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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bin ich am Ende der Fahnenstange?



renegat
22.02.2008, 08:32
Hallo Mitkämpfer,
meine Vorgeschichte brauche ich nicht weiter zu erörtern, es steht alles wesentliche im Profiel. Im Febr. 2007 wechselte ich den behandelnden Urologen, da wesentliche Untersuchungen nicht durchgeführt wurden. Ein im Mai 2007 erfolgtes MRT zeigte dann auch deutlich Metastasen in der rechten Hüfte (ca. 2 cm) und in der LWS. Behandelt wurde mit Eligard (3-Mon. Depot) und Zometa (alle 4 Wochen Infusion) Auf Grund starker Schmerzen beginnend ab Ende Oktober 2007 in den betroffenen Bereichen (Schmerzmittel IBUbutan 600) wurde erneut ein MRT des betroffenen Beckenbereichs durchgeführt. Ergebnis: Die Größe der Metastase hat sich verdreifacht. Nicht nur die Hüftkugel siondern auch Pfanne und Beckenkamm sind beidseitig betroffen.

Welche Möglichkeiten bleiben mir noch? Wäre dankbar für einen guten Rat

Gruß Renegat

Andreas78
22.02.2008, 09:01
Hallo Renegat,

Deinem Profil nach zu urteilen, ist es nicht der ansteigende PSA, der Dir so zu schaffen macht.
Zur weiteren Abklärung würde ich vorschlagen, außer PSA weitere Krebsmarker zumessen, z.B. NSE, CGA und auch die Alkalische Phosphatase. Zusätzlich zu Zometa würde ich ein Mal wöchentlich Fosamax empfehlen. Darüber hinaus solltest Du Rocaltraol und Calcitrat zu Dir nehmen. Manchdem die Metastase schon richtig groß ist, würde ich Dir zu einer Therapie mit Samarium raten.

Viele Grüße,
Andreas

Anonymous2
22.02.2008, 09:03
Hallo,
eine Fahnenstange kann sehr lang sein. Das Ende ist somit noch weit entfernt. Es gilt jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen und dafür sind Erfahrungen/Kenntnisse erforderlich. Aus meiner Sicht würde ich schnellstens mit der Selbsthilfegruppe in Bielefeld Verbindung aufnehmen.
Dort sind Betroffene, die aufgrund der eigenen Krankheitsbilder und der Erfahrungen bestimmt helfen können und es auch machen. Also schnellstens die Verbindung aufnehmen. Zeit ist jetzt kostbar. Der "Untermieter" wartet nicht.

Reinardo
22.02.2008, 11:40
hallo renegat.
Deine Frage erinnert mich an eine Episode aus der Geschichte: Als es mit Hindenburg dem Ende zuging, fragte er den Geheimrat Sauerbruch:"Chef, Sie haben mir immer die Wahrheit gesagt. Sie werden es auch jetzt tun. Ist Freund Hein bereits im Schloss und wartet?", worauf Sauerbruch antwortet: "Nein, Exzellenz, aber er geht um das Haus herum."
Zur Sache: Mit PSA = 6,45 hat es in 2003 recht "harmlos" angefangen. Jedoch war mit Gleason 4+5, was aneuploid bedeutet, von vornherein klar, dass die DHB nach Leibowitz nicht ausreicht. Ihr muss, wenn man Leibowitz weiter folgt, nach Wiederansteigen des PSA die frühzeitige Chemotherapie folgen, insbes., wenn der Krebs nicht mehr lokal therapierbar ist.
Du musst Dir das so vorstellen. Wenn die DHB alle hormonsensiblen Zellen vernichtet hat, was dann übrig bleibt ist eine Reinkultur von Krebszellen höherer, hormonresistenter Malignität. Darauf nun wieder 3-Monatsdepots Hormontherapie draufzusetzen, ist eine recht unüberlegte Behandlung, die zwar mit geltenden Richtlinien konform geht, Dich aber früher oder später ins Aus führt.
Es gibt eine Schule innovativer Pathologen und Therapeuten, welche die Hormontherapie als Monotherapie bei hochmalignem Prostatakrebs ganz ablehnt, weil hormonresistente Zellen im Zellverbund mit weniger malignen Zellen langsamer wachsen, so dass solche Patienten, wenn sie gar keine Hormontherapie erhielten, länger leben würden als behandelte.
Ob Du nun in der SHG Bielefeld die beste Beratung erhälst, wirst Du selbst herausfinden müssen. Ich würde - vielleicht unter Vermittlung des BPS (Hotline!) - einen Onkologen suchen, der differenzierter an Deine Erkrankung heran geht. Wie SHG Itzehoe richtig feststellt, kann die Fahnenstange dann noch sehr lang sein.
Gruss und alles Gute, Reinardo

Winni.da
22.02.2008, 14:08
hallo renegat.

Zur Sache: Mit PSA = 6,45 hat es in 2003 recht "harmlos" angefangen. Jedoch war mit Gleason 4+5, was aneuploid bedeutet, von vornherein klar, dass die DHB nach Leibowitz nicht ausreicht. Ihr muss, wenn man Leibowitz weiter folgt, nach Wiederansteigen des PSA die frühzeitige Chemotherapie folgen, insbes., wenn der Krebs nicht mehr lokal therapierbar ist....
Gruss und alles Gute, Reinardo

Hallo Reinardo,
in 2003 war es nicht von vornherein klar, dass die DHB nicht ausreicht. Damals wurde in diesem Forum die DHB als allein selig machende Therapie angepriesen und jede andere Therapie als veraltet, nur der Geldgier der Chirurgen und Strahlenärzte geschuldet, dargestellt. Da brauchte man schon etwas Mut, sich zu einer RPE zu bekennen.
Gruß Winni

Reinardo
22.02.2008, 18:12
Hallo Winni.
Die DHB wirkt zunächst erstaunlich gut, auch bei hohen Gleason-Graden. So wurden bei renegat nach Ende der DHB im Oktober 2005 ja PSA-Werte < 0,01 gemessen. Man sieht bei ihm aber, dass trotz dieses gemeinhin als Erfolg bewerteten Ergebnisses ein Krebspotential zurück bleibt, dass im PSA-Wert keinen Marker findet.
Leider musste ich auch bei mir mittels Feinnadel-Aspirationsbiopsie und DNA-Analysen voher - nachher feststellen, dass nach der DHB ein Krebs nachgewachsen ist, der bösartiger ist als der bei der Erstdiagnose festgestellte.
Meine Situation ist mit der von renegat allerdings nicht vergleichbar, weil mein Ausgangsgleason 2+3 war, im Gegensatz zu renegat 4+5. Ich bin daher trotz Progess noch weiter entfernt vom Abgrund als er (hoffe ich jedenfalls).
Die Wirkungsweise der Hormontherapie ist von den Cytopathologen in den letzten Jahren so gründlich untersucht worden, dass Schlussfolgerungen für die praktische Therapie gezogen werden können. Die DHB von Leibowitz hat ihre besten Ergebnisse beim Niedrig-Risiko-Krebs, Gleason bis etwa 6, DNA homogen oder fast homogen hormonsensibel. Wenn das der Fall ist, wirkt die DHB kurativ bzw. stellt her ein neues biologisches Gleichgewicht, von Leibowitz "stabiles Plateau" genannt, mit fortdauernden PSA-Werten auf niedrigem Niveau, was sich auch mittels antiangiogener Massnahmen wie Ernährungsumstellung, Selen, Vitamine, Granatapfel-Elixier u.a. halten lässt.
Bei höheren Gleason-Werten müssen die DHB ebenso wie die kontinuierliche und intermittierende Hormontherapie immer kritisch hinterfragt werden. Als Monotherapien wirken sie eher kontraprodiuktiv.
Gruss, Reinardo

HansiB
22.02.2008, 18:29
Hallo Reinardo und Renegat,

Reinardo ich kann dir oft zustimmen aber diesmal nicht. Jeder PK ist anders.

Ein Freund von mit hat GS 5 + 5 = 10, HBler seit Jahren ohne Chemo, deine Lieblingsempfehlung für uns. Kein LK- Knochenmetastase in unserem Renegat / meinem Alter, PS ähnlich niedrig, CGA niedrig, anscheinend agressiv, nicht vergleichbar.

Schau mich an, nur GS 8, gleichfalls Helpap, mit sehr umfangreichen ruhenden Metastasen, 2,5 Jahre 2/3 variierende HB. Trotzden scheinen die bösen Jungs nicht explodiert zu sein, so wie ich mich fühle. Wir werden in den nächsten Wochen die DNA Veränderung sehen.

Der große Unterschied zu den meisten HBlern, OPlern, dann Bestrahlten, mit Chemo zerstörten ist, ich habe immer die Hilfe von Narurheilkunde (HP) in Anspruch genommen und seit Jahren propagiert.

Meine HB hat nur 8 Monate funktioniert, da war es aus mit Lustig, der PSA stieg. Bei renegat guter PSA Abfall, relativ hohes T. dadurch eingelullt und nicht anscheinend aktiv. Ob die erneute 1 HB richtig ist ist fraglich, aber was tun?

Renagat, ich würde naturheilkundliche Hilfe versuchen, wie funktioniert der Stoffwechsel, Akupunktur (ich bekomme sie), Misteltherapie, geeignete Kur beantragen (habe ich auch), viel Bewegung, nicht an die Schmerzen denken (ich kenne diese), evtl. Strontium (bei mir 18,4 < 19,8 ug/l) ist in Tissoprodukt Nr 4 (wenn ich mich nicht irre) enthalten.

Überhaupt wäre die Zellsymbiose Th. zu erwägen, müsste auch sonst allgemein hilfreich sein. Die Vitalpilze Maitake, Reishi und ABM können bei Metastasen hilfreich sein.

Wie ist der AP, Knochen AP, der NTX-Wert, fn Telepeptide im Urin, CRP CGA, Selenstatus (bei mir 176), HDL (möglichst hoch, bei mir war er 100). der Immunstatus, bist du fit?

Das sind so Sachen, die mir einfallen, ich darf weg in ein Jazzkonzert.

Viel Glück und Schmerzfreiheit, Konrad

Anonymous1
22.02.2008, 18:32
Die DHB von Leibowitz hat ihre besten Ergebnisse beim Niedrig-Risiko-Krebs, Gleason bis etwa 6, DNA homogen oder fast homogen hormonsensibel. Wenn das der Fall ist, wirkt die DHB kurativ bzw. stellt her ein neues biologisches Gleichgewicht, von Leibowitz "stabiles Plateau" genannt, mit fortdauernden PSA-Werten auf niedrigem Niveau,Hallo Reinardo, ich mag nicht mehr. Das mit dem "kurativ" haben wir doch x-mal durchgekaut, - schreib was Du willst.

Dieter

HorstK
22.02.2008, 22:40
Anmerkung:
Missionär = Sendbote
missionarisch, missionieren = eine Glaubenslehre verbreiten
Die Missionare sind weltweit auf dem Rückzug, man könnte auch sagen sie "sterben" aus!
__________________________________________

Zitat Reinardo:
..."Wenn das der Fall ist, wirkt die DHB kurativ bzw. stellt her ein neues biologisches Gleichgewicht, von Leibowitz "stabiles Plateau" genannt, mit fortdauernden PSA-Werten auf niedrigem Niveau"
________________________________________________

Ich muß ehrlich sein, 2002 habe ich an solche oder ähnliche "Merksätze" geglaubt. Evtl. hat ja die DHB meine "geglückte" RPE irgendwie beeinflußt. Ich weiß es nicht!

Aber, wie schon an anderer Stelle geschrieben: "Der Krebs ist heterogen und voller Überraschungen und jede Person reagiert auf Therapien individuell verschieden".

Zitat Winni:
"in 2003 war es nicht von vornherein klar, dass die DHB nicht ausreicht. Damals wurde in diesem Forum die DHB als allein selig machende Therapie angepriesen und jede andere Therapie als veraltet, nur der Geldgier der Chirurgen und Strahlenärzte geschuldet, dargestellt".

So habe ich es damals auch empfunden, Winni

Alles Gute
Horst
http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?u=74

hartmuth
22.02.2008, 23:57
Hallo Dieter, hallo Horst,
was müßte denn Eurer Meinung nach gegeben sein, damit ein DHB-Patient als kurativ behandelt bezeichnet werden kann? 7 Jahre, 10 Jahre, 15 Jahre, 20 Jahre stabiler PSA? Oder was würdet Ihr vorschlagen? Aus meiner Sicht könnt Ihr Reinardo nicht widerlegen!

Grüße aus Rudersberg
Hartmut

HorstK
23.02.2008, 01:06
Aus meiner Sicht könnt Ihr Reinardo nicht widerlegen!


Das möchte ich auch gar nicht, Hartmut.
(Ich bin kein Missionar oder Prediger).

Jeder möge nach seiner Fasson gesund und glücklich werden!

Mein Ziel (Wunsch) ist es nach der RPE (OP mit 68 J.) noch 10 Jahre - länger wäre natürlich noch schöner - bei guter Lebensqualität zu leben.

Mal schaun wie`s läuft

Grüße aus der Bierstadt
Horst

Reinardo
23.02.2008, 08:00
Hallo Dieter und andere Zweifler:-
ich zitiere: "Ich sehe immer wieder Patienten, die sich aus welchen Gründen auch immer, - obwohl die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose offensichtlich lokal begrenzt war - zur Durchführung eines Leibowitz-Schemas entschlossen haben. WErstaunlich viele dieser Patienten haben auch bis 4 oder 5 Jahre nach Abschluss der Therapie keine Beschwerden und keinen signifikanten PSA-Anstieg. Es gibt wirklich Patienten, die das von Leibowitz beschriebene PSA Plateau ausbilden, wobei man natürlich nicht weiss, was sich in der Prostata oder besser in der Prostatakarzinomzelle abspielt."
Das schreibt Dr. F. E., das "Urgestein" der BPS-Gemeinde, in seinem Rundbrief Nr. 1.

Desweiteren verweise ich auf die Würdigung der Therapie-Erfolge von Leibowitz durch Stephen B. Strum im Kapitel 148 seines Buches "A Primer on Prostate Cancer".

Beide sind Praktiker, keine Zellpathologen. Die Cytopathologie hat mittels ihrer Forschungen nur die theoretische Erklärung für das Phänomen geliefert.

Gruss, Reinardo

Anonymous1
23.02.2008, 09:15
Hallo Dieter, hallo Horst,
was müßte denn Eurer Meinung nach gegeben sein, damit ein DHB-Patient als kurativ behandelt bezeichnet werden kann? 7 Jahre, 10 Jahre, 15 Jahre, 20 Jahre stabiler PSA? Oder was würdet Ihr vorschlagen? Aus meiner Sicht könnt Ihr Reinardo nicht widerlegen!

Grüße aus Rudersberg
Hartmut

Hallo Hartmut,

in unseren Krebskreisen wird der Begriff "Kurative Therapie" unwiderlegbar wie folgt definiert:

Kurative Therapie

Behandlung mit Heilungsabsicht; im Gegensatz zur palliativen Therapie (http://www.ard.de/leben/themenwoche/glossar/-/id=395280/fdx=P/xsrodr/index.html#398780) bei unheilbaren Krebserkrankungen, die vor allem der Symptomlinderung dient



Das Erreichen und Halten eines PSA-Plateaus, auf welcher Höhe und für welche Zeit auch immer, kann man nicht als Heilungsabsicht bezeichnen, wenn man sich nicht unseriöse Informationspolitik vorwerfen lassen möchte.

Ich wäre überglücklich, wenn es medikamentöse Maßnahmen gäbe, welche wirklich heilend wären.

Gruß Dieter

hartmuth
23.02.2008, 09:50
Hallo Dieter,
die DHB propagiert keine Heilungsabsicht. Dies bleibt den invasiven Therapien vorbehalten. Reinardo hat eine Konstellation beschrieben, unter der sich bei DHB ein Ergebnis einstellen kann, das einer Heilung entspricht oder nahekommt. Begriffe hin oder her, ich frage nochmal: Hältst Du ein solches Ergebnis für möglich? Wenn ja, warum darf man bei der einen Therapie von kurativer Wirkung sprechen und bei der anderen nicht? Im übrigen ist die Definition des Begriffs "kurative Therapie" vollkommen richtig formuliert: Behandlung mit Heilungsabsicht. Das läßt immer ein Mißlingen offen.

Grüße
Hartmut

Anonymous1
23.02.2008, 10:46
Hallo Dieter, die DHB propagiert keine Heilungsabsicht.So sollte es sein. Bring das doch bitte Reinardo bei.


Reinardo hat eine Konstellation beschrieben, unter der sich bei DHB ein Ergebnis einstellen kann, das einer Heilung entspricht oder nahekommtDiese Konstellation, "Langjähriges Überleben", schafft nicht nur DHB nebst sonstigen hormonellen Behandlungen, sondern auch WW, AA, W+S.


Im übrigen ist die Definition des Begriffs "kurative Therapie" vollkommen richtig formuliert: Behandlung mit Heilungsabsicht. Das läßt immer ein Mißlingen offen."Misslingen" ist ein ganz anderes Thema. Manche Leute gehen mit der "Absicht", Käse zu kaufen, zum Metzger. Manchmal haben sie sogar Erfolg.

Gruß Dieter


Hallo Renegat,

gerne möchte ich Dir einen guten Tipp geben, wie Du weitermachen sollst. Gibt es einen guten Onkologen bei Euch?

Reinardo
23.02.2008, 11:31
Hallo Dieter.
Das mit der "Absicht" als Merkmal für "kurativ" ist doch nun wirklich nur Semantik und geht auf den Kern des Geschehens nicht ein. Ich apelliere an Deine gute Kenntnis der DNA-Cytometrie, die Du sogar in meinem Falle bewiesen hast: Warum glaubst Du, wenn eine gesicherte Krebsdiagnose einen 100% peridiploiden, d.h. hormonsensitiven Befund ergibt, dass unter dieser Voraussetzung eine dreifache Hormontherapie über 13 Monate keine komplette Heilung bringen könnte?
Das ist die theoretische Sicht.
Und aus praktischer Erfahrung heraus behauptet Leibowitz, letzlich wieder in seinem Vortrag in Fullerton, dass die von ihm konzipierte Hormontherapie den Krebs bei günstigen Umständen ganz wegbringen kann. Hör Dir den Vortrag doch einmal an (Video vom BPS oder Christian erhältlich). Du wirst dann wie schon viele andere den Eindruck gewinnen, dass hier kein Scharlatan spricht.
Gruss, Reinardo

Anonymous1
23.02.2008, 11:53
Warum glaubst Du, wenn eine gesicherte Krebsdiagnose einen 100% peridiploiden, d.h. hormonsensitiven Befund ergibt, dass unter dieser Voraussetzung eine dreifache Hormontherapie über 13 Monate keine komplette Heilung bringen?

Reinardo, ich glaube, dass die völlige Apoptose, welche Leibowitz seiner Theorie zugrundelegt, in den meisten Fällen nicht funktioniert. Dieses "Verhungernlassen innerhalb von 13 Monaten" klappt meistens nicht.

Es wäre schön, wenn diese Strategie wenigstens bei diploider DNA-Verteilung relativ zuverlässigen oder wenigstens überwiegenden kurativen Erfolg hätte. Dann bräuchte man nur Zytometrie machen und alle diploiden einer DHB zuführen. Schon hätten wir einen ordentlichen Schwung Prostatapatienten weg, weil "geheilt".

Gruß Dieter

knut.krueger
23.02.2008, 16:37
Lieber Reinardo,

Ich wollte mich eigentlich beim Thema DHB nicht mehr zu Wort melden, aber die Diskussion ist vielschichtig, so dass ich noch einmal meine Meinung und Sichtweise äußern möchte. Du hast drei favorisierte Themen

1. DHB, die über sehr lange Zeit für Dich allein bestimmend war

2. DNA-Cytometrie, die eine gewisse Zeit lang die erste Position eingenommen hat

3. Übertherapie.

Diese drei Themen interessieren mich auch sehr, und ich stimme mit Dir überein, dass gerade DHB und DNA-Ploidie sich nicht ausschließen, sondern dass letztere erst den notwendigen Aufschluss liefert, ob eine Hormontherapie sinnvoll ist. Dann gehen aber unsere Schlussfolgerungen auseinander. Was Du dann als kurativen Erfolg für Leibowitz einordnest, fällt bei mir unter Übertherapie. Die DHB-Erfolge bei GS 5 oder 6 mit Anfangs-PSA-Werten von 3 – 6 und dann noch peridiploide Verteilung bedürfen überwiegend keiner Behandlung und sind und werden in der Zukunft die klassischen Kandidaten für WW sein.
Aus unserem Kreis gibt es einen Vorzeigepatienten sogar mit GS 7 nämlich Schorschel. Ich kann/darf dies anführen, da Schorschel erst vor kurzem im Forum seine Ansichten und Beweggründe dargelegt hat. Schorschel hat schon über einige Jahre seinen PSA-Wert mehr oder weniger konstant gehalten durch Ernährungsumstellung und Stimulation seines Immunsystems. Wenn er nun DHB gemacht hätte, dann würde er als DHB Vorzeigepatient im Forum gehandelt werden und sich mangels anderer Erfahrung auch so fühlen. Er hat sich aber aufgrund seiner damaligen Lebensumstände nicht für eine kurative wie aber auch nicht für DHB entschieden, was zum damaligen Zeitpunkt schon keine alltägliche und dazu auch noch eine mutige Entscheidung war. Auch eine DHB ist nichts Harmloses sondern belastet den Organismus und bedeutet für viele/einige? eine Tortur über 15 Monate und kann auch unliebsame Nebenwirkungen hinterlassen. Auch die Kostenseite- ich glaube Dieter hatte diese einmal mit über 14000 Euro ermittelt- ist in ähnlicher Größenordnung wie bei den meisten kurativen Therapien, so dass die Messlatte/Kritik der Übertherapie bei den kurativen Therapien genauso für die DHB gilt, und zwar ebenfalls aus beiden Gesichtspunkten nämlich Belastung unseres Gesundheitssystem wie auch Beeinträchtigung der Lebensqualität der unnütz behandelten Patienten.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch ein statistisches Phänomen, dass im Forum beim Thema Übertherapie auftritt, ausräumen. Es wird z.B. argumentiert, dass die Erfolgsquote bei Prostatektomie etwa 70 % ist, und wenn man bedenkt, dass 50 % übertherapiert sind, dann bleiben in Wirklichkeit nur 20 % (70 – 50= 20) Geheilte übrig, und dazu muss man dann die Risiken von Inkontinenz und Impotenz sehen, so dass es kaum lohnt, sich operieren zu lassen oder sich einer anderen kurativen Behandlung zu unterziehen.
Dies ist mathematisch falsch und auch für die vorherige Annahme ist die Erfolgsquote immerhin noch 40 % wie das nachstehende Rechenbeispiel zeigt.
(g x 100):(ü + k)=70%, wobei g für „Geheilt“, in diesem Beispiel 70 Patienten, ü für Übertherapie, in diesem Beispiel mit 50 Patienten = 50% und k für zu behandelnde Kranke, in diesem Beispiel mit 50 Patienten = 50 % steht. Ich habe bewusst die Gesamtsumme in meinem Beispiel mit 100 Patienten gewählt, da sich dann die Vereinfachung ergibt, dass die Anzahl der Patienten auch gleichzeitig der prozentuale Anteil ist. Vorheriger ermittelter Prozentsatz mit 70 % gilt gemäß heutigem Stand mit den übertherapierten Patienten. Wenn wir diese 50 übertherapierten Patienten in unserer Statistik berücksichtigen, dann ergibt sich folgendes Ergebnis

(g – ü)x100:(ü + k – ü)=(g – ü)x100:k=(70 – 50)x100:50=40 %

Heute wird von 30 bis 50 % übertherapierten Patienten gesprochen, wobei natürlich bei einer neuen Thematik gerne auf die Pauke gehauen wird, um die entsprechend gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch wenn diese Zahl an der unteren Grenze bei 30 % liegen würde- dies bedeutet dann in unserem vorherigen Rechenbeispiel eine Erfolgsquote für die Ektomie von 57 %- sollten alle Anstrengungen unternommen werden, Richtlinien/Vorgehensweisen für diesen Patientenkreis auch aus volkswirtschaftlichen Gründen zu erarbeiten. So hoffen wir vom AK DNA-Onkochip vielleicht mit unseren Recherchen einen Anstoß in die richtige Richtung geben zu können.

Gruß Knut.

hartmuth
23.02.2008, 19:09
Hallo zusammen,
leider läuft hier eine sehr interessante Diskussion in der falschen Rubrik und unter einem falschen thread. Auch ich hatte mich daran beteiligt, und ich fand dies im Nachhinein gar nicht gut. Wir sollten in diesen thread renegats Problem und mögliche therapeutische Wege diskutieren.
Laßt uns die angeschnittene Thematik unter "Androgenentzugstherapien" diskutieren. Dort hätte ich dann auch was beizutragen, will dies aber nicht hier tun.

Grüße Hartmut

PeterP
23.02.2008, 22:40
Hallo renegat,
nachdem viel zeredet wurde wieder zu Dir: Die DHB zum damaligen Zeitpunkt war mit Sicherheit richtig. Möchte nicht drüber nachdenken, wo Freund Hein heute stehen würde, wenn Du damals eine RPE gewagt hättest.
Aber Leibowitz propagiert bei seinen Risikopatienten eine begleitende niedrigdosierte Chemo gleich zu Beginn der DHB. Mit mehr als 10 Jahren Verzögerung fangen unsere Uro-Götter langsam auch bei uns an, über eine frühe Chemo nachzudenken. D.h. es war für Dich damals gar nicht möglich, eine solche Behandlung zu bekommen.
Aber jetzt solltest Du Dir einen Spezialisten suchen, der mit Beginn des neuen HB-Zyklus eine niedrigdosierte Chemo dazu nimmt.
Um bei Leibowitz zu bleiben: Er behält auch beim Folgezyklus Proscar noch bei, modifiziert aber das Antiandrogen. Thalidomid, Nizoral etc.
Bei Dir waren während der DHB noch keine Anzeichen einer beginnenden Hormonresistenz vorhanden, so dass eigentlich mit einem guten wiederholten Ansprechen zu rechnen ist.
Vielleicht ließe sich auch strahlentherapeutisch danach noch eins draufsetzen.
Gruß Peter

HorstK
23.02.2008, 23:39
Hallo Peter,

alles Gute für Dein neues Lebensjahr und Glückwunsch zu diesem PSA-Wert !
Jan. 08: 0,02 ng/ml

Allzeit gute Werte,

Horst