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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ein Mann plant seinen Tod



RalfDm
07.04.2008, 17:50
Liebe Mitstreiter,

unter dieser Überschrift berichten heute die Blätter des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh-z) über einen Mann in Neumünster, bei dem vor zwei Jahren PK diagnostiziert wurde, und der nun seinen Freitod in der Schweiz plant. Die ganze Geschichte ist hier (http://www.shz.de/schleswig-holstein/panorama/artikeldetail/article/529/krebs-mann-plant-seinen-tod-bei-dignitas.html) nachzulesen. Wie ist Eure Meinung zu dieser Vorgehensweise?

Ralf

knut.krueger
07.04.2008, 21:05
Hallo Ralf,

Die Gedankengänge des Herrn Bartes sind schon verwunderlich. Ist dies Naivität oder Dummheit? Die spärlichen medizinischen Daten sprechen eher für einen Krebs im Anfangsstadium. Da wird Herr Bartels noch viel Rotwein trinken können, und wahrscheinlich kann er sich seine Autofahrt in die Schweiz mit einem lustigen Lied auf den Lippen aus Altersgründen nicht erfüllen.
Gruß Knut.

Schorschel
07.04.2008, 21:22
...Wie ist Eure Meinung zu dieser Vorgehensweise?

Ralf


Hallo Ralf,

irgendwie empfinde ich das Verhalten des Herrn Bartels als Effekthascherei, bei allem Verständnis für alle möglichen Reaktionen nach einer Krebsdiagnose (die allerdings bereits 2 Jahre zurückliegt). Genaueres über sein Stadium wissen wir nicht. Aber sein Uro hat ihm ja wohl eine RPE empfohlen, so dass er - vermute ich - eher noch nicht in einem fortgeschrittenen Stadium sein dürfte. Dafür spricht auch die 60 bis 80% "Heilungschancen", die ihm sein Uro offensichtlich genannt hat.

Wenn jemand, der nach eigener Aussage nur "ab und zu ein leichtes Ziehen" verspürt (was wohl eher nicht vom PK kommt), seine dignitas-Absichten ziemlich locker vom Hocker (und sogar mit Bild) in der Zeitung darbietet - und das im eher zurückhaltend "gestrickten" Schleswig-Holstein -, dann halte ich das für sehr fragwürdig.

Er sagt über sich: "Ich bin sterbenskrank, ich habe das Recht, mir das Leben zu nehmen. Für mich ist das die Erlösung." Das klingt schon sehr nach Selbstmitleid und - wie schon gesagt - Effekthascherei.

Das Verhalten von Herrn Bartels ist m.E. auch unwürdig angesichts derjenigen Mitstreiter, die nach langer Quälerei mit ihrem PK und seinen Folgen die Freitod-Option als ihren letzten Ausweg ansehen, ohne ihre Absicht öffentlich zu zelebrieren.

Ob Herr Bartels seine Fahrt über Bayern in die Schweiz mitsamt "lustigem Lied auf den Lippen" einem Reality-TV-Sender live anbietet?

Schorschel

Carola-Elke
07.04.2008, 22:15
....

Die ganze Geschichte ist hier (http://www.shz.de/schleswig-holstein/panorama/artikeldetail/article/529/krebs-mann-plant-seinen-tod-bei-dignitas.html) nachzulesen. Wie ist Eure Meinung zu dieser Vorgehensweise?

Ralf

Hallo lieber Ralf,

da sich die Diskussion bisher lediglich um diesen, wegen mangelnder Angaben zur Historie als "harmlos" erkrankt einzustufenden Patienten dreht, frage ich zur Sicherheit bei Dir an, ob Du generell über die Vorgehensweise im Zusammenhang mit "Dignitas" oder Sterbehilfe diskutieren, oder ob Du wirklich nur diesen Fall aus Schleswigholstein einbeziehen möchtest?

Immerhin hatte das Forum lange Zeit ein aktives Mitglied namens "Frihama", (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?p=17418#post17418)der vor dieser Freitodlösung immer wieder um anderweitige Hilfe bat, jedoch wegen seiner zunehmenden Beschwerden für sich keine andere Lösung als die Schweiz mehr akzeptieren wollte.
Es war sehr schwer für diejenigen, die ihn kannten, mit seiner Entscheidung umzugehen, doch für ihn war es stets eine große Erleichterung, diese Option für sich selbst rechtzeitig sicher gestellt zu haben, anstatt eines Tages Ärzten, medizinischen Maschinen und Medikamenten hilflos ausgeliefert zu sein.
Weil man seine Leidensgeschichte und die Biografie kannte und mit ihm offen sprechen konnte, war es einem auch möglich, seinen Entschluss zu akzeptieren.

In dem Fall, den die von Dir zitierte Zeitung kolportiert, wurde viel zu wenig Hintergrundinformation zusammengetragen, um dem Leser ein Gesamtbild zu verschaffen, auf Grund dessen er sich eine Meinung bilden kann. Schlechter Journalismus, denn rein zu Unterhaltungszwecken ist dieses Thema zu ernst.

Ansonsten habe ich bei Fritz geahnt, um wieviel besser es ihm zum Zeitpunkt seines Ablebens ging, als vergleichsweise meiner BK-kranken Freundin vor ein paar Jahren, als sie im Alter von 42 die letzen langen Monate ihres Lebens künstlich ernährt werden musste und schließlich dahindämmerte, vollgepumpt mit Morphium und Barbituraten, bis die Atmung von selbst nach zwei- wöchigem Krankenhausaufenthalt aussetzte.

Im Ernstfall ist es immer eine individuelle Entscheidung, die man ohne Auseinandersetzung mit der Situation des Einzelnen nur oberflächlich für gut oder schlecht halten kann, sei es weil man selbst von moralischen oder christlichen Normen geprägt wurde oder dem Betroffenen nicht nah genug steht. Zu respektieren hat man seine Entscheidung allemal.

Schöne Grüsse,

Carola-Elke

Boerland
08.04.2008, 07:43
In einem Telefonat mit der zuständigen Redakteurin der SHZ habe ich um Kontaktvermittlung mit Herrn Bartels gebeten. Sodann erhielt Sie von mir folgende Mail:

Hallo Frau Beckwerment,
ich hoffe zunächst, daß Sie Erfolg haben, Herrn Bartels zu bewegen, mit uns Kontakt aufzunehemen.
Mit dem Eingefügten erhalten Sie meine Stellungnahme in Form eines Leserbriefes mit der Bitte, diesen an geeigneter Stelle zeitnah zu veröffentlichen.
Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich recht herzlich.
Mit freundlichen Grüßen
Hinrich Börm
-------
Leserbrief:
Ist die Diagnose „Prostatakrebs“ denn immer gleich ein Todesurteil? Meine klare Antwort: „Nein“.
Auch ich habe Prostatakrebs, festgestellt 2001, rein zufällig bei der Vorsorge. Ein schwerer Schlag, zumal mein Leben nicht immer ganz einfach verlaufen war. Doch sollte ich nun warten, was da kommt? Diese Krankheit hat mich eher herausgefordert.
Mit vielen Betroffenen haben wir die Prostatkrebs-Selbsthilfe aufgebaut und gestaltet. Wir haben uns die große Aufgabe gestellt, miteinander Wege zu finden, gerade mit Prostatakrebs eine hohe Lebensqualität zu erreichen. Nicht immer ganz einfach, doch es ist möglich.
Wir wissen heute, das es gut geeignete Therapien gibt, in vielen Fällen Prostatakrebs zu heilen oder über Jahre in der Entwicklung aufzuhalten. Mögliche Nebenwirkungen halten sich meist in Grenzen bzw. sind den altersbedingten Lebensqualitätsminderungen gleichzusetzen.
Ich habe meinen Prostatakrebs trotz Op., späterer Bestrahlung und jetzt Hormontherapie, als ein Teil von mir angenommen. Ich habe gelernt, Hilfe anzunehmen. Dabei spielte eine Therapie zur Krankheitsbewältigung eine entscheidende Rolle.
Mein großes Anliegen ist es, allen betroffenen Männer mit Ihren Angehörigen Mut zu machen: „Prostatakrebs ist eine Chance, dem Leben mit neuen anderen Farben auch weiterhin einen Sinn zu geben“. <O:p</O:p
Hinrich Börm
SHG Prostata-Erkrankte Schleswig<O:p</O:p
Landesverband Prostatakrebs Selbsthilfe Schleswig-Holstein<O:p></O:p>
Tel. 04885 902471
--------------

Erster Erfolg: Herr Bartels hat mich angerufen. Ich denke, ich habe die richtigen Worte gefunden, der ihm den Weg zur geigneten PCa-Therapie geebnet hat. Ich bleibe am Ball.
Schönen Gruß
Hinrich

Schorschel
08.04.2008, 07:47
...Erster Erfolg: Herr Bartels hat mich angerufen. Ich denke, ich habe die richtigen Worte gefunden, der ihm den Weg zur geigneten PCa-Therapie geebnet hat. Ich bleibe am Ball.
Schönen Gruß
Hinrich

Große Klasse, Hinrich! Und viel Erfolg!!

Schorschel

knut.krueger
08.04.2008, 09:41
Hallo Hinrich,

Da kann ich mich nur Schorschel anschließen. Du hast die richtige Maßnahme ergriffen und uns gezeigt: Handeln steht über Diskutieren/Polemisieren.

Meine Bewunderung und Anerkennung für Deine Vorgehensweise.
Gruß Knut.

Wilfried V.
08.04.2008, 10:03
Hallo!


Das Verhalten von Herrn Bartels ist m.E. auch unwürdig angesichts derjenigen Mitstreiter, die nach langer Quälerei mit ihrem PK und seinen Folgen die Freitod-Option als ihren letzten Ausweg ansehen, ohne ihre Absicht öffentlich zu zelebrieren. Ist auch meine Auffassung. Inzwischen gibt es ja auch ein anderes Verhalten.

Gut, wenn absolut nichts mehr geht und wenn ein weiteres Leben ganz klar nur aus dahinsiechen besteht.

Allerdings stimmt es bedenklich, wenn wie nachfolgend der Termin von Dignitas zum letzten Weg vorgegeben ist, hier von dem Betroffenen um Verzögerung gebeten wird, weil neue Erkenntnisse vorliegen um evtl. diese Aktion nicht durchziehen zu müssen.

Die Reaktion von Dignitas darauf, hier zitiert von dem Betroffenen.


Zur Erklärung meines Hin und Her: Anfang August 07 bekam ich für mich überraschend den zwar angekündigten, aber in dem Moment unerwarteten Termin für die "Todesbegleitung". Da ein Arzt mir gerade ein neues helfendes Mittel angekündigt hatte, erbat ich bei dignitas 3 Tage Bedenkzeit. Als ich drei Tage wieder bei dignitas anrief, hieß es, der für mich bei Dignitas zuständige Arzt sei über mein Hinauszögern verärgert. Der nächste Termin könne erst Mitte Oktober sein.Scheint wohl Alles auch ein Geschäft zu sein.

GeorgS
08.04.2008, 10:48
Hallo Hinrich,

hoffentlich wird Dein Leserbrief veröffentlicht. Ein Interview/Bericht über die Prostatakrebs Selbsthilfe Schleswig-Holstein wäre der nächste Schritt. Vielleicht nimmt die Redakteurin die Anregung an, wenn Du am Ball bleibst. Denn Betroffene mit langjähriger Überlebenszeit wirken in hohem Maße angstreduzierend, wie wir es im Forum immer wieder erfahren. Die Breitenwirkung einer Zeitung sollte genutzt werden. Wer weiß, wie lange noch? ;-)

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Du hast es wieder mal bewiesen.

Gruss

GeorgS

GeorgS
08.04.2008, 11:05
Hallo Ralf,

Du hast den Thread aufgemacht, daher muss der Schlusssatz lauten:

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Ihr habt es wieder mal bewiesen.

Gruss

GeorgS

RalfDm
09.04.2008, 12:36
Dieser Mail erging heute an die zuständige Redakteurin des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages:
------------------
Leserbrief:

Wir möchten weder zum Recht eines Menschen auf einen selbstbestimmten Tod Stellung nehmen noch zum Geschäftsgebaren des Vereins Dignitas. Wozu wir aber Stellung nehmen möchten, und wo wir glauben, Kompetenz zu besitzen, ist die Begründung "Prostatakrebs-Diagnose" für Herrn Bartels' Entschluss, sich das Leben zu nehmen. Herr Bartels zieht zur Begründung das Erleben des Todes seiner Frau an Bauchspeicheldrüsenkrebs heran. Prostatakrebs ist mit Bauchspeicheldrüsenkrebs in Bezug auf die Schwere der Erkrankung und die restliche Lebenserwartung in keiner Weise vergleichbar. Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs beträgt das mittlere Überleben etwa sechs Monate. Ganz anders liegen die Dinge beim Prostatakrebs. In Deutschland wird derzeit jährlich bei etwa 50.000 Männern Prostatakrebs festgestellt, es ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Aber nur etwa 12.500 Männer sterben jährlich an Prostatakrebs. Das sind zum geringsten Teil die im betreffenden Jahr neu Diagnostizierten, sondern Männer, deren Krebsdiagnose schon Jahre zurückliegt und bei denen der Krebs bereits gestreut hatte. Viel mehr Männer überleben die Erkrankung und sterben irgendwann an etwas ganz Anderem. Im Frühstadium erkannt, ist Prostatakrebs in vielen Fällen heilbar, ja, bei einer geringen Aggressivität des Krebses ist oft jahrelang gar keine aggressive Behandlung erforderlich. Wir kennen nicht Herrn Bartels' Befund. Wenn er aber zwei Jahre nach der Diagnose nur ein Mittel gegen Miktionsbeschwerden einnimmt, die wahrscheinlich alters- und nicht krebsbedingt sind, und sein Arzt ihm eine Heilungschance von 60 bis 80 Prozent einräumte, dann kann es sich nach unserer Auffassung nicht um einen aggressiven Prostatakrebs im Spätstadium handeln. Herrn Bartels' Beschluss erscheint uns ein wenig wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Keineswegs sollten andere neu diagnostizierte Männer aus ihm den Schluss ziehen, dass nach einer Prostatakrebs-Diagnose eine Selbsttötung die beste Lösung ist. Zehntausende Männer in Deutschland, deren Diagnose bereits viele Jahre zurückliegt und die sich einer durchaus guten Lebensqualität erfreuen, sind lebende Beweise für das Gegenteil.

Unter der gebührenpflichtigen (14 ct/min) Sevice-Rufnummer 0180-5-287574 bieten wir von Dienstags bis Donnerstags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr Prostatakrebs-Beratung von Betroffenen für Betroffene und deren Angehörige. Auch die Prostatakrebs Selbsthilfegruppen in Schleswig-Holstein. können Ratsuchenden wertvolle Hilfen geben.

Der Vorstand
Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V. (BPS)
Alte Straße 4
D-30989 Gehrden
Fon (+49) 5108.9266-46
Fax (+49) 5108.9266-47
Mail info@prostatakrebs-bps.de
Web www.prostatakrebs-bps.de (http://www.prostatakrebs-bps.de)
------------------------
Ralf

Anonymous1
22.04.2008, 12:11
Hallo,

heute liest man folgenden Leserbrief:

http://img409.imageshack.us/img409/5092/dignitasei5.jpg

Gruß Dieter

SabiMa
02.07.2009, 15:43
Ich versteh nicht warum jemand sein Tod planen würde. Ich finde das lächerlich. Vielleicht lebt er noch 20 Jahre, wenn der Weltuntergang nich früher kommt und er plant schon sein Tod.

ray106
03.07.2009, 17:01
Ich kann nur Carola-Elke zustimmen. Dignitas sollte immer eine Option sein.

Bernhard
05.07.2009, 21:33
Weshalb sollte ein Mensch seinen Tod denn nicht selber planen dürfen?

bernhard

Konrad
06.07.2009, 09:23
Ich versteh nicht warum jemand sein Tod planen würde. Ich finde das lächerlich. Vielleicht lebt er noch 20 Jahre, wenn der Weltuntergang nich früher kommt und er plant schon sein Tod.


weil dies eine der wenigen freiheiten in unserem staat ist.

Anonymous1
06.07.2009, 11:05
weil dies eine der wenigen freiheiten in unserem staat ist.

Hallo Konrad, mich würde interessieren, wie es mit Herrn Bartels weiterging. Eigentlich müsste uns Hinrich etwas dazu sagen können.

Boerland
06.07.2009, 13:24
Hallo zusammen,
Herr Bartels hat sich bei mir nicht wieder gemeldet. Ich konnte ihn leider nicht anrufen wegen fehlender Tel.-Nummer.
Im Nachherein habe ich allerdings den Eindruck, dass hier eine bestimmte Werbeabteilung mit im Spiel war - und Herr Bartels ein Opfer.
Habt bitte Verständnis, dass ich zum Inhalt des Gespräches keine Angaben machen werde, außer dass Herr Bartels über seine PCa-Erkrankung kaum aufgeklärt war und sich deshalb verständlicherweise auch eine große Angst vor einem qualvollen Tod aufgebaut hatte. Dieses wird sich sicherlich durch unser Gespräch geändert haben. Ich habe damals dem Herrn Bartels an Hand eigener sehr positiver Erfahrungen klar machen können, dass es zu seinem geplanten Freitod eine lohnende Alternative gibt: Optimale Lebensqualität trotz PCa!!!
Schönen Gruß
Hinrich

Anonymous1
06.07.2009, 14:18
Hallo Hinrich, wenn Du ihn damals überzeugen konntest, wird er bestimmt noch unter uns weilen. Ich glaube außerdem, dass planen und machen besonders bei solch einer gravierenden Sache zweierlei ist.

Der damalige Artikel ist in der SHZ nicht mehr verfügbar. Aber der Zusammenhang lässt sich in sehr ähnlicher Form in einer Berliner Zeitung nachlesen:

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/1211/seite3/0001/index.html

HorstK
06.07.2009, 15:17
Ich konnte ihn leider nicht anrufen wegen fehlender Tel.-Nummer.


Wenn das der besagte "Herr Bartels" sein sollte, könnten diese veröffentlichten Telefonnummern evtl. weiterhelfen:

?
Bartels Rudolf
Diagonalstr. 17
20537 Hamburg
Tel.: 040 21 25 86

?
Bartels Rudolf
Krügers Redder 8
22177 Hamburg
Tel.: 040 6 41 42 53

?
Ott Karin u. Bartels, Rudolf
22523 Hamburg
Tel.: 040 5 40 24 35

oder hier:
http://www.dignitas.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=109&Itemid=160

SabiMa
09.07.2009, 14:12
weil dies eine der wenigen freiheiten in unserem staat ist.

Das habe ich schon verstanden. Aber wieso sollte das ein Freiheit sein? Leben sollte doch eine Gabe sein, und nicht eine Strafe. Oder ist das dir normal dass Menschen Selbstmord begehren? Ich finde das echt traurig.

Briele
09.07.2009, 16:56
Hallo SabiMa,


über das Thema „Freitod“ kann man kontrovers diskutieren, Deine Kommentare dazu finde ich ehrlich gesagt verzichtbar. Einmal, (am 2.7.) findest Du es lächerlich, heute macht es Dich traurig, gibst uns aber noch mit auf den Weg , daß das Leben doch eine Gabe und keine Strafe sei.


Wie bereits von anderen geschrieben gehört die Möglichkeit sein Leben selbst zu beenden sehr wohl zur Freiheit und ich werde mich immer ganz entschieden dagegen wehren, daß andere meinen das für mich entscheiden zu können.


Wenn ein Mensch sein Leben nicht mehr lebenswert hält, wenn es so beschwerlich und mühsam geworden ist, jeder Tag eine Plage, dann kann man noch Möglichkeiten aufzeigen, Perspektiven anbieten, aber wenn der Betroffene sagt ich will und kann nicht mehr, so ist das seine Entscheidung und es ist sein Leben mit dem er tun und lassen kann was er will. Es gehört ihm.


Als Angehörige werde ich immer an der Seite des Kranken sein, egal wie seine Entscheidung ist. Und wenn ich dann selbst betroffen bin hoffe ich aus ganzem Herzen nicht solche unnützen Bemerkungen zu hören wie Du sie hier schreibst.


An anderer Stelle glaube ich von Dir gelesen zu haben, daß Du psychologisch arbeitest? Das mag ich kaum glauben und wenn es stimmt, dann macht es mir fast Angst.
Ich habe alle Deine Beiträge gelesen und frage mich, auch Dich, was willst Du uns eigentlich sagen?


Mit freundlichen Grüßen
Briele

Pinguin
09.07.2009, 17:46
Klare Worte

Hallo Briele, einem Forumsbenutzer, der schon seit 2006 hier registriert ist, steht es zu, mal Tacheles zu reden bzw. schriftlich zu dokumentieren. Es mag ja sein, dass auch Menschen mit einem oder mehreren Studiengängen noch immer nicht der deutschen Sprache bzw. der richtigen Schreibweise mächtig sind; ausgenommen natürlich Angehörige aus Ländern außerhalb Deutschlands. Nach der Weigerung, sich ein wenig mehr zu outen, verwundert es schon, warum jemand sein Pseudo-Psychologisches Wissen unbedingt in dieses Forum einzubringen versucht. Wenn jemand über zu viel Zeit verfügt und Gutes tun möchte, hat er täglich die Möglichkeit, in der Altenpflege oder in der Palliativmedizin betreuerisch aktiv zu werden. Da hat man auch durch den täglichen Umgang mit Menschen ständig die Möglichkeit, seine Deutschkenntnisse aufzufrischen bzw. überhaupt zu verbessern.

"Tätig ist man immer mit einem gewissen Lärm. Wirken geht in der Stille vor"
(Peter Bamm)

caroline
16.07.2009, 11:50
Ich finde das Thema Freitod ist ein sehr weites und auch äußerst wichtiges Thema für alle Menschen .
Wobei hier immer die Frage gestellt werden sollte wie "frei" ist der Schritt aus dem Leben im Einzelfall tatsächlich. Da gibt es zum einen diejenigen deren Botenstoffe im Gehirn durcheinander geraden sind,Menschen mit echten klinischen Depressionen oder anderen ,durch körperliche "Fehlfunktionen" ausgelösten Problemen. Diese Menschen können in ein Tief rutschen und einen "Tunnelblick" entwickeln. Ihnen stehen heute ja glücklicherweise viele gute Medikamente und Therapien zur Verfügung.Hier sollten die Betroffenen unbedingt vor "Kurzschlußreaktionen" bewahrt werden.
Auf der anderen Seite Menschen die die Angst vor dem Tod -so paradox-das klingt in Todessehnsucht bringt.(ähnlich Höhenkranken die in größeren Höhen Angst haben "springen zu müssen")
Menschen die aufgrund von Krankheiten oder schweren, nicht für sie zu verarbeiteten Erlebnissen aus dem Leben scheiden wollen denen eine Anpassung an gegebene Situationen nicht gelingt.
Menschen die präzise ihren Tod aus wohlüberlegten Gründen selbst entscheiden wollen,und um die es hier wohl in erster Linie geht .
In unserer Zeit kann glücklicherweise sehr sehr viel zur Heilung,fast immer etwas zur Verbesserung oder Schmerzlinderung getan werden.Aber wir alle kennen leider auch Fälle in denen das Ende wie es sich dagestellt hat nicht wünschenswert um nicht zu sagen schlimm und elend war.
Es ist mir aufgefallen,dass sehr viele Menschen bei der Diagnose Krebs sofort an ihr Ende denken teils aus Angst teils aus einer -fast möchte ich sagen Trotzreaktion heraus-(das Leben ,Gott,das Schicksal hat mich betrogen jetzt wehre ich mich)öfter aus der Angst vor der Möglichkeit eines Sichtums und schlimmen Leiden heraus.
Erst mit Wissen und Erkennen der Heilungschancen und Akzeptanz legt sich diese Haltung oftmals wieder und der in uns liegende Überlebenswillen stellt sich wieder ein.
Wenn auch dem Menschen erklärt werden kann,dass Leben immer auch Tod bedeudet.Zwei Seiten der gleichen Münze.Der Tod kann plötzlich z.b. durch Unfall ins Leben treten und leider hat keiner,ob gesund oder nicht die Garantie auch nur auf den nächsten Tag . Von einer fröhlichen Runde kann in der nächsten Woche der Erkrankte der einzige sein der noch am Leben ist.Krebs ist heute glücklicherweise oft körperlich heilbar,aber leider nicht immer psychisch. Hier kommt es oft zu einer Conditionierung d.h. der Glaube an den eigenen Körper ,an die eigenen Kräfte also an sich selbst wird auf eine harte Probe gestellt und kann im extremen Fall verloren gehen.Hier ist dann die verbale Intervention gefragt.Ich persönlich bin überzeugt ,dieses Forum hat mit Sicherheit schon viele Leben gerettet.
Es gibt ja auch noch diese Fälle von medizinischen unerklärlichen Sponatanheilungen.
Die Möglichkeit sich im schlimmsten Fall,also wenn tatsächlich das Leben zu einer unerträglichen und unzumutbaren Pein wird. Jeder Tag von Schmerz und Qual bestimmt und das Ende von dem Betroffenen selbst als absolut wünschenswert empfunden und herbeigesehnt wird,so sollte jedem Menschen zugestanden werden hier eine selbstbestimmte Entscheidung treffen zu dürfen und zu können,so meine persönliche Meinung.
Im übrigen finde ich es großartig wie sehr ihr Euch für jeden einzelnen hier einsetzt und wirklich keine Mühen scheut zu helfen.Ich wünschte mir immer solche Freunde zu haben nicht nur,wenn mein Lebensweg in dunklere Bereiche führt.
Mit lieben Grüßen Caroline

Hier noch ein Spruch der mir gut gefällt,vielleicht etwa kitschig und nicht unbedingt hierher passend.:Der Engel der Geburt zieht die Uhr auf und übergibt den Schlüssel dem Engel der Auferstehung

Pinguin
16.07.2009, 13:00
Nicht mehr leben wollen

Liebe Caroline, es ist ein Genuß, Deine einfühlsamen Worte lesen zu dürfen. Du bist erst seit März 2009 aktive Teilnehmerin in diesem Forum. Aus diesem Grunde erlaube ich mir, Dir diesen (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?t=2350)Thread einmal vor Augen zu führen. Er bestätigt zum Teil, was Du oben wohl gemeint haben könntest, mit dem Bemühen, einem des Lebens überdrüssigen Menschen noch etwas weiter über die Runden helfen zu wollen. Manchmal bleibt dann nur noch die Erkenntnis, dass einem, wie in diesem Falle sehr gebildeten, ehemaligen Forumsbenutzer die letzte Entscheidung überlassen werden muss, wenn er es denn so will.