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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Suche kurative Behandlungsmöglichkeit



Hans-W.
19.06.2006, 10:17
Hallo Mitstreiter,
Ich denke es gibt keinen besseren Rat ohne Eigeninteressen als der aus diesem Forum und wende mich deswegen an Euch mit meiner Frage. Zuerst ein paar Fakten - ich (54) bin vor ca. 1 Jahr im "Club" eingetreten mit Gleason 4+5=9, PSA 272,2 G3, T4, M0. Scintigramm ohne erkennbare Metastasen. Nach einem Jahr Profakt Depot 3 Monatsimplantate mit gleichzeitiger Casodex Behandlung ist mein PSA nach genau 12 Montaten auf 1,62 gefallen. Ich habe seit 6 Monaten keine Medicamente genommen um den Gewöhnungseffekt hinauszuschieben und habe jetzt einen leichten PSA Anstieg auf 3,79. Mein Urologe will nach 6 Wochen nochmal den PSA Wert überprüfen und dann entscheiden ob ich wieder auf Hormonblockade gehen soll. Mein Urologe meint, dass es außer der doppelten Hormonblockade keine weiteren Möglichkeiten geben wird außer Chemo wenn es mal so weit ist. Diesen Stand nehmen auch andere Urologen. Hat jemand Erfahrung aus ähnlicher Situation? Ist Bestrahlung etc. keine Option mehr? Ich suche, (wie wir alle), eine kurative Möglichkeit. Ich brauche keine moralische Unterstützung sondern Anhaltspunkte die ich verfolgen kann. Wer kann helfen. Danke im Voraus!
Hans-W.

WinfriedW
19.06.2006, 12:25
Hallo Hans-W.,

nach allem, was ich weiß, gibt es in unserer Situation keine kurative Behandlungsmöglichkeit.

Hinweisen möchte ich dich auf dieses (http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?u=191) und auf dieses (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=1467#post1467).

Vielleicht auch dieses (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?t=166) und dieses (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=279#post279).

Das ist ein Denkauftrag und ausdrücklich keine Empfehlung!

Ich wünsche dir alles Gute, Winfried

Michael
19.06.2006, 12:57
Hallo Hans-W.,
leider steht bei Deinen Werten nach dem heutigen Kenntnisstand keine kurative Behandlung zur Verfügung, was Dir auch alle Fachleute bestätigen werden.
Alles Gute
Michael

WinfriedW
19.06.2006, 14:02
Lieber Hans-W.
ich bin in einer ähnlichen Situation wie du. Ich bekomme palliativ eine Hormonblockade. Für den Fall, daß der Krebs refraktär wird, steht mir als letztes Mittel nur die Chemotherapie zur Verfügung.

Die Frage ist, ob Chemotherapie das letzte Mittel sein sollte. Da gibt es z. Zt. in der urologischen Fachärzteschaft einen Paradigmenwechsel.

Ich bestreite übrigens, dass sich Hans-W. in einer ähnlichen Situation wie du befindet. Hans-W. ist schlappe 12 Jahre jünger als du und seine Ausgangswerte sind um eine Nummer verschärfter! Womit ich nicht sagen will, dass deine Situation besonders erfreulich ist.

Aber ich will hier definitv keine Ratschläge geben, sondern nur Denkanstöße.

WW

RalfDm
19.06.2006, 22:14
Mein Urologe meint, dass es außer der doppelten Hormonblockade keine weiteren Möglichkeiten geben wird außer Chemo wenn es mal so weit ist.
Hallo Hans-W.,
die kurative Behandlung suchen wir alle. Nach dem heutigen Stand der Medizin ist sie - von Spontanheilungen abgesehen - nur in einem frühen Stadium der Erkrankung möglich, aber nie garantiert. Bei einem T4 sind bereits umliegende Organe wie die Blase oder der Enddarm befallen. In der Situation kann man nur darauf hoffen, den Krebs möglichst lange unter Kontrolle zu halten, hoffentlich bis zum Tod durch eine angenehmere Ursache.
Dein Urologe hat allerdings nicht ganz Recht. Es gibt auch die "Dreifache Hormonblockade" (DHB). Informationen dazu findest Du im Forumextrakt unter "Therapien", "Th-Erfahrungen" und bei KISP (http://www.prostatakrebse.de) unter "Texte". Wieviel sie im Vergleich zur zweifachen Hormonblockade bringt, wollen wir in Kürze in Zusammenarbeit mit der Uniklinik Homburg/Saar versuchen zu ermitteln.

Ralf

cligensa
20.06.2006, 00:39
Lieber Hans-W,
eine kleinere Unklarheit ist Deinen Daten zu entnehmen, da Du zwar einen T4 (klinisch) angibst, was also das Vorhandensein von Metastasen voraussetzt, Du aber nicht angibst, um welche Metastasen es sich dabei handelt. Auch über Lymphknotenbefall ist keine Angabe vorhanden.
Wie Dir bereits einige Mitbetroffene richtig gesagt haben, gibt es in dieser Situation keine kurative Therapie, auf die man hinweisen könnte. Aber was heißt schon kurativ? Für Dich ist jetzt eine andere Stratgegie angesagt, die Du mit Deinen Ärzten in Zukunft immer verfolgen solltest, ganz gleich, für welche Therapie Du Dich entscheidest: bei möglichst umfassender, bis ans Ende denkender Berücksichtigung der Biologie des Krebses sollte dieser als eine chronische Situation betrachtet und er sollte medikamentös langfristig unter Kontrolle gehalten werden. Ziel ist es zu erreichen, dass der natürliche Tod früher eintritt als der Tod durch Prostatakrebs. Das käme dann einer kurativen Situation ziemlich nahe.

Die Frage, ob das gelingt, ist immer noch offen, aber sicher nicht auszuschließen. Wenn ich sage "immer noch", dann beziehe ich mich auf die Entwicklung von neueren Medikamenten, wie z.B. die erst vor kurzem zugelassenen Taxotere, die in immer kürzeren Zeitabständen zukünftig zum Einsatz kommen werden. Da ist noch eine ganze Menge in der "Pipeline". Ob jetzt noch eine lokale Therapie sinnvoll ist, wird von verschiedenen Ärzten, auch sehr unterschiedlich beantwortet. Da eine systemische Therapie, wenn sie greift, den Krebs in der Prostata üblicherweise eher besser bekämpfen (debulking) kann als die meist aggressiveren Krebszellen außerhalb der Prostata, die Metastasen, scheint der Sinn einer radikalen lokalen Therapie bei erkannten Metastasen nicht offensichtlich erkennbar zu sein. Der härteste Gegner ist da eher außerhalb der Prostata zu finden. Wissenschaftliche Studien haben diese Frage m. E. noch nicht geklärt.
<O:p
Du bist noch jung mit Deinen 54 Jahren. Aber es ist nicht unmöglich, daß eine solche Strategie zum Erfolg führt. Der französische Präsident Mitterant hat 18 Jahre mit Metastasen gelebt. Will de Jongh hat 12 Jahre nach einer erkannten Metastase gelebt.
<O:p
Was ist zu tun. Dr. Leibowitz/Tucker empfehlen als strategisches Prinzip, die stärkste verfügbare Waffe zum frühest möglichen Zeitpunkt einzusetzen, um den zu diesem Zeitpunkt noch am schwächsten ausgeprägten Krebs so stark wie nur möglich zu schädigen, um dann mit einer Erhaltungstherapie die Zeit bis zum nächsten Therapieeingriff so lange wie nur möglich hinauszuschieben. Dass Zellen durch Hormonblockaden resistent oder gar refraktär werden können, muß bereits beim ersten Zyklus einer Hormonblockade in die Strategie mit einbezogen werden. Das schließt ein, daß verschiedene Zyklen der Hormonblockade wie auch die Zyklen einer Chemotherapie aufeinander abgestimmt sein müssen, um das strategische Ziel optimal zu verfolgen. Leibowitz/Tucker würden in Deiner Situation eine Hormonblockade mit drei Komponenten über eine begrenzte Zeit (eher 9 als 13 Monate) empfehlen und parallel dazu noch die metronomisch gering dosierte Chemotherapie (T/E/C – d.i. Taxotere, Emcyt, Carboplatinum und natürlich Hydrokortisonpräparate) zusammen mit weiteren auf die spezielle Situation des Patienten abgestimmten Medikamenten, um Nebenwirkungen abzufedern. Es gibt mehrere Patienten, die solche Therapienprotokolle von Dr. Tucker mit Urologen oder Onkologen hier in Deutschland umsetzen. Danach werden zur Erhaltung auch anitangiogene (Blutgefäßbildung verhindernde) Medikamente empfohlen (Proscar bzw. Avodart, Sortis, Thalidomid, Celebrex, Leukine, auch Bisphosphonate bis hin zu Testosteron-Ersatztherapien)
Ein Problem dieser Protokollansätze ist es, daß es keine randomisierten prospektiven Doppelblindstudien dazu gibt, die solche Therapieprotokolle aus dem Bereich der experimentellen Therapien herausbringen würden. Klinische Teilstudien z.B. über intermittierende Hormonblockaden, auch zur gering dosierten Chemotherapie, wurden und werden in Deutschland durchgeführt.
Eine Entscheidung für das aussichtsreichste Therapieprotokoll ist ganz sicher nicht einfach. Es fehlen hier die interdisziplinär arbeitenden Ärzte insbesondere aus dem Bereich der internistischen Onkologen/Hämatologen/Endokrinologen die üblicherweise keine großen Erfahrungen mit dem Prostatakrebs einbringen können.
Ich wünsche Dir, dass Dir gute Ärzte im Kampf gegen den Prostatakrebs helfen.
Grüße
Christian

Hans-W.
20.06.2006, 19:15
Liebe Mitstreiter Winfried W, Michael, Ulrich B, Ralf DM und ins besondere Christian L,
Ich bin voll berufstätig und habe derzeit Arbeit über beide Ohren und habe jetzt erst richtig Zeit mich nochmals zu melden. Für Eure Rückmeldungen an mich möchte ich mich hiermit herzlichst bedanken! Auf Grund der neu gewonnenen Erkentnissen werde ich mit Sicherheit einiges an meiner derzeitigen Behandlung ändern. Meinen besonderen Dank an Dich, Christian für deine sehr ausführlichen Erklärungen. Zu der offene Frage der Metastasen und Lymphknotenbefall - ich habe keine Ergebnisse hierdrüber erhalten. Mein Urologe sagt, die T4 Einstufung ist deshalb weil mein PSA so hoch gewesen ist. Ich war wohl etwas naiv und unter Schock damals und habe nicht weiter darüber nachgefragt.
Beste Grüße,
Hans-W.

WinfriedW
20.06.2006, 20:50
... Scintigramm ohne erkennbare Metastasen. ...
Herzlichen Glückwunsch, bei diesem PSA-Wert würde man etwas anders erwarten.


... Zu der offene Frage der Metastasen und Lymphknotenbefall - ich habe keine Ergebnisse hierüber erhalten. Mein Urologe sagt, die T4 Einstufung ist deshalb weil mein PSA so hoch gewesen ist. ....
Die Einstufung T4 dürfte nach meiner Einschätzung mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig sein. T4 heißt zunächst mal: Tumor ist fixiert oder infiltriert andere benachbarte Strukturen als Samenblasen, z.B. Blasenhals, Sphincter extemus, Rektum und/oder Levatormuskel und/oder ist an der Beckenwand fixiert. Eine Aussage über Metastasen ist damit noch nicht gemacht. Andererseits musst du bei diesem PSA-Wert mit einem Lymphknotenbefall rechnen. Mir wurde bei den Voruntersuchungen im MRT mit rektaler Spule ein einziger vergrößerter Lymphknoten nachgewiesen. Mir wurden am 13. 3. diesen Jahres neben der Prostata 19 Lymphknoten entnommen, davon waren 12 befallen.


...Ich bin voll berufstätig und habe derzeit Arbeit über beide Ohren ...
Ich bin auch voll berufstätig und hätte auch Arbeit über beide Ohren, dennoch verschieben sich die Prioritäten deutlich! Du solltest sehr umsichtig sein, sonst meißeln sie dir in den Grabstein: "Er hatte Arbeit über beide Ohren bis zum letzten Tag". Oder anders ausgedrückt, auch dein letztes Hemd hat keine Taschen!

Gruß Winfried