PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ab wann intermittieren?



otto hugo
03.01.2008, 10:30
Liebe Freunde des Forums, Ich konnte Euch schon vor einigen Wochen mitteilen, dass ich die Absicht habe, die Hormontherapie zu unterbrechen und dass mein Urologe nicht richtig mitzieht. Er meint, die Methode der Intermittierung wäre noch nicht ausgereift und er weiss anscheinend auch nicht, wie es bei einer Unterbrechung weitergehen soll. Einige von Euch (Urologe, Hutschi u.a.) haben mir schon Empfehlungen gegeben, unter anderem, dass vor einer Entscheidung einige Blutwerte überprüft werden sollten. Obwohl ich nun schon ein Jahr die Hormontherapie ertrage, hat mein Urologe noch nicht ein Mal meinen Testosteronwert geprüft. Er hatte immer ausweichende Antworten, obwohl er doch wissen müsste, dass bei dieser Therapie die Kontrolle des Testosteron wichtig ist. Ich habe nun von meinem Hausarzt ein "Grosses Blutbild" machen lassen und die relevanten Werte in meinem Profil vermerkt. PSA ist erfreulich wieder bei 0,03 und der erste Testosteronwert ist bei 0,25, alle anderen Werte bitte ich meiner PKG zu entnehmen. Am 8. Januar 2008, also in ein paar Tagen ist wieder ein Dreimonatsspritze fällig und eine Zometa-Infusion.
Ich werde im März 78 Jahre alt und meine Kräfte schwinden zusehends, nicht nur unter der Therapie. Ich bitte Euch um die Einschätzung meiner Behandlung und Empfehlung der weiteren Vorgehensweise.
In Erwartung Euerer geschätzten Meinung verbleibe ich Euer otto hugo

Reinardo
03.01.2008, 11:09
Hallo Otto hugo. In der Jurisprudenz gilt der Satz: Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Bei den Therapien könnte man analog sagen: Nach Richtlinie therapieren und richtig therapieren ist ein Unterschied. Dein Urologe möchte die Hormonbehandlung fortsetzen, weil ihm dann nie einer sagen kann, er hätte einen Behandlungsfehler gemacht. Ob Dir das jedoch zum Besten gereicht, steht auf einem anderen Blatt Papier.
M. E. verbesserst Du mit Fortsetzen der Behandlung Deine Situation nicht, machst Dir nur das Leben schwer. Nachdem ich in Deinem Profil gelesen habe, meine ich, dass Du ohnehin bereits an irgendwelchen Stellen Krebszellen in Dir hast, die bereits hormonresistent sind und die Du auch mit fortgesetzter Hormontherapie nicht erreichen wirst. Diese vermehren sich weiter trotz Therapie und werden letztendlich den Ausgang Deiner Erkrankung bestimmen. Setzt Du die Hormontherapie jetzt aus, dann vermehren sich auch wieder hormonsensible Zellklone, die man zu einem späteren Zeitpunkt dann nochmal angehen kann.
Es wäre aber zu überlegen, ob Du während der Therapiepause eine sog. Erhaltungstherapie machen solltest, bestehend aus Proscar, einem Bisphosphonat (Spritze oder Tabletten), evtl. Celebrex und mit das Krebswachstum hemmenden Nahrungsergänzungsmitteln wie Selen, Granatapfel-Elixier, Vitamin E., OMEGA-Fischöl u.a.
Wenn Du dann erkennbar an der Anstiegsgeschwindigkeit des PSA-Wertes weitere Therapie benötigen solltest, wäre eine Kombination mit leichter Chemotherapie zu erwägen.
Gruss und alles Gute, Reinardo

RalfDm
03.01.2008, 12:15
Hallo Otto Hugo,

ich an Deiner Stelle würde mir die eine Drei-Monats-Spritze noch verpassen lassen, dann liegst Du mit der Behandlungsdauer auf der sicheren Seite (nach Leibowitz in der Regel 13 Monate, nach Strum 15 Monate; Du würdest dann auf 15 Monate kommen).
Für die dann anstehende Therapiepause schließe ich mich Reinardos Vorschlägen an; statt Proscar würde ich aber Avodart nehmen (die meisten amerikanischen PK-Onkologen geben inzwischen Avodart den Vorzug). Falls Du es aber selbst bezahlen müsstest und es Dir zu teuer ist (90 Stück = 143,50 €), dann würde ich Finamed nehmen, das ist ein Finasterid-Generikum, also chemisch identisch mit Proscar, kostet aber nur ca. 80,- € für 100 Tabletten (Proscar ~153,- €).
Darüber, wie lange die Therapiepause gehen sollte, gibt es unter den Ärzten keine einheitliche Meinung, und wirklich belastbare Argumente für seine Meinung hat keiner. Dr. Strum zum Beispiel und wohl die meisten deutschen Ärzte, die intermittieren (z. B. Prof. Tunn in Offenbach) leiten dann die nächste Therapierunde ein, wenn die Hälfte des aPSA wieder erreicht ist. Dr. Leibowitz und Dr. Tucker legen sich nicht richtig fest, tendieren aber wohl dazu, die nächste ADT-Runde einzuläuten, wenn das aPSA wiede erreicht ist. Der Hintergedanke ist, dass die Therapiepause möglichst lang sein sollte, dass aber die Notbremse gezogen werden sollte, wenn das aPSA wieder erreicht ist (auch unter 5-alpha-Reduktase-Hemmer).
Wenn Dein Urologe bei all dem nicht mitspielen will, dann teile mit bitte per PM Deinen PLZ-Bereich mit (die ersten beiden Ziffern genügen), vielleicht kann ich Dir in Deiner Gegend einen Arzt nennen, der sich besser auskennt.

Ralf

otto hugo
03.01.2008, 13:57
Hallo Reinardo, vielen Dank für Deine Einschätzung.


M. E. verbesserst Du mit Fortsetzen der Behandlung Deine Situation nicht, machst Dir nur das Leben schwer. Nachdem ich in Deinem Profil gelesen habe, meine ich, dass Du ohnehin bereits an irgendwelchen Stellen Krebszellen in Dir hast, die bereits hormonresistent sind und die Du auch mit fortgesetzter Hormontherapie nicht erreichen wirst.
Teile mir bitte mit, woraus Du Dein Ermessen gründest, dass sich bei mir an irgendwelchen Stellen bereits hormonresistente Krebszellen festgesetzt hätten. Du kannst mir das ruhig darlegen, in unserer Situation muss man auf alles vorbereitet sein.
otto hugo

Harro
03.01.2008, 16:00
Skleroseherd am Becken

Hallo, lieber otto hugo, eigentlich ist schon alles geschrieben. Noch einmal das 3-Monatsimplantat und dann eine Weile nur Avodart. Bei mir kam der PSA-Anstieg leider etwas zu rasch nach 15-monatiger DHB. Mir ist aber neben dem unbekannten Testosteronwert - erstmals beim großen Blutbild mit 0.25 - aufgefallen, daß es bislang nur den Verdacht einer Malignität des Beckenbefundes gibt. Hier solltest Du für Klarheit sorgen und Dir nicht womöglich unnötig Zometa infusionieren lassen. Also mein Vorschlag wäre hierzu, eine Cholin-11-PET/CT machen zu lassen. Wenn es sich nämlich nur um altersbedingte Ablagerungen im Becken handelt, könntest Du auf eine gezielte Behandlung gegen durch PCa verursachte Sklerose verzichten.

"Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewnnen" (Sigmund Freud)

Gruß Hutschi

Reinardo
04.01.2008, 11:44
Hallo otto hugo:-
es gibt diagnostische Möglichkeiten, den Krebs auf Hormonsensitivität zu testen. Solche Untersuchungen macht u.a. Professor Bonkhoff, der hier im Forum oft genannt wird. Auch eine DNA-Analyse (= Kassenleistung) Deines Biopsiematerials würde Aufschluss geben. Es ist bei solchen Untersuchungen, die auch Geld kosten, aber immer zu fragen, ob das Ergebnis mitbestimmend für die Therapieentscheidung sein kann. In Deinem Fall schliesse ich auf das Vorhandensein auch hormonresistenter Zellen aus den Umständen des recht hohen aPSA, Gleason-Wert, des zögerlichen PSA-Abfalls ab dem 4. Monat und dass der nicht mehr messbare Bereich nicht erzielt und längere Zeit gehalten wurde.
Ralf und Hutschi haben Dir weitere Hinweise gegeben, denen ich mich gerne anschliesse. Zum Pet-Cholin-Ct, wo ich keine eigene Erfahrung habe, kann ich nichts sagen.
Im Grossen und Ganzen meine ich, dass Du mit Deiner Therapie dann richtig liegst. Der PSA-Wert wird, da Du nicht operiert oder bestrahlt wurdest, nach Absetzen der Hormonblockade wieder ansteigen, hoffentlich nur langsam. Ein Anstieg bis zwischen 4 und 6 ist altersbedingt tolerabel. Auch ein evtl Wachstum vermuteter Metastasen im Beckenbereich sollte in Abständen von max. 1 Jahr kontrolliert werden.
Alles Gute, Reinardo

otto hugo
04.01.2008, 15:45
Liebe Freunde im Forum, aufgrund der Einschätzungen und Empfehlungen von Hutschi, RalfDM und Reinardo möchte ich kurz zusammenfassen, um eine Grundlage für das Gespräch mit meinem Urologen zu haben.
Ich werde meinen Urologen bitten, die Hormontherapie auslaufen zu lassen, dass heisst, das Dreimonatsdepot Profact am 8. Januar noch zu installieren
und die Therapie beim nächsten Termin nicht mehr anzuwenden.
Nun zu den Einzelheiten: Die Therapie besteht zur Zeit aus folgenden Einzelmassnahmen: Dreimonatsdepot Profact, Casodex 50mg täglich und Zometa-Infusion im Abstand von 2 Monaten.
Ich würde während der Pause gerne auf eine Erhaltungstherapie mit Avodart übergehen. Kann während der Pause weiterhin die Zometa-Infu weiterlaufen (ev. auf 3 Monate Zwischenraum erweitert)? Ich nehme an, dass Casodex abgesetzt wird. Wie erfolgt der Übergang? Soll die Erhaltungstherapie schon während des Auslaufens von Profact und Casodex erfolgen?
Ich hoffe, dass ich Euch mit meinen Fragen nicht zu sehr belästige, aber ich möchte mich auf das sicher nicht leichte Gespräch mit meinem Uro gut vorbereiten. Vielleicht könnt Ihr mir noch einige wertvolle Ratschläge für das anstehende Gespräch geben.
Ich danke Euch schon jetzt für Euere Antworten. Dir lieber Ralf danke ich auch für Dein Angebot, mir ev. einen Arzt mit guten Erfahrungen zu nennen.
Euer otto hugo

Harro
04.01.2008, 16:44
Avodart als Erhaltungstherapie

Hallo, lieber otto hugo, ich sehe keine Probleme, sofort Avodart hinzuzunehmen und dann nach Absetzen von Profact weiter als Erhaltungstherapie einzusetzen. Wegen Zometa hatte ich deswegen vorsorglich Klärung des genauen Befundes des Beckens angeregt, um einer möglicherweise unnötigen Infusion aus dem Wege zu gehen. Casodex sollte natürlich dann zeitgleich mit dem Auslaufen der Wirkung des 3-Monats-Implantates abgesetzt werden, also dann auch nach ca. 90 Tagen beginnend ab 8. Januar 2008. Ich wünsche Dir ein glückliches Händchen für die richtige Entscheidung.

"Es ist besser, ein Problem zu erörtern, ohne es zu entscheiden, als es zu entscheiden, ohne es erörtert zu haben"
(Joseph Joubert, französischer Moralist)

Gruß Hutschi

Reinardo
05.01.2008, 07:18
Hallo otto hugo:-
Mit Avodart kannst Du m.E. sofort beginnen. Bzgl. der ZOMETA-Infusionen wäre wohl, wie Hutschi vorschlägt, eine bessere Abklärung notwendig, ob es sich wirklich um Metastasen oder nur um altersbedingte Ablagerungen handelt. Mir ist nur nicht klar geworden, in welcher Weise das bildgebende Verfahren das feststellen kann. In meinem Fall hat man eine Knochenbiopsie für nötig befunden (und mir damit den Arm gebrochen). Eine weitere Möglichkeit wäre der Vergleich der Bilder im Abstand von 6 - 12 Monaten. Sind die verdächtigen Stellen grösser oder kleiner geworden, deutet dies auf Metastasen hin.
Ich nehme seit 6 Jahren auf Anraten eines Orthopäden ohne Nachweis von Metastasen zur Vorbeugung hiergegen ein Bisphosphonat in Tablettenform (1x wöchentlich 1 Tablette: Fosamax). Vielleicht wäre das bei Dir auch eine Möglichkeit; Letztlich solltest Du in dieser Frage ärztlichen Rat einholen.
Gruss und alles Gute, Reinardo

otto hugo
10.01.2008, 08:32
Liebe Freunde des Forums, ich habe am 03.01.2008 diesen Faden angestossen und Euch um Eueren Rat gebeten. Am 8. Januar, also vorgestern hatte ich einen Termin bei meinem Urologen zur Verabreichung der 5. Depotspritze Profact und einer Zometa-Infusion. Ich stellte dabei meinem Uro meine Pläne einer Intermittierung vor, von der er nicht begeistert war. Er wollte die Hormontherapie mindestens 2 Jahre durchziehen. Ich konnte ihm aber mit Eueren Empfehlungen und meiner festen Absicht zur Intermittierung auf meine Seite ziehen.
Vor Ablauf der Wirkung des Depots wird er mir für die Therapiepause, wie von Euch empfohlen Avodart verschreiben und das Casodex setze ich beim Ablauf des Depots ab.
Ich sprach ihn auch auf Zometa an und vertrat Eure Meinung, man sollte ev. eine Cholinin-11-PET/CT machen um die Auffäligkeiten an meinem Becken abzuklären. Er meinte, das wäre nicht nötig. Nachdem ich doch meine wesentlichen Wünsche erreichen konnte, sah ich in dieser Angelegenheit davon ab, ihn weiter zu bedrängen. Aber ich werde diese Angelegenheit im Auge behalten.
Allen , die mir mit Ihren Erfahrungen und Ihrem Wissen zur Seite standen nochmals herzlichen Dank
Euer otto hugo

Friedhelm
24.02.2008, 18:03
statt Proscar würde ich aber Avodart nehmen (die meisten amerikanischen PK-Onkologen geben inzwischen Avodart den Vorzug). Falls Du es aber selbst bezahlen müsstest und es Dir zu teuer ist (90 Stück = 143,50 €),
Ralf

Hallo Otto Hugo,

nur kurz zur Information:
ich habe noch vor einigen Tagen (und auch schon früher) für 90 Avodart 0,5 mg in einer normalen Apotheke 116,89 € bezahlt. Man muss da evtl. auch mal nach dem günstigsten Preis fragen. Die Apotheker rücken damit wohl nicht sofort raus.

Ich wünsche Dir alles Gute

Friedhelm