PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nahrungsergänzung: sinnvoll oder schädlich ?



HWLPORTA
23.01.2008, 19:54
Liebe Mitstreiter.

Vor einigen Tagen wies Werner unter Diagnostik, Therapien & Co. auf eine Veröffentlichung von Prof. E. Altwein, München hin, in der über Sinn und Unsinn von Nahrungsergänzungen berichtet. Ich habe den betreffenden Artikel aus MedReview 13/2007, Seite 12 beschafft und halte ihn für so wesentlich, daß über einige Passagen berichtet werden soll.

Professor J.E. Altwein ist Urologe und war langjähriger Chefarzt der Abteilung Urologie des Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München, war u.a. in den Jahren 2001/2002 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), ist manchen Forumsmitgliedern vom bps-Kongreß 2005 in Timmendorf bekannt und dürfte mit 68 Jahren heute wohl in Ruhestand sein. Er wird in Fachkreisen, inbesondere bei den niedergelassenen Urologen, wegen seiner Basisnähe und seines Mutes geschätzt, auch kontroverse Themen der Urologie und sogenannte Randgebiete aufzugreifen, darunter auch zum Einfluß der Ernährung auf den Prostatakrebs. Ich hatte mit ihm im Jahr 2005 über das Thema Granatapfelextrakt korrespondiert,

Der Artikel behandelt unter der Überschrift „Was ist sinnvoll und was ist schädlich“ die Nahrungsergänzung beim Prostatakarzinom. Dabei wird ausgeführt, daß beim Einsatz von Nahrungsergänzungen zur Primärprävention, zur Sekundärprävention und zur komplementär
alternativen Therapie (CAM) unter den evidenzbasierten (beweisbaren) Phase II-Studien die Studien zum Granatapfelsaft und zu Lycopin führend seien. (Anm.: Lycopin als PCa-Hemmstoff aus der Schale von Tomaten). Insbesondere gewinne die Sekundärprävention bei der „Active Surveillance“ an Bedeutung, d.h. bei der aktiven Überwachung der PCa-Entwicklung durch periodische PSA-Messungen und Einsatz geeigneter Nahrungsergänzung

Dabei wird auf die derzeitige kontroverse Diskussion über die sog. „Multivitaminstudie“ hingewiesen, in der seit 1995 die erstaunliche Zahl von 295.344 Männer mit PCa prospektiv befragt wurden zur zusätzlichen Einnahme von z.B. Tomatenprodukten, Fisch, rotem Fleisch, a-Linolensäure, Kalzium, Vitamin D, Vitamin E und Zink. Unter anderem wurde die Häufigkeit der Einnahme befragt (z.B. weniger oder mehr als 7 x/Woche), ob man körperlich aktiv sei, ob man das PSA-Screening regelmäßig nutze u.dgl. Dabei ergaben sich wichtige Erkenntnisse, u.a., daß durch starken Multivitamin-Gebrauch das relative Risiko eher steige, an einem Prostatakarzinom zu sterben. Das Auftreten von fortgeschrittenem Prostatakrebs und sog. fatalem PCa sei um einen bestimmten Wert höher, als bei den Anwendern von geringeren Mengen von Multivitaminen. Sofern die starken Multivitamin-Anwender noch zusätzlich Selen, Vitamin E und Folsäure zu sich nehmen, würden diese Stoffe alle signifikant hinsichtlich des fortgeschrittenen und fatalen PCa interagieren. Das höchste Risiko eines fatalen PCa hätten die starken Multivitamin-Verwender, die gleich oder mehr als 800 Internationale Einheiten pro Tag (IU/D) von Vitamin E zusätzlich zu sich nehmen (p= 0,019).

Unter den Möglichkeiten der Prävention des PCa dominiere der Granatapfel-Extrakt. Er enthalte Polyphenole wie Anthozyane, Tannine wie Ellagsäure und Punialgin und wirke antioxidativ, proapoptotisch und wachstumshemmend. Dabei fallen PSA und der Androgenrezeptor dosisabhängig. In einer CAM-Phase II-Studie von Patienten mit steigendem PSA noch lokaler Primärtherapie zeigte sich eine Verlängerung der PSA-Verdopplungszeit von 15 auf 54 Monate (p < 0,001).

In einer weiteren Studie fand man, daß Vitamin C + ß-Karotin + Selen + Zink bei einem PSA-Wert < 3 das Risiko halbiere, aber bei einem Ausgangs-PSA von > 3 das Risiko (Anm: daß eine erhöhte Krebsaktivität eintritt) auf 1,52 steigere. (Literatur: Int.J.Cancer 116:182; 2005). Die Untersuchung über die Auswirkung von Vitamin E + Selen (SELECT-Studie) mit 27.000 Teilnehmern würde erst im Jahr 2014 abgeschlossen sein. Erst dann sind sichere Aussagen zu erwarten. Wesentlich scheint auch zu sein, daß Selen nach 8 Jahren das Diabetes-Risiko erhöhen kann. (Ann.Intern.Med 147:217; Aug 2007).

Starke Multivitamin-Verwender dürfen also nicht zusätzlich Selen, beta-Carotin oder Zink als Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Auch dürfen diese Anwender keine Tomatenprodukte im Übermaß nehmen, da dadurch des Risiko eines fortgeschrittenen PCa-Risikos signifikant erhöht wird (p = 0,043). Insgesamt werden von 40 Nahrungsergänzungsmitteln heute Vitamine auf häufigsten verwendet gefolgt von Zink, Kalzium, Selen, Sägepalmfrüchten, Soja, Isoflavonen und Leinsamen, wodurch unerwünschte Effekte bei Multivitamin-Verwendern eintreten können.

Schlußfolgerungen:
1. Multivitamine mit gleich oder mehr als 7 x pro Woche scheinen
unzweckmäßig zu sein, da sie offensichtlich das PCa-Wachstum
fördern.
2. Praktisch bedeutsam sei die Zufuhr von Polyphenolen des
Granatapfels.

Quelle: MedReview 12/2007, S. 12
www.schroeders-agentur.de/medpdf07/medreview13_07.pdf (http://www.schroeders-agentur.de/medpdf07/medreview13_07.pdf)

Freundliche Grüße
HWL

Wolfgang aus Berlin
24.01.2008, 18:51
Hallo HWL, Hallo Allerseits,

leider reicht es nicht aus, solche Studienergebnisse in Kurzform zu betrachten, auch wenn ein Arzt den zitierten Artikel geschrieben hat. Er gibt die Studienergebnisse nur wieder, hinterfragt sie aber nicht. Er ist kein Ernährungsexperte und im Inneren von der Pharmaindustrie beeinflusst. Im Forum ist schon einmal auf die Studie eingegangen worden, mit einem sehr guten Kommentar von RuStra. Der damalige Beitrag war noch etwas umfangreicher und genauer, auch aus einem ärztlichen Beitrag entnommen. Dieser Arzt hat ebenfalls nicht hinterfragt.

http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=17476&highlight=Multivitamin+Studie#post17476

oder der oben zitierte Beitrag direkt: http://www.prostata.de/m_0706_vitamine.html


Hier noch die sehr umfangreiche Meinung der LEF, die die ganze Studie und deren Hintergrund darstellt und hinterfragt. Oben rechts auf der Seite gibt es eine Übersetzungsfunktion. http://www.lef.org/featured-articles/consumer_alert_060707.html

Ich habe mal die Übersetzungsfunktion genutzt und den Anfang des Artikels eingestellt, der davon ausgeht, dass die Studie von der amerikanischen Pharmaindustrie in "verschwörerischer" Zusammenarbeit mit der amerikanischen Zulassungsbehörde für Arzneimittel angefertigt wurde. Die Studie enthält danach auch diverse Verfahrensfehler. Bitte selbst nachlesen. Mit der Übersetzungsfunktion und etwas Fantasie geht das ganz gut. Den Text unten habe ich etwas korrigiert (grün gekennzeichnet).

Zitat:"
Gibt es eine Verschwörung, um Vitamin-Ergänzungen zu zerstören?

von Steven Joyal, M.D. und William Faloon

Für die letzten drei Dekaden hat die LEF über ein heimtückisches Verhältnis gewarnt, das zwischen der Bundesregierung und der pharmazeutischen Industrie besteht. Unsere Position ist gewesen, daß dieses Bündnis eine Verschwörung darstellt, die für die vielen Probleme groß verantwortlich ist, die heute durch unser Gesundheitspflegesystem gegenübergestellt werden.
An Mai 16, 2007, veröffentlichte eine Agentur der Bundesregierung einen Report, der den Gebrauch von multivitamin Ergänzungen mit einer erhöhten Gefahr des fortgeschrittenen Prostatakrebses verband. Die Mittel bildeten Schlagzeile Nachrichten Geschichten aus diesem Regierung-finanzierten Report heraus, der die unglückliche Konsequenz des Abratens der nicht informierten Amerikaner vom Nehmen ihrer Vitamine hat. Dieses fördert die pharmazeutische Industrie, während Vitaminmängel alternde Menschen verletzbarer zu den Krankheiten bilden, die Lose kostspielige Verordnungdrogen erfordern zu behandeln.
Sogar deckt eine flüchtige Analyse dieser Regierung Studie die unerhörten Fehler so auf, daß die Entdeckungen keine Bedeutung whatsoever haben. Dieser Artikel stellt eine genaue Widerlegung zu dieser defekten Studie zur Verfügung. Ich möchte in diesem Einleitung unterstreichen jedoch einige offensichtliche Fehler, die anzeigen würden, daß diese Studie in einer Weise absichtlich entworfen worden sein kann, ein negatives Licht auf multivitamin Ergänzungen zu werfen.
Stellen Sie einfach vor, sich wenn eine Studie geleitet wurden, wo normale Leute gebeten wurden, sich zu erinnern, an wieviel Vitamin E sie jedem Tag für die letzten 10 Jahre nahmen. Während LEF-Mitglieder in der Lage sein konnten, dieses zurückzurufen, ist die typische Person, die nach dem zufall Vitaminpillen nimmt, unwahrscheinlich, ihre Dosis des Vitamins E genau zu erinnern an." Zitat Ende

Dann wird das Ganze ausführlich begründet und die Studie "in der Luft zerissen". Es ist interessant.

Gruß Wolfgang

Kampf den Betrügern und Scharlatanen!

Schwiegersohn71
17.03.2008, 19:31
Hallo allerseits,

ich weiss, es sind immer die gleichen Fragen und Themen, die immer wieder aufflammen und vielen Mitgliedern geht es bestimmt auf den Nerv, das gleiche Thema immer wieder von neuem zu besprechen.

Aber viele Fragen kommen immer wieder hoch, weil sie in der Vergangenheit nicht zu genüge oder nicht zufriedenstellend beantwortet wurden.

Bezüglich der NEM möchte ich jetzt die Frage an alle erfahrenen User ins Forum stellen, mit welchen NEM sie gute oder weniger gute Erfahrungen gemacht haben. Nicht, was theoretisch gut sein könnte, sondern wo wirklich Erfahrungswerte vorliegen.

Es brauchen keine Firmennamen/Produktnamen genannt werden, wenn dies nicht erwünscht ist.

Also worauf schwört ihr und wovon sollte man lieber die Finger lassen?

Schönen Gruß