst und ich weiß im Wartezimmer nicht, wer von den anderen Wartenden privat versichert ist.

Andere Ärzte, andere Geflogenheiten:

Der eine macht 4 GKVersicherte und dann einen Privaten, was, wenn von 30 Patienten 4 privat sind, dazu führt, dass die Gesetzlichen fast doppelt so lange warten wie du, Hutschi.

Noch andere Ärzte empfangen gar keine Gesetzlichen oder nur dann, wenn sie privat bezahlen.

WW

Hans-W.
12.12.2007, 16:21
Profit auch für den Arzt
davon waren 4 sog. Private. Die Ärztin hat immer 4 GKVersicherte und dann einen privat Versicherten dran genommen.
Gruß Hutschi

Woher weißt Du das denn schon wieder? Hast Du im Wartezimmer eine Umfrage gemacht?

Beste Grüße,
Hans-W.

Harro
12.12.2007, 16:26
Keine echte Lösung in Sicht,

Hallo, Winfried, diesen Thread können wir endlos fortsetzen. Deine Sicht ist leider sehr auf Deine persönliche und die aller GKVersicherten bezogen. Es war schon immer etwas teurer, gewisse Privilegien in Anspruch nehmen zu können/dürfen. Wenn das grundsätzlich nicht der Fall wäre, würde ja auch das Ganze gar keinen Sinn mehr machen. Einer geht in ein 5-Sternehotel, während ein anderer mit 4 Sternen zufrieden ist und dafür auch weniger bezahlt. Die Ärztin der von mir geschilderten Situation hat sich ausdrücklich dafür bedankt, daß ich auch nach 90 Minuten ein geduldiger Patient geblieben bin. Bei meinem Mannheim HNO-Arzt - Vater + Sohn - Praxis - behandelt der Senior nur noch Privat-Patienten. Da wäre ich natürlich nach Terminabsprache sofot dran gewesen. Die von mir besuchte Ärztin - Fußweg von Neuhofen nach Mutterstadt (Ortsende) ca. 70 Minuten - macht selten Termine und auch dann muß mit Wartezeiten gerechnet werden. Als Fitness-Training bin ich halt nicht mit dem Auto nach Mannheim gefahren, sondern trotz strömenden Regens per Pedes losmarschiert. Ob GKV oder Privat ,lieber Winfried, den Ärzten gönne ich bei dem katastrophalen Engelt, wenn sie bei mir den Multiplikator 2.3 bis 2.5 in Ansatz bringen dürfen. Als noch im Beruf befindlich, hätte ich evtl. hier und da aus Zeitgründen auf Bedienung vor den Leuten gedrängt, die, so wie ich heute, normal etwas mehr Zeit erübrigen können. Man sollte das alles ein wenig gelassener angehen, wenn auch meine Schluckschmerzen sicher nicht geringer waren, als die von den Patienten, die vor mir dran kamen.

"Um zur Quelle zu gelangen, muss man gegen den Strom schwimmen"

Gruß Hutschi

Harro
12.12.2007, 16:41
Extra-Stühle

Hallo, lieber Hans-W.,


Woher weißt Du das denn schon wieder? Hast Du im Wartezimmer eine Umfrage gemacht?

Beste Grüße,
Hans-W.

weil kein Extraraum für die Privilegierten - hahaha - zur Verfügung stand, sondern nur 4 Stühle in Front des Empfangspults, die exclusiv für privat Versicherte reserviert waren - die anderen saßen im üblichen Wartezimmer - konnte man das gut überblicken und bis 4 zählen habe ich schon sehr früh gelernt. Spaß beiseite, das gehört seit Winfrieds Bild mit meinem früheren Drittwagen - wieder bitte die Schmunzelfalten entfalten - eigentlich so langsam in die Plauderecke. Bitte, die Tarnkappe oder den Mantel des Schweigens über die letzten Threadpassagen.

"Es hängt von dir selbst ab, ob du das neue Jahr als Bremse oder als Motor benutzen willst" (Henry Ford)

Gruß Hutschi

Anonymous1
12.12.2007, 16:49
Woher weißt Du das denn schon wieder? Hast Du im Wartezimmer eine Umfrage gemacht?

Hallo Hans-W.

die Ermittlung dieser Daten dürfte für Hutschi eine kleine Übung gewesen sein, ich halte ihn in diesen Dingen für ein Naturtalent. Große staunende Augen machte ich, als er eine Forderung "Korkengeld" in Luft auflöste: Er zahlte kein Korkengeld und war damit zufrieden, die Hotelrestauration bekam kein Korkengeld und war damit ebenfalls zufrieden, und eine Bedienung erhielt bei dieser Aktion einen Lottogewinn und war damit sogar höchst zufrieden.

Solche Lösungen sollte es öfters geben. Wie könnte man mehr Zufriedenheit in Gesundheitssystem erreichen? Mein Hausarzt macht am Quartalsende jetzt immer Urlaub. Es sagt, für diese Arbeit würde er finanziell bestraft werden und da bleibt er lieber daheim.

Viele Grüße
Dieter

HansiB
12.12.2007, 18:22
Hallo Freunde,

zur Sache, habt ihr euch mal überlegt, wie viele überleben, wenn Ärzte streiken? Ich habe früher einen Bericht gelesen, wir haben auch schon mal darüber gesprochen, der nachwies, wie positiv das fürs Überleben von Patienten war.

Gruß Korad